Die Wissenschaft des Kaffees

„Sprich mich morgens bloß nicht an, bevor ich nicht meinen Kaffee hatte!“, gibt so mancher als Warnung seinem Gegenüber mit, andere brauchen sogar gleich mehrere Tassen, um wach zu werden. Kein Wunder, zählt Kaffee zu den populärsten und am häufigsten konsumierten Getränken weltweit. Mit 162 Litern pro Kopf im Jahr 2014 trinkt der Deutsche mehr Kaffee als Bier. Viele Dinge geistern in den Köpfen der Menschen über das aromatische Getränk umher. Was stimmt davon? Ist Kaffee gesund oder ungesund?

Die Kaffeebohne ist eigentlich der Samen der Steinfrucht von einer Kaffeepflanze, welche entweder Coffea arabica oder Coffea canephora beziehungsweise robusta ist. Je nach Sorte und Varietät, wie auch Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Weltweit bauen über 50 Länder die Pflanze an, die Exporte und die Nachfrage und damit der Verbrauch steigen weiterhin an. Nach Öl ist Kaffee der am meist gehandelte Stoff der Welt. Der massenhafte Anbau führt auch zu Problemen.

Früher ging man davon aus, dass Kaffeekonsum dem Körper Wasser entziehen würde, was jedoch nicht stimmt. Kaffee ist eine komplexe Mischung aus über Tausend verschiedenen Substanzen. Neben Kohlenhydraten, Lipiden, Proteinen und freien Aminosäuren gibt es sekundäre Pflanzenstoffe, wie Alkaloide, Phenolcarbonsäuren, Röstprodukte, Vitamin B3 (Niacin) und Mineralstoffe. Einige dieser Substanzen besitzen antioxidative, antikarzinogene und antimutagene Eigenschaften.

Die morgentliche Tasse Kaffee (Foto: Andreas Morlok  / pixelio.de)

Die morgentliche Tasse Kaffee (Foto: Andreas Morlok / pixelio.de)

Für die anregende Wirkung ist natürlich das Koffein verantwortlich. Eine Kaffeebohne enthält etwa 0,8 bis 2,5 % Koffein. 1,3,7-Trimethylxanthin, so der chemische Name von Koffein oder auch Thein (Teein), ist eigentlich ein bitter schmeckendes, geruchloses, weißes Pulver, welches nicht nur aus Kaffeebohnen, sondern auch aus Teeblättern, der Kolanuss, dem Matebaum der Guaranapflanze und vielen weiteren Pflanzen extrahiert werden kann. Chemisch hat dieses Molekül Ähnlichkeit zum Neuromodulator Adenosin. Während Adenosin zur Absenkung des Blutdrucks und zu Müdigkeit führt, blockiert Koffein die Adenosinrezeptoren und führt zu einem wachen und aufmerksamen Zustand. Es wäre nahezu unmöglich durch Kaffeekonsum eine Überdosis Koffein zu sich zu nehmen und auch süchtig beziehungsweise körperlich abhängig machen, kann es technisch gesehen nicht. Denn es löst nicht das Belohnungszentrum im Gehirn aus. Trotzdem kann mit einem regelmäßigen Konsum mehr Koffein benötigen, um denselben Effekt zu erzielen, da das Gehirn mit der Bildung von mehr Adenosinrezeptoren reagiert hat. Es hat sich also eine Toleranz aufgebaut. Da Koffein eine Halbwertszeit von sechs Stunden hat, ist der Effekt ebenfalls nach dieser Zeit zur Hälfte verschwunden, weshalb man gerne nach einer weiteren Tasse greift. Die Abhängigkeit ist jedoch nicht mit Kokain oder Alkohol zu vergleichen, sondern eher mit Marihuana. Der Koffeinismus verursacht hauptsächlich psychische Störungen. Eine Entzugskur dauert aber nur wenige Tage, bis der Körper wieder normalisiert ist.

Die beste Strategie ist, Kaffee nicht sofort nach dem Aufstehen zu trinken, da der Cortisolspiegel dann zu hoch ist und dies die Wirkung des Koffeins beeinträchtigt. Kaffee sollte am Besten in den Zeiten über den Tag genossen werden, in denen der Cortisolspiegel nicht so hoch ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, sich auf drei bis vier Tassen pro Tag zu beschränken. Denn Koffein stimuliert auch die Produktion von Adrenalin, was eine blutdrucksteigernde Wirkung hervorruft. Das Stressgefühl kann ebenfalls ansteigen. Da Koffein sich auch auf das Herz- und Kreislaufsystem auswirkt, war Kaffee lange im Verdacht, Herzprobleme hervorzurufen.

Nach einer neuen Untersuchung schadet Kaffee dem Herzen nicht, sondern könnte sogar gut für das Herz sein. Die Arterien von Menschen, die drei bis fünf Tassen Kaffee am Tag trinken, sind weniger verkalkt als die von Leuten, die wenig Kaffee trinken, ergab die Studie. In der letzten Zeit häufen sich die Entwarnungen und Kaffee zeigt mehr und mehr gesundheitliche Vorzüge. Es senkt das Risiko an einer Typ-2-Diabetes, Parkinson, Hautkrebs und einigen weiteren Krebsarten zu erkranken. Zuletzt wurde sogar nachgewiesen, dass das Getränk, auch entkoffeiniert, hilft, DNA Schäden vorzubeugen.

Kaffee ist also gesund – in Maßen. An alle, die sich etwas zu viel gönnen sei gesagt, dass bei 3 von 10 Menschen Kaffee abführend wirkt, was unter anderem an Chlorogensäure liegt. Also immer in Maßen trinken.

Herz verloren in Bosnien

Nach dem Abitur wollte ich in die weite Welt hinaus. Gelandet bin ich in Bosnien. Rund 1000 Kilometer entfernt von München, in der Stadt Tuzla, deren Name sich vom türkischen Wort Tuz (Salz) ableitet, wovon sich unter der Stadt reichlich verbirgt.

Eine Lehrerin nannte meine Entscheidung damals mutig. Ich stach mit Bosnien auch wirklich aus der Reihe. Work und Travel in Australien stand hoch im Kurs. Vielleicht auch ein Aufenthalt in einem afrikanischen Land. Mit dem Backpack durch Asien. Aber ein Freiwilliges Soziales Jahr in Bosnien? Auf eine solche Idee, war niemand aus meinem Abitur-Jahrgang gekommen. Meiner Lehrerin waren vermutlich sofort die grauenhaften Bilder vom Krieg in den 90-er Jahren durch den Kopf geschossen. Doch dieser war immerhin zu diesem Zeitpunkt (2009) schon 14 Jahre vorbei.

