(Vegane) Ernährung in der Schwangerschaft — was meinen die Experten?

Ich ernähre mich selbst seit ca. zwei Jahren vegan. Vorher habe ich ungefährer vier Jahre vegetarisch gelebt. Häufig wird mir die Frage gestellt, wie ich denn später meine Kinder ernähren möchte. Obwohl der Kinderwunsch bei meinen zarten einundzwanzig Jahren noch wenig präsent ist, hat mich diese Frage zum Nachdenken angeregt. Eng damit zusammen hängt natürlich auch die Frage, wie eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft aussieht.

Die unterschiedlichsten Ernährungs-Mythen

Passend zu unserem Monatsthema „Ernährung in der Schwangerschaft“ habe ich zwei Ärzte interviewt und wollte von ihnen wissen, wie sie zu einer veganen Lebensweise bei werdenden Mütter stehen.
Bei der „richtigen“ Ernährungsweise gehen die Meinungen ja stark auseinander. Manche Ärzte oder Ernährungsexperten befürworten eine omnivore (omnis „alles“), andere eine vegetarische und wieder andere eine vegane Ernährung. Andere Experten schwören auf Rohkost oder Low Carb.

Der vegane Lebensstil


Menschen, die sich vegan ernähren, meiden alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Dazu gehören Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Honig. Diese Lebensweise hat häufig ethische Gründe, kann aber auch durch den Umweltfaktor oder die eigene Gesundheit geprägt sein. Zwei Experten legen im Folgenden ihr Ideal einer ausgewogenen Ernährungsweise dar und verdeutlichen dies vor allem im Hinblick auf eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft.

Die traditionelle chinesische Medizin und die 5-Elemente-Ernährung


Dr. Henryk Kuhlemanns Fachgebiet ist die traditionelle chinesische Medizin, kurz TCM. Er bildet seit zwanzig Jahren Ärzte aus und ist nebenbei auch in der Hebammenausbildung für Akupunktur / TCM tätig. In seiner Arbeit nimmt die Ernährungsberatung einen hohen Stellenwert ein.


Ein Schwerpunkt der TCM ist die 5-Elemente-Ernährung. Dabei wird die Lebensenergie, also das Qi, durch die Nahrung gewonnen. Die chinesische Medizin bezeichnet das Verdauungssystem als Milz, wobei auch der Magen und die Bauchspeicheldrüse dazugehören. Aufgabe der Milz ist es, die Energie aus der Nahrung aufzunehmen und umzuwandeln.

Das Yin und Yang der Lebensmittel

Eines der wesentlichen Konzepte neben dem Qi ist das von Yin und Yang, welches in der TCM eine entscheidende Rolle spielt. Yin steht hierbei für Kälte, Nacht und Ruhe, wohingegen Yang Hitze, Sonne, Aktivität und Bewegung beinhaltet. Die Lebensmittel werden in energetisch wärmende und energetisch kühlende Nahrungsmittel eingeteilt und sollten an die Jahreszeit, aber vor allem auch an die eigenen Konstitution angepasst werden. 

Hinzu kommen die fünf Geschmäcker süß, scharf, salzig, sauer und bitter, in die die Lebensmittel eingeteilt werden. Unter süße Nahrungsmittel fallen beispielsweise Reis Kartoffeln, Rind und Ananas. Als bittere Lebensmittel werden unter anderem Spargel, Basilikum, Kaffee und Kakao verstanden. Diese fünf Geschmäcker werden zudem mit ihrer unterstützenden Wirkung jeweils einem Organsystem innerhalb der 5 Elemente zugeteilt. So beeinflusst der saure Geschmack die Leber und Gallenblase, die Schärfe die Lunge und den Dickdarm und stärkt zudem das Immunsystem.


Die TCM bevorzugt keine explizite Ernährungsweise, wie eine vegetarische oder vegane Ernährung. Wichtig ist, dass Menschen, die häufig frieren, energetisch warme Speisen zu sich nehmen. Dazu gehören zum Beispiel Ingwer, Fenchel, aber auch Hühnerfleisch. Und umgekehrt sollten Menschen, denen ständig warm ist, eher zu kühlenden Lebensmitteln greifen, angepasst an die aktuelle Jahreszeit. Kalte Nahrungsmittel sind beispielsweise Rohkost, Milchprodukte sowie Schweinefleisch.

Ernährung — eine individuelle Betrachtungsweise

Laut Kuhlemann kann eine effektive Ernährungsweise nicht allgemein betrachtet werden, „wie es die westliche Medizin häufig tut und alle Menschen über einen Kamm schert“. Hier leben viele Menschen, nach Auffassung des Arztes, zu sehr die Yang-Seite aus, wobei Yin häufig viel zu kurz kommt. Bei jedem Menschen müssen die Umstände individuell betrachtet und die Bedürfnisse dementsprechend angepasst werden.

Allgemein rät der Arzt schwangeren Frauen von Gluten, zu viel Zucker und Lactose ab und empfiehlt hingegen Getreide wie Hirse, Quinoa oder Amaranth. Zudem sollten Gemüse in gekochter Form, Trockenfrüchte und Nüsse auf dem Speiseplan stehen. Dazu nur eine geringe Menge an Fleisch und Fisch, wenn es sich um keine vegetarische oder vegane Ernährung handelt. Rohkost sieht der Experte eher als schwierig an.

Eine vegane Ernährung, sei es allgemein oder eben während der Schwangerschaft, befürwortet Kuhlemann generell nicht, da diese „zu einseitig und vor allem zu Yin-lastig“ sei. Der Arzt betont die Abhängigkeit vom Konstitutionstyp. Denn ein hitzeanfälliger Mensch habe nicht die gleichen Bedürfnisse wie ein lethargischer, schnell frierender Typ. Zudem ist die Stärkung der Milz, also des Verdauungssystems, und damit verbunden eine positive Umwandlung der aufgenommenen Energie, für ihn grundlegend für eine gesunde Lebensweise.

(Vegane) Ernährung in der Schwangerschaft — was meinen die Experten?
Was meinen die Experten zu einer veganen Ernährung in der Schwangerschaft? (Bild:Bokskapet, pixabay.com)

Vegane Ernährung unter ärztlicher Begleitung

Dr. med. Brigitte Karner vom Zentrum für ganzheitliche Medizin Freiburg ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilärztin und Ernährungsmedizinerin.
Ihre Doktorarbeit hat sie über vegetarische Ernährungsformen im Vergleich geschrieben und dabei insbesondere die Frage nach Eiweiß, Vitamin B12 und Eisenmangel bei veganer Ernährung untersucht. Zudem begleitet die Ernährungsmedizinerin viele Vegetarier und hat gemeinsam mit drei anderen Autorinnen ein Buch geschrieben, in dem ein ganzes Kapitel der Ernährung in der Schwangerschaft gewidmet ist („Der Keto Kompass“).


Eine vegane Ernährung während der Schwangerschaft hält die Expertin für problematisch. Wichtig sei, dass regelmäßige Laborkontrollen erfolgen und die Schwangerschaft durch einen in der Ernährungsmedizin erfahrenen Arzt begleitet wird. Ihrer Ansicht nach können erhebliche Mangelerscheinungen bei dieser Art der Ernährung auftreten. Insbesondere durch einen Mangel an Eiweiß, Eisen und Vitamin B12. Dies sei heutzutage vielen Veganern bekannt, doch was nur wenige wüssten, sei die meist unzureichende Zufuhr an Jod, Zink, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Selen und Kalzium. Danach sollte gezielt geschaut werden. Zudem ernähren sich Veganer laut der Ärztin oft zu kohlenhydratreich und nehmen hingegen zu wenig hochwertige Fettsäuren zu sich. Insbesondere in der Schwangerschaft würden dadurch die für die gesunde Gehirnentwicklung des Fötus notwendige Ketonkörper fehlen und es könne durch die zu hohe Kohlenhydratzufuhr leicht zu Blutzuckerschwankungen kommen. Zudem sollten die werdenden Mütter auf „Analog-Lebensmittel“, also auf Ersatzprodukte für Fleisch, Wurst und Milchprodukte, verzichten, „da diese häufig sehr große Mengen an Geschmacksverstärkern, Emulgatoren, Konservierungsstoffen, Aromen und Farbstoffen enthalten“, so Karner. Stattdessen sollten Veganer alternative Käsesorten wählen, die durch Fermentation und Reifung produziert werden, zum Beispiel aus Cashews ohne Hilfs- und Geschmacksstoffe. Die Expertin erklärt, dass unsere genetische Ausstattung nicht an die Chemie in Nahrungsmitteln gewohnt sei und es deshalb zu Störungen der Immunregulation und des Mikrobioms des Darms kommen könnte. 

