Essen mit Genuss

Essen mit Genuss
Genuss mit süßem Essen, als Nachtisch oder Hingucker (Foto: Pexels, Pixabay.com)

Mit Genuss verbinden wir Annehmlichkeiten, die am häufigsten mit Essen oder Getränken in Verbindung gebracht werden. Durch diese automatische Assoziation liegt es nahe, dass Gastronomie-unternehmen auch durch eine bestimmte Namensgebung ihre Betriebe mit eben diesem Genuss in Verbindung bringen möchten. Sie vermitteln dem Kunden so bereits vor dem ersten Kontakt, dass ihre Angebote ein genussvolles Erlebnis versprechen. Verschiedenste Unternehmen aus der Gastronomiebranche machen sich dies zu Nutze und haben das Wort „Genuss“ im Namen – drei davon möchten wir euch hier näher vorstellen.


Genuss & Harmonie Holding GmbH

Die Genuss & Harmonie Holding GmbH aus Mannheim wurde bereits 1951 gegründet und wirbt auf ihrer Webseite mit „hochwertigen und frischen Produkten“. Diese werden „von erstklassisch ausgebildeten Spitzenköchen zu gesunden und leckeren Gerichten verarbeitet.“ Das klingt sehr vielversprechend und löst beim Durchlesen mit Sicherheit ein gutes Gefühl beim potentiellen Kunden aus. Durch positive Stichwörter wie „hochmotivierte Mitarbeiter“ oder „Handwerkskunst“ wird dem Kunden vermittelt, dass es sich hier um ein Unternehmen handelt, welches sich nicht nur um die Bedürfnisse der Kunden gut zu kümmern weiß, sondern auch die eigenen Mitarbeiter und Produkte gut behandelt und wertschätzt.

Der Genuss, den man bereits im Namen des Unternehmens zu lesen bekommt, scheint sich also voll und ganz auf die Unternehmensphilosophie ausgeweitet zu haben. Genuss & Harmonie kümmert sich vorrangig um die Betriebsgastronomie, aber auch um Seniorengastronomie. Worüber sich allerdings die Kunden einig zu sein scheinen, ist die positive Genusserfahrung durch das Essen des Unternehmens. Das unterstützt auch die Auszeichnung als beste Kantine Deutschlands im FOCUS 2018.


GenussCatering GbR

Essen mit Genuss
Gourmet Catering mit Genuss (Foto: Elias Noessing, Pixabay.com)

Die GenussCatering GbR aus Premnitz in Brandenburg hat ebenfalls den Begriff Genuss im Namen. Sie haben sich auf das Catering von Veranstaltungen spezialisiert. Das schließt sowohl Geburtstags-, Hochzeits- und Familienfeiern als auch Betriebsfeste oder Grillfeste mit ein. Auf den Begriff „Genuss“ wird auf der Webseite vor allem in der Unternehmens-philosophie eingegangen. Das Unternehmen wirbt gleich auf der ersten Seite mit einem Zitat von Hippokrates, welcher Nahrungsmittel als Heilmittel beschreibt. Wenn etwas zu Essen also als lebensveränderndes Mittel dargestellt wird, muss man es ja wohl genießen.

Auch in der Leistungsbeschreibung wird auf „Erfahrung und Kompetenz“ sowie „Innovationsfreude“ der Mitarbeiter gesetzt. Es fallen Begriffe wie „Zuverlässigkeit, Professionalität und höchste Qualitätsansprüche“. Das Unternehmen verspricht eine einmalige Veranstaltung, die schon im Vorfeld mit einem positiven Genusserlebnis verbunden ist.


Genussrestaurant Hopmanns Olive

Essen mit Genuss
Für den ultimativen Genuss: das Auge isst immer mit (Foto: RitaE, Pixabay.com)

Das Genussrestaurant Hopmanns Olive in Erkrath bei Düsseldorf wird in der Online-Präsenz des Unternehmens als Location für Hochzeiten und Feiern, aber auch als Catering Service vorgestellt. Die einzelnen Angebote des Betriebs sind unter dem Menüpunkt „Genuss-Marken“ zu finden. Dabei steht der Genuss des Essens deutlich im Vordergrund. Der potentielle Kunde soll gleich mit allen Angeboten einen kulinarischen Genuss in Verbindung bringen, was sich durch die Beschreibung der Angebote nur verstärkt. Es wird vermittelt, dass der Besuch in einem der Restaurants oder die Inanspruchnahme des Catering-Services ein „außergewöhnliches Erlebnis“ ist. Die Küche sowie der Service werden immer mit dem Anspruch geleitet, dass sich die Gäste wohlfühlen. Eine klare Assoziation zum Genusserlebnis wird also auch hier deutlich. Die ansprechende Gestaltung der Webseite ist mit vielen hellen Tönen und interaktiven Bildverzeichnissen versehen. Es wird dem Kunden alles vorgestellt, was man sich von einem Genusserlebnis nur wünschen könnte.


Alle drei Unternehmen gleichen sich also in der Onlinepräsenz, vor allem was Kundenservice und Produktqualität angeht. Sie machen dem potentiellen Kunden klar: „Genuss“ ist hier Programm.


Kann Werbung für Genuss auch den Kunden überzeugen?

Leider hat sich keins der Unternehmen auf unsere Anfragen geäußert, weshalb wir nicht herausfinden konnten, ob Genuss im Konzept der Unternehmen eine tiefere Bedeutung hat. Hat er möglicherweise auch auf den Erfolg der Unternehmen Einfluss genommen?

