Küchenlos kochen

Neue Küche nötig? Nur wie kochen, wenn der Herd erst mal fehlt (©Alexander Rohling / pixelio.de)

Neue Küche nötig? Nur wie kochen, wenn der Herd erst mal fehlt (©Alexander Rohling / pixelio.de)

Seit ein paar Tagen habe ich wieder eine Küche. Etwas mehr als einen Monat haben wir es ohne ausgehalten, ohne Spüle und Spülmaschine, ohne Herd und Backofen, ohne Schränke und Schubladen. Ein leerer Raum, der mich jeden Tag daran erinnert hat, das etwas entscheidendes fehlt, denn mit vier hungrigen Mägen (und einem halben) stellt sich schnell die Frage: Geht das überhaupt ohne Küche?
Seit wir wussten, dass wir einziehen, ohne dass die Küche eingebaut sein kann, habe ich mir überlegt, wie das gehen soll, mit zwei Kindern und ohne Herd. Wer gerade ein Haus gekauft hat, hat ja auch nicht gerade das nötige Kleingeld, um täglich Essen zu gehen oder etwas liefern zu lassen. Ein Kompromiss musste also her. Da die Küche ohnehin noch gespachtelt, tapeziert und mit einem neuen Fenster versehen werden musste, war es auch keine Möglichkeit, eine Mini-Leihküche oder etwas in der Art aufzustellen. Doch zum Glück gibt es mehr Arten, an warmes Essen zu kommen, als nur mit einem Induktionsherd.

Endlich wieder kochen: Es geht auch ohne Herd, aber gut, wenn einer da ist (Foto: Obermann)

Endlich wieder kochen: Es geht auch ohne Herd, aber gut, wenn einer da ist (Foto: Obermann)

In den vier Wochen habe ich meine Mikrowelle wirklich zu schätzen gelernt. Artig ließ sie sich auf wenig Platz aufstellen und wärmte fortan Eingefrorenes wieder auf, erhitzte Suppen und brachte das ein oder andere Gericht zum Kochen. Ja, das Essen schmeckt anders aus dem kleinen Gerät als vom großen Herd, doch gerade für meinen momentan eher empfindlichen Magen und die Kindermägen war das der sanftere Weg und das Essen blieb, alles in allem, weicher, als in der knusprig bratenden Pfanne. Aufläufe und Kuchen, Krusten und Kochwasser mussten aber erst mal warten. Mit ein paar Kniffen, gibt es aber fast nichts, was nicht auch ohne Herd zu machen wäre.
Beispielsweise hat Tupperware mittlerweile auch einen Zubereiter für Spiegeleier und Omelette, der für die Mikrowelle gemacht ist. Einen Mikrowellen-Reiskocher gibt es schon länger und mit im Wasserkocher erhitztem Wasser werden auch Nudeln weich, wie frisch gekocht. Ja, es wird alles etwas anders. Die Eier haben keine leichte Kruste, Mikrowellenkuchen schmeckt eben oft aufgetaut, statt frisch gebacken (außer die Mikrowelle hat zusätzlich eine Umluft-Funktion – gibt es alles), aber wo ein Wille ist, ist eben oft auch ein Weg.
Mal davon abgesehen, dass es viele kleine Gerätschaften gibt, die einen Herd ersetzbar machen. Einen Tisch-Pizzaofen beispielsweise, mit dem die Pizza sogar auf Stein gebacken wird, einen Party-Wok, Tischgrill, Raclette und Fondue sind auch nicht ausgeschlossen. Dutzende an Geräten, die sonst eine Küche oft doch nur zumüllen, weil eben alles auch per Herd geht – und da vor allem in größeren Mengen. Was sonst nur als Feier-Erlebnis genutzt wird, kommt plötzlich zum Einsatz und verkürzt die Wartezeit auf die neue Küche ungemein.
Problematisch aber auch, was aus dem Geschirr wird, wenn die Spüle noch nicht da steht. Wer nicht auf Pappteller und Plastikschüsseln zurückgreifen will, braucht Alternativen. Und wenn das nur das kleine Waschbecken auf der Toilette ist. Spülmittel und ein Schwamm und los geht’s. Auch in der Badewanne lässt sich spülen. Manch verwegener mag das Geschirr auch schon mit unter die Dusche genommen haben (ja, da kenn ich wirklich einen Fall von Mensch). Hauptsache die Teller sind wieder sauber und es gibt genug Löffel in der Schublade. Immerhin können bei fehlenden Küchenschränken auch nicht alle Kartons mit Schüsseln, Tassen, Gläsern, et cetera, ausgeräumt und griffbereit sein.
Nicht zuletzt aber ist eines unerlässlich, wenn eine Familie plötzlich ohne Küche dasteht: Freunde und Verwandte, die einladen oder Essen vorbeibringen. Die gebratenen Würstchen, die meine Kinder so gerne verputzen oder die weiße Soße vom Blumenkohl, die mein Mann liebt, Dampfnudeln bei den Großeltern und Pizza vom Schwiegervater gebracht: Eine lange Liste von Menschen, die wie selbstverständlich da stehen und Schüsseln voller Essen in den Händen halten. Vom frisch gebackenen Kuchen bis zur Suppenlieferung, über spülende Hände und selbst mitgebrachtem Geschirr war alles dabei und eines ist klar: ohne diese Lieferungen wäre unsere Zeit ohne Küche wesentlich langwieriger geworden. Denn bei allen Kompromissen hängt doch jedem irgendwann das „Mikrowellenfutter“ zum Hals heraus. Ich jedenfalls verzieh mich jetzt in meine nigelnagelneue Küche und koche mir etwas. Egal was. Hauptsache kochen in der Küche, am Herd.

