Karneval der Kulturen – „Andere Länder, andere Sitten“

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Gehört für die Deutschen zum Karneval dazu: Konfetti, Luftschlangen, Verkleidungen und „Faschingskrapfen“ (Foto: Alexandra H./ pixelio.de)

Der Startschuss für die „jecke Zeit“ ist bereits am 11.11 um 11:11 Uhr gefallen und seitdem sind schon einige Prunk- und Kappensitzungen abgehalten worden. Das große „Finale“ der Karnevalszeit steht uns jedoch jetzt erst kurz bevor. Ein besonderes Highlight stellen dabei selbstverständlich die Rosenmontagszüge in den Fastnachtshochburgen Mainz und Köln dar, doch auch in anderen Teilen Deutschlands wird sich verkleidet, mit Kamellen geworfen und ausgelassen auf der Straße gefeiert. Doch während sich auch hierzulange die Bräuche teilweiße schon stark unterscheiden – so ist die in Köln traditionelle „Nubbelverbrennung“ am Karnevalsdienstag im Süden Deutschlands weitestgehend unbekannt – ist es noch interessanter, sich passend zur 5. Jahreszeit einmal den Karneval in anderen Kulturen anzuschauen. Klar, jeder hat schon einmal vom berühmten brasilianischen Karneval mit den farbenprächtigen Umzügen und seinen freizügigen Samba-Tänzerinnen und Tänzern gehört, doch wie sieht es aus mit den Traditionen in Russland, den USA oder unserem Nachbarn, der Schweiz?

Die „Butterwoche“ in Russland: Pfannkuchen, Volksmusik und sportliche Wettkämpfe

Karneval wird in Russland „Maslenitsa“ genannt, was so viel heißt wie „Butterwoche“. Und tatsächlich war es früher üblich, dass an diesen Tagen vorwiegend Nahrungsmittel aus Milch verzehrt wurden. Auch heute ist es noch üblich an Karneval heiße Pfannkuchen, traditionell mit Honig, Kaviar und Wodka, zu verzehren. Dabei wird zu russischer Volksmusik getanzt und sich in sportlichen Wettkämpfen gemessen, wie beispielsweise dem Hochklettern an Holzpfählen. Ähnlich wie die bereits angesprochene Nubbelverbrennung in Köln bildet auch in Russland das Anstecken der sogenannten „Maslenitsa-Puppe“ den Höhepunkt der Veranstaltung – sie soll den Winter vertreiben und das Frühjahr einläuten.

Bunte Paraden in New Orleans – Der „Mardi Gras“

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Ob „Mardi Gras“, Fasching oder Karneval: Gefeiert wird in der 5. Jahreszeit beinahe überall auf der Welt. (Foto: Timo Klostermeier/ pixelio.de)

Der Name „Mardi Gras“ für den Karneval in den USA kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt „fetter Dienstag“. Seinen Ursprung hat diese Bedeutung im Religiösen: Früher hat man kurz vor Beginn der Fastenzeit darauf geachtet, nochmals besonders fett- und reichhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen – die sogenannte „Woche der sieben fetten Tage“. Der letzte Tag vor Aschermittwoch war demnach der „Fette Dienstag“, also „Mardi Gras“. Inzwischen werden alle Veranstaltungen zwischen dem 11.11 und dem Aschermittwoch so bezeichnet – und besonders New Orleans ist für seinen ausgelassenen „Mardi Gras“ bekannt. Die Paraden, die um diese Zeit durch die Straßen ziehen, sind von unterschiedlichsten kulturellen und musikalischen Eindrücken geprägt und sind so vielfältig wie ihre Besucher. Traditionell werden statt Süßigkeiten Perlenketten und Münzen aus Plastik von den Wägen geworfen. Gegessen wird der „Königskuchen“ (King Cake), angereicht mit Kaffee, Zimt, Beeren und Sahne – häufig eingefärbt in den Farben des „Mardi Gras“: violett, grün und gold.

