Krebs – die Angst vor der Zivilisationskrankheit

Krebs: die meist gefürchtetste Krankheit von allen. Was in den 80ern noch AIDS war, wurde nach und nach von Krebs abgelöst. Die Medien erzählen uns, was alles Krebs auslöst und was wir tun sollen, um uns davor zu schützen- Doch was ist Krebs eigentlich wirklich?

Als Krebs bezeichnet man eine Vielzahl von Krankheiten, bei denen Körperzellen sich unkontrolliert vermehren, gesundes Gewebe verdrängen und zerstören und oft bildet sich auch ein bösartiger Tumor. Dies hat viele Auslöser, die alle eine Störung des Gleichgewichts der Zelle zwischen Zellwachstum und Zelltod nach sich ziehen.
Die unterschiedlichen Auslöser sind auch der Grund, weshalb es schwer ist den Krebs auf eine Ursache zurückzuführen und dies führt ebenfalls zu einer Vielzahl von Mythen über diese Krankheit, die sich hartnäckig halten: Es ist keine moderne, menschengemachte Krankheit, sondern kann ebenfalls Tiere (auch Haie) treffen. Kleine Tiere sind sogar anfälliger als Große. Selbst Pflanzen sind nicht sicher davor. Lebensmittelzusätze oder Zucker sind auch keine Ursache, besonders Zucker wird von allen Zellen des Körpers gebraucht. Aber eine ausgewogene Ernährung ist trotzdem eine gute Vorbeuge. Auch gibt es keine Beweise, dass Parabene oder Aluminiumsalze in Deodorants zu (Brust-)Krebs führen. Ebenso steht es um Handystrahlen. Leider sind auch oft angepriesene Krebsverhindernde (Super-)Lebensmittel und Früchte nur ein Mythos, die Beweise dafür fehlen.

Tropf im Krankenhaus (Foto: NicoLeHe  / pixelio.de)

Tropf im Krankenhaus (Foto: NicoLeHe / pixelio.de)

Alter ist ein großer Risikofaktor für Krebs, weshalb mit der Zahl der immer älter werdenden Menschen der Moderne natürlich auch die Zahl der Betroffenen ansteigt. Doch warum Alter? Und warum bekommen wir nicht alle Krebs? Unsere Zellen teilen sich Billionen Mal (zwölf Nullen) an einem Tag. Bei jeder dieser Zellteilungen muss unsere Erbinformation, die DNA, bestehend aus 3 Milliarden (neun Nullen) Basenpaaren kopiert werden. Dabei entstehen manchmal Fehler, die Mutationen genannt werden. Unser Körper hat Reperaturmechanismen, die 99 Prozent aller Fehler wieder beheben. Und doch sammeln sich Mutationen an. Die meisten davon sind harmlos, andere könnten sogar sich positiv auswirken. Doch eine Mutation kann auch dazu führen, dass sich die Zelle abnorm verhält, sie sich ungewollt vermehrt und Signale zum Wachstumsstopp ignoriert.

Mutationen entstehen zufällig, können aber auch vererbt werden oder durch Umwelteinflüsse entstehen. Umwelteinflüsse sind zum Beispiel UV-Strahlung oder chemische Stoffe, wie sie im Zigarettenrauch vorkommen. Eine Studie im Januar 2015 zeigte, dass der Zufall der wohl einflussreichste Faktor bei der Krebsentstehung ist. Deshalb gibt es auch Raucher, die jahrzehntelang rauchen und trotzdem keinen Krebs bekommen. Doch das heißt nicht, wie es in den Medien oft dargestellt wurde, dass Krebs reine Glückssache ist und der Lebensstil von keinerlei Bedeutung ist. Vielen Krebsarten kann leicht vorgebeugt werden.

Fast eine halbe Million Menschen erkranken jedes Jahr neu an Krebs, die unterschiedlichen Arten sind geschlechtsspezifisch ausgeprägt. Wann finden wir endlich ein Heilmittel gegen Krebs? Die Wahrheit ist: Nie. Es wird nie „das Heilmittel“ gegen Krebs geben. Da Krebs eine Vielzahl von Krankheiten darstellt, die auch von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt sind, ja sogar innerhalb einer Person unterschiedlich auftreten können, und durch eine Ansammlung unterschiedlicher Mutationen, die zu unterschiedlichen Effekten führen, entsteht, ist es unmöglich mit nur einem Hilfsmittel alles zu heilen. Die Forschung versucht durch eine Serie an Tests herauszufinden, was die beste Medizin für eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. Doch das heißt nicht, dass die Forschung nicht dabei ist Fortschritte zu machen. An Impfstoffen wird geforscht, bereits mit menschlichen Testreihen, Nanobots werden entwickelt. Dies sind nur einige Beispiele und durch weitere Forschung wird in Zukunft die Überlebensrate bei einigen Krebsarten deutlich reduziert werden können.

Kontroverse Ernährungsmythen- den Fakten auf der Spur

Der Kampf darum, welche Ernährungsform die Gesündeste ist, hält an. Was sollen wir essen und was nicht? Kann man das heutzutage noch wissen? Während wir bereits geklärt haben, dass zu hoher Fleischkonsum ungesund ist, und die Debatte zwischen Veganern und Fleischessern mit Fakten unterlegt haben, bleiben allerdings noch einige weitere Punkte im Raum stehen. Diese nehmen wir uns heute vor.

Kontroverse Ernährungsmythen- den Fakten auf der Spur

Rohkost (Foto: Face2Face)

Einige Veganer gehen nämlich noch einen Schritt weiter. Sie essen nur noch Rohkost. Rohkost-Veganer essen nichts, was über 42°C erwärmt worden ist, da dies Enzyme zerstört. Allerdings brauchen wir zum Verdauen keine Enzyme von außen, da wir Verdauungsenzyme selbst herstellen können. Auch sind die wenigsten Vitamine hitzeempfindlich und beim Kochen verlieren die Vitamine B1, B5, B9, und C nur langsam ihren Wert. Tatsächlich war Kochen sehr wichtig für unsere Vorfahren, weil so unser Essen uns mehr Netto-Energie einbrachte (die Verwertbarkeit der Proteine in Eier steigt zum Beispiel an), Bakterien abgetötet werden konnten und auch Toxine zerstört werden (wie zum Beispiel bei Kartoffeln). Trotzdem besteht natürlich nicht bei allen Lebensmitteln die Notwendigkeit sie zu kochen. Obst und einige Gemüsesorten schmecken unbehandelt hervorragend.

