Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Das Smartphone als alltägliche Stressursache?
(Foto: JESHOOTScom, pixabay.com)

Durch das Smartphone haben wir im Alltag viele Vorteile. Wir können ständig mit anderen in Kontakt treten, wir können von überall aus online gehen, unsere neusten Erkenntnisse mitteilen und sind zu jeder Zeit erreichbar. Wer kennt das nicht: plötzlich hat man keine Netzverbindung und kann mit dem Smartphone nicht mehr ins Internet oder jemanden erreichen. Da bricht für manch Einen eine Welt zusammen, andere kommen sich einfach verloren vor. Das muss natürlich nicht der Fall sein, aber passiert doch grade in unserer Gesellschaft sehr häufig, da wir uns viel zu sehr auf unser Smartphone verlassen.

Mein Smartphone und ich

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich vor allem durch die täglichen Zugfahrten zur Uni oder auf die Arbeit schon sehr an meinem Smartphone hänge. Der Zug kommt nicht? Schnell mal in der App nachschauen, ob er Verspätung hat. Hat jemand vielleicht versucht mich zu erreichen, während ich grade mal eine halbe Stunde nicht auf das Smartphone geschaut habe? Oder hat meine Arbeit mir vielleicht eine wichtige Mail geschickt, die ich noch lesen muss? Schnell mal in den eingegangenen E-Mails oder Nachrichten nachsehen. Das ist schon so etwas wie ein Ritual und ich habe fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich an einem freien Tag mal mein Smartphone liegen lasse und ein paar Stunden nicht darauf schaue. Meist habe ich dann, wenn ich wieder nachsehe, ein paar verpasste Nachrichten und fühle mich gleich unbehaglich, weil jemand versucht hat mich zu erreichen, und ich nicht sofort verfügbar war. Denn ich habe schließlich ein Smartphone und wahrscheinlich hat derjenige erwartet, dass ich mich zeitnah melde.

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Immer erreichbar sein? Klar! Möglich gemacht durch verschiedene Apps auf dem Smartphone (Foto: TeroVesalainen, pixabay.com)

Das sind alles kleine Beispiele, wie mir mein Smartphone durch Nachrichten erheblichen Alltagsstress bereitet, die mir aber vor dem Selbstversuch noch nicht ganz klar waren. Zusätzlich kommen dann noch die Sozialen Netzwerke. Ich bin gar nicht bei Snapchat und nur selten bei Twitter, wenn, dann eher am Laptop. Aber Facebook und Instagram nutze ich vor allem mit dem Smartphone. Um den Selbstversuch auch wirklich durchzuziehen habe ich mich daher entschlossen, maximal eine halbe Stunde pro Tag in Facebook am Laptop zu gehen, da es wichtig für meine Arbeit ist und ich verschiedene Seiten mitbetreue. Instagram habe ich ganz weg gelassen, sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem Laptop. Nun habe ich den Selbstversuch gewagt, und mein Smartphone von Montag bis Freitag ausgeschaltet.

Der erste Tag

Den Montag konnte ich zum Glück zuhause verbringen. Es ist mir zu Beginn gar nicht so sehr aufgefallen, dass ich mein Smartphone nicht nutzen konnte. Ich besitze einen „richtigen“ Wecker, und habe daher schon am Sonntagabend das Smartphone ausgeschaltet. Daher hatte ich vorerst auch nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt, da ich erst gar keine neuen Nachrichten vorfinden würde. Im Laufe des Tages erledigte ich einiges für die Uni und war zwar am Laptop. In gewisser Weise war ich also auch erreichbar, allerdings fiel es mir viel leichter, zum Beispiel mein Email-Programm auf dem Laptop nicht so oft zu öffnen, wie auf dem Smartphone. Das hat wahrscheinlich mit der Funktion der Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone zu tun, diese habe ich am Laptop nicht und fühlte mich dadurch auch nicht dazu gedrängt, Nachrichten direkt zu beantworten. Ich habe mir einmal am Tag Zeit für die Emails genommen, und diese dann beantwortet. Und zwar alle auf ein Mal, was mir wesentlich weniger Stress bereitet hat, als wenn ich vier oder fünfmal am Tag einzelne Mails mit dem Smartphone beantwortet hätte. So gesehen war der erste Tag in meinen Augen ein voller Erfolg, obwohl ich einen Laptop zur Verfügung hatte.

Der zweite Tag

Am Dienstag wollte ich mich abends mit einer Freundin treffen. Leider hatte ich vergessen, vor dem Selbstversuch Zeit und Ort mit ihr genau auszumachen, daher musste ich doch morgens mein Smartphone einschalten und kurz eine Nachricht schicken. Das hat zum Glück auf Anhieb geklappt und wir konnten uns für abends verabreden. Allerdings kam es mir direkt wie ein Rückschlag vor. Ich bekam in der halben Stunde, in der ich das Smartphone eingeschaltet hatte, direkt neue Nachrichten und E-Mails. Die habe ich dann schnell beantwortet und meine Freunde darauf hingewiesen, dass ich diese Woche am besten über E-Mail oder Facebook erreichbar bin. Das hat den Selbstversuch wahrscheinlich ein bisschen beeinträchtigt, allerdings hatte ich die Hoffnung, dass ich für den Rest der Woche weniger verpasste Anrufe oder Nachrichten haben würde. Das hat mich dann doch wieder entspannt, darum geht es ja beim Selbstversuch. Zum Glück verlief der restliche Tag ohne Smartphone reibungslos.

Der dritte Tag

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Am Bahnhof ohne Smartphone, und dann hat der Zug Verspätung. Was jetzt? (Foto: Golda, pixabay.com)

Am Mittwoch musste ich arbeiten, daher hatte ich mir die Zugverbindung bereits am Tag vorher abgeschrieben, ganz altmodisch, in meinen Kalender. Leider kam es direkt auf der Hinfahrt zu Schwierigkeiten. Der Zug kam und kam nicht, und erst als ich mir sicher war, dass ich meinen Anschluss verpassen würde, fuhr er endlich in den Bahnhof ein und ich konnte einsteigen. Erst im Zug ist mir klargeworden, dass ich, wenn ich zu dem Zeitpunkt mein Smartphone gehabt hätte, ständig in der App nachgeschaut hätte, wie viel Zeit mir noch zum umsteigen bleiben würde, oder ob ich auf jeden Fall den nächsten Zug nehmen müsste. Stress pur! Ich konnte ja noch nicht mal auf der Arbeit anrufen, und wegen der Verspätung Bescheid geben. So war ich zwar auch ganz schön nervös, aber habe mir irgendwann gesagt, dass es sich jetzt sowieso nicht mehr ändern lässt, und wenn ich zu spät komme, dann ist das eben so. Vielleicht fahre ich das nächste Mal einfach etwas früher los, damit ich noch eine alternative Bahnverbindung habe. Am Ende hatte mein Anschlusszug tatsächlich auch Verspätung, und ich bin sogar noch pünktlich auf der Arbeit gewesen. Das hat mir wieder mal gezeigt, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir mal 5 Minuten nicht auf das Smartphone schauen können. In Zukunft überlege ich mir genauer, wann ich wegen verspäteten Zügen in Stress gerate.

Der vierte Tag

Am Donnerstag musste ich Zuhause einiges für die Uni lesen und der Tag verlief daher auch ohne Smartphone ereignislos. Ich hatte mich allerdings erstaunlich schnell daran gewöhnt, auch am Laptop nicht die ganze Zeit bei Facebook online zu sein oder ständig meine Mails abzurufen. An dem Tag ist es mir doch sehr aufgefallen, dass ich viel gelassener bin, wenn ich nicht ständig auf Abruf stehe.

Der fünfte Tag

Gut ich muss schon zugeben, am Freitag war ich ziemlich erleichtert, dass ich nur noch diesen Tag ohne Smartphone überstehen musste. Die Fahrt auf die Arbeit und zurück verlief zum Glück reibungslos und ich hatte auch an mein Buch für die Zeit im Zug gedacht. Mir fiel gar nicht mehr so sehr auf, dass ich mein Smartphone grade nicht dabei hatte. Klar hat es mir insgesamt geholfen, dass das Buch was ich gerade lese sehr spannend ist, und ich hatte ja auch teilweise meinen Laptop zur Verfügung. Trotzdem fühlte ich mich am Ende der Woche schon um einiges entspannter als sonst, vor allem wenn ich von der Arbeit heimgekommen bin.

