In Liebe verbunden – Hochzeitstraditionen auf einen Blick

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Wohl eine der bekanntesten Hochzeitstraditionen: Der Brautstraußwurf.
(Foto: hochzeitsfotograf / pixelio.de)

Es ist heiß in Ludwigshafen. Die Hitze flackert über dem Asphalt. Es geht kaum ein Wind. Wir haben August. Einen der beliebtesten Monate für Hochzeiten. Auch ich lerne diesen August in der Rolle einer Trauzeugin worauf es bei einer Hochzeit ankommt. Neben Blumengestecken, Probefrisuren und Hochzeitskleidern dürfen auch traditionelle Bräuche nicht fehlen. Sie können zwar von Region zu Region variieren, einige unter ihnen sind jedoch fester Bestandteil auf vielen deutschen Hochzeiten. Für euch habe ich mir einige dieser Bräuche mal genauer angeschaut.

„Scherben bringen Glück“

Einen Tag vor der Hochzeit – heutzutage auch schonmal ein paar Tage oder sogar Wochen zuvor – versammeln sich Familie, Freunde und Bekannte des Brautpaares und vertreiben bis in die Nacht hinein böse Geister und Dämonen: Der Polterabend dient als ein Ritual zum Schutz des Paares und gehört zu den ältesten Hochzeitsbräuchen schlechthin. Durch den Lärm beim Zerschmettern von altem Porzellan soll das Grauen vom Brautpaar ferngehalten werden. Doch auch Zweifeln oder gar Ängsten wird der Garaus gemacht. Das Zerbrechen von etwas Altem symbolisiert dabei einen neuen Lebensabschnitt, dem das zukünftige Ehepaar entgegensieht. Getreu dem alten Sprichwort: Scherben bringen Glück.
Ganz im Gegenteil zum Porzellan am Polterabend bringen die Scherben von Spiegeln und Glas kein Glück, stattdessen aber sieben Jahre Unglück über das Brautpaar. Überschüssige Energie also lieber an Tellern und Co. auslassen.
Wer sich jetzt fragt, wie das Chaos am Ende wieder beseitigt werden soll, der kann sich auch hier auf die Tradition berufen. Diese besagt, dass das Brautpaar durch gemeinsames Fegen am Ende des Abends den Herausforderungen entgegentritt, mit denen es sich auch in der Ehe konfrontiert sieht. Ihr als Gäste oder Organisatoren seid beim Aufräumen also fein raus – Glück gehabt!

„Something old, something new, something borrowed, something blue“

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Am Anfang meistens auch etwas gruselig: Etwas Neues wie das Brautkleid 
(Foto: Bedenkzeit Fotografie)

Der große Tag ist da und die Braut und ihr Outfit stehen im Vordergrund. Auf einen alten englischen Brauch stützend besteht die Brautgarderobe aus etwas Altem, etwas Neuem, etwas Geliehenem und etwas Blauem.
Dabei hat jeder Gegenstand, wie wir gleich sehen werden, seine ganz eigene Bedeutung.
Etwas Altes: Ihre Verbundenheit zur eigenen Familie und ihre Herkunft kann die Braut an ihrem besonderen Tag durch Familienschmuckstücke oder ein Kleid von vergangenen Hochzeiten zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig soll etwas Altes zur Dauerhaftigkeit der Ehe beitragen und das Paar in eine glückliche Beziehung führen.
Etwas Neues: Zu einer Hochzeit gehört bei vielen Bräuten auch der Besuch im Brautmodengeschäft. Etwas Neues wird somit durch das Brautkleid oder auch durch Schmuck symbolisiert und steht für den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt.
Etwas Geliehenes: Dem Glauben folgend, dass Glück übertragbar sei, liegt es nahe, sich am Tag der Hochzeit etwas von einer guten Freundin zu leihen, die ihr Glück in der Ehe bereits gefunden hat. Es vermittelt neben der Unterstützung der Braut durch die Freundin auch Geborgenheit und soll der frischen Ehe Glück bringen. Etwas Geliehenes können zum Beispiel Schuhe oder Schmuck der Freundin sein.
Etwas Blaues: Die Farbe Blau steht für Treue, Reinheit und Ehrlichkeit. Diese Werte sollen auch die Grundpfeiler einer Ehe bilden und werden oftmals durch ein blaues Strumpfband symbolisiert. Auch blaue Schleifen oder Knöpfe können diesen Zweck erfüllen.

Ein Regen aus Reis

Das Brautpaar verlässt das Standesamt oder die Kirche nach der Trauung und wird empfangen von einem Regen aus Reis, der keinesfalls negativ verstanden werden sollte. Stattdessen wurde Reis bereits im traditionellen Asien als ein Hauptnahrungsmittel gesehen und gleichzeitig als Symbol für Fruchtbarkeit und eine reiche Kinderschar betrachtet. Die besondere Bedeutung von Reis lässt sich einmal mehr dahingehend erkennen, weil in Asien zu besonderen Anlässen Speisen aus Reis angefertigt werden. So auch der Reiskuchen.
Da man mit Lebensmitteln jedoch sorgsam und auf keinen Fall verschwenderisch umgehen sollte, bieten sich alternativ auch Rosenblätter, Konfetti oder Seifenblasen an, um das Brautpaar nach der Eheschließung in Empfang zu nehmen und zu beglückwünschen. Besonders Seifenblasen können die Träume und Wünsche des Ehepaares, die in Erfüllung gehen, sollen symbolisieren und bieten somit eine schöne Alternative zu Reis.