Power-Pflanzen: Algen und Avocados


Karner empfiehlt schwangeren Frauen, die sich vegan ernähren, die Menge an grünem Gemüse zu erhöhen. Um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren auszugleichen, reiche die Quelle aus Leinöl definitiv nicht aus, daher seien Supplemente mit Braunalgen, welche ein enormes Potenzial haben und viele bedeutende Mikronährstoffe beinhalten, geeignet. „Diese gibt es speziell für Veganer“. Die Ärztin legt besonderen Wert auf die ausreichende Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft, da diese wie schon beschrieben maßgeblich an der Gehirnreife des ungeborenen Kindes beteiligt seien. Der höhere Bedarf an Magnesium und anderen Mineralien in der Schwangerschaft könne hervorragend durch Samen und Saaten ausgeglichen werden. Insbesondere durch Kürbiskerne, welche einen hohen Eisengehalt aufweisen, und Sesam, das sehr kalzium- und magnesiumhaltig sei. „Gute Quellen für sekundäre Pflanzenstoffe sind Beeren, Kurkuma und Wildkräuter“, erklärt Karner. Eiweißkombinationen könnten aus Hülsenfrüchten und Getreide wie Quinoa und Amaranth gewonnen werden. Aber auch Soja, Hanf und Lupinenprotein sollten den Speiseplan ergänzen. Laut der Expertin gelten Avocados in der Schwangerschaft als Allrounder, nach dem Motto „One avocado a day keeps the doctor away.“

Nach Aussagen von Karner ist eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft prinzipiell möglich, jedoch betont die Ärztin, dass dies nach ihrer Empfehlung nur mit ärztlicher Begleitung durchgeführt werden sollte.

Kommentar der Autorin

Die Ansprechpartner für diesen Artikel habe ich durch Recherche im Internet gefunden. Wie bei all unseren Artikeln legen die darin befragten Personen ihre subjektive Meinung dar, die nicht zwingend von der Redaktion geteilt wird. Wir möchten, dass ihr euch selbst eine Meinung bildet. Im speziellen Fall empfehle ich daher weitere Meinungen von Experten einzuholen.  Was für euch und euer ungeborenes Kind die richtige Ernährung ist, entscheidet nur ihr. 

Fasziniert vom Bösen – Krimiautor Eric Berg im Interview

Böse? Krimiautor Eric Berg wirkt eigentlich ganz harmlos, muss für das Schreiben seiner Werke aber ein bisschen schizophren sein, wie er selbst sagt (© Derek Henthorn)

Böse? Krimiautor Eric Berg wirkt eigentlich ganz harmlos, muss für das Schreiben seiner Werke aber ein bisschen schizophren sein, wie er selbst sagt (© Derek Henthorn)

Vor Ekel klappt er das Buch zu. Ein Mordopfer – aufs Grausamste verstümmelt – ist zu viel für ihn. Und das obwohl Eric Walz alias Eric Berg (52) selbst Krimis schreibt. Und nicht nur irgendwelche. Seine Werke, wie zum Beispiel „Das Küstengrab“ oder „Die Schattenbucht“, sind Bestseller. Sein erster Krimi „Das Nebelhaus“ wurde sogar verfilmt. Wieso er als Autor durchaus ein bisschen schizophren sein muss, verrät er uns im Interview.

Face2Face: Wie kamen Sie zum Krimi-Genre? Davor lag Ihr Fokus ja eher auf historischen Romanen…
Berg: Ich habe immer schon gerne Krimis gelesen. Zusammen mit Liebesromanen und dem griechischen Drama ist der Krimi das älteste Genre der Literatur. Es scheint also, dass die Menschen irgendwie fasziniert davon sind, und ich bin einer von ihnen.

Face2Face: Ihr bürgerlicher Name ist Eric Walz – Ihre Krimis veröffentlichen Sie aber unter dem Pseudonym Eric Berg. Wieso?
Berg: Um sie von den historischen Romanen abzugrenzen, die ich früher geschrieben habe. Meine Krimis sind etwas ganz anderes, eine Art Neubeginn. So etwas schreit förmlich nach einem neuen Namen.

Face2Face: Wie beginnen Sie mit einem neuen Krimi? Ist die Idee plötzlich da oder setzen Sie sich hin und schreiben los, bis etwas Geeignetes dabei ist?
Berg: Ich habe die Idee zu einem neuen Krimi oft Jahre, bevor ich mich an die Arbeit daran mache. Ein kleiner Zeitungsartikel, eine aufgeschnappte Unterhaltung, die beiläufige Bemerkung eines Freundes – das alles und noch viel mehr kann die Grundlage für eine neue Romanidee sein. Mit der gehe ich dann „schwanger“, sie entwickelt sich, wird größer. Allerdings sind es oft mehrere Ideen, die in meinem Kopf spuken, und nicht alle kann und will ich letztendlich verwerten.

Face2Face: Ihre Krimis landen häufig auf den Bestsellerlisten – wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Berg: Meine Krimis spielen immer auf zwei Zeitebenen, die sich mehrmals abwechseln. Auf der gegenwärtigen wird jemand, der nicht von der Polizei ist, mit einem zurückliegenden Verbrechen konfrontiert und beginnt zu ermitteln. Und auf der vergangenen Zeitebene erzähle ich, was damals geschehen ist und wie es zum Verbrechen kommt. Das ist so, als würde man zwei Züge auf demselben Gleis aufeinander zu rasen lassen. Auch was meine Täter angeht, habe ich meinen persönlichen Stil gefunden. Sie sind wie Du und Ich, Menschen, die oft schuldlos in eine Situation geraten, in der sie zu Mördern werden. Man kann sich zum Teil mit ihnen identifizieren. Offensichtlich scheint irgendetwas daran den Lesern zu gefallen.

Face2Face: Wie kommen Sie auf die Ideen für Figuren, Morde und so weiter?
Berg: Je länger man sich kreativ beschäftigt, desto leichter fällt es einem, kreativ zu sein. Ein erfahrener Pianist macht sich auch nicht über jeden Tastendruck Gedanken, er verlässt sich auf seine Erfahrung, und diese entsteht nur durch Übung. Im Laufe meines bisherigen Lebens habe ich mir schon abertausende von Geschichten ausgedacht, schon als Kind. Das hilft mir heute ungemein.

Face2Face: Woher schöpfen Sie vor allem besonders düstere Morde? Muss man „böse“ sein, um sich so etwas ausdenken zu können?
Berg: Ich stelle mir dieselbe Frage immer, wenn ich einen besonders brutalen Krimi lese, in dem die Mörder ihre Opfer auf das Grausamste verstümmeln. So etwas könnte ich nie schreiben. Ich kann es noch nicht einmal lesen, denn bei solchen Stellen hisse ich ganz schnell die weiße Fahne. Es ekelt mich an, und deswegen wäre es mir unmöglich, mir so etwas auszudenken. Als Autor muss man meiner Meinung nach fasziniert von einer Figur sein, um sie glaubhaft zum Leben zu erwecken. Faszination ist ein Gefühl, das nichts mit Gut und Böse zu tun hat. Ich kann von einem grandiosen Fälscher fasziniert sein, zugleich jedoch seine Tat ablehnen. Das ist natürlich ein bisschen schizophren, aber als Autor muss man das in literarischer Hinsicht oft sein.

Face2Face: Einer Ihrer Krimis wurde verfilmt: Wie gefällt Ihnen der Film „Das Nebelhaus“? Macht es Ihnen Angst, dass all das aus Ihrer Feder stammt?
Berg: Von Angst keine Spur. Noch als die Verhandlungen liefen, habe ich gesagt, dass ich einen Film, auch wenn er auf meiner Geschichte basiert, als eigenständige Schöpfung ansehe. Mir war und ist völlig klar, dass ein Film nach anderen Regeln funktioniert als ein Buch. Ich habe mir den Film also vorbehaltlos angesehen, und ich muss sagen, dass er mir recht gut gefallen hat und ich von einigen Schauspieler und Schauspielerinnen sehr angetan war.

