Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Schon als kleines Kind wurde Tim Anders, während er beim Schaukeln vor sich hin sang, von einem Nachbarn auf seine schöne Stimme angesprochen. Damals hätte vermutlich noch niemand gedacht, dass der inzwischen 24-Jährige tatsächlich einmal Sänger werden würde. Bereits in seiner Schulzeit wirkte Tim im Schulmusical mit und war in der Schulband aktiv. Im Alter von 15 Jahren lernte er, Gitarre zu spielen und gründete gemeinsam mit Freunden seine erste Band. Beruflich schlug Tim jedoch erst einmal eine andere Richtung ein und absolvierte eine Ausbildung zum Koch. Die Liebe zur Musik setzte sich allerdings durch und so zog Tim nach Berlin, um Straßenmusik zu machen. Wir haben mit ihm über sein Leben als Straßenmusiker und seine dadurch entstandene Musikkarriere gesprochen.

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Tim: Musik verändert sich stetig und so ist es auch bei mir. Ich warte immer noch auf eine passende und gute Beschreibung, aber ich schätze, die neuen Lieder bewegen sich zwischen Liedermacher, Blues und Jazz.

Face2Face: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Tim: Alles kann mir Inspiration schenken: Gespräche, Begegnungen, Momente, Orte. Kurz gesagt: Das Leben ist die Inspiration! Die Kreativität steckt in unserem Ursprung, der Natur, und die Inspiration ist der Impuls, den wir brauchen, um diese Kreativität fließen zu lassen.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Musik belebt die dunkle Gasse: Tim Anders beim Musizieren in einer Berliner Unterführung (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Tim: Ich wollte frei sein und Musik machen. Ich wollte ins Ungewisse springen, die harte Schule der Straße spüren und mich selbst dabei ausprobieren und kennenlernen. Mein Lehrer hatte mir irgendwann den Film „Once“ gezeigt und ich glaube, dabei bin ich ein wenig hängen geblieben. Ich wollte diese eine Erfahrung, Straßenmusiker zu werden, in vollen Zügen auskosten.

Face2Face: Wann war dein erster Auftritt als Straßenmusiker?

Tim: Mein allererster Straßenmusik-Auftritt war 2015 unter der Bahnunterführung in Tübingen. Es war Sommer und viele Leute waren unterwegs. Ich habe einen vermutlich obdachlosen Mann gefragt, ob ich mich ein paar Meter neben ihm platzieren dürfte, um ein bisschen Musik zu machen. Er gab mir das „OK“ und ich legte los. Knapp acht Euro waren am Ende im Koffer und somit das Zugfahrticket gesichert.

Face2Face: Hast du schon gemeinsam mit anderen Musikern auf der Straße gespielt?

Tim: Ja, mit Fabio Shanti. Er ist ein langjähriger Freund und Multiinstrumentalist. Wir schreiben zusammen Lieder, touren in der Regel gemeinsam und lernen voneinander auf musikalischer und menschlicher Ebene. Wir sind ein Team und werden hoffentlich noch viele weitere schöne Momente teilen können!

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Zu zweit spielt es sich leichter: Tim Anders und Fabio Shanti beim Straßenkonzert in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Was ist das Schönste für dich, wenn du Straßenmusik machst?

Tim: Was mich sehr berührt, ist, wenn wir es schaffen, eine Traube von Menschen zum Zuhören zu bewegen und ich mich in einer Blase befinde, aus der ich am liebsten nie wieder austreten möchte.

Face2Face: Hast du auch schon in anderen Ländern Straßenmusik gemacht?

Tim: Nicht nur die Straßenmusik, sondern auch Clubauftritte haben mich und meinen Mitmusiker Fabio Shanti durch Europa geführt! Neben Deutschland waren wir in Frankreich, Italien, Schweden und Russland unterwegs, haben Straßenmusik gemacht und zum Teil Gastauftritte und Interviews gegeben! Schweden war verdammt teuer, denn selbst mit einem dicken Beutel an erspieltem Geld konnte man sich gerade mal einen Döner leisten. In Italien kam sogar die Polizei vorbei und schmiss ein paar Münzen in den Hut. Auf unserer Tour in Südfrankreich fanden wir einen abgelegenen Platz an den Klippen einer großen Bucht, sodass wir die Zeit vor unserem Zelt für ein paar Tage vergaßen. In Marseille haben wir Francois getroffen. Der hat uns den besten Pizzaladen für mittellose Straßenmusiker gezeigt, seine Weinkrüge mit uns geteilt und sein „Zuhause“ zu „unserem Zuhause“ werden lassen! Außerdem haben wir seinen mexikanischen Freund Israel kennengelernt, der uns am Tag der Abfahrt zum Essen einlud und uns über sein wundervolles Land aufklärte. In Russland wurden wir auf der Straße von wildfremden Leuten zum Wodka-Frühstück eingeladen und durften die wärmste und ehrlichste Gastfreundschaft genießen! Wir haben aber auch weniger angenehme Momente gehabt und sind an unsere Grenzen gestoßen. Wir haben zum Beispiel gestritten und waren kurz vor dem Aus einer musikalischen Freundschaft. Das alles gehört dazu und wir sind dankbar für diese Intensität der Momente und Begegnungen.

Face2Face: Was waren die außergewöhnlichsten Orte, an denen du je als Straßenmusiker gespielt hast?

Tim: Wir haben vergangenen Sommer mal in einem öffentlichen Bus gespielt. Das war eine coole Nummer. Wir hatten unser Straßenequipment dabei und sind damit von Bus zu Bus gestiegen, um es auf- und abzubauen und für die Leute zu spielen. Es kam ziemlich gut an und mein Mikrofon ist ständig abgehauen, sobald sich der Bus in eine Kurve gelegt hat. Auch wenn es so schräg und unprofessionell war, war es genau richtig. In Italien habe ich mal ein spontanes Strandkonzert gegeben. Die Leute schienen mir nicht wirklich zuhören zu wollen und ich wurde immer deprimierter. Ich habe gedacht: „Naja, dann spiele ich solange für die drei Personen, die vor mir saßen, bis sie nicht mehr wollen.“ Dazu kam es nicht, da ich von einem grauhaarigen, alten Mann unterbrochen wurde. Der fragte mich, ob er mal spielen dürfte. Als er anfing zu spielen, saß innerhalb kürzester Zeit eine Schar von Leuten um ihn herum und sang lautstark mit. Der alte Herr sang seine eigenen Lieder, die ich sogar vom Hören kannte. Das hielt dann für zwei Stunden an, bis der gefühlte Höhepunkt des Abends erreicht war und eine Gitarrensaite riss! Eine meiner schönsten Erinnerungen ist auch die Begegnung mit Norbert auf dem Marktplatz im südfranzösischen Menton. Nach meinem Set stand er in Tränen aufgelöst da und hat sich bei mir bedankt. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben rausgefunden, dass wir in derselben Stadt wohnen! Fast drei Jahre ist es her und eine gute Freundschaft ist entstanden. Er kommt zu jedem unserer Konzerte in Berlin.