Die Bewertungen für das Restaurant Hopmanns Olive im Bewertungssystem von Google sind zumindest durchweg positiv. So schreibt beispielsweise das Guide Michelin 2019: „Direkt beim historischen Lokschuppen (ideal für Feiern) liegt das gemütliche Restaurant der Hopmanns – einladend das frische Olivgrün des Raumes, ebenso der Sommergarten! Gekocht wird regional und mediterran inspiriert.“ Bei den Bewertungen der Gäste sieht es ähnlich aus. Das fast ausschließlich mit fünf Sternen bewertete Restaurant wird dem Genuss wohl gerecht.

Leider fällt das Gästeurteil bei Google für das Unternehmen Genuss und Harmonie nicht ganz so gut aus. Obwohl einige Gäste ohne genau ausformulierte Rezension fünf Sterne verteilt haben, so gibt es doch einige kritische Stimmen, die zum Beispiel verlauten, „Genuss naja, Harmonie nach dem Essen sicher nein“. Allerdings antwortet das Unternehmen stets auf Bewertungen und ist bemüht, Lösungen zu finden. Daher sind wohl einzelne schlechte Bewertungen nicht unbedingt auf das ganze Unternehmen zurückzuführen. Das Genusskonzept des Unternehmens ist trotzdem erfolgreich, da sprechen die vielen Standorte in Deutschland für sich. Und es liegt immerhin mit 3,6 Sternen auf Google und 4,5 Sternen im Facebook-Bewertungssystem im oberen Bewertungsbereich.

Dagegen stimmt beim GenussCatering wieder die Chemie mit den Kunden. Bei Google wird fast ausschließlich mit fünf Sternen bewertet und das Restaurant mit Kommentaren wie z. B. vom Kunden Frank Meynhardt geehrt: „Ein Caterer der besonderen Art. Ob in kleiner Gruppe oder ganz gross. Es werden alle satt und es ist lecker. Möchte man alles aus einer Hand, dann sind Sie die Richtigen“. Da scheint also der Genuss auch im Alltag zu wirken, und nicht nur als schöner Slogan auf der Homepage.

Durch die Werbung mit „Genuss“ kann also durchaus der wirkliche kulinarische Genuss an den Kunden gebracht werden.

Genuss im Alltag – von der Kunst auch kleine Dinge zu schätzen

Genuss ist für viele ein großes Wort – Genuss ist Luxus, das Außergewöhnliche, das Nicht-Alltägliche. Dies mag alles stimmen – doch auch in unserem Alltag begegnet uns Genuss und wir sollten ihn viel mehr schätzen und bewusst wahrnehmen. Denn bewusster Genuss kann dabei helfen, Alltagsstress abzubauen und die vielen schönen, kleinen Momente im täglichen Leben zu erleben.

Genuss ist facettenreich

Genuss im Alltag – von der Kunst auch kleine Dinge zu schätzen
Ein Genuss am frühen Morgen: Der Sonnenaufgang aus dem Bürofenster (Bild: Möller)

Als ich mir zum Thema Genuss im Alltag Gedanken machte, fiel mir auf, dass das Thema gar nicht so leicht zu fassen ist. Denn es ist, zumindest meines Erachtens nach, sehr vielfältig und kann aus manchen großen und vielen kleinen Dingen bestehen. Genuss ist für mich morgens auf die Arbeit zu kommen und schon in der Eingangshalle zu riechen, dass es frische, warme Brezeln in der Cafeteria gibt. Sitze ich dann am Schreibtisch und habe meine Brezel und dazu im Sommer ein schönes, kaltes Glas Cola-light oder im Winter einen heißen Tee, dann ist das für mich ein Hochgenuss. Ein Start in den Tag, wie ich ihn mir nur wünschen kann. Genuss ist es aber auch mit meinen Kollegen fünf Minuten in der Kaffeeküche zu reden oder zu lachen sowie abends nach der Arbeit aus dem Büro zu kommen, tief einzuatmen und den Frühling in der Luft zu riechen. Was ist also alles alltäglicher Genuss?

Genuss ist Gönnen

Beim Gespräch mit Freunden habe ich das Gefühl bekommen, dass alltäglicher Genuss viel mit Ritualen zu tun hat. Das bewusste Gönnen in stressigen Zeiten – sei es das Stück Schokolade am Abend, das Gefühl nach erfolgreichem Work-out in die warme Dusche zu steigen oder die fünf Minuten, die ich nach dem Weckerklingeln noch in meinem Bett liegen bleibe. Das alles sind Dinge, die uns vielleicht gar nicht auffallen, an die wir beim Thema Genuss bestimmt nicht zuerst denken. Trotzdem finde ich solche Rituale wichtig, sie sind kleine Alltagsfluchten – Momente, die wir uns gönnen.

Genuss im Alltag – von der Kunst auch kleine Dinge zu schätzen
Ein leckeres Essen: Ein Hochgenuss im Alltag (Foto: Möller)

Genuss ist spontan

Gleichzeitig kann Genuss auch spontan sein: Der Kollege hat Kuchen mitgebracht und zusammen mit einem Kaffee schmeckt der richtig gut. Das Wetter ist zu schön, um im Haus zu sitzen? Ab in den Biergarten und hach ein kaltes Bier ist doch ein Hochgenuss. Diese Art von Genuss kann man nicht planen – man sollte nur aufpassen, diese Momente nicht zu schnell vorbeiziehen zu lassen und ihn stattdessen bewusst zu genießen.