Vorschau: Nächste Woche betrachtet Sascha für euch an dieser Stelle Gefühle ganz nüchtern.

Endlich und nie wieder – das eigene Haus

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Ein Haus voller Kartons: Nach dem Umzug muss erst alles seinen Platz finden (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Seit einigen Wochen lebe ich inmitten von Kartons. Meine frische Wäsche hole ich aus einem Korb, die großen Teller habe ich noch nicht gefunden, zum Schreiben dieses Artikels habe ich mir das Ladegerät meiner Mutter geliehen, weil meines noch verschollen ist, der Laptop zum Glück nicht. Ich bin im Umzug, erraten. Im letzten Monat habe ich eingepackt, aussortiert, renoviert, geplant, gehoben, getragen, abgestellt – und nur das wenigsten wieder ausgepackt. Ab ins Eigenheim dachten mein Mann und ich uns. Heute denken wir: Nie wieder!

Schuld daran mag die magische Zahl drei haben, die sich im Alter meines Mannes an vorderste Stelle geschoben hat und uns demnächst was die Anzahl unseres Nachwuchses betrifft entgegenkommt. Das passende Objekt haben wir nach langem Suchen, der Überlegung zu Bauen und dem Durchstöbern tausender Inserate gefunden. Dann begann ES. Das Verhandeln um den Preis, das Verhandeln mit der Bank, das Verhandeln um Termine, den Druck hier, die Nachfrage da. Jeder meinte etwas anderes zu brauchen und zu wollen, Makler, Verkäufer und Bank, und wir, die wir noch nie ein Haus gekauft hatten, wussten nicht, wer recht hatte. Und Erklärungen gibt es wie Sand am Meer, zur Genüge und in allen möglichen Formen. Schon da schwand unser Enthusiasmus. Die Bürokratie stellte Stolpersteine und eigentlich wollten wir einfach nur in unser Haus.

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Stress pur: Der Weg zum eigenen Haus ist lang und voller Stolpersteine (©jelep / pixelio.de)

Im Stress der vergangenen Wochen haben wir beide an Gewicht verloren. Nicht besonders praktisch bei dem ohnehin schon stressigen Beruf meines Mannes und dem achten Schwangerschaftsmonat, der sich nun schon sehr gemächlich dem Ende neigt. Jeden Tag kam ein neues Problem hinzu. Während das Dach neu gemacht wurde, tropfte es bei Regen in mehrere Zimmer, ein Problem an der Heizung ist nicht, wie vorher abgesprochen, behoben wurden, die Küche kommt erst Ende Oktober, die Türen vom neuen Schlafzimmerschrank waren kaputt. Die Liste ließe sich fortsetzten. Manchmal will ich einfach nur wegrennen, mich verkriechen, vorspulen, bis alles überstanden ist. Denn das ist es doch irgendwann, oder?