Face2Face: Du wurdest auf der Straße von einer Plattenfirma „entdeckt“, hast dadurch einen Plattenvertrag bekommen und 2016 dein Debütalbum „Thoughts, Words & Moments“ veröffentlicht. Wie haben sie dich angesprochen?

Tim: Ich stand in der Brandenburger Straße in Potsdam und habe Musik gemacht. Ein paar Wochen später erhielt ich eine Nachricht über Facebook, in der ich gefragt wurde, ob ich Interesse an einer musikalischen Zusammenarbeit mit einem jungen Label in der Gründungphase hätte. Ich bin den Deal eingegangen und Fabio kam mit ins Boot. Es war für alle Beteiligten ein schöner Anfang, ins Musikgeschäft einzusteigen und sich auszuprobieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Face2Face: Was hat sich dadurch für dich als Straßenmusiker geändert?

Tim: Für mich hat sich als Straßenmusiker nichts verändert, außer dass ich nicht mehr versuche, mit meiner Musik auf der Straße Geld zu verdienen. Ich möchte Kunst machen und für mich ist wichtig, dass Kunst wahrgenommen wird. Egal, ob es eine Person ist, die sich mit der Kunst identifizieren kann oder ob es 100.000 Personen sind. Wenn die Kunst nur eine Person erreicht, bei der sie eine Wirkung hat und etwas hinterlässt, dann ist es genau so, wie es sein soll.

Face2Face: Ist man mit einem Plattenvertrag in der Tasche ein sorgenloserer Straßenmusiker?

Tim: Ich denke, es spielt keine Rolle. Sorgen hat man mal mehr und mal weniger.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Nie ohne Gitarren: Tim Anders und Fabio Shanti machen gemeinsam Straßenmusik in der Nähe der East Side Gallery in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie oft bist du als Straßenmusiker unterwegs?

Tim: In den ersten beiden Jahren habe ich von der Straßenmusik gelebt und war knapp fünf Tage die Woche auf der Straße. Ich habe in der Sonne, im Regen und sogar bei Minusgraden gespielt. Mittlerweile spielen wir mehr Konzerte und fahren gezielte Straßenmusiktouren, wie zum Beispiel eine Nord- und Ostsee-Straßenmusiktour im August 2018.

Face2Face: Wie du gerade schon erzählt hast, spielst du mittlerweile nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in Clubs und anderen Konzertlocations. War das eine bewusste Entscheidung von dir?

Tim: Die Straße war und ist für mich eine gute Schule und das, was ich da gelernt habe, nehme ich mit auf die Bühne. Konzerte zu spielen ist eine andere Herausforderung neben der Straßenmusik und gehört dazu. Mit meinem ersten Auto kam die erste Konzerttour und es wurde automatisch mehr.

Face2Face: Was macht dir mehr Spaß: Auf der Straße oder in Konzertlocations spielen?

Tim: Ich habe mehr Spaß an Konzerten, da du einen Raum hast, wohin die Leute kommen, um dir zuzuhören. Du musst nicht erst mal hart dafür arbeiten, dass dir Leute überhaupt ein offenes Ohr schenken. Trotzdem sind Konzerte jeglicher Art für mich eine kleine Überwindung, aber wenn ich das geschafft habe, genieße ich es sehr.

Face2Face: Du warst auch schon als Supportact von Mellow Mark mit ihm auf Tour. Wie kam es dazu?

Tim: Mellow Mark habe ich irgendwann nach unserer ersten Begegnung auf einem Videodreh wiedergetroffen und bin anschließend als Roadie mitgefahren. Irgendwann konnte ich nicht mehr einfach so danebenstehen und ihm auf der Bühne lauschen. Bei einem kleinen Konzert stellte er mich spontan auf die Bühne – in der Hoffnung, dass ich ihn nicht enttäuschen würde. Danach ging alles seinen Weg und ich durfte viele schöne Erfahrungen als Vorband von Mellow Mark und Jamaram sammeln. Außerdem haben wir auf seiner 2017 erschienenen Platte „Nomade“ den gemeinsamen Song „Easy“ veröffentlicht und sind auf irgendeine Art seelenverwandt.

Face2Face: Übst du nebenher noch einen anderen Beruf aus oder kannst du allein von der Musik leben?

Tim: Ich habe drei Jahre versucht, von meiner Musik zu leben und das war eine schöne Erfahrung mit vielen Höhen und Tiefen. Seit ein paar Monaten versuche ich allerdings, das Geldverdienen und die Kunst – so gut es geht – zu trennen, denn ich habe noch einen Job neben der Musik.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Tim: Momentan planen wir eine Konzert- und Clubtour im Dezember. Bis dahin haben wir noch ein paar vereinzelte Konzerte und im August steht die schon erwähnte Straßenmusiktour entlang der Ost- und Nordseeküste an. Außerdem arbeiten wir hart an einer weiteren Platte.

Mehr Infos zu Tim Anders gibt es auf seiner Homepage oder seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf Youtube.

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

„Bei schönem Wetter schnappe ich mir einfach meine Gitarre und stelle mich ein paar Stunden in die Stadt, um Straßenmusik zu machen und mein Gehalt ein bisschen aufzubessern.“ – Was so einfach klingt, ist nicht in jeder deutschen Stadt möglich und ist oft mit bestimmten Regelungen verbunden, die es Straßenmusikern teilweise erheblich erschweren, ihre Musik öffentlich an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Wir haben uns für euch schlau gemacht, welche Auflagen es unter anderem in der Rhein-Main-Region gibt und außerdem einen jungen Straßenmusiker nach seinen Erfahrungen und Tipps gefragt.

