Die große DEL-Prognose

„Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, lautet eine weit verbreitete Weisheit. Dies gilt auch für die Deutsche Eishockeyliga (DEL). Bei der heute beginnenden Saison lehnt sich Face2Face dennoch ganz weit aus dem Fenster und gibt eine Prognose für die kommende Spielzeit 2014/2015 ab.

 

Die Favoriten:  

Kölner Haie: Die Kölner Haie haben die letzten beiden Finalserien verloren. Das Team des ehemaligen Bundestrainers Uwe Krupp blieb aber von einem Umbruch verschont. Fluch oder Segen? Das Team ist eingespielt, wurde mit Mike Iggulden, Jamie Johnson, Evan Rankin und vor allem NHL-Rückkehrer Alexander Sulzer hochkarätig verstärkt.
30 +: Mit gleich elf Akteuren über 30 Jahren verfügen die Haie zwar über viel Erfahrung, die fehlende Spritzigkeit könnte aber zum Problem werden. Des Weiteren muss sich erst zeigen, ob die Kölner aus den beiden Finalniederlagen nun die nötige Motivation ziehen oder ob das Team einen Knacks abbekommen hat.
Fazit: Die Haie haben auf dem Papier den stärksten Kader. Das Saisonziel kann nur die Meisterschaft sein. 

Adler Mannheim: Der wichtigste Neuzugang der Adler war Trainer Geoff Ward. Der 52-Jährige war zuletzt sieben Jahre als Co-Trainer bei den Boston Bruins beschäftigt. In dieser Zeit schaffte er es mit den „Braunbären“ gleich zwei Mal ins Stanley-Cup-Finale. Ward möchte eine verschworene Einheit formen und fordert von jedem Spieler Führungsqualitäten. Mit den Neuzugängen Andrew Joudrey, Jamie Tardif und dem 40-jährigen Veteranen Glen Metropolit haben die Mannheimer an Charakter und Qualität gewonnen. Die Neu-Verteidiger Danny Richmond und Bobby Raymond sollen für die nötige Feuerkraft von der blauen Linie sorgen und somit das miserable Powerplay (letzte Saison waren die Adler die schlechteste Mannschaft in Überzahl) aufpolieren.
Nationalspieler: Durch die Tiefe im Kader kann es passieren, dass gestandene Nationalspieler wie Marcus Kink und Christoph Ullmann in die nominell vierte Reihe abrutschen. Werden sie sich fürs Team opfern und arbeiten oder sich beleidigt quer stellen?
Fazit: Schafft es Geoff Ward aus den Adlern eine Einheit zu formen, die ihre volles Potenzial abruft, sind die Mannheimer ein heißer Titelanwärter. 

Hamburg Freezers: Die „Kühlschränke“ haben mit David Wolf, der sein Glück beim NHL-Team Calgary Flames sucht, einen echten Typen und Punktesammler verloren. Den Verantwortlichen um Manager Stéphane Richer ist klar, dass sie den Hünen nicht ein zu eins ersetzen können. Als Ersatz wurde mit Marty Sertich und Kevin Clark hohe Qualität von der Liga-Konkurrenz eingekauft, durch wenige Veränderungen des letztjährigen Kaders weiterhin auf Kontinuität gesetzt.
Tandem: Mit Dimitrij Kotschnew und Sébastien Caron verfügen die Hamburger über zwei absolute Spitzentorhüter, die sich regelmäßig zwischen den Pfosten abwechseln. Doch können sich beide tatsächlich mit dieser Konstellation arrangieren, wenn es, im Gegensatz zur letzten Saison, mal nicht so gut bei den Freezern laufen sollte?
Fazit: Die Basis ist gelegt. Mit dem erfolgreichen Stamm aus der letzten Saison plus die beiden Top-Scorer Sertich und Clark verfügen die Hamburger über eine starke Mannschaft. Wenn sie endlich den „Halbfinal-Fluch“ in den Playoffs überwinden, ist sogar die Meisterschaft drin. 