Ein Wink des Schicksals

Im Laufe des Abends folgt meist eine ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende und in Deutschland bereits weit verbreitete Tradition: der Brautstraußwurf. Traditionell findet dieser am Ende der Feier gegen Mitternacht statt. Dabei versammelt sich eine Gruppe der noch unverheirateten Frauen vor der Braut, die ihren Hochzeitsstrauß über die Schulter in die Gruppe wirft. Wer den Strauß fängt wird laut der Tradition als Nächste vor den Traualtar treten. Das Fangen wird also als ein Wink des Schicksals gesehen und kann auch dazu dienen, dem Partner der Fängerin einen mehr oder weniger unauffälligen Hinweis zu geben, dass die Zeit allmählich reif für einen Antrag ist. Aus diesem Grund wird oftmals bereits vorab geklärt, wer den Strauß fangen wird.
Um dem Zufall nicht im Wege zu stehen, kann die Braut sich alternativ auch mit verbundenen Augen im Kreise drehen und somit die neue Braut bestimmen. Der Brautstraußwurf kann ebenfalls als der Beginn von etwas Neuem gedeutet werden.
Um der Braut eine Erinnerung an ihren besonderen Tag zu lassen, wird bei vielen Hochzeiten ein sogenannter Zweitstrauß angefertigt, der eigens zum Wurf gedacht ist. Dieser Strauß wird dann fester gebunden und mit besonders robusten Blumen, beispielsweise Rosen, bestückt, um zu verhindern, dass er durch den Wurf beschädigt wird.
Und wer sich nun fragt, ob es ein solches Ritual auch für Männer gibt, der kann erleichtert aufatmen. Um den nächsten Bräutigam zu bestimmen, wird statt einem Strauß das Strumpfband der Frau, der Schlips oder auch die Fliege des Mannes geworfen. Die nächste Hochzeit lässt sich somit relativ einfach bestimmen.

Der Schritt über die Schwelle

Der Abend neigt sich dem Ende zu, die Gäste verabschieden sich nach und nach und machen sich auf den Heimweg. Auch das frisch vermählte Ehepaar schließt die Feier und begibt sich in das Hotelzimmer. Die letzte Tradition am Hochzeitstag befolgend, trägt der frisch gebackene Bräutigam seine Vermählte über die Türschwelle und bewahrt sie somit vor bösen Geistern die unter der Türschwelle lauern. Was danach folgt, bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen…

Natürlich sind die hier aufgeführten Hochzeitsbräuche nur eine kleine Auswahl. Welche der Traditionen tatsächlich am Tag der Trauung in Gebrauch kommen, liegt allein in den Händen des Brautpaares und der Trauzeugen, die die Planung der Feier unterstützen. Bewährte und beliebte Bräuche sorgen so für ausgelassene Stimmung und natürlich ein unvergessliches Erlebnis für das Brautpaar.

So wird der Junggesellinnenabschied unvergesslich

Den letzten Tag in "Freiheit" genießen: So macht der Junggesellinnenabschied Spaß (Foto: Bedenk Zeit Fotografie)

Den letzten Tag in „Freiheit“ genießen: So macht der Junggesellinnenabschied Spaß (Foto: Bedenk Zeit Fotografie)

Beschwipste Frauen in eigentümlichen Kostümen, die Kondome und Schnäpse zu überteuerten Preisen an den Mann bringen wollen – so stellt man sich einen traditionellen Junggesellinnenabschied vor. Keine besonders schöne Aussicht für die eine oder andere Braut in spe.

Aber wieso sollte die Braut den letzten Tag „in Freiheit“ nicht auch ein bisschen genießen dürfen?

Hier findet ihr Tipps für einen Junggesellinnenabschied, an den jede Frau gerne zurückdenkt:

Schwarmintelligenz nutzen
Federführend in der Planung des Junggesellinnenabschieds ist die Trauzeugin. Sie genießt das besondere Vertrauen der Braut – schließlich wird sie die Ehe mit ihrer Unterschrift bezeugen. Dennoch sollte nicht aller Aufwand an ihr allein hängen bleiben. Unser Tipp: Nutzt die Schwarmintelligenz! Wenn alle Freundinnen der Braut an einem Tisch zusammenkommen (ist ein persönliches Treffen nicht möglich, tut es auch eine Facebook- oder WhatsApp-Gruppe), kann jede ihr Wissen und ihre Ideen für einen gelungenen Abend einbringen. Demokratisch kann so ein Programm zusammengestellt werden, das die Trauzeugin am besten schriftlich festhält und den anderen zukommen lässt. Damit es nicht zu stressig wird, ruhig frühzeitig mit den Vorbereitungen anfangen. Ein erstes Brainstorming – wann könnte man was wie unternehmen – kann durchaus schon ein paar Monate vor dem Junggesellinnenabschied stattfinden.

So macht ein Fotoshooting Spaß: Im Kreis der Freundinnen (Foto: Bedenk Zeit Fotografie)

Garantiert: Spaß beim Fotoshooting im Kreis der Freundinnen (Foto: Bedenk Zeit Fotografie)

Lauscher auf
Die zukünftige Braut steht oft unter Stress? Dann ist ein ausgiebiger Wellnesstag genau das Richtige. Ständig beklagt sie sich, dass es keine schönen Fotos von ihr gibt? Wie wäre es dann mit einem Freundinnen-Fotoshooting? In einer lustigen Mädelsrunde ist die Atmosphäre angenehm zwanglos und es entstehen tolle Bilder.
Um herauszufinden, was die Braut mag und was nicht – ist sie zum Beispiel eher schüchtern, kann man ihr mit einem Saunabesuch wahrscheinlich keine Freude machen – heißt es für alle Beteiligten: Lauscher auf! Was wollte die Braut in spe schon immer mal machen? Wie verbringt sie ihre Freizeit am liebsten? Ist sie vielleicht Fan eines Künstlers, einer Band, eines Landes (hier bietet sich ein Themenabend an), eines Sportvereins? Wichtig ist aber auch: Was mag sie gar nicht? Wobei würde sie sich unwohl fühlen?
Bringt jede der Freundinnen ihr Wissen ein und hakt vielleicht auch mal unauffällig nach, ergeben sich ganz schnell einige Unternehmungsmöglichkeiten.

