Wertheim Village – Ein gallisches Konsumdorf

Als wäre der Sommerschlussverkauf per se nicht alle Jahre wieder Grund zum Jubeln – dem Shopping-Tempel Wertheim Village gelingt da gewissermaßen ein Rabatt-Coup. Satte sechzig Prozent im ganzjährigen SALE! Ein Versprechen, das sich selbst in Kreisen professioneller Wühltischplünderer sehen lassen kann. Eine Adresse für Schnäppchenjäger soll das ominöse Dorf, in dem es statt Tante-Emma-Lädchen und Biobauer laut Webpräsenz über 110 Luxusläden zu finden gibt, neben den namhaften Outletcentern Metzing und Zweibrücken in jedem Falle sein. Meinem Freund und mir kam diese fast schon provokante Offerte, auf die das Wertheim Village dank Sommerschlussverkauf noch zehn weitere Prozent packt, gerade recht, schließlich ist er auf der Suche nach einem preisgünstigen Anzug und ich nach einer Alternative zum ernüchternden Online-Shopping. Die einzige Erwartung, die ich an das rund 50 Autominuten von Frankfurt am Main gelegene Einkaufsdorf stelle, ist die, dort auf annehmbare Outfits zu angenehmen Preisen zu stoßen – idealerweise sollten diese, anders als schon nach kürzester Zeit im Internet, auch in Standardgrößen verfügbar sein und nicht bloß als Restposten für Magermodels und Moppelchen herhalten.

Da die unfreundliche Navigationsgerätstimme im Auto uns zunächst nicht ins Outlet-Mekka, sondern lediglich nach Original-Wertheim fehllotst, vermuten wir dort, an der bayerischen Grenze, zunächst das vermeintliche Konsumparadies. Übel wäre das durchaus nicht, immerhin liegt Wertheim direkt am Wasser und steht jeder niedlichen, kopfsteingepflasterten deutschen Altstadt in Nichts nach. Nur wenig später erreichen wir allerdings endlich DAS Wertheim Village – offenbar ist Dorf hier nicht gleich Dorf – das aufgrund seines pompösen, mit Weintrauben-Logo geschmückten „Ortsschilds“ sogar unser untaugliches Navi kaum verfehlen kann. Gigantisch ist nicht nur die Einfahrt: Auch die Fahrgestelle der vermögenden oder zumindest um jeden Preis nach außen hin vermögend wirken wollenden Konsumenten scheinen auf dem Parkplatz miteinander wetteifern zu wollen. Harder, better, faster, stronger muss wohl das offizielle Motto der Karosserien und vor allem ihrer Besitzer lauten. Die Vermutung bestätigt sich beim Eintritt in diese schöne neue Welt, die für mich amerikanischer nicht sein könnte. Wie in einem stilisierten Disneyland – ohne Fahrgeschäfte, aber dafür mit ganz viel Mode – reihen sich die Warenhäuser aneinander. Eines bietet mehr Auswahl als das andere, man übertrumpft einander in Preis, Aufmachung und Lautstärke der aus den Lautsprechern dröhnenden Pop-Musik. Labels von Rang und Namen geben sich hier die Klinke in die Hand: Vom Trendsetter Nike über Dauerbrenner Hugo Boss bis hin zum Spezialisten wie etwa Seidensticker ist alles vorhanden, was das textilaffine Herz begehrt.

Geldbeutel

Boss und Co.: Markenwahnsinnige sind im Wertheim Village gut aufgehoben. (Foto: T.Gartner)

Schnell kommt Urlaubsfeeling bei demjenigen auf, der eine Weile durch das schier makellose Dorf flaniert ist. Die Straßen sind in den Augen eines Städters und wahrscheinlich selbst für Landeier unnatürlich sauber und mit Restaurants gespickt, deren Speisen und Getränke sich – und das überrascht nur wenig – in ähnlichen Preiskategorien bewegen wie die angebotene Bekleidung. Man muss es ganz deutlich sagen: Outlet-Center ist eben nicht gleich Discounter. Unter den rund 110 Boutiquen wird man H&M oder Zara vergeblich suchen. Entsprechend begegnet man im Wertheim Village auch nur echten Shopping-Touristen, sprich all jenen, die einen ganzen Tag lang dem Konsum fröhnen und sich selbst als gewöhnliche Mittelständische zumindest für kurze Zeit als etwas Besseres fühlen möchten. Immerhin ist hier der Kunde noch tatsächlich König.
Allerdings bedeutet dies noch lange kein königliches SALE-Angebot. Die besten Sachen waren längst vergriffen oder nur noch in Mini-oder und Übergrößen zu bekommen und auch den nahezu perfekt sitzenden Anzug hat mein Freund nicht auf Anhieb gefunden. Vielleicht haben Asterix und Obelix ja im nächsten Sommer mehr Erfolg –ob im Internet oder in einem der anderen gallischen Outlet-Dörfer, in denen man bundesweit Kurzurlaub machen kann.

