„Don´t worry! Very easy!“ – Dank asiatischer Ernährung zum gesunden Körper?

Prolog

Ein guter Journalist ist objektiv. Er recherchiert ein Thema in der Breite und in der Tiefe, bringt alle Fakten auf den Tisch, überlässt es aber dem Leser, sich eine Meinung zu bilden. So habe ich das an der Uni gelernt und auch bei meinen Praktika in diversen Redaktionen. Wer aber mal darauf achtet, merkt schnell, dass es kaum noch objektiven Journalismus gibt – weder in der Zeitung, noch im Fernsehen oder online. Ist ja auch schwierig, denn schon indem man als Journalist ein Thema auswählt, suggeriert man dem Leser wenigstens indirekt, dass es ein wichtiges Thema ist, mit dem er sich doch bitte beschäftigen sollte. Auch das, was am Schluss beim Leser hängenbleiben soll, steht meist schon vor dem Schreiben fest. Da zitiert man eine Studie und lässt eine andere, die etwas Gegenteiliges besagt, einfach weg. Oder man befragt eben nur diesen einen Spezialisten, der mit hoher Wahrscheinlichkeit das sagt, was man sich für die schlussendliche Aussage seines Artikels vorgestellt hat. Bei Face2Face wollen wir genau das vermeiden – auch wenn das ein hohes Maß an Ausdauer erfordert.

Um für den folgenden Artikel unterschiedlichste Ansichten zusammenzustellen, habe ich über zehn potenzielle Interviewpartner – teilweise mehrfach – kontaktiert. Leider sahen sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., die Koordinierungsstelle für Ernährungsberatung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundeszentrum für Ernährung nicht in der Lage auch nur eine meiner Fragen zum Vergleich zwischen europäischer und asiatischer Ernährung zu beantworten. Während sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. noch nicht mit einem solchen Vergleich beschäftigt hat und außerdem „personell unterbesetzt“ ist (Bemerkung am Rande: Meine Anfrage habe ich Ende Januar für eine Veröffentlichung Ende April versendet), hat das Bundeszentrum für Ernährung keinen Experten im Haus, verweist aber immerhin auf eine Professorin an der Uni Kassel. Leider ist die trotz drei Mails und ebenso vielen Anrufen nicht erreichbar.
Glücklicherweise haben sich dann doch noch Interviewpartner gefunden. Das Resümee überlasse ich wie versprochen euch, liebe Leser!

Der Fall Jörg Krebber

Asthma, Allergien, Hepatitis A, B und C, chronische Darmentzündung – mit 25 Jahren gab ihn die Schulmedizin auf. Jörg Krebber, heute 71 Jahre alt, sah nur noch einen Ausweg: Asien. Dort, in einem nepalesischen Kloster nahe der Hauptstadt Katmandu, spricht ein Arzt nach einem Blick auf seine Zunge dann endlich die erlösenden, wenn auch recht überraschenden Worte: „Don´t worry! Very easy!“
Sechs Wochen später: Die Schwellung der Leber, ebenso wie die ständigen Schmerzen sind weg, die Verdauung hat sich normalisiert. Wie ist das möglich? Ist die asiatische Ernährung ausschlaggebend für Krebbers Heilung? Wie steht die europäische Ernährung im Vergleich da?
Drei Experten stehen uns Rede und Antwort: Prof. Dr. Angelika Messner, Leiterin des Chinazentrums an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Präsidentin des
IASTAM (International Association for the Study of Traditional Asian Medicine), hat an der Peking-Universität studiert und durch zahllose Forschungs- und Lehraufenthalte in Peking, Shanghai und Hangzhou etwa fünf Jahre in Asien verbracht. Prof. Dr. Sigrid Hahn war in der Ernährungsberatung und -bildung tätig und hat seit vier Jahren die Professur Diätetik an der Hochschule Fulda, Fachbereich Oecotrophologie, inne. Und last but not least: Jörg Krebber. Er hat Ayurvedic und Traditionelle Chinesische Medizin studiert. Nach seiner Heilung verbrachte er weitere elf Jahre in Asien – heute unterrichtet er weltweit die Wege der 5-Elemente-Lehre zur Selbstheilung.

Experten für asiatische Ernährung (von links): Prof. Dr. Angelika Messner (Foto: Albert Mäkitalo), Prof. Dr. Sigrid Hahn (Foto: Hahn) und Jörg Krebber (Foto: Krebber)

Experten für asiatische Ernährung (von links): Prof. Dr. Angelika Messner (Foto: Albert Mäkitalo), Prof. Dr. Sigrid Hahn (Foto: Sigrid Hahn) und Jörg Krebber (Foto: Maria Krebber)

Asiatische versus europäische Ernährung – wo liegen die Unterschiede?