Sondernutzungserlaubnis nötig

Jede Stadt in Deutschland hat ihre eigenen Bestimmungen im Hinblick auf musikalische Darbietungen auf der Straße. Wer zum Beispiel in Darmstadt an einem öffentlichen Platz musizieren will, darf das generell nur in der Fußgängerzone zwischen 10 und 20 Uhr. Dazu kommt, dass man vorher beim Bürger- und Ordnungsamt einen sogenannten „Antrag auf eine Sondernutzungserlaubnis für Straßenmusik und Straßenkunst in der Fußgängerzone“ stellen und eine Verwaltungsgebühr von fünf Euro pro Tag zahlen muss. Außerdem vergibt die Stadt täglich überhaupt nur fünf Genehmigungen.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Auf dem Weg zum nächsten Straßengig: Musiker Johannes Marschall (Foto: S. Holitzner)

Noch komplizierter ist es beispielsweise in München. Bevor man dort Straßenmusik machen kann, muss man sich eine Erlaubnis in der Stadtinformation im Rathaus holen. Und wer so eine bekommen möchte, muss früh aufstehen: Die Stadtinformation erteilt gegen eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro nur zehn Lizenzen pro Werktag und die gehen an diejenigen, die zuerst und das heißt ab 8 Uhr vor Ort sind. Ein Straßenmusiker, der zum ersten Mal in München spielen will, muss darüber hinaus zunächst sein Können im Rathaus präsentieren, bevor entschieden wird, ob er auf der Straße zugelassen wird. Weitere kleinteilige Regelungen, wie ein Spielverbot während des Glockenspiels am Marienplatz oder ein Ausschluss bestimmter Instrumente, kommen hinzu. Dieses strenge Reglement hängt damit zusammen, dass viele Geschäftsbetreiber und Anwohner sich von zu viel Straßenmusik gestört fühlen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich die Musizierenden den einen oder anderen dummen Spruch anhören müssen. Johannes Marschall, der als Nebenerwerb zum Studium seit 2013 häufig mit einem oder zwei Freunden Rock’n’Roll- und Rockabilly-Klassiker aus den 50er Jahren mit Gesang und Gitarren auf der Straße performt, wurde schon öfter mit Sätzen wie „Hey guck mal, da ist Elvis“ konfrontiert. So etwas nimmt er sich allerdings nicht zu Herzen. Er ist der Meinung, dass sich diejenigen, die sich beschweren, erst einmal selbst trauen sollten, vor fremden Leuten auf der Straße zu spielen. Auf Anfeindungen von Anwohnern reagiert er mit dem Hinweis auf die Regelungen der Stadt für Straßenmusiker.

Es geht auch ohne Genehmigung

Solche Beschwerden waren in Wiesbaden der Grund für eine Verschärfung der Vorschriften im Dezember 2017. Dort darf ein Künstler seitdem einen Standort am gleichen Tag kein zweites Mal nutzen und nur noch zwischen 11 und 18 Uhr statt wie bisher zwischen 8 und 20 Uhr musizieren. Im Vergleich zu München ist Wiesbaden aber dennoch bei Straßenmusikern beliebt, weil keine Genehmigungen notwendig sind. Insbesondere Frankfurt schätzt Straßenmusik als kulturelle Bereicherung und belebendes Element, weshalb die Mainmetropole die kreativen Talente eher fördert als ihnen durch viele verwirrende Regelungen Steine in den Weg zu legen. Von Montag bis Samstag dürfen dort die Straßen zwischen 7 und 20 Uhr (von 1. Mai bis 31. August sogar bis 21 Uhr) bespielt werden, wenn nach maximal einer Stunde ein Standortwechsel erfolgt. Zwischen zwei Straßenkonzerten an der gleichen Stelle muss zudem knapp eine Stunde Pause liegen.

Nicht alles ist schlecht an einer Straßenmusikordnung

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Voll im Element: Johannes Marschall beim Konzert auf der Straße in Mainz (Foto: J. Marschall)

In Mainz brauchen Straßenmusiker ebenfalls keine Genehmigung, um auf der Straße aufzutreten. Trotzdem gibt es eine Straßenmusikordnung mit verbindlichen Regeln. Diese besagt, dass man genügend Abstand zu öffentlichen Veranstaltungen halten sollte. Des Weiteren ist die Stadt in verschiedene Spielzonen aufgeteilt, die nur an Werktagen zu festgelegten Zeiten für maximal 30 Minuten zum Musizieren genutzt werden dürfen. Johannes, der primär in Mainz Straßenmusik macht, kritisiert, dass sich nicht immer alle Künstler an diese Vorschriften halten. Viele wissen aber auch gar nicht, dass es einen solchen Regelkatalog für Straßenmusiker gibt. Positiv daran findet der 27-Jährige, dass man sich unter den Straßenmusikern nicht direkt in die Quere kommt oder sich sogar gegenseitig die Zuschauer abjagt. Insgesamt sorgt die Verordnung in Mainz für einen fairen Umgang miteinander und damit für einen fairen Wettbewerb.“ Aber solche Regelungen haben auch ihre Schattenseiten: „Wenn man gerade so richtig schön in Fahrt gekommen ist, muss man schon wieder umziehen. Wenn außerdem an bestimmten Tagen viele Straßenmusiker unterwegs sind, kann es schwer werden, den Ort immer gleich im Halbstundentakt zu wechseln, da viele Plätze belegt sind.

Haltet den Dieb!

Unabhängig von den Vorschriften sollte man als Straßenmusiker allgemein aufpassen, dass man nicht Opfer eines Diebstahls wird. Vielfach legen die Künstler einen Gitarrenkoffer oder einen Hut auf die Straße, in den Fußgänger bei Gefallen einen kleinen Obolus werfen können. Johannes hat in Mainz die Erfahrung gemacht, dass ein Mann, der rein äußerlich den Anschein eines Obdachlosen erweckte, mehrmals im Vorrrübergehen versucht hat, Geld aus dem Gitarrenkoffer zu nehmen. Da sie zu dritt musizierten, konnten zwei weiterspielen, während der Dritte den Diebstahl vereitelte, indem er den Mann anschrie und somit verscheuchte.

Wie werde ich ein erfolgreicher Straßenmusiker?

Abgesehen von den Regelungen, welche die Städte Straßenmusikern vorschreiben, gibt es verschiedene Dinge, die laut Johannes alle, die ihre Musik an öffentlichen Plätzen präsentieren wollen, beachten sollten: „Man sollte sein musikalisches Handwerk verstehen. Außerdem sollte man denselben Song nicht zu oft hintereinander spielen. Ich betrachte Straßenmusik auch immer als ein Konzert mit einem gewissen Grad an künstlerischem Anspruch. Außerdem spielt der Ort, an dem man sich auf der Straße aufstellt, eine große Rolle. Wenn man sich eher in die Mitte der Straße als an die Straße stellt, hat man größere Chancen wahrgenommen zu werden – und darum geht es ja auch: präsent sein, die Leute mit seiner Ausstrahlung und Musik fesseln und sich nicht in Seitengassen verstecken.

Straßenmusik = eine Bereicherung?

Neben denjenigen Passanten, denen die Johnny Cash-Coversongs von Johannes ein Lächeln ins Gesicht zaubern, gibt es aber immer noch viele, die Straßenmusik skeptisch beäugen. Der junge Musiker würde sich deshalb wünschen, dass sich Städte und vor allem die Anwohner und Menschen auf der Straße mehr der Straßenmusik öffnen. Er sieht eine lebendige Straßenmusikkultur als große Bereicherung für eine Stadt, denn „was gibt es Schöneres als an einem sonnigen Tag durch die Straßen zu flanieren und dabei gute Straßenmusik zu genießen.“ Andere Länder, wie zum Beispiel Italien, scheinen Straßenmusik offener gegenüberzustehen. So hat es zumindest Johannes erlebt: „Als ich vor zwei Jahren auf Studienfahrt in Neapel war, begannen auf einmal mehrere Straßenmusiker ein Konzert mitten unter den Restaurantgästen auf der Straße. Die haben fast eine Stunde eine Canzone Napoletana nach der anderen geschmettert und alle haben mitgemacht. Ich glaube, so etwas würde in Deutschland nicht so schnell passieren.