Am Freitag sind mir auch einige Dinge aufgefallen, die ich sicher mit Smartphone in der Hand nicht bemerkt hätte. Zum Beispiel der Zug mir gegenüber, als ich am Bahngleis wartete, mit der Aufschrift „Kaffeepäuschen“, der damit wohl auf seine kurze Pause hinweisen wollte. Oder wie oft man sich mit dem Smartphone auch einfach nur von den eigenen Gedanken ablenkt. Ich hatte einfach das Gefühl, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Und auch wenn das jetzt wie ein Klischee klingt, dadurch freue ich mich zum Beispiel grade jetzt viel mehr auf die Vorweihnachtszeit. Ich bemerkte wie in verschiedenen Städten schon die Weihnachtsbeleuchtung und die Weihnachtsmärkte aufgebaut wurden. Ich bin sehr gespannt, ob ich im Dezember mal öfter mein Smartphone zuhause liegen lasse. Ein Gedanke, der mir vor dem Selbstversuch niemals gekommen wäre.

War es das wert?

Alles in allem war der Selbstversuch zum Thema Stressbewältigung meiner Meinung nach ein Erfolg. Ich habe mein Smartphone vor allem in Situationen vermisst, in denen ich andere hätte erreichen müssen. Dann nicht die Möglichkeit zu haben, andere zu erreichen hat mich schon mehr gestresst, als dass man mich nicht erreichen konnte. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass es mich wirklich erleichtert hat, Facebook nicht auf meinem Smartphone nutzen zu können, und mir eine bestimmte Zeit des Tages dafür auszusuchen. Auch wenn ich verschiedenes in Facebook zu erledigen hatte konnte ich das über den Laptop viel entspannter machen. Zusätzlich bekam ich nicht den ganzen Tag Benachrichtigungen von Facebook auf meinem Smartphone, die mir, wie ich gemerkt habe, auch viel Stress bereitet haben. Auf Instagram habe ich erstaunlich gut verzichten können. Das ist normalerweise auch eine App, die ich täglich nutze, deren Fehlen mir aber in der Woche kaum aufgefallen ist. Daher gehe ich davon aus, das ich mich die Nutzung von Instagram auf dem Smartphone gar nicht stresst, sie ist eher eine nette Nebenbeschäftigung.

Kann eine Woche ohne Smartphone unseren alltäglichen Stress reduzieren?

Facebook wird jetzt erstmal von meinem Smartphone gelöscht (Foto: FirmBee, pixabay.com)

Am Samstag danach habe ich erst einmal Facebook und meine Email-Apps von meinem Smartphone gelöscht. Es ist definitiv nicht notwendig, immer über so viele verschiedene Kanäle erreichbar zu sein. Seitdem nehme ich mir einfach einmal am Tag Zeit, um die anstehenden Anfragen zu beantworten. Es bereitet mir wesentlich weniger Stress, wenn ich nicht ständig eine neue Mitteilung auf meinem Smartphone angezeigt bekomme. Natürlich kann ich ja weiterhin drauf zugreifen, allerdings unter meinen Bedingungen. Ich finde generell sollte jeder selbst entscheiden was wichtig ist und was man auch mal später machen kann. Man sollte sich nicht dazu gedrängt fühlen, gleich auf alles eingehen zu müssen, was man geschickt bekommt. Das ist es, was ich aus der Woche gelernt habe. Und wenn mich jemand wirklich erreichen wollte, dann hat er oder sie das geschafft, auch ohne Smartphone.

Ich werde in Zukunft mein Smartphone definitiv öfter mal auf Flugmodus schalten. Was ich nicht direkt mitbekomme, stresst mich auch nicht sofort, und wenn es wichtig ist, dann erfahre ich es schon irgendwie. Also kein Stress.

Bitcoins – digitale Groschen ohne Kontrollsystem?

Bitcoins und digitale Währungen sind in aller Munde. Doch was steckt hinter dem enormen medialen Interesse? Wie sehen die technischen Aspekte dahinter aus? Und ist das Ganze auch wirklich sicher? Fragen über Fragen. Deshalb hat Face2Face exklusiv bei zwei Experten in Sachen IT nachgefragt: Florian Eisenmann und Johannes Ostner, beide Mitbegründer der IT-Firma Beomuc und versierte Informatiker.

Face2Face: Alle sprechen zurzeit über Bitcoins. Sind das tatsächlich digitale Groschen?

Experte im Bereich Programmierung und IT-Sicherheit: Johannes Ostner, einer der Gründer von Beomuc

Experte im Bereich Programmierung und IT-Sicherheit: Johannes Ostner von der Fima Beomuc (Foto: Eisenmann)

Johannes: Sagen wir es mal so: Für das erste Verständnis hilft diese Assoziation tatsächlich. Aber im Detail gibt es natürlich große Unterschiede zur realen Münze aus Metall. Auch für Bitcoins kann man Waren und Dienstleistungen kaufen, aber allein die dezentrale Umsetzung ist schon ein großer Unterschied.

Face2Face: Was heißt das: „dezentral“?

Florian: „Dezentral“ bedeutet, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, also keine Zentralbank, keinen Währungsfonds oder sowas. Der gesamte Handel wird im Netzwerk zwischen den einzelnen Teilnehmern abgewickelt.

Face2Face: Ist das positiv?

Florian: Jein. Natürlich ist es positiv, dass man sich auf keine übergeordnete und übermächtige Instanz verlassen muss, die alle Fäden in der Hand hält. Gleichzeitig ist das aber auch ein Problem, denn es gibt keine zentrale Kontrollstelle, die im Krisenfall eingreifen könnte.

Face2Face: Wie funktioniert das Ganze jetzt technisch?

Johannes: Bitcoins basieren auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Sehr vereinfacht gesagt, ist das eine riesige Daten-Kette, in der alle jemals ausgeführten Bitcoin-Transaktionen gespeichert sind. Dadurch wird verhindert, dass man mehr Geld ausgeben kann, als man eigentlich besitzt. Wenn Person A beispielsweise 100 Bitcoins an Person B überweisen möchte, überprüft das System die Blockchain auf alle von Person A jemals getätigten Transaktionen und kann so feststellen, ob Person A überhaupt 100 Bitcoins besitzt. Falls nicht, wird die Transaktion schlicht abgelehnt.

Face2Face: Klingt nach sehr viel Daten, oder?

Johannes: In der Tat wächst die Datenmenge mit jeder getätigten Transaktion immer weiter an. Das verlängert zum einen die Dauer, bis eine Transaktion bestätigt oder abgelehnt wird. Zum anderen kommt es zu längeren Download-Zeiten bei der ersten Installation des Bitcoin-Wallet, wenn man eine klassische Variante verwendet. Denn wer ein klassisches Wallet nutzt, der muss die gesamte Blockchain herunterladen. Eine Alternative wären da gehostete Light-Wallets, die auf dem Server bleiben, da muss ich fast nichts herunterladen.

Face2Face: Was ist ein „Bitcoin-Wallet“? Und was brauche ich noch, wenn ich mit Bitcoins loslegen will?

Kennt sich mit IT-Systemen und Finanzen aus: Florian Eisenmann, Mitbegründer der Firma Beomuc

Kennt sich mit IT-Systemen und Finanzen aus: Florian Eisenmann von der Firma Beomuc (Foto: Eisenmann)

Florian: Ein Bitcoin-Wallet ist sozusagen der digitale Geldbeutel, meist in Form einer übersichtlichen Software, die auf dem lokalen PC läuft. Dieses Programm enthält dann auch die gesamte Blockchain. Ansonsten braucht man noch einen Account bei einer Plattform, bei der man konventionelles Geld in Bitcoins tauschen kann. Das ist für den normalen Nutzer alles. Wer ins „Bitcoin-Mining“ einsteigen will, der braucht natürlich zusätzliches technisches Wissen und leistungsfähige Hardware.

Face2Face: „Bitcoin-Mining“? Was ist das denn?

Johannes: Die technischen Details sind etwas kompliziert. Aber im Grunde geht es darum, dass Transaktionen in der Blockchain durch das Lösen aufwändiger mathematischer Puzzles verifiziert werden. Eine Transaktion wird dabei nicht nur von einem Computer verifiziert, sondern von allen Computern des Netzwerks, die am Mining teilnehmen. Wenn der eigene Miner am Ende als schnellster die komplexe Rechnung gelöst hat, erhält man eine kleine Prämie. Aber auch nur dann. Man kann die Einnahmen also nicht wirklich voraussehen und die Berechnungen sind sehr energieaufwändig, verheizen also jede Menge Strom.