Auch Milch ist in Verruf geraten. Während es früher noch „Milch macht stark“ hieß, heißt es heute, dass man die Finger davon lassen sollte. Das Kalzium in der Milch, so dachte man früher, stärkt die Knochen, doch dies konnte widerlegt werden. Andere Studien vermuten sogar eine Erhöhung der Knochenbrüchigkeit, was allerdings nicht belegt ist. Kritiker warnen also vor Osteoporose. Fest steht, bei erhöhtem Konsum von Milch und Milchprodukten erhöht sich das Risiko von Akne, Diabetes (Typ1) und Krebs (Brust-, Prostata- und Eierstockkrebs). Eine geringe Aufnahme von Milch (ca. 1 Glas pro Tag) wird jedoch weiterhin als gesund angesehen, dank der gesunden Fettsäuren erniedrigt sich das Risiko für Übergewicht, Diabetes (Typ2) und Krebs (Brustkrebs).

Ist man allergisch auf Laktose (Milchzucker) oder Casein (Milchprotein) sollte man Milch meiden. Tatsächlich verlieren alle Säugetiere nach dem Säuglingsalter langsam die Fähigkeit Laktose zu spalten, beziehungsweise das dafür notwendige Enzym (Laktase) zu produzieren. Erst beim Menschen entwickelte sich eine Laktose-Persistenz, eine genetische Mutation, die besonders in höheren geographischen Lagen entstand, weil dem Körper durch die Milch mehr Vitamin D zugeführt wurde. Laktose-Intoleranz findet sich aber noch bei 95 Prozent der Asiaten, 70 Prozent der Afrikaner, 53 Prozent der Südamerikaner und 15 Prozent der Kaukasier.

Auf Gluten sollte, ähnlich wie bei Lactose, nur der achten, der eine Allergie oder Unverträglichkeit – eine Zöliakie – besitzt. Um dies zu erfahren solltet ihr zu einem Arzt gehen, allerdings einem vertrauenswürdigem, da der neue Trend der IgG Allergie Tests ebenfalls falsche Ergebnisse erbringt. Ansonsten ist es vollkommen in Ordnung Gluten zu verspeisen.

Vitamin D befindet sich, wie bereits erwähnt, in Milch, aber auch in Fisch und Sojaprodukten. Eine Unterversorgung steht mit vielen Krankheiten, wie kardiovaskuläre Erkrankungen oder Autoimmunkrankheiten in Verbindung. Doch Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin, da unser Körper es selbst herstellen kann: treffen Sonnenstrahlen auf unsere Haut, können Zellen diese Energie zur Herstellung von Vitamin D nutzen. Ein regelmäßiges Sonnenbad nehmen ist also sehr gesund.

Gerade in den nördlichen Graden im Winter kann kein Vitamin D gebildet werden und ob eine zusätzliche Einnahme von Nöten ist, ist Gegenstand einiger Diskussionen. Eigentlich könnte der Mensch sich einen Speicher im Sommer anlegen, den er über den Winter hindurch verbraucht, doch in unseren Gesellschaften ist bei einigen Bürgern die Sonnenexpositionszeit, die Zeit, die sie im Sonnenlicht verbringen, zu gering.

Kontroverse Ernährungsmythen- den Fakten auf der Spur

Die süße Versuchung: Zucker ist in vielen Lebensmitteln (Foto: Face2Face)

Zu viel Zucker ist definitiv ungesund. Und das Problem ist, dass in vielen Produkten im Supermarkt viel Zucker versteckt ist. Von zu viel Verzehr sollte man also absehen. Aspartam, das Süßungsmittel, welches man in Diät-Cola und ähnlichem findet, wird ebenfalls oft als krankmachend und krebserzeugend verunglimpft. Doch bisher gibt es keine Studien oder Befunde, die dies beweisen.

Besonders bei der Ernährung wird oft auf krebserzeugende Wirkungen verwiesen, auch wenn die echten Studien eigentlich nur eine Korrelation gefunden haben. Die Problematik liegt bei der Interpretation der wissenschaftlichen Befunde durch Nachrichtensender und Blogger. Dabei bedeutet eine Korrelation nicht immer einen kausalen Zusammenhang. Auch wird oft in der Umgangssprache von „Chemie“ in unserer Ernährung gesprochen, wenn industriell produzierte Zusätze gemeint sind. Und auch diese Zusätze bedeuten nicht automatisch einen tödlichen „Chemie- Cocktail“.

Um sich gesund zu ernähren, gibt es viele Wege. Es gilt eigentlich nur einige Grundregeln zu beachten. Hierzu sollte Ernährungsexperte David L. Katz zitiert werden: „Esst Gemüse, esst Obst, esst Vollkornprodukte, esst keine Fertigessen, und übertreibt es nicht mit Zucker, Fleisch und Milchprodukten. Das war’s. So einfach ist es.“ und „Einen frühzeitigen Tod stirbt derjenige, der sich schlecht ernährt, keinen Sport treibt, Übergewicht hat und raucht.“

Vorschau: In zwei Wochen gibt es kleine Weltverbesserertipps für den Alltag.

„MS ist keine Strafe, sondern eine Aufgabe“

Etwas gehetzt komme ich am Speyerer Postplatz an. Ich bin wie immer zu spät dran. Und natürlich wartet sie schon auf mich. Sie ist ein bisschen blass. Ihr Körper wirkt zierlich, fast schon zerbrechlich. Doch ansonsten deutet nichts darauf hin, dass sie noch vor wenigen Tagen im Krankenhaus lag.