Face2Face: Wie, wann und wo schreiben Sie am liebsten?
Berg: Am Laptop, morgens, an meinem Schreibtisch vor dem Fenster mit Blick in die Weite.

Face2Face: Sind Figuren in Ihren Krimis an reale Personen angelegt? Haben Sie keine Sorge, dass sich diese Personen wiedererkennen?
Berg: Wenn ich einmal ein reales Vorbild für eine Figur habe, ist es so verfremdet, dass die Betreffenden es nicht merken, auch nicht merken können, weil es gar nicht mehr sie sind. Aber sehr oft kommt das bei mir sowieso nicht vor. Viel lieber entwickle ich eigene Figuren, oft über Monate und Jahre, und irgendwann verwende ich sie.

Face2Face: Können Sie schon verraten, worum es in Ihrem nächsten Krimi geht oder auch nur welche Figuren bereits stehen?
Berg: Ich bin schon mittendrin, also alle Figuren agieren bereits. Das Thema Selbstjustiz wird eine Rolle spielen. Ich halte uns allen den Spiegel vor und frage: Wie würdest du in einer solchen Situation handeln? Ich selbst habe noch keine Antwort darauf gefunden.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Schon als kleines Kind wurde Tim Anders, während er beim Schaukeln vor sich hin sang, von einem Nachbarn auf seine schöne Stimme angesprochen. Damals hätte vermutlich noch niemand gedacht, dass der inzwischen 24-Jährige tatsächlich einmal Sänger werden würde. Bereits in seiner Schulzeit wirkte Tim im Schulmusical mit und war in der Schulband aktiv. Im Alter von 15 Jahren lernte er, Gitarre zu spielen und gründete gemeinsam mit Freunden seine erste Band. Beruflich schlug Tim jedoch erst einmal eine andere Richtung ein und absolvierte eine Ausbildung zum Koch. Die Liebe zur Musik setzte sich allerdings durch und so zog Tim nach Berlin, um Straßenmusik zu machen. Wir haben mit ihm über sein Leben als Straßenmusiker und seine dadurch entstandene Musikkarriere gesprochen.

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Tim: Musik verändert sich stetig und so ist es auch bei mir. Ich warte immer noch auf eine passende und gute Beschreibung, aber ich schätze, die neuen Lieder bewegen sich zwischen Liedermacher, Blues und Jazz.

Face2Face: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Tim: Alles kann mir Inspiration schenken: Gespräche, Begegnungen, Momente, Orte. Kurz gesagt: Das Leben ist die Inspiration! Die Kreativität steckt in unserem Ursprung, der Natur, und die Inspiration ist der Impuls, den wir brauchen, um diese Kreativität fließen zu lassen.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Musik belebt die dunkle Gasse: Tim Anders beim Musizieren in einer Berliner Unterführung (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Tim: Ich wollte frei sein und Musik machen. Ich wollte ins Ungewisse springen, die harte Schule der Straße spüren und mich selbst dabei ausprobieren und kennenlernen. Mein Lehrer hatte mir irgendwann den Film „Once“ gezeigt und ich glaube, dabei bin ich ein wenig hängen geblieben. Ich wollte diese eine Erfahrung, Straßenmusiker zu werden, in vollen Zügen auskosten.

Face2Face: Wann war dein erster Auftritt als Straßenmusiker?

Tim: Mein allererster Straßenmusik-Auftritt war 2015 unter der Bahnunterführung in Tübingen. Es war Sommer und viele Leute waren unterwegs. Ich habe einen vermutlich obdachlosen Mann gefragt, ob ich mich ein paar Meter neben ihm platzieren dürfte, um ein bisschen Musik zu machen. Er gab mir das „OK“ und ich legte los. Knapp acht Euro waren am Ende im Koffer und somit das Zugfahrticket gesichert.

Face2Face: Hast du schon gemeinsam mit anderen Musikern auf der Straße gespielt?

Tim: Ja, mit Fabio Shanti. Er ist ein langjähriger Freund und Multiinstrumentalist. Wir schreiben zusammen Lieder, touren in der Regel gemeinsam und lernen voneinander auf musikalischer und menschlicher Ebene. Wir sind ein Team und werden hoffentlich noch viele weitere schöne Momente teilen können!

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Zu zweit spielt es sich leichter: Tim Anders und Fabio Shanti beim Straßenkonzert in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Was ist das Schönste für dich, wenn du Straßenmusik machst?

Tim: Was mich sehr berührt, ist, wenn wir es schaffen, eine Traube von Menschen zum Zuhören zu bewegen und ich mich in einer Blase befinde, aus der ich am liebsten nie wieder austreten möchte.

Face2Face: Hast du auch schon in anderen Ländern Straßenmusik gemacht?

Tim: Nicht nur die Straßenmusik, sondern auch Clubauftritte haben mich und meinen Mitmusiker Fabio Shanti durch Europa geführt! Neben Deutschland waren wir in Frankreich, Italien, Schweden und Russland unterwegs, haben Straßenmusik gemacht und zum Teil Gastauftritte und Interviews gegeben! Schweden war verdammt teuer, denn selbst mit einem dicken Beutel an erspieltem Geld konnte man sich gerade mal einen Döner leisten. In Italien kam sogar die Polizei vorbei und schmiss ein paar Münzen in den Hut. Auf unserer Tour in Südfrankreich fanden wir einen abgelegenen Platz an den Klippen einer großen Bucht, sodass wir die Zeit vor unserem Zelt für ein paar Tage vergaßen. In Marseille haben wir Francois getroffen. Der hat uns den besten Pizzaladen für mittellose Straßenmusiker gezeigt, seine Weinkrüge mit uns geteilt und sein „Zuhause“ zu „unserem Zuhause“ werden lassen! Außerdem haben wir seinen mexikanischen Freund Israel kennengelernt, der uns am Tag der Abfahrt zum Essen einlud und uns über sein wundervolles Land aufklärte. In Russland wurden wir auf der Straße von wildfremden Leuten zum Wodka-Frühstück eingeladen und durften die wärmste und ehrlichste Gastfreundschaft genießen! Wir haben aber auch weniger angenehme Momente gehabt und sind an unsere Grenzen gestoßen. Wir haben zum Beispiel gestritten und waren kurz vor dem Aus einer musikalischen Freundschaft. Das alles gehört dazu und wir sind dankbar für diese Intensität der Momente und Begegnungen.

Face2Face: Was waren die außergewöhnlichsten Orte, an denen du je als Straßenmusiker gespielt hast?

Tim: Wir haben vergangenen Sommer mal in einem öffentlichen Bus gespielt. Das war eine coole Nummer. Wir hatten unser Straßenequipment dabei und sind damit von Bus zu Bus gestiegen, um es auf- und abzubauen und für die Leute zu spielen. Es kam ziemlich gut an und mein Mikrofon ist ständig abgehauen, sobald sich der Bus in eine Kurve gelegt hat. Auch wenn es so schräg und unprofessionell war, war es genau richtig. In Italien habe ich mal ein spontanes Strandkonzert gegeben. Die Leute schienen mir nicht wirklich zuhören zu wollen und ich wurde immer deprimierter. Ich habe gedacht: „Naja, dann spiele ich solange für die drei Personen, die vor mir saßen, bis sie nicht mehr wollen.“ Dazu kam es nicht, da ich von einem grauhaarigen, alten Mann unterbrochen wurde. Der fragte mich, ob er mal spielen dürfte. Als er anfing zu spielen, saß innerhalb kürzester Zeit eine Schar von Leuten um ihn herum und sang lautstark mit. Der alte Herr sang seine eigenen Lieder, die ich sogar vom Hören kannte. Das hielt dann für zwei Stunden an, bis der gefühlte Höhepunkt des Abends erreicht war und eine Gitarrensaite riss! Eine meiner schönsten Erinnerungen ist auch die Begegnung mit Norbert auf dem Marktplatz im südfranzösischen Menton. Nach meinem Set stand er in Tränen aufgelöst da und hat sich bei mir bedankt. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben rausgefunden, dass wir in derselben Stadt wohnen! Fast drei Jahre ist es her und eine gute Freundschaft ist entstanden. Er kommt zu jedem unserer Konzerte in Berlin.

Face2Face: Du wurdest auf der Straße von einer Plattenfirma „entdeckt“, hast dadurch einen Plattenvertrag bekommen und 2016 dein Debütalbum „Thoughts, Words & Moments“ veröffentlicht. Wie haben sie dich angesprochen?