Gleichzeitig bleibt doch die Gewissheit, einen wichtigen Schritt getan zu haben. Ein Eigenheim ist heute für viele nicht mehr selbstverständlich oder gar erstrebenswert. Gerade jüngere Menschen ziehen die Ungebundenheit einer Mietwohnung vor, berufliche und private Flexibilität rücken dabei in den Vordergrund. Städte- oder gar Länderwechsel sind so kein Problem. Und mal ehrlich, ist so ein eigenes Haus mit Garten nicht in der Kleinstadt nicht furchtbar spießig? Mit Sicherheit ist es auch das. Aber eben genau das bietet es auch: Sicherheit. Wir sind nicht mehr auf Vermieter und deren Meinungen angewiesen. Und kann nicht nach Jahren gekündigt werden und wir müssen etwas Neues suchen, wie ich es schon bei vielen erlebt habe. Statt Miete zahlen wir die nächsten Jahre Darlehen – und eines schönen Tages sind wir damit durch.

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Endlich: das eigene Haus bietet Vorteile, die sich lohnen (©lichtkunst.73 / pixelio.de)

Vielleicht schaffe ich es bis dahin auch, die Schränke aufzustellen, das Büro einzurichten und meine neue Leseecke einzuweihen. Vielleicht, ganz so sicher bin ich mir da nicht. Immerhin habe ich einen Kellerraum, in dem irgendwo mein Föhn sein muss, der aber von vorne bis hinten so zugestellt ist, dass ich an nichts mehr rankomme. Einen neuen Föhn zu kaufen wäre da wohl die sinnvollere Variante. Und auf der Matratze schläft es sich eigentlich auch nicht schlecht, wer braucht da schon ein Bettgestell? Endlich haben wir es in die eigenen vier Wände geschafft und noch einmal machen wir die Aktion nicht mit. Nie wieder Miete, nie wieder umziehen, nie wieder Hauskauf – endlich.

Vorschau: Sascha erklärt euch hier nächste Woche, warum unsere Gesellschaft Lügen braucht, um zu funktionieren.

Die Wand ein bisschen schöner machen

Die Wand ein bisschen schöner machen

Die Colibri-Blüten: So soll es aussehen (Foto mit freundlicher Genehmigung von Wall Art)

Es ist soweit. Fünf Jahre sind vergangen, seit wir unsere Wohnung bezogen haben. Nach einem Kind und vielen, vielen Anhäufungen von Sachen, die wir brauchen oder irgendwann mal brauchen könnten, wurde es eng und enger. Von unserer Wohnungssuche, die mit dem gefundenen Haus endete, habe ich euch bereits berichtet. Gut war, dass die neuen Zimmer eigentlich bezugsfertig waren. Aber allesamt weiß wie Zahnpasta. Die Zeit war knapp, unmöglich konnten wir überall Farbe hinklatschen, wo wir es gerne etwas wohnlicher gehabt hätten. Die Idee: Wandtattoos.

Mit den Wandtattoos von Wall Art hatte ich bereits gute Erfahrungen gemacht. An unserer alten Küchentür steht heute noch – die Nachmieter freuen sich – „Zauberküche“ in dunklem Rot und in dem knalllila Flur meines Bruders habe ich ihm zum Einzug „Willkommen“ in Dutzenden Sprachen geklebt. Die Auswahl, die Wall Art bietet ist schon mal gigantisch. Vom einfachen Ornament über komplizierte Spezialbilder, vom Schriftzug bis zum Lieblingstier, hier gibt es für jeden Geschmack etwas.

Die Colibri-Blüten, die es auch auf Face2Face zu unserem Jubiläum zu gewinnen gab, haben uns so gut gefallen, dass wir sie gleich an unsere Wohnzimmertür kleben wollten. Mein Sohn hat mir fleißig geholfen, denn das Anbringen des Tattoos verläuft – grob gesagt – in drei Schritten. Zunächst muss das Wandtattoo auf die Übertragungsfolie gebracht werden. Da es aber schon so geliefert wird, dass die Übertragungsfolie auf einer Seite an dem Bild hängt, ist das nicht allzu schwer. Nochmal gut festdrücken, vor allem die filigranen Teile des Tattoos, dann vorsichtig die Folie abziehen. Am besten klappt das Übertagen wirklich mit dem Spatel, den es bei Wall Art gibt. Vor allem für den nächsten Teil, dem Anbringen an der Oberfläche, ist der Spatel nicht zu verachten.

