Jamaram – von München nach Kolumbien

Seit 2000 bereichern Jamaram aus München die Musikszene mit ihrem Mix aus Reggae, Dub, Ska, Latin und Hiphop. Was für viele deutsche Musiker sicher ein großer Traum wäre, hat sich die achtköpfige Band bereits zweimal erfüllt: Konzerte in Südamerika zu spielen. 2010 waren sie gemeinsam in Brasilien und 2017 in Kolumbien unterwegs. Dort haben Jamaram nebenbei auch noch ein Musikvideo für einen ihrer Songs gedreht. Wir haben mit Keyboarder und Sänger Lionel Wharton über ihre Tourerlebnisse in Kolumbien gesprochen.

Face2Face: Ihr wart im Februar 2017 auf Tour in Kolumbien. Wie kam es dazu?

Lionel: Unser Drummer Murxen ist mit Anita Thirkettle zur Schule gegangen. Sie ist mittlerweile die Direktorin der Casa Cultural Colombo Alemana in Cartagena/Kolumbien. Seit Jahren gab es den Traum, zusammen eine Tour in Kolumbien zu realisieren. Aufgrund der Tatsache, dass uns vom Goethe-Institut, der Landeshauptstadt München und dem Kulturfonds Oberbayern Fördergelder zugesprochen wurden, konnte die Reise im Frühjahr 2017 nach mehr als einem Jahr Vorarbeit endlich stattfinden. Ausgerechnet Murxen, der den Stein ursprünglich vor vielen Jahren durch seinen Traum, in Südamerika touren zu wollen, ins Rollen gebracht hat, konnte zu dem Zeitraum nicht mitreisen. An seiner Stelle flog Uwe Breunig mit uns mit – eine würdige Vertretung.

Face2Face: In wie vielen verschiedenen Städten habt ihr dort gespielt?

Jamaram – von München nach Kolumbien
Vorfreude auf die Konzerte in Kolumbien: Gastmusiker Carlos Segura sowie Sam und Lionel von Jamaram (Foto: Jamaram)

Lionel: Wir hatten das Glück, alle großen Städte des wunderschönen Landes bereisen und bespielen zu dürfen. Einige von uns sind zwei Wochen früher angereist und konnten richtig eintauchen in die Kultur und Schönheit des Landes. Mit der Band spielten wir in Cali, Cartagena, Medellín, Barranquilla und Bogotá.

Face2Face: Welcher Ort hat dir am besten gefallen?

Lionel: Schwierige Frage! Die Städte Kolumbiens sind so unterschiedlich. Aber Cali war vermutlich meine Lieblingsstadt. Leider hatten wir dort nur zwei Tage Zeit. Da es unsere erste Station war und wir quasi vom Flieger auf die Bühne gesprungen sind, musste ich erstmal meinen Jetlag überwinden. Also konnte ich es nicht so genießen wie ich es gerne getan hätte.

Face2Face: Was ist der größte kulturelle Unterschied zwischen Deutschland und Kolumbien?

Lionel: Ich würde sagen die Kolumbianer sind begeisterungsfähiger. Wir Deutschen sind etwas nüchterner. Und sie können alle besser tanzen als wir.

Face2Face: Habt ihr dort eine eigene Fanbase?

Lionel: Aufgrund unserer zahlreichen Auftritte denke ich mittlerweile schon, dass wir eine breitgefächerte Fanbase gewonnen haben. Das merkt man auch auf unseren Social Media-Kanälen. Da kommen sehr viele Kommentare und Likes aus Südamerika und insbesondere aus Kolumbien.

Face2Face: Was unterscheidet die südamerikanischen Konzertbesucher von den europäischen?

Jamaram – von München nach Kolumbien
Gute Stimmung: Jamaram bei einem ihrer Konzerte in Kolumbien (Foto: Jamaram)

Lionel: Sie haben auf ganz andere Elemente unserer Show reagiert. Beim Salsa-Teil, der in Deutschland manchmal nicht ganz so abgefeiert wird, hat plötzlich der ganze Saal gejubelt und getanzt. In Cali kam spontan ein junges Paar auf die Bühne zum Tanzen – das sah so bezaubernd aus. Das kann man in unserem Reisefilm „Jamalombia“ sehen.

