Deutschland: Es war einmal ein Vorreiter…

Zum Ende der UN-Klimakonferenz 2013 in Warschau steht Deutschland mager da. Von Montag, den 11. bis Samstag, den 23. November 2013, haben Vertreter von Politik und Wissenschaft Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Im Fokus stand der Sachstandbericht des Weltklimarats IPCC, der wissenschaftlich fundierte Informationen zum Klimawandel mit politisch

Die 2-Grad-Grenze: Ist das Ziel noch zu erreichen? (Lupo/ pixelio.de)

Die 2-Grad-Grenze: Ist das Ziel noch zu erreichen? (Lupo/ pixelio.de)

relevanten Aspekten in Beziehung setzt. Der 19. Klimagipfel mit 190 Vertragsstaaten in Warschau hat mit diesen Grundlagen nur kurz vor Ende einige Ergebnisse zustande gebracht. Zum einen soll 2015 in Paris ein Weltklimavertrag beschlossen werden, der einen CO2-Ausstoß festschreibt, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Zum anderen erhalten arme Länder mehr Geld der Vereinten Nationen, um den Klimaschutz weiter voranzutreiben.

 Aber was ist mit Deutschland? Von einer Vorreiterrolle, die Deutschland jahrelang im Klimaschutz innehatte, kann keine Rede mehr sein. Nicht nur, dass der noch amtierenden Umweltminister Peter Altmaier wegen der Koalitionsverhandlungen einen Besuch-Sprint von sechs Stunden in Warschau einlegte. Auch der Traum zwischen 1990 und 2020 die CO2-Emission in Deutschland um 40 Prozent zu senken, ist 2012 mit einem Anstieg um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr in weite Ferne gerückt. Zeit online betitelt das mit „Klimaschutz im Schnellspurt“, denn vieles ist wichtiger geworden als der Klimaschutz.

 Do ch was ist Klimapolitik eigentlich? Unter Klimapolitik versteht man die Eindämmung der globalen Erwärmung mittels politischer Maßnahmen und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Darunter fällt auch die Unterstützung bei Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel besonders schlimm ausfallen. Aktuellstes Beispiel ist die Taifun Katastrophe auf den Philippinen.

 Die Frage ist nun, ob der Koalitionsvertrag, auf den sich Union und CDU am Mittwoche, 27. November 2013 geeinigt haben, wie erwartet im Bereich Klimaschutz dünn bleibt. Wie viel Deutschland dafür ausgeben will, dass ein Anstieg des CO2-Ausstoßes nicht noch einmal passiert, ist unklar. Klar ist jedoch, dass zu einer Zeit, wo es nichts Wichtigeres geben sollte, als unseren Lebensraum – die Erde – zu retten, dieser Fokus in der Politik weit nach hinten gerückt ist.

Vorschau: Nächste Woche startet unsere Krokodil-Serie mit dem ersten Teil über die heutigen Krokodile.

 

Luftverschmutzung ist nun offiziell krebserregend

Aus aktuellem Anlass berichten wir heute über Luftverschmutzung. Das im letzten Artikel angekündigte Thema „Mit Pflanzen reden“ behandeln wir entsprechend am 31.10.2013.

„Ach was“- wird sich jetzt so mancher von euch denken. Dieser Fakt ist bereits seit Jahrzehnten bekannt, doch nun wurde es offiziell gemacht. Die WHO– „World Health Organisation“- ist eine Sonderorganisation der  Vereinigten Nationen (UN), deren Zweck offiziell darin besteht allen Völkern zu helfen, einen bestmöglichen Gesundheitszustand zu erreichen. In der Stellungnahme der Behörde vom Donnerstag, 17.10.2013, wurde nun die Luftverschmutzung und der Feinstaub als humanes Karzinogen, also für den Menschen krebserregender Stoff, der Klasse 1 eingestuft. Dadurch wird die Luft, die wir atmen, mit mehr als 100 anderen krebserregenden Stoffen, wie Asbest, Plutonium, UV-Strahlung und Tabakrauch auf eine Stufe gebracht.