Die Wand ein bisschen schöner machen

Kinderleicht? Das Festdrücken ist einfach und unkompliziert (Foto:Obermann)

Denn je nach Untergrund kann es schon mal schwieriger sein, das Tattoo an die Wand zu bringen, oder in meinem Fall: an die Tür. Sauber, also fett- und staubfrei sollte sie sein, und natürlich trocken. Und obwohl ich die Tür extra geputzt hatte, wollte sie einfach nicht so richtig sauber sein. Was in unsrer alten Wohnung und auch an der neuen Tapete wunderbar geklappt hat, denn im Kinderzimmer habe ich zur Freude meines Sohnes noch ein paar Katzen platziert, wurde an der Wohnzimmertür dann doch zur Geduldsaufgabe.

Eigentlich – die Erfahrung habe ich nun mehrmals gemacht – wird das Tattoo mit der Übertragungsfolie an die Fläche geklebt, wo es hängen soll. Nachdem es dann festgedrückt wurde, kann die Folie vorsichtig wieder abgezogen werden, das Tattoo bleibt hängen. Lediglich ganz feine Teile sollten dann noch einmal zusätzlich mit den Fingern festgedrückt werden. Es schadet auch nichts, das ganze Wandtattoo noch mal abzufahren. Es klebt und damit gut. Bei schwierigen Untergründen – wie meiner neuen Wohnzimmertür – sieht das Ganze etwas komplizierter aus. Der wenigste Teil des Tattoos blieb hängen, egal wie oft ich es mit der Folie an die Tür drückte. Also? Also habe ich die Folie stückchenweise abgezogen und das Wandtattoo mit Fingern und Andrückspatel vorsichtig an die Tür gebracht – dann hat es auch gleich geklebt, allein die Arbeit war etwas aufwendiger als sonst.

Die Wand ein bisschen schöner machen

Kann sich sehen lassen: Das Wandtatoo an der Wohnzimmertür (Foto: Obermann)

Das Ergebnis aber kann sich sehen lassen. Das helle Wandtattoo hebt sich super von der dunklen Tür ab und sieht einfach klasse aus. Allzulange dauert das Anbringen auch nicht, je nach Untergrund, Größe des Tattoos und Komplexität der Ausführung zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Wer die Tipps zum Anbringen, die jeder Wall Art Lieferung beiliegen, berücksichtigt, ist klar im Vorteil. Wichtigstes Arbeitsmaterial ist aber Geduld. Denn wer es doch zu eilig hat und beim Abziehen der Folie nicht aufpasst, riskiert, dass sein Tattoo einreist. Das lässt sich zwar retuschieren, ärgert aber trotzdem.

Mein Fazit bleibt, dass Wandtattoos eine tolle Möglichkeit sind, Wände und Türen zu verschönern, ohne stundenlang den Pinsel schwingen zu müssen. Praktisch ist auch, dass das aufgeklebte Tattoo einfach wieder zu entfernen ist, sollte es irgendwann einmal nicht mehr gefallen. Einfach abziehen und fertig. Wir überlegen uns derweil, ob wir für das Schlafzimmer nicht auch noch eines holen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha über „Patchworkkultur“ als Kultur zum Selberbasteln.

Zu wenig Platz für zu viel Mensch

Wir brauchen eine größere Wohnung. Das wissen wir schon länger. Unsere Wohnung platzt aus allen Nähten. Überall, wo wir dachten, es passt kein Schrank mehr hin, haben wir doch noch einen hin gequetscht. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich Bücher, weil die Regale voll sind und ich nicht darauf verzichten kann. Wir brauchen eine größere Wohnung. Hinzu kommt, dass unser vierjähriger Sohn kein eigenes Zimmer hat, weil sein Vater das dritte Zimmer als Arbeitszimmer braucht. Wir brauchen also so was von einer größeren Wohnung.