Dazu habe ich auch drei Tipps – die zumindest mir helfen – wie ich versuche, das Thema Genuss im Alltag bewusster auszukosten:

1: Rituale fördern: Der erste Kaffee am Morgen ist ein Genuss für dich? Dann trinke ihn nicht zwischen Tür und Angel, sondern nimm dir Zeit für ihn. Setz dich hin oder schau aus dem Fenster und genieße den ersten Schluck. Freu dich auf die Dinge, die noch kommen. An manchen Tagen ist es für mich beispielsweise ein echter Hoffnungsschimmer, wenn ich an das Stück Schokolade denke, dass ich abends auf dem Sofa essen werde.

2: Neues probieren: Genuss kann auch sein, etwas Neues zu entdecken. Das fängt im Kleinen an. In der Cafeteria oder Mensa gibt es ein Gericht, das du nicht kennst? Probiere es – vielleicht ist es ein Hochgenuss, vielleicht auch nicht. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – das gilt auch beim Thema Genuss.

3: Mach dir Genuss bewusst: Überlege dir abends „Was habe ich heute genossen?“. Nur so wirst du dir über die vielen kleinen Dinge klar, die dir den Tag versüßt haben und das hilft dabei, den Genuss zu wiederholen.

Genuss und Gewissen – jetzt geht´s um die Wurst!

Genuss wird viel zu oft auf das pures, kulinarische Erlebnis reduziert. Aber wenn die Gesellschaft das so will, beugen wir uns dem eben und schreiben heute übers Essen. Genauer gesagt geht´s um die Wurst. Schließlich fangen die Worte „Genuss“ und „Gewissen“ mit denselben Buchstaben an. Irgendein tieferer Zusammenhang muss da also bestehen.

Jetzt geht´s um die Wurst: Genuss oder schlechtes Gewissen? (Foto: Denis Pollach)
Jetzt geht´s um die Wurst: Genuss oder schlechtes Gewissen? (Foto: Denis Pollach)

Klopf klopf – dein Gewissen

Dieses ungute Gefühl beim Biss in den Hamburger, das Grillwürstchen oder in die Salamipizza. Ohje, morgen wiege ich bestimmt drei Kilo mehr… So richtig gesund ist das jetzt halt nicht… Vor kurzem war das auf meinem Teller tatsächlich mal ein lebendiges, vielleicht sogar liebenswertes Wesen – genauso wie mein Hund… Solche oder ähnliche Gedanken sind dem einen oder anderen von euch bestimmt auch schon mal durch den Kopf gegangen. Eine Art moralische Instanz in uns scheint uns diktieren zu wollen, was gut und was schlecht für uns ist – unser Gewissen. Und das wirkt sich (leider) auch auf unseren Genuss aus. Wer kann bei solchen Gedanken schon voller Inbrunst in sein Mittagessen beißen?

Wir schaden unserem Körper

Aber hält uns das schlechte Gewissen jetzt vom Genuss ab? Nein. Die meisten (oder alle?) von uns fügen ihrem Körper sogar regelmäßig Schaden zu. Ob sie rauchen, sich wenig bis gar nicht bewegen, öfter mal einen über den Durst trinken oder eben Fleisch essen – jeder von uns tut etwas, das ihm ein schlechtes Gewissen, aber eben auch Genuss bereitet. Übrigens: Nach der Auswertung von über 800 Studien stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Fleischwaren als 1-Karzinogene ein. Tabakrauchen landete in derselben Kategorie. Ganz so weit hergeholt ist der Vergleich von Fleischkonsum und Rauchen im Hinblick auf die Schädlichkeit für den Körper also nicht.  

Kein schlechtes Gewissen mehr?

Jetzt fragt ihr euch natürlich: Gibt es eine Möglichkeit das zu genießen, was uns schadet? Können wir unser Gewissen beim Essen irgendwie beruhigen und so den vollen Genussmoment erleben? Wenn es nach der Werbung geht ja. Die Spots eines großen Fleischproduzenten, der mit 100% antibiotikafreier Aufzucht wirbt, laufen im TV gerade hoch und runter. Beruhigend in Anbetracht der Tatsache, dass weltweit etwa 700.000 Menschen pro Jahr an den Folgen einer Antibiotika-Resistenz sterben. Die entsteht unter anderem, indem Menschen über Tierprodukte – besonders stark belastet ist Geflügelfleisch  – mit resistenten Keimen in Berührung kommen. Da ist die antibiotikafreie Wurst doch eine tolle Alternative?! Naja. In der Theorie dürfen Antibiotika in der Tierhaltung ohnehin nur eingesetzt werden, wenn das „therapeutisch notwendig“ ist. Das Rad neu erfunden hat der jetzt so intensiv werbende Hersteller also nicht. Aber es klingt eben gut und das schlechte Gewissen der Konsumenten wird kleiner und kleiner. Der Genuss bleibt.

Wenn Kühe weinen

Saftig-grüne Wiesen, Joghurt, der mit der Hand gerührt wird, frei herumlaufende Tiere vor strahlend blauem Himmel – nicht nur Fleischproduzenten hübschen ihre Spots gerne ein wenig auf. Vor allem bei Milchprodukten schaffen die Werbetreibenden ein Idyll, das aufgrund der massenhaften Nachfrage und den Dumping-Preisen schlicht nicht der Realität entsprechen kann. Greenwashing nennt der Marketing-Fachmann das. Und wir? Wir denken an genau diese Bilder beim Genuss eines Glases Milch. Vergessen sind die vollgestopften Ställe, in denen sich die Kühe nicht einmal um die eigene Achse drehen können. Vergessen ist die Tatsache, dass Kühe nur dann Milch geben, wenn sie ein Kälbchen zur Welt bringen, das ihnen direkt nach der Geburt weggenommen wird. Ein Kreislauf aus Schwangerschaft, Geburt und Trennungsschmerz – und ja, Kühe können ebenso fühlen wie eure Katze oder euer Hund – sie schreien und sie weinen sogar, wenn ihnen ihr Kalb weggenommen wurde. Ups, jetzt hab ich das mit dem Genuss wieder vermasselt – bitte entschuldigt!      