Blick nach vorne: Svenja sieht ihre Krankheit MS als Aufgabe, nicht als Strafe (Foto: privat)

Blick nach vorn: Svenja sieht ihre Krankheit MS als Aufgabe, nicht als Strafe (Foto: privat)

Svenja Mohr ist 22 und hat Multiple Sklerose, eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die je nach Patient ganz unterschiedliche Ausprägungen haben kann.
Als Svenja im Dezember 2012 eines Morgens aufsteht und schlaftrunken gegen die Zimmertür läuft, denkt sie sich dabei nicht viel. „Klingt lustig und war es zuerst auch“, erzählt mir die junge Frau, als wir die Maximilianstraße entlang gehen. Sie muss sogar jetzt noch grinsen, wenn sie daran zurückdenkt. Dabei glitzert ihre Zahnspange frech in der Mittagssonne.

Dann erzählt sie weiter: „Beim Zähneputzen habe ich dann gemerkt, dass meine rechte Gesichtshälfte taub ist und beim Frühstück war ich dann sicher: Da stimmt etwas nicht!“
Svenja kommt ins Krankenhaus. Dort werden jede Menge neurologische Tests gemacht: bei geschlossenen Augen mit dem Finger auf die Nase tippen, die Zehen aufstellen und beugen, gerade auf einer Linie laufen. Svenja nennt sie Affentests, weil sie sich bis heute komisch dabei vorkommt, wenn sie sie bei ihren regelmäßigen medizinischen Kontrollen machen muss. Blutuntersuchung, Hirndruckmessung und die Messung der Hirnströme mithilfe von elektrischen Impulsen über Akkupunkturnadeln in Kopf und Schultern folgen. Das MRT bringt schließlich ein Ergebnis: In Svenjas Gehirn sind graue Schatten zu sehen.

„Ich hatte solche Angst, es wäre Krebs“, erzählt mir die 22-Jährige, „es war eine richtige Erleichterung, als mir gesagt wurde, dass es kein Krebs ist.“ Nachdem auch eine Hirnhautentzündung ausgeschlossen werden kann, fällt der Verdacht der Ärzte auf Multiple Sklerose, kurz MS. Doch die Diagnose kann erst bestätigt werden, wenn es einen zweiten Krankheitsschub gibt.

Der lässt nicht lange auf sich warten: „Ich saß bei meinem Freund im Auto – das war im Januar 2013 – und plötzlich fing meine Hand an zu zittern. So ging das dann zwei oder drei Stunden.“ Nach einem weiteren MRT stellt der Radiologe die Diagnose: MS.

Zuversichtlich: Svenja hofft auf eine intravenöse Therapie mit einem neuen, vielversprechenden Medikament (Foto: privat)

Zuversichtlich: Svenja hofft auf eine intravenöse Therapie mit einem neuen, vielversprechenden Medikament (Foto: privat)

Ruhig sieht mich Svenja an. Wir haben uns inzwischen in ein Café gesetzt. Ich fühle mich etwas unsicher. Fast glaube ich, mich hat ihre Diagnose mehr getroffen als sie im ersten Moment. Zu meiner Erleichterung muss ich gar nicht nachhaken – sie erzählt von sich aus, ganz frei und locker: „Am Anfang habe ich ziemlich cool reagiert. Erst nach einem sehr starken Schub im April 2013 wurde mir meine Krankheit so richtig bewusst. Mein Körper wurde völlig taub. Innerhalb von zwei Tagen konnte ich meine Beine nicht mehr bewegen. Ich versuchte auf Krücken zu gehen, aber dann hatte ich auch in den Armen keine Kraft mehr.“ Zwei Tage habe sie durchgeheult. Und auch ihre Familie sei völlig durch den Wind gewesen.

Zum aktuellen Zeitpunkt hat Svenja zwölf Entzündungsherde im Gehirn und fünf weitere in der Wirbelsäule. Bei dem Gedanken daran läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Wie muss sich dann erst Svenja fühlen?
„Manchmal vergesse ich total viel“, berichtet sie mir von den Symptomen ihrer Krankheit, „ich darf mich weder körperlicher Anstrengung noch Stress aussetzen. Zeitweise habe ich schlimme Schlafstörungen. Tatsächlich komme ich mir manchmal wie eine 80-Jährige vor.“ Zur Demonstration hebt sie ihre linke Hand – „ich denke nicht, dass das Zittern nochmal weggeht.“

Anfang September beginnt die Speyererin eine Ausbildung zur Erzieherin. Wenn sie darüber spricht, strahlen ihre Augen. „Kinder sind sehr tolerant und verständnisvoll“, sagt sie, „ich erkläre ihnen einfach, wenn ich etwas nicht richtig kann und sie nehmen das so auf. Gleichaltrige und Ältere reagieren dagegen teilweise überfürsorglich.“

Bald beginnt Svenja eine intravenöse Therapie mit einem neuen Medikament, das sehr vielversprechend ist. Viele MS-Patienten fühlen sich damit wie neu geboren, erzählt sie mir. In ihrer Stimme liegt Hoffnung.
Ihr erklärtes Ziel ist es, nicht im Rollstuhl zu landen. Stattdessen möchte sie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und so lange wie nur möglich in ihrem Beruf tätig sein. Außerdem wünscht sie sich ein eigenes Auto, um unabhängig zu sein. Und später einmal hätte sie gerne eine eigenes Haus und Kinder.

Die Wünsche und Sehnsüchte einer ganz normalen jungen Frau, denke ich bei mir. Und doch ist Svenja so viel mehr: Nach dem starken Schub im April 2013 hat sie innerhalb von einer Woche wieder gehen gelernt; ihr Lebensmotto „Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest“ ist während unseres Gesprächs so spürbar, als schwebe es in leuchtenden Lettern zwischen uns.