Übers Internet - so laufen heute viele Wohnungssuchen ab (©Rainer-Sturm_pixelio.de)

Übers Internet – so laufen heute viele Wohnungssuchen ab (©Rainer-Sturm/pixelio.de)

Seit einem Jahr etwa klicken wir uns auf Seiten wie „Immobilienscout24“ umher, sichten Angebote, reden darüber – und finden immer wieder Ausreden, doch nichts zu machen. Zuerst war es: „Jetzt warten wir erst mal bis sein Referendariat vorbei ist, vorher hat es keinen Sinn“. Klingt ja auch logisch. Also haben wir gewartet, gesichtet, geredet und Anfang des Jahres uns dann die ersten Objekte angeschaut. Eines der ersten war ein Haus, relativ günstig, passende Lage. Aber sonst passte nichts. Ein Innenhof zum Albträumebekommen, 90 Prozent Durchgangszimmer, ein riesiges Bad mit einer winzigen Wanne und irgendwie so ganz ohne Waschmaschinenanschluss. Also dann doch lieber nicht. Doch ein Haus wäre ja auch nicht verkehrt, überlegten wir. Immerhin, mit Kind und Katze, in der Kleinstadt, das könnte passen. Wäre doch schön.

Wir warteten wieder etwas und weil es keine Wohnungen zu geben schien, schauten wir uns im sonnigen Frühling ein zweites Haus an. Mit Dutzenden Wandschränken, geräumigen Zimmern, einer riesigen Garage, einem passablen Hof und etwas Garten. Aber: viel zu teuer. Momentan nicht bezahlbar, für einen Aushilfslehrer und eine Hilfskraft an der Uni. Wir bissen uns auf die Lippen, sagten ab und waren gefrustet. Wegen Eurokrise oder Wirtschaft, irgendeinen Grund musste es haben, gab es keine Wohnungen, die groß genug gewesen wären und erst recht keine Häuser, die wir uns leisten konnten.

Zu wenig Platz für zu viel Mensch

Angebote? Der Wohnungsmarkt ist momentan leer, dann statt Wohnung vielleicht doch gleich ein Haus (©Rainer-Sturm/pixelio.de)

Währenddessen wuchs unser Platzmangel. Unser Sohn hatte Geburtstag – noch mehr Spielsachen – wir heirateten – überhaupt mehr Sachen. Nur der Platz wollte nicht mehr werden. Während ich unseren neuen Bowle-Behälter auf das Bücherregal räumte und unser Buffet dank der vielen Tassen nicht mehr richtig zugeht, warteten wir und warteten. Hatte denn niemand Mitleid mit einer kleinen Familie, die einfach nur ein Zimmer mehr haben wollte? Wir fragten – Kleinstadt eben – Familie und Bekannte, blätterten in den örtlichen Wochenzeitungen. Alles, was wir fanden, war eine Wohnung im zehnten Stock, die miefte und auch nicht größer war als das, was wir schon hatten.

Ich sah uns schon auf ewig hier versauern, ohne Kinderzimmer, bald über sorgsam hingestellte Kartons steigend, weil auf den Regalen schon lange kein Platz mehr ist. Vielleicht im Herbst – hofften wir, denn unsere Suchanfragen hatten seit Wochen keine neuen Objekte rausgespuckt. Mit drei Zimmern wären wir überschüttet worden. Aber drei Zimmer haben wir, drei Zimmer reichen eben nicht. Mindestens vier brauchen wir.