Tim: Ich stand in der Brandenburger Straße in Potsdam und habe Musik gemacht. Ein paar Wochen später erhielt ich eine Nachricht über Facebook, in der ich gefragt wurde, ob ich Interesse an einer musikalischen Zusammenarbeit mit einem jungen Label in der Gründungphase hätte. Ich bin den Deal eingegangen und Fabio kam mit ins Boot. Es war für alle Beteiligten ein schöner Anfang, ins Musikgeschäft einzusteigen und sich auszuprobieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Face2Face: Was hat sich dadurch für dich als Straßenmusiker geändert?

Tim: Für mich hat sich als Straßenmusiker nichts verändert, außer dass ich nicht mehr versuche, mit meiner Musik auf der Straße Geld zu verdienen. Ich möchte Kunst machen und für mich ist wichtig, dass Kunst wahrgenommen wird. Egal, ob es eine Person ist, die sich mit der Kunst identifizieren kann oder ob es 100.000 Personen sind. Wenn die Kunst nur eine Person erreicht, bei der sie eine Wirkung hat und etwas hinterlässt, dann ist es genau so, wie es sein soll.

Face2Face: Ist man mit einem Plattenvertrag in der Tasche ein sorgenloserer Straßenmusiker?

Tim: Ich denke, es spielt keine Rolle. Sorgen hat man mal mehr und mal weniger.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Nie ohne Gitarren: Tim Anders und Fabio Shanti machen gemeinsam Straßenmusik in der Nähe der East Side Gallery in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie oft bist du als Straßenmusiker unterwegs?

Tim: In den ersten beiden Jahren habe ich von der Straßenmusik gelebt und war knapp fünf Tage die Woche auf der Straße. Ich habe in der Sonne, im Regen und sogar bei Minusgraden gespielt. Mittlerweile spielen wir mehr Konzerte und fahren gezielte Straßenmusiktouren, wie zum Beispiel eine Nord- und Ostsee-Straßenmusiktour im August 2018.

Face2Face: Wie du gerade schon erzählt hast, spielst du mittlerweile nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in Clubs und anderen Konzertlocations. War das eine bewusste Entscheidung von dir?

Tim: Die Straße war und ist für mich eine gute Schule und das, was ich da gelernt habe, nehme ich mit auf die Bühne. Konzerte zu spielen ist eine andere Herausforderung neben der Straßenmusik und gehört dazu. Mit meinem ersten Auto kam die erste Konzerttour und es wurde automatisch mehr.

Face2Face: Was macht dir mehr Spaß: Auf der Straße oder in Konzertlocations spielen?

Tim: Ich habe mehr Spaß an Konzerten, da du einen Raum hast, wohin die Leute kommen, um dir zuzuhören. Du musst nicht erst mal hart dafür arbeiten, dass dir Leute überhaupt ein offenes Ohr schenken. Trotzdem sind Konzerte jeglicher Art für mich eine kleine Überwindung, aber wenn ich das geschafft habe, genieße ich es sehr.

Face2Face: Du warst auch schon als Supportact von Mellow Mark mit ihm auf Tour. Wie kam es dazu?

Tim: Mellow Mark habe ich irgendwann nach unserer ersten Begegnung auf einem Videodreh wiedergetroffen und bin anschließend als Roadie mitgefahren. Irgendwann konnte ich nicht mehr einfach so danebenstehen und ihm auf der Bühne lauschen. Bei einem kleinen Konzert stellte er mich spontan auf die Bühne – in der Hoffnung, dass ich ihn nicht enttäuschen würde. Danach ging alles seinen Weg und ich durfte viele schöne Erfahrungen als Vorband von Mellow Mark und Jamaram sammeln. Außerdem haben wir auf seiner 2017 erschienenen Platte „Nomade“ den gemeinsamen Song „Easy“ veröffentlicht und sind auf irgendeine Art seelenverwandt.

Face2Face: Übst du nebenher noch einen anderen Beruf aus oder kannst du allein von der Musik leben?

Tim: Ich habe drei Jahre versucht, von meiner Musik zu leben und das war eine schöne Erfahrung mit vielen Höhen und Tiefen. Seit ein paar Monaten versuche ich allerdings, das Geldverdienen und die Kunst – so gut es geht – zu trennen, denn ich habe noch einen Job neben der Musik.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Tim: Momentan planen wir eine Konzert- und Clubtour im Dezember. Bis dahin haben wir noch ein paar vereinzelte Konzerte und im August steht die schon erwähnte Straßenmusiktour entlang der Ost- und Nordseeküste an. Außerdem arbeiten wir hart an einer weiteren Platte.

Mehr Infos zu Tim Anders gibt es auf seiner Homepage oder seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf Youtube.

Smarte Frauen sparen

Mit dem Sparen sollte jeder so früh wie möglich anfangen, findet Margarethe Honisch, Gründerin des Blogs Fortunalista. Das gilt ihrer Meinung nach gerade für Frauen, weil sich mit dem Thema oft eher weniger auseinandersetzen. Wir haben mit ihr über Sparen, den richtigen Zeitpunkt für den Beginn und Bitcoins geredet.

Smarte Frauen sparen

Margarethe Honisch kennt sich mit dem Thema Finanzen aus (Foto: Honisch)

Face2Face: Margarethe, an wen richtet sich Dein Blog Fortunalista?

Margarethe: Mein Blog richtet sich an Frauen, die eigentlich keine Lust haben, sich mit dem Thema Finanzen zu auseinanderzusetzen und bisher eher einen Bogen darum gemacht haben. So war ich nämlich früher auch und habe mein ganzes Geld immer gleich ausgegeben anstatt zu sparen. Deswegen möchte ich Tipps geben, wie man sich dem Thema annähert und anfangen kann, seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.

Face2Face: Wie bist Du zu dem Thema gekommen?

Margarethe: Ich habe irgendwann meine Finanzen durchgerechnet und bin aus allen Wolken gefallen, wie viel Geld ich im Monat ausgebe, ohne genau sagen zu können, wofür. Da habe ich angefangen, mich zu informieren, habe Bücher gelesen, Geld gespart und angelegt. Danach habe ich dann den Blog gegründet, um meine Erfahrungen weiter zu geben.

Face2Face: Warum denkst Du ist es gerade für Frauen wichtig, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen?

Margarethe: Ich habe in meinem Freundeskreis gesehen, dass es tendenziell eher die Männer sind, die sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen und ihr Geld anlegen. Ich habe neulich erst wieder mit Freundinnen über das Thema Bitcoins geredet und die meinten nur so „Ach, darüber wissen wir doch nichts und wir geben unser Geld eher viel lieber aus“. Das fand ich gar nicht lustig. Denn wenn man das ganze Geld ausgibt, hat man eine Versorgungslücke im Alter. Ich glaube, es ist vielen gar nicht bewusst, dass man sich hier nicht nur auf den Staat verlassen kann, sondern auch selbst aktiv werden muss. Zudem ist es oft so, dass Frauen, die Kinder bekommen, beruflich kürzer treten und dann auch weniger Rente bekommen. Ich finde, sie sollten sich dann finanziell nicht auf ihre Partner verlassen müssen, sondern auf eigenen Beinen stehen.

Face2Face: Das Thema Bitcoins ist derzeit in aller Munde. Was reizt dich daran und was würdest Du unseren Lesern diesbezüglich empfehlen?

Smarte Frauen sparen

So früh wie möglich anfangen: Das rät Margarethe Honisch zum Thema Finanzen (Foto: )

Margarethe: Bitcoins sind gerade ein Riesenhype geworden. Ich selbst beschäftige mich seit dem vergangenen Sommer damit. Was mich an diesem Thema reizt, ist die Idee, ohne Institutionen Geld zu transferieren und so eine größere Unabhängigkeit von diesen zu haben. Denn man verfügt nicht wirklich über sein Geld, wenn es in der Bank liegt, wie die Finanzkrise gezeigt hat. Meiner Meinung nach ist es bei diesem Thema sehr wichtig sich einzulesen, denn es gibt viele verschiedene Coins mit unterschiedlichen Zukunftsaussichten. Man muss die Idee hinter dem Coin verstehen und dann überlegen, ob man diese gut findet und sein Geld investieren will. Zudem sollte man immer nur so viel investieren, wie man auch schmerzlos verlieren kann – auf keinen Fall sein ganzes Vermögen.