Die Brücke über die Drina - viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Die Brücke über die Drina – viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

Meine erste lebhafte Erinnerung an Bosnien ist die Ankunft. Nach einer nicht enden wollenden Busfahrt, kamen wir in den frühen Morgenstunden am Busbahnhof der drittgrößten Stadt Bosniens in Tuzla an. Die Familie, in deren Haus wir im obersten Stockwerk ein Jahr lang wohnen würden, erwartete uns bereits und hievte unser Gepäck in einen VW Golf. Ein Auto, das das bosnische Straßenbild beherrscht. Im Wohnzimmer der Familie wartete Kaffee, frischgebackene Pita und Gemüse aus dem eigenen Garten auf uns. Es duftete verheißungsvoll. Wir waren nervös, müde und gespannt. Die Wärme und Herzlichkeit, die von unseren neuen Nachbarn ausging, erleichterte uns das Eingewöhnen unglaublich. Hier verbrachten wir viele Stunden. Übten uns in unseren ersten bosnischen Sätzen, für welche wir immer großes Lob einkassierten. Wobei unsere bosnischen Sprachkenntnisse ab und an auch lautes Gelächter entfachten, wenn eine von uns einen lustigen Fehler gemacht oder eine für die Region typische Redeweise verwendet hatte. Wie oft bog ich den kleinen Weg zu unserem Haus ein, sah von weiten bereits die Vermieterin oder  eine ihrer Töchter. Und schon war man zum Kaffeetrinken eingeladen. Kaffeetrinken. Das ist in Bosnien eine Zauberformel. Schnell begriffen ich und meine drei Mitbewohnerinnen, die ebenfalls ein FSJ machten, das Kaffeetrinken ein fester Bestandsteil des bosnischen Alltags war.

Kaffee und Rakija:. Ohne Kaffee geht hier gar nichts! (Foto: Mätzke-Hodzic)

Kaffee und Rakija:. Ohne Kaffee geht hier gar nichts! (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ich arbeitete ein Jahr lang in einem Tageszentrum für junge Erwachsene mit Behinderungen, genannt Koraci Nade, zu Deutsch, Schritte der Hoffnung. Die Mittagspause war für gewöhnlich erfüllt von den lautstarken Gesprächen meiner durchweg weiblichen Mitarbeiterinnen, die eine Kaffeetasse nach der anderen schlürften. Einmal lehnte ich ab, als mir bereits zum x-ten Mal nachgegossen wurde. Als ich mich rechtfertigte, dass mein kleines Herz so viel Kaffee nicht vertrage, lachten sie – lauthals. Serviert wird der bosnische Kaffee für gewöhnlich in kleinen Tassen. Feingemahlenes Kaffeepulver wird in einem Gefäß (bosnisch dzezva) auf dem Herd kurz erhitzt, bis sich der Kaffeegeruch im ganzen Raum verbreitet, sodann wird kochendes Wasser hinzugegossen und der Kaffee einige Male zum Kochen gebracht, bis oben ein cremig, hellbrauner Schaum entsteht. Ich liebe dieses kleine Kaffeeritual. Heute finde auch ich es total überbewertet, wenn deutsche Freunde entgegnen, dass der Kaffee so stark sei. Mittlerweile trinke ich sogar abends Kaffee. Ganz gewöhnlich in Bosnien. Noch so eine bosnische Eigenheit: Reden. Ein Taxifahrer erklärte mir bei einer Fahrt, dass die Bosnier ein geselliges Völkchen seien und ihnen nie der Gesprächsstoff ausginge. Schweigen sei einfach nicht so ihr Ding. Für meine Arbeitsstelle traf das alle Male zu – es war eine Seltenheit, dass einfach mal Stille herrschte. Und tatsächlich ergaben sich oftmals ganz unerwartete Gespräche und Begegnungen während meines FSJ-Aufenthalts. An der Bushaltestelle. Oder in einer Kneipe. Und ganz plötzlich war man in ein Gespräch verwickelt und hatte nebenher ein paar neue Bekanntschaften gemacht.

Stadtzentrum Tuzla (Foto: Mätzke-Hodzic)

Stadtzentrum Tuzla  – die Stadt mit dem Salz unter der Erde (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aber halt stopp. Weshalb genau habe ich mich denn nun in Bosnien verliebt? Des guten Kaffee wegen? Waren die spontanen Begegnungen ausschlaggebend? Eigentlich habe ich das Land erst so wirklich nach meinem Aufenthalt in mein Herz geschlossen. Plötzlich fing ich an mich mit Musik, Filmen und allem was in irgendeiner Weise mit Bosnien zu tun hatte, zu beschäftigen. Aber vielleicht sehnte ich mich da bereits nach dem Land zurück. Und einem besonderen Menschen, den ich dort kennengelernt hatte – meinem jetzigen Mann. Ich hatte mein Herz also sogar in doppelter Weise verloren. Egal wieviel Zeilen mir zur Verfügung stehen – es ist zu wenig um wirklich in Worte zu fassen, was mich an diesem Land begeistert.

Die Stadt Travnik - wo Kirchglocken läuten und der Muezzin zum Gebet aufruft (Foto: Die Brücke über die Drina - viele alte Brücken sichtet man in Bosnien (Foto: Julian Nitzsche  / pixelio.de)

Die Stadt Travnik – osmanisches Erbe wo man hinsieht (Foto: Foto: Julian Nitzsche / pixelio.de)

Komischerweise denke ich, wenn ich über Bosnien spreche, nicht als erstes an Krieg. Auch wenn dieser sichtbare und viele unsichtbare Spuren hinterlassen hat. Mir hat sich jedoch ein Land offenbart, das jenseits von Krieg und Brutalität, existiert. Ein Bild, das man vom diesem Land hier in Deutschland leider nicht vermittelt bekommt. Ich denke an die Landschaft, die von Bergen und türkisblauen Flüssen durchgezogen ist. An die Menschen, die lachen, auch wenn es viel zu beklagen gibt. Ein Land mit den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen, die von der osmanischen Herrschaft, bis zur Österreichischen Monarchie reichen und sich im Essen, in der Architektur und ja, auch in der Mentalität der Menschen wiederspiegeln. Ein Land in dem sich der Ruf des Muezzins mit dem Läuten der Kirchglocken vermischt. Ein Land in dem alte Frauen, mit bunten Kopftüchern, in ihren Fluchkünsten, der Jugend in nichts nachstehen. Und ich muss meiner Lehrerin in einem Punkt recht geben: Ja, meine Entscheidung war durchaus mutig. Aber ich denke, dass jeder Mensch, der sich in ein fremdes Land begibt und versucht sich auf dieses einzulassen, mutig ist. Ob dies nun in Afrika, Asien oder Europa ist – das spielt keine Rolle.