Die Ursachen: Die Industrie verursacht den größten Teil der Luftverschmutzung (Foto: Günter Havlena  / pixelio.de )

Die Ursachen: Die Industrie verursacht den größten Teil der Luftverschmutzung (Foto: Günter Havlena / pixelio.de )

„Die Luft, die wir atmen, ist mit einer Mischung aus krebserregenden Stoffen verunreinigt“, sagte Kurt Straif von der IARC, der Internationalen Agentur für Krebsforschung, die bei der WHO angesiedelt ist. „Wir wissen jetzt, dass Luftverschmutzung nicht nur eine große Gefahr für die allgemeine Gesundheit, sondern auch ein entscheidender Umwelteinfluss für tödliche Krebserkrankungen ist.“

So einige Studien belegen die Risiken und Gefahren. Chronisches Asthma im Kindheitsalter, eine erhöhte Arteriosklerose, also eine Verdickung der Arterien, daraus resultierende Herzinfarkte und Schlaganfälle und auch generelle Unzufriedenheit wurden mit dem Schmutz in der Luft in Verbindung gebracht. Man geht davon aus, dass jährlich zwei Millionen Tote weltweit als direkte Folge der Außenluftverschmutzung auftreten. Die IARC bestätigte in ihren jüngsten Datenerhebungen, dass 230.000 Lungenkrebstote auf die Luft zurückzuführen sind.

Die Luftverschmutzung kann den Menschen direkt schaden oder seine Umwelt und damit dem Menschen indirekt. Die Schadstoffe in der Luft können als feste Partikel, flüssige Tropfen oder gasförmig auftreten und sie können natürlich vorkommen oder von Menschen gemacht sein. Folgen dieser Schadstoffe sind der Treibhauseffekt, hauptsächlich durch Methan und CO2 verursacht, und eine erhöhte UV-Strahlung, die eine Folge von früher eingesetzten,  aber jetzt verbotenen Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) ist. Ebenfalls gibt es eine erhöhte Belastung durch Stickoxide, eine der führenden Schadstoffgruppen, die zur direkten Reizung der Atemorgane führt und, wie auch Schwefeloxide, zu saurem Regen. Auch ist es in die Entstehung von Bodennahem Ozon verwickelt, welches ebenfalls schädlich ist.

Direkte Auswirkungen: Smog in Moskau (Foto: Monika Hollacher  / pixelio.de)

Direkte Auswirkungen: Smog in Moskau (Foto: Monika Hollacher / pixelio.de)

Auch der Feinstaub ist Teil dieser Schadstoffe. Der Feinstaub wird durch die PM-Kategorisierung anhand der aerodynamischen Durchmesser der Teilchen unterschieden. Bei PM10 sind also die Durchmesser der Partikel unter 10 Mikrometer und bei PM2,5 sogar unter 2,5 Mikrometern. Bei den  Messungen der WHO nannten sie den Feinstaub als Hauptverdächtigten zur Krebsentstehung, da besonders die aller kleinsten Partikel bis tief in die Lunge eingeatmet werden und den Krebs auslösen. „Luftverschmutzung verkürzt das Leben im Durchschnitt um acht Monate – und um mehr als zwei Jahre in den am stärksten verschmutzten Städten“, so die Warnung der WHO.

Deutschland liegt in Sachen Luftverschmutzung zwar noch im Mittelfeld von Europa, anders als Türkei, Bosnien oder Bulgarien, aber dennoch deutlich über der WHO Richtlinie. Island dagegen hat besonders gute Werte. Rund 90% der Europäischen Städter sind der WHO zufolge einer Luftverschmutzung ausgesetzt, die als gesundheitsgefährdend anzusehen ist.

Vorschau: Nächste Woche reden wir mit Pflanzen.

Schulkampagne „Fair Future“

Die Aula ist gefüllt mit ungefähr 80 jugendlichen Schülern. Die meisten schauen interessiert nach vorne, nur ein paar Störenfriede gibt es. Der Biologe Stefan Simonis steht vor der Leinwand und spricht zu ihnen. Indem er den Schülern Fragen stellt, sie die Hand heben oder aufstehen lässt, bezieht er alle mit ein. Es geht um ein Thema, das jeden Menschen auf der Welt betrifft. Wie gerecht ist diese Welt? Wie stark beansprucht unsere Konsumgesellschaft die Ressourcen der Erde? Und was können wir tun, um unsere Welt nachhaltig zu verbessern?

Schulkampagne „Fair Future“

Wie zukünftig ist unser Lebensstil? Das Logo des Fair Future Projekts. (c) die Multivision e.V. www.multivision.info www.FairFuture.net

 „Fair Future“ ist eine Schulkampagne, die den Jugendlichen genau diese Fragen beantworten soll und ihnen vermitteln, welche Verantwortung jeder für diese Welt trägt. Mehrere Verbände haben sich dafür zusammengeschlossen, nämlich Multivision, ein Verein für Jugend- und Erwachsenenbildung, der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland), Oxfam Deutschland, eine Hilfs- und Entwicklungsorganisation, und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.