Es war der Mittwoch vor den Kindergartenferien, dieser Artikel war schon angesetzt, mit offenem Ende noch – ob wir je etwas fänden? An der Pinnwand gegenüber der Garderobe meines Sohnes (Schicksal?) hing ein einfacher Zettel, den ich kurzerhand mit dem Handy fotografierte. Wenig Infos: Haus in zentraler Lage zu vermieten. Zwei Toiletten, stand da, und fünf Zimmer. „Kann ja nicht schaden“, sagte ich zu meinem Mann, als ich wieder zu Hause war, und rief gleich an. Keiner hob ab, also setzte ich mich an die Arbeit. Doch bald klingelte das Telefon und nach kurzer Verwirrtheit war klar: Das ist die Vermieterin. Wir machten nur kurz einen Termin aus, klärten das Wichtigste und ich war selig. Das Haus war bezahlbar. Günstiger als ein Haus, das wir uns erst ein paar Tage zuvor angeschaut hatten: Das hatte gemuffelt, wir brauchten eine neue Küche, null Dämmung, weiter weg von der KiTa, als mir lieb war, aber noch passabel. Nur etwas zu teuer. Der Makler wollte sehen, ob sich was machen lässt, wir warteten. Und dieses Haus? Ideal. Keine fünf Minuten von unserer Wohnung weg, kleiner Garten, gerade genug für mich, die ich ohnehin kaum Zeit habe neben Uni, Kind, Schreiben. Die Küche konnten wir übernehmen, nicht billig, aber ein Traum für jemanden, der bisher zwei Quadratmeter als Küche gehabt hat. Mit Kinderzimmer und Spielzimmer und Arbeitszimmer. Alles da. Wir waren sofort Feuer und Flamme, hätten am liebsten sofort unterschrieben. Einen Tag später weihten wir unseren Sohn ein, zeigten ihm das Haus, auch er war sofort begeistert, rannte auf dem Rasen seine Kreise.

Erst zu den Herbstferien ziehen wir um, doch die Zeit vergeht schnell. Hier einpacken, da ummelden, Nachmieter, neue Couch – alles ist plötzlich da und ging dann doch so leicht. Ganz ohne Makler, ganz ohne Internet, ganz ohne Stress. Hätten wir das nur früher gewusst.

 Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha gegen das Vorurteil, alte Menschen seien langweilig und träge.

Loslassen, Ausziehen, Neues entdecken…

Das Leben besteht aus unterschiedlichen Phasen, die jeder von uns irgendwann einmal durchläuft. Phasen, die uns dabei helfen, unsere Persönlichkeit sowie verschiedene Kompetenzen zu entwickeln. Manche nennen es auch Stufen – was an das gleichnamige Gedicht von Hermann Hesse erinnert, in dem daran erinnert wird, den Lebensfluss zu akzeptieren und stets offen für Neues zu sein. Natürlich bringt nicht jede Phase nur schöne Seiten mit sich, man erinnere sich selbst vielleicht an die eigene Pubertät. Da hatte jeder mit Pickeln, dem Stimmbruch und dem ersten Liebeskummer zu kämpfen. Und dennoch hat auch diese Zeit jeden individuell intensiv geprägt und dazu beigetragen, dass wir heute die Menschen sind, die wir sind.

Aber damit endet ja der Entwicklungsprozess nicht auf einmal. Er geht weiter. Immer.

Und plötzlich bemerken wir eine innere Unruhe, ein Gefühl der Sehnsucht, vielleicht sogar Fernweh. Der Gedanke, das Altgewohnte hinter sich zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen, ist allgegenwärtig und treibt uns an. Zweifel gibt es vielleicht auch – bei den ein oder anderen, aber warum sich davon aufhalten lassen? Das habe ich mich auch gefragt, habe die Gelegenheit, die sich mir geboten hat, beim Schopf gepackt und bin nach Dresden zu einer Freundin gefahren. Da ich an meiner jetzigen Uni nicht den Master machen kann, werde ich also ab nächstem Jahr woanders studieren. Und wieso nicht in einer Stadt, die mir gefällt, die etwas weiter weg von zu Hause liegt, in der es so viel Neues zu entdecken gibt?

Natürlich ist Dresden nicht die einzige Stadt, die auf meiner Liste steht, aber ich muss zugeben, dass ich schwer beeindruckt gewesen bin und mich schon etwas verliebt habe. Da gibt es die Semperoper, den Zwinger, die Prager Straße und natürlich die Frauenkirche. Und noch etliches mehr, was es sich zu erkunden lohnt…
Für mich persönlich steht fest, dass ich mich dort bewerben werde – und der Rest liegt ja ohnehin nicht in meiner Hand. Für mich beginnt ab nächstem Jahr eine neue Lebensphase: raus von zu Hause und rein in ein neues Leben. Selbständiger werden und daran wachsen. Neue Leute kennenlernen und sich alleine zu Recht finden. Ein Stück weit erwachsener werden. Natürlich sind mit diesem Gedanken auch Zweifel verbunden und gewisse Ängste, aber irgendwann wird es Zeit, loszulassen und seinen eigenen Weg zu gehen. Der eine findet ihn früher, der andere eben etwas später – außerdem muss man sich das Ausziehen auch erst einmal leisten können.