Greenwashing für mehr Genuss

Aber wir sind ja glücklicherweise auch selbst 1a-Greenwasher, um beim Fachbegriff zu bleiben. Wir kaufen Bio-Produkte und fühlen uns gut. Dass die Zutaten der oben erwähnten Salamipizza mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vom Bio-Bauern kommen, verdrängen wir geschickt. Laut Foodwatch machten Bio-Produkte 2016 5,1 % des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus. Bei Fleisch ist der Bio-Anteil sogar noch geringer: 2016 lag er bei Geflügel bei 1,4 %, bei rotem Fleisch bei 1,8 %  und bei Fleisch- und Wurstwaren (Stichwort: Salami auf der Pizza) sogar nur bei 1,2 %. Warum das alles dem Genuss keinen Abbruch tut? Die Antwort:

Genuss und Gewissen – jetzt geht´s um die Wurst!
Würstchen auf dem Grill: Sieht einfach aus, kann aber auch kompliziert werden – Stichwort: Fleischparadoxon (Foto: Denis Pollach)

Das Fleischparadoxon

In aller Kürze erklärt ist das Fleischparadoxon der moralische Konflikt, der entsteht, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Menschen mitfühlend mit Tieren sind und gleichzeitig Fleisch und andere tierliche Produkte konsumieren. Dr. Tamara Pfeiler vom Psychologischen Institut der Uni Mainz hat dazu zusammen mit internationalen Kollegen verschiedener Hochschulen untersucht, welche psychologischen Mechanismen hinter dem Fleischkonsum stecken (hier geht´s zum Interview). Sie ihrer Studie kristallisierten sich zwei Formen von karnistischen Überzeugungen heraus: Die karnistische Rechtfertigung – hierbei wird der Fleischkonsum legitimiert, indem er als normal, natürlich und notwendig angesehen wird – und die karnistische Domination. Personen mit dieser Überzeugung gehen davon aus, dass Tiere nicht leiden können und dazu da sind gegessen zu werden und getötet werden dürfen.

Und jetzt?

Natürlich wäre es optimal nach dem eigenen Gewissen zu handeln. Ich möchte etwas tun, zum Beispiel etwas essen, und habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache, denke die oben aufgeführten Gedanken und so weiter. Einfach lassen, wäre wohl die einfachste Lösung. Nie wieder ein schlechtes Gewissen und damit purer Genuss. Geht nicht, findet ihr? Ist schwierig, gebe ich zu. Holger Kuntze, Psychotherapeut und Coach, sagt zum Thema schlechtes Gewissen: „Keiner ist perfekt, und keiner wird all seinen Ansprüchen gerecht.“ Seiner Meinung nach ist das schlechte Gewissen etwas ganz Normales, eine Notwendigkeit des Lebens. Welch ein Glück, dass wir Menschen Meister im Verdrängen sind. Für einen kurzen Moment, einen kleinen Happen von der Salamipizza können wir alles Schlechte ausblenden. Vielleicht kommt das schlechte Gewissen nach dem Genuss zurück. Vielleicht ist es unerträglich, belastet uns und wir ändern etwas – für die Tiere, für die Umwelt, aber vor allem für uns selbst. Aber vielleicht auch nicht.







Alkohol – Freund oder Feind?

Wer kennt das nicht: Man besucht eine nette Feier, verbringt einen angenehmen Abend mit Freunden und Bekannten oder es steht mal wieder eine Hochzeit an. Was wird sicher nicht fehlen? Klar, Alkohol. Für viele Menschen gehören Bier, Wein oder auch ein kleiner Schnaps zu geselligen Anlässen einfach dazu. Doch wie sieht es mit den Folgen des Alkoholgenusses aus?

Alkohol und Gesellschaft

Gute Laune: Für viele gehören Feierlichkeiten und etwas Alkohol einfach zusammen
Gute Laune: Für viele gehören Feierlichkeiten und etwas Alkohol einfach zusammen (Foto: bridgesward/pixabay)

Zum Thema Alkohol existieren unzählige Studien, was alleine schon die gesellschaftliche Relevanz verdeutlicht. Außerdem hat das Statistische Bundesamt auf Grundlage der gemeldeten Verbrauchssteuern ermittelt, dass auf jeden Bundesbürger im Jahr 2017 beispielsweise 94 Liter Bier kamen, also für jeden ein ganzes Hektoliterfass für den Eigenbedarf. Natürlich handelt es sich hierbei um Hochrechnungen, die die Realität nur teilweise abbilden. Trotzdem lässt sich die gesellschaftliche Bedeutung des Alkoholkonsums anhand dieser Zahlen erahnen.

Haben wir also ein Problem? Wie sieht es denn individuell aus – ist Alkohol ein Risiko für die eigene Gesundheit? Leider gibt es hierauf mehr als nur eine Antwort, denn in verschiedenen Studien kommen die Wissenschaftler zu jeweils unterschiedlichen Ergebnissen und bereits die Fülle an Veröffentlichungen zu diesem Thema ist schier erdrückend.