Sitzen, rösten, warten… und? Genießen! – Kaffeetradition aus Eritrea

(K)einen Kaffee zum Mitnehmen, bitte! In der Mittagspause schnell zu Starbucks einen Energieschub holen – den bekommt man meist in einem Pappbecher. Das schwarze Gold wird zwischen Tür und Angel getrunken, damit man im Schul-, Uni- oder Arbeitsalltag wach bleibt. Der Genuss bleibt da auf der Strecke. Die aus Eritrea stammende Altenpflegerin Tsega Bahta Baryagaber (48) zeigt uns, wie Kaffee in ihrer Heimat getrunken – ja, zelebriert wird.

Vor der Röstung: rohe Kaffeebohnen (Foto: Bierbrauer)

Vor der Röstung: rohe Kaffeebohnen (Foto: Bierbrauer)

Im mannheimerischen Wohnzimmer baut sie ihren „Kaffeestand“ auf. Der besteht hauptsächlich aus einem Gaskocher, einem Höckerchen und einem Schränkchen mit allerlei Zubehör: rohe Kaffeebohnen, Weihrauch und traditionelles Kaffeegeschirr. Apropos traditionell: Für uns schmeißt sich die 48-Jährige in Schale und präsentiert uns stolz ihre weiß-grüne Tracht aus Eritrea.

Das Feuer wird geschürt, die rohen, noch grünen Kaffeebohnen müssen dran glauben: Tsega gibt sie in eine kleine Pfanne und hält diese über das Feuer. Kaffeeduft steigt auf, die Bohnen knacken und dampfen um die Wette. Der Weihrauch darf bei der Zeremonie nicht fehlen: „Er hat eine reinigende Wirkung und trägt zur Entspannung bei, zudem riecht er sehr angenehm“, lässt uns die Altenpflegerin wissen. Spätestens jetzt wissen auch die Nachbarn: Tsega macht Kaffee!

Ganz in ihrem Element: Tsega beim Kaffeerösten (Foto: Bierbrauer)

Ganz in ihrem Element: Tsega beim Kaffeerösten (Foto: Bierbrauer)

Während sie den Kaffee röstet, erzählt sie uns Geschichten aus ihrer Kindheit: „Früher hat man sich sonntags zum Kaffeetrinken getroffen. Für uns Kinder war die Zeremonie immer eine Sensation.“ Und was bedeutet Kaffee generell in Eritrea, fragen wir uns. „Genießen und erzählen – zu allen Anlässen“, teilt uns die gebürtige Eritrearin mit.

Die Bohnen sind fertig geröstet, Tsega erhebt sich von ihrem kleinen Hocker. Und das aus einem bestimmten Grund: „Damit zeige ich Respekt gegenüber den Besuchern“, sagt die leidenschaftliche Kaffeetrinkerin. Danach werden die Kaffeebohnen in der eigenen kleinen Kaffeemühle gemahlen. Wer sich jetzt übrigens fragt, wo der Kuchen abgeblieben ist: „Bevor der Kaffee nicht fertig ist, gibt’s nichts zu essen“, erzählt uns die traditionsbewusste Afrikanerin schmunzelnd. Anstelle von Kuchen wird in Eritrea salzig-knuspriges Popcorn aufgetischt, aber eben erst, wenn der Kaffee fertig ist – so will es die Tradition.

Kaffeebohnen: frisch geröstet (Foto: Bierbrauer)

Kaffeebohnen: frisch geröstet (Foto: Bierbrauer)

Nun ist es endlich soweit: Der gemahlene Kaffee wird mit heißem Wasser vermengt und in eine Keramikkanne gegeben. Auf der Kanne steht „Keren“. Was das wohl bedeutet? „Das ist der Ort, an dem ich geboren wurde“, berichtet uns Tsega. Sie schüttet den Kaffee immer wieder von der Kanne in ein anderes Gefäß und wieder zurück in die Kanne: „Der Kaffee wird dadurch richtig vermischt“, weiß Tsega und lehrt uns, den Kaffee zu genießen.

In Erzähllaune: Tsega beim Sonntagskaffee (Foto: Bierbrauer)

In Erzähllaune: Tsega beim Sonntagskaffee (Foto: Bierbrauer)

Heißer Kaffeedampf steigt auf, auf einem silbernen Tablett serviert sie uns die kleinen Tassen ohne Henkel. Traditionell gibt es drei Runden – für jeden drei Tassen. Wer will, mit Zucker – ähnlich wie Espresso. Sehr aromatisch! Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt. Sicher ist es schwierig, in der alltäglichen Mittagspause so viel Zeit für eine – oder besser gesagt – drei Tassen Kaffee aufzubringen. Aber für alle, die sonntags mal den Kaffee afrikanisch genießen möchten: Der Campingkocher des letzten Festivals ist sicher nicht nur für Dosenravioli geeignet…

Ein Plädoyer für die Spontanität

Kaffeepause - sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden, ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de)

Kaffeepause – sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden und für einen Moment den Alltagsstress hinter sich lassen. Das ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Spontanität – das ist etwas Herrliches und eröffnet einem oftmals ganz neue Möglichkeiten. Doch natürlich muss man gewillt sein, sich darauf einzulassen und die Magie der Spontanität schätzen und lieben lernen. In gewisser Weise muss jeder sich auch mit der Ungewissheit anfreunden, dass spontane Vorhaben nicht unbedingt immer so ausgehen, wie jemand sie sich vorher ausgemalt hat. Sie können aber auch zu großartigen und unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen mit tollen Menschen führen, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch einige scheinen mit dem Konzept der Spontanität nicht ganz so gut zurechtzukommen und ihm eher feindselig gegenüber zu stehen. Ich war schon immer geneigt mich spontan mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen, wenn mir ganz plötzlich danach war. Oder aber wenn ich gerade etwas in einem Stadtmagazin herumstöberte und zufällig über ein interessantes Konzert oder eine Ausstellung stolperte, griff ich sodann zum Telefonhörer, um eine Freundin oder einen Freund mit meiner bereits bis ins kleinste Details ausgemalten Abendplanung vertraut zu machen.

