Nachhaltigkeit im Alltag

Heutzutage hören wir es überall und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über dieses Thema gesprochen wird: Nachhaltigkeit. Dabei stellt es nicht nur eine momentane und zukünftige Aufgabe für die Politik und Wirtschaft dar, sondern auch für das alltägliche Leben. Aber wie sieht Nachhaltigkeit genau aus und was können wir konkret dafür tun?
Auf diese Fragen wird im Folgenden, unter unserem Oberthema im April „Nachhaltiger Lebensstil“, eingegangen.

Der Begriff Nachhaltigkeit

Der Nachhaltigkeitsbegriff umfasst sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft und soll es auch künftigen Generationen ermöglichen, nicht schlechter auf dieser Erde gestellt zu sein als wir gegenwärtig. Dabei werden umweltpolitische Themen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung gleichgestellt, deren Ziele für alle Länder der Welt und alle Generationen gelten.

Nachhaltigkeit im Alltag
Eine Fahrradstation: Nachhaltigkeit geht über den Verzicht auf das Auto hinaus.
(Foto: ©Petra Weishaar/Pixelio)

Aber was können wir nun im Alltag tun, um nachhaltig zu leben und unseren Beitrag an dieser Entwicklung zu leisten?
Ein erster Aspekt ist die Ressourcenschonung. Das fängt schon beim Papierverbrauch an. Nicht jedes Blatt Papier muss direkt entsorgt werden, nur, weil eine Seite beschriftet wurde. Die andere Seite kann für Notizen verwendet werden, sodass wir jedes Blatt Papier im vollen Umfang nutzen können, sogar kleine Papierschnipsel.

Tipps und Tricks zum Einkaufen

Um das Klima zu schützen und lange Transportwege von Waren zu vermeiden, kann auf saisonale und regionale Produkte wert gelegt werden, – vor allem bei Obst und Gemüse –.
Ein Besuch auf dem Wochenmarkt oder ein Bauer in der Nähe lohnen sich hierfür allemal, jedoch legen auch immer mehr Supermärkte wert darauf regionale und saisonale Produkte zu kennzeichnen. Hilfreich ist auch der Blick in einen Gemüsekalender, sodass beispielsweise heimische Äpfel zur Erntezeit gekauft werden können, anstatt importierte Äpfel aus weit entfernten Ländern. Ein weiterer Aspekt, auf den schon beim Einkauf geachtet werden kann, ist die Verwendung von Baumwolltüten oder -netzen. Letztere eignen sich für den Obst- und Gemüseeinkauf, da so auf die Plastiktüten im Supermarkt verzichtet werden kann.

Nachhaltigkeit im Alltag
Wochenmarkt: Saisonales Obst und Gemüse gibt es wöchentlich auf den Wochenmärkten.
(Foto: ©Thomas Beckert/Pixelio)

Nachhaltigkeit im Alltag zeichnet sich zudem dadurch aus,nur so viel einzukaufen, wie man auch wirklich verbrauchen kann. Das gilt besonders für frische und schnell verderbliche Waren, die entweder im Kühlschrank verloren gehen oder, aufgrund des überschrittenen Haltbarkeitsdatums, entsorgt werden müssen. Resteverwertung ist hier ein gutes Stichwort. Daraus lassen sich, mit ein wenig Fantasie, schmackhafte Gerichte zubereiten und übrig gebliebene Produkte verwerten.
Küchenutensilien, die vielfach verwendet werden, sind Frischhalte- und Alufolien. Diese belasten sowohl bei der Herstellung als auch bei der Entsorgung stark die Umwelt. Hierbei kann auf wiederverwendbare Frischhaltefolie gesetzt werden. Diese bestehen aus Bienenwachs und sollen mindestens ein Jahr halten. Zu finden ist die nachhaltige Alternative im Handel oder in nachhaltigen Onlineshops.

Nachhaltigkeit im Bad

Im Badezimmer kann auf feste Seife umgestiegen werden, anstatt Handseifen in Plastikflaschen zu kaufen, die zudem auch eine kürzere Verwendbarkeit haben.
Für die Dusche können Duschgel und Co. selbst hergestellt werden – auch mit verschiedenen Duftrichtungen–. Zahlreiche Anleitungen sind im Internet zu finden. Die verschiedenen Zutaten können auch mehrmals verwendet werden, sodass ein gewisser Spielraum vorhanden ist.  