Alkohol in Maßen gesünder als Abstinenz

Datenflut: Unzählige Studien wurden zum Thema Alkohol veröffentlicht
Datenflut: Unzählige Studien wurden zum Thema Alkohol veröffentlicht (Foto: vjohns1580/pixabay)

So kommt eine Studie von Queens’s University in Belfast, die 2018 im Magazin PLOS Medicine veröffentlicht wurde, zu dem Ergebnis, dass moderates Trinken von Alkohol mit dem geringsten Sterberisiko korreliere. Mittels Fragebogen wurden die fast 100.000 Probanden auch zu ihren Trinkgewohnheiten befragt. In einer Nachstudie knapp neun Jahre später wurden die Todesfälle und die neuerlichen Krebserkrankungen dokumentiert. Am Ende der Untersuchungen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass eine J-förmige Korrelation zwischen Alkoholgenuss und Sterblichkeit vorliegt. Das bedeutet im Klartext: Wer abstinent lebt, hat ein höheres Sterberisiko als jemand, der im Durchschnitt ein bis drei alkoholische Getränke konsumiert. Und das auch dann, wenn man das erhöhte Krebsrisiko, das Alkoholgenuss mit sich bringt, gegenrechnet – so die Studie.

Auch wenig Alkohol schädigt das Hirn

Bedeutet das, wir sollten alle regelmäßig Alkohol trinken? Eher nicht, denn es gibt auch Studien, die zu anderen, beunruhigenderen Ergebnissen kommen. Eine Studie der Universität Oxford aus dem Jahr 2017 im Magazin The BMJ kommt beispielsweise zu der Schlussfolgerung, dass jeglicher Alkoholkonsum das Gehirn langfristig schädige. Dazu wurden zwischen 1985 und 2015 550 Probanden untersucht: Mittels MRT wurden die Veränderungen im Gehirn analysiert. Am Ende war klar, dass Alkohol den Hippocampus schädigt. Der Hippocampus ist eine Region im menschlichen Gehirn, die unter anderem für unser Gedächtnis maßgeblich ist. Das bedeutet im Endeffekt, dass Trinken auf lange Sicht unser Gedächtnis beeinträchtigt. Außerdem kam die Studie zu dem Ergebnis, dass auch moderates Trinken Schäden hervorruft. Am besten schnitten tatsächlich die Abstinenzler ab.

Dies sind nur zwei von unzähligen Studien, die mittels verschiedener Methoden die Auswirkungen von Alkohol beurteilen. Doch im Grunde läuft es immer wieder auf das Problem der widersprüchlichen Ergebnisse hinaus. Während Studie A positive Effekte moderaten Alkoholkonsums verzeichnet, kommt Studie B zu dem Schluss, dass jeder Tropfen Alkohol zu körperlichen Schäden führt.

Was also tun?

Verheerend: Die Nebenwirkungen von zu viel Alkohol sind nicht von der Hand zu weisen
Verheerend: Die Nebenwirkungen von zu viel Alkohol sind nicht von der Hand zu weisen (Foto: Alexas_Fotos/pixabay)

Einig sind sich alle Studien – und das entspricht wohl auch dem gesunden Menschenverstand – dass ein hoher Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch schädlich sind. Viel ist definitiv schädlich. Problematisch wird es bei der Entscheidung, ob geringer Alkoholkonsum oder Abstinenz gesünder ist. Leider gibt es hier keine eindeutige Antwort. Am Ende läuft es wie so oft darauf hinaus, dass jeder für sich entschieden muss, was für ihn oder sie richtig ist. Wer abstinent lebt und damit zufrieden ist, sollte es weiterhin dabei belassen. Wer sich jedoch ab und zu und in Maßen etwas Alkohol genehmigt, der sollte auch kein schlechtes Gewissen haben. Solange man sich unter Kontrolle hat und der moderate Alkoholgenuss mit Lebensfreude einhergeht, sind die Risiken gering und bewegen sich in den meisten Studien im einstelligen Prozentbereich. Vielleicht sollten wir uns von den vielen Studien auch nicht verwirren lassen und auf die alte Weisheit hören: „Die Dosis macht das Gift“.

Ernährungstipps – Essen mit Genuss

Die letzten Plätzchen sind vertilgt, das Weihnachtsessen verdaut – und allmählich folgt auf das Fest der Besinnlichkeit die Phase der Besinnung. Denn neben den Geschenken sind es die Kalorien, die sich über die Feiertage angesammelt haben. Das Neujahr, das von vielen guten Vorsätzen begleitet wird, bietet demnach die ideale Gelegenheit, auf eine gesündere Ernährungsweise umzusteigen. Die wichtigsten Grundsätze dafür verraten wir euch hier:

Gesund: Bewusste Ernährung bedeutet nicht, hungern zu müssen (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Gesund: Bewusste Ernährung bedeutet nicht, hungern zu müssen (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Umstellung oder Verzicht?

Im Gegensatz zu einer Diät bedeutet eine Ernährungsumstellung nicht, weniger Nahrung aufzunehmen. Stattdessen sollen die Speisen gesünder konzipiert und bewusster konsumiert werden, sodass jeder Mensch seine persönliche – zu ihm passende – Ernährung finden kann. Ein Abnehm-Effekt zeigt sich somit zwar langsamer, aber stetig. Zudem sollte man – anders als in Diäten empfohlen – keinesfalls den individuellen Tages-Kalorienbedarf unterschreiten. Denn dass der Körper dadurch die Fettreserven abbaut, stimmt nur bedingt. Zunächst geht er nämlich erst an die Muskeln, bis er sich am eigentlichen Fett bedient.

Schlank im Schlaf und müde am Tag?

Das sogenannte „Schlank im Schlaf“-Prinzip von Dr. Pape basiert auf dem Grundgedanken, abends weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen und somit den Insulinspiegel – das sogenannte „Zunehm-Hormon“ – im Schlaf niedrig zu halten. Dass das Insulin zudem das nachts ausgeschüttete Wachstumshormon HGH hemmt, ist ein weiterer Verzichtsgrund. Stattdessen solle man beim Frühstück vermehrt Kohlenhydrate aufnehmen. Dies hindert allerdings das als Stresshormon bekannte Cortisol daran, Fett zu verbrennen. In Verbindung mit Insulin hat es nämlich den gegenteiligen Effekt und erhöht die Aktivität von fettspeichernden Enzymen.