Unter Zeitdruck - nicht immer bleibt Zeit für Spontanitiät, angesichts vieler Termine und Verpflichtungen (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Unter Zeitdruck – angesichts vieler Termine und Verpflichtungen scheint Spontanität oftmals ein wirklicher Luxus zu sein (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Oft werde ich allerdings enttäuscht. Denn nicht alle meine Freunde sind für meine recht kurzfristigen Vorhaben zu begeistern oder haben schlicht und einfach schon eine Verabredung oder einen anderen wichtigen Termin. Natürlich habe auch ich meine Verpflichtungen und sitze nicht den ganzen lieben langen Tag zu Hause und drehe Däumchen. Allerdings vermute ich, dass meine Herangehensweise eine ganz andere, als die, der nicht so spontanen Menschen ist – wenn ich im Voraus weiß, dass die kommende Woche einen freien Tag zulässt, werde ich deshalb nicht zwangsläufig sofort eine Verabredung vereinbaren.

Bei anderen Freunden bemerke ich des Öfteren einen Mechanismus, ja förmlich den Drang, dass schnell alle Tage für die folgenden Wochen mit Terminen im bereits überquellenden Terminplaner gefüllt werden müssen. Eine freigebliebene Spalte im Wochenplan scheint dabei verwunderlicher Weise eine gewisse Panik und Unruhe in Ihnen auszulösen. Wenn ich dann bei der Losvergabe für eine begehrte Verabredung noch einen Hauptreis, nämlich einen einstündigen Kaffeetermin ergattere, der irgendwie noch zwischen am gleichen Tag, stattfindenden Terminen, reingequetscht wird, kann ich mich enorm glücklich schätzen.

Termine über Termine - das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista  / pixelio.de)

Termine über Termine – das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista / pixelio.de)

Manch einer würde wohl anmerken wollen, dass Spontanität viel mit Ungebundenheit oder weniger Verpflichtungen zu tun hat. Da ist mit Sicherheit etwas dran. Und auch mit der Berufstätigkeit kann ein jeder nicht mehr tun und lassen, wonach es ihm beliebt. Ich bin Studentin und habe bisher noch keine Kinder, um die ich mich kümmern oder die ich vor der Arbeit noch bei der KiTa vorbeibringen muss. Andere Lebensumstände können einen in der Spontanität einschränken und von einem viel Disziplin und einen meist durchgeplanten Tagesablauf abverlangen. Sonst würden die ganzen Aufgaben und Erledigungen wohl nicht gelingen und einem früher oder später über den Kopf hinaus wachsen. Da bleibt zugegebenermaßen wenig Platz für den Zauber der Spontanität.

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de  / pixelio.de)

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de / pixelio.de)

Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die mehr den Drang nach Spontanität verspüren als andere. Ich werde mich nochmal zu Wort melden, sobald sich meine Lebensumstände drastisch verändert haben sollten – sprich, ich meine eigene Familie gründe. Vielleicht spreche ich dann nicht mehr in den höchsten Tönen von der Spontanität. Vielleicht werde ich dann meine damalige Naivität belächeln. Bis dem aber nicht so ist, gehe ich weiterhin meinem Impuls nach, verreise kurzentschlossen über das Wochenende, versuche Freunde von meinen brillanten Spontaneinfällen zu überzeugen, sie wenn möglich sogar mit meinem Spontanitäts-Fieber anzustecken und schwelge glücklich in meiner bunten Spontanitäts-Luftblase.

Vorschau: Eva geht nächste Woche dem Wahnsinn der Perfektion auf die Spur

Einmal Jungbrunnen bitte

Trinken ist wichtig: Wasser hält uns jung (© Michael Grabscheit / pixelio.de)

Trinken ist wichtig: Wasser hält uns jung (© Michael Grabscheit / pixelio.de)

Trinken ist wichtig! Das bekommen wir früh eingetrichtert. Bei jeder Erkältung gibt es literweise Tee, im Sommer läuft die Werbung von trinkenden Menschen nur so über und in guten Restaurants gibt es zum Kaffee ein großes Glas Wasser dazu. In gewisser Weise ist Trinken sogar wichtiger als Essen. Wird verdursten viel schneller, als dass wir verhungern, unsere Zellen dehydrieren, die Haut wird faltig.

Noch als Säugling haben wir einen Wassergehalt von 90%, er sinkt stetig und rapide. Schon als Kind ist er nur noch bei 70%, ein Erwachsener hat noch 65% Wasser im Körper, ein alter Mensch nur noch 60%. Zwei Liter Flüssigkeit sollten pro Tag eigentlich drin sein, doch viele schaffen das nicht. Meine Oma muss man zu jedem kleinen Glas regelrecht zwingen. Kein Wunder, in vielen Köpfen steckt noch der Fokus auf Kaubarem. Als Kind hieß es bei meinen Großeltern immer: erst wird gegessen, danach getrunken. „Sonst ist dein Bauch voll“, sagte meine Oma. So unrecht hatte sie damit nicht. Viele Menschen essen, wenn sie eigentlich durstig sind, eben weil sie schon als Kind gelernt haben, feste Nahrung sei wichtiger.

Ideale Erfrischung: Saftschorle (© Jonathan Keller / pixelio.de)

Ideale Erfrischung: Saftschorle (© Jonathan Keller / pixelio.de)

Tatsache ist, über Säfte und Mineralwasser bekommt der Körper notwendige Nährstoffe genauso gut, eigentlich sogar schneller, als durch feste Nahrung. Darum trinken Diabetiker, wenn ihr Blutzucker stark gesunken ist, etwas Saft, um schnell versorgt zu sein. Ein Glas Wasser vor dem Essen hilft außerdem dem Körper, schneller zu merken, dass er tatsächlich satt ist, und ist darum in jeder Diät einer der ersten Tipps. Essen wir dann weniger, als wir brauchen? Meistens nicht, denn Flüssigkeit wird im Magen auch leichter verdaut. Der Körper würde also einfach nochmal Nachschlag verlangen, wenn er noch hungrig wäre.