Das Projekt machte in vielen Teilen Deutschlands Halt und am 17.10.2012 war es in Speyer in der Burgfeldschule zu Gast. Um 11:30 Uhr war ein Vortrag für jugendliche Schüler aus der Johann-Joachim-Becher-Schule. Doch das war nicht der erste und auch nicht der letzte Vortrag. Bereits zwei Stunden später kamen Schüler aus der sechsten Klasse des Hans-Purrman-Gymnasiums ebenfalls in den Genuss.

Schulkampagne „Fair Future“

Viele Schüler werden erreicht: Die Fünftklässler des Hans-Purrmann- Gymnasiums posieren für Face2Face.  Foto: Föhr

„Man erreicht schon viele Schüler“, sagt Stefan Simonis. Gegenüber Face2Face berichtet er, dass zwar nicht alle Schüler etwas von diesem Tag mitnehmen, jedoch ist sein Werk bereits getan, wenn es nur ein Teil ist. Natürlich könne man kleinere Kinder, wie die Fünftklässler nicht gleich für Klimaschutz und Umweltbewusstsein begeistern, doch gibt es auch andere Gegebenheiten. „Bei dem vorangegangenen Vortrag entwickelte sich danach eine große Diskussion, ich musste gar nichts mehr sagen.“, erklärte Simonis und war erfreut über so viel Anteilnahme.

Ein Vortrag verläuft folgendermaßen: Nachdem Simonis einige einleitende Worte erzählt, klärt er die wichtigen Grundbegriffe, wie Ressourcen und Nachhaltigkeit. Er zeigt, indem er das Publikum mit einbezieht, bildlich, dass ein Viertel der Weltbevölkerung drei Viertel aller Ressourcen verbrauchen. Er erklärt den ökologischen Fußabdruck, als ein Rechenmodell für den Ressourcenverbrauch. Danach folgt ein 47-minütiger Film, der noch genauer auf diesen ökologischen Fußabdruck eingeht und ebenfalls persönliche Schicksale von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Erde darlegt.

Schulkampagne „Fair Future“

Genaue Erklärung: Biologe Stefan Simonis bringt das Projekt den Schülern näher.  Foto: Föhr

Es wird klar, dass Menschen über ihre Verhältnisse leben. Sie verbrauchen in einem Jahr so viele Ressourcen, dass die Erde ein Jahr und vier Monate braucht, um diese zu produzieren. Würde jeder Mensch so leben wie ein durchschnittlicher Europäer, bräuchte man für die Bereitstellung der Ressourcen drei Planeten. Nachhaltig leben ist hier das Stichwort. Dies bedeutet, dass ein jeder nur so viele Ressourcen verbraucht, wie die Erde nachproduzieren kann. Wenn wir nicht bald handeln, ist es zu spät. Und jeder kann dazu beitragen und seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck verringern. Dieser setzt sich aus Ernährung, Wohnen, Mobilität und sonstigem Konsum zusammen. Es ist wichtig, seinen eigenen Lebensstil anzupassen. Dazu gehört weniger tierrische Produkte und stattdessen lokal angebautes Gemüse essen, weniger Auto und mehr Fahrrad fahren, weniger Strom verbrauchen und Zuhause nicht immer die Heizung anlassen.

Nach dem Film machen sich die Jugendlichen sofort auf. Eine rege Diskussion findet hier selbst nicht statt. Doch das Projekt hat seine Wirkung nicht verfehlt. Denn nach diesem Tag sind wohl einige Schüler aufgeklärter als zuvor.

Vorschau: Nächste Woche geht es um den Weltvogelpark Walsrode

 

Klimaschutz wird trotz Chemie-Industrie großgeschrieben

Ludwigshafen gründet einen Klimabeirat mit Vertretern aus der Stadtverwaltung, Wirtschaft und Industrie, um CO2-Emission nachhaltig zu senken.

Schlägt man die Zeitung auf, schafft man es nicht, um das eine zentrale Thema unserer Generation herum zu kommen: der Klimawandel. Heftige Tropenstürme, Dürreperioden und zu viel Schnee erschweren das Leben auf der Welt und lassen uns den Klimawandel hautnah spüren.