Deutschlandkarte für Straßenmusiker

Damit Straßenmusiker auf einen Blick sehen können, ob sie beim öffentlichen Musizieren in den einzelnen Städten Deutschlands mit Einschränkungen rechnen müssen oder erwünscht sind, hat DIE ZEIT im August 2017 eine hilfreiche Karte erstellt. Darin sind zum Beispiel auch Mannheim und Heidelberg zu finden. Etwas kleinere Städte, wie beispielsweise Speyer, sind dort jedoch nicht verzeichnet.

Die Flüchtlingskrise: Ein Update

KOMMENTAR: Mittlerweile ist es November. Die sogenannte Flüchtlingskrise ist schon lange zum innenpolitischen Problem erhoben worden. Offiziell befindet sich diese Krise jetzt in ihrem zweiten Jahr – völlig ungeachtet der Tatsache, dass auch vor 2015 Einwanderung auf diesem Weg stattfand. Zur Erinnerung: Der Krieg in Syrien dauert bereits fünf Jahre an. Bisher wurde angenommen, dass etwa eine 250.000 Menschen dabei ums Leben gekommen sind. Allerdings wurde die Zählung der Opfer Mitte 2014 eingestellt, da zuverlässige Daten nicht zugänglich seien, so der UNHCR. Seit 18 Monaten können die Verluste also nicht einmal mehr erhoben werden. Wissenschaftler des Syrischen Zentrums für Politikforschung gehen bereits von einer Dopplung der Zahl aus.

Es haben zwar über den gefährlichen Seeweg mehr als 171.000 Personen von der Türkei aus die Ägäischen Inseln Griechenlands erreicht. Aber mit den Rekordzahlen des Vorjahres hat das nur noch wenig zu tun. Noch in den ersten beiden Monaten des Jahres kamen ganze Flüchtlingsströme auf den Inseln an. Der Strom aber hat sich seit dem Inkrafttreten des Abkommens zwischen der Türkei und der Europäischen Union vom 20. März 2016 verlagert. Nach Griechenland kommen vor allem Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – knapp die Hälfte sind Syrer.

In Syrien verschlimmert sich die Lage zusehends. So erklärte Stephen O’Brien –UN-Koordinator für humanitäre Hilfe – , vor dem New Yorker UN-Sicherheitsrat, dass dort derzeit 974.080 Menschen in belagerten Städten und Dörfern ausharren. Vor einem halben Jahr sei weniger als die Hälfte betroffen gewesen. Dazu komme noch der Winter. Die Menschen  seien abgeschnitten von Hilfsleistungen. Fassbomben und Chlorgasangriffe kosten nicht nur unzählige Leben, mittlerweile seien auch die letzten verbleibenden Krankenhäuser und zivilen Einrichtungen unter Beschuss genommen. Schuldig sei daran – in der Regel durch Augenzeugen und lautstarke Äußerungen der US-Regierung bekundet – die Syrische Armee samt russischen Verbündeten. Eine Waffenruhe ist nicht in Sicht. Trotzdem sind die Ankunftszahlen seit März massiv abgefallen. Dass die Umsetzung eines politischen Abkommens derart signifikant auf den Flüchtlingsstrom einwirken kann, lässt tief blicken und eröffnet dabei trotzdem Raum für Spekulationen über eine Beteiligung – oder zumindest die Mitwisserschaft – der türkischen Regierung.

Signifikant steigt daraufhin allerdings die Zahl derer, die die Küsten Italiens ansteuern: Knapp 165.000 Personen kamen über das Mittelmeer aus Nigeria, Eritrea und anderen afrikanischen Ländern. Der Ausspruch „Afrika sitzt auf gepackten Koffern“ macht nicht nur die Runde, sondern auch Angst, denn Afrika ist groß und das Boot für viele schon voll.

Sardinien – ein Urlaubsparadies inmitten mediterranen Flairs

Traumhaftes Sardinien.

Traumhaftes Sardinien (Foto: F. Teuchert)

Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Die vielseitige italienische Insel wird auch liebevoll als „der kleine Kontinent“ bezeichnet. Der traditionelle sardische Gruß „A Kent’ Annos“ bedeutet übersetzt „Lebe bis ins hundertste Jahr“. Tatsächlich leben auf Sardinien weltweit die meisten über Hundertjährigen. Eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt neben dieser traumhaften Landschaft sicherlich auch die einheimische Küche, der gute Rotwein und die ansteckende Lebenslust der Sarden.

Weiße Sandstrände und türkis-blaues Meer - Traumstrände in Sardinien (Foto: F. Teuchert)

Weiße Sandstrände und türkis-blaues Meer – Traumstrände in Sardinien (Foto: F. Teuchert)

Kilometerlange weiße Sandstrände, türkis-blaues Meer und beschauliche Felsbuchten, gesäumt von Pinien, Kriechwacholder und Feigenkakteen. Es fällt schwer zu entscheiden, welcher der Strände im Norden, Süden, Osten oder Westen am schönsten ist. Im Landesinneren findet man noch ein traditionell geprägtes Hirtenland mit unberührter Natur und archäologischen Fundstätten. Vor der Küste liegen einige kleinere Felsinseln, die ebenfalls zum abwechslungsreichen Landschaftsbild beitragen. La Sardità – ein Urlaubsparadies inmitten mediterranen Flairs.

Die Insel ist zudem ein Paradies für Natur- und Tierliebhaber, denn sie gilt als Naturreservat, in dem Tausende seltener Tiere und Pflanzen unter Schutz gestellt sind. So befinden sich zahlreiche Vogelarten wie zum Beispiel die wunderschönen rosafarbenen Flamingos, verschiedenste Amphibien wie beispielsweise der seltene sardische Gebirgsmolch oder unterschiedliche Reptilien auf der Insel.

Landschaft in Sardinien (Foto: F. Teuchert)

Landschaft in Sardinien (Foto: F. Teuchert)

Unterwegs am Südkap Sardiniens

Westlich von Capo Spartivento beginnt die ebenso bekannte Costa del Sud. Ähnlich wie an der berühmten Costa Smeralda im Norden Sardiniens sind auch hier traumhafte Strände zu finden. Auch wenn die Traumstände im südwestlichen Sardinien nicht mehr ganz so einsam sind wie in der Vergangenheit, so sind sie doch abseits der Sommermonate nur am Wochenende voll.