Wirkt auf den ersten Blick blass und zerbrechlich: Doch Svenja blickt optimistisch in ihre Zukunft (Foto: privat)

Wirkt auf den ersten Blick blass und zerbrechlich: Doch Svenja blickt optimistisch in ihre Zukunft (Foto: privat)

„Ich sehe meine Krankheit nicht als Strafe, sondern als Aufgabe“, erklärt sie mir. Sie möchte über ihre Erkrankung sprechen und anderen in derselben Situation helfen. Deshalb hat sie eine Gruppe auf Facebook gegründet: MS-JUGEND Speyer & Umgebung. „Als junger Mensch tappt man mit MS völlig im Dunkeln. Ich will nicht, dass das irgendjemand alleine durchstehen muss“, so Svenja.

Als ich nach Hause fahre, ist mein Kopf randvoll mit Gedanken. Es ist erstaunlich, wie optimistisch Svenja in ihre Zukunft sieht, wie sie all das, was sie mit ihren 22 Jahren schon mitgemacht hat, verkraftet, all das Negative in Positives umwandelt und dabei nicht zuletzt an andere denkt.

Wenn ich ehrlich bin, hat mir vieles von dem, was sie von ihrer Krankheit berichtet hat, Angst eingejagt. Und trotzdem ist sich Svenja sicher: „Krebs wäre um einiges schlimmer gewesen.“

Info:
Jugendliche und junge Erwachsene, die selbst an MS erkrankt sind oder erkrankte Freunde oder Verwandte haben, können sich der Gruppe MS-JUGEND Speyer & Umgebung gerne anschließen. In der Gruppe könnt ihr euch austauschen und gemeinsame Aktivitäten planen.

Vorschau: Svenjas größte Angst war es, an Krebs erkrankt zu sein. Am Dienstag, 23. September berichten wir im Panorama über eine Frau, deren Schwester an Krebs gestorben ist.

Krebstiere − Vielfalt im Meer

Typisches Krebstier: eine Krabbe auf einem Stein (Foto: M. Helmich  / pixelio.de)

Typisches Krebstier: eine Krabbe auf einem Stein (Foto: M. Helmich / pixelio.de)

Krebse, Crustaceen oder Krustentiere werden sie genannt. Sie sind eine der ältesten Tiergruppen und eng verwandt mit Tausendfüßler, Insekten und Spinnen, die als Gliederfüßer zusammengefasst werden. Mit 67 Tausend Arten bilden sie jedoch nur den drittgrößten Unterstamm. Die Krebstiere haben einen segmentierten Körper, der im groben in Kopf, Rumpf und Hinterleib unterteilt wird. Sie entwickeln sich alle aus winzigen Larven, deren Form sich bei allen Krebsen ähnelt und die frei als Plankton im Wasser leben. Sie atmen mit Kiemen und ihr Lebensraum ist an das Wasser gebunden. Selbst Einsiedlerkrebse und Strandkrabben, die zeitweise an Land leben bleiben vom Meer abhängig.

Die einzigen Krebse, die sich komplett an ein Leben an Land angepasst haben sind die Asseln. Diese kleinen unter Steinen lebenden Krabbeltierchen gelten ebenfalls zu den Krebstieren und nicht zu den Insekten. Sie besitzen Kiemen und ebenfalls Tracheen, ein Röhrensystem zum Gasaustausch, wie bei den Insekten. Trotzdem bevorzugen diese Tierchen auch einen feuchten Lebensraum. Ihre Jungen entwickeln sich direkt im Körper des Weibchens.

Entenmuscheln sehen aus, wie Muscheln, die an einem Stiel am Meeresboden befestigt wurden und Tentakeln aus ihrer Öffnung hängen lassen. Auch diese Tiere sind eigentlich Krebstiere. Der muschelförmige Teil ist der Rumpf des Tieres und mit den Tentakeln fischen sie nach Plankton. Ihr Name rührt von einem Missverständnis her. Als man damals im Mittelalter noch nichts von dem Vogelzug der Enten und Gänse wusste und sie nie in Europa nisten sah, nahm man an, dass sie ihre Eier auf Äste legten, welche ins Wasser fielen und zu den Entenmuscheln wurden. Aus diesen sollten sich dann die Enten entwickeln.

Die bekannteste Gruppe der Krebse sind die Zehnfußkrebse. Dazu gehören Krabben, Langusten, Hummer und Einsiedlerkrebse. Darunter ist ebenfalls die über drei Meter lange japanische Riesenkrabbe, die als größter Gliederfüßer gilt.  Alle Krabben haben einen stark reduzierten Hinterleib. Das erste Beinpaar ist zu Scheren ausgebildet und oft haben die Männchen eine besonders große Schere auf einer Seite des Körpers zum Kampf mit Artgenossen und zur Abwehr von Fressfeinden.

Die Legende: der Fangschreckenkrebs (Foto: Harald Schottner  / pixelio.de)

Die Legende: der Fangschreckenkrebs (Foto: Harald Schottner / pixelio.de)

Auch die Knallkrebse haben solche Scheren. So kann die Schere manchmal sogar die Masse des restlichen Körpers erreichen. Jedoch sind die Scheren der Knallkrebse so modifiziert, dass bestimmte Knallgeräusche erzeugt werden können. Und nicht nur das: durch die explosionsartige Bewegung entsteht eine Blase, die sich wie eine Pistolenkugel mit 100 km/h auf die Beute zubewegt und zerberstet. Dadurch wird die Beute betäubt.

Durch TheOatmeal, eine Comicwebseite, wurde auch der Fangschreckenkrebs zu einem Superstar im Internet erklärt. Doch waren die Behauptungen, die in dem Comic aufgestellt wurden, nicht gerade wissenschaftlich korrekt. Trotzdem ist der Fangschreckenkrebs mit seinen 30 Zentimetern und dem farblich schillernden Körper ein sehr interessantes Tier. Er lebt in tropischen und subtropischen Meeren und hat ein hoch entwickelndes Sehvermögen. Manche Arten können mit einem schnell ausfahrenden Arm einen starken Schlag austeilen. Andere haben diese Gliedmaße angespitzt und durchbohren ihre Beute, wie mit einem Speer.