Face2Face: Was würdest Du sagen, wann ist der beste Zeitpunkt, um sich mit den Themen Finanzen und Sparen auseinanderzusetzen?

Margarethe: So früh wie möglich! Ich habe erst mit 30 angefangen, mich damit zu beschäftigen und wenn ich es nochmal machen könnte, würde ich schon mit meinem ersten Gehalt anfangen, ein Tagesgeldkonto anlegen und monatlich 50 Euro sparen. Zudem empfehle ich ein Aktiendepot mit ETF Sparplan. Ich vergleiche das immer mit einer Haribotüte: Jede Tüte (ETF-Sparplan) hat einen bestimmten Anteil an Gummibärchen (Aktien) und einen Preis (Kurs). Manchmal fällt die eine Aktie und die andere steigt. Durch diese Streuung ist das Risiko eines Verlustes relativ gering. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich nicht so viel darum kümmern muss, weshalb es besonders für Einsteiger geeignet ist. Ansonsten gilt: Einfach machen!

„Selbstbewusst den eigenen Weg gehen“ – Interview mit Angela Kesselring, Gründerin von PLAN W

Frauen verändern die Wirtschaft! Das ist das Credo von PLAN W, dem Wirtschaftsmagazin für Frauen, dass Viermal jährlich mit der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung erscheint. Wie der Name bereits verrät, richtet sich die Zeitschrift an Frauen, die selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen. Gestern erschien die neuste Ausgabe von Plan W, zum Thema Mobilität. Anlass für uns mit Angela Kesselring, Gründerin von PLAN W, rund um die Themen Karrierefrauen, Wirtschaft und PLAN W zu sprechen.

Face2Face: Frau Kesselring, wie kamen Sie auf die Idee ein Magazin zum Thema Frauen in der Wirtschaft zu gründen?

Kesselring: Mir ist aufgefallen, dass es kein Magazin auf dem deutschen Markt

"Selbstbewusst den eigenen Weg gehen"  - Interview mit Angela Kesselring, Gründerin von PLAN W

Unsere Interviewpartnerin: Angela Kesselring, Gründerin von PLAN W (Foto: Kesselring)

gab, dass aus der Perspektive von Frauen über Wirtschaftsthemen berichtet. Dabei ist Wirtschaft doch ein wichtiges Thema, um wirklich was zu verändern. Schließlich geht es im Endeffekt oft ums Geld und die Wirtschaft ist dabei ein wichtiger Hebel. Zudem ist die Zielgruppe für ein Frauen-Wirtschaftsmagazin definitiv gegeben: Die Abonnentinnen der SZ interessieren sich fast vier Mal mehr für Wirtschaftsthemen als der Durchschnittsleser. Ihre Perspektive wollten wir erfassen.

 Face2Face: PLAN W hatte gestern ein Jubiläum und ist zum zehnten Mal erschienen. Wie wurde das Magazin bisher angenommen, welches Feedback gibt es?

Kesselring: Das Feedback ist bisher sehr positiv: Viele Leserinnen finden das Konzept innovativ und erfrischend. Wir haben eine starke Leserbindung – in Familien etwa wird das Magazin oft weitergegeben, vom Vater (!) zur Tochter – und beide ziehen einen Erkenntnisgewinn aus der Lektüre. Das freut uns natürlich sehr. Wir haben schon oft gehört, dass die Artikel in unserem Magazin den Leserinnen Mut machen, dass es Geschichten sind, die man sonst so nicht liest.

Face2Face: Sie selbst sind eine Karrierefrau: Neben PLAN W sind Sie in der Geschäftsführung der SZ Scala, dem ThinkTank der Süddeutschen Zeitung, tätig. Wie ist Ihre Meinung zum Thema Karriere. Werden Frauen benachteiligt?

Kesselring: Ich bin der Meinung, dass es derzeit noch einen Mangel an Selbstverständlichkeit bei diesem Thema gibt. Doch dahin müssen wir kommen. Es muss ganz normal sein, dass Frauen beruflich genauso durchstarten wie Männer. Das müssen wir aktiv angehen und die Rahmenbedingungen selbst ändern.

Face2Face: Welche Herausforderungen gibt es derzeit und was sollte geändert werden?

Kesselring: Es herrschen noch zu viele tradierte Verhaltensweisen in den Köpfen der Menschen vor. Das betrifft Frauen und Männer zugleich. Diese Bilder müssen geändert werden. Dieses Ziel sollten wir jedoch nicht verbissen verfolgen, sondern mit Spaß bei der Sache bleiben. Wir müssen zeigen, was beim Thema Karriere für Frauen möglich ist und wie viel bereits funktioniert. Auch das sollte uns immer bewusst sein.

Face2Face: Welche Geschichte in PLAN W hat Sie besonders beeindruckt?

Kesselring: Mich beeindruckt vor allem die Fülle an Themen, die vielen Perspektiven und Sichtweisen. Ich könnte da jetzt gar keine einzelne Geschichte hervorheben. Aber die große Vielfalt hat mich wirklich positiv überrascht und auch in dem Wissen bestätigt, dass wir gar nicht so am Anfang stehen, wie wir immer denken.  Was mich wirklich beeindruckt, ist die Offenheit unserer oft machtvollen Gesprächspartnerinnen wie Ursula von der Leyen oder Christine Lagarde. Aber auch der Mut und die Begeisterung der neuen Generation von Gründerinnen, die einfach beschließen „ich tue jetzt, was in meiner Macht steht“ und damit die Wirtschaft verändern.

Face2Face: Was würden Sie unseren jungen Leserinnen empfehlen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen?

Kesselring: Ich empfehle Ihnen in dem Bereich, der sie interessiert, nach Vorbildern zu schauen. Und wenn sie welche gefunden haben, sollen sie versuchen Kontakt zu ihnen aufzubauen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. So lernen sie auch Sichtweisen oder Seiten kennen, die sie vorher nicht gesehen haben und zu zeigen, was man will und kann. Es ist ein Tauschgeschäft, dass beiden Gesprächsparteien Mehrwert bieten sollte. Dazu eignen sich zum Beispiel Events.

Lust zum Stöbern? Weitere Informationen zu PLAN W – Frauen verändern die Wirtschaft findet Ihr auf der Homepage des Magazins, auf LinkedIn, Twitter oder Facebook.

Typisch Sommertyp

Ein typischer Sommertyp: kühles blond, rosiger Teint - aber wie ist der Sommertyp vom Charakter her? (Foto: Typakademie)

Ein typischer Sommertyp: kühles blond, rosiger Teint – aber wie ist der Sommertyp vom Charakter her? (Foto: Typakademie)

Ein rosiger Teint, ein kühles Blond bis Aschbraun und schon haben wir ihn: den Sommertyp. Jetzt bekommt er noch die passende Farbpalette in die Hand gedrückt und schon kann er sich typgerecht kleiden und schminken.

Aber ist das wirklich alles, was hinter der Farbtypenlehre von Kunstpädagoge Johannes Itten aus den 1920er-Jahren steckt? Nein, weiß Farb- und Stilberaterin Birgit Diehsle. Wir haben mit ihr nicht nur über die Trendfarben für den Sommertyp 2017 gesprochen, sondern auch über den Zusammenhang zwischen Farbtypenlehre und Charakterzügen. Passen ein Herbst- und ein Sommertyp zusammen und kann ich mich ganz einfach zum Sommertyp machen?

Face2Face: Wie kann ich im Schnelltest herausfinden, ob ich ein Sommertyp bin?
Diehsle: Der Sommertyp gehört ebenso wie der Wintertyp zur kalten Farbfamilie. Dabei spielt die Haut eine wesentliche Rolle: ihr Unterton kann entweder warm oder kalt sein, abhängig vom gelblichen Pigment Melanin und dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der der Haut einen bläulich-rosigen Schimmer verleiht. Wenn man sich bei Tageslicht vor einen Spiegel stellt und sich abwechselnd ein orangenes und ein pinkes Tuch ans Gesicht hält – es kann auch ein Kleidungsstück oder einfach nur ein Stück Stoff sein – findet man schnell heraus, welcher Farbfamilie man angehört. Wegen dem rosigen Teint steht dem Sommer- und Wintertyp das Pink besser, das Orange schmeichelt dagegen dem warmen Typ, dessen Haut durch das Melanin eher einen Gelbstich hat. Sommer- und Wintertypen stehen ähnliche Farben. Wenn ich also durch diesen Test schon mal herausgefunden habe, ob ich ein kalter oder warmer Typ bin, ist einiges gewonnen.