Insgesamt gibt es sehr viele Möglichkeiten, um Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren. Und wie die vorgestellten Beispiele zeigen, gehen die Alternativen weit über den verstärkten Gebrauch von öffentlichen Verkehrsmitteln hinaus. Dabei bringen viele Tipps eine Menge Spaß mit sich und stärken die Kreativität, andere wiederum wirken sich positiv auf den Geldbeutel aus. Allgemein wirkt sich ein minimalistisches Leben günstig auf die Umwelt aus, ganz nach dem Motto: „Weniger ist mehr“. Oftmals hilft es schon zu schauen, was man im Alltag wirklich braucht. Hier kann man zum Beispiel neben den Lebensmitteln auch mit der Kleidung anfangen. Danach kann sich der Minimalismus auf andere Lebensbereiche ausweiten.

Türkische Auberginensalate – gegrilltes Glück für Genießer

Der angebrochene Frühling äußert sich nicht allein durch Vogelgezwitscher, Blütenpracht und heiterem Sonnenschein: Auch auf den heimischen Tellern ist durch leichte Kost wie Salaten und kalten Suppen der Lenz ausgebrochen. Da zudem die Grillsaison naht, präsentiert euch die Tipps&Tricks-Redaktion – Frühling und Grillgut vereinend – zwei gegrillte Auberginensalate aus der türkischen Traditionsküche. Dort gehört die Aubergine zum kulinarischen Standartrepertoire. Durch die ungenauen Mengenangaben sollte man sich nicht vom Ausprobieren abschrecken lassen. Schließlich gehört diese Form an Kocherlebnis bei den traditionellen Gerichten mit zur türkischen Kochkultur.

Traditionell: Auberginen sind in der mediterranen und orientalischen Küche beliebt (Foto: Onat)

Traditionell: Auberginen sind in der mediterranen und orientalischen Küche beliebt (Foto: Onat)

Zutaten für einen Auberginensalat:

  • eine dicke Aubergine
  • drei scharfe Paprikaschoten
  • zwei Tomaten
  • etwas Petersilie
  • Frühlingszwiebeln
  • etwas Olivenöl, Granatapfelsirup und ein wenig Essig zum Abschmecken
  • Salz und Chiliflockengewürz zum Würzen

Zubereitung:

1. Für den Auberginensalat wird zunächst die namensgebende Aubergine zusammen mit der Paprika und den Tomaten abgewaschen, im Ofen gegrillt und anschließend geschält. Einfacher lässt sich das Schälen bewerkstelligen, wenn man die Aubergine vor dem Braten mit einem Messer einritzt.

2. Derweil können die Frühlingszwiebeln und die Petersilie gewaschen und klein gehackt werden. Das abgekühlte, geschälte Gemüse anschließend mit einem Messer fein hacken und zerdrücken.

3. Nun alles zusammen in eine Schüssel geben und mit Olivenöl, Granatapfelsirup und etwas Essig abschmecken. Mit etwas Salz und Chiliflocken gewürzt ist der Auberginensalat bereits servierfähig.

Zutaten für einen Auberginensalat mit Joghurt:

  • zwei dicke Auberginen
  • ein halbes Glas Joghurt
  • zwei Knoblauchzehen
  • ein Teelöffel Zitronensaft, zwei Esslöffel Olivenöl und etwas Salz zum Abschmecken

Zubereitung:

1. Als erstes die Aubergine waschen und mit einem Messer einritzen. Auf höchster Stufe grillen und abkühlen lassen.

2. Nun die Aubergine schälen und zusammen mit dem Knoblauch mit einem Messer kleinhacken.

3. Die Aubergine samt Knoblauch in eine Schüssel geben und mit dem Joghurt vermischen. Nur noch alles mit einem Teelöffel Zitronensaft, zwei Esslöffeln Olivenöl und etwas Salz abrunden und genießen.

Vorschau: Nächste Woche präsentiert euch die Tipps&Tricks-Redaktion zum Frühlingsbeginn fünf saisonale Unternehmungstipps.

Bio – alles besser (für die Tiere)? Teil 3: Obst und Gemüse

Über Bio-Fleisch und Bio-Eier mit den Siegeln haben wir euch bereits informiert. Im dritten und letzten Teil dieser Reihe geht es einmal nicht um die mit Bio verbundene Tierhaltung, sondern um Obst und Gemüse, das Nahrungsmittel, von dem Otto-Normal-Bürger eigentlich generell zu wenig zu sich nimmt. Sie liefern uns Vitamin B, C und das Beta-Carotin, das unser Körper für den täglichen Stoffwechsel so dringend braucht. Diese wirken ebenfalls präventiv gegen Krebs und andere Krankheiten.