Organisieren und koordinieren
Wenn das Programm für den Junggesellinnenabschied steht, geht es an die Organisation. Um Geld zu sparen und Stress zu vermeiden, sollte die Trauzeugin bei der Aufgabenverteilung darauf achten, dass jede die Aufgabe übernimmt, die ihr liegt. Während die eine den Tisch im Restaurant reserviert, checkt und bucht eine andere spezielle Gruppenangebote für Spa oder Freizeitpark. Wieder eine andere kauft ein: Snacks, Getränke, Zutaten zum Kochen – je nachdem, was geplant ist. Vielleicht muss ja auch etwas kreativ gestaltet werden (Stichwort: T-Shirt – siehe nächster Abschnitt).
Tipp: Kontakte nutzen! Ist der Bruder von einer der Freundinnen vielleicht Fotograf und shootet die Mädelstruppe zu einem vergünstigten Preis oder arbeitet eine vielleicht im Bereich Eventmanagement und kommt an Backstagepässe? So lässt sich Geld sparen und jede kann auf ihre Weise zu einem gelungenen Junggesellinnenabschied beitragen,

Und wo kommt jetzt das Geld her?
Fotoshooting, Restaurant- und Clubbesuch, Wellnessbehandlung – so wird der Junggesellinnenabschied schnell kostspielig, für Studenten oder Auszubildende sogar unerschwinglich. Aber auch ohne den traditionellen Kaufladen kann die Braut den einen oder anderen Euro verdienen.
Wie wäre es zum Beispiel mit einem „1 Kuss 1 Euro“-T-Shirt? Das muss die Braut eine Stunde lang tragen und kann danach wieder zu ihrem normalen Oberteil wechseln. Der Vorteil gegenüber Kaufladen und Verkleidung: Das Shirt wird man schnell und unkompliziert wieder los, es ist weniger auffällig und man kommt damit in jeden Club. Wer ein Küsschen auf die Wange möchte, zahlt einen Euro (gerne auch mehr). Auch hier sind wieder die Freundinnen gefragt: Sie können beim Anquatschen und Überreden helfen – so fühlt sich die Braut wohler.

Habt ihr auch Tipps, was man am Junggesellinnenabschied unternehmen kann? Wir freuen uns über Kommentare!

Vorschau: Leben mit Gips – nächste Woche hat Nina dazu ein paar Tipps für euch parat.

Brautpaar aus Sektgläsern: Ein Geldgeschenk mal anders

Unkreativ, einfallslos und langweilig? Nein. Wohl eher sinnvoll und auch oft gewünscht. Gerade zu Hochzeiten ist und bleibt ein Geldgeschenk eine gute Wahl. Wer steckt jedoch schon gerne einen Geldschein in eine Karte? Oder viel wichtiger: Wer bekommt gerne einen lieblosen Umschlag überreicht?

Wer das nächste Mal auf einer Hochzeit ist, dem empfehle ich folgende ausgefallene Geschenkidee: Bastelt ein Brautpaar aus Sektgläsern und dekoriert diese mit dem passenden Kleingeld.

Erst gestern war ich selbst auf einer Hochzeit eingeladen und weißdaher, wie viel Freude ein persönlich gestaltetes Geschenk machen kann – obwohl es aus Geld besteht. Alles, was ihr dafür braucht, sind zwei Sektgläser und etwas Bastelzubehör sowie ein paar Geldscheine.

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Zylinder & Schleier: Sie symbolisieren Braut und Bräutigam (Foto: A. Schwalb)

Das eine Sektglas wird mit Zylinder aus schwarzem Papier geschmückt und stellt den Bräutigam dar. Den kann man entweder selbst basteln oder kaufen. Das „Brautsektglas“ bekommt einen Schleier aus etwas weißem Stoff. Beide Accessoires an den Gläsern anbringen.

Nun brauchen wir noch eine Unterlage. Dafür könnt ihr eine feste Pappe benutzt und diese mit weißem Papier überziehen, damit es edler aussieht. Darauf stellt man die Gläser und stabilisiert sie mit doppelseitigem Klebeband. Wenn das „Tablett“ groß genug ist, kann man noch etwas Schönes drauf schreiben.

Jetzt noch die Gläser mit Süßkram befüllen und natürlich mit Geldscheinen. Diese einfach einrollen und alles hübsch arrangieren. Wer noch mehr Details einfließen lassen möchte – kein Problem. Mit Herzen oder Schleifen kann man noch weiter dekorieren.

Vorschau: Nächste Woche gibt es an dieser Stelle den 13. Teil der Traumberufe: Wing Chun-Trainerin.

Warum ein Polizist ein Diadem trägt: Highlights vom schönsten Tag des Lebens

Marzipanfiguren

Vanessa und Andreas: geben auch aus Marzipan eine gute Figur ab (Foto: H. Podstatny)

Zufriedenheit, Freude und Erleichterung sprechen aus den Gesichtern der Braut und des Bräutigams. Begleitet von der klassischen Hochzeitsmeldodie schreiten die frisch Vermählten durch ein Meer von Seifenblasen – Familie und Freunde beglückwünschen die beiden am schönsten Tag ihres Lebens. Am 20. Juli gaben sich Vanessa (28) und Andreas (30) das Jawort. Welche Highlights sie an ihrem Junggesellenabschied und am Hochzeitstag erleben durften, ließ das Brautpaar Face2Face wissen.

„Es bleibt ein unvergesslicher Tag“, erzählt Vanessa von ihrem Junggesellenabschied. Bevor es losgehen konnte, gab es zur Stärkung erstmal Pizza und Sekt bei der Schwester. Gewappnet mit einem Bollerwagen voller Sekt, Süßigkeiten und allerlei Kram zum Verkaufen gingen die zwölf Mädels dann durch Mannheims Straßen. Absolutes Highlight für die 28-Jährige: „Ich musste bei einem Polizeirevier klingeln und mein Diadem mit der Mütze eines Polizisten tauschen.“ Gut gelaunt nahm der Polizist das Diadem entgegen und ließ den Spaß über sich ergehen – sicher nicht nur für die Junggesellin ein einzigartiges Erlebnis.

Während die zukünftige Braut mit fremden Männern Cha-Cha-Cha und Discofox tanzte, vergnügte sich Andreas in Hamburg mit seinen Kumpels in einem Stripclub. Was es da alles zu sehen gab? „Kein Kommentar“, so der Heiratswillige und bewahrt die Erinnerungen für sich. Das Grinsen kann er sich dabei nicht verkneifen.

Die Junggesellinnenkasse wurde währenddessen kräftig gefüttert: „Mit dem verdienten Geld durch den Verkauf von Kondomen, Schnaps und Bier haben wir unseren Abend finanziert und konnten in einem Club abfeiern.“ Dass die beiden sich den Spaß gegenseitig gegönnt haben und einander vertrauen, wurde im Weinheimer Standesamt ersichtlich: aufgeregte Gemüter, gemeinsam händehaltend und wartend, bis sie endlich Ja zueinander sagen durften. Geküsst wurde die Braut nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals – natürlich nur vom frisch gebackenen Ehemann.