Face2Face: Kalte Farben für den Sommertyp – wie passt das zusammen?
Diehsle: Mit der Jahreszeit Sommer hat der Sommertyp nach der Farblehre nichts zu tun. Bei einem Experiment in den 1920er-Jahren ließ der Schweizer Maler Johannes Itten jeden seiner Kunststudenten einen Farbakkord malen. Ohne zu wissen, welcher Student welche Farben gemalt hatte, konnte er sie zuordnen und stellte fest: Zu jedem Aussehen passt ein bestimmter Farbakkord. Daraus entwickelte er dann die vier Typen: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Kennt auch den Charakter des Sommertyps: Farb- und Stilberaterin Birgit Diehsle (Foto: Typakademie)

Kennt auch den Charakter des Sommertyps: Farb- und Stilberaterin Birgit Diehsle (Foto: Typakademie)

Face2Face: Können Sie durch Ihre langjährige Erfahrung sagen, ob es auch charakterliche Gemeinsamkeiten bei den Sommertypen gibt? Stehen ihnen einfach nur ähnliche Farben, oder ist da noch mehr?
Diehsle: Sommertypen sind oftmals angepasster, wollen weniger auffallen als zum Beispiel der Wintertyp und sie sind gute Teamplayer. Der Farbtyp kann mit einiger Erfahrung zwar schon Aufschluss über den Charakter geben – in die Tiefe geht es aber dann, wenn man sich mit dem Stil der Person beschäftigt. Dabei schaut man auf körperliche Besonderheiten, wie die Größe, die Figur und so weiter. Wenn man den Sommertyp entsprechend analysiert, kann man ihn einem von sechs Stilen zuordnen: klassisch, sportlich, natürlich, dramatisch, romantisch, feminin/zart.

Face2Face: Verschiedene Farbtypen in einer Beziehung – egal ob freundschaftlich oder partnerschaftlich – kann das gut gehen? 
Diehsle: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es dann schwierig wird, wenn man versucht das Gegenüber an den eigenen Farbtyp anzupassen, zum Beispiel indem man die Outfits aufeinander abstimmt. Wenn ich meinen Freund, der ein Herbsttyp ist, der also einen gelblichen Hautton hat und dem warme Farben gut stehen, in meine kalte Farben zwingen will, weil ich eben ein Sommertyp bin, sieht das vermutlich nur halb so gut aus, als wenn er Farben trägt, die zu seinem Typ passen.

Face2Face: Inwiefern hängen Farben und die menschliche Psyche zusammen?
Diehsle: Dass manche Farben schon beim Anblick gewisse Gefühle erzeugen, dass beispielsweise Rot Aggressionen auslösen soll, kann ich so nicht unterschreiben. Wenn es um Kleidung geht, bin ich mir allerdings sicher, dass ich mit den richtigen Farben einen Effekt bei anderen, aber auch bei mir selbst erzeugen kann. Möchte ich kompetent wirken, zum Beispiel bei einem Vorstellungsgespräch, greife ich zu ruhigeren Farben – dunkler Blazer bzw. dunkles Jacket und helle Bluse bzw. helles Hemd. Wenn mich etwas Schwieriges erwartet, zum Beispiel eine Präsentation, und ich mich unsicher fühle, kann mehr Farbe helfen. Grundsätzlich sollten Farben den Typ unterstreichen und nicht überdecken.

Kühl: Die Farben des Sommertyps (Foto: Typakademie)

Kühl: Die Farben des Sommertyps (Foto: Typakademie)

Face2Face: Kann ich mich zu einem Sommertyp machen, wenn ich das unbedingt will? Wenn ja, wie?
Diehsle: Das geht – ja. Beim Friseur ein kühles Blond oder Braun färben lassen, ein rosiges Rouge auflegen, pinke Lippen schminken und schon wird es wirklich schwer, ihren wahren Farbtyp zu erkennen. Allerdings ist es einfach so, dass man mit den richtigen Farben gesünder und jünger aussehen kann. Wenn ich Menschen berate, dann sind sie dabei immer ungeschminkt und ihr Haar ist abgedeckt, damit ich mich nicht von dem beeinflussen lassen kann, was sie gerne wären, sondern sehe, wer sie sind.

Face2Face: Was ist im Trend für den Sommertyp im Sommer 2017?
Diehsle: Niagara, also ein softes Blau, ist dieses Jahr die absolute Trendfarbe für den Sommertyp. Dazu etwas Weißes und dann Silberschmuck und das Sommer-Outfit ist perfekt. Auch komplett in Pink kann der Sommertyp punkten.
Froh bin ich darüber, dass der Trend in Sachen Haarfarbe wieder weg von den Strähnchen und hin zur Einheitlichkeit geht, denn bei den Strähnen werden oft kalte und warme Töne gemischt. Eine gute Nachricht für die etwas älteren Sommertypen: Graue Haare stehen euch, also keine falsche Scheu!

 

Jung geblieben, alt geworden – Interview mit Sky Du Mont zu „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“

Denkmalschutz? Sky Du Monts neues Buch (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Denkmalschutz? Sky Du Monts neues Buch (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Er hat in den letzten 46 Jahren bei weit mehr als 100 deutschen Fernsehproduktionen teilgenommen, dabei kaum ein Genre ausgelassen und ist auch international ein bekanntes Gesicht. Sky Du Mont ist aus der deutschen Film- und Fernsehwelt einfach nicht wegzudenken. Seit 2004 ist der in Buenos Aires geborene Schauspieler auch Schriftsteller. Nun ist bei Bastei Lübbe sein neues Buch „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ erschienen und Sky Du Mont tourt mit einem Bühnenprogramm zum humoristischen Blick aufs Älterwerden durch Deutschland. Dabei kommt er am 16.10 auch nach Aschaffenburg. Bei Face2Face verrät er exklusiv im Interview was er am Älterwerden mag und wie er mit der modernen Technik zurechtkommt.

Face2Face: Herr Du Mont, Sie sind ein mehrfach ausgezeichneter Schauspieler für Film und Fernsehen, seit 2004 veröffentlichen Sie außerdem die unterschiedlichsten Bücher. Nun touren Sie mit Ihrem neuesten Buch „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ durch Deutschland. Was können Sie eigentlich nicht?
Sky Du Mont: Oh, ich kenn sehr viel nicht. Z.B. meine Kinder soweit zu erziehen, dass sie ihre Zimmer aufräumen.

Face2Face: „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ spielt auf das Alter allgemein an. Sie wurden 1947 geboren und sind seit 1969 Schauspieler. Sehen Sie sich als alten „Hasen“?
Sky Du Mont: Wenn Sie die Erfahrung mit „alten Hasen“ meinen, ja!

Face2Face: Unsere Gesellschaft wird immer älter, gleichzeitig entwickeln sich Wissenschaft und Technik rasant. Mobile Geräte, das Internet als Leitmedium, virtuelle Vernetzung. Wie finde sie sich in dieser digitalen Welt zurecht und sehen Sie in ihr Vor- oder eher Nachteile?
Sky Du Mont: Ich liebe die digitale Welt und nutze sie ständig. Ich beherrsche meinen PC, mein Handy etc. Einen Nachteil sehe ich nicht. Die Menschen die von sich zu viel preisgeben (Soziale Medien) sind selber schuld. Ich bin nicht auf Facebook usw. Dieses extreme Mitteilungsbedürfnis geht mir ab…

Der Mensch zählt

Face2Face: Wir gruppieren Menschen aufgrund ihrer Lebensjahre in jung und alt, benennen „Senioren“ wie „Jugendliche“ als solche. Ist diese Verallgemeinerung nicht diskriminierend?
Sky Du Mont: Absolut! Ich gebe Ihnen Recht. Ich kenne 50-jährige die „alt“ sind und 70-jährige die jung geblieben sind. Es ist der Mensch an sich der zählt und nicht die Zahl der Jahre!

Face2Face: Sie sind ein aktiver Mensch, stehen in der Öffentlichkeit, haben Familie. Glauben Sie, dass unser „Alter“ von Lebensjahren abhängt oder von unserem Lebensinhalt?
Sky Du Mont: Ja, zu einem gewissen Maße, aber auch von den Genen, vom Beruf und vieles mehr.