Dass Obst und Gemüse gesund sind, zweifelt wohl niemand an. Die Entscheidung, mehr Obst und Gemüse zu essen, fällen wir durchschnittlich mehrmals pro Jahr. Wenn dann soll´s aber bitte auch gesund sein – also gleich Bio?

Wir haben bereits gelernt, dass „Bio“ und „Bio“ zwei verschiedene paar Schuhe sind. Das staatliche europäische Gütesiegel Bio für Obst und Gemüse das sich beispielsweise bei Edeka und in anderen Supermärkten findet gibt es bereits für niedrige Anforderungen. So sind die Vorgaben, dass höchstens 0,9% gentechnisch verändertes Material in Obst und Gemüse enthalten sein darf und mindestens 95% der Inhaltsstoffe aus Öko-Anbau kommen müssen.

Öko-Anbau ist hier weit gefasst: Ein Hof kann bei dem europäischen Bio-Siegel gleichzeitig konventionellen Anbau und ökologischen Anbau betreiben. Dies ist bei den anspruchsvolleren Siegeln beispielsweise nicht so. Die nicht-staatlichen Bio-Siegel erfüllen die staatlichen Vorgaben als Mindestwert, so beispielsweise das Rewe-Bio-Siegel.

Traditionelle Bio-Siegel (Demeter, Bioland, Naturland etc.) sichern allerdings sehr viel höhere Standards wie einen hundertprozentigen Ökoanbau, der bei staatlichen Siegeln einfach nicht machbar ist.
Wer den Unterschied mal schmecken möchte, muss sich allerdings in den Bio-Laden aufmachen: Kaum ein Supermarkt verkauft Demeter-Obst oder Bioland-Gemüse.

Vom Bio-Apfel kann sich jeder selbst überzeugen! Bild: C.Eyell

Vom Bio-Apfel kann sich jeder selbst überzeugen! Bild: C.Eyell

Stattdessen ist dieses in kleinen Dorfläden zu finden wie auch in Bio-Supermarktketten wie Denn´s beispielsweise.
Der Praxistest überzeugt dann auch subjektiv von den Unterschieden: Eine Banane von  Demeter ist geschmacklich nicht gleichzusetzen mit der Banane aus dem Edeka mit dem EU-Bio-Siegel.
Um leichter an Bio-Lebensmittel zu gelangen, haben sich einige Firmen und Höfe Gedanken gemacht: Es gibt die sogenannten Gemüsekisten, welche wöchentlich nach Hause geliefert werden. Bio-Höfe wie der niedersächsische Adolphshof beispielsweise liefern sowohl saisonal selbst Angebautes wie auch Importiertes von Demeter und Co. Das Es begann mit einer reinen Auswahl an Gemüsesorten, hundert Prozent Bio, und heute ist es sogar möglich jede Woche Wein, Käsesorten, Naturkosmetik, (vegetarische) Grillmixe und vieles mehr zu bestellen. Das System funktioniert, indem der Kunde jede Woche online seine Bestellung für die Woche abgibt. Diese wird am immer gleichen Tag nach Hause geliefert, der Betrag dann vom Konto abgebucht.
Der Nachteil: Wer sich an diese Geschmacksintensität einmal gewöhnt hat, möchte nicht wieder zu Supermarktbio zurückkehren.

Fazit: Supermarktbio ist besser als kein Bio. Doch auch wenn die deutsche Gesellschaft für Ernährung von den Risiken der gespritzten Früchte ablenkt und meint, dieses bestünde kaum, so werden die Pestizide nicht umsonst mit der Atemschutzmaske versprüht. Wer sichergehen möchte, diese Gifte nicht im Kreislauf zu haben, fährt gut mit Bio – auch dem Bio aus dem Supermarkt. Wer ein wenig mehr dafür hinlegen kann sollte beispielsweise Demeter-Bio, sprich echtes Bio, einmal probieren. Es lohnt sich – Versprochen.

Vorschau: Am Donnerstag, dem 25. September berichtet Bernd euch über Koalas!
Im Oktober werde ich mich aufmachen zu einem Arbeitseinsatz um einen Shelter in Herkulesbad, Rumänien zu unterstützen der rumänische Straßenhunde aufnimmt und diesen hilft. Von mir werdet ihr daher im Oktober einen Bericht über meine Reise lesen!