„Schon innerhalb von Europa unterscheiden sich die Ernährungsgewohnheiten sehr stark – nicht nur in Bezug auf die bevorzugten Lebensmittel, sondern auch auf die Tageszeiten, zu denen gegessen wird. Asien ist noch viel größer und unterschiedlicher als Europa, so dass es mit Sicherheit nicht die asiatische Ernährungsweise gibt“, sagt Hahn. Auch Messner betont „die großen regionalen
Unterschiede in Asien“. Gegenwärtig fänden auch in den Metropolen asiatischer Länder McDonalds und ähnliche Fast Food-Restaurants Eingang. Allerdings gebe es bekanntenmaßen auch in Europa große Unterschiede hinsichtlich Ernährung und Küche. Messner kann dennoch gewisse „Traditionslinien“ ausmachen: „Im gegenwärtigen europäischen Kontext kann man eine Vorliebe für eisgekühlte Getränke jedweder Art (Alkohol oder gesüßte Soft-Getränke), Kaffee, Brötchen bzw. Müsli zum Frühstück, ausladende Fleischgerichte mit Kohlehydrat-Beilagen und eine Süßspeise als Nachspeise feststellen. Demgegenüber ließe sich in asiatischen Kontexten die Vorliebe für warme Getränke (Heißwasser und/oder Tee), zum Frühstück sowie zu Mittag- und Abendessen Suppen, Gemüse, Nudeln und Reis, sowie verhältnismäßig wenig Fleisch und Fisch ausmachen.“ Vor allem im Zusammenhang mit der Traditionellen Chinesischen Medizin fungieren Lebensmittel in Asien als Teil von Prävention und Therapie, so Messner. Die heilende Wirkung vieler asiatischer Speisen sieht Krebber in der Fermentation. „Wir verdauen, indem unser Darm organische Stoffe mithilfe von Enzymen verarbeitet“, erklärt er, „beim Fermentieren passiert genau das. Wenn die Nahrung, die wir zu uns nehmen, bereits fermentiert ist, wie das bei den Asiaten oft der Fall ist, erleichtert das die Verdauung. Sterben die Enzyme im Darm ab, werden wir krank, können durch fermentierte Speisen aber wieder Enzyme zuführen und uns so selbst heilen. Joghurt und Buttermilch sind beispielsweise das Ergebnis eines Fermentationsprozesses von Milch.“

Können asiatische Ernährungsweisen oder asiatische Medizinansätze heilen?

„Die „moderne“ westliche Medizin trat mit Beginn des 20. Jahrhunderts ihren weltweiten Siegeszug an, zumal sie höchst wirksame Methoden zur Bekämpfung von Tuberkulose und anderen Epidemien bereithielt. Heute hat sich die Situation weltweit dahingehend geändert, dass die so genannten „nicht übertragbaren“ Krankheiten, also Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen für weitaus mehr Todesfälle sorgen als die „übertragbaren Krankheiten“, erklärt Messner.

Asiatisches Essen ist beliebt - aber kann es auch heilen? (Foto: T. Gartner)

Asiatisches Essen ist beliebt – aber kann es auch heilen? (Foto: T. Gartner)

Weltweit seien gegenwärtig etwa 70% aller Todesfälle auf nicht übertragbare Krankheiten zurück zu führen. Dementsprechend bestehe dringlicher Handlungsbedarf mit Blick auf Lebensstil und Prävention. „Hier können asiatische Medizinsysteme, wie die Traditionelle Chinesische Medizin, einen grundlegenden Beitrag leisten, der nachhaltig und substantiell ist.“ Hahn sieht in diesem Zusammenhang die als typisch asiatisch geltende Ernährungsweise als Teillösung: „Studien zeigen, dass eine pflanzenbetonte, fettarme Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an Fisch vor Übergewicht und den damit in Zusammenhang stehenden Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II und Fettstoffwechselstörungen oder Herzinfarkt schützt. Auch das Karzinomrisiko, also die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen an Haut und Schleimhaut, ist reduziert.“

Ist der Fall „Jörg Krebber“ ein Beweis für die Wirksamkeit von asiatischer Ernährung und Medizin?

„Für mich sind Einzelfälle grundsätzlich nicht aussagekräftig“, sagt Hahn. „Um Empfehlungen geben zu können, müssen immer möglichst viele Menschen betrachtet werden, da alles andere auch Zufall sein kann.“ Messner dagegen bezeichnet Krebber als ein „gutes Beispiel für die Wirkungsweise von Ernährung auf die Gesundheit“.

Was können wir aus der „China Study“ schließen?

2004 veröffentlichten T. Colin Campbell, emeritierter Professor für Biochemie an der Cornell University, und sein Sohn Thomas M. Campbell die sogenannte „China Study“. Die Studie wurde im ländlichen China der 1970er und 1980er Jahre durchgeführt. Das Ergebnis: Je geringer der Anteil tierischer Nahrungsmittel an der Ernährung ist, desto gesünder sind die Menschen.
„Die China Study ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie zentral Ernährung für die Aufrechterhaltung und die Wiederherstellung von Gesundheit ist“, sagt Messner. Seine „Power ohne Ende“ verdankt Krebber laut eigener Aussage seiner veganen Ernährung nach alter Ayurveda – diese ist reich an Eiweiß und Fermentationsprodukte. „Die Leute schätzen mich generell 20 Jahre jünger als ich bin. Auch meine fünf Kinder sind so aufgewachsen – völlig problemfrei.“ Kritischer sieht dagegen Hahn die „China Study“ und damit die vegane Ernährung: „Ein völliger Verzicht auf tierische Produkte ist wenig sinnvoll, da einige lebensnotwendige Nährstoffe, allen voran Vitamin B12, nur oder überwiegend in tierischen Produkten vorkommen. Vegane Ernährung ist ohne Supplementation oder die künstliche Anreicherung von Lebensmitteln mit Nährstoffen gesundheitsschädlich. Ich halte vegane Kost für „nicht artgerecht“ für den Menschen, denn wir sind „Omnivore“, also Allesfresser.“ Allerdings würden auch offizielle Stellen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. und das Bundeszentrum für Ernährung eine Erhöhung des Anteiles pflanzlicher Lebensmittel und einen mäßigen Konsum tierischer Lebensmittel empfehlen, so Hahn.

Laktoseintoleranz – Normalität oder Krankheit?

Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sind typische Symptome einer Laktoseintoleranz. Die Fähigkeit, Milchzucker zu verarbeiten, nimmt genetisch bedingt im Erwachsenenalter ab – Laktoseintoleranz ist also eigentlich der „Normalzustand“, oder? „In Europa hat sich die Mutation, also die Veränderung der Erbinformation, hin zur Verträglichkeit von Milchzucker im Erwachsenenalter sehr schnell durchgesetzt“, sagt Hahn. „Nicht zuletzt, weil hierdurch Milch als sehr gute Proteinquelle zur Verfügung stand. Entsprechend haben sich in Europa Ernährungsgewohnheiten entwickelt, die viel Milch und Milchprodukte enthalten.“ Medizinisch sei eine Laktoseintoleranz keine schwere Erkrankung, da sie durch das Meiden von Milchzucker ohne Folgen behandelt werden könne, so Hahn. Messner sieht die Laktoseintoleranz als Nebenerscheinung des „übermäßigen Konsums von Milchprodukten“ und rät dazu, sie ernst zu nehmen.

Soja – Proteine und Phytoöstrogene

Die Sojabohne ist ebenso wie Fleisch ein hochwertiger Proteinlieferant – da sind sich die drei Experten einig. Wenn es um die Auswirkungen von Soja auf unsere Gesundheit geht, scheiden sich jedoch die Geister: Während Hahn zu Bedenken gibt, dass die in Soja enthaltenen Phytoöstrogene insbesondere bei Frauen in der Menopause problematisch sein können und im Verdacht stehen, Brustkrebs zu fördern, spricht Messner von zahlreichen Studien, die zeigen, dass Frauen in ostasiatischen Kontexten deutlich weniger an Beschwerden in der Menopause leiden. Ist der Verzehr von Sojaprodukten nun schädlich oder förderlich?

Gesund oder voller Phytoöstrogene? Produkte aus Sojabohnen, wie Tempeh, sind häufig in der Kritik (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Gesund oder voller Phytoöstrogene? Produkte aus Sojabohnen, wie Tempeh, sind häufig in der Kritik (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Vielleicht hat Krebber ja des Rätsels Lösung parat: „Bei vielen Studien kommt heraus, dass bestimmte Anteile der Sojabohne für den menschlichen Körper schädlich sind – Tatsache ist aber, dass wir ja nicht die Sojabohne essen, sondern zum Beispiel Tempeh, ein fermentiertes Produkt aus der Sojabohne. Viele der in Studien aufgedeckten, schädlichen Stoffe sind in Tempeh gar nicht enthalten.“ Die Phytoöstrogene, die Hahn zu bedenken gibt, seien auch in anderen Hülsenfrüchten enthalten – ebenso wie in tierischen Produkten, da sie über Futter- bzw. Düngemittel in unsere Nahrung gelangen, so Krebber. So hätten 100g Käse 20-mal mehr Phytoöstrogene als 100g Sojabohnen. „Wichtig ist, dass wir darauf achten, biologisches Tempeh oder Tofu aus nicht genmanipuliertem Soja zu kaufen“, sagt Krebber. Geschmacklich komme es dann noch auf die Zubereitung an. „Viele finden ja, dass Tofu nicht schmeckt, aber die Natur hat keine fertigen Menüs wachsen lassen“, sagt Krebber, „wenn man auf der Wiese in eine Kuh beißt, schmeckt das auch nicht.“

So ernähren sich unsere Experten

„Kein Lebensmittel ist auf die Bedürfnisse des Menschen abgestimmt, somit muss ich möglichst unterschiedliche Lebensmittel zu mir nehmen, um mich ausgewogen zu ernähren“, erklärt Hahn. Ihre Familie esse daher besonders vielseitig, wobei sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel einschließlich Fleisch auf dem Speiseplan stehen. Sie koche daher täglich mit frischen Produkten der Saison, „was aber niemals fehlen darf, ist ein schöner Rohkostsalat, da er mir einfach besonders gut schmeckt.“
Was das Frühstück angeht, hat sich Messner den Asiaten angepasst: „Morgens essen wir warm, zum Beispiel Hafer- oder Reisbrei. Gemüse und Obst stehen immer in ausreichendem Maß auf unserem Speiseplan. Außerdem habe ich schon früh gelernt, grünen Tee oder einfach „heißes Wasser“ zu genießen.“
Krebber isst seit 50 Jahren vegan nach alter Ayurveda, also mit reichlich Eiweiß und Fermentationsprodukten, und hat auch seine fünf Kinder so großgezogen. Außerdem achtet er bei seiner Ernährung auf das Verhältnis der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Die verschiedenen Nahrungsmittel werden dabei den Elementen zugeordnet und ausgeglichen kombiniert. Zum Erdelement gehören beispielsweise alle Wurzelgemüse, wie Karotte oder Sellerie.

Gewinnspiel

Keine Angst (mehr) vor Soja und Lust mal ein typisch asiatisches Lebensmittel auszuprobieren? Wir verlosen handgemachtes, bio-zertifiziertes Tempeh aus Markus Schnappingers Tempehmanufaktur im Wert von 30 Euro inklusive Versand. Tempeh ist eine indonesische Spezialität aus fermentierten Hülsenfrüchten, ist protein- und ballaststoffreich und entfaltet vor allem beim Anbraten sein nussiges Aroma.

Sie tüten gerade euren Gewinn ein: Markus und Stephanie Schnappinger von der Tempehmanufaktur (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Sie tüten gerade euren Gewinn ein: Markus und Stephanie Schnappinger von der Tempehmanufaktur (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Was ihr für die Teilnahme am Gewinnspiel tun müsst: Schreibt bis einschließlich Sonntag, 6. Mai 2018, 23:59 Uhr eine E-Mail an tatjana.gartner@face2face-magazin.de mit dem Betreff „Tempeh“. In der E-Mail sollten euer Vor- und Nachname sowie eure Adresse enthalten sein, da die Tempehmanufaktur das Tempeh per Post an den glücklichen Gewinner senden wird. Verlost wird unter allen Einsendern. Mitarbeiter von Face2Face sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe des Gewinners sowie die Information derjenigen, die leider nicht gewonnen haben, erfolgt spätestens am Dienstag, 8. Mai 2018 via E-Mail.
Wir drücken die Daumen!