Face2Face: Mit welchen Erwartungen seid ihr nach Kolumbien gefahren?

Lionel: Wir haben uns gewünscht, vor vielen Leuten zu spielen und mit vielen Musikern zu arbeiten und all das ist in Erfüllung gegangen.

Face2Face: Ihr habt das Video zu eurem Song „Easy life“ auch in Kolumbien gedreht. Wieso habt ihr euch dafür entschieden?

Jamaram – von München nach Kolumbien
Herausforderung: der Videodreh zum Song „Easy life“ in Kolumbien (Foto: Jamaram)

Lionel: Der Song geht darum, dass man keine Abkürzung nehmen soll, um zu Reichtum zu kommen; beispielsweise mit Drogenhandel. Es ist zwar klischeehaft, aber wir dachten uns, es gibt kein besseres Land dafür als Kolumbien. Und wenn man schon in so einem perfekten Setting ist, dreht sich ein Musikvideo fast von selbst. Es war nicht ganz ungefährlich in dem Viertel von Cali, wo wir gedreht haben. Da wir aber mit einer Gruppe Einheimischer unterwegs waren, waren wir bestens beschützt.

Face2Face: Wie groß ist die musikalische Vielfalt in Kolumbien?

Lionel: Riesig natürlich. Allein der Unterschied zwischen den Musikstilen der Karibik und der Pazifik-Küste ist gewaltig. Wir haben bloß einen kleinen Einblick erhalten, aber der ließ schon erahnen, dass es mindestens dreihundert verschiedene Rhythmen und Stile gibt.

Face2Face: Habt ihr auch mit kolumbianischen Musikern vor Ort zusammengearbeitet?

Lionel: Natürlich! Die lokale Musik(er)szene zu erleben liegt uns auf unseren Auslandsreisen neben den eigenen Konzerten am meisten am Herzen. Wir trafen zum Beispiel Charles King an der Karibikküste. Er wird auch „El Rey de la Champeta“ genannt. Er hat diese Musik, die derzeit in Südamerika sehr populär ist, quasi erfunden. Mit Zarysamba verbindet uns mittlerweile eine enge Freundschaft. Sie war schon mit uns in Deutschland auf Tour seither und es gibt ein paar Songs, die wir mit ihr im Studio aufgenommen haben. Die schlummern noch in der Schublade, bis der richtige Zeitpunkt da ist, um sie zu veröffentlichen.

Face2Face:Welche Erfahrungen nimmst du aus Kolumbien mit?

Lionel: Salsa ist die geilste Musik der Welt. Wir haben eine Musikrichtung namens Champeta kennengelernt und erfahren, dass die Musikwelt da draußen unendlich ist.

Face2Face: Was war dein schönstes Erlebnis in Kolumbien?

Lionel: Lulo-Saft. Das ist eine Frucht, die ich dort kennengelernt habe. Der Saft einer frisch gepressten Lulo mit Zucker und Crushed Ice ist ein Hochgenuss. Da die Frucht sehr schnell schlecht wird, sobald sie geerntet wurde, schaffen es diese Früchte nicht über den Atlantik. Daher kennt man sie bei uns gar nicht.

Face2Face: Und was war weniger schön?

Lionel: Uns wurde eingetrichtert, dass möglicherweise Drinks, die uns angeboten werden, KO-Tropfen enthalten können. Eines Abends auf einer Champeta-Party wurde mir ein Drink angeboten. Ich wollte nicht unhölfllich sein und nahm an. Also habe ich angestoßen und dachte, ich könnte heimlich den Drink verschütten. Leider habe ich der Dame das Getränk auf die Füße geschüttet. Sie war sehr aufgebracht und ich konnte mein Verhalten in schlechtem Spanisch und bei der lauten Musik einfach nicht erklären. Sie lief sofort zum Türsteher und sprach mit ihm. Beide schauten mich böse an und ich rannte zur Bar und kaufte den beiden ein überteuertes Bier. Wir haben angestoßen und alles war vergessen. Was aber fast noch dramatischer war: Koko, unsere Tourmanagerin, hat in Bogotá mit den letzten Pesos ein Glas Lulo-Marmelade für mich gekauft, weil sie wusste, wie sehr ich auf diese Frucht abfahre. Obwohl es ein Duty-Free-Einkauf am Flughafen nach der Sicherheits-Kontrolle war und die Marmelade extra in einer versiegelten Duty-Free-Tasche transportiert wurde, wurde sie uns in London beim Umsteigen abgenommen.