Eisbären Berlin: Die Eisbären haben ihren Kader vom letztem Jahr, mit dem bereits in den Pre-Playoffs Schluss war, nicht groß verändert. Ein Nachteil? Nein! In der Mannschaft stecken genug Spieler, die bereits eine Vielzahl von Meisterschaften eingesammelt hat. Auch im Tor wurde der in die NHL abgewanderte Rob Zepp durch den finnischen Weltmeister-Torhüter Petri Vehanen mehr als ersetzt. Ein neuer, torgefährlicher Verteidiger fehlt allerdings noch.
Schleudersitz: Trainer Jeff Tomlinson ist nach der überschaubaren letzten Saison angezählt. Nur ein Erreichen des Playoff-Halbfinales dürfte den Ansprüchen der Verantwortlichen genügen.
Fazit: Die Berliner sind stark genug, um diese Saison die direkte Playoff-Qualifikation zu schaffen. Und dann ist solch einer erfahrenen Mannschaft alles zu zutrauen… 

EHC Red Bull München: Alles wieder auf Null. Nach einem Jahr unter Ex-Trainer Pierre Pagé, das unter dem No-Position-System gespielt wurde, fängt der Liga-Krösus wieder von vorne an. Gleich elf Neuzugänge haben die Münchner geholt und krempelten damit ihre Mannschaft abermals kräftig um. Prominentester Neuzugang dürfte wohl Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf sein. Der Torjäger erzielte aber in der vergangenen Saison mit nur 35 Punkten seine schlechteste Scorer-Bilanz. Wird der Ex-Iserlohner bei einem Top-Team wieder zu alter Stärke finden?
Meistertrainer: Mit Don Jackson haben sie einen Nachfolger für den ungeliebten Pagé gefunden, der gleich fünf Meistertitel in seiner Vita zu verzeichnen hat. Doch reicht das, um aus dem EHC ein ernsthafter Meisterschaftsanwärter zu machen?
Fazit: Don Jackson weiß, wie man ein Erfolgsteam formt. Gelingt ihm dies auch in München und spielt sich die Mannschaft rechtzeitig ein, können sie eine gute Rolle in den Playoffs spielen.

 

Der erweiterte Kreis: 

Grizzly Adams Wolfsburg: Die Grizzlys haben bereits zu Saisonbeginn zehn Ausländerlizenzen vergeben. Zusammen mit den zahlreichen deutschen Akteuren ergibt sich daraus ein äußerst tiefer Kader. Der Konkurrenzdruck steigt dementsprechend. Mit Felix Brückmann (ehemals Adler Mannheim) kam ein Torhüter nach Wolfsburg, der sich durch den Wechsel mehr Spielzeit erhoffte. Just zur Zeit der Vertragsunterschrift ging der Stern von Grizzly-Goalie Sebastian Vogl auf. Wird es wie in Hamburg eine Doppellösung geben?Scharfschütze: Mit dem US-Amerikaner Nick Schaus haben die Wolfsburger einen echten Scharfschützen verpflichtet. 49 Scorerpunkte konnte er in 50 Spielen in der norwegischen Liga erzielen. Doch kann er dies auch in der DEL wiederholen?
Fazit: Qualität ist durchaus vorhanden. Kommt es aufgrund des tiefen Kaders und der angespannten Situation im Tor nicht zu internen Reibereien, können die Grizzlys ein gewichtiges Wort mitreden. 

ERC Ingolstadt: Trainer Nicklas Sundblad? Weg! Die letztjährigen Leistungsträger? Auch fast alle Weg! Der Meister musste nach seinem Überraschungscoup einen Umbruch über sich ergehen lassen. Immerhin: Mit Petr Taticek wurde ein Mann von internationaler Klasse verpflichtet. Auch Neu-Trainer Larry Huras kann bereits große Erfolge in der Schweiz nachweisen.
Machtkämpfe: Bereits in der letzten Saison gab es erhebliche Ungereimtheiten hinter den Kulissen. Man hätte sich fast selbst zerfleischt. Die Erwartungen sind im Umfeld durch den Meisterschaftserfolg enorm gestiegen.
Fazit: Bleibt es hinter den Kulissen ruhig und die neu zusammengestellte Mannschaft findet schnell in den Rhythmus, ist eine direkte Playoff-Qualifikation ein Selbstläufer. 