Am Stagno Spartivento verengt sich der Strand zu einem schmalen Lido, der Badestrand trennt den im Landesinneren liegenden Brackwassersee vom offenen Meer. Der Lido bietet also genügend Platz zum Wandern. Vogelfreunde sollten unbedingt einen Blick auf die Teiche wagen, denn hier kann man die über 11.000 frei lebenden Flamingos und viele andere Wasservögel wie zum Beispiel der schwarz-weiße Stelzenläufer (cavaliere d’Italia) oder Felsentauben häufig aus der Nähe beobachten.

Der Leuchtturm am Capo Spartivento stammt aus dem Jahr 1866 und ist damit einer der ältesten noch funktionstüchtigen der ganzen Insel. Er ist von einer Mauer umgeben. Auf einem 19 Meter hohen Gebäude ist die eigentliche Leuchtkonstruktion angebracht. Die Lampe hat eine enorme Reichweite von bis zu 18 Seemeilen, was etwa 30 km entspricht und schützt die Schiffe vor den gefährlichen Klippen am Kap. Am 27. November 1940 fand am Capo Spartivento eine Seeschlacht zwischen der britischen Royal Navy und der italienischen Regia Marina statt. Zum Glück dauerte dieser Kampf nur 54 Minuten und konnte dadurch auf beiden Seiten nur wenig Schaden anrichten.

Sightseeing in Cagliari

Sardiniens Hauptstadt liegt ganz im Süden der Insel am großen Golfo die Cagliari. Seit seiner Gründung ist Cagliari das ökonomische, kulturelle und politische Zentrum von Sardinien. Hier haben das Parlament und die Regierung der Autonomen Provinz ihren Sitz, von hier aus wird die Insel mit einer Gesamtfläche von ca. 24.000 Quadratkilometern und 1,6 Millionen Einwohnern verwaltet.

Die stolze Hafenstadt besteht aus alten und modernen Gebäuden zugleich. Sie thront auf einem Berg mit einem weitläufigen Blick über den angrenzenden Hafen der Stadt sowie den Golfo degli Angeli. Obwohl die Straßen eng und steil angelegt sind, lässt sich die Stadt leicht zu Fuß entdecken. Die hellen Stadtmauern sind noch fast völlig intakt. In der Altstadt, dem sogenannten Castello-Viertel, liegt das landesweit beste archäologische Museum – das faszinierende Museo Archeológico Nazionale.

Torre di Porto Giunco 

Dieser mittelalterliche Wachturm liegt auf einer felsigen Landzunge vor dem eigentlichen Kap und gewährt einen prachtvollen Ausblick über die Küste von Villasimius und zurück zum Stagno Notteri. Vom Turm führt ein Pfad in die südlich gelegene Bucht, in der man auf mehrere verfallene Gebäude stößt. Hier wurde bis vor 60 Jahren Granit abgebaut. Dieses widerstandfähige Gestein war für viele Jahre eine wichtige Ressource der lokalen Wirtschaft und wurde beispielsweise unter anderem für Straßenbeläge und Einfassungen verwendet, oder zu Futter- und Wassertrögen sowie Kaminen verbaut. Die Gebiete, in denen, der Granit abgebaut wurde, sind auch heute noch sichtbar.


Vorschau:  Nächste Woche erscheint in unserer Reise-Rubrik der Artikel „Weinproben in der Moselregion“ von Konstantin.

Mailand: Gastgeber der Expo 2015

Spannung: Werbung für die Weltausstellung in Milano überall in der Stadt verteilt mit Sitzgelegenheiten

Spannung: Werbung für die Weltausstellung in Milano überall in der Stadt verteilt mit Sitzgelegenheiten

Dieses Jahr ist Mailand Gastgeber der Weltausstellung Expo. Seit dem 1. Mai lautet das Motto „Ernährung der Welt, Energie fürs Leben“. 145 Länder und viele andere Austeller zeigen ihre Vorzüge. Auch Deutschland präsentiert sich hier auf dem großen Gelände. Für 39 Euro pro Ticket kann man alle Kulturen, verschiedenste Organisationen und Lebensweisheiten kennenlernen. Noch bis zum 31. Oktober ist die Ausstellung in Mailand. Doch Mailand hat noch viel mehr zu bieten als die Expo und Mode.

Einen Besuch wert ist der imposante Mailänder Dom. Das Bauwerk aus weißem Marmor ist die zweit größte Kirche Italiens nach dem Petersdom in Rom und erstreckt sich im Herzen des Piazza del Duomo. Die goldene Madonnia, das Symbol Mailands, glänzt hierbei in 108 Meter Höhe. Einmalig und unvergesslich ist der Blick von den Dachterrassen aus Marmor über die ganze Stadt bis zu den Alpen und manchmal sogar bis in die lombardische Ebene hinein.

Gleich gegenüber liegt das Kaufhaus „La Rinaschente“, dass mal ein Ort für Künstler war, die in den Abteilungen ihre hochwertigen Waren anpreisen konnten. La Rinascente ist heute das Top-In Kaufhaus auf acht Etagen, das bedeutende Designermarken in einem Shop-in-Shop-System unter einem Dach auf der Piazza del Duomo vereint. Hier findet man genau das richtige Mitbringsel für die Liebsten. Danach können in mehreren Restaurants und Cafés kleine und große Leckereien genossen werden. Ich empfehle jedoch das Panoramarestaurant mit Dachterrasse das in Höhe des Doms liegt. So kann man den Ausblick auf den Dom und die Piazza del Duomo genießen und bei gutem Wetter sehr schöne Fotos schießen.

Imposant: Mailänder Dom (Foto: S. Wahlig)

Imposant: Mailänder Dom (Foto: S. Wahlig)

Gegenüber der Galleria Vittorio Emanuele II, befindet sich einer der wichtigsten Paläste, der Palazzo Reale, der über einen langen Zeitraum die Regierung Mailands und ihren Sitz inne hatte. Heute finden in den Räumlichkeiten abwechselnde Ausstellungen statt. Nur ein paar Schritte entfernt befinden sich die Piazza dei Mercanti und der Stein der Gescheiterten. Die Piazza dei Mercanti beherbergte im 13. Jahrhundert den Handwerks-und Handelsplatz. Auch heute noch verkaufen hier Händler noch ihre Waren. Zugleich heißt dieser Ort auch der Stein der Gescheiterten, da es nicht selten vorkam, dass ein Händler in Ungnade fiel, weil er seine Kunden betrogen hatte. Dies blieb natürlich nicht unbestraft. Denn sie wurden dem öffentlichen Spott preisgegeben und mit heruntergelassenen Hosen auf den Stein der Gescheiterten gesetzt, damit der Händler vom einfachen Volk ausgelacht wurde bevor er ins Gefängnis kam.