Face2Face: 2010 habt ihr schon mal in Südamerika gespielt, nämlich in Brasilien. Inwiefern ähneln sich die beiden Länder kulturell?

Lionel: Brasilien und Kolumbien sind zwei vollkommen verschiedene Kulturen. Das Einzige, was sie gemeinsam haben, ist besseres Wetter als Deutschland und fantastische Musik.

Face2Face: Welches der beiden Länder hat dir besser gefallen?

Lionel: Beide Länder sind auf ihre Art großartig und beide bieten eine riesige musikalische, kulturelle und kulinarische Vielfalt. Wegen mir können wir gerne zuerst nochmal nach Brasilien reisen, aber bloß, weil das schon länger her ist, dass wir dort waren. Die anderen Jungs von der Band wollen sicher alle erst mal wieder nach Kolumbien, weil sie gerade alle Spanisch lernen.

Bevor es mit ihrem neuen Album „To the moon and the sun“, das im März erscheint, vielleicht irgendwann in Südamerika noch einmal auf Tour geht, werden Jamaram in diesem Jahr vor allem in Deutschland Konzerte spielen. Termine und mehr Infos gibt es auf ihrer Homepage oder ihrer Facebookseite.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Schon als kleines Kind wurde Tim Anders, während er beim Schaukeln vor sich hin sang, von einem Nachbarn auf seine schöne Stimme angesprochen. Damals hätte vermutlich noch niemand gedacht, dass der inzwischen 24-Jährige tatsächlich einmal Sänger werden würde. Bereits in seiner Schulzeit wirkte Tim im Schulmusical mit und war in der Schulband aktiv. Im Alter von 15 Jahren lernte er, Gitarre zu spielen und gründete gemeinsam mit Freunden seine erste Band. Beruflich schlug Tim jedoch erst einmal eine andere Richtung ein und absolvierte eine Ausbildung zum Koch. Die Liebe zur Musik setzte sich allerdings durch und so zog Tim nach Berlin, um Straßenmusik zu machen. Wir haben mit ihm über sein Leben als Straßenmusiker und seine dadurch entstandene Musikkarriere gesprochen.

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Tim: Musik verändert sich stetig und so ist es auch bei mir. Ich warte immer noch auf eine passende und gute Beschreibung, aber ich schätze, die neuen Lieder bewegen sich zwischen Liedermacher, Blues und Jazz.

Face2Face: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Tim: Alles kann mir Inspiration schenken: Gespräche, Begegnungen, Momente, Orte. Kurz gesagt: Das Leben ist die Inspiration! Die Kreativität steckt in unserem Ursprung, der Natur, und die Inspiration ist der Impuls, den wir brauchen, um diese Kreativität fließen zu lassen.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Musik belebt die dunkle Gasse: Tim Anders beim Musizieren in einer Berliner Unterführung (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Tim: Ich wollte frei sein und Musik machen. Ich wollte ins Ungewisse springen, die harte Schule der Straße spüren und mich selbst dabei ausprobieren und kennenlernen. Mein Lehrer hatte mir irgendwann den Film „Once“ gezeigt und ich glaube, dabei bin ich ein wenig hängen geblieben. Ich wollte diese eine Erfahrung, Straßenmusiker zu werden, in vollen Zügen auskosten.

Face2Face: Wann war dein erster Auftritt als Straßenmusiker?

Tim: Mein allererster Straßenmusik-Auftritt war 2015 unter der Bahnunterführung in Tübingen. Es war Sommer und viele Leute waren unterwegs. Ich habe einen vermutlich obdachlosen Mann gefragt, ob ich mich ein paar Meter neben ihm platzieren dürfte, um ein bisschen Musik zu machen. Er gab mir das „OK“ und ich legte los. Knapp acht Euro waren am Ende im Koffer und somit das Zugfahrticket gesichert.

Face2Face: Hast du schon gemeinsam mit anderen Musikern auf der Straße gespielt?