Vorschau: Nächste Woche beschäftigen wir uns mit dem Klimaschutz in Deutschland

Luftverschmutzung ist nun offiziell krebserregend

Aus aktuellem Anlass berichten wir heute über Luftverschmutzung. Das im letzten Artikel angekündigte Thema „Mit Pflanzen reden“ behandeln wir entsprechend am 31.10.2013.

„Ach was“- wird sich jetzt so mancher von euch denken. Dieser Fakt ist bereits seit Jahrzehnten bekannt, doch nun wurde es offiziell gemacht. Die WHO– „World Health Organisation“- ist eine Sonderorganisation der  Vereinigten Nationen (UN), deren Zweck offiziell darin besteht allen Völkern zu helfen, einen bestmöglichen Gesundheitszustand zu erreichen. In der Stellungnahme der Behörde vom Donnerstag, 17.10.2013, wurde nun die Luftverschmutzung und der Feinstaub als humanes Karzinogen, also für den Menschen krebserregender Stoff, der Klasse 1 eingestuft. Dadurch wird die Luft, die wir atmen, mit mehr als 100 anderen krebserregenden Stoffen, wie Asbest, Plutonium, UV-Strahlung und Tabakrauch auf eine Stufe gebracht.

Die Ursachen: Die Industrie verursacht den größten Teil der Luftverschmutzung (Foto: Günter Havlena  / pixelio.de )

Die Ursachen: Die Industrie verursacht den größten Teil der Luftverschmutzung (Foto: Günter Havlena / pixelio.de )

„Die Luft, die wir atmen, ist mit einer Mischung aus krebserregenden Stoffen verunreinigt“, sagte Kurt Straif von der IARC, der Internationalen Agentur für Krebsforschung, die bei der WHO angesiedelt ist. „Wir wissen jetzt, dass Luftverschmutzung nicht nur eine große Gefahr für die allgemeine Gesundheit, sondern auch ein entscheidender Umwelteinfluss für tödliche Krebserkrankungen ist.“

So einige Studien belegen die Risiken und Gefahren. Chronisches Asthma im Kindheitsalter, eine erhöhte Arteriosklerose, also eine Verdickung der Arterien, daraus resultierende Herzinfarkte und Schlaganfälle und auch generelle Unzufriedenheit wurden mit dem Schmutz in der Luft in Verbindung gebracht. Man geht davon aus, dass jährlich zwei Millionen Tote weltweit als direkte Folge der Außenluftverschmutzung auftreten. Die IARC bestätigte in ihren jüngsten Datenerhebungen, dass 230.000 Lungenkrebstote auf die Luft zurückzuführen sind.

Die Luftverschmutzung kann den Menschen direkt schaden oder seine Umwelt und damit dem Menschen indirekt. Die Schadstoffe in der Luft können als feste Partikel, flüssige Tropfen oder gasförmig auftreten und sie können natürlich vorkommen oder von Menschen gemacht sein. Folgen dieser Schadstoffe sind der Treibhauseffekt, hauptsächlich durch Methan und CO2 verursacht, und eine erhöhte UV-Strahlung, die eine Folge von früher eingesetzten,  aber jetzt verbotenen Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) ist. Ebenfalls gibt es eine erhöhte Belastung durch Stickoxide, eine der führenden Schadstoffgruppen, die zur direkten Reizung der Atemorgane führt und, wie auch Schwefeloxide, zu saurem Regen. Auch ist es in die Entstehung von Bodennahem Ozon verwickelt, welches ebenfalls schädlich ist.

Direkte Auswirkungen: Smog in Moskau (Foto: Monika Hollacher  / pixelio.de)

Direkte Auswirkungen: Smog in Moskau (Foto: Monika Hollacher / pixelio.de)

Auch der Feinstaub ist Teil dieser Schadstoffe. Der Feinstaub wird durch die PM-Kategorisierung anhand der aerodynamischen Durchmesser der Teilchen unterschieden. Bei PM10 sind also die Durchmesser der Partikel unter 10 Mikrometer und bei PM2,5 sogar unter 2,5 Mikrometern. Bei den  Messungen der WHO nannten sie den Feinstaub als Hauptverdächtigten zur Krebsentstehung, da besonders die aller kleinsten Partikel bis tief in die Lunge eingeatmet werden und den Krebs auslösen. „Luftverschmutzung verkürzt das Leben im Durchschnitt um acht Monate – und um mehr als zwei Jahre in den am stärksten verschmutzten Städten“, so die Warnung der WHO.

Deutschland liegt in Sachen Luftverschmutzung zwar noch im Mittelfeld von Europa, anders als Türkei, Bosnien oder Bulgarien, aber dennoch deutlich über der WHO Richtlinie. Island dagegen hat besonders gute Werte. Rund 90% der Europäischen Städter sind der WHO zufolge einer Luftverschmutzung ausgesetzt, die als gesundheitsgefährdend anzusehen ist.

Vorschau: Nächste Woche reden wir mit Pflanzen.

„Bist du mein Typ?“ – Beuteschemata im Alltag

„Bist du mein Typ?“. Ein einfacher Fragesatz, der an der Innentür einer Damentoilette meiner Universität prangt. Er gehört zu einem Plakat, das für die Untersuchung unserer Gewebemerkmale – eine sogenannte Typisierung – wirbt. Wer sich typisieren lässt, wird automatisch Teil einer weltweit verfügbaren Spenderkartei und somit auch eventueller Lebensretter für einen Blutkrebspatienten.