Junggesellenabschied

Think pink: als Junggesellentruppe unverkennbar (Foto: privat)

Beim Brautkleid handelte es sich ebenfalls um ein Highlight: „Jede Frau möchte sich einmal im Leben wie eine richtige Prinzessin fühlen – da eignet sich am Besten das klassische Kleid in Weiß“, so die Getraute. Zur Schau wird es spätestens beim Hochzeitstanz gestellt, für den die beiden sogar einen Tanzkurs belegten. Auf den Hochzeitsfotos wird das Schmuckstück schließlich verewigt: Mann und Frau umgeben von Natur und glücklich vereint – die zuvor angesteckten Ringe schimmern glänzend in der Sonne.

bollerwagen

Perfekt gewappnet: ein Bollerwagen mit Verpflegung (Foto: privat)

Und welche Höhepunkte machten die Hochzeitsfeier zu einem unvergesslichen Tag? „Die vielen Spiele und die Überraschungen meiner Brüder“, erzählt Andreas. Da kann die Braut nur beipflichten: „Unsere Gäste haben jede Menge Spiele vorbereitet. Darunter das traditionelle Schuhspiel, das echt witzig war.“ (Anm. d. Red.: das Brautpaar wird getestet, wie gut es sich gegenseitig kennt. Hierbei beantwortet das Ehepaar die Fragen, die es selbst betrifft, indem sie einen Schuh von sich oder des Partners in die Höhe heben, ohne einander zu sehen. Je öfter sie den gleichen Schuh in die Höhe heben, desto besser kennen sie sich). Freunde und Familie konnten sich vor Lachen kaum halten bei Fragen wie „Welche Familie ist die Verücktere, die der Braut oder die des Bräutigams?“ – hier waren sie sich wohl noch uneinig, denn beide hoben den Schuh der angeheirateten Verwandtschaft nach oben.

Aber nicht nur die Spiele waren ein Volltreffer: „Alle mussten lachen, als die Herzluftballons in die Höhe gestiegen sind und sich in den Bäumen verfangen haben“, erinnert sich Vanessa schmunzelnd. Viel Spaß hatten auch die Gäste, die die Herzballons aufgeblasen haben, denn das Helium landete nicht nur in den Luftballons. Jeder weiß, wie sich die Stimme anhört, wenn man das Edelgas einatmet – immer ein Knaller auf einer Hochzeit!

Luftballons

Herzluftballons: ein schöner Brauch auf Hochzeiten (Foto: H. Podstatny)

Bleibt nur noch eine Frage offen: Wer hat denn den Antrag gemacht? „Ich“, sagt die Braut ganz selbstverständlich, „in der heutigen Zeit der Gleichstellung von Mann und Frau ist das völlig angebracht.“ Auch die Braut ist manchmal schweigsam: „Wie ich den Antrag allerdings gemacht habe, bleibt mein Geheimnis.“ Da hat sich aber jemand „getraut“.

Vorschau: Im nächsten Panorama-Artikel erfahrt ihr, ob die Qmilk – eine neuartige Milchfaser, bestehend aus dem Milcheiweiß Kasein, welches die Produktion von antibakterieller und teperaturregulierender Kleidung ermöglicht – eine massentaugliche Alternative darstellt.

Alt, aber glücklich? Vernetzt sein bis zum letzten Tag

Wenn ich an meine Großmutter denke, fällt mir ein: Sie ist alt. In diesem Fall ist das nicht als Degradierung ihrer zweifellos liebenswerten Persönlichkeit zu begreifen, schließlich kann man bei 89 Jahren getrost von einem stattlichen Alter sprechen. Dass sie, selbst jetzt noch, kaum fremde Hilfe in Anspruch nehmen muss, grenzt für mich schon fast an ein Wunder. Schließlich ist sie in unserer hochtechnisierten, mit immer innovativerer Unterhaltungselektronik um sich greifenden Welt geradezu verloren. Ihr allein beizubringen, wie der Fernseher und vor allem seine Lautstärkeregelung verantwortungsvoll zu bedienen ist, erwies sich bereits als schwieriges Unterfangen und kostete alle Beteiligten einige Nerven – die nach regelmäßiger Lärmbelästigung letztendlich auf nimmer Wiedersehen verzogenen Nachbarn nicht eingeschlossen. Doch noch schwieriger als das Verständnis für Errungenschaften wie „dieses Internet“ dürfte für meine werte Oma der immer seltener werdende Kontakt zu ihren Nächsten, ach – was sag‘ ich – zur gesamten Außenwelt sein. Wie das Leben so spielt, hat sich die Familie zusehends in alle Winde verstreut und die Bindung an jahrelange Freunde ist auch nicht mehr dieselbe. Letzteres könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass viele Altersgenossen schlichtweg bereits verstorben sind.

Was zurückbleibt, trägt den Titel „Alterseinsamkeit“. Was gemeint ist, liegt auf der Hand: Das Gefühl von fehlender Zugehörigkeit, Alleinsein, sozialer Isolation im Rentenalter. Nichts, was mir auch nur im Ansatz ein Begriff wäre, bin ich doch schließlich jung, mobil, und nahezu stets in gesellschaftliches Miteinander integriert – ob in meiner Realität oder in der virtuellen Ersatzwirklichkeit. Es drängt sich mir also die, aus jetziger Sicht recht utopisch wirkende Frage auf, wie es mir selbst wohl ergehen wird, wenn ich einmal in den Filzpantoffeln meiner Großmama stecke, rund 60 Jahre in der Zukunft. Mit allem technischen Schnickschnack, der uns den Alltag und besonders das In-Verbindung-Bleiben zu erleichtern verspricht. Machen mich diese Hilfsmittelchen alt, aber glücklich?

Statistiken zufolge soll die Einsamkeit im Alter in 60 Jahren sogar noch weiter zunehmen. Schuld daran seien sogenannte Single-oder Ein-Personen-Haushalte. Die sind heute schwer im Trend, weil viele auf Berufswegen notgedrungen ihren Standort wechseln und mehr oder minder kostengünstige Refugien anmieten müssen, in denen niemand außer ihnen selbst Platz findet. Außerdem bestehen die Jungen Wilden zumeist auf ihre Unabhängigkeit und, leben sie auch in noch so festen Beziehungen, auf ihren ganz privaten „Space“. Will man also den Schreckensprognosen Glauben schenken, so sind die Ausgangsvoraussetzungen für die perfekte Einsamkeit bereits gegeben. Doch selbst, wenn nicht: Erwiesenermaßen ist die Lebenserwartung bei Männern geringer als bei Frauen, sodass Letztere wohl oder übel Gefahr laufen, als Witwen zu enden – mögen sie zuvor auch Teil eines Pärchen-Haushaltes gewesen sein.