Tim: Ja, mit Fabio Shanti. Er ist ein langjähriger Freund und Multiinstrumentalist. Wir schreiben zusammen Lieder, touren in der Regel gemeinsam und lernen voneinander auf musikalischer und menschlicher Ebene. Wir sind ein Team und werden hoffentlich noch viele weitere schöne Momente teilen können!

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Zu zweit spielt es sich leichter: Tim Anders und Fabio Shanti beim Straßenkonzert in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Was ist das Schönste für dich, wenn du Straßenmusik machst?

Tim: Was mich sehr berührt, ist, wenn wir es schaffen, eine Traube von Menschen zum Zuhören zu bewegen und ich mich in einer Blase befinde, aus der ich am liebsten nie wieder austreten möchte.

Face2Face: Hast du auch schon in anderen Ländern Straßenmusik gemacht?

Tim: Nicht nur die Straßenmusik, sondern auch Clubauftritte haben mich und meinen Mitmusiker Fabio Shanti durch Europa geführt! Neben Deutschland waren wir in Frankreich, Italien, Schweden und Russland unterwegs, haben Straßenmusik gemacht und zum Teil Gastauftritte und Interviews gegeben! Schweden war verdammt teuer, denn selbst mit einem dicken Beutel an erspieltem Geld konnte man sich gerade mal einen Döner leisten. In Italien kam sogar die Polizei vorbei und schmiss ein paar Münzen in den Hut. Auf unserer Tour in Südfrankreich fanden wir einen abgelegenen Platz an den Klippen einer großen Bucht, sodass wir die Zeit vor unserem Zelt für ein paar Tage vergaßen. In Marseille haben wir Francois getroffen. Der hat uns den besten Pizzaladen für mittellose Straßenmusiker gezeigt, seine Weinkrüge mit uns geteilt und sein „Zuhause“ zu „unserem Zuhause“ werden lassen! Außerdem haben wir seinen mexikanischen Freund Israel kennengelernt, der uns am Tag der Abfahrt zum Essen einlud und uns über sein wundervolles Land aufklärte. In Russland wurden wir auf der Straße von wildfremden Leuten zum Wodka-Frühstück eingeladen und durften die wärmste und ehrlichste Gastfreundschaft genießen! Wir haben aber auch weniger angenehme Momente gehabt und sind an unsere Grenzen gestoßen. Wir haben zum Beispiel gestritten und waren kurz vor dem Aus einer musikalischen Freundschaft. Das alles gehört dazu und wir sind dankbar für diese Intensität der Momente und Begegnungen.

Face2Face: Was waren die außergewöhnlichsten Orte, an denen du je als Straßenmusiker gespielt hast?

Tim: Wir haben vergangenen Sommer mal in einem öffentlichen Bus gespielt. Das war eine coole Nummer. Wir hatten unser Straßenequipment dabei und sind damit von Bus zu Bus gestiegen, um es auf- und abzubauen und für die Leute zu spielen. Es kam ziemlich gut an und mein Mikrofon ist ständig abgehauen, sobald sich der Bus in eine Kurve gelegt hat. Auch wenn es so schräg und unprofessionell war, war es genau richtig. In Italien habe ich mal ein spontanes Strandkonzert gegeben. Die Leute schienen mir nicht wirklich zuhören zu wollen und ich wurde immer deprimierter. Ich habe gedacht: „Naja, dann spiele ich solange für die drei Personen, die vor mir saßen, bis sie nicht mehr wollen.“ Dazu kam es nicht, da ich von einem grauhaarigen, alten Mann unterbrochen wurde. Der fragte mich, ob er mal spielen dürfte. Als er anfing zu spielen, saß innerhalb kürzester Zeit eine Schar von Leuten um ihn herum und sang lautstark mit. Der alte Herr sang seine eigenen Lieder, die ich sogar vom Hören kannte. Das hielt dann für zwei Stunden an, bis der gefühlte Höhepunkt des Abends erreicht war und eine Gitarrensaite riss! Eine meiner schönsten Erinnerungen ist auch die Begegnung mit Norbert auf dem Marktplatz im südfranzösischen Menton. Nach meinem Set stand er in Tränen aufgelöst da und hat sich bei mir bedankt. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben rausgefunden, dass wir in derselben Stadt wohnen! Fast drei Jahre ist es her und eine gute Freundschaft ist entstanden. Er kommt zu jedem unserer Konzerte in Berlin.

