Dankt der Ernte

Am ersten Sonntag im Oktober ist das Erntedankfest. Dieses Jahr wird das  der 06.10. sein. Ein Fest, das immer mehr in Vergessenheit gerät, immer mehr verdrängt wird und nur teilweise mit dem amerikanisch-populären Thanksgiving überein kommt. Immerhin ist der bei uns christliche Feiertag zum Dank für die eingebrachte Ernte dort ein Erinnerungsfest an die Pilgerväter. Doch was feiern wir an Erntedank?

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Klar, denkt ihr, wir danken für die Ernte. Und schon da müssen die meisten schmunzeln. Ernte? Wer von uns erntet denn noch? Gut, meine drei Tomatenstöcke werfen mit Früchten nur so um sich, aber davon kann ich doch keine Familie ernähren, wie es die Erne früher musste. Die Ernte, das war das Großereignis. Ihr haben wir zu verdanken, dass die Sommerferien so lang sind, mussten die Kinder doch beim Abernten mitanpacken. Es ging da nie um Sommer, Sonne, Stau, vielmehr um das nackte Überleben, denn ohne die Feldfrüchte hatten die Familien nicht nur nichts zu essen, sondern auch kein Geld, um sich welches zu kaufen.

Was für uns selbstverständlich ist, war noch für unsere Großeltern undenkbar. Einfach alles im Laden kaufen? Woher das Geld nehmen? Und wieso auch, wenn man doch beinahe alles im Garten oder auf dem Feld anbauen kann. Doch unsere Gärten werden zu Steinlandschaften ohne Grün, die Felder liegen brach. Was früher Überleben sicherte, reicht heute nur noch wenigen. Bauern sind heute Großbauern, die für den breiten Markt anbauen, nicht für den Stand auf dem Dorfplatz. Und auch sie müssen immer mehr haushalten. Denn keiner will für eine Zwiebel einen Euro zahlen, selbst wenn sie durch ganz Deutschland gefahren werden musste. Was dem sogenannten Agrarökonom bleibt, ist mehr als hart verdient. Ich jedenfalls bin froh, dass es Menschen gibt, die täglich ihre Felder bestellen, die Erntehelfer aus dem Ausland engagieren, weil sich manche deutschen Arbeitslosen zu gut dafür sind, die ihre kostbaren Erzeugnisse viel zu billig an den Großhändler abgeben, weil ihnen keine andere Wahl bleibt. Die all dies ertragen, ertragen müssen, und dennoch Felder bestellen, ernten können. Ihnen können wir an Erntedank danken.

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Dabei gebe ich zu, ich kaufe mein Gemüse und Obst lieber beim Kleinhändler um die Ecke, der regionale Früchte verkauft, die nicht um die halbe Welt geschifft wurden. Wenn ich es mir leisten kann, hole ich dort Salat und Kartoffeln, den Apfel für die Kindergartentasche meines Sohnes. Ja, es kostet mehr und vielleicht kaufe ich dort auch mal weniger. Doch ich achte auch mehr darauf, dass es auch gegessen wird, gehe sorgsamer damit um, als mit dem 50- Cent-Apfel vom Discounter. Dankbar für die Ernte sein heißt eben nicht nur an einem Sonntag im Jahr mal an die Landwirtschaft denken, sondern das ganze Jahr über. Lange Transportwege schaden der Umwelt, die Umwelt ernährt uns eben mithilfe  der Ernte. Jedes Brot, das wir essen, jeder Schluck Saft, jedes Salatblatt auf einem Burger, alles hängt doch davon ab, dass die Felder anständig bestellt werden. Wir legen Wert auf schadstoffarme Landwirtschaft, kaufen Bio, protestieren gegen Massentierhaltung.

Und doch scheint das alles zu wenig für die Ernte, für unsere Nahrung, für den Dank an die Natur, die wir tagtäglich zerstören. Will man in unserer Stadt ein neues Haus bauen, schreibt die Stadt vor, dass ein einheimischer Baum im Garten gepflanzt wird. Mein Mann meint dazu, er pflanzt auf jeden Fall mehr. Ich meine, wir sollten alle mehr pflanzen. Bäume, Sträucher, Früchte. Von einer Rasenfläche wird keiner satt. Und wer kein komplettes Feld umpflügen muss, sondern nur ein paar Salatköpfe oder Tomaten abmachen will, muss sich auch nicht stundenlang in den Garten stellen und um seine Freizeit bangen (die aber an der frischen Luft gar nicht mal schlecht verbracht wäre). Er könnte auch am ersten Sonntag im Oktober wirklich dankbar sein, dafür, dass die Früchte rot und saftig waren, der Salat frei von Schnecken, die Äpfel am einheimischen Baum ohne Würmer. Er könnte Erntedank feiern und wissen, warum. Was wäre mehr bio? Was wäre ökologischer? Und er würde wissen, dass gute Landwirtschaft eben seinen Preis hat und darum auch auf dem Dorfplatz oder im Gemüseladen um die Ecke einkaufen.