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel
(1) Das Gewinnspiel wird vom Online-Magazin Face2Face durchgeführt. Den Versand des Gewinns übernimmt die Tempehmanufaktur.

§ 2 Teilnahme
(1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier und im Folgenden schließt die männliche Form die weibliche ein. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-Mail-Adresse schreibt und dort ihren Namen und die Adresse bzw. den Namen und die Adresse des möglichen Gewinners hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet, beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel
(1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich das Online-Magazin Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des Weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht für den möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung
(1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per E-Mail über ihren Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass der Gewinn von der Tempehmanufaktur an den Gewinner versendet wird, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz
(1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes ihr Name (keine Adresse!) öffentlich bekannt gegeben wird, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle eingesandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges
(1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Trimm dich krank!

„Ich habe mit Spaß am Sport angefangen“, sagt Anja (22). „Es war toll, Erfolge zu erzielen, Veränderungen wahrzunehmen und sich gesund und fit zu fühlen.“ Aber dann wurde aus dem Spaß ein Zwang und aus dem Zwang eine Sucht.

„Traumbody“ dank Fitness- und Ernährungsprogrammen

Die Kombination aus Sport und Ernährung wird uns oft als Lösung für nahezu alles verkauft. „Mit effektivem Training und gesunder Ernährung zum Traumbody“ oder „durch kohlenhydratarme, eiweißreiche Ernährung und moderates Workout den Körper auf schlank trimmen“ versprechen die Fitness- und Ernährungsprogramme der Promis. Dass man Sport und Ernährung aber auch gegen den eigenen Körper einsetzen kann, weiß sie besser als die meisten anderen: Anja hat sich aus Sportsucht und Essstörung gekämpft und ist heute… Foodbloggerin!

Kontrolle über das Essen

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Pancake-Stapel mit Blaubeeren und Schokosauce, Pastateller mit Kirschtomaten und frischen Kräutern, Frühstücksbowls mit frischem Obst… Wem bei Anjas Instagram-Posts nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, der hat wahrscheinlich gerade erst gegessen. Die 22-Jährige selbst zeigt sich dafür eher selten auf ihrem Profil. Und die Bilder, die es zu sehen gibt, passen so gar nicht zu den Foodporn-Beiträgen. Ein zartrosa, beinahe körperloses Geschöpf, dem selbst die coole Superman-Unterhose zu groß zu sein scheint, steht da vor dem Spiegel. Statt der Superheldin, die ihr Gewicht voll im Griff hat, sieht Anja heute nur noch den Kontrollfreak.
„Kontrolle war damals das Wichtigste für mich. Kontrolle über mein Essen, Kontrolle über mein Gewicht. Ich habe mich komplett auf eine bestimmte Zahl fixiert“, erklärt sie. Das Problem bei der Sache: „Kein Sixpack, keine Size-Zero und kein Gewicht haben dazu geführt, dass ich mich wohlgefühlt habe.“ Aber von vorne!

Zerfressen von Selbsthass

„Irgendwann diente der Sport nur noch zum „Kalorien-Verbrennen“, damit ich mir das Essen überhaupt erlauben konnte. Ich habe aufgehört, mich mit meinen Freunden zu treffen und habe stattdessen Sport gemacht“, erzählt Anja, „Sport, Kalorien zählen und Verzicht haben meinen Alltag geprägt und eingeschränkt.“ So wurde aus Spaß und Probieren eine Sucht. Phasen, in denen sie wenig bis gar nichts essen konnte, wechselten sich mit Heißhungerattacken ab. Das schlechte Gewissen darüber, zu viel gegessen zu haben und die Angst vor einer Gewichtszunahme mündeten in Bulimie oder, wie Anja selbst sagt, „einen Teufelskreis aus Heißhunger, schlechtem Gewissen und, Erbrechen“. Aus der Bulimie wurde eine Magersucht. Und dann endlich erkannte sie, was uns heute von den Fotos geradezu entgegenbrüllt: eine wandelnde Hülle, zerfressen von Selbsthass, Selbstzweifel und Unzufriedenheit.

Man muss damit aufhören. Ganz.

"Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden", sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden“, sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Wenn man etwas ändern möchte, muss man zunächst ehrlich zu sich selbst sein, auch wenn es weh tut. Man muss sein eigenes Verhalten, seine Gedanken und die Beweggründe hinterfragen. Und wenn man merkt, dass es etwas gibt, was einem nicht guttut, dann muss man damit aufhören. Ganz. Es bringt nichts, es nur „halb“ aus seinem Leben zu streichen. Der Anfang ist immer das Schwerste. Aber ich habe mir selbst bewiesen, dass es Hoffnung für alle gibt. Es ist möglich, Essstörungen und Sportsucht zu überwinden, wenn man dranbleibt und diesen schweren Weg durchhält. Es wird einfacher. Es lohnt sich“, sagt Anja. Also trainierte sie sich etwas Wichtiges an: gesundes Verhalten. Und das geht sogar ganz bequem von zu Hause aus – ohne Geräte, Joggingstrecke und Fitnessstudio. Dafür aber mit sehr viel Stärke und Willenskraft.