Face2Face: Lohnt sich Bitcoin-Mining dann für den privaten Verbraucher?

Florian: Bitcoin-Mining zu Hause ist in Deutschland kaum rentabel, weil der durchschnittliche Ertrag einfach nicht die hohen Stromkosten deckt. In der Regel wird das Mining sowieso nicht privat betrieben, sondern in großen Server-Farmen. Die meisten dieser Farmen sind dann an Orten angesiedelt, an denen die Strompreise sehr niedrig sind, beispielsweise in Irland, China oder Nordamerika.

Face2Face: Jetzt mal zum Thema Sicherheit. Die ist bei IT-Systemen ja immer von großem Interesse. Wie schätzt ihr Bitcoins unter diesem Aspekt ein?

Johannes: Algorithmen und IT-Systemen Sicherheit zu attestieren, ist nicht so einfach oder besser: eigentlich unmöglich. Bis vor kurzem dachte man noch, dass Prozessoren sicher wären. Dann entdeckte man die massiven Sicherheitslücken „Spectre“ und „Meltdown“ und fand heraus, dass fast alle Prozessoren jahrelang anfällig für Angriffe waren. Stand heute werden die verwendeten Algorithmen als sicher angesehen, aber das kann morgen schon ganz anders sein.

Florian: Ich sehe die Probleme ohnehin gar nicht so sehr auf technischer Seite. Meine berufliche Erfahrung hat gezeigt, dass das größte Risiko immer noch der Mensch ist, also der Nutzer. Im konkreten Fall der Bitcoins sehe ich vor allem kritisch, dass viele private Leute direkt in den Devisenhandel einsteigen. Das war früher eher Experten vorbehalten oder im privaten Bereich nur über die Bank möglich. Die stellte das nötige Fachwissen in Form von Kundenberatung zur Verfügung. Jetzt kann jeder innerhalb von Minuten mitmachen, auch der, der im Bereich Finanzen null Fachwissen hat. Dadurch wird der Handel oft zu einem reinen Glücksspiel. Und genau darin sehe ich aktuell die größte Gefahr. Weniger in den Systemen, die sind tatsächlich sehr ausgereift und nur mit immensem Aufwand auszuhebeln.

Face2Face: Was ist nun zum aktuellen Zeitpunkt die sicherere Alternative: klassisches Online-Banking oder Zahlung mit Bitcoins?

Digitale Alternative: Bitcoins machen den klassischen Währungen Konkurrenz

Digitale Alternative: Bitcoins machen den klassischen Währungen Konkurrenz (Foto: tombark/pixabay.de)

Johannes: Das ist schwer zu beantworten. Verwende ich beim Online-Banking zum Beispiel ein unsicheres Passwort, kann ein Angreifer recht einfach mein Geld stehlen. Genauso einfach mache ich es Hackern, wenn ich den privaten Schlüssel meines Bitcoin-Wallets unsicher verwahre. Der private Schlüssel ist vereinfacht gesagt so ähnlich wie ein Passwort oder eine PIN und genauso sicherheitskritisch. Was aber für Online-Banking sprechen könnte, sind Absicherungen durch die Bank, wenn Geld durch Cyberattacken gestohlen wird. Bei Bitcoins bin ich zu hundert Prozent selbst für mein Geld und mögliche Schäden verantwortlich.

Face2Face: Eine letzte Frage: Denkt ihr Bitcoin ist nur ein kurzlebiger Hype?

Florian: Naja, viele konservative Investoren wettern noch gegen Bitcoin aus genau den Gründen, warum Bitcoin überhaupt existiert. Es hebelt eben den gesamten Bankensektor und die zentrale Kontrolle aus. Außerdem ist für viele die Technologie dahinter noch nicht wirklich greifbar und verständlich. Das verursacht natürlich Misstrauen. Andere Experten wiederum bezeichnen Bitcoin schon als Erfindung des Jahrzehnts.

Johannes: Ich persönlich denke nicht, dass Kryptowährungen wie Bitcoin wieder komplett verschwinden werden. Dafür ist das gesamte Konzept viel zu revolutionär. Meiner Meinung nach brauchen diese Währungen allerdings noch etwas Zeit, um sich richtig zu etablieren, insbesondere im alltäglichen Leben.

Mit Dating-Apps zum Erfolg?

Mit Dating-Apps kann man ungezwungen Leute kennenlernen – da sind sich die beiden Studenten Katja (26) und Tobias (27) einig. Katja hat bereits Erfahrungen mit den Apps „Tinder“, „Once“ und „OkCupid“ gesammelt und durch letztere ihren derzeitigen Freund gefunden. Auch Tobias hat schon einige Dating-Apps ausprobiert; seiner großen Liebe ist er dadurch jedoch noch nicht begegnet.

Erstmals genutzt hat Katja eine Dating-App während eines Aufenthaltes in Rumänien, weil sie dort niemanden kannte und Kontakte gesucht hat. Tobias hingegen hat sich auf Empfehlung von Freunden, die auf diese Weise ihren Partner getroffen haben, bei verschiedenen Dating-Apps angemeldet. Als jahrelanger Single dachte er, dass dies seine Chance erhöhen würde, interessante Frauen kennenzulernen. Doch wie hilfreich sind Dating-Apps wirklich und wie unterschiedlich sind die Erfahrungen mit den digitalen Kupplern?

Katja: Viele haben ja Vorurteile, was Dating-Apps angeht, aber ich finde, dass es damit nicht „besser oder schlechter“ ist als jemanden in der „realen“ Welt kennenzulernen.

Mit Dating-Apps zum Erfolg?

Dating mal anders: Romantisches Date per Smartphone? (Foto: S. Holitzner)

Tobias: Ich fand „Lovoo“ ziemlich niveaulos. Alles andere war okay. Natürlich gab es auch da sehr seltsame Sachen: Fake-Accounts, Werbung, pornographische Inhalte und schlüpfrige Angebote. Aber dem ist man als Frau bestimmt noch mehr ausgesetzt.

Katja: Wahrscheinlich. Das liegt aber bestimmt auch daran, dass es zum Beispiel bei „Tinder“ deutlich mehr Männer als Frauen gibt. Selbst ohne aktiv etwas zu tun, wurde ich von Männern angeschrieben.

Tobias: Bei „Tinder“ sind sicher mehr die Typen aktiv, die sich im realen Leben nicht trauen, Frauen anzusprechen und dann einen auf dicke Hose machen. Also gibt es da doch viele notgeile Typen, die nur ne schnelle Nummer schieben wollen und dementsprechend direkt oder versaut schreiben, oder?

Katja: Ich hatte eher das Gefühl, dass es zwei große „Gruppen“ gab: Die, die auf schnellen Sex aus waren, und ganz viele ganz Schüchterne. Also klar gab es auch Männer „dazwischen“, aber viele, die eben in eine dieser Gruppen passen. Ich denke aber, dass die Typen, die nur auf eine schnelle Nummer aus sind, Frauen auch in Bars auf diese Weise anflirten würden. Aber gab es keine Frau bei dir, die „schnell zur Sache“ kommen wollte?

Tobias: Ja, bei mir gab es auch Frauen, die schnell zur Sache kommen wollten. Eine schrieb mir, dass sie mit mir Sex will. Als ich dann meinte, dass ich nicht auf One-Night-Stands aus wäre, schrieb sie, dass man es ja auch zweimal treiben könne. Das war schon wieder so krass, dass es fast amüsant war.

Katja: Oha. Ich glaube, so direkt war da niemand bei mir. Es war dann doch noch ein bisschen mehr „durch die Blume“.

Tobias: Mein Eindruck ist, dass es nur wenige gibt, die eine Beziehung suchen und dies auch so formulieren.

Katja: Das finde ich aber auch schwierig, das von Anfang an so zu formulieren. Es ist immer noch „nur“ ein Weg, um Leute kennenzulernen, und nicht mehr. Mich hat es immer sehr unter Druck gesetzt, wenn ich nach kurzem Chatten die „Ansage“ bekommen habe, dass der andere eine Beziehung sucht.

Tobias: Stimmt, so Ansagen wie „Beziehung gesucht“ sind manchmal nicht einfach und setzen unter Druck. Aber man weiß dann, woran man ist und kann entsprechend damit umgehen. Und erzwingen kann man sowieso nichts.