Daher entwickeln immer mehr Städte und Kommunen in Deutschland ein auf sie und ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Klimakonzept. Gute Bespiele wie das Städtchen Ascha, Sieger der „Klimaschutzkommune 2009“, legen die Messlatte hoch, doch auch die Großen bemühen sich schnellst möglich gleichzuziehen.

Ludwigshafen ist mit der stark vertretenen Industrie seit langem als „Stadt der Chemie“ bekannt. Seit 1995 wird versucht, dem ansteigenden CO2-Ausstoß entgegen zu wirken. Doch die Kommunikation zwischen den Einrichtungen lief schlecht bis vor vier Jahren Joachim Alexander seine Arbeit als Klimaschutzbeauftragter von Ludwigshafen aufnahm. Das Ziel sei es zunächst gewesen, die CO2-Emission bis 2020 um 20 Prozent zu senken. „Und das werden wir auch locker erreichen“, ist sich Alexander sicher und beweist, dass mit einer funktionierenden Kommunikation in kurzer Zeit schon viel erreicht werden kann:

Klimaschutz wird trotz Chemie-Industrie großgeschrieben

Gemeinsam an die Arbeit: Klimaschutzbeirat nach der Gründung (Foto: Stadtverwaltung Ludwigshafen)

Die Gründung eines Klimabeirates am Dienstag, 24. Januar, bringt nun viele Akteure aus Industrie und Wirtschaft an einen Tisch und bindet sie in den Klimaschutzprozess mit ein. Mitglieder des Rates kommen anderem von der Stadtverwaltung Ludwigshafen, der BASF, der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH und der Technische Werke AG. Alexander wird in Zukunft als Kommunikator zwischen ihnen fungieren, um das zuvor ausgearbeitete „integrierte Klimaschutzkonzept“ erfolgreich umzusetzen. „Wenn das riesige Räderwerk erst mal zum Laufen gebracht ist, dann dreht es sich immer weiter“, blickt der Klimaschutzbeauftragte zuversichtlich in die Zukunft.

Denn Klimaschutz ist nur ein Aspekt aus der zukünftigen Arbeit des Rates, auch Klimaanpassung, Energiegewinnung und -versorgung werden wichtige Punkte sein. Das „Klimaschutzkonzept für die Stadt Ludwigshafen am Rhein“ wurde vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, kurz Ifeu, im vergangenen Jahr auf Ludwigshafen speziell zugeschnitten. Es berücksichtigt die neusten klimapolitischen und -technologischen Entwicklungen.

Um das Konzept für das Vorgehen im Kampf gegen die hohe CO2-Emission zu entwickeln, erhob die Ifeu 2008 die CO2-Bilanz von Ludwigshafen. Erst infolge dieser Grundlage konnte das C02-Einsparpotenzial und verschiedene Einsparszenarien entwickelt werden. Daraus wurden gemeinsam mit den Mitgliedern des Klimabeirats 50 Einzelmaßnahmen erarbeitet, um weitere Emissionen zu verringern. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem ein Klimaschutzatlas zu Gebäudesanierungen, die Einführung eines ökologischen Mietspiegels und Förderungsprogramme zum Stromsparen, da die Haushalte am meisten CO2 produzieren. Alexander erklärt: „Die Stadt kann nicht viel investieren, daher müssen wir gemeinsam im Klimabeirat andere Wege gehen.“

Im Hintergrund der Klimabemühungen stehen die Zielsetzungen der Bundesregierung. Diese besagen, dass bis 2050 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um mindestens 85 Prozent gesenkt werden müssen. Um das zu erreichen, sind alle politischen und gesellschaftlichen Einrichtungen aufgefordert mitzuhelfen. Denn jetzt sind mit dem Vorsatz „Global denken, lokal handeln“ die Kommunen an der Reihe.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr hier etwas über den Tasmanischen Tiger lesen.

 

Buchdruck auf „elektronisch“

Weihnachten ist vorbei, die Kerzen am Baum abgebrannt und die Geschenke alle ausgepackt. Doch etwas ist anders: Die Anzahl der verschenkten Elektronikartikel, wie iPods, Smartphones, Fernseher und diverse Spielekonsolen nimmt zu. E-Book-Reader nehmen allmählich den Platz, der die Jahre davor für Bücherstapel reserviert war, ein. Der Wandel, das Elektronikzeitalter, hat nun auch die Bücherwelt erfasst. Seit 2007 erfährt der E-Book-Reader einen Auftrieb in der Literaturwelt.