Die Kraft zu Laufen

„Heute kann ich Sport wieder aus Spaß betreiben und meiner Psyche und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Ich liebe zum Beispiel Yoga am Morgen. So spüre ich meinen Körper auf eine ganz andere Weise und kann seitdem wieder eine Verbindung zu ihm herstellen, die lange verloren war. Außerdem gehe ich drei- bis viermal die Woche laufen. Es ist schön, wieder die Kraft zu haben laufen gehen zu können. Es hilft mir dabei von meinem Uni-Alltag herunter zu kommen, meine Gedanken zu ordnen und mich lebendig zu fühlen.“ Und das Essen?

Essen macht schön!

„Essen ist nicht länger mein Lebensmittelpunkt, kontrolliert und bestimmt mich nicht mehr. Essen hält meinen Körper am Leben, macht mich schön und gesund“, ist Anja heute überzeugt. „Ich habe Spaß an der veganen Ernährung gefunden, da sie sehr vielseitig ist und ich mich damit sehr gut fühle.“ Vor erneuter Mangelernährung hat sie keine Angst: „Wenn man darauf achtet, ausgewogen zu essen, kann man sich mit nahezu jeder Ernährungsweise gesund ernähren.“

Gute und schlechte Tage

Mit ihrem Instagram-Profil und ihrem Youtube-Kanal möchte Anja anderen den Druck nehmen, perfekt sein zu müssen. „Auf Social Media wird oft ein Scheinbild gezeigt – eine optimale Welt ohne Rückschläge und Fehler. Ich teile dort sowohl die guten als auch die schlechten Tage. Es kann nicht immer gut laufen und das ist auch völlig in Ordnung. Oft geht es nicht darum, Probleme zu lösen, sondern zu lernen, mit ihnen umzugehen.“

 

Anleitung zum Kranksein

Erkältungszeit? Hier eine Anleitung zum Kranksein (© S--Hofschklaeger / pixelio.de)

Erkältungszeit? Hier eine Anleitung zum Kranksein (© S–Hofschklaeger / pixelio.de)

Es regnet. Und mit jedem Tropfen vor der Tür schwillt die Nase, die Augen tränen, der Kopf brummt. Herbst heißt Erkältungszeit, Grippezeit, Krankenzeit. Überall hustet, keucht, schnieft und röchelt es, denn – jetzt mal ehrlich – nicht mal krank sein können wir richtig. Im letzten Jahr verbuchte das statistische Bundesamt, hat sich jeder Arbeitnehmer neun Tage krank gemeldet. Neun Tage. Für die alte Regel, dass eine Erkältung vierzehn Tage lang dauert und mit Medikamenten zwei Wochen heißt das, dass kaum jemand diese Krankenzeit auch wirklich krank war. Wahrscheinlicher ist, dass er mehr als die Hälfte dieser Zeit gearbeitet hat.

Ja, ich weiß, nicht jede Erkältung zwingt uns in die Knie. Manch einer lässt sich von keinem Schnupfen die Stirn bieten und andere gehen sogar mit Fieber arbeiten. Gesund ist das nicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Dann schleppen wir die Krankheit tapfer mit uns, verschwinden am Wochenende mit Wickeln im Bett, betäuben uns mit Medikamenten und Hausmittelchen. Thymiantee, Ingwertropfen, Kräuterbalsam, Lutschpastillen.

Richtig Kranksein: Mit Kräutertee und Lutschpastillen (© w.r.wagner / pixelio.de)

Richtig Kranksein: Mit Kräutertee und Lutschpastillen (© w.r.wagner / pixelio.de)

Warum sind wir nicht mal wieder so richtig krank. Schlagen dem Tag, der immer nur fordert, einfach die Nase vor der Tür zu und sagen: Nö, du, heute mal nicht. Wir legen uns ins Bett oder auf das Sofa, mit Wärmflasche und Kirschkernkissen, die dampfende Teekanne steht neben unserer Tasse, ein großes Glas Honig und eine Tüte Bonbons daneben. Wir stehen erst auf, wenn die Suppe kommt, gekocht von Mutti, Papa, dem Partner oder dem Lieferservice. Und danach legen wir uns wieder hin. Wir schauen miese Wiederholungen im Fernsehen oder hören den ganzen Tag das gleiche Hörbuch, bei dem wir immer wieder einschlafen. Wir besorgen uns ein Lavendelkuscheltier für die Mikrowelle, eine Decke mit Ärmeln.

Lasst uns krank sein – und es genießen. Der Druck auf unsere Nebenhöhlen ist groß genug, da können uns die Arbeit, die Kinder, der Abwasch und der Müll einfach mal egal sein. Unser Körper kämpft in einem Krieg und wir können die Alliierten sein. Für ein oder zwei Tage ticken die Uhren anders, wir hören nur auf uns, unser Wehklagen, unsere Bedürfnisse. Wir sind große Babys, die bemuttert werden wollen, denn wir sind verdammt nochmal krank. Singt das Katzentanzlied für uns, wer auch immer gerade noch auf den Beinen steht.

Kranksein genießen? Geht, wenn wir umsorgt werden (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Kranksein genießen? Geht, wenn wir umsorgt werden (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Kosten wir unsere Situation aus, die Hilfsbereitschaft von Verwandten, Freunden und Nachbarn, die schnelle Krankschreibung beim Arzt, die volle Tüte aus der Apotheke. Gönnen wir uns ein bisschen von dieser Aufmerksamkeit, dem Mitleid, der Sorge. Solange wir nicht wirklich ernsthaft krank sind – und die Zeiten, dass eine Grippe die Massen der Bevölkerung hinweggerafft hat, sind vorbei – können wir uns ziemlich sicher sein, dass unser Körper den Sieg davon trägt und die Viren, so oder so, in die Flucht schlägt.