Face2Face: Du wurdest auf der Straße von einer Plattenfirma „entdeckt“, hast dadurch einen Plattenvertrag bekommen und 2016 dein Debütalbum „Thoughts, Words & Moments“ veröffentlicht. Wie haben sie dich angesprochen?

Tim: Ich stand in der Brandenburger Straße in Potsdam und habe Musik gemacht. Ein paar Wochen später erhielt ich eine Nachricht über Facebook, in der ich gefragt wurde, ob ich Interesse an einer musikalischen Zusammenarbeit mit einem jungen Label in der Gründungphase hätte. Ich bin den Deal eingegangen und Fabio kam mit ins Boot. Es war für alle Beteiligten ein schöner Anfang, ins Musikgeschäft einzusteigen und sich auszuprobieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Face2Face: Was hat sich dadurch für dich als Straßenmusiker geändert?

Tim: Für mich hat sich als Straßenmusiker nichts verändert, außer dass ich nicht mehr versuche, mit meiner Musik auf der Straße Geld zu verdienen. Ich möchte Kunst machen und für mich ist wichtig, dass Kunst wahrgenommen wird. Egal, ob es eine Person ist, die sich mit der Kunst identifizieren kann oder ob es 100.000 Personen sind. Wenn die Kunst nur eine Person erreicht, bei der sie eine Wirkung hat und etwas hinterlässt, dann ist es genau so, wie es sein soll.

Face2Face: Ist man mit einem Plattenvertrag in der Tasche ein sorgenloserer Straßenmusiker?

Tim: Ich denke, es spielt keine Rolle. Sorgen hat man mal mehr und mal weniger.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Nie ohne Gitarren: Tim Anders und Fabio Shanti machen gemeinsam Straßenmusik in der Nähe der East Side Gallery in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie oft bist du als Straßenmusiker unterwegs?

Tim: In den ersten beiden Jahren habe ich von der Straßenmusik gelebt und war knapp fünf Tage die Woche auf der Straße. Ich habe in der Sonne, im Regen und sogar bei Minusgraden gespielt. Mittlerweile spielen wir mehr Konzerte und fahren gezielte Straßenmusiktouren, wie zum Beispiel eine Nord- und Ostsee-Straßenmusiktour im August 2018.

Face2Face: Wie du gerade schon erzählt hast, spielst du mittlerweile nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in Clubs und anderen Konzertlocations. War das eine bewusste Entscheidung von dir?

Tim: Die Straße war und ist für mich eine gute Schule und das, was ich da gelernt habe, nehme ich mit auf die Bühne. Konzerte zu spielen ist eine andere Herausforderung neben der Straßenmusik und gehört dazu. Mit meinem ersten Auto kam die erste Konzerttour und es wurde automatisch mehr.

Face2Face: Was macht dir mehr Spaß: Auf der Straße oder in Konzertlocations spielen?

Tim: Ich habe mehr Spaß an Konzerten, da du einen Raum hast, wohin die Leute kommen, um dir zuzuhören. Du musst nicht erst mal hart dafür arbeiten, dass dir Leute überhaupt ein offenes Ohr schenken. Trotzdem sind Konzerte jeglicher Art für mich eine kleine Überwindung, aber wenn ich das geschafft habe, genieße ich es sehr.

Face2Face: Du warst auch schon als Supportact von Mellow Mark mit ihm auf Tour. Wie kam es dazu?

Tim: Mellow Mark habe ich irgendwann nach unserer ersten Begegnung auf einem Videodreh wiedergetroffen und bin anschließend als Roadie mitgefahren. Irgendwann konnte ich nicht mehr einfach so danebenstehen und ihm auf der Bühne lauschen. Bei einem kleinen Konzert stellte er mich spontan auf die Bühne – in der Hoffnung, dass ich ihn nicht enttäuschen würde. Danach ging alles seinen Weg und ich durfte viele schöne Erfahrungen als Vorband von Mellow Mark und Jamaram sammeln. Außerdem haben wir auf seiner 2017 erschienenen Platte „Nomade“ den gemeinsamen Song „Easy“ veröffentlicht und sind auf irgendeine Art seelenverwandt.

Face2Face: Übst du nebenher noch einen anderen Beruf aus oder kannst du allein von der Musik leben?