Viele Schüler in Rheinland-Pfalz schreiben ja gerade ihre letzten Kursarbeiten vor dem schriftlichen Abitur. Manche wissen schon, was sie danach machen wollen. Andere weniger. Für die einen steht fest, dass sie gleich anfangen wollen zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Für die anderen kommt das erst einmal nicht infrage – da wird erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr angestrebt oder Work and Travel. Ganz im Sinne von: loslassen, losreisen und Neues kennenlernen. Und auch wenn immer ein bisschen Mut zu einem solchen Schritt dazugehört, so ist es doch im Nachhinein eine wunderbare Erfahrung, die einen beeinflusst und vielleicht auch zur Entwicklung beigetragen hat.
Und wenn wir die Möglichkeit doch haben, warum sie dann nicht einfach ergreifen?

In diesem Sinn: eine schöne Woche!

Eure Lea

Vorschau: Eva schreibt nächste Woche über die Welt des Tees und warum sie so gerne darin eintaucht.

Alles rund ums Wohnen

„Immobilienvermittlung mit Herz“ – das ist der Leitspruch von Annett Schubert. Die 43-jährige Immobilienfachwirtin vermittelt Häuser und Wohnungen im Raum Speyer, gelegentlich aber auch mal in Mannheim, Ludwigshafen und Neustadt. Ihre Tipps für alle, die sich nach den eigenen vier Wänden sehnen, lest ihr im Face2Face-Interview.

Face2Face: Mieten oder kaufen? Was sagen Sie in Anbetracht der aktuellen Lage?
Schubert: Kaufen. Zurzeit sind die Zinsen noch günstig und es lohnt sich, unverbindlich bei einem Finanzberater die eigenen Möglichkeiten durchrechnen zu lassen.

Alles rund ums Wohnen

Mit Herz bei der Sache: Immobilienfachwirtin Annett Schubert (Foto: privat)

Face2Face: „Immobilienvermittlung mit Herz“ ist auf Ihrer Internetseite zu lesen – was bedeutet das für Sie und Ihre Kunden?
Schubert: Für mich bedeutet das achtsamer Umgang mit den Menschen. Die Immobilie ist eine Sache, doch im Mittelpunkt steht der Mensch. Verkäufer hängen oft mit Herz und Seele an ihrer Immobilie. Die Käufer wiederum stehen vor einer Lebensentscheidung. All dies bedarf über die fachliche Kompetenz hinaus noch sehr viel mehr an Verständnis, Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit. Und genau das vermissen viele Kunden besonders in unserer Branche. Das Vertrauensverhältnis, das so zwischen mir und dem Käufer entsteht, gibt diesem Sicherheit,  innere Ruhe und Zufriedenheit. Und genau diese Kombination aus Fachwissen und Empathie führt letztlich zum besten Erfolg.

Face2Face: Auf was sollte man selbst als Kunde und Interessent einer Immobilie achten? Ist es ratsam sich immer auf den Makler zu verlassen oder ist auch mal Eigeninitiative gefragt?
Schubert: Achten sollen Sie als Käufer zum Beispiel auf Ihren finanziellen Rahmen, der besser vor Beginn der Suche abgesteckt wird. Außerdem ist zu beachten, welche Renovierungen anstehen. Gegeben falls sollte ein Fachmann hinzugezogen werden.  Bei Eigentumswohnungskauf ist es wichtig, auf Rücklagen und eventuell geplante Aufwendungen für Reparaturen zu achten. Auch die Lage ist entscheidend.
Käufern biete ich ein Immobiliencoaching an, bei dem wir zunächst alle Bedürfnisse und Wünsche heraussuchen und auch die Kompromisse. Bei der Suche sollte man sich nie nur auf einen Makler verlassen, sondern das ganze Suchgebiet im Visier behalten. Beim Kauf ruhig Fachleute des Handwerks hinzuziehen. Makler sind keine Handwerker und selten Bausachverständige. Der Eigentümer allerdings sollte bei Verkauf oder Vermietung nur einen Makler des Vertrauens wählen und ihn seine Arbeit machen lassen. Viele Köche verderben den Brei – so ist es auch beim Verkauf.