Dann kommt das dicke Ende. Unsere Stimme klingt wieder normal, unsere Nase wird frei, unsere Gedanken fassen wieder, was da noch alles vor uns liegt. Dann können wir uns immer noch sorgen, hetzten, wieder einsteigen in die Beschleunigung des Alltags. Die Arbeit läuft uns nicht davon, die Möglichkeit, uns wirklich zu kurieren schon. Frisch erholt arbeiten wir schneller, effektiver, besser, als mit triefender Nase. Wenn wir nur etwas mehr Zeit in unsere Genesung investieren würden, hätten alle etwas davon. Unsere Kollegen, die wir nicht anstecken. Unser Stapel auf dem Schreibtisch, der plötzlich erklimmbar wird, schon allein, weil wir unseren Kopf wieder ohne Stechen in den Nebenhöhlen heben können. Unsere Familie, die sich auch einmal um uns kümmern durfte und weiß, dass sie etwas bei uns gut hat. Denn die nächste Grippe kommt bestimmt und wer weiß schon, wer dann auf der Couch landet.

Die richtige Pille? Manchmal müssen wir einfach krank sein (© l-Vista / pixelio.de)

Die richtige Pille? Manchmal müssen wir einfach krank sein (© l-Vista / pixelio.de)

Ich für meinen Teil koche meinem kranken Mann jetzt noch einen Tee und rate ihm dringend, das Kranksein doch auch mal als Möglichkeit der Entschleunigung zu sehen. Als Erholungsurlaub, wenn der Körper ihn dringend nötig hat. Er wird mir nicht recht geben, aber ein bisschen, so ein kleines bisschen freut er sich, dass die Couch für ihn reserviert ist, die Kinder etwas leiser spielen und die Welt sich auch ohne ihn weiterdrehen kann.

Vorschau: Nächste Woche meint Anna hier, wir sollten uns mehr den Jahreszeiten anpassen.

Wenn Obst krank macht

Wenn Obst krank macht

Verlockendes Angebot: das gilt leider nicht so sehr für Menschen mit Fructose-Intoleranz (Foto: Koepke)

Überall wird uns heute vorgehalten, wie wir uns gesund ernähren. Viel Obst und Gemüse spielen dabei eine sehr wichtige Rolle. Wer viel davon isst, der ernährt sich gut und gesund. Das habe ich bislang auch stets so gehalten, denn ohne Obst geht es bei mir einfach nicht, vor allem im Sommer. Was gibt es Besseres als frisch gepflückte Kirschen vom Baum meiner Eltern, am liebsten gleiche eine ganze Schüssel voll, oder einem leckeren Obstsalat bei strahlendem Sonnenschein?

Bis ich dann im April die Diagnose Fructose-Intoleranz beziehungsweise Fructose-Malabsorption bekommen habe. Der Ursprung jahrelanger Probleme und Beschwerden, die weder ich noch irgendein Arzt richtig zuordnen konnte. Wie auch? Die Beschwerden sind so zahlreich und ließen sich fast jeder beliebigen anderen Krankheit problemlos zuordnen. Auf eine Unverträglichkeit – egal welcher Art – kommt der Arzt meist erst nach einem sogenannten Wasserstoff-Atemtest.

Bei diesem trinkt man zu Beginn 250 Milliliter Wasser oder, wie bei mir, Pfefferminztee, dem 50 Gramm Fruchtzucker beigemengt wurden – das war schon abartig süß. Danach sollte ich drei Stunden lang alle 30 Minuten 70 Sekunden lang in ein Gerät pusten und mir auftretende Beschwerden notieren. Anhand des Wertes – der bei mir jedem Gipfelstürmer Konkurrenz gemacht hätte – und der Beschwerden, die leider recht früh eingetreten sind, wusste der Arzt dann, ob eine Unverträglichkeit besteht oder nicht, und wie ausgeprägt diese ist. Beim Laktose-Test ist überhaupt nichts passiert. Den Fructose-Test „durfte“ ich dafür sogar schon vorzeitig beenden und musste dann erst einmal auf ein Örtchen rennen. Ab 12 Stunden vor solch einem Test darf man nichts mehr essen und nur noch stilles Wasser trinken, auch die Zähne müssen ungeputzt bleiben.

Heute weiß ich, es spielt sich bei einer Fructose-Malabsorption Folgendes ab:  Fruchtzucker, der zum Beispiel in Obst oder Honig vorkommt, wird im Dünndarm nicht richtig oder vollständig aufgenommen. Deshalb gelangt er in größeren Mengen in den Dickdarm und da entsteht das ganze Dilemma. All die dubiosen Bauchschmerzen, Magenkrämpfe, die Übelkeit, der aufgeblähte Bauch, das Völlegefühl, Aufstoßen, aber auch weitere sehr unangenehme Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall und Erbrechen. Das unterscheidet sich bei jedem Betroffenen. Der eine hat „nur“ Bauchschmerzen, der andere das volle Programm. So wie meine Wenigkeit.

Wenn Obst krank macht

Knackige Äpfel: sehen lecker aus, sorgen aber für zahlreiche unangenehme Beschwerden (Foto: Ralf Meilen / pixelio.de)

So unterschiedlich wie die Beschwerden, ist aber auch der Grad der Unverträglichkeit – deswegen wird euch jeder Internet-Ratgeber –  und auch die Ernährungsberaterin raten, eine Diätphase von 2-3 Wochen einzuhalten – die sogenannte „Karenzphase“ –, in der auf jeglichen Fruchtzucker verzichtet werden muss. Danach kann ich wieder anfangen, mit kleineren Mengen Obst zu experimentieren. Mit Fruchtzucker-Verzicht ist aber nicht einfach „nur“ Obst gemeint. Fruchtzucker findet sich in handelsüblichem Zucker, aber auch in allen Säften, Marmeladen, Gelees, Obstkonserven, Trockenfrüchten, Erfrischungsgetränken, Back- und Süßwaren, Eis, Alkohol, Müslimischungen, Fruchtjoghurts und vielem anderem.  Auch in manchen Gemüsesorten, zwar meist als geringer Anteil, aber auch der kann bei einigen Menschen schon Beschwerden auslösen.