Die Einstellung zum Trinken hat sich geändert und ist immer noch schwierig. Im Kindergarten wie zu Hause können wir trinken, wann und oft auch so viel wir wollen. In vielen Kindergärten sind Getränke mit Zuckerzusätzen nicht erlaubt: Ungesüßter Tee, Wasser oder reiner Saft kommt dort auf den Tisch. Zu Hause sind viele nicht immer so konsequent. Limonade, gesüßter Saft oder gar Cola, eben das, was auch die Eltern gerne trinken. Wer greift im heißen Sommer nicht gerne zu einem Glas eisgekühlte Limonade oder Cola mit Eiswürfeln? Ich. Denn ich weiß, dass diese Getränke eigentlich gar keine Getränke sind, zumindest im Sinne von Durstlöscher. Der hohe Zuckergehalt zwingt den Körper dazu, Wasser aus den Zellen ins Blut zu geben, um die Zuckerkonzentration wieder zu verringern. Das führt dazu, dass der Körper Wasser verliert und wir gleich noch viel mehr Durst haben. Ähnliches gilt für Getränke, die zumindest kurzzeitig entwässern, wie bestimmte Teesorten oder Kaffee. Von Alkohol ganz zu schweigen.

Oft sagt mein Mann, wenn ich ihn frage, ob er genug getrunken hat: „Klar, vier Tassen Kaffee“. Dann ist er müde und schlecht gelaunt und versteht nicht, dass es schon gereicht hätte auch etwas Wasser zu trinken, um den Körper bei Laune zu halten. Es gibt immerhin auch Studien, die zeigen, dass Kinder, die auch während des Unterrichts etwas trinken dürfen, (was viele Lehrer aber nicht erlauben) konzentrierter arbeiten. Später scheint uns das wieder klar zu werden. An der Uni treffe ich selten jemanden, der keine Flasche zu trinken in seiner Tasche hat. Einer unserer Freunde hat in seinem Rucksack immer, selbst wenn er zu Besuch kommt, eine Flasche Mineralwasser.

Wahrer Jungbrunnen: Wasser hält die Zellen fit (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Wahrer Jungbrunnen: Wasser hält die Zellen fit (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Trinken ist so eine Sache, die bei vielen einfach nebenher läuft, auf die nicht geachtet wird. Mal trinken wir mehr, mal weniger, manchmal merken wir gar nicht, dass wir kaum Flüssigkeit zu uns genommen haben, an anderen Tagen kommen wir mit leeren Flaschen aus der Uni. Ein bisschen mehr auf unsere Getränke und unser Trinkverhalten zu achten hilft uns aber nicht nur, den Tag fitter zu überstehen. Es stärkt unseren ganzen Körper, hilft gegen Krankheitserreger und nebenbei ist Trinken das beste Mittel, um jung zu bleiben. Ein echter Jungbrunnen also. Wenn wir etwas weniger auf die Gesellschaft und etwas mehr auf unseren Körper hören könnten, würde am Essenstisch das Trinken im Mittelpunkt stehen, es wäre selbstverständlich in der Schule, in Prüfungen oder auf der Arbeit jederzeit etwas trinken zu können und Flüssigkeiten, die mehr Zucker haben, als unser Körper vertragen kann, hätten ein Warnzeichen auf dem Etikett. Denkt mal bei eurem nächsten Getränk daran. Und Prost.

Vorschau: Sascha erzählt euch nächste Woche, warum er ein notorischer Kantinenverweigerer ist.

Tee, Trend und Tradition: Wiener Kaffeehäuser

Auf dem Silbertablett serviert: Kaffee und heiße Schokolade (Foto:Dreer)

Auf dem Silbertablett serviert: Kaffee und heiße Schokolade (Foto: Dreer)

Tradition, Kaffee, Gemütlichkeit: Das sind nur einige der Begriffe, die einem durch den Kopf schießen, wenn man an die Wiener Kaffeehäuser denkt. Der Ursprung der berühmten Kaffehäuser liegt in einer Legende: Nach der Türkenbelagerung 1683 überließen die Türken dem polnischen Geschäftsmann und Dolmetscher Franz Georg Kolschitzky 300 Säcke mit Kaffeebohnen, bevor sie fluchtartig die Stadt verließen. Dieser sei es auch gewesen, der noch im selben Jahr das erste Kaffeehaus der Stadt eröffnete, welches er „Zur blauen Flasche“ taufte. Andere Quellen jedoch behaupten der Armenier Johannes Diodato habe 1685 den ersten Kaffeeausschank in Wien betrieben.

Doch was ist das Besondere an der Wiener Kaffeehauskultur, die sogar seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört? „Ins Kaffeehaus gehen Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“, sagte einst Schriftsteller und Feuilletonist Alfred Polgar. Vor allem im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert waren die urigen Kaffeehäuser bei Künstlern, Literaten und anderen Intelektuellen beliebt. Das gemütliche Ambiente diente als Ort des Gedankenaustauschs und Schreibens, zudem hat man bis heute die Möglichkeit aus einem Angebot von dutzenden verschiedenen Zeitschriften und Tageszeitungen zu wählen. Zunehmendes Interesse an der Kaffeehaus-Tradition kann man seit den 1990er Jahren erkennen, sodass die Wiener Kaffeehäuser keinesfalls als unmodern oder überholt bezeichnet werden können.

Ein Genuss: Ein Stück Schoko-Torte der Konditorei "Demel" (Foto:Hohmann)

Ein Genuss: Ein Stück Schoko-Torte der Konditorei „Demel“ (Foto: Hohmann)

Das kulinarische Angebot reicht von Kuchen und Torten bis hin zu kleinen Speisen wie Würstel oder auch verschiedene Mehlspeisen. Das Besondere im Vergleich zu anderen Cafés ist, dass man ungestört Stunden dort verweilen kann, ohne dass die Kellner in immer kürzeren Abständen eine neue Bestellung aufnehmen möchten. Im Gegenteil: Die Kellner servieren traditionell auf einem Silbertablett zu jeder Tasse Kaffee oder Tee ein Glas Wasser, was in den Wiener Kaffeehäusern als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Beim Verzehr der Getränke und Speisen hat man die Gelegenheit, es sich in den „Schanigarten“, also im Sitzbereich vor dem Café, gemütlich zu machen.

Rund 500 Kaffeehäuser verteilen sich quer durch Österreichs Hauptstadt. Die drei Bekanntesten möchten wir euch vorstellen.

Das Café Hawelka ist wohl das traditionsreichste Kaffeehaus im Stadtbezirk. Im Jahre 1939 eröffnet das frisch vermählte Ehepaar Leopold und Josefine Hawelka das Kaffeehaus. Die Einrichtung hat sich seitdem kaum verändert, wodurch man sich beim Eintreten in das Lokal in eine andere Zeit versetzt fühlt. Empfehlenswert sind die hausgemachten Buchteln (Hefegebäck) mit Vanillesoße. Ein Besuch lohnt sich also!