Face2Face: Hand aufs Herz: Ich bin noch keine 30 und merke bereits, was ich heute nicht mehr kann, vor 10 Jahren aber schon. Wo macht sich bei Ihnen das Alter bemerkbar?
Sky Du Mont: Nun, mir ist klar, dass ich nicht mehr deutscher Tennismeister werden kann. Man erkennt seine Grenzen – dafür machen sich andere Fähigkeiten auf. Geduld, Humor etc. Ich blicke mit mehr Verständnis auf viele Dinge und das macht mich ruhiger und ausgeglichener.

Face2Face: ‚Man ist so alt, wie man sich fühlt‘. Wie alt fühlen Sie sich und wie halten sie sich jung?
Sky Du Mont: Unterschiedlich. Manchmal fühle ich mich wie 30, manchmal wie 150. Ich habe eine junge Familie – das hält jung.

Das Gute am Altern

Face2Face: Jugend ist energiereich und fit, aber auch naiv und unerfahren. Welche Erkenntnisse ihres Lebens wollen Sie nicht missen?
Sky Du Mont: Man verletzt Menschen und braucht sich nicht wundern, wenn man auch verletzt wird. Und man kann Menschen nicht ändern – eine ganz wichtige Erfahrung. Den Fehler machen so viele in ihren Beziehungen.

Face2Face: Jedes Lebensalter hat seine Nachteile. Aber auch Vorteile! Was mögen Sie am Alter(n)?
Sky Du Mont: Ich bin ruhiger geworden. Ich brauche mich nicht zu beweisen.

Schauspieler und Autor: Multitalent Sky Du Mont (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Schauspieler und Autor: Multitalent Sky Du Mont (Foto mit freundlicher Genehmigung von K&V Events)

Face2Face: „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ ist ihr neues Buch. Wie kamen Sie auf die Idee zum Buch?
Sky Du Mont: Es ist die Fortsetzung von dem Buch davor „Fullhouse“.

Face2Face: Schreiben ist etwas anderes, als auf der Bühne zu stehen. Wie wirkt sich der direkte Kontakt zum Publikum auf ihr Programm aus?
Sky Du Mont: Wunderbar! Die Menschen lachen und sind fröhlich und darauf bin ich stolz.

Face2Face: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß beim Leben, Jungbleiben und Altwerden.

Gewinnspiel

Am 16.10. tritt Sky Du Mont in einer interaktiven Lesung mit „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz“ zum 25-jährigen Jubiläum der Stadthalle am Schloss in Aschaffenburg auf. 2×2 Karten könnt ihr jetzt exklusiv bei Face2Face gewinnen. Termine zur Buchvorstellung gibt es beim Verlag.

Was ihr dafür tun müsst: Schreibt bis Dienstag, den 11. Oktober 2016, 23:59 Uhr eine E-Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de und verratet uns, warum ihr gerne zu Sky Du Monts Auftritt möchtet. In der Mail enthalten sein sollte euer Vor- und Nachname sowie eine gültige Adresse für den Versand. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt via Mail.

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel (1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.

§ 2 Teilnahme (1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-mail-Adresse schreibt und dort ihren Namen bzw. die Namen der möglichen Gewinner hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel (1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich die Onlinezeitschrift Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht am möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung (1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per Telefonanruf, über den schriftlichen Postweg oder E-Mail über ihren Gewinn informiert. Kann der Gewinner nicht telefonisch erreicht werden, wird der jeweilige Gewinner über seine angegebene E-Mail Adresse oder Postanschrift über seinen Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass das Meet&Greet, Konzert oder die Veranstaltung durchgeführt werden kann, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz. (5) Ist aus zuvor nicht vorhersehbaren sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich den Besuch im Backstagebereich durchzuführen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz (1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes die Namen öffentlich bekannt gegeben werden, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle einsandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges (1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Azing Moltmaker – fasziniert von den Beatles

Was haben Mottenkugeln mit den Beatles zu tun? Azing Moltmaker weiß es. Er hat in Alkmaar in den Niederlanden ein ganzes Museum rund um die Beatles gegründet (wir berichteten letzten Monat). Er ist aber nicht nur der Inhaber des Museums, sondern publiziert auch regelmäßig Bücher über die Beatles. Wir haben mit ihm über seine persönlichen Highlights im Beatles-Museum und seine Bücher gesprochen.

Face2Face: Warum sind Sie so begeistert von den Beatles?

Moltmaker: Weil mich vor allem ihre Musik fasziniert. Es ist eine Band, die nur Hits hatte und sich doch immer verändert hat. Jede Platte war anders und hatte trotzdem dieselbe hohe Qualität. Es ist das Gesamtbild der Beatles-Geschichte, das so interessant ist.

Face2Face: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Beatles-Museum zu gründen?

Moltmaker: Ich habe erst mit einem eigenen Fanclub begonnen, weil ich von einem anderen Fanclub abgewiesen wurde. Weil der Fanclub allein nicht genug Geld einbrachte, um Magazine drucken zu lassen, habe ich 1979 mit einem kleinen Beatles-Laden angefangen. Am 6. Juni 1981 begann ich dann mit einem Beatles-Museum.

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist Ihr persönliches Lieblingsstück im Beatles-Museum und warum?

Moltmaker: Ich besitze tausende Objekte. Mehr als 2.500 LPs, 2.000 Singles, 1.000 Beatles-Bücher, 500 Stunden an Bildaufnahmen, 3.500 CDs und 100 Vitrinen voll mit Merchandising. Aber es gibt eine sehr außergewöhnliche Plattenhülle, die sehr viel Geld wert ist. Davon habe ich fünf Stück. Sie ist bekannt unter dem Namen „Butcher-Cover“.

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist das seltenste Stück im Beatles-Museum?

Moltmaker: Das sind die Gitarren und die Kleidungsstücke, die ich von den Beatles bekommen habe. Außerdem die Goldenen Schallplatten, Platin-Schallplatten sowie Plattenverträge.

Face2Face: Was ist das kurioseste Stück in der Sammlung?

Moltmaker: Zweifellos sind das die Beatles-Mottenkugeln. Das ist echt das absurdeste Beatles-Produkt, das ich je gesehen habe.

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Haben Sie mal einen der Beatles persönlich getroffen?

Moltmaker: Ja, in den 1980ern habe ich Paul McCartney bei einem TV-Programm getroffen. Er hat damals auch eine Platte für mich signiert.

Face2Face: Sie schreiben regelmäßig Bücher über die Beatles. Wie kam es dazu und was für Bücher sind das genau?

Moltmaker: Ich habe 68 Bücher geschrieben. Einige im Auftrag für Verlage, aber die meisten habe ich selbst bei meinem eigenen Verlag herausgebracht. Die Fanclub-Magazine hatten eine begrenzte Seitenanzahl und weil ich die Geschichten gut schreiben wollte, brauchte ich mehr Seiten und daher waren Bücher der logische Schritt. Ich schreibe Discographien, Themenbücher und Nachschlagwerke über die Beatles. Momentan arbeite ich an drei neuen Büchern, die Ende des Jahres erscheinen sollen.

Mehr Infos zum Beatles-Museum in Alkmaar findet ihr HIER.

Elisa Wächtershäuser: 24, Schriftstellerin und Ärztin – Teil 2

Elisa bei einer Lesung

Elisa bei einer Lesung

Abitur mit 17, Medizinstudium mit 23, nun 24 Ärztin und Schriftstellerin: Elisa Wächtershäuser hat bereits letzte Woche im ersten Teil des Interviews darüber berichtet, wie sie zur Medizin und Literatur gekommen ist (siehe dazu auch Teil 1 des Interviews: https://face2face-magazin.de/2016/05/27/elisa-waechtershaeuser-24-schriftstellerin-und-aerztin/). Diese Woche erzählt sie unter anderem wie sie zu ihren Geschichtsideen kommt.