Ein Umzug vor Sonnenaufgang – der düstere Karneval in Basel

Während sich der Karneval in den meisten Teilen der Welt tagsüber mit lauter Musik und bunten Kostümen abspielt, bildet in Basel der sogenannte „Morgestraich“ den Auftakt der Karnevalszeit – und das nicht nur am Montag nach Aschermittwoch, sondern auch um vier Uhr morgens! Zu diesem Zeitpunkt wird in der ganzen Stadt die Straßenbeleuchtung abgestellt, das einzige Licht kommt noch von den Laternen der sogenannten „Fastnachtscliquen“. Diese Gruppen von maskierten Pfeifern und Trommlern ziehen dann durch die Straßen von Basel und sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Das Spektakel geht 72 Stunden, innnerhalb derer die meisten Kneipen und Wirtschaften durchgehend geöffnet haben. Dort wird gefeiert und traditionelle Fastnachtsspeisen, wie zum Beispiel Mehlsuppe oder „Käsewähe“ (Käsekuchen) gegessen.

…. Und noch ein Tipp zum Schluss:

Wie man sieht, gibt es die unterschiedlichsten Wege und Traditionen, wie man Karneval verbringen kann, doch eines ist fast überall gleich: Die Menschen kommen zusammen, um ausgelassen zu feiern und das Leben zu genießen. Solltet ihr Lust bekommen haben, auch innerhalb Deutschlands mal ein Fest der etwas anderen Art zu feiern, würde ich den „Karneval der Kulturen“ in Berlin empfehlen – auch hier treffen die unterschiedlichsten Musik- und Lebensstile zusammen, um eine einzigartig vielfältige Parade zusammen zu stellen.

Das Last-Minute Faschingskostüm: Wie man schnell & günstig selbst ein Kostüm kreiert

Diesen Monat erreicht die Faschingszeit ihren Höhepunkt. Es stehen uns schmutzige Donnerstage, Fastnachtssitzungen und Rosenmontagsbälle bevor – und für jeden Anlass muss das passende Kostüm her. Das kann ganz schön ins Geld gehen, denn Kostüme im Handel sind oft überteuert und ihr Geld leider oft nicht einmal wert. Für alle Faschingsfreunde unter euch, die noch eine Idee für ein Kostüm brauchen, hat die Tipps & Tricks-Redaktion einen kleinen Geheimtipp, wie man ein außergewöhnliches Kostüm schnell und kostengünstig zusammenstellen kann.

Das Last-Minute Faschingskostüm: Wie man schnell & günstig selbst ein Kostüm kreiert

Kommt garantiert gut an: Einfach als Mülltonne verkleiden (Foto: A. Schwalb)

Wir sollten vielleicht noch erwähnen, dass es sich bei dem Kostüm um eine Mülltonne handelt.

Checkliste

• 1 große Mülltüte
• 1 Bogen Pappe (Farbe kann variieren)
• 1 Bogen geriffelte, feste Pappe
• 1 alter Haarreif
• Edding, Tacker und Klebeband

Zuerst sollte man sich überlegen, welche Mülltonne man imitieren möchte und dementsprechend Müllsäcke und Pappe in der passenden Farbe kaufen.
Dann schneidet man in den Müllsack vier Löcher – zwei für die Arme und zwei für die Beine. Die Öffnung des Sacks eignet sich hervorragen für Hals und Kopf, da man mit den Schlaufen die Größe verändern kann.

Das Last-Minute Faschingskostüm: Wie man schnell & günstig selbst ein Kostüm kreiert

Der grüne Punkt: Er steht für eine Papiertonne (Foto: A. Schwalb)

Als nächstes kommt das Logo auf die „Tonne“. Dafür die Pappe zurechtschneiden und mit Edding das passende Zeichen – zum Beispiel einen grünen Punkt für eine Papiertonne – gut leserlich aufmalen und mit einem Tacker am Müllsack festklammern.