Alles rund ums Wohnen

Schlicht: Das Logo der Immobilienvermittlung (Foto: privat)

Face2Face: Ihr Berufsstand wird gelegentlich kritisch beäugt. Denken Sie es gibt unter Ihren Kollegen auch schwarze Schafe und wenn ja, woran erkennt man diese als Kunde?
Schubert: Ja, hier in Deutschland stimmt das leider, dass das Image des Maklers oft eher schlecht ist. Dazu gab es in den letzten Jahren zu viele Menschen, die ohne Ausbildung  einfach ein Maklergewerbe angemeldet haben. Für den Kunden ist es oft schwer zu erkennen, wer Hobbymakler ist oder wer sich zum Beispiel gerade neu auf dem Markt ausprobieren will. Ich empfehle, mehrere Makler anzusprechen und danach erst zu wählen.

Face2Face: Wodurch zeichnet sich im Gegensatz dazu ein wirklich guter Makler aus? Woran kann man ihn erkennen?
Schubert: Ein guter Makler hat bereits Erfahrung, eine fundierte Ausbildung und bildet sich auch regelmäßig weiter. Er hat einen professionellen Internettauftritt und der Kunde sieht auf seiner Homepage, wie der Makler die Immobilien anbietet. Hochwertige Präsentationen in Form von professionellen Fotos, Grundrissen und Beschreibungen, sollten sofort ersichtlich sein. Auch darf die Vorstellung seiner Person nicht fehlen.  Ein guter Makler nimmt sich der Immobilie an und arbeitet nur im Auftrag. Und wenn dass alles zutrifft, ist Ihr Makler dann der, der zu Ihnen passt und bei dem ihr Baugefühl JA sagt.

Face2Face: Was halten Sie von Serien wie „Mieten, kaufen, wohnen“? Realitätsnah oder eher –fern?
Schubert: Ich bin kein Freund der Serie und einige meiner Kunden halten sie für eher realitätsfern.

Face2Face: In welchem Stadtteil Speyers ist es am günstigsten und wo am schönsten zu wohnen?
Schubert: In Speyer ist es überall schön zu wohnen. Am teuersten ist die Region im Oberkämmer. Speyer Nord dagegen wird oft in den Köpfen abgewertet. Leider. Meiner Meinung zu Unrecht, denn auch da gibt es schöne Immobilien. Anschauen lohnt immer. Jede Stadt hat ihre Gebiete, die teurer sind und die, die günstiger sind. Und jeder ist dort zu Hause, wo er sich wohl fühlt. Für mich ist das Speyer.

Face2Face: Ihre Tipps, für alle, die gerade auf der Suche nach einer passenden Immobilie sind:
Schubert: Gut vorbereitet auf den Markt gehen, das heißt genau wissen, was man wirklich will, was man haben muss und was man sich auch leisten kann. Außerdem sollte man Adressen, wie die von Architekten und andere Handwerker schon in der Tasche haben. Raum für Kompromisse lassen und vorher abstecken. Die Finanzierung bei Immobilienkauf kann man schon vorbereitet in Petto haben. Schließlich bei Entscheidungen die berühmte Nacht darüber schlafen – doch wenn es passt: nie zu lange warten.
Mietinteressenten empfehle ich, die gewünschten Papiere – Einkommensnachweise  der letzten drei Monate, Schufa- Auskunft und Mieterselbstauskunft – schon parat zu haben. Wenn dann die Traumwohnung dabei ist, können Sie sofort zuschlagen.

Kontakt:
Postanschrift: Hohenstaufenstr. 11
67346 Speyer
Telefon: 06232/6768701
Homepage: http://www.schubert-immobilien.de/

Vorschau: Nächste Woche gibt´s den fünften Teil meiner Ausgehtippsserie. Ich stelle euch nicht nur eine tolle Location in Schwetzingen vor – es gibt auch etwas zu gewinnen. Lasst euch überraschen!