Von gemeinsam einsam kann in dieser Hinsicht also keine Rede mehr sein; ich frage mich, wie vielen auf diesem Erdenrund es wohl genauso ergangen sein wird. Wie viele verwitwete Freundinnen wohl meinen Anruf – selbstverständlich Videotelefonie – ungeduldig herbeisehnen? Wie viele Kilometer werden mich bis dahin wohl von ihnen trennen? Die Zeit kann schließlich nicht still gestanden haben in den letzten 60 Jahren; Facebook und E-Mail sei Dank werde ich meine Liebsten immerhin nicht aus den Augen verlieren. Und da vermutlich ohnehin jeder seine Lebensereignisse nahezu mechanisch, einzeilig und tagesaktuell twittern wird, verpasse ich auch garantiert nichts. „Mein Mann hatte einen Herzinfarkt“. Retweet mit Beileidsbekundungen. „Tochter hat um 11.13 Uhr einen gesunden Jungen zur Welt gebracht“. Anbei ein Bild aus dem Kreissaal. Ich drücke den Like-Button. Es fühlt sich an, als wäre ich fast live dabei gewesen.

Alt, aber glücklich? Vernetzt sein bis zum letzten Tag

In ist, wer drin ist: Vielleicht retten uns Facebook und Co. ja im Alter vor der Einsamkeit. (Foto: Perlowa)

Bleibt einmal ein Status-Update aus, fange ich an, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Ob wohl etwas passiert ist? Für den Notfall hält sie doch bestimmt ihr Smartphone griffbereit. Ich lasse bestimmt nichts unbemerkt; dass eine meiner Freundinnen fünf Jahre lang tot in ihrer Wohnung vor sich hinmodert, ehe sie zufällig jemand entdeckt (Quelle: http://www.derwesten.de/politik/einsamkeit-im-alter-nimmt-in-den-naechsten-jahren-zu-id6662395.html), erscheint mir dieser Tage kaum noch möglich. Dass einer von uns überhaupt noch so alt werden kann wie das vereinsamte Beispiel aus Hagen fällt mir, bei der vorrangig durch das Internet verursachten Reizüberflutung, ebenfalls schwer zu glauben. Denn sind soziale Netzwerke einerseits unsere letzte Hoffnung im Alter, posten sie gleichzeitig unser Todesurteil: Zu schnelllebig, um richtig greifbar zu sein – ganz besonders dann, wenn in uns selbst nach und nach verdiente Ruhe einkehren soll, wir uns darauf freuen, das Hamsterrad, welches nur von innen wie eine Karriereleiter aussieht, verlassen zu können. Facebook, Partnerbörsen und Co. werden auch in 60 Jahren den gefühlsechten menschlichen Kontakt nicht ersetzen können.

Es gibt und wird auch zukünftig mehr als genug Menschen geben, die sich außerhalb dieser selbstkreierten Parallelwelt einsam, leer und haltlos fühlen. Ihnen wird kein tumblr-Blog der Welt dabei helfen, reale Freundschaften zu pflegen – und das funktioniert, damals wie heute wie morgen, indem man den anderen besucht und gemeinsam immer neue Erinnerungen erschafft. Schön, wenn man die dann via Instagram hochladen kann. Noch schöner, wenn man sie zuhause eingerahmt auf den Nachttisch stellen kann. Ich sollte meiner 89-Jährigen Oma dringend ein paar Bilder in einem Briefumschlag schicken. Wie E-Mail funktioniert, wird sie vermutlich in ihrem Leben nicht mehr lernen. Den Briefkasten öffnen und glücklich sein kann sie jedoch – ganz und gar offline.

Vorschau: In der kleinen Kolumne des kleinen Sascha geht es in der nächsten Woche um – wer hätt’s gedacht – kleine Leute.

Hilfe, Hochzeitssaison! Was ziehe ich bloß an?

Von April bis September jeden Jahres flattern sie in den Briefkasten: Einladungen zu Hochzeiten. Ab dem 20. Lebensjahr werden es von Jahr zu Jahr mehr. Und jedes Mal muss man sich auf´s Neue Gedanken darüber machen, was man denn nun anzieht; sei es, weil man als Trauzeugin nun ganz besonders im Blickfeld der anderen Hochzeitsgäste steht, weil man bei der zweiten Hochzeit im Freundeskreis nicht wieder das Gleiche anziehen will, was man auch schon bei der ersten anhatte, oder weil man ganz einfach nicht weiß, wie man sich für eine Hochzeit überhaupt passend kleidet. Hier findet ihr neben ein paar Stilregeln, die einfach zum guten Ton gehören, auch einige Tipps.

Hilfe, Hochzeitssaison! Was ziehe ich bloß an?

Zu kurz, zu dunkel: Dies wäre kein passendes Kleid für eine Trauzeugin. (Foto: Thom / www.pixelio.de)

Regel Nr. 1: Die Kleidung eines Gastes darf nicht weiß sein. Weiß steht für Reinheit und ist an diesem Tag der Braut vorbehalten. Auch von schwarzer Kleidung sollte man die Finger lassen – eine Hochzeit ist ein Grund zum Feiern und keiner zum Trauern. Perfekt sind helle Farben wie rosa, beige, pink und hell- bis mittelblau.

Regel Nr. 2: Die Braut darf durch die Kleidung der Gäste nicht überstrahlt werden. Natürlich gibt es hübsche Sommerkleider, aber keine Braut will zwischen ihren Freundinnen untergehen. Es ist ihr großer Tag, auf den sie lange hingefiebert hat, als Gast sollte man das berücksichtigen.

Regel Nr. 3: Röcke und Kleider sollten höchstens eine Handbreit über dem Knie enden, da eine Hochzeit ein feierlicher Anlass und kein Diskobesuch ist.

Regel Nr. 4: Röcke und Kleider trägt man am besten in Verbindung mit Seidenstrumpfhosen – schon alleine deswegen, weil diese in einer durchtanzten Nacht Blasen vorbeugen.