Tim: Ich habe drei Jahre versucht, von meiner Musik zu leben und das war eine schöne Erfahrung mit vielen Höhen und Tiefen. Seit ein paar Monaten versuche ich allerdings, das Geldverdienen und die Kunst – so gut es geht – zu trennen, denn ich habe noch einen Job neben der Musik.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Tim: Momentan planen wir eine Konzert- und Clubtour im Dezember. Bis dahin haben wir noch ein paar vereinzelte Konzerte und im August steht die schon erwähnte Straßenmusiktour entlang der Ost- und Nordseeküste an. Außerdem arbeiten wir hart an einer weiteren Platte.

Mehr Infos zu Tim Anders gibt es auf seiner Homepage oder seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf Youtube.

Sommer, Sonne und Musik: Der Sound zur Urlaubsstimmung

Naturschauspiel: Sonnenuntergang am Meer (Foto: S. Holitzner)

Naturschauspiel: Sonnenuntergang am Meer (Foto: S. Holitzner)

Sommer. Die perfekte Zeit, um endlich wieder einmal ans Meer zu fahren, am Strand Sonne zu tanken oder an einem schönen Bergsee zu entspannen. Was aber, wenn der Urlaub noch in weiter Ferne liegt oder auf dem heimischen Balkon verbracht wird? In diesem Fall schafft eine gute Auswahl an Sommermusik Abhilfe.

So versetzt uns der Berliner Sänger Yasha gesanglich an den nächsten „Strand“. Die im Mai 2013 erschienene Single schafft es, einen binnen weniger Sekunden den stressigen Alltag vergessen und vom Meer träumen zu lassen. Yasha ist durch das Lied „Lila Wolken“ bekannt, das er zusammen mit Marteria und Miss Platnum sang.

Beeindruckende Pflanzen: Palmen (Foto: T. Gartner)

Beeindruckende Pflanzen: Palmen (Foto:               T. Gartner)

Obwohl der Hit „Summer Jam“ schon 15 Jahre alt ist, macht er immer noch gute Laune und lässt uns den Sommer musikalisch genießen. 2000 stieg der Song bis auf Platz drei der deutschen Singlecharts. Es war die erste und zugleich erfolgreichste Single von The Underdog Project, das von Musik-produzent und Rapper Toni Cottura ins Leben gerufen wurde.

Ein Song aus dem letzten Jahr, der sich bestens zum Tanzen bei lauen Sommerabenden eignet, ist „Summer“ des schottischen DJs, Produzenten und Sängers Calvin Harris. Tolle Stimmung ist mit diesem Hit vorprogrammiert. Laut einer 2014 vom US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ erstellten Liste gilt der mittlerweile 31-jährige Harris als bestbezahlter DJ der Welt.

Mit „Chan Chan“ aus der Feder des kubanischen Musikers Compay Segundo kann man bestens seinen Gedanken an ferne Länder nachhängen. Obwohl er das Lied bereits 1987 geschrieben und aufgenommen hatte, wurde es erst 1997 ein weltweiter Erfolg, als er es gemeinsam mit Eliades Ochoa und Ibrahim Ferrer als Teil des kubanischen Musikprojekts Buena Vista Social Club veröffentlichte.

Entspannung pur: Rauschende Wellen des Meeres (Foto: S. Holitzner)

Entspannung pur: Rauschende Wellen des Meeres (Foto: S. Holitzner)

Wer seinen Sommerurlaub am liebsten auf Rhode Island verbringen würde, der sollte sich den gleichnamigen Song der achtköpfigen Münchener Band Jamaram anhören. Bei diesem Lied fällt es einem leicht, sich malerische Sonnenuntergänge, Strand und rauschende Wellen vorzustellen. „Rhode Island“ ist perfekt für einen entspannten Sommertag.

Mit der richtigen Musik auf dem Ohr kann man sich also auch von zu Hause aus an ferne Sandstrände träumen.

Musik für jede Lebenslage, Teil 5

Mein erstes Album:

Wer wie ich in den 90ern aufgewachsen ist, kam an einem Phänomen nicht vorbei: den Boygroups. Eine hatte es mir ganz besonders angetan: Caught in the Act. So dauerte es nicht lange, bis Mitte der 90er meine erste CD in mein Regal wanderte. Dabei handelte es sich um „Caught in the Act of Love“. Noch heute höre ich diese und all die anderen Alben, die Caught in the Act im Laufe der Jahre veröffentlicht haben, immer noch gerne, um mich auf eine musikalische Zeitreise zurück in meine Kindheit zu begeben.