Erholsam: Auch im Schlaf kann man etwas für die Ernährung tun (© S. Hofschlaeger  / pixelio.de)

Erholsam: Auch im Schlaf kann man etwas für die Ernährung tun (© S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Die Schlussfolgerung, gänzlich auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist jedoch nur unter Vorbehalt gültig. Denn auch ein Mangel an Kohlenhydraten ist muskelabbauend, weshalb unter anderem Sportler dies durch Krafttraining ausgleichen müssen. Weiterhin sollte man – vor allem beim Frühstück – auf Kohlenhydrate in Form von Zucker verzichten, da dieser die Aktivität vom Hormon Orexin einschränkt – einem Hormon, welches uns wacher und fitter fühlen lässt. Den idealen Start in den Tag bietet ein Glas Wasser mit Zitrone und Ingwer. Auf Zucker wiederum könnte man bei der Ernährung gänzlich verzichten.

Light-Produkte statt Fett?

Light-Produkte mit einem reduzierten Fettgehalt vermitteln optisch Gesundheit und beruhigen das Gewissen. Bei Hüttenkäse oder Magerquark mit einem Fettgehalt von maximal 20 Prozent ist es auch durchaus sinnvoll, im Kühlregal darauf zurück zu greifen. In der Regel sind die Fettgehalte bei Milchprodukten wie Joghurt, Käse und Milch allerdings nicht einmal nennenswert, sodass man ruhigen Gewissens Lebensmittel mit vollem Fettgehalt kaufen kann. Diese sind zudem geschmacksintensiver, weshalb man gegebenenfalls auch weniger davon konsumiert – und dadurch gleich Fett einspart.

Reichhaltig: Auf gesunde Fette sollte man nicht verzichten (©Matthias Koranzki  / pixelio.de)

Reichhaltig: Auf gesunde Fette sollte man nicht verzichten (©Matthias Koranzki / pixelio.de)

Auf Fett sollte man allerdings nicht ganz verzichten. Gesunde und ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Lein- und Olivenöl, Fisch und Nüssen vorhanden sind, sind für eine gesunde Ernährung unverzichtbar. So gehört auch zum Salat ein Schuss Öl in das Dressing, da dadurch erst die sogenannten „EDEKA“-Vitamine vom Körper aufgenommen werden können. Stattdessen sollte man auf gesättigte Fettsäuren verzichten. Weiterhin kann man sich bei Fisch an jeder Sorte bedienen und diese variieren. Fettfische wie Forellen oder Lachs gehören somit ebenso auf den Speiseplan wie die mageren Artgenossen Kabeljau oder Seelachs.

Kleiner Hunger und Heißhunger?

Bei einem kleinen Hungergefühl ist es wichtig, diesen zu stillen, sodass er sich nicht vergrößert. Ein gesunder Snack aus Gemüse, geschroteten Leinsamen oder Nüssen reicht dafür vollkommen aus. Neben den drei Hauptmahlzeiten sollten daher auch kleinere Zwischenmahlzeiten fest eingeplant werden. Stellt sich nach einer Hauptmahlzeit kein Sättigungsgefühl ein, ist zunächst der Gemüseanteil zu erhöhen. Für Gemüse gibt es nämlich – anders als bei Früchten und Obst aufgrund des Fruchtzuckeranteil – keine Grenze. Trinkt man jedoch zu wenig – also weniger als zwei Liter am Tag –, sollte man gegebenenfalls mehr Eiweiß zu sich nehmen. Dieses verstärkt nämlich das Durstempfinden. Heißhunger wiederum lässt sich durch ein heißes Getränk oder durch den Duft von echter Vanille bezwingen.

Sportlich: Nur mit genügend Bewegung lebt es sich gesund (© Klicker  / pixelio.de)

Sportlich: Nur mit genügend Bewegung lebt es sich gesund (© Klicker / pixelio.de)

Essen ohne Sport?

Neben einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung mit Vollkornprodukten, frischem Obst, Gemüse, guten Fettsäuren und genug Wasser sollte auf Sport keinesfalls verzichtet werden. Ein gesunder Ausgleich aus Kraft- und Ausdauer-Training stellt nämlich eine solide Grundlage für jede Ernährungsumstellung dar. Im Idealfall bringt man hierbei seinen Puls für einige Minuten auf die Maximalspitze, um das Herz-Kreislauf-System zu aktivieren. Der Maximal-Puls, den man jedoch nicht überschreiten sollte, ergibt sich aus der Rechnung „180 – Lebensalter“. Mit ausreichend Sport und einer bewussten Ernährung lässt sich nicht nur gesünder leben, sondern auch genießen – ganz ohne schlechtes Gewissen.

Vorschau: Nächste Woche verraten wir euch, wie ihr eure Neujahrsvorsätze am ehesten einhalten könnt.

La Dolce Vita

Italien ist schon lange bekannt als ein Zentrum des unbeschwerten Lebens und des Genusses. Da ist es kaum verwunderlich, dass ausgerechnet ein Italiener dafür verantwortlich ist, dass wir alles nicht so übergenau nehmen müssten.

Entspannt das Leben genießen - dafür steht "la dolce vita".