Thomas Sabo Ice Tigers: Nürnberg begeisterte letzte Saison mit Offensiv-Eishockey. Dabei vernachlässigten sie allerdings zu oft ihre defensiven Aufgaben. 152 Gegentore sprechen hierbei eine deutliche Sprache. Mit Nationaltorwart Jochen Reimer, der aus München kam, sowie den beiden ausländischen Verteidigern Kyle Klubertanz und Derek Joslin soll die Gegentorflut gestoppt werden. Kann im Gegenzug die letztjährige Top-Reihe um Patrick Reimer, Steve Reinprecht und Yasin Ehliz wieder ihr Potenzial abrufen?
DEL-Erfahrung: Mit acht Verteidigern und gleich 14 Stürmern mit DEL-Erfahrung sind die Ice Tigers breit aufgestellt. Mit erst sieben vergebenen Ausländerlizenzen kann während der Saison auf Ausfälle reagiert werden.
Fazit: Können die Nürnberger ihr beeindruckendes Offensiv-Eishockey auch in dieser Saison durchziehen ohne dabei ihre Defensivaufgaben zu vernachlässigen, wird man sie nach der Hauptrunde vorne wiederfinden.

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Krefeld Pinguine: Die Pinguine gehören zu der Kategorie von Mannschaften, die man mal gerne Unterschätzt. Doch die Krefelder können mit diesem Underdog-Image scheinbar gut leben. Fraglich ist nur, wie der letztjährige Vorrunden-Zweite den Abgang von Torjäger Kevin Clark (33 Tore) nach Hamburg verkraftet. Reichen die Neuzugänge Tyler Beechey, Colin Long und Norman Hauner dazu aus?
Schweden-Hammer: Der schwedische Neuzugang Robin Weihager war in der DEL2 wegen seiner formidablen Offensivkraft gefürchtet. Wird er diese auch eine Etage höher ausspielen können?
Fazit: Ein zweiter Tabellenplatz wie in der vergangenen Saison wird den Pinguinen in diesem Jahr nicht noch einmal gelingen. Das Playoff-Ticket wird aber souverän gelöst.

 

Außenseiter:

Augsburg Panther: Mit Chris Mason haben die Panther einen echten NHL-Veteran für die Torhüterposition verpflichtet. Hat er das Zeug, die Augsburger alleine in die Playoffs zu führen? Auf den Sturm darf sich der Traditionsverein nämlich nicht ausschließlich verlassen. Dieser markierte, trotz acht Ausländern, nur die zehntbeste Torausbeute.
Abwehr: Mit Daryl Boyle, Rob Brown und Michael Bakos sind den Panthern wichtige Säulen in der Verteidigung weggebrochen. Mit James Bettauer und Braden Lamb sind bis jetzt nur zwei Neue für den Defensivverbund gekommen. Trainer Larry Mitchell setzt auf deutsche Spieler, die bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber unzufrieden sind und damit spät auf den Markt kommen. Ein gefährliches Spiel.
Fazit: Im Sturm und im Tor sind die Augsburger gut aufgestellt. Die momentane Abwehr veranlasst einen aber nicht gerade zu Freudensprüngen. Die Playoffs sind nur sehr schwer zu erreichen. 

Straubing Tigers: Die acht Verteidiger schafften in der vergangenen Saison insgesamt gerade einmal 13 Tore. Klar, dass darunter das Powerplay zwangsläufig leiden musste. Eine große Verbesserung war in der Vorbereitung nicht zu erkennen. Mit Blick auf die vergrößerten Angriffs- beziehungsweise Verteidigungszonen und der daraus größeren Bedeutung für das Powerplay, ist das kein gutes Zeichen für die Tigers.
Hoffnungsträger: Zu den unproduktiven Verteidigern gesellen sich auch noch schwächelnde Stürmer. Nur vier Angreifern ist es in der letzten Spielzeit gelungen zweistellig zu treffen. Neuer Hoffnungsträger ist nun Zweitliga-Top-Scorer Harrison Reed. Schafft es der neue Trainer Rob Wilson aus dem vorhandenen Spielermaterial eine funktionierende Einheit zu formen?
Fazit: Die Straubinger haben als einzige DEL-Mannschaft ihren Etat gekürzt. Eine Playoff-Teilnahme wäre eine große Überraschung. 

Iserlohn Roosters: Die Defensive war im vergangenen Jahr der Trumpf im Iserlohner Spiel. Die Systemumstellung des Trainerduos Jari Pasanen/Jamie Bartman schlug voll ein. Doch die Roosters haben einen Umbruch hinter sich. Elf neue sind gekommen, gleivhzeitig mit Michael Wolf der Anführer und Kapitän gegangen. Die Lücke, die er hinterlässt ist groß, sehr groß. Können die Roosters den Abgang auffangen?
Deutsch-Kanadier: Brooks Macek und Brent Raedeke waren zwei völlig unbekannte Deutsch-Kanadier, die in der vergangenen Saison aber voll einschlugen. Mit Dylan Wruck und Ryan Button haben die Roosters die nächsten No-Names aus der Sparte der Deutsch-Kanadier verpflichtet. Entwickelt sich bei diesen ebenfalls solch eine Erfolgstory?
Fazit: Der Weggang von Michael Wolf wird für die Roosters nicht aufzufangen sein. Dennoch bleiben sie ein aussichtsreicher Kandidat für einen Platz um Rang acht bis zehn. 