Mehr zum Thema Umwelt lest ihr in unserer Tier&Umwelt-Rubrik.

Vorschau: Nächste Woche erklärt Alexandra euch an dieser Stelle die Abwechslung des Alleinseins.

Farbgefühle Festival Heidelberg

Farbgefühle Festival Heidelberg

Spaß beim Farbenwurf: Hier blieb keiner sauber (Foto: Hsiao / www.debing.de)

„Holi“, das Fest der Farben, ist ein Festival von zwei bis zehn Tagen im Frühling, aus dem nördlichen Indien. Dabei wird ausgelassen gefeiert und sich gegenseitig mit farblichem Pulver und buntem Wasser beschmissen. Während früher das Pulver, auch Gulal genannt, aus Blüten, Wurzeln und Kräutern gewonnen wurden, sind heute synthetische Farben die Regel. Nichts desto trotz soll es den Sieg des Frühlings über den Winter, des Guten über das Böse, symbolisieren. Alle Streitigkeiten sind in der farbenfrohen Welt begraben. In Heidelberg fand nun ein ähnliches Spektakel statt.

„Elara Entertainment“, der Veranstalter des Farbgefühle Festivals, betont, dass diese Veranstaltung nicht mit dem Holi Festival in Indien zu vergleichen ist und man das Original nicht kopieren wolle. Es soll ein Festival sein, bei dem neben der Farbenschlacht auch die Music-Acts im Vordergrund stehen.

Farbgefühle Festival Heidelberg

Aufopferung: Auch der tapfere Journalist (links) muss sich bei seinen Recherchen manchmal schmutzig machen (Foto: Hsiao / www.debing.de)

Am Sonntag, den 12. August im Heidelgarten in Heidelberg, begann das Festival um 14 Uhr. Die Anreisenden waren leicht zu erkennen, da der Großteil der Besucher in weiß gekleidet war.  Die Standardangebote für Essen und Trinken, wie Bratwurst und Cola, waren zu erwerben und von der Bühne schallte die Musik. Schon jetzt wurden die ersten Farbbeutel genutzt, um sich gegenseitig zu beschmieren und Farbe ins Gesicht zu bringen. Wer sich zusätzlich, zu dem im Eintrittsgeld enthaltenen Farbbeutel,  Weitere kaufen wollte konnte dies tun solange der Vorrat reichte.

Die Menschen waren alle in Feierlaune. Türsteher/innen, Bedienstete, Sanitäter des DLRG und Besucher/innen haben jeden Spaß mitgemacht und  jeder zeigte sich freundlich und offenherzig.

Nicht jeder Besucher war im Nachhinein mit der Organisation zufrieden, doch darüber lässt sich streiten. Doch da dies der erste Versuch eines solchen Festivals war sind auch noch einige Fehler erlaubt. In den kommenden Jahren können diese noch ausgemerzt werden.

Um 18 Uhr kam es endlich zum „Big Throw“. Alle, die noch Farbe in ihrem Farbbeutel hatten, warfen diese gleichzeitig in die Luft. Die blauen, gelben, grünen und roten Farben ergaben in der Mischung jedoch ein einheitliches Grau. Am Ende des Festivals war keiner von den Farben unberührt.

Für Notdürftige gab es neben der VIP-Lounge eine Wasserdusche, bei der man sich zum Teil sauber machen konnte. Die Farben ließen sich auch leicht entfernen. Für diejenigen, die nicht am nächsten Tag früh aufstehen und noch mit dem Zug nach Hause fahren mussten wurde die Musik bis 22 Uhr gespielt.

Alles in allem war dieses Festival gelungen. Ob es die 15 Euro für das Ticket wert waren, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dem „Holi“-Festival in Indien kann es sicherlich nicht das Wasser reichen. Dies ist ein Ereignis, welches man zusätzlich erleben sollte.

Vorschau: Am Dienstag, 21. August, lest ihr an dieser Stelle die Ergebnisse zum Selbstversuch Bodypainting.