Katja: Aber wenn du jemanden in einer Bar oder sonstwo kennenlernst, dann stellt sich die Frage nach einer Beziehung auch nicht nach drei Sätzen, oder? Ich glaube etwas „Ungewissheit“ gehört auch einfach dazu und da sind Dating-Apps für mich auch nicht anders als das reale Leben. Ich hatte einmal ein Date mit jemandem, der ziemlich „offen“ und wahrscheinlich auch ein bisschen verzweifelt eine Beziehung gesucht hat. Während des Dates habe ich richtig gemerkt, wie er manche Themen „abgeklopft“ hat, um zu schauen, ob es passt. War super unangenehm.

Tobias: Ich sage meinen Dating-App-Dates schon, dass ich nicht zum Spaß hier bin. Also ich bin nicht auf One-Night-Stands, Abenteuer, Affären oder so aus. Wenn wir uns sympathisch sind, können wir uns mal treffen. Und dann muss man sowieso mal sehen, ob es in eine freundschaftliche Richtung geht oder ob vielleicht mehr daraus wird. Es ist gar nicht so einfach, den guten Mittelweg zwischen „Ausfragen“ und lockerem Gespräch zu finden, weil einfach die Situation schon erzwungen ist.

Katja: Ja, das stimmt. Ich war aber auch jemand, der sich immer relativ schnell treffen wollte, weil ich nicht so hohe Erwartungen haben wollte.

Tobias: Ich kann vielfach von Frauen berichten, die irgendwann nicht mehr zurückschreiben oder kurz vor einem ersten Treffen grundlos absagen und nicht mehr reagieren. Finde das immer ein wenig charakterlos, weil man ja schreiben kann, dass man „kalte Füße“ bekommen hat, jemand anderes kennengelernt hat oder kein Interesse mehr besteht.

Katja: Das geht gar nicht! Ist mir aber auch mit Männern passiert.

Tobias: Ich glaube, manche suchen die Bestätigung und ihnen reicht, wenn man sich mit ihnen treffen will. Oder sie treffen lieber jemand anderes, weil sie parallel mit anderen schreiben. Für mich ist das erste Treffen auch immer ein Kennenlernen bzw. Beschnuppern, weil man sich eben noch nicht persönlich kennt. Erst danach, wenn man sich nochmal trifft, würde ich von einem Date reden.

Katja: Okay. Ich habe da nie wirklich einen Unterschied gemacht. Ich fand meinen Freund nach dem ersten Treffen noch nicht so cool. Ich habe ihn über „OkCupid“ kennengelernt. Er hat mich angeschrieben und er war mit Bild drin. Ich war bei dieser ganzen Online-Dating-Sache ziemlich unverkrampft und hatte einfach Lust, mich mit ihm zu treffen. Das war jetzt aber kein erstes Date, wo es gleich mega gefunkt hatte. Es war nett, aber mehr halt auch nicht. Und ich war zu dem Zeitpunkt auch eigentlich gar nicht so interessiert, aber er hat da nicht locker gelassen. Ich habe es die ersten Treffen nicht so ernst genommen und dann ist mir langsam gedämmert, dass ich ihn schon mag und daraus ist mehr geworden.

Tobias: Das hat sich ja dann gelohnt, dass er drangeblieben ist. Mit wie vielen Männern hast du dich vorher getroffen?

Katja: Mehr als zehn. Und du?

Tobias: Ich habe mich mit weniger als zehn Frauen getroffen. Vermutlich neige ich dazu, manchmal zu lange mit Frauen zu schreiben. Und dann entstehen beidseitig schon irgendwelche Erwartungen bzw. Hoffnungen. Wenn dann bei einem Treffen nicht so der Funke überspringt vom optischen Eindruck her oder weil man nicht so die Gesprächsthemen findet, ist die Enttäuschung irgendwo beidseitig schon vorhanden.

Katja: Ich glaube, dass es hilft, einfach nicht so krampfhaft nach irgendwas zu suchen. Habe ich auch eine Zeit gemacht und es ist ziemlich danebengegangen.

Tobias: Es gab sicher Phasen, in denen ich zu krampfhaft gesucht habe. Die Tatsache, dass ich nicht so die Erfahrungen mit Frauen habe, macht es auch nicht besser. Wenn man mit jemandem schreibt, weiß man halt auch gar nicht, wer am anderen Ende sitzt. Die Emotionen fehlen und das persönliche Kennenlernen ist das A und O. Auch die Optik spielt definitiv eine Rolle und lässt sich nur zum Teil durch Fotos beurteilen, was ja auch oberflächlich ist. Mir gefällt der Spruch: „Die Optik ist die Eintrittskarte und der Charakter die Dauerkarte.“ Aus dem Grund habe ich für mich nun auch gemerkt, dass diese Apps für mich nicht geeignet sind und mich mittlerweile überall abgemeldet. Allerdings hatte es für mich auch nicht nur Schlechtes. Ich habe darüber eine richtig gute Freundin kennengelernt. Da war aber schon beim Schreiben vor dem ersten Treffen klar, dass es rein freundschaftlich ist.

Ob Liebe oder Freundschaft – sowohl Katja als auch Tobias haben über verschiedene Dating-Apps jemanden kennengelernt. Jetzt wollen wir von euch wissen: Welche Erfahrungen habt ihr mit Dating-Apps gemacht?

Der Algorithmus kann mich mal!

Zugegeben, ich tue mich schwer mit unserem Monatsthema. Dating-Apps. Wie das schon klingt. Als könnte man bei Bedarf einfach auf dem Handy tippen und schwupps taucht der passende Partner mit dem passenden Geschlecht auf, Geigenmusik ertönt, ein aphrodisierendes Essen wird serviert, während die App daran erinnert, sich auch ja in die Augen zu blicken. Verabredung nach Maß, Verlieben nach Klick, Partnerschaft nach Berechnung. Der Algorithmus brummt. Ich weiß, dass es bei einigen hervorragend funktioniert, aber das System dahinter schmeckt mir ganz und gar nicht.

Verlieben ist alles
Der Algorithmus kann mich mal!

Ohne Partner? Das geht in unserer Gesellschaft so gar nicht (Foto: iAmMrRob / pixabay.de)

„Alle zehn Minuten verliebt sich ein Single“ – was für eine Ansage. Immer der gleiche? Verliebt sich auch jemand in ihn oder sie? Die Aussage wackelt gewaltig und ihr steht etwas gegenüber, das keine Zahlen nennen kann. Die analoge Welt, in der sich meiner reinen Vermutung nach, viel öfter als alle zehn Minuten ein Single verliebt. In jemanden, den er oder sie gerade getroffen hat, schon länger kennt, von dem er es nie erwartet hätte, bei dem die Frage, ob sich diese Person zurückverliebt genauso groß ist. Denn das Verlieben, seien wir ehrlich, ist selten unser Problem. Das zeitgleiche ineinander Verlieben schon eher. Und unser Leben ist auch durchaus lebenswert, ohne dass uns jemand erklärt, wir wären nur eine „bessere Hälfte“. Wir sind absolut glücklich mit dicken Freunden, finden Erfüllung in unserer Berufung, genießen die Freiheit nicht auf Kompromisse einer Beziehung eingehen zu müssen. Und doch schallt es von allen Wänden: wir müssen uns verlieben, nur als Paar ist der Mensch komplett.

Also gut
Der Algorithmus kann mich mal!

Die Sucht nach Nähe. Sie steckt oft tief in uns (Foto: aitoff / pixabay.de)

Ja, ich und mein hohes Ross, auf dem ich nach über zehn Jahren Beziehung mit Hochzeit und Kindern und so sitze. Mea culpa. Und doch ändert das nichts an meiner Meinung dazu. Es braucht keinen Partner und keine Partnerin, um „anzukommen“. Es darf ihn aber geben. Nun stecken wir in dieser Gesellschaft, die uns ständig fragt, wann es denn bei uns soweit ist, mit Partner, Kind und so weiter. Rollen wir mit den Augen und gestehen uns ein, dass der Mensch so oder so nach Nähe giert. Sex und Kuscheln, ausgiebiges Quatschen, Küssen und Händchenhalten. Das tut uns gut, ich hör ja schon auf zu meckern. Uns wird gesagt, wir brauchen Partnerschaft und vielleicht ist das auch so und an der Stelle möchte ich erweitern: Egal wie viele Partner, welches Geschlecht sie haben und wie lange es „hält“. Der Mensch als Rudeltier. Trotzdem meckere ich über Dating Apps, dann erst recht.