Hier spielt die Musik: Mailländer Scala mit einer historischen  Straßenbahn (Foto: S.Wahlig)

Hier spielt die Musik: Mailländer Scala mit einer historischen Straßenbahn (Foto: S.Wahlig)

Ein paar Meter weiter befindet sich das Castello Sforzesco, das Mailänder Schloss, vom Dom aus gesehen in Verlängerung von Via Dante, Largo Cairoli in Piazza Castello. Im Castello befinden sich die Museen des Castello mit vielen Raritäten wie dem letzten Werk Michelangelo, der unvollendeten Pietà Rondanini und den Freskenmalereien von Leonardo da Vinci. Beeindruckend ist allerdings der Turm Torre del Filarete am Eingang des Schlosses. Dahinter befindet sich eine wunderschöne grüne Oase mitten in der Stadt, der Schlosspark Parco Sempione. Hier kann man sich nach anstrengenden Erkundungen der Stadt ausruhen und im Sommer die Kühle des Schattens genießen.

Aber nicht nur die Innenstadt hat viele schöne Bauten und Geschäfte der tollen italienischen Mode zu bieten. Auch in den anliegenden Stadteilen kann man so manch schöne Rarität finden. Mailand ist sehr leicht zu erkunden. Daher ist es manchmal auch sehr schön sich an Orte treiben zu lassen ganz nach dem Motto des „dolce vita“.

Wie wäre es also demnächst mit einem Besuch der Expo 2015 und der Modemetropole Italiens?

Rom, die ewige Stadt – Trevi-Brunnen und Piazza Navona

Nachdem wir beim letzten Mal über das Kolosseum und den Petersdom berichtet haben, widmen wir uns heute dem Trevi-Brunnen und dem Piazza Navona – zwei Orte, die man auf jeden Fall sehen sollte, wenn man eine Besichtigungs-Tour durch Rom macht.

Fontana di Trevi. So der italienische Name des 26 Meter hohen Trevi-Brunnens. Er ist der größte und zugleich einer der bekanntesten Brunnen Europas. Erbaut wurde er im 18. Jahrhundert zwischen 1732 und 1762. Seitdem wurde er drei Mal renoviert. Vor acht Jahren, im Jahre 2007, wurde wegen eines Bauschadens die Wasserleitung unterbrochen, die den Brunnen mit Wasser versorgte. Seit diesem Fauxpas wird dem Brunnen normales Leitungswasser zugeführt. Nur dadurch war es möglich, dass man das Wasser für ein paar Stunden rot färbte.
Der Legende nach bringt es Glück Münzen in den Brunnen zu werfen. Wirft man zwei Münzen verliebt man sich in einen Italiener oder in eine Italienerin, wirft man drei Münzen in den Brunnen so wird man seinen Liebsten oder seine Liebste sogar heiraten. Also dann: Auf die Münze, fertig, los!
Unglaublich: Jedes Jahr werden die Münzen von Angestellten der Stadt Rom aus dem Brunnen gefischt – das sind jährlich etwa 600.000 Euro!

Der Piazza Navona ist ein typischer Platz des barocken Roms. Im Stadtviertel Parione gelegen kann man hier gemütlich essen, bei Unmengen von Straßenhändlern ein kleines Mitbringsel kaufen oder zuschauen, wie die Maler sich künstlerisch verausgaben. Die Form des Platzes erinnert an das einstige römische Stadion, welches dort 86 n. Chr. erbaut wurde.
Sage und schreibe drei Brunnen befinden sich heutzutage auf dem Piazza Navona. Der größte Brunnen im Zentrum ist der so genannte Vierströmebrunnen: Der Fontana die Quattro Fiumi stellt die vier Flüsse Donau (für Europa), Ganges (für Asien), Nil (für Afrika) und der Rio della Plata (für Amerika) dar.

Petersdom, Kolosseum, Piazza Navona, Trevi-Brunnen – vier Sehenswürdigkeiten, die Rom in all seinen Facetten präsentieren. Wer diese verpasst, ist selbst schuld! Also viel Spaß in Rom und genießt „la dolce vita“!

Vorschau: Nächste Woche geht es weiter in Italien – mit Mailand!

Rom, die ewige Stadt – Kolosseum und Petersdom

Bei Nacht: Das Kolosseum in Rom (Foto: Lustig)

Bei Nacht: Das Kolosseum in Rom (Foto: Lustig)

Das Kolosseum. Für einen kurzen Moment vergesse ich, dass es das weltweit größte antike Amphitheater der Welt ist. Gladiatorenkämpfe, inszenierte Seeschlachten, Tierhetzen. Kaum vorstellbar, dass all dies hier vor mehr als 2.000 Jahren stattfand. Warum ist das Kolosseum eigentlich rund? Ganz einfach: Den Gladiatoren sollte nicht die Möglichkeit geboten werden, sich in einer Ecke Schutz zu suchen. Das wäre für das Publikum langweilig und nicht spektakulär genug gewesen.
Im Jahre 313, also rund 250 Jahre später, wurden die Gladiatorenkämpfe von Kaiser Konstantin dann abgeschafft.
Die Tore sind heute für Besucher und Touristen geöffnet. Die Wartezeiten sind meist lang, aber auch bei dieser Sehenswürdigkeit besteht die Möglichkeit, sich vorab ein Online-Ticket zu kaufen (Erwachsene zahlen 12 Euro, Ermäßigte (18-25 Jahre) nur 7,50  Euro) und somit die Schlangen zu umgehen. Wer einmal vor dem imposanten „Colosseo“ steht, wird sich den Eintritt kaum verkneifen können.

La Basilica Papale di San Pietro in Vaticano. Bitte was?! Das ist der volle Name des

In voller Pracht: Der Petersdom (Foto: Lustig)

In voller Pracht: Der Petersdom (Foto: Lustig)

Petersdoms. Der Petersdom bildet den zentralen Platz der Vatikanstadt. Mit einer Höhe von 133m (Zum Vergleich: Die Deutsche Bank Türme in Frankfurt sind jeweils 155m hoch) und  einer Gesamtfläche von 15.000 Quadratmeter bietet das größte Kirchengebäude der Welt Platz für 20.000 Menschen. Tausende Touristen verschlägt es jährlich in die Papstbasilika, die bereits im 16. Jahrhundert erbaut wurde.
Ein einstündiger Spaziergang durch den Petersdom inklusive Eintritt kostet 17,50 Euro und kann ebenfalls vorab online gebucht werden.

Petersdom und Kolosseum: Zwei Sehenswürdigkeiten, die Rom zu recht den Titel „Die ewige Stadt“ verleihen.  Doch natürlich hat Rom noch mehr architektonische Meisterwerke zu bieten, die einen Besuch lohnenswert machen. Weitere „Places to visit“ in Rom stellen wir euch am 19. Mai vor.