Bestes Album national:

Viele kennen Tom Beck aus der Serie „Alarm für Cobra 11“ oder aus Kinofilmen wie „Vaterfreuden“ und „Alles ist Liebe“. Beck ist aber nicht nur ein guter Schauspieler, sondern ein ebenso hervorragender Sänger. Nach zwei englischsprachigen Alben hat er im Februar diesen Jahres seine erste Platte komplett auf Deutsch veröffentlicht. Die nennt sich „So wie es ist“ und zeichnet sich durch großartige Songtexte aus. Auf Deutsch gelingt es Beck noch viel besser als auf Englisch über Themen wie Liebe, Freundschaft und die Beziehung zwischen Vater und Sohn zu singen. Man nimmt ihm jede einzelne Songzeile ab. „So wie es ist“ ist äußert authentisch und damit für mich das beste deutsche Album.

Ein Album, das in jede CD-Sammlung gehört – ganz klar:

Das Album „Yes!“ von Jason Mraz. Es ist sein fünftes Album und steckt voller positiver Energie. Die 14 Songs darauf sind sehr gefühlvoll und berühren den Hörer daher besonders. Was das Album zudem auszeichnet sind die durchweg akustischen Songs. Egal ob man eher Balladen wie „It´s so hard to say goodbye to yesterday“ oder schnellere Songs wie „Everywhere“ bevorzugt – auf „Yes!“ findet wohl jeder einen Lieblingssong, denn dieses Album ist rundum gelungen.

Bestes Album international:

Das meiner Meinung nach beste internationale Album ist „Herinneringen: Het beste van Nick & Simon“. Dabei handelt es sich um das 2014 erschienene Best-Of-Album der niederländischen Band Nick en Simon. Auf zwei CDs sind ihre 20 größten Hits, die von Fans bestimmt worden sind, sowie vier neue Tracks und einige Live-Aufnahmen ihres Konzerts „Sterker in GelreDome“ zu finden. Nick en Simon machen hervorragende niederländische Popmusik und daher ist auf dieser Platte durch die große Songauswahl für jeden etwas dabei, der mit Musik auf Niederländisch etwas anfangen kann.

Bestes Geschenk:

Das beste CD-Geschenk habe ich vor zwei Jahren von meinem Kumpel Chris zum Geburtstag bekommen: Das Album „We’re Not the Ones We Thought We Were“ von der Alin Coen Band. Chris hatte die Band zuvor live erlebt und war total begeistert von der Musik. Daher wählte er besagte CD als Geschenk für mich aus. Eine super Entscheidung, die er da getroffen hat, denn das Album gehört seitdem zu meinen liebsten.

Eine CD, die ich selbst verschenken würde, ist das gleichnamige Album der Band The Common Linnets. In Deutschland wurde die Band im letzten Jahr vor allem durch den Eurovision Song Contest (ESC) bekannt, als sie für die Niederlande Platz zwei erreichte. Natürlich darf auf dem Album daher auch der ESC-Hit „Calm after the storm“ nicht fehlen. Darüber hinaus überzeugt das Country-Pop-Album der Common Linnets sowohl durch mitreißende Songs wie „Lovers & Liars“ als auch durch emotionale, tief gehende Balladen wie „Love goes on“.

Optimales Album für den Sommer:

Gute-Laune-Musik für den Sommer: Das Album  „Almost Hits“ von Jamaram (Foto: „Jamaram“)

Gute-Laune-Musik für den Sommer: Das Album „Almost Hits“ von Jamaram (Foto: „Jamaram“)

Absolute Gute-Laune-Garantie bietet „Almost Hits“. Dabei handelt es sich um das Best-Of-Album der achtköpfigen Band Jamaram aus München, das im Frühjahr 2014 auf den Markt gekommen ist. Best-Of: Das soll in diesem Fall heißen, dass die Band selbst ihre Favoriten aus 14 Jahren Bandgeschichte ausgewählt hat. Nebst bekannten Songs haben es auch zwei neue Tracks, „La Mala“ und „Somewhere“, sowie vier Live-Versionen auf die Platte geschafft. Manche der Songs versetzen einen in Partystimmung, andere wiederum eignen sich bestens zum Chillen. Daher ist „Almost Hits“ optimal geeignet für den Sommer.