Die an sich nicht verkehrte, wenn auch zweifelsohne an fragwürdiger Stelle angebrachte Werbemaßnahme – schließlich möchte ich mich nach dem Klo eigentlich lieber entspannt, als an Krebskrankheiten erinnert fühlen – brachte mich jedoch unweigerlich auch auf einen anderen Gedanken: Ist die Frage nach einem bestimmten Typ, ob nun auf Stammzellen oder Menschen angewandt, nicht ohnehin allgegenwärtig? Entscheidet die Frage nicht a priori, welchen Typ wir an unserer Seite haben?

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Typisch: Schubladendenken, das unseren Alltag durchzieht. (Foto: Perlowa)

Mich selbst ertappe ich ständig beim Nachdenken und Sprechen über „meinen Typ“. Er ist rothaarig, groß und sommersprossig – kurzum: typisch britisch. Das brachte mich nicht nur früh dazu, Bilder von Prinz Harry aus Frauenzeitschriften auszuschneiden und einen Fanclub für Ron Weasley aus Harry Potter zu gründen – immerhin hatte der drei Mitglieder! – sondern auch zu vorschneller Oberflächlichkeit. Rote Haare sind sexy. Andersfarbige (Haare) schlicht nicht mein Typ. Liest sich schwarz auf weiß beinahe wie eine rassistische Aussage; unfair gegenüber potentiellen Kandidaten, deren blond-brünette oder ebenfalls orange Eltern nicht zufällig einen Rotschopf hervorbrachten, ist es ganz obendrein auch noch.

Außerdem kann ja nicht jeder, der rote Haare hat, auch ausschließlich wegen seines Phänotyps ein Schönling sein. Ganz zu schweigen von der Grundannahme, dass jeder Kobold auch zugleich ein toller Mensch ist. Ich bin natürlich schon mit „Redheads“ ausgegangen, manche von ihnen waren sogar groß und hatten zu allem Überfluss tatsächlich auch noch Sommersprossen im Gesicht und am Körper. Langfristig zum Erfolg geführt hat das weder mich noch meine Typen. Auch wenn ich ganz offensichtlich ebenfalls in ihr Beuteschema gepasst haben muss – oder? Woher kann ich schon wissen, ob einer dieser zeitweiligen Abschnittsgefährten nicht möglicherweise eine Art ästhetischen Kompromiss eingegangen ist und es daher ausnahmsweise einer Brünetten mit Locken anstatt der sonst präferierten Blonden Kurzhaarigen gestattete, ihm ins Netz zu gehen?

Und da haben wir es scheinbar: Wenn Fische auf See einem Angler ins Netz gehen, dann geschieht das zufällig. Sie werfen ihren Köder aus und hoffen, dass überhaupt ein Fisch anbeißt. Und auch, wenn sie heimlich auf den waschechten Regenbogenfisch mit seinen schimmernden Schuppen hoffen, ist und bleibt der – anders als im Kinderbuch – auf dem Wasser leider eine Seltenheit. Selbstverständlich bedeutet das – um uns wieder von hohen Gewässern zu distanzieren und den menschlichen Selektionskategorien anzunähern – noch lange nicht, dass alle Männer und Frauen sich verzweifelt auf alles und jeden einlassen, der ihnen gerade vor die Flinte läuft. Vielmehr bedeutet das in den meisten Fällen eine gewisse Flexibilität, die glücklicherweise nicht zuletzt der Persönlichkeit zu verdanken ist. Denn die sollte doch gegenüber optischen Idealbildern immer noch im Vordergrund stehen und über die Frage entscheiden, ob du mein Typ bist oder nicht.

Vorschau: Und es geht schön weiter – mit Kolumnist Sascha und seinen Gedanken zum heutigen Jugend-und Schönheitswahn.

Ich habe es gesehen von Evelyn Eichinger aus Kindheit ist (k)ein Kinderspiel

Ich habe es gesehen von Evelyn Eichinger aus Kindheit ist (k)ein Kinderspiel

Für einen guten Zweck. Das Buch Kindheit ist (k)ein Kinderspiel (mit freundlicher Genehmigung der Autoren)

Erst kürzlich habe ich zum Himmel hoch gesehen,
Dort sah ich auf einer Wolke einen Engel stehen.
Er strahlte heller als die Sonne,
Sein Lächeln erfüllte mich mit Wonne.
Seine Flügel waren dabei sich auszubreiten,
Als wollt’ er gleich zur Erde gleiten.
Hier hatte er eine wichtige Aufgabe
übernommen,
Als Schutzengel hat er ein Kind anvertraut
bekommen.

Erst kürzlich habe ich einen warmen Hauch
gespürt,
Als mich ein Einhorn an der Schulter hat
berührt…
Es stand mit seinen klugen Augen da,
Mähne und Schweif kräuselten sich schwerelos
und wunderbar.
Das strahlende Fell konnte einen blenden,
Doch ich war nicht fähig,
Den Blick abzuwenden.
Sein Horn glänzte, wie Silber so rein,
Es als einzige sehen zu können,
Wollte ich einfach nicht bereuen…

Erst kürzlich bin ich wieder ausgeritten,
Da ist ein Schatten über die Erde geglitten…
Mit Flügeln groß und stark,
Ein Drache in einer Wolke sich verbarg.
Für alle anderen unsichtbar,
War ich die einz’ge, die ihn sah.
Die Sonne fing sich in seinem glänzend’
Schuppenkleid,
Dieser Anblick hat mein Herz erfreut.

Erst kürzlich ging ich an einem Teich vorbei,
Auf einem Fels da saß und sang die Loreley…
Als sie mich sah,
Hat sie mir zugewunken,
Erst als sich jemand anders näherte,
Ist sie wieder im Wasser verschwunden.
Ihr mögt den Kopf ungläubig schütteln:
Ich versuche bloß,
Euch wachzurütteln.
Wenn ihr die Augen öffnet,
Werdet ihr mich verstehen,
Denn auch ihr könnt dann
All diese Schönheiten sehen.
Sie sind immer da,
In Kopf und Herzen allen Kindern nah.