Der Mensch, ein Zahlenmeer
Der Algorithmus kann mich mal!

Verwandelt uns in ganze Zahlen: der Algorithmus (Foto: geralt / pixabay.de)

Dating Apps laufen mit Algorithmen, die aus den Daten, die wir eingeben, Berechnungen darüber erstellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir zu bestimmten Menschen passen. Je mehr Daten, desto genauer und mit der Zeit haben diese Algorithmen dazu gelernt. Dass regionale Faktoren berücksichtigt werden müssen, dass manche Punkte wichtiger sind, als andere, dass wir uns selbst manchmal nicht so gut kennen, wie wir glauben. Der Algorithmus aber will uns ganz genau kennen. Besser als wir uns selbst. Bei dem Gedanken läuft es mir schon eiskalt den Rücken herunter. Wo entblößt man sich mehr, als bei Partnern? Gerade diese Details erfasst der Algorithmus. Wir werden nicht nur gläsern, wir werden zu einem Zahlenmeer, das radikal kategorisiert wird. Schubladen deluxe. Und aufgrund dieser Schubladen werden wir mit den passenden Socken – äh – Partnern zusammengesteckt. Ja, das widerstrebt mir zutiefst, denn wie die Mischung aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden für einen Menschen sein muss, damit aus einer Verabredung eine Bindung (vielleicht auf Lebenszeit) wird, kann nicht berechnet werden. Weil Menschen sich ändern. Vielleicht nur in Nuancen, aber dafür stetig, ohne Unterlass. Und ohne System.

Der digitale Schutzraum
Der Algorithmus kann mich mal!

Nur einen Klick entfernt? Möglich, aber mit einem Haken (Foto: stevepb / pixabay.de)

System gibt es dagegen bei den Dating-Apps zur Genüge. Die Treffer passen auf den ersten Blick, persönliche Treffen sollen das vertiefen, denn (na sowas) nur digital ist scheinbar auch nicht gut. Was aber fehlt, ist dieser kleine Funke der Annäherung. Bei einer Dating App weiß ich, dass der andere auch sucht und was er sucht. Ich muss mir nicht die Mühe machen, mich vorzustellen und mich bemühen, eine Annäherung zu schaffen. Das übernimmt die App. Praktisch, praktisch, wenn es nicht mehr um langsames Aufeinanderzugehen geht. Funktioniert schneller, man weiß, woran man ist (wenn alle ehrlich sind) und wir riskieren im ersten Moment weniger. Der digitale Schutzraum ist eine Blase, die es uns einfacher macht, ohne Frage. Das Problem ist, dass ich nicht glaube, dass es einfach sein soll. Gerade am Anfang nicht. Ich glaube, Verabredung auf Knopfdruck ist wie Instant-Kaffee oder eine Fertig-Lasagne. Manchmal ok, manchmal sogar richtig, richtig gut, aber oft leider wesentlich schlechter als ein frisch gemahlener Espresso oder eine heiße Lasagne, die man selbst gekocht hat. Ohne Frage, es gibt sie. Die, die nur dank Dating Apps ihre große Liebe finden und ich gönne es ihnen aus tiefstem Herzen. Das System dahinter finde ich dennoch hochproblematisch.

Lesen zwischen Spaß und Pflicht

Ich gestehe, der Jahreswechsel war bei mir eher unspektakulär. Mit meiner Tochter mit Orangensaft auf dem Sofa, während der Große mit seinem Papa Wunderkerzen im Garten abgebrannt hat und der Kleinste alles verschlafen konnte. Doch als Buchbloggerin bedeutet der Jahreswechsel immer wieder einiges an tatsächlichem Neuen. Denn mit jedem Silvester gibt es neue „Lese-Challenges“, die neue „Challengeseiten“ brauchen und mein Lesejahr zumindest abstecken.

Blogger und Deutsch

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Dabei finde ich das Wort Lese-Challenge  einfach grausig. Auf meinem Blog heißt der Überbegriff darum schlicht „Leseaufgaben“. Und auch das ist noch nicht wirklich genial. Denn „Lese-Challenges“ gibt es in allerlei Formen und Ausprägungen. Die Grundidee ist die, dass die Leser gemeinsam Büchern lesen und als kleiner Ansporn wird ermittelt, wer am schnellsten war oder die meisten Bücher gelesen hat. Initiiert werden die Challenges auch meist von Bloggern, ab und an aber auch von Verlagen selbst, oder aber in Zusammenarbeit. Vor allem geht es mir dabei um die Gemeinschaft. Sehen, was die anderen zu den Vorgaben gelesen haben oder feststellen, dass die gleichen Bücher gelesen wurden. Und auch das Stöbern in den Rezensionen der mitlesenden Blogger. Manche dieser Herausforderungen sind sehr frei, andere eher eng gefasst. Manchmal liest es sich in ganzen Gruppen „gegen“ andere, wie bei der „Human-Vampire-Magic-Challenge“.  Die gelesenen Bücher der Mitmachenden werden hier addiert und mit denen der anderen Gruppen verglichen. Auch das erzeugt eine Art von Gemeinschaftsgefühl. Im Grunde eine Art großer Buchclub, bei dem entweder nur Themen oder auch die einzelnen Bücher von den Veranstaltern vorgegeben werden. Dann wird über das Gelesene in verschiedenen Gruppen gesprochen oder auch nur auf Blogs rezensiert und kommentiert.

Macht das noch Spaß?
Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Gerade zu Beginn 2017 habe ich einige Buchblogger gefunden, die sich gegen die Aufgaben wehren. Nicht etwa, weil sie nicht gerne lesen, sondern weil ihnen der Leistungsgedanke dahinter missfällt. Das kann ich durchaus verstehen. Ich habe schon erlebt, dass Leser über 20 Bücher im Monat lesen oder es zumindest behaupten. Je nach Lebenslage ist das auch machbar – aber oft sind drei bis  sechs Bücher einfach eher machbar. Vor allem, wenn nicht nur eine „Lese-Challenge“ angegangen wird oder eben noch andere Bücher auf dem Stapel ungelesener Bücher warten. Das Belohnen  der „Fleißigsten“ mit Buchgewinnen oder ähnlichem sehe ich also kritisch. Nach der Buchmesse letztes Jahr riefen  ein paar Blogger eine Buchmesseblues-Challenge ins Leben. Da hat dann jedes gelesene Buch Lose gebracht und am Schluss wurden zwei Mitlesende gezogen. Das System fand ich viel besser, denn auch wer nur ein Buch zu den Themen lesen kann, hat doch mitgemacht und sollte die gleiche Chance bekommen, wie der Dauerleser schlechthin.

Aufgaben und Listen
Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Mittlerweile bin ich selbst dazu übergegangen, mich zu beschränken. Viele Ideen sind toll, aber wenn ich meine Auswahlmöglichkeiten durch so viele Aufgaben immer mehr erweitere, schaffe ich das nicht, was ich mir eigentlich erhoffe: Etwas mehr Struktur in meiner Bücherauswahl. Denn es gibt so viele gute Bücher, dass ich manchmal dastehe und einfach nicht weiß, was ich als nächstes lesen soll. Mein Kleiderschrank macht mir wesentlich weniger Probleme . Wenn ich dann aber auch die Monatsaufgabe der „Motto-Challenge“ von Weltenwanderer   schaue, fällt mir die Auswahl leichter. Oder ich orientiere mich etwas fachlicher mit der „Frauen-Lese-Challenge“ von Wortlichter. Die passt mir sehr gut, weil ich hier das Lesen für die Dissertation mit dem Blog verbinden kann. Toll finde ich aber auch Leselisten. Die „Bücherkultur-Challenge“ beispielsweise führt Klassiker (auch moderne). Die „100-Books-Bloggeredition“ ist ähnlich gestrickt und stellt sehr gute Bücher vor. Besonders freue ich mich 2017 meine eigene Liste eingeführt zu haben. Die der BartBroAuthors, zu denen ich mich seit Dezember 2016 zählen darf. Hier finde ich gerade junge, noch weniger bekannte Autoren und auf die werfen Blogger immer gerne ein Auge. Ich finde es sehr toll, durch meine kleine „Challenge“ auch weniger bekannte Bücher und Autoren auf den Plan zu rufen. Denn auch dabei geht es bei „Lese-Challenges“  immer wieder: Neues entdecken und tolle Bücher lesen.