Regel Nr. 5: Auch wenn die meisten Hochzeiten im Sommer und somit bei hohen Temperaturen stattfinden, sollte man zumindest während der Zeremonien, sei es nun im Standesamt oder in der Kirche, einen Blazer oder ein leichtes Jäckchen tragen. Vor allem in der Kirche sind nackte Schultern ein absolutes No-Go. Ersetzen kann man Blazer oder Strickweste auch durch eine Stola, die man sich um die Schultern legt. Für den Nachhauseweg oder für den Fall, dass ein Teil der Feierlichkeiten auch spät am Abend noch draußen stattfindet, ist es trotzdem von Vorteil, zumindest eine Strickweste mitzunehmen.

Tipp Nr. 1: Vor allem als Trauzeugin ist eine große Tasche unerlässlich. Neben Taschentüchern, die man der weinenden Brautmutter in die Hand drücken kann und Lutschern für die quengelnden kleinen Hochzeitsgäste, denen die Trauung zu lange dauert, sollte man verschiedene Dinge bei sich haben: Hat die Braut die Haare hochgesteckt, ist es gut, immer noch ein paar Haarklammern in der Tasche zu haben, um sich lösende Strähnen wieder festzustecken. Ebenfalls vorteilhaft kann es sein, den Lippenstift der Braut und ein wenig Make-Up dabei zu haben, um kleine Mängel schnell zu beseitigen. Wer nicht die ganze Zeit mit einer riesigen Tasche bewaffnet sein will, stellt diese einfach in einer Ecke in Reichweite ab und steckt das allerwichtigste in eine schöne Clutch.

Tipp Nr. 2: Fast alle Frauen lieben sie: Die hohen Schuhe. Aber Vorsicht! Während der Trauung selbst und am Abend, wenn beispielsweise ein DJ auflegt oder eine kleine Band spielt, mögen die Lieblinge tolle Begleiter sein. Schwierig wird es, wenn Kaffee und Kuchen auf einer Rasenfläche serviert werden, man irgendwelche lustigen Spiele spielt und wenn man nachts einfach nicht mehr stehen kann. Deshalb am besten ein zweites, flaches Paar Schuhe einpacken.

Tipp Nr. 3: Bei den Haaren gilt etwas ähnliches wie bei der Kleidung: Die Frisur der Braut sollte nicht getoppt werden. Offene Haare sind absolut in Ordnung, wobei das auf die Dauer unpraktisch und nervig werden kann. Bevor man dann schnell zum Haargummi greift und die Haare nur irgendwie zusammenwurstelt, sollte man lieber morgens eine halbe Stunde mehr investieren. Ein einfacher (geflochtener) Zopf oder ein glatter Knoten zum Beispiel sind tolle und einfache Frisuren.

Tipp Nr. 4: Beim Schmuck ist grundsätzlich alles erlaubt, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass Perlen als versteinerte Tränen gelten und von manchen Bräuten als Unglücksbringer angesehen werden. Bevor man einen kleinen Eklat provoziert, sollte man die Braut einfach ein paar Tage vor der Trauung fragen, ob sie damit ein Problem hat.

Vorschau:Am nächsten Donnerstag lest ihr hier einen Bericht zur aktuellen Modekollektion von Moderator Joachim „Joko“ Winterscheidt, die er am Samstag, 16. Juni, in Mannheim vorstellte.

Preview: Juni 2012

Vielseitigkeit – wirft man einen Blick auf die Themen des vergangenen Monats, so scheint das das Thema der Face2Face-Redaktion gewesen zu sein: Die Moderedaktion startete mit einer neuen Serie „Haute couture – nein danke!“, in den Mai. Wie „Mode mal anders“ aussehen kann, zeigt Teil 1 am Beispiel des Karlsruher „X-Trax“-Shop – viele weitere, spannende Serienteile folgen in den nächsten Wochen!

Wie man seinen Urlaub besser genießen kann, indem man ihn im Voraus plant, durftet ihr in der Reiserubrik erfahren. Und im Panorama metzelte sich Chefredakteurin und Amateur-Gamerin Tatjana Gartner durch das Rekordspiel „Diablo III“.

Auch im Juni versorgt euch das Redaktionsteam wieder mit spannenden Themen: Mit dem Mannheimer Krempelmarkt stellt euch die FilmKunstKultur-Redaktion den wohl größten Kultflohmarkt der Rhein-Neckar-Region vor. In der Sportrubrik erwartet euch eine Analyse der Fußball-Europameisterschaft und unsere Kolumnisten beschäftigen sich unter anderem mit dem Thema „Dildoparty“. Die Musikredaktion ist auf dem „Latin Festival“ unterwegs und liefert euch ein Interview mit dem spanisch-englischen Indie-Musiker „Elly Eja“. Was in keiner Reiseapotheke fehlen sollte, lest ihr in der Reiserubrik. Bachelor und was dann? – diese Frage möchte die Tipps&Tricks-Redaktion mithilfe einer Umfrage klären. Hilfestellung bei der Kleiderwahl zur derzeitigen Hochzeitssaison findet ihr in der Moderubrik. Mit einem ganz anderen Phänomen des Auftretens setzen sich die Mitarbeiter der Tier&Umweltrubrik auseinander: Dort geht es im Juni unter anderem um Warnfärbung und Albinismus.

Die neue Literaturrubrik auf Face2Face startet am Sonntag, 3. Juni!

Du schreibst gerne Gedichte oder Kurzgeschichten? Bist sprachlich gewandt und kreativ? Dann schick uns deine Texte! Ab Sonntag, 3. Juni wird eine Literaturrubrik das „Face2Face“-Angebot komplettieren. Wenn auch du deine Texte den „Face2Face“-Lesern präsentieren möchtest, schreib einfach eine E-Mail mit deinem Namen und deinem Text an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. Wir freuen uns auf deinen Beitrag!

 

 

Der Hochzeitswahnsinn

Es ist also soweit. Noch im letzten Jahr konntet ihr an gleicher Stelle lesen, wie furchtbar ich den Hochzeitstwahnsinnswettbewerb auf Facebook finde. Und jetzt? Ich habe geheiratet und tatsächlich erfolgreich vermieden, im Vorfeld Planungsstand, kritische Momente und Vorfreuden öffentlich zu machen. Doch schon am Tag nach dem großen Fest kursierten 30 Fotos im globalen Netz, ganz ohne mein Zutun. Irgendwo hört der Arm der Braut auf, vor allem, wenn sie keine Braut mehr ist. Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um Chaos und Ordnung und den ganz normalen Wahnsinn.