Düsseldorfer EG: DEG- Rückkehrer Travis Turnbull lockte seinen Freund Michael Davies nach Düsseldorf. Aber können die beiden einen Sturm wiederbeleben, der im Vorjahr nur 101 Tore in 52 Spielen produzierte?
Sieger-Gen: Turnbull, Jakub Ficenec, Tim Conboy und Rob Collins: Die Neuzugänge der DEG lesen sich vielversprechend. Vor allem die drei erstgenannten wurden in der vergangenen Saison mit dem ERC Ingolstadt Meister und bringen damit das Sieger-Gen nach Düsseldorf mit. Auch Rob Collins verspricht echte Qualität. Doch kann die Diva diese auch immer abrufen? An guten Tagen entscheidet Collins eine Partie im Alleingang, an schlechten schleicht er provozierend über das Eis.
Fazit: Die Neuzugänge lassen an eine bessere Zukunft für die DEG hoffen. Ob es aber gleich für die Playoffs oder Pre-Playoffs reichen wird, bleibt abzuwarten. So oder so: Den Düsseldorfer-Weg zu verfolgen wird auf jeden Fall spannend. 

Schwenninger Wild Wings: 190 Gegentore, die schlechteste Defensive der Liga. Die Zahlen lügen nicht. Die Wild Wings hielten sich mit Verstärkungen in der Defensive dennoch zurück. Nur Backup-Goalie Markus Janka und die beiden Verteidiger Rob Brown und Derek Dinger wurden verpflichtet. Wird nun alles besser?
Erwartungshaltung: Mit Kyle Greentree, Jonathan Matsumoto, MacGregor und Ashton Rome haben die Schwenniger neue Ausländer verpflichtet, die durchaus wissen, wo das Tor steht. Doch reicht das aus, um dem Sturm neue Flügel zu verleihen und den gestiegen Ansprüchen im Umfeld gerecht zu werden?
Fazit: Schwenningen wird in dieser Saison eine bessere Rolle spielen, als im Vorjahr. Für die Playoffs werden sie sich aber dennoch nicht qualifizieren.

 

Neue Regeln: 

In der DEL gelten ab dieser Saison die Regeländerungen des Eishockey-Weltverbandes: 

  • Größere Angriffszone: Die neutrale Angriffszone wird um etwas drei Meter verkleinert. Das hat zur logischen Folge, dass sich die Angriffsdrittel vergrößern. So ist die blaue Linie künftig 22,86 Meter statt bisher 21, 33 Meter von Ende der Eisfläche entfernt.
    Die Folge: Vor allem für das Powerplay wird das vergrößerte Angriffs- beziehungsweise Verteidigungsdrittel eine entscheidende Rolle spielen. Es werden mehr Schüsse auf das gegnerische Tor abgefeuert und dadurch zwangsläufig auch mehr Treffer fallen. So zumindest die graue Theorie.
  • Hybrid Icing: Künftig zieht ein Befreiungsschlag von jenseits der Mittellinie nicht mehr zwangsläufig einen Pfiff nach sich. Der Linienrichter entscheidet auf Höhe der beiden Bullypunkte in der Endzone, ob der verteidigende oder der attackierende Spieler zuerst am Puck sein wird. Ist dies der Angreifer, läuft die Partie weiter – ansonsten wird abgepfiffen.
    Die Folge: Durch die Regel soll ein längerer Spielfluss gewährleistet werden. Durch das beim Kampf um die Scheibe angeschlagene hohe Tempo, könnte es vermehrt zu (unsauberen) krachenden Checks kommen. Der Linienschiedsrichter muss bei seiner Entscheidung die Sicherheit der Spieler im Blick haben.

 

 

 

 

 

 

 

Was kommt nach Nowitzki?

Was kommt nach Nowitzki?