Face2Face: Medizin klingt für mich sehr analytisch, objektiv, strategisch. Für die Literatur benötigt man doch vor allem Kreativität – wie passt das zusammen? Und was macht dir mehr Spaß: Medizin oder Literatur?
Elisa: In der Medizin ist vieles klar strukturiert, häufig gibt es eindeutige  Leitlinien zu Diagnostik und Therapie einer Erkrankung. Aber nicht immer ist alles eindeutig. Oft genug muss man kreative Lösungswege erarbeiten. Sei es, um ein untypisches Symptom  mit dem Krankheitsbild des Patienten in Verbindung zu bringen oder eine Operation bei einer nicht mit der Lehrbuchdarstellung übereinstimmenden Anatomie durchzuführen, oder auch nur, um einem Patienten zu erklären, warum das Essen aus der Krankenhausküche nicht so gut wie zu Hause schmeckt. Als Ärztin sieht man jeden Tag sehr viele unterschiedliche Menschen, die sich teilweise in außengewöhnlichen Situationen befinden oder außergewöhnliche Geschichten zu erzählen haben. Auch wenn nichts davon direkt in einen Text von mir einfließt, entsteht so doch ein Sammelsurium an Eindrücken, aus denen sich manchmal Personen oder Handlungselemente für einen Text herauskristallisieren. Als Medizinstudent bekommt man immer gesagt, die wichtigste Eigenschaft eines Arztes sei Empathie. Ich denke, dass Empathie auch für jemanden, der schreibt, eine unerlässliche Eigenschaft ist. Ob ich empathisch bin, müssen andere beurteilen, ich bemühe mich zumindest.Und was mehr Spaß macht? Unmöglich zu sagen. Die Kombination von beidem macht am meisten Spaß!

Face2Face: Wie kommst du zu deinen Geschichtsideen  und wie verläuft der Prozess von der Idee bis zum endgültigen Text?
Elisa: Die Ideen für meine Texte können überall herkommen, durch eine Person, eine Begegnung, einen Ort, ein Bild, ein bestimmtes Wort. Meistens sind diese Ideen anfangs noch sehr skizzenhaft. Einige vergesse oder verwerfe ich schnell wieder, über andere denke ich so lange nach, bis sie konkreter werden. Irgendwann mache ich mir eine Notiz, dann sammele ich weitere Details, eine grobe Struktur, einzelne Sätze und irgendwann schreibe ich einen Text. Mit der ersten Textfassung bin ich fast nie zufrieden, deswegen kommt nach der ersten Fassung die Korrektur, dann die zweite Fassung, dann vielleicht eine dritte und irgendwann wird der Text fertig.

Face2Face: Gibt es aktuell eine Kurzgeschichte an der du arbeitest? Um was geht es?
Elisa: Klar! Ich arbeite meistens an zwei oder drei Texten parallel. Aber worum es geht wird nicht verraten.

Face2Face: Du wurdest auch schon von Verlegern und Schriftstellern auf einen bevorstehenden Roman angesprochen, weil sie deine Kurzgeschichten interessant fanden. Wann ist damit zu rechnen und was ist der Inhalt?
Elisa: Momentan plane ich keinen Roman, zumindest nicht in der nächsten Zeit. Ich habe ein paar Ideen für ein längeres Schreibprojekt, aber gerade gefällt mir die übersichtliche, straffe Form der Kurzgeschichte einfach besser. Ich möchte mich gern noch an einigen kürzeren Texten austoben, bevor ich die Geduld und Disziplin für einen Roman aufbringe.

Face2Face: Was war dein schönstes Erlebnis bezüglich des Schreibens? Eine gewisse Auszeichnung? Das Lesen vor Publikum? Sich mit anderen jungen Schriftstellern bei den Workshops auszutauschen…?
Elisa: Jedes Mal, wenn ein Text, in dem zuerst gar nichts zu funktionieren scheint, doch noch fertig wird. Das ist jedes Mal das schönste Erlebnis.

Elisa Wächtershäuser: 24, Schriftstellerin und Ärztin

Elisa bei einer Lesung

Elisa bei einer Lesung

Elisa Wächtershäuser ist 24 Jahre alt. Ihr Abitur hat sie mit 17 Jahren gemacht. Es folgte ein Medizinstudium, das  sie im letzten Jahr abgeschlossen hat. Nun arbeitet sie als Ärztin in der Chirurgie und schreibt nebenbei ihre Doktorarbeit. In ihrer Freizeit schreibt  sie literarische Werke – genauso erfolgreich. So erfolgreich, dass renommierte Verleger und Schriftsteller sie immer wieder dazu motivieren, endlich einen Roman zu schreiben. Mit ihren Kurzgeschichten hat sie mittlerweile nämlich fast alles gewonnen, was man in jungen Jahren an Literaturpreisen gewinnen kann: Von 2007 bis 2015 war sie Preisträgerin des OVAG-Jugendliteraturpreises. Zudem erhielt sie 2013 den Hattinger Förderpreis für junge Literatur, hat am Literaturlabor Wolfenbüttel, am Treffen junger Autoren in Berlin und am Klagenfurter Literaturkurs teilgenommen.
Jeder, der gerade so um 11 Uhr schafft, aufzustehen, um zur einzigen Vorlesung des Tages zu gehen, mag sich jetzt damit trösten, dass Elisa ein abnormaler, überehrgeiziger  Freak mit Inselbegabung und fehlender sozialer Kompetenz sein muss.  Aber das ist keineswegs der Fall: Sie ist nett, hilfsbereit und hat einfach nur Spaß an dem, was sie macht. Grund genug, sie für ein Interview zu treffen.

Face2Face: Wenn man sich deinen Lebenslauf anschaut, mag man  den Eindruck gewinnen, dass du eigentlich gar keine Zeit hast: Doktorarbeit, arbeiten in der Chirurgie, Literaturwettbewerbe. Schläfst du auch irgendwann mal? Wie schaffst du das alles? 
Elisa: Dadurch, dass ich Dinge, für die ich mich weniger begeistern kann, auf das absolut notwendige Minimum reduziere. Staubsaugen zum Beispiel. Fenster putzen. Bügeln. Geschirr spülen. Und so weiter. Die Liste ist ziemlich lang …

Face2Face: Wenn man nun dich anschaut, könntest du auch als Geistes-oder- Sozialwissenschafts-Studentin im fünften Bachelor-Semester durchgehen. Warum hast du dich aber ausgerechnet für die Medizin entschieden? Warst du früher unsterblich in Patrik Dempsey aus Grey´s Anatomy verliebt und hattest gehofft, so deinen Traummann zu finden?
Elisa: Ich habe bisher ehrlich gesagt keine einzige Folge von Grey´s Anatomy gesehen, was zugegebenermaßen eine Bildungslücke für einer Medizinerin ist, und ich weiß auch gar nicht, wie Patrik Dempsey aussieht. Wohl auch eine Bildungslücke. Ist das wirklich so ein Traumtyp, dass man deswegen ein Medizinstudium beginnt? Vielleicht sollte ich mal einen Abend vor dem Fernseher verbringen!
Mich hat am Medizinstudium vor allem die breite Ausbildung interessiert, die Kombination aus naturwissenschaftlichen Fächern, Psychologie, Sozialwissenschaft, Ethik. Das Studium ist sehr vielfältig und man muss sich nicht wie in vielen anderen Fächern bereits während des Studiums für einen Schwerpunkt entscheiden. Mir fiel es immer schwer, mich festzulegen.

Face2Face: Ein Medizinstudium ist sicherlich schon anstrengend genug, vor allem, wenn man zu Beginn des Studiums nicht einmal volljährig ist. Wie war es für dich so jung ein so anspruchsvolles Studium zu meistern?
Elisa: Das war nie ein Problem. Ich wurde nie nach meinem Ausweis gefragt, an der Uni nicht und auch auf keiner Studentenparty. Ich glaube nicht, dass das Alter eine Qualifikation für das Studium ist. Man muss motiviert und interessiert sein und darf nicht den Spaß an der Sache verlieren, auch wenn gerade eine lernaufwändige Prüfung ansteht.

Face2Face: Wie bist du zur Literatur gekommen?
Elisa: Zur Literatur bin ich lange vor der Medizin gekommen. Ich habe mir schon immer gern Geschichten ausgedacht. Und seit ich Schreiben gelernt habe, habe ich  Geschichten aufgeschrieben und bis jetzt nicht damit aufgehört. Obwohl es natürlich auch Phasen gibt, in denen ich fast gar nicht schreibe, ist es für mich ein ganz natürlicher Ablauf, dass man eine Idee, nachdem sie einem lange genug durch den Kopf gegeistert ist, zu Papier bringt. Ob man dieses Papier dann an eine andere Person weitergibt, oder gar veröffentlicht, ist eine andere Sache.

Vorschau: Am Freitag, 3.Juni berichtet Elisa unter anderem darüber wie sie zu ihren Geschichtsideen kommt und wie Medizin und Literatur für sie zusammen passen.