Von Außen: Das Hotel Sacher (Foto: Dreer)

Von Außen: Das Hotel Sacher (Foto: Dreer)

Ein weiteres bekanntes Kaffeehaus ist das Café Sacher, wo man selbstverständlich ein originales Stück Sacher-Torte kosten muss. Das Café ist an das Hotel Sacher gekoppelt und befindet sich gegenüber der neuen Oper. Dementsprechend ist es sehr zentral gelegen. Durch den vorhandenen Wintergarten kann man das turbulente Treiben außerhalb beobachten und sich trotzdem einen Moment Ruhe gönnen.

Das Café Sperl ist eines der ältesten Kaffeehäuser in Wien und gleichzeitig denkmalgeschützt. Seit der Eröffnung 1880 wird dort die Sperl Torte angeboten, die wegen der Mischung aus Vanille, Zimt, Milchschokolade und Mandelmasse eine wahrhaftige Leckerei ist.

Und, läuft euch auch schon das Wasser im Mund zusammen? Dann schaut doch bei eurem nächsten Städtetrip in Wien mal in einem der zeitlosen Kaffeehäuser vorbei und genießt einen Schluck Wiener Melange, die österreichische Kaffeespezialität, oder ein Stück der originalen Sacher-Torte.

Wer sich für traditionelle Cafés aus der Region interessiert, sollte sich unsere Serie hierzu nicht entgehen lassen. Zu Teil 1 geht’s HIER.

 Vorschau: Nächste Woche starten wir mit unserer kulinarischen Reihe. Den Anfang macht Württemberg!

Ska vi gå fika? – Kaffeepause auf schwedische Art

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Typisch für eine Fika: Kanelbullar und Tee. (Foto: N. Schwalb)

Ereilt die Einen schon zu Beginn eines längeren Auslandsaufenthaltes ein Kulturschock, können sich Andere mit den neu entdeckten kulturellen Gegebenheiten und Traditionen bestens anfreunden.
In Schweden zählt die Fika definitiv zu den leicht hinzunehmenden Gebräuchlichkeiten, die ein fremdes Land zu bieten hat.

Fika, ob als Verb oder Substantiv benutzt, mag einem Deutschen zuerst vielleicht komisch vorkommen. Tatsächlich bezeichnet Fika aber die schwedische Kaffeepause, die von Jung und Alt mit Freuden zelebriert wird. Zu Kaffee oder Tee werden dabei laut Tradition sieben selbstgebackene Kekse oder Gebäckstücke gereicht. In der Universität oder auch im Arbeitsleben wird die Fika zwar auf schlichtes Kaffeetrinken reduziert, im privaten Bereich zeigt diese Gepflogenheit jedoch althergebrachte Kontinuität.

Laut Statistik trinkt ein Schwede durchschnittlich vier Tassen Kaffee am Tag. So ist es nicht verwunderlich, dass eine Fika zu jeder Tageszeit eingenommen werden kann. Ist die Förmiddagsfika vormittags zwischen zehn und elf Uhr anzusetzen, kann eine Fika aber auch am frühen Nachmittag oder sogar nachts vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

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Darf bei keiner richtigen Fika fehlen: Fikabröd. (Foto: N. Schwalb)

Ein typisches schwedisches Gebäck, das bei kaum einer Fika fehlt, sind Kanelbullar, zu Deutsch Zimtschnecken. Fikabröd aller Art, seien es Kekse, Kuchen oder anderes Gebäck, gibt es sogar in jedem Supermarkt zu kaufen, in dem die umfangreichen Auslagen der einer kleinen Bäckerei ähneln. Seit 1999 hat die Zimtschnecke in Schweden nebenbei ihren eigenen Feiertag, den Kanelbullenstag, der sich immer am 4. Oktober jährt.

Abgesehen vom Essen und Trinken ist der soziale Aspekt der Fika jedoch der wichtigste. Ob es sich um ein unkompliziertes Treffen zwischen Mann und Frau handelt, eine Mittagspause unter Arbeitskollegen oder Kommilitonen oder den Austausch zweier guter Freundinnen spielt keine Rolle. Ebenso ob sie zuhause oder in einem Café abgehalten wird.

Die Schweden sind jedenfalls davon überzeugt, dass eine Fika die perfekte Möglichkeit ist, den stressigen Alltag hinter sich zu lassen und Herz und Geist zu läutern – wenn auch nur für wenige Minuten.

Vorschau: Nächste Woche berichtet die Film Kunst Kultur-Rubrik vom Computerspielemuseum im Berlin.

„Ich bin morgens immer müde, aber abends werd ich wach“ – Aufzeichnungen einer Nachteule

Sonntagabend: Es graut mir vor dem Gedanken, morgen früh das warme Nest zu verlassen, um zum Praktikum zu fahren. Bereits bei dem Wort „früh“ wird mir ganz unbehaglich. Das ist mir nämlich in Wahrheit überhaupt kein Begriff. Das, worüber sich sogenannte Frühaufsteher definieren, ist für mich, die ich mich zu diesem Zeitpunkt im Tiefschlaf befinde, ein kryptisches Konstrukt. Kein Wunder, dass mich die Vorstellung vom dudelnden Handywecker in dieser Nacht in eine Art Schockstarre versetzt. Wobei von Schlaf ohnehin nicht die Rede hätte sein können, wenn bis Mitternacht kein Anzeichen von Müdigkeit auftritt und erst gegen Zwei die letzte Folge der immergleichen Serie zum allmählichen Einschlafen angestellt wird. Das Gefühl, genau zu wissen, dass man sich morgen mehr als elend fühlen wird, ist fast noch unschöner als der Morgen an sich.

Montagmorgen: Ich muss mich korrigieren – der Morgen ist definitiv unschöner. Als es Acht schlägt, bin ich bereits hellwach, nachdem ich mich zuvor quasi in permanenter Lauerstellung befunden hatte. Ich erinnere mich vage an meine Schulzeit und die damit verbundenen unchristlichen Uhrzeiten. Unterrichtsbeginn um 07.50 Uhr? Das scheint mir heute unmenschlich, wenn nicht gar untierlich. Ich stolpere ins Bad, rüber zur Kaffeemaschine, und lasse mich schlussendlich mit einer großen Tasse Pulverkaffee zurück aufs Bett fallen. Frühstücksfeeling.  Sind Berufstätige, also all jene, die sich morgens durch den Berufsverkehr schlängeln oder, bewaffnet mit einem Coffee to go von Starbucks, im Zug die Tageszeitung aufschlagen, eigentlich auch solche Jammerlappen wie ich?