Das Leben genießen: In Maßen ist das gut und richtig. (©Domaris/Pixelio.de)

Die Rede ist hier von Vilfredo Pareto, einem italienischen Wirtschaftswissenschaftler des 19. Jahrhunderts, der das nach ihm benannte Pareto-Prinzip aufstellte, auch bekannt als „80-20-Regel“.

Zugegeben: Pareto dachte bei der Aufstellung dieser Regel eher weniger an Genuss und lockeres Leben. Es war vielmehr die Beobachtung, dass 20% aller Italiener zu seiner Zeit ganze 80% des Vermögens besaßen, welche ihn auf sein Prinzip brachte. Im Grunde genommen heißt das nichts anderes, als dass wenige Reiche fast alles besaßen und die große Masse der Armen fast gar nichts hatte.

Diese Diskrepanz lässt sich aber nicht nur in der Wirtschaft und Soziologie wieder finden. Es gibt zahllose Möglichkeiten, wie das Pareto-Prinzip angewandt werden kann. Beispielsweise lässt sich beobachten, dass ungefähr 20% Prozent der Straßen einer Stadt etwa 80% des gesamten Verkehrs verkraften müssen. Oder – ein anderes Beispiel – dass bereits in den ersten 20% einer Nachricht rund 80% der gesamten Informationen enthalten sind.

Wer jetzt glaubt, das Ganze sei zwar ganz nett, aber bringe im Endeffekt nichts, dem sei gesagt, dass selbst in großen Firmen, bei denen es um viel Geld geht, mit dem Pareto-Prinzip gearbeitet wird. So offenbarte Microsoft, dass etwa 80% aller Software-Crashs beim Endverbraucher von gerade einmal 20% der bekannten Fehler im Programm verursacht werden.

„Und was hat das jetzt mit „dolce vita“ zu tun?“, mag da der ein oder andere fragen. Eine angenehme Auswirkung auf unser tägliches Leben liefert uns Joe Friel, Trainer zahlreicher Triathleten und Radsportler. Er wendet das Pareto-Prinzip auf die Ernährung seiner Schützlinge an, diese müssen laut Friel nicht komplett auf ungesundes Essen verzichten. Sein Credo: Man müsse nicht hundertprozentig auf gesunde und ausgewogene Ernährung setzen. Es reiche aus, wenn man sich zu 80% gesund ernähre, die restlichen 20% dürften mit dem gefüllt werden, was einem schmecke, egal ob gesund oder weniger gesund.

Somit müssten wir Junk-Food und gesüßte Getränke nicht gänzlich von unserem Speiseplan verbannen, um volle Leistung zu bringen. Denn leider schmeckt gerade das ungesunde Essen verführerisch gut und verleitet zu kleinen Sünden. Und wer doch widersteht, den überkommt leicht das Gefühl, er müsse auf etwas verzichten. Mit Pareto sparen wir uns diese Zwickmühle. Wir tun etwas für unsere Fitness, müssen aber dennoch nicht leben wie ein fanatischer Asket.

Im Endeffekt ist es auch gerade das, was das Pareto-Prinzip ausmacht. Es sagt uns, dass wir eben nicht perfekt sein müssen, nicht perfekt zu leben brauchen. Ein wenig über die Stränge zu schlagen, ein wenig das Leben zu genießen, macht nichts aus und wird nichts an unserem Erfolg ändern. Wir dürfen halt nur nicht allzu unbedacht werden: Ein wenig Genuss und Belohnung im Verhältnis zu einem großteils vernunftgelenkten Leben lautet die Devise.

Auf diese Weise bleibt „la dolce vita“ kein Wunschtraum mehr oder etwas, das im Gegensatz zu Erfolg steht. Die „80-20-Regel“ ermöglicht beides – ein Hoch auf Vilfredo Pareto!

Vorschau: Der Advent steht wieder einmal vor der Tür. Passend dazu wird Eva nächste Woche über den Adventskranz sinnieren.

Auf zur Dildoparty

Kennt ihr Tupperpartys? Diese seltsamen Versammlungen von Hausfrauen, die nichts interessanter finden, als verschließbare Plastikbehälter für Pausenbrot, Backofen oder Tiefkühltruhe. Es wird gequatscht, oft etwas mithilfe der Tupperware zubereitet, wie beispielsweise selbstgemachten Sahnelikör, und schnellstmöglich verzehrt. Solche Partys gibt es aber auch für Schmuck, Duftkerzen, Unterwäsche. Und mittlerweile auch für Sexspielzeuge. Die sogenannten Dildopartys sorgen für rote Wangen, kichernde Frauen, und angeblich auch für mehr Spaß im Schlafzimmer.

Auf zur Dildoparty

Spielzeug für intime Stunden: gibts auf der Dildoparty … auch (©chrisandre/pixelio.de)

Das Konzept ist dabei das gleiche, wie bei Tupperpartys. Verschiedene Unternehmen wie Dildofee, PepperParties oder Liebesengel, bei deren Namen man schon aufhorcht, versammeln eifrige Beraterinnen unter sich. Diese kommen zu den Gastgeberinnen nach Hause, stellen dort vor den gespannten Gästen die Produkte vor, verteilen Proben, erklären die Produkte, beantworten Fragen. Immerhin wollen die Frauen (tatsächlich ein Beruf, bei dem es kaum Männer gibt) auch was verkaufen. Die interessierten Gäste können im Katalog blättern und nach Herzenslust bestellen. Sobald die Ware da ist, kommt sie zur Gastgeberin, wo die Neukunden in handlichen Päckchen mit Heim nehmen, was sie sich ausgesucht haben.