Was ich immer noch verwirrend finde, sind die vielen Tabellen zu verträglichen und eher schlecht verträglichen Lebensmitteln, denn auch da gibt es einige Ausnahmefälle. Nehmen wir beispielsweise die Tomate, die in der Regel gut verträglich sein „sollte“. Das ist sie in der Praxis aber bei den wenigsten. Warum, kann mir kein Mensch sagen. Auch nicht die Ernährungsberaterin, bei der ich war. Auch ich habe schon gemerkt, dass Tomaten für mich eher „böse“ sind. Schade. Dann gibt es keinen Tomaten-Mozzarella Salat mehr. Jedenfalls vorerst.

Was ich schon des Öfteren gehört und auch in diversen Kolumnen gelesen habe ist, dass es regelrecht „in“ zu sein scheint, irgendetwas nicht zu vertragen. Es mag sicher Menschen geben, die sich damit besonders machen wollen. Eine Lebensmittelunverträglichkeit ist aber kein Spaß und Menschen, die eine haben, geht es damit oftmals schlecht. Verrückt machen lassen darf man sich damit dennoch nicht, auch, wenn ich schon oft kurz davor war. Vor allem, wenn der Ernährungsberater das eine, diverse Bücher das andere und der Hausarzt wiederrum etwas drittes sagt. Also am besten auf den eigenen Bauch hören, der meldet sich sofort, wenn ihm etwas nicht passt.

Ich rate euch daher bei Beschwerden nicht zu lange mit einem Test zu warten. Es wird euch sehr viel besser gehen mit der Gewissheit, was ihr habt oder auch nicht habt. Auch, wenn ihr erst einmal auf Einiges verzichten müsst. Aber wenn es mir dadurch besser geht, dann ist es mir das wert. Und es heißt ja auch nicht, dass ich nicht mal sündigen darf. Ich werde trotz der Intoleranz immer das Backliesl bleiben, auch wenn ich nicht mehr mit normalem Zucker backen kann, sondern stattdessen Traubenzucker nehmen muss.

Vorschau: Nächste Woche stellen wir euch unsere neue Literaturrubrik vor und erzählen euch, was euch in Zukunft dort so alles erwarten wird.

Sprossenweise Aufklärung

Sprossenweise Aufklärung

Bedenkenlos genießbar? Noch gibt es keine Entwarnung (© Sigrid Rossmann / Pixelio.de)

Manchmal ist die Welt wirklich gemein. Von epedemieartigen Krankheitsausbrüchen hören wir normalerweise im Winter. Dann grassieren Vogel- und Schweinegrippen und sonstige per Tröpfcheninfektionen übertragbare Leiden. Und jetzt das: Bakterien, die auf Gemüse und Obst zu Erregern werden, gerade im Sommer, wenn alles zu reifen beginnt und wir am liebsten auf frische Zutaten zurückgreifen. Gerade für Vegetarier ist diese Tage nicht gut Gurkenessen. Oder etwa doch?

 Ich persönlich bin noch ziemlich unberührt von der EHEC-Infektionswelle. Natürlich, es ist immer schrecklich, wenn Menschen sterben, weil ihre normale Nahrung irgendwie verseucht war. In gewissem Maße ist es natürlich schrecklicher, wenn das Ganze auch noch bei jungen Leuten passiert, die ansonsten als kerngesund gelten. Und trotzdem – vielleicht liegt es daran, dass ich in dem Bundesland mit der geringsten Erkrankungsrate lebe – meinen Speiseplan möchte ich jetzt nicht ändern.

Ohne Frage ist das Medienspektakel eines, das seines Gleichen sucht. Oder habt ihr vor diesem Sommer schon viel von EHEC gehört? Nein? Seltsam, wo doch an jeder Stelle mittlerweile genannt wird, dass jedes Jahr deutschlandweit mehrere Hundert Menschen daran erkranken. Seltsam, dass wir diesen Namen erst seit Mai 2011 kennen, wo wir doch so oft davon reden, wenn wir von Magen-Darm-Krankheiten sprechen. Noch viel seltsamer finde ich allerdings, dass diese besondere Mutation für so viel Aufsehen sorgt. Antibiotikaresistent soll es sein. Und an mancher Stelle wird gemunkelt, es sei eben nicht aus natürlichem Wege per Mutation entstanden, sondern in geheimen, oder auch nicht so geheimen Genlaboren entwickelt worden. Einige extreme Verschwörungstheoretiker unterstellen gar, der Erreger sei absichtlich platziert worden. Ein Anschlag mit biologischen Waffen oder nur ein Testlauf?

 Zur Komödie wird derweil die Suche nach dem sogenannten Herd. Und das, obwohl der Erreger bei 70 Grad Celsius sein bakteriöses Leben lassen muss. Spanische Gurken haben zumindest die Schuld an den Erkrankungen wieder abgesprochen bekommen. Dennoch sehe ich nicht, wieso die Spanier so groß jubeln sollten. Ihre Finanzprobleme lassen sich dadurch nicht lösen und Fakt bleibt, dass auf ihren Gurken Erreger gefunden wurden, die ursprünglich aus dem Darm von Mensch und Tier stammen und Magen-Darm-Infektionen auslösen können. Da kann auch der Freispruch mich nicht dazubekommen, meinen Keller mit spanischen Gurken zu füllen.