„Ich bin morgens immer müde, aber abends werd ich wach“ – Aufzeichnungen einer Nachteule

Begrüßungsritual: Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? (Foto: T.Gartner)

Wochenmitte: Ich habe während der Fahrt in der S-Bahn Nachforschungen angestellt, habe die anderen Fahrgäste genauestens beobachtet und auf Müdigkeits-Merkmale hin untersucht. Ich kam zu dem Ergebnis, dass neben mir genug Menschen unter dieser Sonne zu wandeln scheinen, bei denen Morgenstund‘ nicht Gold, sondern Koffeintabletten im Mund hat. Dass der frühe Vogel den Wurm fängt, will auch noch nicht so recht einleuchten. Alles, was ich in den letzten Tagen zu sehen bekam, waren musikalische Einlagen semiprofessioneller Akkordeon-Spieler (ich habe ihnen dafür nichts in den Hut geworfen) – keine Würmer und erst recht keine Vögel, die diese zu fressen versuchen. Immerhin kann ich jetzt verstehen, wie Fotos von mit offenem Mund schlafenden Passagieren zustande kommen. Nach achtzehn Uhr sehe ich dank des gigantischen Schlafmangels ganz ähnlich aus; es wundert mich beinahe, dass Kinder noch nicht mit Erdnüssen in meinen Mund zu zielen versucht haben. Und doch sehne ich mich jeden Abend aufs Neue nach frischer Unterhaltung, nach sozialen Kontakten. Dem schlechten Gewissen zum Trotze verabrede mich mit Freunden, die wohlgemerkt allesamt ausgeschlafen  –  da mitten in den Semesterferien   – sind. Ich schaffe es zwar noch, auf den Barhocker zu klettern, doch so richtig bei der Sache bin ich auch hier nicht mehr. Bei „Ich bin morgens immer müde, aber abends bin ich wach“ kann ich nun definitiv nicht mehr aus Überzeugung mitsingen. Ich fühle mich am Abend nämlich ähnlich zerstört wie am Morgen nach dem Mehr-oder-minder-Wachwerden.

Wochenende: Der langersehnte Freitag ist gekommen. Die nächste Party steht schon vor der Tür. Schade nur, dass ich mich dazu beileibe nicht mehr vor eben jene bewegen kann. Meine Privatparty ist bereits um 22 Uhr ausgefeiert – in Pyjamahose habe ich noch eine Dosensuppe, das höchste der Gefühle, wenn man den ganzen Tag auf den Beinen war, genossen, bevor ich schnarchend in die Kissen gesunken bin. Von meiner Nachtaktivität ist nicht das Geringste übrig geblieben. Die Nachteule hat kapituliert zugunsten eines geregelten Biorhythmus … Vorerst.

Doch bereits am folgenden Sonntag wälze ich mich wieder unruhig in den Federn hin und her, in Panik vor dem Wochenstart. Ich schaue wieder sinnlose Serien bis in die Puppen und wünsche mir am nächsten Morgen, ich wäre wirklich eine Eule, denn dann könnte ich mich wenigstens auf einem  nahegelegenen Baum vor dem Tageslicht verstecken und müsste nicht auf einem Fensterplatz in der S-Bahn kauern, hilfesuchend meinen Coffee to go und ein Magazin umklammernd.

Vorschau:  In der nächsten Woche fragt sich Sascha, was es eigentlich mit Statussymbolen in unserer Gesellschaft auf sich hat.

Hilfe, mein Kühlschrank stinkt! Drei Tipps gegen schlechte Gerüche im Kühlschrank

Da freut man sich auf ein schönes Stück Schokolade, macht die Kühlschranktür auf, um es rauszuholen, und wird erst einmal von einer Welle Essensgestank überrollt. Kühlschrankgerüche können wirklich unangenehm sein. Nicht nur, dass sie die Nase bei jedem Öffnen der Kühlschranktür traktieren, sie können sich auch auf offenen Lebensmitteln festsetzen, sodass unsere Schokolade plötzlich gar nicht mehr so gut schmeckt wie erhofft. Doch das muss nicht so sein. Drei einfache Tipps helfen gegen nervige Gerüche im Kühlschrank!

1. Vorbeugen!

Hilfe, mein Kühlschrank stinkt! Drei Tipps gegen schlechte Gerüche im Kühlschrank

Geruchskiller: Essig hilft schlechte Gerüche zu vertreiben, Kaffe- und Natronpulver saugen sie einfach auf (Foto: Möller)

Um schlechte Gerüche im Kühlschrank von Anfang an zu vermeiden, sollte man stark riechende Lebensmittel  – wie einige Käsesorten oder auch Fisch – nur in Dosen oder anderen geschlossenen Behältern in den Kühlschrank stellen. So kann sich der schlechte Geruch gar nicht erst ausbreiten und  festsetzen. Auch sollte immer darauf geachtet werden, keine schlechten Lebensmittel im Kühlschrank zu lassen, die können sich nämlich zu wahren Stinkbomben entwickeln. Wenn mal eine Flüssigkeit im Kühlschrank ausläuft, sollte sie sofort gründlich aufgewischt werden, bevor es anfängt zu stinken.  Schon beim Kühlschrankkauf könnt ihr gegen schlechten Gerüche vorbeugen: Einige Modelle haben bestimmte Beschichtungen, damit sich Gerüche gar nicht erst entwickeln können.

2. Auswaschen

Stinkt der Kühlschrank trotz der vorbeugenden Maßnahmen ist das auch kein Problem. Einfach die Lebensmittel kurz aus dem Kühlschrank rausholen und den Schrank auswaschen. Dafür eignet sich besonders ein Gemisch aus Wasser und Essig. Essig neutralisiert die Gerüche in Kühlschrank und hilft dabei die geruchsbildenden Bakterien abzutöten. Alternativ zum Essig könnt ihr auch Zitronensaft zum Auswaschen benutzen. Der Vorteil hierbei ist, dass der Kühlschrank anschließend angenehm nach Zitrone riecht.

3. „Geruchsfänger“  reinstellen

Nach dem Auswaschen des Kühlschrankes können  „Geruchsfänger“ in den Kühlschrank gestellt werden, die schlechte Gerüche aufsaugen und somit den Kühlschrank auch in Zukunft angenehm riechen lassen. Hierzu kann man einfach ein Schälchen mit Natronpulver oder mit Kaffeepulver in den Kühlschrank stellen. Diese ziehen schlechte Gerüche an und neutralisieren sie. Wenn der Kühlschrank trotzdem nach einiger Zeit wieder anfängt zu riechen, einfach die „Geruchsfänger“ austauschen. Mit solchen Geruchskillern kann dem Schokoladengenuss nun in Zukunft nichts mehr im Wege stehen.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr hier eine Umfrage zum Thema „Bachelor – und was dann?“ lesen.