Lasst die Kindheit euer Herz noch einmal
berühren,
Dann könnt ihr die Schönheit dieser Welt
Noch einmal mit der Begeisterung eines Kindes
spüren…

©Evelyn Eichinger

Die Autoren

Ich habe es gesehen von Evelyn Eichinger aus Kindheit ist (k)ein Kinderspiel

Autoren wollen helfen. Und spenden ihre Texte (mit freundlicher Genehmigung der Autoren)

Die Facebook-Gruppe Portal für Autoren, Leser, Blogger, Grafiker, hat alle Mitglieder aufgerufen, sich an einer Anthologie zu beteiligen, mit dem Hintergrund, dass dieses Buch einem guten Zweck zur Verfügung gestellt wird und als Dauerspende eine Hilfsorganisation unterstützt. 42 Autoren haben sich beteiligt und stellten ihren Beitrag kostenfrei für „Kindheit ist (k)ein Kinderspiel“ zur Verfügung. Evelyn Eichinger ist eine davon. Ferner verzichten die Autoren auf ein Honorar. Das Thema war „Kinder“.

Bei der Suche nach einer Institution stießen die Autoren auf „Helping Hands for Dome„. Dominik Schicksal hat sie so berührt, dass sie sich der Institution zu helfen. Domes Eltern unterstützen, auch nach seinem Tod, krebskranke Kinder in der Duisburger Kinderkrebsklinik, indem sie ihnen Wünsche erfüllen und ihnen, in ihrem Leiden, eine Freude bereiten. Die Verkaufserlöse gehen komlett an „Helping Hands for Dome“.

 

 

Hilfe, ich bin krebserregend!

Ich frönte wieder einmal der Sinnlosigkeit, indem ich mich durch zahllose Internetforen klickte, die sich mit essentiellen Fragestellungen wie den trockenen Haarspitzen, der Namensgebung von Haustieren oder den fruchtigsten Teesorten bei Rewe beschäftigen. Gerade in solchen Momenten scheint unverhofft eben doch oft zu kommen: Ich entdeckte einen Thread namens „Hilfe, meine Kleidung ist giftig!“, begann mich bereits händereibend auf Debatten über Markenwahn und überteuerte T-Shirts zu freuen, und stieß auf einen Link von Greenpeace. Krebserregende Chemikalien in Zara-Jeans gefunden! Dann ein weiterführender Artikel mit sämtlichen Testergebnissen. Mango! Vero Moda! Ekelhaft!

Hilfe, ich bin krebserregend!

Geht unter die Haut: Krebs bei der Arbeit.
(Foto: Föhr)

Nicht gerade beruhigend wirkt da ein Blick in meinen Kleiderschrank… Hier dürfte mittlerweile mehr Krebs drin sein als in der gesamten Nordsee! Vor gar nicht allzu langer Zeit stand ein Großeinkauf bei Zara an, bei dem ich offenbar meine Gesundheit an der Kasse mit abgegeben habe.

Grandios, da kann man die Sachen wohl so oft waschen, wie man lustig ist – Krebs ist Krebs. Meine Waschmaschine hätte außerdem auch gerne noch ein paar erregerfreie Rohre auf ihre besten Jahre. Schön, dann also weg mit Zara und Co. Einfach mehr essen an den Feiertagen, dann passen die verseuchten Kleider schon irgendwann nicht mehr.

Wenn wir schon beim Thema Mahlzeit sind: Ich hätte nichts gegen ein paar Pommes. Auf einen Besuch in der Frittenbude meines Vertrauens folgt allerdings nackte Verzweiflung. Fritteusen und ihr Fett sind nach neuesten Erkenntnissen nämlich ebenfalls krebserregend. Wenn die sündigen Kartoffelstängel dann auch noch angebrannt sind, kann man gleich Gute Nacht sagen. Einer panischen Mutter und den hysterischen Medien sei Dank habe ich von dieser ungeheuren wissenschaftlichen Errungenschaft überhaupt Wind bekommen. Ich habe mir seither noch ein weiteres aufregendes Hobby zugelegt: Die hypochondrische Recherche weiterer krebserregender Lebensmittel. Milch soll beispielsweise dazu gehören… Oder Leitungswasser. Ganz zu schweigen von jeglichem Fastfood, was mich wiederum mit Übelkeit an meine Pommes Frites zurückdenken lässt.

Puh, auf den Schock erst einmal eine Zigarette draußen vor der Tür. Ich wohne an einer befahrenen Straße mitten in der Stadt – garantiert bis oben hin bedeckt mit Abgasen. Da macht mein eigener Qualm den Kohl wirklich nicht mehr fett. An meinem Glimmstängel ziehend bewege ich mich gegen Abend dann auf die Piste. Vor der ersten Kneipe begegnen mir gleichgesinnte Feierwütige, allesamt mit Fluppe im Mund und eingehüllt in feinste Fell – äh – Krebsparkas, die ich bei meinem letzten Einkauf bei Zara schon ins Auge gefasst hatte.

Ich stelle sie mir vor, wie sie anstelle der Kippen an laktosefreien Schokozigaretten nuckeln, eingekleidet in edle handgenähte Kartoffelsäcke. In den wärmeren Sommermonaten dürfen sie dann die Hüllen fallen lassen und sich zu organisierten Nudistentreffs zusammenschließen. Offenbar war damals in Woodstock ja nur selten von mutierten Krebszellen die Rede. Bis zum Schluss fraglich bliebe dann allerdings, wohin mit den Kartoffeln aus den Kartoffelsäcken.

Eine unbändige Lust auf Pommes überkommt mich. Ich habe die gesunden Vorsätze über Bord geworfen und mache mich frohen Mutes auf den Weg in die Frittenbude. Vielleicht begegnet mir ja unterwegs der ein oder andere Krebs. Alles kann, nichts muss.

Vorschau:  Und nächste Woche geht’s schmierig zu, wenn Kolumnist Sascha sich uns unsere Beziehung zum lieben Öl vornimmt.