Das Ganze klingt schon leicht versaut, wenn wir bedenken, welche Produkte namensgebend sind. Dildos eben. Und Dildos sind Spielzeuge, die in den Nachttisch gehören, aber nicht unbedingt von Hand zu Hand wandern sollten. Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen, habe ich mich – ausschließlich für die Face2Face-Recherche natürlich – auf so eine Party geschlichen und Mäuschen gespielt. Denn Sex gehört zum Leben, ist eigentlich ja ganz normal. Oder?

Auf zur Dildoparty

Ein Grund zum Lachen? Das Thema Sex löst auch auf einer Dildoparty allerlei Kichereien und rote Wangen aus (©Jürgen Schöpe/pixelio.de)

Als Tochter einer Tupper-Tante fielen mir gleich die Unterschiede zu anderen Vorführungen auf. Zum einen sind die Produkte bei einer Dildoparty versteckt, liegen also unter einem Tuch und werden nicht, wie in anderen Fällen, ansehnlich drapiert. Außerdem werden die Bestellungen in einem Nebenraum aufgenommen. So bleibt die Sache doch etwas anonym, nicht jeder weiß gleich, was ich mir kaufen will. Irritiert war dagegen nicht nur ich, als Feuchttücher auf den Tisch gestellt wurden. Wir wurden aber gleich aufgeklärt, dass die nur zum Abwischen der verschiedenen Öle da seien. Und natürlich reagieren die Gäste doch anders, als wenn ihnen eine neue Mikrowellenkanne gezeigt wird. Von roten Wangen über lautes Kichern bis hin zu verlegenen Blicken war alles dabei. Auf der Party, die ich besucht habe, waren tatsächlich nur Frauen. Immerhin verspricht eine Dildoparty dem Mann im ersten Moment wenig Praktisches, als vielmehr Lustiges.

Tatsächlich ist der Name irreführend. Die ersten zwei Produkte, die uns gezeigt wurden, waren zwar tatsächlich Dildos, die per Saugnapffuß gleich mal an die Fenster gehängt wurden, doch auch für Paare und für Ihn hätte es einiges zu entdecken gegeben. Schließlich können auch Dildos, oder die motorisierten Vibratoren, von denen dann doch mehr auf den Tisch kamen, im gemeinsamen Liebesspiel genutzt werden. Penisringe sind da zwar noch mehr für den männlichen Endverbraucher gedacht, aber wer weiß schon, was uns unter der Bettdecke so alles gefällt. Vom Vibrator zum Auflegen, für alle, die nur an, aber nicht in sich so etwas wissen wollen, meinte die Beraterin schließlich, dass auch Männer sehr davon angetan wären. Ebenso von den Analketten.

Auf zur Dildoparty

Sinnlich und lecker – Liebe geht eben durch den Magen (©Joujou/pixelio.de)

Ihr seht, da war dann doch für jeden etwas dabei. Auch Liebeskugeln, von denen ich euch schon einmal geschrieben habe, versuchte die Verkäuferin an die Frau zu bringen. Da war ich dann doch leicht schockiert, wie skeptisch die übrigen Gäste waren. „Bringt das wirklich was“?, wollten sie wissen. Und: „Sind die nicht viel zu groß?“ Mehr Anklang fanden da die Riech- und Schlecköle, denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Von Schokolade  bis Kirschgeschmack war alles dabei. Erst massieren, dann ablecken. Auch Körperfarbe zum Verzehr machte die Runde und jeder durfte mal kosten. Begeistert waren Viele auch vom Gleitgel, vom dem eine Kundin gleich verriet, dass sie es als Handcreme täglich verwendet. Warum auch nicht. Körperschaum und Kerzen, deren geschmolzenes Wachs Massageöl ist – wir kamen aus dem Riechen gar nicht mehr heraus. Sinnlich kommt eben von Sinne, und die wollen angesprochen werden.

Beim Testen des Stimulierungsgels kam dann ans Licht, wie viel Aufklärung so eine Damenrunde überhaupt verträgt. Rote Wangen bei der einen Testerin, die andere schrieb gleich versteckt eine Kurznachricht. Und ich kann verraten: Das Zeug wirkt. Die durchwachsenen Reaktionen zeigen aber, dass vielleicht doch nicht alle zu so einem Abend eingeladen werden können. Tatsächlich, so verriet die Beraterin, seien die älteren Damen versauter, aber auch die besseren Kunden. Während die jungen viel drucksen, aber kaum bestellen, wissen die älteren, was sie wollen und holen es sich auch. Und das ist für die Verkäuferin nur von Vorteil. Immerhin bekommt sie gerade mal 20 Prozent Provision, was nicht wirklich als Nebenerwerb reicht. „Ich mach das eher just for fun“, sagte unsre Beraterin, die seit etwa einem Jahr dabei ist. Immerhin sei sie flexibel in den Arbeitszeiten, weswegen ihr Hauptberuf nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber auch sie sei erstaunt, wie verklemmt manche beim Thema Sexspielzeug so sind.

Eine Dildoparty ist in jedem Fall ein lustiger Abend. Das Testen der Vibrationen an der Nasenspitze kann bei vielen das Eis brechen. Zu lachen gibt es auf jeden Fall etwas. Ob jetzt der Hund einen Dildo als Kauspielzeug missbraucht oder die Wasserfestigkeit des Vibrators in der durchsichtigen Schüssel auf dem Tisch präsentiert wird – so was sehen wir nicht alle Tage. Weswegen ich mir auch überlege selbst mal so eine Party zu veranstalten. Das Schöne für die Gastgeberin ist ja, dass sie, je nach Umsatz, einen Gutschein geschenkt bekommt. Und bei der Auswahl findet garantiert jeder was.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um das liebe Geld, und warum wir es nicht immer so wichtig nehmen sollten.