Vorschau: Nächste Woche entführen wir euch in den Rheingau.

Die Weltmeisterschaftsverblendung

KOMMENTAR: Ein ganzes Land ist im Ausnahmezustand: die Fußball-Weltmeisterschaft findet dieses Jahr in Brasilien – auf dem Rücken der Einheimischen – statt, die sich von ihrer Regierung verkauft fühlen. Bereits im Vorfeld der Spiele kam es deshalb zu Massenprotesten. Es muss die Frage gestellt werden, wie viel eine solche Weltmeisterschaft „im eigenen Land“ der Bevölkerung und wie viel sie eigentlich den Investoren einbringt. Viel wird aus dem zerrütteten Land berichtet – auch kritische Stimmen dringen an die Öffentlichkeit. Dennoch wird für den Zeitraum von knapp einem Monat bis zum Finalspiel die rosarote Fußballbrille aufgesetzt und jegliche national- oder globalpolitische Entwicklung weggelächelt. Während sich die ISIS-Front zu einer Armee entwickelt und Teile des Nahen Ostens unter seine Kontrolle bringt, wird in derselben Woche ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen und China ringt mit seinen Anrainerstaaten um Territorialhoheit. Die vorhandenen Konflikte schwelen weiter an, so dass das Fass überzulaufen droht – aber nicht, während alle friedlich im Fußball vereint zu sein scheinen. So lange muss der Krieg warten: Er wird zwar nicht real ausgesetzt, aber aus den Köpfen getilgt.

Beinahe die ganze Nacht hindurch kann der geneigte Fußballfan sich die technisch-aufgerüsteten – etwa durch die langerwertete Torlinientechnik optimierten – Weltmeisterschaftsspiele verfolgen – denn schließlich wird bei jedem Spiel Geschichte geschrieben: „Das früheste Tor dieser WM schießt…“, „der höchste Spielausgang dieser WM“ und andere Fakten werden jedes Mal aufs Neue generiert. Die Statistiken werden also mit neuem Material gespeist, während das Weltgeschehen im Abseits steht, in der Tagesschau beinahe schon grotesk vermischt: Gibt es Krieg zwischen Israel und den Palästinensern, denen die Entführung dreier Jugendlicher angelastet wird? Seit Tagen sucht ein enormes Militäraufgebot nach den Jungen. Es wurden bereits 80 Verdächtige festgenommen, während der Hass weiter geschürt wird. Der nächste Beitrag beschäftigt sich dann – wie zu erwarten war – mit dem Spielausgang oder –Zwischenstand. Diese Ambivalenzen zu ordnen erscheint angesichts der Informationsflut beinahe unmöglich. Balotelli schießt ein Tor für Italien, Christiano Ronaldo hat Kniebeschwerden, die deutsche Nationalelf trainiert fleißig – der Stolz der Nationen trifft sich auf dem Rasen, der dieser Tage die Welt bedeutet. So viel, dass alles neben dieser Fußball-Weltmeisterschaft zu einer Kleinigkeit verkommt.

Nichts regt sich hierzulande, abgesehen von dem Höhlenforscher, der gerade den WM-Auftakt aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas im Riesending-Schacht des Unterbergs.

Fingerfood und Dips-Reihe, Teil 2: Bruschetta

Im 2. Teil der Fingerfood und Dips-Reihe bringt uns unsere kulinarische Reise nach Italien. Wir stellen euch einen der bekanntesten und vielleicht leckersten Appetithappen der italienischen Küche vor: Die Bruschetta.

Dafür braucht ihr folgende Zutaten:

  • Weißbrot
  • 4 große Tomaten
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • Olivenöl
  • Balsamico
  • Basilikum
  • Oregano
  • Salz & Pfeffer

Und je nach Geschmack noch:

  • Balsamicocreme
  • Oliven
  • Parmesan

Zunächst die Tomaten vierteln und das wässrige Fruchtfleisch herausschneiden – die übrigen Stücke weiter zerkleinern. Nun eine Zwiebel in kleine Würfel schneiden und zusammen mit den Tomatenstücken in eine Schüssel geben. Eine Knoblauchzehe fein hacken und ebenfalls dazugeben. Dann mit Olivenöl und Balsamico abschmecken und etwas ziehen lassen.

Fingerfood und Dips-Reihe, Teil 2: Bruschetta

Mit Öl und Knoblauch verfeinert: So bekommt das Brot den gewissen Pfiff (Foto: A. Schwalb)

In der Zwischenzeit das frische Brot aufschneiden und mit Olivenöl beträufeln – nicht zu viel, das Brot soll nicht versaufen und mit einer Knoblauchzehe von beiden Seiten einreiben. Gleichzeitig eine Pfanne auf dem Herd erwärmen und die öligen Brote von beiden Seiten goldbraun braten.

Jetzt kommt noch der Feinschliff: Frischen Basilikum zupfen – nicht schneiden, denn auf diese Weise soll sich das Aroma besser entfalten – und ihn zusammen mit Oregano, Salz und Pfeffer zu den Tomaten geben und abschmecken. Kleiner Tipp: Das Basilikum erst so spät wie möglich dazugeben, damit es knackig bleibt und nicht in sich zusammen fällt.

Wer möchte, kann die Bruschetta natürlich noch weiter verfeinern. Zum Beispiel mit frischen Oliven – entkernt natürlich – oder auch mit dem italienischen Klassiker: Parmesankäse. Mein persönlicher Favorit ist folgender: Ich verziere diese leckere Vorspeise noch mit Balsamicocreme. Das sieht zum einen toll aus und gibt dem Ganzen noch eine süßliche Note.

Fingerfood und Dips-Reihe, Teil 2: Bruschetta

Lecker Parmesan: Mit Käse kann die Bruschetta noch verfeinert werden (Foto: A. Schwalb)

Im letzten Schritt einfach Brot und Tomatengemisch vereinen. Fertig!

Guten Appetit und viel Spaß beim Ausprobieren.

Vorschau: Nächste Woche findet ihr an dieser Stelle ein tolles Rezept für einen Zupfkuchen.

Reise in die Modebranche: Fashion Stylistin Sabrina Heim im Interview

Sabrina Heim hat den Traum vieler junger Frauen verwirklicht und sich für eine Karriere in der Modeindustrie entschieden.  Face2Face hatte die Gelegenheit, mit ihr über das Studium in Italien und ihre beruflichen Anfänge zu sprechen. Heim gewährte uns dabei spannende Einblicke hinter die Kulissen der Modeindustrie.

Fashion Stylistin Sabrina Heim (Foto: Heim)

Fashion Stylistin Sabrina Heim (Foto: Heim)

Face2Face: Sabrina, du hast am Istituto Europeo di Design in Mailand „Fashion Stylist“ studiert. Was genau kann man sich unter diesem Studiengang vorstellen?