Sprossenweise Aufklärung

Was können wir eigentlich noch essen? Jetzt gibt es schon wieder Keime auf Gurken (© BettinaF / Pixelio.de)

Nach einem Lübecker Restaurant, in dem sich angeblich einige Menschen angesteckt haben – wer weiß, ob es die Speisen waren, oder irgendwelche Schmierinfektionen – waren es Anfang dieser Woche Sprossen. Keine Leitersprossen, sondern Keimsprossen, die, wie könnte es anders sein, auf einem Bio-Hof gezüchtet werden. Zu blöd, dass die Überprüfung Entwarnung gab, anstatt endlich einen Schuldigen zu präsentieren. Dabei liebt die Presse, gerade in den Sommermonaten, Schuldige, mit denen sich Überschriften basteln lassen. Mal davon abgesehen: den Erregerherd nicht gefunden zu haben bedeutet, dass sich jederzeit wieder viele Menschen anstecken können. Also doch in Panik geraten und auf puren Fleischgenuss umsteigen?

 Lieber nicht, denn: die Mischung macht‘s, immerhin sorgen normalerweise fleischige Gerichte für solche Infektionswellen. Was also dann? Alles auf über 70 Grad zu Tode kochen? Ich umgehe in solchen Fällen gerne große Handelsketten, kaufe beim Bauern um die Ecke oder hole mein junges Gemüse aus den Gärten meiner Omas. Wer also auf eigenen Anbau umsteigen kann, weiß, dass es sich so etwas in solchen Momenten lohnt. Aber auch Tiefkühlgerichte haben in Krisenzeiten dieser Art Konjunktur, denn immerhin war das Gemüse beim Einfrieren noch völlig bedenkenlos genießbar. Und die meisten Vitamine halten sich durchaus, da frische Früchte gleich nach der Ernte schockgefrostet werden. Immerhin ein Kompromiss, bis die nächste mögliche Quelle durch alle Nachrichten wandert. Und was denkt ihr über EHEC?

Eure Eva

Vorschau: Wieso Lea in letzter Zeit nicht so gerne in die Nachrichten schaut, außer bei „L’Ottimista“, gibt es an dieser Stelle nächsten Mittwoch.

Kinder und Krankheiten

 Kinderkrankheiten sind ja mal wirklich saublöd.

 Erstens brechen sie mit absoluter Vorliebe um drei Uhr nachts aus. Wenn um drei Uhr nachts die Schlafzimmertür aufgeht, ein kleines Etwas zu mir ins Bett schleicht, oder neben mir aus dem Schlaf hochschreckt, kann ich garantiert sagen, dass ich am nächsten Tag, übermüdet, mit Kinderrotz, Tränen oder anderen Körperausscheidungen bekleckst, beim Kinderarzt abrücke, nur um mit einem Packen kindergerechter Medikamente wieder nach Hause zu kommen. Um drei Uhr nachts. Das ist die magische Zeit. Manchmal liege ich still da, mit offenen Augen, lausche in die Dunkelheit und hoffe inständig, kein Krähen zu hören, keinen Mucks, nicht mal ein kleines „M“. Und wenn dann doch, bin ich schnurstracks auf den Beinen. Das ist das zweite große Problem an Kinderkrankheiten.

Sie rauben den Eltern den Schlaf. Nicht nur den, den man zwischen drei und vier hat. Sondern in regelmäßigen Abständen, bei mir im zwei Stunden Takt, gibt es ein erneutes Aufschrecken. Das sieht dann so aus. Drei Uhr: Aufwachen, halb vier: gröbste Krankheitsanzeichen hemmen, vier Uhr: trösten, halb fünf: versuchen einzuschlafen, fünf Uhr: wieder Aufwachen,…

Um acht stell ich dann erstaunt fest, dass ich schon wieder in der Kinderarztpraxis anrufen kann. Dann geht es damit weiter, dass ich irgendwie organisieren muss, ob und wie ich in die Uni komme, bzw. wer denn mein Kind hüten kann. Beim Kindergarten anrufen, ein Auto herbeischaffen, denn unseres steht wahrscheinlich vor der Schule, in der mein Verlobter als Referendar arbeitet. Denn schließlich sind wie am dritten Minuspunkt der gemeinen Kinderkrankheiten: Das ganze Drumherum. Das regt ja so was von auf. Nicht schlimm genug, dass das eigene Kind krank ist, Fieber hat, jammert, etc. NEIN Da gibt es einfach noch abermillion Kleinigkeiten, die tatsächlich Aufmerksamkeit verlangen. Nach der schon erwähnten langwierigen Nacht.

Zum Schluss aber, denn aller guten Dinge sind eben nicht immer nur drei, das hinterlistigste an Kinderkrankheiten. Sie heißen Kinderkrankheiten, haben können sie aber alle. Vor allem auch Mütter. So ergangen mir letztes Wochenende, als die Kindergarten-Magen-Darm-Grippe plötzlich befand, dass ich ein viel reizvolleres Opfer wäre. Mit einem Mal fand ich mich beim notärztlichen Bereitschaftsdienst wieder, weil ich total dehydriert nichts mehr außer wimmern und würgen konnte. Keine schöne Erfahrung. Und das obwohl ich dachte, nach vier Monaten übelster Schwangerschaftsübelkeit so einiges gewöhnt zu sein. Das hat mich dann doch überrascht.

Und der wirkliche Gipfel über all diesen Negativpunkten ist: Es gibt kein Entkommen. Sie sind wie die Borg die daherkommen, „Wiederstand ist Zwecklos“ murmelnd, und alles befallen, was in ihre Nähe kommt. Nein, da gibt es nur die Möglichkeit: Augen zu und durch. Und wenn es beim Notarzt endet.