Sein letzter Wunsch: Mercedes fahren

„Durch mein Praktikum habe ich gelernt, mein eigenes und das Leben meiner Lieben viel mehr zu schätzen“, erzählt Julian Eckert. Zehn Tage lang begleitete und unterstützte der 17-Jährige das Team des Schmerztherapie Zentrums Mannheim – nun blickt er auf eine aufregende, aber auch schwierige Zeit zurück.

 Teilnahme an Patientengesprächen und das Absolvieren von Hausbesuchen mit dem Palliativ-Careteam zählten während seines Praktikums zu Eckerts Aufgaben. „Anders als das in einem Krankenhaus der Fall gewesen wäre, durfte ich hier bei allem dabei sein“, erklärt der junge Mann, „Herr Dr. Schramm, der Leiter des Schmerztherapie Zentrums, erfüllte in meinen Augen eine sehr gute Vorbildfunktion. Aber auch die übrigen Kolleginnen und Kollegen bewiesen ein umfangreiches Fachwissen und boten mir überdies seelische Unterstützung an.“

Dass vor allem Letzteres eine enorme Rolle spielen würde, ahnte Eckert anfangs noch nicht. Doch bereits der erste Tag seines Praktikums führte ihm den Ernst und die Bedeutsamkeit der Arbeit im Careteam vor Augen: „Meine zwei Kolleginnen und ich besuchten einen Mann, der mit seinen 1,86 Metern gerademal 40 Kilogramm wog. Er hatte überall Krebs – selbst im Gesicht. Das zu sehen war wirklich heftig.“

Sein letzter Wunsch: Mercedes fahren

Sein Praktikum hat ihn nachdenklich gestimmt: Julian Eckert half zehn Tage im Schmerztherapie Zentrum Mannheim aus (Foto: privat)

Obwohl es sich blöd anhöre, habe er sich mit der Zeit an Anblicke und Schicksale wie die eines solchen Krebspatienten gewöhnt. „Ich habe gleich die krasseste Seite des Jobs kennengelernt: hier werden nicht, wie man das vielleicht sonst von einem Arzt erwartet, Leben gerettet, sondern das Sterben wird den Patienten, die teilweise seit acht Jahren oder länger Schmerzen haben, so angenehm wie möglich gemacht“, meint er.

Den Praktikumsplatz habe er freiwillig angetreten, berichtet Eckert. „Da ich nach dem Abitur Medizin studieren möchte, habe ich mir überlegt, mal in einen solchen Beruf hinein zu schnuppern – einfach um zu schauen, ob es etwas für mich ist“, sagt er, „die zehn Tage im Schmerztherapie Zentrum haben mich in meiner Entscheidung nur bestätigt. Ich hatte viel Spaß bei der Arbeit, obwohl auch das ein oder andere erschreckende Erlebnis dabei war.“

Eine dieser negativen Erfahrungen sei die Begegnung mit einem drogenabhängigen Mann gewesen. „Als der Süchtige Herrn Dr. Schramm um eine doppelte Dosis Opiat bat, fand ich das einfach nur abstoßend“, erzählt Eckert.

Doch Eckert begegnete auch vielen Menschen, die ihn mit ihrem Wesen und ihrer Willenskraft beeindruckten. So auch eine ältere, an amyotropher Lateralsklerose (zu Deutsch: degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems; langsame Muskellähmung) leidende Patientin, die nur noch die Wimpern und einen ihrer Mundwinkel bewegen konnte. Eckert erinnert sich: „Der Mann der Patientin war sehr zuvorkommend. Er erzählt uns viel – vor allem über die Tochter der beiden. Als er dann davon redete, dass die Tochter mit dem Fahrrad nach Ägypten geradelt sei, zog seine Frau den Mundwinkel, den sie noch bewegen konnte, leicht nach oben. Obwohl es nur ein halbes Lächeln war, war es eines der wärmsten Lächeln, die ich je gesehen habe.“

Doch auch die Begegnung mit einem unzugänglicheren Patienten, ist Eckert in besonderer Erinnerung geblieben. „Der Mann starrte immer nur zur Decke und unterhielt sich mit keinem. Ich fragte ihn, ob er Sport möge – keine Antwort. Als ich jedoch das Thema Auto anschnitt, erzählte mir der sonst so schweigsame Herr, dass sein absolutes Traumauto ein Mercedes sei und er gerne mal mit einem fahren würde. Während er darüber sprach, lächelte er sogar.“

Ob er diesem oder einem anderen der Patientin tatsächlich geholfen habe, wisse er nicht, sagt Eckert, aber das Lächeln habe ihm gezeigt, dass er mit seiner Anwesenheit und seinem Engagement das Leben des Patienten vielleicht ein wenig schöner gemacht habe.

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