Wie viel Medien braucht der Mensch?

Zu viel oder falsch genutzt? Der Konflikt um Medien kommt immer wieder hoch (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Zu viel oder falsch genutzt? Der Konflikt um Medien kommt immer wieder hoch (© Stefan Bayer / pixelio.de)

Einer meiner ersten Blicke am Morgen gilt meinem Mobiltelefon. Es blinkt blau, wenn ich Nachrichten bekommen habe, weckt mich mit ausgewählter Musik, zeigt mir den Wetterbericht, wichtige Nachrichten und die Termine des Tages. Ich plane die Zeit ein, noch im Bett das Wichtigste zu überprüfen und meinen Tag zu organisieren, denn beim Frühstück mit den Kindern will ich mich auf anderes konzentrieren können. Wir leben in einer multimedialen Welt, in der technische Geräte nicht mehr nur zum Alltag, sondern auch zur Bewältigung desselben beitragen.

Die Frage, wie viel Medium ein Mensch tatsächlich braucht, ist dabei eine ganz individuelle. Aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, braucht keiner und jeder Medien. Während meine eine Großmutter beispielswese das Internet nutz, um mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln in Kontakt zu bleiben, die quer durch Deutschland und seine Grenzen hinaus verteilt sind, ein Mobiltelefon für ihre Spaziergänge hat, falls etwas passieren sollte, und ohne ihr breites Bücherregal nicht immer wüsste, wie sie ihren Tag füllen soll, kennt meine andere weder Computer noch Handy, liest kaum die Tageszeitung und schafft es nicht, wenn die Urenkel an der Fernbedienung von TV auf Radio geschaltet haben, den Fernseher wieder in Gang zu bekommen.

Kinder und Medien: ein heikles Thema (© Eklih Mmorf / pixelio.de)

Kinder und Medien: ein heikles Thema (© Eklih Mmorf / pixelio.de)

Als wir jüngst in unser neues Eigenheim gezogen sind, beschwerte sich mein Vater (!), dass ich dagegen war, in den Kinderzimmern beim Renovieren Fernsehanschlüsse zu verlegen. „Das geht doch nicht, die brauchen das irgendwann“, sagte er, während ich ernsthaft überlegte, ob irgendwer einen Fernseher in seinem Schlafzimmer ernsthaft „braucht“. Noch dazu in einer Zeit, in der viele junge Haushalte nicht etwa darum auf einen Fernseher(-Anschluss) verzichten, weil sie sich nichts anschauen, sondern weil ein Computer ebenso in der Lage ist, Filme abzuspielen und Übertragungsprogramme zu nutzen, die mehr bieten, als manch teurer Kabelvertrag. Tatsächlich würde ich meinen Kindern einen eigenen Computer zu gegebener Zeit nicht verweigern. Viel zu sehr weiß ich, wie schon Schule, Uni und Beruf oft die Nutzung von diversen Programmen und Internet nötig machen.

Damit ich das aber ruhigen Gewissens in den Kinderzimmern belassen kann, ist eines unverzichtbar: Dass ich meinen Kindern einen verantwortungsbewussten und sinnvollen Umgang mit Medien beibringe. Darum – ganz ehrlich – betrachte ich Eltern, die auf Medien vollends verzichten, auch eher skeptisch. Seien wir ehrlich, viele von uns mussten sich selbst „beibringen“, was im Internet vertrauenswürdig ist (und wie viel nicht), wie die Programme auf unserem Mobiltelefon nicht überhand nehmen und den Arbeitsspeicher zumüllen oder dass Exel zu weit mehr gut ist, als Tabellen zu erstellen. Und einige von uns haben manche dieser Punkte bis heute nicht geschafft. Liegt es da nicht in meiner Verantwortung, meinen Kindern, die mit Sicherheit allein durch die Gesellschaft noch medialer aufwachsen, als ich, die ich laut meinem Professor bereit ein „digital native“ bin, die Regeln der medialen Welt beizubringen. Ich lasse ja auch keinen ans Steuer, der die Straßenverkehrsordnung nicht kennt.

Ansichtssache: Auch Bücher sind Medien (Foto: Obermann)

Ansichtssache: Auch Bücher sind Medien (Foto: Obermann)

Und, das wollen wir hier nicht vergessen, auch Zeitungen und Bücher sind Medien, auch CDs und Werbeplakate. Medial heißt nicht gleich Computer. Und so wie die ersten Bücher nicht unbedingt einen so guten Ruf hatten, mag es sein, dass Fernsehen und Internet in ein paar Jahrzehnten zum Gut der gebildeten Schicht gehören, wie heute die Klassiker der deutschen Literatur. So genannte „e-learning“-Angebote gibt es an fast jeder Universität und auch an immer mehr Schulen. Ohne Internet könnte ich mich weder für meine Kurse anmelden, noch für die Prüfungen. Selbst die Einschulungsfotos meines Sohnes musste ich per Internet einsehen und auswählen. Die Kuchenliste für den letzten runden Geburtstag wurde per WhatsApp besprochen und meine Oma schickt mir lieber elektronische Post, als mich anzurufen, weil sie besser lesen, als hören kann.

Oft werden die Medien verflucht, verteufelt und für eine Abwesenheit aus der Realität verantwortlich gemacht. Tatsache ist doch, dass sie tief eingebettet sind in unsere Realität. Es macht keinen Unterschied, ob ich im Zug die gedruckte Zeitung lese oder das elektronische Äquivalent, die Nachrichten sind die gleichen. Und hier wie dort ist es meine Obliegenheit, zu entscheiden, welche Meldungen ich für wichtig erachte, welche ich überfliege oder gar nicht erst lese. Entscheidend ist nämlich, dass die Nutzung von Medien Verantwortung bedeutet und kein Kontrollverlust. Und nur, wenn ich das selbst begriffen habe und mich daran halte, kann ich dies auch weitergeben.

Vorschau: Nächste Woche gibt unsere neue Kolumnistin Anna ihren Einstand und schreibt über die Hass-Liebe zur Geduld.

You are too good to be true – Coversongs und Originale

Ihr kennt das bestimmt auch: Ihr schaltet das Radio an, zappt durchs TV oder bekommt im Newsfeed auf Facebook die neusten Lieder. Ihr hört die ersten Takte und denkt „irgendwo habe ich das schon Mal gehört“. Schnell merkt ihr, so neu ist der Song irgendwie auch nicht, aber trotzdem erwischt ihr euch wie ihr mit dem Fuß mit wippt. Na klar, die Rede ist natürlich von Coversongs.

Gecovert wird schon immer – frei nach dem Motto „ was einmal gut war, wird auch beim zweiten Mal zum Kassenschlager“. Ob das wirklich stimmt, wollen wir für euch klären und haben ein paar Songs etwas genauer unter die Lupe genommen.

Musikalisch: Viele Musiker versuchen sich an erfolgreichen Songs und covern diese

Musikalisch: Viele Musiker versuchen sich an erfolgreichen Songs und covern diese (Foto: V. Wahlig).

Unter einem Coversong versteht man ein Musikstück, das von einem neuen Künstler noch einmal veröffentlicht wird. Neben dem „typischen Coversong gibt es noch das Remake. Dabei handelt es sich um eine Neuinterpretation durch denselben Interpreten. Eine weitere, sehr beliebte, Form ist aber auch der Remix. Hierbei handelt es sich um ein neues Abmischen der schon vorhandenen Tonspuren. Bei einem Coversong oder Remix muss natürlich der Urheber des Originals gefragt werden. Ohne Nennung des Urhebers spricht man bei einem solchen Musikstück von einem Plagiat (das gibt es also nicht nur bei Doktortiteln).

Die momentan wohl bekannteste Coverband ist Walk off the earth (WOTE). Bekannt wurden sie mit dem Lied Somebody That I Used to Know, das im Januar 2012 innerhalb weniger Monaten bei YouTube rund 125 Millionen Mal aufgerufen wurde. Auf ihren Youtube- und Facebookseiten präsentiert die kanadische Band fast wöchentlich neue Coverversionen. Mit einem ihrer Version reihen sie sich in die Riege von Künstlern eines echten Coverklassikers ein. Zusammen mit der Sängerin Selah Sue coverten sie den Song „Can’t Take My Eyes Off You“ von Frankie Valli aus dem Jahr 1967. Insgesamt wurde der Liebessong schon über 150 Mal von Künstlern auf der ganzen Welt neu interpretiert, darunter viele sehr berühmte Sänger wie Gloria Gaynor, Diana Ross & the Supremes, The Killers, Hermes House Band oder The Overtones. Und manche der Covernummern waren erfolgreicher als das Original. Dass dies nicht selten der Fall ist, sieht man auch an den folgenden Liedern.