Heim: Das Studium ist eigentlich ein Gesamtwerk aus vielen einzelnen Puzzleteilen. Wir haben beispielsweise Kurse in Filmtechnik, Bildbearbeitung und der Erstellung von Internetseiten besucht. Darüber hinaus haben wir aber natürlich auch Styling- und Fotounterricht erhalten und selbst Shootingprojekte entwickelt und bearbeitet. Zu Anfang des Studiums stand allerdings der Theorieunterricht im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Mode- und Kunstgeschichte.

Face2Face: Modegeschichte – das hört sich recht theoretisch an…

Heim: Das war es auch tatsächlich! Anfangs fand ich es wirklich trocken und langweilig. Aber wie ich schon gesagt habe, ist das Studium die Summe vieler verschiedener Einzelteile und im Nachhinein stellte sich gerade diese theoretische Grundlage als ungemein hilfreich heraus. Davon profitiere ich noch heute! Wenn es zum Beispiel darum geht, Trends zu analysieren, kann ich durch den theoretischen Hintergrund erkennen, auf welche Epoche ein Designer zurückgreift.

Face2Face: Du hast vor deinem Studium keine Schneiderlehre oder Ähnliches gemacht, wie es bei Designstudenten häufiger vorkommt. War das unter deinen Kommilitonen auch üblich und hat dich das anfangs eingeschüchtert?

Heim: Eine Voraussetzung war das an unserem Institut nicht, dennoch gab es schon einige Kommilitonen, die ausgeprägte Vorkenntnisse hatten. Ich hatte bis dato aber auch schon ein Praktikum absolviert und in Miami ein Praktikum in einer Modelagentur abgeschlossen. Natürlich ist man anfangs manchmal überfragt, weil man nicht jeden Designer kennt, der im Unterricht zur Sprache kommt.

Face2Face: Unter denen, die in der Modeindustrie arbeiten wollen, ist doch bestimmt auch die Markenverrücktheit ein Thema. Wie stehst du dazu?

Heim: Das kommt tatsächlich vor! Es gibt Leute, die nur in der Mode arbeiten wollen, um Markenkleidung zu tragen und sich zu profilieren. Ich kann dazu nur sagen, dass das für den Erfolg in der Branche nicht ausreicht und auch schnell durchschaut wird. Für mich geht es bei Mode vielmehr um Kunst und um den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit.

Face2Face: Inwiefern würdest du sagen, dass der Standort Mailand die Qualität der Lehre beeinflusst hat?

Heim: Mailand ist natürlich eine der großen Modemetropolen der Welt. Allein schon durch die räumliche Nähe entsteht ein großer Bezug zu den großen Modehäusern wie Prada, Armani und Co. Dies hatte zur Folge, dass viele unserer Dozenten aus der Praxis kamen und wir natürlich auch Vorteile bei der Praktika- oder Jobsuche hatten.

Face2Face: Du hast ja direkt nach dem Studium zu den Glücklichen gehört, die sofort eine Arbeitsstelle gefunden haben. Wie glamourös darf man sich den Job denn vorstellen?

Heim: Ich habe in einem Korrespondenzbüro für die deutschen Zeitschriften in Mailand gearbeitet. Ein solches Korrespondenzbüro ist der Mittelsmann zwischen den Zeitschriften und den Designern. Falls also eine deutsche Modezeitschrift ein Shooting plant, werden wir kontaktiert, um die Kleider bei den italienischen Designern zu organisieren und an die Zeitschrift zu versenden. Zum Thema Glamour kann ich hier nur sagen, dass ich anfangs viele, viele Stunden auf meinen Knien verbracht und schwere Boxen aus-, um- und wieder verpackt habe. Das war ein echter Knochenjob! Als ich dann Modeassistentin wurde, bekam ich einen eigenen Schreibtisch und auch die Verantwortung für drei Zeitschriften: die deutsche Madame, Grazia und Gala.

Face2Face: Und wie sieht es mit der “Arbeitskleidung” aus? Waren im Büro alle top modisch und ausgefallen gekleidet?

Heim: Genau so habe ich mir das vor meinem ersten Tag im Büro auch vorgestellt und habe mich dementsprechend aufgebrezelt. Allerdings wurde ich schnell eines besseren belehrt: Das Team war völlig leger angezogen. Vielleicht ist das sogar typisch für Leute, die den ganzen Tag von Mode umgeben sind.

Ein Model gestylt von Sabrina Heim (Foto: Heim)

Ein Model gestylt von Sabrina Heim (Foto: Heim)

Face2Face: Vor Kurzem hast du, nach zwei Jahren im Korrespondenzbüro in Mailand, zur ELLE in München gewechselt. Wie ist dein Eindruck bisher und was genau machst du dort?

Heim: Bisher bin ich begeistert. Meine Teamkollegen sind offen und sehr freundlich. Im Moment herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm, da gerade die Fashionweeks stattfinden und danach für uns der Trubel beginnt. Nach den Schauen werden bei uns viele verschiedene Meetings stattfinden, in denen festgelegt wird, welche der gezeigten Trends in der Zeitschrift erscheinen werden und wo die Shootings stattfinden sollen. Im Anschluss daran werden wir die Kleidungsstücke der jeweiligen Designer in den Korrespondenzbüros anfordern und dann zum Shooting aufbrechen. In der Zeit assistiere ich einer Moderedakteurin, mit der ich auch zum Shooting fliegen werde. Vor Ort unterstütze ich die Redakteurin in organisatorischen Belangen und beim Anziehen der Models. Aber auch das Bügeln der Designerstücke oder Bedienen der Windmaschine kann zu meinen Aufgaben gehören.

Face2Face: Liest du in deiner Freizeit überhaupt noch Modezeitschriften?

Heim: Oh ja, natürlich. Während des Studiums war das Lesen von Modezeitschriften sogar ein Muss. Allerdings nicht nur die Mainstream-Modezeitschriften sondern auch Nischenmagazine. Die kosten dann schon mal um die 20€, erscheinen dafür aber auch nur halbjährlich, sind etwas verrückter und dienen mehr der Inspiration.

Face2Face: Zum Schluss noch eine Frage zum Träumen: Welchen Star würdest du gerne mal stylen und warum?

Heim: Da fällt mir direkt Kate Hudson ein. Sie gefällt mir in ihren Filmen immer sehr gut, ist unheimlich wandelbar und sie hat diesen gewissen Hippie-Style, der mir auch persönlich sehr gut gefällt. Ich glaube, wir würden auf einer Wellenlänge liegen. Ich stehe gerade erst am Anfang meiner Karriere und ich träume definitiv davon, irgendwann auch einmal das Styling in Filmen zu übernehmen. Vielleicht sprechen wir uns ja dann wieder. Da gibt es bestimmt wieder einiges zu erzählen.