Der Hochzeitswahnsinn

Stilecht: Mit Kutsche zur Kirche (Foto: Bernatz)

Den Anfang macht ein goldener Tipp an alle Hochzeitsplanenden: macht so viel wie möglich selbst. Verteilt die Planung nicht, denn was am Anfang Arbeit nimmt, wird später purer Stress, wenn die Teile sich zusammenfügen, überlappen und durcheinander geraten. Wer die Fäden in der Hand hält weiß, wo Probleme auftreten und wie sie zu umgehen sind. Und Rat kann sich der Planer dann immer noch holen. Das sollte er auch. Bei Menschen, die Feiern schon öfters geplant haben, in Ratgebern, bei den Eltern, den Freunden und am Wichtigsten: dem Partner.

Und die zweite goldene Regel ist: Egal wie gut ein Fest geplant ist, es wird immer etwas schief gehen. Beispiele? Am Vorabend der Hochzeit mussten wir feststellen, dass der Raum doch kleiner war, als gedacht. Die komplette Tischordnung wurde innerhalb von zwanzig Minuten umgeschmissen, neu geordnet und mit Kompromissen versehen. Plötzlich fehlten zwanzig Tassen und Untertassen, die Tischdecken wurde in den letzten Tagen fertig genäht, die Kuchenliste wurde in der letzten Nacht verdoppelt und nach der Trauung konnten wir feststellen, dass zwei fest eingeplante Gäste schon mal gar nicht gekommen waren. Doch da hört der Spaß nicht auf.

Der Hochzeitswahnsinn

Unikate: die raffinierten Ringe für die Ehe (Foto: Obermann)

Zu unserer großen Überraschung war uns das Wetter gut gesinnt. Schon beim Standesamt blieb der angekündigte Regen aus, und am Samstag fand tatsächlich die Sonne den Weg zu uns. Doch dieses Wetter im Zwischenbereich führte dazu, dass es nicht warm genug war, um unseren Getränkevorrat wirklich zu verdünnen, und nicht kalt genug, um unser Büffet zu leeren. Aber lieber zu viel haben, als zu wenig. Und vor allem: locker bleiben. Der in letzter Minute aufgestellte Geschenktisch wurde so nahe an unser Gästebuch gestellt, dass viele das Buch für ein Geschenk hielten und die Einträge deswegen etwas mau ausgefallen waren. Locker bleiben solltet ihr auch bei den vielen Spielen und Aktionen. Bei dem Tanzwettbewerb zwischen Braut und Bräutigam, dem obligatorischen Er-oder-Sie-Quizz, dem gemeinsamen Baumstammzersägen, …

Im Großen und Ganzen lief aber alles gut. Der vergessene Brautstrauß erreichte die Kutsche, bevor wir an der Kirche waren, der Reifrock wurde dank fachkundiger Hilfe schnellstens wieder repariert. Unsere einmaligen Eheringe von der Goldschmiede Eckart passten wie angegossen, der Hochzeitslikör für die Gäste wurde mit Freude angenommen, die Fotografin wartete geduldig, bis der Vater des Bräutigams wieder aufgetaucht war und das französische Brautkleid nahm keinen Schaden. Die Einwegkameras landeten brav im bereitgestellten Karton. Der DJ  von Evergreen Entertainment und die Karaoke war im Übrigen eine grandiose Idee. Noch um vier Uhr grölten Bräutigam, Brautbruder, sein bester Freund und der Trauzeuge „Quit playing games with my heart“. Mit allem Chaos und aller Planung kamen wir auf eine wundervolle Hochzeit. Nur mein Mann muss sich noch an seinen neuen Nachnamen gewöhnen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um den Masochismus beim Rennradfahren.

Preview: Mai 2012

Im April waren die Mitarbeiter der Face2Face-Redaktion wieder fleißig unterwegs für euch: Die Musikjournalisten besuchten die Musikmesse in Frankfurt und die Kolumnisten trieben sich größtenteils an der frischen Luft herum, um sich von Speiseeis und Frühlingsgefühlen inspirieren zu lassen. Das Panorama hielt es da eher mit ernsten Themen und informierte unter anderem über Mobbing und Palliativ-Medizin. Als besonderes Highlight stand Modeblogikone Jessica Weiss der Moderedaktion Rede und Antwort.

Der Mai bringt neben dem ersehnten schönen Wetter wieder jede Menge spannende Berichte und interessante Themen auf Face2Face: Die Tipps&Tricks-Redaktion erklärt euch, wie man mittels Körpersprache ein Vorstellungsgespräch erfolgreich absolviert, im Sport wird die abgelaufene Fußballbundesliga-Saison analysiert und die Musikredaktion besucht das Mannheimer „Maifield Derby“. Wie ein Gentest für Gewässer aussieht, verraten euch die Mitarbeiter der Tier- und Umweltredaktion und die Moderedaktion berichtet über die Berliner Ausstellung „Fashioning Fashion“. „Schnell, Schneller, Psycho – Tempo und Schnitt im modernen Kinofilm“ wird ein Thema in der FilmKunstKultur-Rubrik sein und mit der Reiseredaktion geht es ab nach China und Taiwan. Im Panorama erwartet euch ein exklusives Interview mit der studentischen Leitung der Darmstädter Werkschau „mediale“.

Ein Highlight, das der gesamten Face2Face-Redaktion ganz besonders am Herzen liegt, ist die anstehende Hochzeit unserer Kolumnistin Eva-Maria Obermann. Über ihre Gedanken, Gefühle und sicher auch den Stress, den die Vorbereitungen einer Hochzeit so mit sich bringen, berichtet sie brandaktuell. Die Redaktion wünscht an dieser Stelle alles erdenklich Gute zur Hochzeit!


Neue Rubrik auf Face2Face – ihr seid gefragt!

Du schreibst gerne Gedichte oder Kurzgeschichten? Bist sprachlich gewandt und kreativ? Dann schick uns deine Texte! Ab Juni wird eine Literaturrubrik das „Face2Face“-Angebot komplettieren. Wenn auch du deine Texte den „Face2Face“-Lesern präsentieren möchtest, schreib einfach eine E-Mail mit deinem Namen und deinem Text an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. Wir freuen uns auf deinen Beitrag!