Musikalischer Geheimtipp:

Noch recht unbekannt in Deutschland und damit ein musikalischer Geheimtipp ist der US-amerikanische Sänger Tyrone Wells. Erstmals gesehen habe ich ihn beim Konzert von Nick Howard in Frankfurt letztes Jahr im Oktober. Dort hat er als Support-Act gespielt und mich von Anfang an mitgerissen. Von seinen Alben sind insbesondere „Where We Meet“ und „This Love“ zu empfehlen.

„Heavy Heavy“ – afrikanische Klänge treffen auf typischen Jamaram-Sound

Musikalische Kooperation: Jamaram und die Acoustic Night Allstars (Foto: „Jamaram“)

Musikalische Kooperation: Jamaram und die Acoustic Night Allstars (Foto: „Jamaram“)

Jamaram – das sind Tom Lugo, Sam Hopf, Murxen Alberti, Lionel Wharton, Benni Beblo, Nik Thäle, Hannes Beblo und Daniel Noske. Die achtköpfige Band aus München gibt es bereits seit 2000. Am 13. März 2015 haben Jamaram ihr neuntes Album veröffentlicht, das den Titel „Heavy Heavy“ trägt. Dabei handelt es sich um eine musikalische Kooperation mit den Acoustic Night Allstars. Das sind mehrere Sänger aus Harare in Simbabwe, die sich einmal pro Monat treffen, um sich öffentlich ihre neuesten Songs vorzuspielen.

Kennengelernt haben sich Jamaram und die Acoustic Night Allstars im Mai 2012, als sie zusammen auf dem Harare International Festival of the Arts (HIFA) in Simbabwe gespielt haben. 2013 luden Jamaram dann drei der Acoustic Night Allstars ein, um mit ihnen auf Deutschlandtour zu gehen. Dabei entstand die Idee zu einem gemeinsamen Album. Das wurde mit sechs Musikern der Acoustic Night Allstars im Sommer 2014 in Deutschland aufgenommen. Die Finanzierung des Albums erfolgte per Crowdfunding.

Herausgekommen ist eine Mischung aus dem typischen Jamaram-Sound – Reggae, Dub, Ska, Latin, Pop – und traditionellen, afrikanischen Klängen, die wiederum gepaart sind mit Soul, Hip Hop und Swing. Auch der Albumtitel „Heavy Heavy“ nimmt Bezug auf Afrika, denn „Heavy Heavy“ ist in Simbabwe eine typische Antwort auf die Frage „Wie geht’s dir?“ und bedeutet, dass alles in Ordnung ist.

Neues Album: „Heavy Heavy“ von Jamaram (Foto: „Jamaram“)

Neues Album: „Heavy Heavy“ von Jamaram (Foto: „Jamaram“)

Auf dem Album sind 16 Songs, die alle sehr unterschiedlich klingen. Das liegt vermutlich auch an den verschiedenen Songwritern, die entweder Mitglied von Jamaram oder von den Acoustic Night Allstars sind. Ein absoluter Ohrwurm auf dem Album ist der Song „I´m Ready“, den Murxen Alberti von Jamaram geschrieben hat. Aus der Feder des afrikanischen Künstlers Fungai Nengare stammt die großartige Soulnummer „Why“. „Go Away“ macht große Lust zum Tanzen. Den Song haben Sam Hopf und Nik Thäle von Jamaram geschrieben. Bei „Miles Away“ handelt es sich um ein besonders gefühlvolles Lied, das der afrikanische Musikers Prayersoul beigesteuert hat. Die traditionellen, afrikanischen Klänge kommen vor allem beim Track „Ndikakutarisa“ zum Ausdruck, den Rutendo Machiridza von den Acoustic Night Allstars geschrieben hat.

Doch das sind nur fünf Songs von einem empfehlenswerten Album, das einfach gute Laune macht. Zurzeit sind Jamaram auf Deutschlandtour und präsentieren ihr neues Album „Heavy Heavy“ live. Tourtermine und mehr Infos zur Band gibt es auf www.jamaram.de.