Zahlreich: Beim durchstöbern der CD- Sammlung finden sich zahlreiche Coversongs.

Zahlreich: Beim durchstöbern der CD- Sammlung finden sich zahlreiche Coversongs (Foto: V. Wahlig).

Im Jahr 2007 lieferten Amy Winehouse und Mark Ronson den Ohrwurm des Jahres. Mit „Valerie“ feierten sie einen weltweiten Erfolg. Nur die wenigsten wissen, dass es sich bei diesem Song um ein Cover handelt. Die englische Indie Rock Band „The Zutons“ veröffentlichte „Valerie“ bereits ein Jahr zuvor und erreichte immerhin Platz 9 der UK-Charts. Den Song „Killing me softly“ verbindet man mittlerweile ausschließlich mit der Hip-Hop Band The Fugess. 1996 erreichten sie damit unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Chartspitze. Dabei wurde der Song ursprünglich wurde der Song US-amerikanische Sängerin Lori Lieberman geschrieben „Killing Me Softly with His Song“ erschien jedoch 1973 von der Sängerin Roberta Flack und wurde schon damals ein Erfolg in Amerika.

Absoluter Evergreen der Coverhits ist laut Guinness Buch der Rekorde der Beatlessong „Yesterday“. Mit über 1600 Versionen zwischen 1965 und 1985 ist es das bislang am häufigsten gecoverte Lied.

Bei diesen Liedern kann man ja auch nur nach mehr Covernummern schreien und wir sind uns sicher: Der ein oder andere Song wird uns bestimmt bald wieder im Radio, Internet oder TV begegnen.

Vorschau: Nächste Woche gibt es wieder Neuigkeiten aus der Musikwelt!

Mixtape für deinen Roadtrip

Der Sommer ist die Lieblingsjahreszeit, wenn es darum geht mit seinen Freunden in einem Auto die Welt zu erkunden. Man lässt den Motor an, legt den ersten Gang ein und sobald man langsam die Kupplung kommen lässt, schnurrt der Wagen in die gewünschte Richtung los. Jetzt fehlt nur noch eine kaum befahrene Straße und man kann ganz ungezwungen und frei überall hinfahren. Der hier stattfindenden Autonomie des Fahrers sind als einzige Grenze die Menge an Benzin und Geld gesetzt. Doch diese Faktoren  werden für diesen Artikel zunächst ausgeblendet. Es kommt nur auf das Gefühl der Freiheit an. Um ein richtiges Roadtrip – Freiheitsgefühl zu bekommen, hat die Face2Face-Musikredaktion folgende Formel aufgestellt:

Das physikalische Gesetz lautet: Gummi des Reifen auf der Straße + passende Musik = Freiheit

Schaut man sich diese Formel genauer an, so erkennt man, dass für einen perfekten Roadtrip der Leser an dieser Stelle zunächst nur einen Wagen braucht und der Treibstoff Musik kommt natürlich von uns. Gänzlich exklusiv und kostenlos für den Face2Face-Leser gibt es hier die Roadtrip-Playlist für den Sommer:

Freiheit: Ein Roadtrip mit der richtigen Musik (Foto: Spies)

Freiheit: Ein Roadtrip mit der richtigen Musik (Foto: Spies)

1.    Stereophonics – Maybe Tomorrow
Übersetzt heißt es „Vielleicht Morgen“ und dreht sich um die Lösung alltäglicher Probleme und dem Wunsch für sich allein und frei zu sein!

2.     Cat Power – Cherokee
In diesem Song geht es um Liebe, Tod, Heirat und noch vieles mehr….ach ja und um ein Indianervolk – ideales Lied um die Hand aus dem Fenster zu halten und immer schneller weiterzufahren!

3.    Kakkmaddafakka – Restless
Die jungen Norweger singen von einer ruhelosen Frau, der Man(n) sehr gerne gefallen würde. Mit melodischem Zusammenspiel zwischen Gitarren und Schlagzeug ein Muss auf der Roadtrop-Playlist!

4.    Youth – Daughter
Hier haben wir einen tollen Song, der den Mythos der Jugend besingt – positiv und aber auch negativ!

5.    The Klaxons – Golden Skans
Um was es hier genau geht, kann uns wahrscheinlich nur der Interpret sagen. Wir wissen es geht um Licht und um das Vergessen von Zukunftsplänen. Trotzdem ein Song mit Roadtrip-Qualität!

6.    London Grammer – Darling are you gonna leave me
Ein Song bei dem die Sängerin den Zuhörer fragt, ob er sie verlässt. Da wir gerade am Fahren sind, kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er gerade eher etwas oder jemanden hinter sich lässt oder doch eher einem konkretem Ziel entgegen fährt.

7.    Dan Croll – From Nowhere
Der Interpret verliert sich in diesem Song in den Augen seines Gegenübers und vergisst zeitweise jedwede Konsequenzen für seine Handlungen. Wir finden das gut! Weniger denken – mehr genießen!

8.    Selah Sue – Crazy Vibes
Selah Sue, eine belgische Musikerin, singt, dass sie uns durch ihre Musik und Freude und Glück bringt. Dem stimmt die Face2Face-Musikredaktion zu und dreht jetzt erst Recht die Anlage lauter!

9.    Vance Joy – Riptide
Ein verliebter Musiker fragt seine große Liebe, ob sie bei ihm bleibt. Sorry, aber die sitzt bei uns gerade auf dem Beifahrersitz – trotzdem danke für ein tolles Lied!

10.    The Proclaimers – 500 Miles
Dieser Klassiker darf natürlich nicht fehlen. Durch die Serie „How I met your Mother“ als der Roadtrip-Song glorifiziert, finden auch wir, der gehört mit auf die Playlist!

11.    The Mowgli´s – San Francisco
Auch hier geht es um Liebe und um eine Stadt: San Francisco. Wenn ihr den Song richtig verstehen wollt, dann dreht doch mal die Lautstärke voll auf und gebt doch mal folgendes in euer Navigationsgerät ein: S-A-N- -F-R-A-N-C-I-S-C-O … Dann wisst ihr was wir meinen!

12.    The Kingsmen – Louie Louie
Ging es in einem der Songs schon um Liebe? Falls nein, haben wir zum Abschluss noch einen Track aus den 60er-Jahren, in dem der Interpret auf der Rückfahrt zu seiner geliebten Freundin ist.

Die kleine Auswahl ist nicht als „die perfekte Roadtrip-Playlist“ zu sehen, sondern vielmehr als Tribut an die vielen kleinen CDs, USB-Sticks etc., die sich gerade in eurem Auto befinden und nur darauf warten gehört zu werden. Also – los geht´s!

Vorschau: Und in zwei Wochen geht es weiter mit einem Review zu dem aktuell erschienenem Album „Illmatic XX“ von Nas!

IP – ob ich will oder nicht

Bald via Internet: Immer mehr Telefonanschlüsse sollen digital werden.

Bald via Internet: Immer mehr Telefonanschlüsse sollen digital werden. (© Rainer Sturm/Pixelio.de)

Neulich habe ich Post von der Telekom bekommen. An sich bin ich eher abgeneigt gegenüber Briefen von der Telekom, weil es immer etwas Schlechtes bedeutet. Bestenfalls sind es Werbebriefe à la „Internet zum Schnäppchenpreis“. Wie dem auch sei: Meine düstere Ahnung hat sich prompt bestätigt. Die Telekom hat mir mitgeteilt, dass ich jetzt IP-Telefonie nutzen muss, also Telefonieren übers Internet. Punkt. Andernfalls hätte ich eben gar keinen Anschluss mehr.

Mich stört schon die Tatsache, dass man auch freundlicher auf ein neues Netz hinweisen kann, als durch die Androhung einer Zwangskündigung. Sie hätten mir auch schreiben können, dass wir den Vertrag umwandeln müssen. Alles im Zuge der neuen Infrastruktur. Das klingt doch gleich netter als „Wenn sie sich nicht für einen neuen IP-Vertrag entscheiden, müssen wir leider ihren Festnetz-Anschluss kündigen“. Dann vielleicht noch ein paar erklärende Worte, warum die Umstellung überhaupt sein muss, und ich wäre deutlicher weniger sauer.