Der Freund eines jeden Korbjägers: Der Basketball (Foto: privat)

Seit Sonntag, 18. September ist die Basketball-EM in Litauen vorbei. Der alte und neue Europameister heißt Spanien. Die Iberer waren mit ihren zahlreichen NBA-Stars um Pau Gasol das Maß aller Dinge bei dieser Europameisterschaft und setzten sich in einem hochklassigen Finale auch verdient gegen Frankreich durch.

Für die deutsche Mannschaft lief es dagegen nicht ganz so rund. Angeführt vom Finals-MVP (Most Valuabel Player) und NBA-Champion Dirk Nowitzki kam die Deutschen  nicht über die Zwischenrunde hinaus. Auch Chris Kaman, der zweite NBA-Spieler in den Reihen der DBB-Auswahl, konnte trotz seinen zehn Rebounds pro Spiel letztlich nicht den Unterschied ausmachen. Nowitzki, der nicht zuletzt wegen seiner gewonnen Meisterschaft mit den Dallas Mavericks eine regelrechte Basketballeuphorie in Deutschland auslöste, opferte sich für die Gruppe. „Big D“ konnte nach einer kräftezehrenden Saison und gerade einmal drei Wochen Urlaub nicht die Form haben, die er in den Finals hatte. Und ohne einen Nowitzki in Top-Form scheint die deutsche Mannschaft auf internationalen Parkett nichts zu reißen.

Angetreten, um die Olympiaqualifikation für London im nächsten Jahr zu schaffen, scheiterte Deutschland bereits in der Zwischenrunde – zu wenig. Mannschaften wie Serbien, Frankreich, Spanien und Litauen waren einfach eine, wenn auch ab und zu nur eine kleine, Nummer zu groß. Aber muss man sich als Fan jetzt Sorgen um unsere Korbjäger machen? Eine klare Antwort ist hier nicht zu fällen. Die Zeit wird es zeigen. Siege gegen Italien, die Türkei und die ordentliche Vorstellung gegen Spanien lässt hoffen. Fakt ist aber auch, dass Superstar Nowitzki so schnell nicht mehr zur Verfügung stehen wir – er braucht Abstand. Ob er überhaupt nochmals in die Nationalmannschaft zurückkehrt, ließ der 2,13 Meter Riese offen. Eine mögliche Heim-WM 2015 mit Nowitzki – er wäre zu diesem Zeitpunkt bereits 37 Jahre alt – ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Wer so viel für Basketball-Deutschland geleistet hat wie Nowitzki, darf sich auch ruhig hinterfragen, ob er sich solche Torturen noch zumuten muss. Vor allem mit dem Hintergedanken, dass er so hart bei dieser EM verteidigt wurde, wie sonst kein anderer Spieler. Dass ihm diese Fouls persönlich nichts ausmachen, und er selbst sagt, dass sie zu diesem Sport eben dazu gehören, macht unter anderem den hervorragenden Charakter Nowitzkis aus.

Nun stellt sich aber  die Frage, was kommt nach Nowitzki? Eins ist klar: Ohne Nowitzki heißt auch gleichzeitig ohne Kaman, da es der gebürtige Amerikaner vorzieht, nur zusammen mit dem Superstar der NBA für „sein Land“ aufzulaufen. Bleibt also der Blick auf die jüngeren Spieler im Kader. Hervorgestochen ist ohne Zweifel Robin Benzing. Der Small Forward des FC Bayern München hat bei dieser Europameisterschaft viel mitnehmen können und gezeigt, dass er auf internationalem Niveau bestehen kann. Im Vergleich zur WM 2010 in der Türkei steigerte der 22-Jährige seinen Punkteschnittt von 4,6 auf 9,3 und seine Trefferquote von 32 auf 55,3 Prozent.

„Wie sich Robin in diesem Sommer präsentiert hat, war hervorragend“, zeigte sich auch Bundestrainer Dirk Bauermann voll des Lobes für den Hoffnungsträger. Aber auch Philipp Schwethelm und der begabte, aber mit viel zu wenig Einsatzzeit bedachte, Tibor Pleiß halten die Flamme der Hoffnung nach oben.

 Aber selbst wenn sich diese Talent hervorragend entwickeln bleibt anzuwarten, ob es für die Zukunft reicht Mannschaften wie Spanien, Frankreich, Russland und Griechenland in Bedrängnis zu bringen.

 Vorschau: Nächste Woche beschäftigt sich Anja mit der Frage, ob man Snooker, Darts und Poker wirklich als Sportarten bezeichnen kann.