Das Last-Minute Faschingskostüm: Wie man schnell & günstig selbst ein Kostüm kreiert

Geriffelte Pappe, Krempe & Henkel: So schnell entsteht der Deckel der Tonne (Foto: A. Schwalb)

Nun fehlt noch der Deckel der Tonne. Hierzu benötigen wir die geriffelte Pappe. Zunächst einen etwas größeren Kreis und einen zweiten kleineren Kreis (etwa 2cm Abstand) ineinander malen. Dabei ist zu beachten, dass der kleinere Kreis die spätere Größe deines Deckels ausmachen wird. Nun an der äußeren Linie ausschneiden. Im nächsten Schritt vom Rand bis zum inneren Kreis einschneiden, so dass jeder Einschnitt circa 1cm breit ist. Diese Einschnitte zu einer Seite einknicken. Nun ein weites, langes Stück Pappe auf 2cm Breite zurechtschneiden und um die Einschnitte kleben, sodass eine Art Krempe entsteht. Diese zusätzlich festklemmen, um Stabilität zu gewährleisten. Aus einem Pappestück einen Henkel formen und auf dem Deckel anbringen. Im letzten Schritt einen alten Haarreif mit Klebeband im inneren des Deckels befestigen, damit man diesen problemlos auf- und abziehen kann. Fertig!

So schnell hat man ein Faschingskostüm selbst gebastelt. Außerdem eignet sich die Kostümidee hervorragend für ein Gruppenkostüm. Schließlich gibt es eine Vielzahl verschiedener Mülltonnen. Je nachdem welches Logo gewählt wird kann man Bio-, Grüne- oder Restmülltonne gehen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Vorschau: Nächste Woche verraten wir euch an dieser Stelle ein leckeres Rezept für einen Nusskuchen.

Faschingszeit ist Berlinerzeit

Berliner, Kreppel, Fas(t)nachtsküchle oder Krapfen – egal unter welchem Namen sie bekannt sind, sie gehören zur bevorstehenden fünften Jahreszeit, wie die Faust auf‘s Auge! Wenn am 11. November pünktlich um 11:11 Uhr die Jecken in ihre Kostüme schlüpfen dürfen die süßen Backwaren nicht fehlen. Grund genug für unsere Tipps & Tricks- Redaktion allen Faschingsbegeisterten ein Berliner Rezept zum Nachmachen zu verraten.

Zutaten:

  • 500g Mehl
  • 1 Würfel Hefe
  • 2 Eier
  • 80g Rama
  • 80g Zucker
  • Prise Salz
  • Circa 1/8 Liter Milch
  • Sonnenblumenöl zum Backen
  • Marmelade zum Befüllen
  • Puderzucker zum Bestreuen

Zubereitung:

Faschingszeit ist Berlinerzeit

Erste Ruhephase: In der Mulde aus Mehl kann die Hefe langsam gehen (Foto: A. Schwalb)

1. Das Mehl in eine Schüssel geben und eine kleine Mulde formen. Eine Tasse Milch leicht erwärmen, Zucker und Hefe dazugeben und dann vorsichtig in die Mulde geben. Die Flüssigkeit mit dem Mehl am Rand der Mulde verrühren und das Ganze 15 Minuten – bei Zimmertemperatur und durch ein Geschirrhandtuch geschützt – ruhen lassen.

2. Im zweiten Schritt den Vorteig mit der restlichen Milch, Zucker, Salz, Rama und Eier verkneten und etwa 20 Minuten gehen lassen. Tipp: Nicht die komplette Milch am Anfang dazugeben, um die Festigkeit des Teiges besser kontrollieren zu können.

3. Nun aus dem festen Hefeteig eine Rolle formen und diese in 16 gleich große Stücke teilen und zu Kugeln formen.

4. Die Fritteuse mit Sonnenblumenöl auf etwa 170 Grad erhitzen und die runden Teigbällchen drei Minuten ausbacken.

5. Mit Hilfe eine Backspritze die Marmelade in den Kern der Berliner spritzen. Als Alternative kann man auch Eierlikörcreme oder Nutella nehmen.

Mit Puderzucke & Marmelade: Schon sind die Berliner fertig (Foto: A. Schwalb)

Mit Puderzucke & Marmelade: Schon sind die Berliner fertig (Foto: A. Schwalb)

6. Im letzten Schritt noch Puderzucker über die Berliner streuen und fertig ist die Leckerei.

Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren und allen Narren und Närrinnen eine lustige, verrückte und schmackhafte Karnevalszeit!

Vorschau: Nächste Woche lest ihr an dieser Stelle, wie man trotz wenig Zeit eine tolle, weihnachtliche Deko zaubern kann.