Ja, ich altere

Es passiert mir immer öfter. Ich merke, dass ich alt werde. Nicht, weil ich Falten hätte, oder Rheuma, graue Haare. Erscheinungen, die ich zwar kenne, aber nicht unbedingt von mir persönlich. Auch der Ernst des Lebens hat mich noch nicht so wirklich eingeholt. Als Studentin bleiben manche Sorgen einfach fern. Mein Sohn hält mich eher jung, als dass er alt machte. Ohne Reue Zeichentrickfilme, Kinderbücher und mit Wasserfarben klatschen, Kinderlieder trällern und Seifenblasen machen. Nein, das klingt nicht nach alt.

Ja, ich altere

Wer hat den Größten? Digitale Kuchenschlachten machen nicht dick, dafür aber alt (Foto: Obermann)

Was mich erschrickt, eigentlich lächerlich, wenn ich bedenke, dass selbiger Schritt von mir für nächstes Jahr schon lange geplant ist, ist das Heiraten. Präzise: Wenn alte Schulfreunde, Leute von denen ich ewig nichts gehört habe, heiraten. Am Wochenende hatten wir besuch. Zwischen Partywok und „Megamind“ erzählt er uns, ohne mit der Wimper zu zucken, dass eine Bekannte kürzlich geheiratet hat und nun ein Kind erwartet. Das saß. Und es war nicht die erste unheimliche Begegnung in Weiß und Tüll. Schon vor einigen Jahren erfuhren wir, dass ein guter Freund beschlossen hatte, spontan zu heiraten. Wir jedenfalls wussten von nichts und glaubten der Computer wäre kaputt. Der zeigte nämlich ungetrübt beim Facebook-Status „verheiratet“ an. Einfach so, von einem Tag auf den anderen.
Facebook scheint überhaupt der große Hit zu sein, wenn es darum geht, vom Ringtausch zu prahlen. Die Fotos im Profil werden in sepiafarbene Hochzeitsbilder vom teuren Fotografen ersetzt, nach und nach, damit es auch alle erfahren und keiner sich den gestellten Liebesbilden entziehen kann, werden auch die übrigen Hochglanzabzüge digitalisiert und in einem oder mehreren Alben der Internetgemeinde vorgeführt. Ganz schlaue richten für Standesamt und Kirche verschiedene Ordner ein, die dann noch in professionell und selbst geschossen unterteilt werden wollen. Irgendwas wird da auf jeden Fall geschossen, womöglich ja der Twitter-Vogel. Denn Hochzeitswahnsinnige dieser Tage haben ja nicht nur Facebook, sondern mindestens noch Twitter, wenn nicht sogar schon Google+.

Selbige Rüschenliebhaber melden dann auch immer wieder, wie schön alles gewesen sei, die Torte, die Gäste, das Wetter und überhaupt. Hochzeitswettkampf 2.0. Endlich habe ich den ultimativen Grund für Facebook gefunden. Es geht nicht mehr darum, Frauen Noten für ihr Aussehen zu geben, sondern um ganze Vermählungen. Warum noch Einladungen verschicken, wenn alle Welt im Netz teilhaben kann an perfekt sitzenden Frisuren, makellosen Bildern und der Liebe, die durchs World Wide Web schwebt. Kommen bei euch da etwa leise Zweifel an der Perfektion?
Und dann gibt es noch die absoluten Facebook-mit-Hochzeit-überschwemm-Finalistinnen. Die kommen mit den Hochzeitsbildern nicht erst nach der Trauung. Nein, warum auch? Schon Monate vorher geben sie täglich Statusmeldungen ab, wie weit die Planung vorangeht. Eine alte Freundin hatte sogar eine eigene Hochzeits-Website eingerichtet mit Kennenlerngeschichte, Trauzeugenvorstellung, Menuplan. Und das, bevor der Termin offiziell angemeldet war. Jeden Mittag gab es denn Ich-heirate-Countdown mit zwei Zahlen, damit auch wirklich keinem entgehen konnte, wann sie und ihr Liebster sich vor Staat und Kirche das Ja-Wort geben wollten.

Ja, ich altere

Hier kommt die Braut: Das Online-Wettrennen um das schönste Brautkleid hat längst begonnen (Foto: Beutler)

Ja, ich bin auch eine Frau. Ja, ich will auch heiraten. Ja, ich freue mich auch darauf. Aber dem großen Rest der Welt wird das egal sein, warum muss ich ihn dann bis aufs Blut damit konfrontieren? Ich warte nur darauf, bis eine der Spezialistinnen Bilder der Geburt ihres ersten Kindes hochlädt. Oder gleich ein Video. Erklärt es mir, ich brenne darauf: Muss das sein? Ein Bild, dagegen sag ich nichts. Zwei, drei Meldungen, wenn der große Tag vor der Tür steht, meinetwegen. Wir wollen ja schließlich nur einmal heiraten und es ist toll, wunderbar, romantisch, was weiß ich. Aber irgendwie, irgendwo und irgendwann reicht es doch wirklich. Denn dann bekomme ich zumindest das Gefühl, dass alle Welt um mich herum heiratet. Der eine, die andere, die auch noch, die schon wieder oder immer noch, der jetzt auch.
Tja, und dann, dann fühle ich mich alt. Wenn Leute, mit denen ich im Sandkasten gesessen habe plötzlich einen anderen Nachnamen haben. Wenn Freundinnen und Freunde sich auf ewig binden. Wenn auf einmal überall so viele, wichtige Entscheidungen getroffen und Fragen mit „Ja“ beantwortet werden. Das ist der Ernst, ernster wird’s nicht, das macht uns alle auf einen Schlag erwachsen. Nicht nur erwachsen, auch vernünftig und nachdenklich, planend und berechnend. Und irgendwie eben auch alt. Daran kann ich schlecht was ändern und das ist noch viel schlimmer, denn für Falten gibt es Cremé, für Haare Tönung. Alt werden wir trotzdem, jeden Tag ein bisschen mehr. Woran merkt ihr, dass ihr alt werdet?

Vorschau: Nächste Woche berichtet Lea, wie es ist, wenn ihr einfach alles über den Kopf wächst.