Doch genau da liegt eines der Probleme: Es gibt keinen wirklich guten Grund dafür, das analoge Festnetz abzudrehen, es ist wieder eine Sparmaßnahme. Momentan muss die Telekom immer noch zwei Netze betreuen und instand halten: Das analoge, also „normales“ Telefon, und das digitale, sprich Internet. Wo es dann kein analoges mehr gibt, muss die Telekom nur noch das digitale Netz verwalten und warten. Ganz schön praktisch, nicht?

Wenn ich zynisch bin, kann ich noch weiter gehen und behaupten, dass IP die Abhörmaßnahmen der Nachrichtendienste einfacher und billiger macht. Immerhin müssen sie nur noch das digitale Netz anzapfen. Das heißt, sie bekommen alle Daten über ein einziges Medium. Das sei nur am Rande erwähnt.

Schlagader der Moderne: Immer mehr Dienste laufen über das Netzwerkkabel.

Schlagader der Moderne: Immer mehr Dienste laufen über das Netzwerkkabel. (© Marko Greitschus/Pixelio.de)

Mich interessiert vor allem, dass diese seltsame Zwangs-Umstellung gehörig in meinen Alltag eingreift. Was zum Beispiel, wenn das Internet mal wieder weg ist? Mit dem analogen Netz konnte ich wenigstens noch bei der Telekom anrufen und den Ausfall melden, mich beschweren. Jetzt heißt es: Internet weg, alles weg.

Ich muss damit leben, dass ich meinen Router jetzt rund um die Uhr laufen lassen muss, wenn ich über das Festnetz erreichbar bleiben will. Das heißt im Endeffekt erhöhte Stromkosten für mich, denn bisher hatte ich die Angewohnheit dem Router den Saft abzudrehen, wenn ich ihn nicht gebraucht habe. Ab jetzt brauche ich ihn ja grundsätzlich immer, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Immerhin ist die Telekom so hilfsbereit und aufdringlich, gleich neue Hardware für das digitale Netz anzupreisen. Ich bräuchte ja unbedingt einen neuen Router. „Ach, wirklich, ist dem so?“, war da meine rhetorische Gegenfrage. Ich habe schon jetzt einen Router von der Telekom. Das Ding frustriert mich immer wieder aufs Neue, denn verwalten lässt es sich so gut wie nicht. Aber: Der Kasten ist IP-Telefonie-fähig. Definitiv! Zwei Telefon-Anschlüsse auf der Rückseite und, oh Wunder, in den Einstellungen kann ich auch Telefonnummern eintragen. „Nein, mein Router reicht, der ist IP-fähig!“

Für mich war das Gespräch damit beendet. Doch was ist mit all den älteren Leuten, die froh sind, dass sie überhaupt mit Routern und Computern zurecht kommen? Allein schon der Gedanke an eine Umstellung auf so eine komische Internet-Telefonie sorgt für Verwirrung. Dann noch der Mitarbeiter der Telekom, der seine überteuerten Geräte loswerden will – viele sagen da schneller ja und Amen als nötig. „Der junge Mann von der Telekom wird schon wissen, was ich brauche.“ Leider weiß er nur zu gut, was das Beste für den Konzern ist, nicht unbedingt für den Kunden.

Wehren kann ich mich ja leider nicht gegen die IP-Telefonie, ich muss in den sauren Apfel beißen. Dafür habe ich mein angebliches VDSL runter gestuft. Jetzt lebe ich wieder mit normalem DSL, wobei ich von der Geschwindigkeit und vom Durchsatz her keinen Unterschied erkenne. Leider ist auch das mit dem VDSL so eine Sache: Bin ich zu weit vom Verteiler weg, dann ist das superschnelle Internet genauso schnell wie der Standard-Anschluss, nur dass er mehr kostet. Aber das ist wieder eine andere Baustelle in der Welt des rosa Internet. Ob es wohl eine Möglichkeit gibt, wenigstens eines der vielen Probleme bei der Telekom zu beheben?

Vorschau: Regeln begegnen uns überall im Alltag und Eva wird sich nächste Woche mit der Frage beschäftigen, wie wichtig Regeln eigentlich sind.

Movies Made in Germany – Das Festival des deutschen Films geht in die 10. Runde

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Strahlt hell in der nächtlichen Szenerie: Das Logo des Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Anglizismen und vor allem amerikanisch geprägte Einflüsse sind aus der Popkultur Deutschlands längst nicht mehr wegzudenken. Ein Kassenschlager im Kino aus Amerikas bekanntester Filmschmiede jagt den nächsten und auch im deutschen Fernsehen überwiegen die altbekannten etablierten amerikanischen Produktionen. In Vergessenheit gerät dabei das Potenzial, das unser eigenes Land jahrein, jahraus in der Filmkunst beweist.

Veranstaltungen dafür gibt es vielerorts. Jedoch spezialisiert sich kaum ein Filmfestival auf alle Disziplinen des Filmemachens. Ob im Kino, im Fernsehen, nur auf DVD oder auch im Internet ausgestrahlt spielt keine Rolle – lediglich die künstlerische Komponente ist, was zählt.

Diesen Leitspruch hat sich das Festival des deutschen Films zum Programm gemacht, das dieses Jahr zum zehnten Mal in Ludwigshafen stattfand. Austragungsort war, wie seit der Gründung 2005, die Parkinsel am Rande der Stadt mit ihrer Platanenallee und dem industrieromantischen Blick auf den Rhein und Mannheim.

Auf dem Programm standen, untergliedert in sechs verschiedene Kategorien, fast 50 Filme, deren Produktionsstandort ausnahmsweise nicht im amerikanischen Hollywood liegt, sondern in Deutschland. Filmbegeisterte konnten sich in der atmosphärischen Symbiose von Stadt und Natur überzeugen lassen, was der deutsche Film heutzutage noch zu bieten hat.

Face2Face war mit Euch vor Ort und hat sich den Film „Stereo“, mit Jürgen Vogel (Die Welle) und Moritz Bleibtreu (Das Experiment) näher angeschaut. Der Handlungsverlauf des packenden Thrillers ist leicht umrissen: Der Motorradfan Erik führt ein ambivalentes Leben. Auf der einen Seite übertritt er gerne die Geschwindigkeitsbegrenzungen der

Idyllisch: Die Platananallee am Ufer des Rheins (Foto: N. Schwalb)

Idyllisch: Die Platananallee am Ufer des Rheins (Foto: N. Schwalb)

beschaulichen Landstraßen und schraubt ölverschmiert in seiner eigenen Werkstatt an Motorrädern herum, auf der anderen Seite hat er Teil an dem Familienleben der alleinerziehenden Julia und einen Narren an ihrer Tochter Linda gefressen. An seine Vergangenheit will und kann er sich nur schwer erinnern, wie ihm klar wird als zwielichtige Gangster bei ihm auftauchen und ihn bestens zu kennen scheinen. Schlimmer noch wird Erik von einer imaginierten Gestalt verfolgt, die sich später als Henry vorstellt und auch per Hypnose nicht zu vertreiben ist. Erik findet sich in einer prekären Lage wieder: Will sein imaginärer Verfolger ihm Böses antun? Wem kann er vertrauen? Und welche Geheimnisse verbergen sich in seiner Vergangenheit? Ein Psychothriller voller Spannung, Verstörung aber auch mit einem skurrilen Witz, der das Publikum applaudierend und mit erstaunten Mienen zurücklässt.

Wer sich nicht mit schlichten Filmvorführungen zufrieden geben wollte, dem bot das

Gut besucht: Eines der Kinozelte beim Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Gut besucht: Eines der Kinozelte beim Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Filmfestival die Möglichkeit, Persönlichkeiten aus der deutschen Filmlandschaft hautnah kennenzulernen oder an einer der vielen Preisverleihungen teilzunehmen. So ging beispielsweise der Preis für Schauspielkunst an Anna Loos und den als lustigen Professor Boerne aus dem münsteraner Tatort bekannten Jan Josef Liefers. Dieser resümierte das Festival, das am 08.Juli mit einem Besucherrekord von 78.000 Menschen zu Ende ging: „Dieses Festival steht für den deutschen Film und davon leben wir.“

Vorschau: Nächste Woche testet die FILM&KUNST&KULTUR-Rubrik den Einsatz von Ebook-Readern und inwiefern sie echten Bücher den Status streitig machen können.