Tee – Wasser mit Geschmack

Es schimpfen mal wieder alle auf das Wetter. Die Nebelschwaden, die feuchte Luft, die Kälte. Und ich bin ganz leise dabei. Denn so wie ich mich auf den Frühling und den Sommer freue, auf die warmen Tage und leckeres Eis, so freue ich mich auch auf Herbst und Winter. Kürzere Tage, dunkle Wolken, kalte Zehen. Teezeit.
Ich bin ein großer Fan von Tee jeder Art. Der einzigen, den ich bisher nicht mag, ist Kamillentee, weil mir davon schlecht wird. Oh, und einmal habe ich einen probiert, der nach Lakritze geschmeckt hat, da war es dann vorbei mit meiner Leidenschaft für Tee.

Tee - Wasser mit Geschmack

Insel der Entspannung: Teetrinken tut gut und hat so manche Vorteile (Foto: Obermann)

„Heißes Wasser mit Geschmack“, sagte ein Freund von mir immer und verstand nicht, warum ich nicht lieber Glühwein oder Kaffee wollte, und dann noch nicht einmal Zucker oder Honig hineinmache. Zusätzliche Süße kann ich in meinem Tee nicht gebrauchen, lieber darf er auch mal bitter sein. Ich habe ein Regal voll Döschen mit unterschiedlichen Sorten und der einzige Grund, warum nicht noch mehr Regale voll stehen, ist der, dass mein Verlobter den Tee sonst aus dem Fenster werfen würde. Bei uns in der Stadt gibt es einen kleinen Teeladen, in dem es losen Tee zu kaufen gibt mit wunderlichen Namen und Aromen, die fähig sind, Lasten zu erleichtern und auch im Alltagsstress pure Entspannung zu bringen.
Tatsächlich steckt hinter den aufgießbaren Mischungen aus Kräutern, Beeren, Blättern und Gewürzen mehr als nur das Produkt „heißes Wasser mit Geschmack“. Auf seiner Internetseite bietet der Teeverband allerlei Wissenswertes. Etwa, was ein ‚Tea-Taster‘ so alles macht und was dafür alles verlangt wird. „Nicht nur Talent, Passion, Geschmack und Fingerspitzengefühl, sondern auch Verhandlungsgeschick, Geduld und vor allem viel Erfahrung erfordert.“ Nur passionierte Teetrinker sind es also, die Tee verkosten und dabei auch auf solch absonderliche Mischungen wie Lakritze-Tee kommen. Und Zeit sollten alle, die sich nun überlegen, Tee zu ihrem Beruf zu machen, auch haben. Sieben Jahre dauert die Ausbildung. Muss eben gut durchziehen.

Gut für mich als Teetrinkerin ist auch eine Studie zur Flüssigkeitsversorgung. Wir Teetrinkerinnen liegen da ganz vorne, noch vor unseren männlichen Mittrinkern und weit vor allen anderen. Tee soll ja so allerhand können, nicht nur den Wasserhaushalt positiv beeinflussen. Schlank soll er machen, schlau und jung. Vor Diabetes schützen, vor Herzinfarkten und Krebs. Medizin für die Tasse also. Seltsam nur, dass bei all diesen guten Nachrichten, Tee als Altfrauengetränk durch unsere Köpfe geistert. Junge Menschen trinken doch keinen Tee, sondern Kaffee, besser noch Latte Macchiato oder Flavored Cappuccino. Aber Tee?
Tee ist das, was unsere Mütter uns vorsetzten, wenn wir krank sind. Beißenden Salbei-Tee zum Gurgeln boten sie uns früher an. Kamillentee gegen Bauchweh und Fenchel bei Blähungen. Kein Wunder. Tee ist eines der ältesten Mittel, wenn es um die Bekämpfung von Krankheiten geht, wusste schon Miraculix in „Asterix in Amerika“. Alt ist er also, der Tee. Und doch wieder im Kommen. Gerade in der Wirtschaftskrise soll der Teekonsum steigen. Ob das dem Euro hilft? Ein Tee gegen Finanzprobleme, das wäre mal eine Idee, einer gegen Arbeitslosigkeit und Kinderarmut. Den würde ich trinken, egal wie er schmeckt.

Tee - Wasser mit Geschmack

Kleines Ding - große Witkung: für jedes Wehwehchen gibt es einen Tee (© Dieter-Schütz/pixelio)

Die Teeliebhaberseite „Tea up your life“ hat erst kürzlich eine Tee-Fee gekürt, die in ihrem Büro Mitarbeiter und Angestellte mit Teezeremonien verwöhnt. Um Tee richtig zu trinken, reicht es nach japanischer Tradition nicht, ihn aufzubrühen und runter zu schlucken. Zeit und Geduld gehören demnach dazu. Die Besinnung auf den Tee und den Moment. Einklang und Ruhe. Genau das, was Tee uns in hektischen Zeiten bieten soll. Vielleicht ist es ja nicht das Schlechteste, ihm dies auch zu geben. Teetrinken, ein Geben und Nehmen?
Nach einer Legende kommt der Tee aber nicht etwa aus Japan, auch nicht von den Pfefferminzpflanzen der Europäer, sondern aus China. Mit einer heißen Tasse Wasser soll der Kaiser 5000 Jahren vor Christi Geburt durch seinen Garten spaziert sein, wobei ich mich frage, was der mit heißem Wasser im Garten wollte. Der Wind habe seine Finger im Spiel gehabt und Blätter der Teepflanze ‚Camellia Sinensis‘ in das unschuldige, heiße Wasser des Kaisers geweht haben. Das aufsteigende Aroma fand der Kaiser natürlich so verlockend, dass er die verfärbte Flüssigkeit in seiner Tasse probiert hat. Ob ein chinesischer Kaiser das tatsächlich gemacht hätte, wo eine Vergiftung mit fremden Kräutern nicht auszuschließen war, ist fraglich. Eine nette Geschichte ist es dennoch. Vielleicht überdenken wird das Ganze bei einer gemütlichen Tasse Tee.

Vorschau: Sonja präsentiert euch nächste Woche hier, wie das Leben im Seniorenheim so sein kann.