Kalorienarmes Grillen

Die Grillsaison ist auf ihrem Höhepunkt angekommen: Überall brutzelt es, glüht die Kohle und raucht der Grill. Doch was tun, wenn man sich an Steak, Schwenker und Würstchen satt gegessen hat? Wenn all diese leckeren Dinge plötzlich zu kleinen Speckpölsterchen an der eigenen Hüfte führen? Wir verraten euch heute leckere, kalorienarme Alternativen für den Sommer.

"Normales Grillen": Doch auch die kalorienarme Variante ist sehr lecker (Foto: Pollach)

„Normales Grillen“: Doch auch die kalorienarme Variante ist sehr lecker (Foto: Pollach)

1: Köstliches Hühnchen in Marinade

Wer auf Fleisch nicht verzichten will, aber trotzdem kalorienbewusst grillen möchte, sollte von rotem Fleisch auf Geflügel umsteigen. Das enthält wesentlich weniger Fett als Rindfleisch, schmeckt trotzdem hervorragend und nimmt Grillaromen sehr gut auf. Puristen können das Hühnchen  einfach  grillen. Für alle anderen lohnt es sich, leckere, kalorienarme Marinaden auszuprobieren. Zum Beispiel eine Soja-Chilli Marinade: Einfach das Hühnerfleisch in Sojasoße einlegen und Chillipulver oder Chilliflocken dazutun. Mit einem kleinen Schluck Weißwein abgerundet kann das Grillvergnügen beginnen. Eine andere, leckere Marinade ergibt sich aus Magerjoghurt, den man mit frischen Kräutern und Knoblauch mischt und dann auf dem Huhn verstreicht.

2: Gemüse, Gemüse, Gemüse

Pilze: Sie eignen sich bestens zum kalorienarmen Grillen (Foto: Möller)

Pilze: Sie eignen sich bestens zum kalorienarmen Grillen (Foto: Möller)

Gegrilltes Gemüse ist immer eine verlockende, kalorienarme Variante des Grillens. Doch auch hier können durch kleine Raffinessen neue Geschmackserlebnisse kreiert werden. So lohnt es sich, Auberginen und Zucchinis in dünne Scheiben zu schneiden und ganz zart mit Knoblauchöl zu bestreichen, bevor sie in Alufolie gegrillt werden. Die Knoblaucharomen verbinden sich dadurch mit den Gemüse- und Röstaromen zu einem delikaten Geschmack. Auch Pilze eignen sich, ähnlich wie Tomaten und Paprika, zum Grillen. Entweder pur in Alufolie gewickelt oder mit einer Mischung aus Magerquark, Knoblauch, Kräutern und Chillipulver gefüllt. Bei Tomaten sollte aber darauf geachtet werden, dass sie nicht aufplatzen.

3: Frischer Fisch auf dem Grill

Bestimmte Fischsorten eignen sich hervorragend zum Grillen und bieten ebenfalls eine kalorienarme Variante zu Hacksteaks und Co. Besonders Kabeljau, Schellfisch und Thunfisch haben wenig Fett und eignen sich zum figurbewussten Grillvergnügen. Gewürzt mit Paprikapulver, Kräutern, Knoblauch und viel Zitrone schmeckt der Fisch gleich doppelt so gut. Als Nachtisch können dann noch einige Früchte wie Erdbeeren oder Ananas auf den Grill geworfen werden und schon ist der Grillabend perfekt.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier den ersten Teil unserer neuen Reihe „gesunde Snacks für Schule, Uni und Arbeit“ – die Frühstücks-Vitaminbombe.

Besser billig?

Billiger gekauft: irgendwer hat darum weniger (Tony Hegewald / pixelio.de)

Billiger gekauft: irgendwer hat darum weniger (©Tony Hegewald / pixelio.de)

Heute beim Einkaufen habe ich die Preisschilder verglichen. Muss ich für den Namen auf der Packung wirklich so viel mehr zahlen? Kann ich meinem Kind nicht auch die preiswerte Variante der Zahnpasta kaufen, statt der bekannten aus der Werbung? Und wie ist das bei Joghurt, Chips, Saft, Kleidung und den tausend anderen Produkten, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind? Billig heißt das Zauberwort. Nicht günstig, oder preiswert. Billig. Ob Mietwagen, Elektronik, Hosen oder Haarschnitt. Geschäfte und Firmen werben mittlerweile nicht nur mit geilem Geiz, sondern mit dem Begriff „billig“ als wertsteigerndes Adjektiv.