Mainz wie es lacht und stinkt

Mainz wie es lacht und stinkt

Gute-Laune-Propaganda: So sieht es am Schillerplatz in Mainz jedes Jahr aus (Foto: Föhr)

Da stand ich nun mit meinem vierten Bier in der Hand. Doch das reichte nicht. Ich würde mehr brauchen. Aus den Lautsprechern dröhnte Musik, die man ohne Alkohol nicht wagen würde aufzulegen. Doch bei dieser Gelegenheit grölten, jubelten und schüttelten sich die Leute zum Takt. Auch wenn in dieser Menschenmasse eigentlich überhaupt kein Platz dafür war. Zwischen den vom Text und Rhythmus einfach gehaltenen Liedern wurde Gute-Laune Propaganda unters Volk gebracht.

Nach einer gewissen Zeitspanne, die ausreichte, um den Pegel auf ein angemessenes Level zu bringen, begann die Parade. Wie Panzer rollten die Wagen die Straße entlang. Teils politische Themen sollten satirisch behandelt werden, teils feiern sich die Vereine nur selbst. Vorne an lief die Prinzengarde. Der Prinz und die Prinzessinnen saßen auf dem Wagen wie auf einem hohen Ross. „Helau!“, riefen sie dabei lauthals und schmissen ihre Arme dabei in einer ähnlichen Bewegung in die Luft, wie damals im dritten Reich.

Doch haben wir den Adel nicht abgeschafft? Bildet euch nichts ein. Das Volk jubelt euch nicht zu. Sie wollen nur die milden Gaben, die ihr verteilt. Brot und Spiele. Panem et circenses. Die Menschen finden immer wieder neue Wege, um sich über andere Menschen erheben zu können. Auch außerhalb der Fastnachtszeit sorgen die Karnevalsvereine für sich. Dort werden fernab von den Augen der Bevölkerung Vetternwirtschaft betrieben, illegale Bauvornehmen genehmigt und Geld gemacht.

Mainz wie es lacht und stinkt

Feist und Fett: Der Adel des Umzuges (Foto: Föhr)

Die Narren an diesem Tag sorgten selbst für ihre Zirkusspiele. Verkleidet wie Clowns und ebenso herumhüpfend. Ich selbst war ebenfalls verkleidet. Als Zwerg. Nicht nur wegen des Herdentriebes. Ich hatte ebenfalls so sehr Spaß daran, wie alle anderen. Doch wieso tun wir so etwas? Flüchten wir uns gerne aus unserer eigenen Existenz, weil diese zu langweilig ist? Wünschen wir uns so sehr jemand oder etwas anderes zu sein? Flüchten wir uns deshalb auch in andere Welten, wenn wir einen Film schauen oder ein Buch lesen? Und wenn ja, wieso nutzen wir die Zeit nicht, um unsere eigene Existenz zu bereichern, sodass sie nicht mehr langweilig ist? Trinken die Menschen deshalb an diesem Tag so viel Alkohol? Ich nahm noch einen Schluck von meinem Bacardi Cola.

Meine Begleiterin wurde von einem Lutscher an den Kopf getroffen. Das nahm ich als Anlass zurückzuschießen. Verdutzte Gesichter blickten mich an, als sie von ihren eigenen Zuckerbonbons getroffen wurden. Äxte, Musketen und Kanonen säumten ebenso das unterschwellige Bild der Parade, wie auch die Husaren und die Farben der französischen Revolution auf den Hüten der Fastnachter. Etwas später setzte ich mich in eine Hinterstraße ab. Jede Hauswand war bereits von Urin getränkt. Ich entschied mich meinen eigenen hinzuzufügen.

Die Nacht brach herein. Erinnerungsfetzen. Ich war gefangen zwischen Einbrechern, Bienen, Piraten und Wikingern. Die Musik dröhnte unablässig. Ein Besoffener trat und schlug um sich, weil er sich nicht von seinen Freunden helfen lassen wollte.

Es wurde Zeit für mich zu gehen. Am nächsten Tag sollte wieder die Arbeit kommen. Weit abseits vom Adel. Dann war es vorbei mit der anderen Persönlichkeit. Zurück in die grausame Realität.