Buchdruck auf „elektronisch“

Umweltfreundlich in die Zukunft: Der aktuelle E-Reader von Thalia OYO2 (Foto: Jenowein)

Wird das gute, alte Buch aussterben? Werden Regale, vollgestopft mit Geschichten aus fernen Welten bald der Vergangenheit angehören? Momentan sträuben sich die Deutschen noch etwas dagegen. Laut dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels betrug der E-Book-Kauf 2010 nur 0,5 Prozent des gesamten Buchmarktes. Doch zukünftig wollen immer mehr Verlage ihre Bücher auch in E-Book-Format anbieten. Hier sind die USA und England ein Vorbild. Der Absatz von E-Books hat dort schon den Kauf von gebundenen Büchern überholt. Auch der Wandel der Musikindustrie vom Tonträger hin zum Online-Sharing lässt ähnliches vermuten.

Nicht nur, dass E-Book-Reader leichter und mobiler sind, sie sind nachhaltiger als ein Buch. Bäume müssen nicht abgeholzt werden, Papier muss nicht mehr mit giftigen Chemikalien behandelt werden und mit teuren Farben bedruckt. Aber rechnet sich das mit den Herstellungskosten des E-Readers, und vor allem mit den anfallenden Stromkosten?

Das Institut für angewandte Ökologie, auch Öko-Institut e.V. genannt, hat im Rahmen ihrer mehrjährigen Studie aus Sicht des Klimaschutzes die hundert wichtigsten Haushaltsgeräte untersucht. Auch der E-Book-Reader wurde unter die Lupe genommen. Die untersuchten Gesichtspunkte waren die ökologischen Optimierung und die Kosteneinsparung beim Gebrauch.

Das Ergebnis: ein Deutscher liest im Schnitt zehn Bücher mit etwa 200 Seiten im Jahr. Das sind 200 DIN-A5 Frischfaserpapierseiten, bei deren Produktion rund elf Kilogramm CO2 ausgestoßen werden. Bei der Verwendung von recyceltem Papier verringert sich die CO2-Menge minimal auf neun Kilogramm. „Da die Papierherstellung große Umweltauswirkungen hat, erzielen E-Reader schon bei einer drei-jährigen Nutzungsdauer positive Effekte“, erklärt Andreas Manhart vom Öko-Institut e.V.

Bei einem E-Reader mit elnk-Display, das nur beim Umschlagen der Seiten Strom verbraucht, wäre der Kauf ab elf gelesenen Büchern pro Jahr schon rentabel. Da ein solches Gerät bei der Herstellung etwa 25 Kilogramm CO2-Ausstoß verursacht, sind diese Zahlen auf die Nutzung von mindestens drei Jahren ausgelegt.

Ein elnk-Display hat keine Hintergrundbeleuchtung. Er arbeitet mit Schwarz-Weiß-Kontrasten – die Umgebungsbeleuchtung muss, wie bei einem richtigen Buch, angepasst werden. Diese elnk-Displays können nun, da sie als umweltschonend gelten, vom Hersteller mit dem „Blauen Engel“ (Anm. d. Red.: Der Blaue Engel ist das älteste Umweltschutzzeichen der Welt; Träger sind Produkte und Dienstleistungen mit ökologischen Eigenschaften) ausgezeichnet werden.

Nicht nur der CO2-Ausstoß kann mit der Nutzung eines E-Book-Readers gesenkt werden. Der Papierbedarf geht zurück und somit werden Ressourcen geschützt. „Ein E-Book-Reader rechnet sich dann aus Umweltsicht, wenn damit mindestens 30 Bücher à 400 Seiten ersetzt werden“, so Manhart. Vor allem in Zeiten des Klimawandels ein kleiner Schritt in Richtung des Schutzes unserer Wälder.

Aber auch die Informationshöhe und -dichte kann durch das Speichern elektronischer Bücher steigen. Ein durchschnittlicher E-Reader kann bis zu 1.400 Bücher aufnehmen. Das können neben Romanen und Krimis auch Sach- und Fachbücher sein. Dazu kann man bei bestimmten E-Readern Kommentare einfügen und die Texte mit verschiedenen Tools bearbeiten.

Vielleicht schauen wir in naher Zukunft nicht mehr auf die verschiedenen Abenteuer und Geschichten in unserem Wohnzimmerregal, sondern tragen die vielen Welten Tag für Tag in unseren Taschen mit uns herum.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Bernd über die Streifenmode der Natur – Zebras und Quaggas.