Vorschau:  In der nächsten Woche geht es um den ältesten Kopfschmuck der Welt – den guten alten Hut.

Adler und Falken – Die Könige der Lüfte

Adler und Falken – Die Könige der Lüfte

Charackterkopf: Der Weißkopfseeadler besitzt ein unverwechselbares Aussehen (Foto: © Lisa Spreckelmeyer / pixelio.de)

Mit einer Spannweite von über zwei Metern gleitet der majestätische Vogel durch die Lüfte. Mit seinem weißen Haupt ist er der König in den Rocky Mountains. Der Anblick des Weiskopfseeadlers faszinierte schon zu Frühzeiten die Ureinwohner Nordamerikas, sodass sie seine Federn für kulturelle und religiöse Zwecke benutzen. Kein Wunder also, dass das Tier ebenfalls das Wappentier der USA ist.

Adler und Falken – Die Könige der Lüfte

Gefährlich: Die Klauen dieses Steinadlers sind sehr scharf. (Foto: © Makrodepecher/ pixelio.de)

Doch was ist ein Adler? Biologisch gesehen werden als Adler eine Vielzahl von Greifvögeln bezeichnet, die nicht alle der gleichen Familie oder Gattung angehören. Zwar nannte man eine Gattung der Greifvögel, der elf Arten angehörten, die „echten Adler“, doch neue molekulartechnische Untersuchungen haben ergeben, dass diese Tiere nicht alle so eng miteinander verwandt sind. Diese genetischen Experimente haben den alten Stammbaum dieser Vögel sowieso sehr stark durcheinander gebracht und neu geordnet.

 

Adler und Falken – Die Könige der Lüfte

Stromlinienförmig: Dieser Falke fliegt besonders schnell durch die Lüfte (Foto: © Lupo / pixelio.de)

Die Habichtartigen stellen die größte Gruppe der Greifvögel dar. Zu ihnen werden Habicht, Sperber, Bussard, Milan und ebenfalls so einige Tiere, die den Namen Adler tragen gezählt. Die Falkenartigen werden neuerdings als enger verwandt zu den Papageien und Sperlingsvögeln angesehen. Der ähnliche Körperbau und die ähnliche Lebensweise sind in der Evolution konvergent entstanden, also unabhängig voneinander, aber durch gleiche Einflüsse in die selbe Richtung.
Typisch für Falken ist ihre in der Silhouette zu sehende Sichelform. Ihre Flügel laufen spitz zu. Bei Adlern, Habichten sieht man die gespreizten Federn am Ende der Flügel. Generell gilt für die weit verbreitenden 67 Arten der Falken, dass tropische Arten eher klein und sind und die größeren Arten in kalten oder gemäßigten Klimaten zu finden sind.

In Deutschland heimisch sind der Turmfalke, der Baumfalke und der Wanderfalke. Der Turmfalke ist aus gutem Grund zum Vogel des Jahres 2007 ernannt worden. Neben dem Mäusebussard ist er der wohl am häufigsten vorkommende Greifvogel Mitteleuropas. Die größeren Weibchen können 36 Zentimeter groß und gerade einmal 300 Gramm schwer werden. Zum Beutefangen nutzt er den sogenannten Rüttelflug. Dies ist ein Standschwebeflug, bei dem er durch einen schnellen Flügelschlag und einen gebeugten Schwanz auf gleicher Höhe in der Luft stehen bleibt. Erst, wenn er ein geeignetes Beutetier erspäht hat, stürzt er sich auf es im Sturzflug hinab und fängt es mit erhabener Präzision.

Hierzulande kann man nur wenige dieser edlen Vögel im Freien betrachten. Vielleicht fasziniert uns genau deshalb ihr Erscheinen immer wieder aus Neue.

Vorschau: Nächste Woche erfahren wir etwas über Kuckuckskinder.