Hausmittelserie, Teil 4: Alleskönner Curry

Im vierten Teil unserer Hausmittelserie geht es um den Alleskönner Curry. Diese Gewürzmischung gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Zwar bezeugen Überlieferungen, dass bereits vor 3.000 Jahren in Indien Curry zum Würzen von Speisen verwendet wurde, doch das uns heute bekannte Curry entstand erst mit der Kolonialisierung. Die Briten  waren damals schlicht überfordert mit der Reichhaltigkeit der indischen Gewürzküche und so ließen sie sich eine Gewürzmischung zusammenstellen: Uns heute besser bekannt als Curry.

Hausmittelserie, Teil 4: Alleskönner Curry

Besticht durch Farbe: der großartige Gesundheitshelfer Curry (©Jan Wattjes/pixelio.de)

Bei den wichtigsten Bestandteilen, welche in der indischen Küche stets passend zum jeweiligen Gericht neu gemischt werden, handelt es sich um Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel, schwarzen Pfeffer und Bockshornklee. Auch viele weitere Gewürze finden in dieser Mischung Platz – man sagt, es gäbe fast so viele Kombinationsmöglichkeiten wie Menschen in Indien.

Kurkuma bildet dabei die Basis, es gibt Farbe und Geruch vor. Einen großen Anteil am typischen Currygeschmack liefert die so genannte Gelbwurzel, aus der das Kurkuma gewonnen wird. In diesem Gewürz steckt allerdings noch viel mehr! Nach neuste Erkenntnissen profitiert insbesondere unser Körper von der asiatischen Gewürzmixtur.
Sogar Apotheken machen Werbung mit dem Hausmittel der indischen Küche: Der Wirkstoff der Gelbwurzel Kurkuma, Curcumin ist eine Waffe im Kampf gegen Altern und Krankheiten und unterstützt den Körper ganz allgemein dabei, gesund zu bleiben.
Es hilft dem Magen-Darm-Trakt: Eine regelmäßige Einnahme beugt Krankheiten vor. Mit seiner antibakteriellen Wirkung unterstützt es das Abwehrsystem des Darms und hat damit eine vergleichbare Wirkung wie Vitamin D, welches durch Sonnenkontakt von der Haut produziert wird.

Auch um Erkältungen wie Schnupfen vorzubeugen, ist Curcumin ein nützliches Mittel:
Im Körper aktiviert es Eiweiße, sogenannte Cathelicidine. Mit Hilfe dieser Eiweiße tötet unser Körper Bakterien, Pilze und Viren ab.

Des Weiteren soll ein wissenschaftliches Forschungsprojekt durch den Test an Fruchtfliegen erwiesen haben, dass Curcumin eine lebensverlängernde Wirkung hat. Das Forschungsteam des Koreanischen Institut für Biowissenschaft und –technologie und der Inha-Universität um Dr. Lee Gyu-seon und Min Gyeong-jin stellen heraus, dass bei diesen Tieren, da sie einen ähnlichen Alterungsprozess durchlaufen wie der Mensch, eine deutliche Verlängerung der Lebenserwartung durch den Einsatz von Curcumin zu beobachten war. Konkret weist das Experiment nach, dass Gene, die für die Alterung eine Rolle spielen bei den Fruchtfliegen, die mit hohen Dosen Kurkuma gefüttert wurden, bis zu einem Fünftel weniger häufig aktiviert wurden.

Es wird außerdem untersucht, inwieweit dieser Wirkstoff auch Krebserkrankungen, Alzheimer und Demenz lindern kann. Der Ausgangspunkt ist klar: In Indien, wo dieses Gewürz häufig auf der Speisekarte zu finden ist, erkrankt nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung an Alzheimer oder an altersbedingter Demenz. Ebenso wird das Krebsrisiko als bei weitem geringer eingeschätzt.

Curcumin hemmt die Entstehung von Metastasen, sowie die Ausbreitung von Tumorzellen im Allgemeinen. Bei Demenzerkrankungen berichten Forscher der University of California die Verhinderung der Entstehung von Eiweißplaques, der für den Gedächtnisverlust verantwortliche Belag auf dem Gehirn. Des Weiteren sei es möglich, den Plaques auch nach seiner Entstehung durch die Unterstützung von Curcumin wieder abzubauen. Zumindest helfe der Wirkstoff dabei, den Abbau zu steigern – und so die geistige Leistungsfähigkeit auch nach Beginn der Erkrankung zurückzuerlangen. Allerdings ist Kurkuma nicht der einzige Bestandteil der Gewürzkombination, der einen positiven Effekt für uns und unseren Körper hat: Auch Chili hat einiges zu bieten!

Es wirkt als natürlicher Schleimlöser bei grippalen Infekten und verringert zudem deren Symptome. Besonders, da es die Schweißproduktion antreibt. Chili fördert die Durchblutung und findet darum in der Medizin häufig bei Hexenschuss, Muskelkater oder Nervenschmerzen Anwendung. Das zeichnet Curry und insbesondere Chili auch als Fatburner aus, sie erhöhen den Stoffwechsel und erleichtern so das Abnehmen. Durch die Einnahme gelangt der Stoff auch in den Darm, wo er ebenso wirksam gegen Blähungen wie auch gegen Verstopfungen vorgeht. Zudem lohnt es sich zu wissen, dass das Frühstück mit einer Extraportion Würze bei einem Kater wahre Wunder wirkt. Es vitalisiert und aktiviert den gesamten Körper. Unter anderem deshalb, weil es in unserem Körper die Produktion von Endorphine, also Glückshormonen, anregt.

Viele Menschen schwören nzwischen auf Curry, um Gewicht zu verlieren. Ergänzt durch das mittlerweile weitreichende Wissen über die medizinische Wirkung der asiatischen Mischung, rückt das bisher nur als Gewürz wahrgenommene Curry in ein völlig neues Licht. Es kann uns bei regelmäßiger Einnahme dabei unterstützen, fit und gesund zu sein und das auch möglichst lange zu bleiben.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr an dieser Stelle darüber, wie man zum Youtube-Star wird.