Und mal unter uns: wenn ich weniger bezahlen kann, mache ich das doch gerne. Ein paar Cent hier, ein paar Euro hier. Kleinvieh macht auch Mist. Und mit dem billig Erspartem kann ich ja noch etwas kaufen. Möglichst billig. Onkel Dagobert wäre stolz und unser Geldspeicher mangels Zinsen auf der Bank auch prall gefüllt. Discounter expandieren, Händler unterbieten einander im Preis, wir zahlen immer weniger.

Schön billig? In nur einer Frucht steckt wertvolle Arbeit (Foto: Obermann)

Schön billig? In nur einer Frucht steckt wertvolle Arbeit (Foto: Obermann)

Aber Momentchen mal. Da ist doch ein Haken, da ist doch immer ein Haken. Ist billig wirklich besser? Ich habe einen Garten, ich weiß, was es heißt, Obst und Gemüse anzubauen, abhängig von der Witterung zu sein, wenn auch reich geerntet werden soll. Ich kenne die Probleme mit Unkraut, Trockenheit und den Schwankungen die Menge der Früchte betreffend. Und das nur in meinem wirklich kleinen Garten. Ein Landwirt, dessen Existenz von seinem Ertrag abhängt, kann mir da nur leidtun. Was der an Arbeit, Zeit und Geld investieren muss, ist für mich kaum vorstellbar. Und dann wird der Preis seiner Ware bestimmt von Händlern, die möglichst billig einkaufen wollen, um sich gegenseitig unterbieten zu können. Billiges Essen heißt auch geringe Bezahlung für die Hersteller, heißt geringen Lohn für alle, die in dem Sektor arbeiten, heißt weniger Kaufkraft, und so weiter und so weiter. Irgendwann hat jeder weniger Geld und der Preis muss weiter gedrückt werden. Wen wundert es, wenn Tiere auf furchtbare Art gehalten und schließlich geschlachtet werden, wenn es einen Preis zu unterbieten gilt.

Und das ist kein Problem, dass nur die Landwirtschaft hat. Billigmodeketten wie auch Markenklamottenhersteller lassen nicht umsonst in unterentwickelten Ländern ihre Kleidung produzieren. Wer wenig zahlen muss, kann auch geringe Preise verlangen, anders herum kann jemand, der möglichst billig produziert auch möglichst großen Gewinn erzielen, wenn er teuer verkauft. Klingt logisch. Sorgt aber auch dafür, dass Kinderarbeit, unwürdige Arbeitsbedingungen und Gerüchte um sklavenähnliche Angestellte oder Zwangsarbeit nicht so einfach ins Reich der Legenden zu verbannen sind. Man ist nicht nur, was man isst, sondern auch, was man trägt. Selbe Problematik gilt auch für Elektronikprodukte und ich will gar nicht daran denken, was noch alles unverschämt und billig hergestellt wird und bei uns dann in den Haushalt kommt. Kein Markenname schützt davor, denn auch diese Firmen sind vom Profit abhängig.

Billig und glücklich? Nicht nur bei Kühen schwer zu glauben (©kunst-wach / pixelio.de)

Billig und glücklich? Nicht nur bei Kühen schwer zu glauben (©kunst-wach / pixelio.de)

Mein schlechtes Gewissen wächst und wächst. Besser ist anders. Und vielleicht auch gar nicht billig. Mein Gemüse und Obst von regionalen Händlern ist nicht schwer zu bekommen, zwar teurer, aber nicht nur frischer und ökologisch besser, weil keine langen Wege zurück gelegt werden müssen. Gleiches gilt übrigens auch vom Metzger des Vertrauens oder hochwertigen Fleischprodukten, die auch gerne mal mehr als das Doppelte des Billigpreises kosten, bei denen aber Haltung und Pflege tatsächlich einen respektvollen Umgang mit Tier und Fleisch zeigen. Auch gibt es Kleidermarken, die auf gute Arbeitsbedingungen wert legen, sogenannte Fairtrade-Produkte in vielen Bereichen und oft ist nur etwas Interesse in den Hintergrund des Produktes notwendig, um differenzieren zu können, was nun wirklich besser ist und was einfach nur billig.

Beim wöchentlichen Familieneinkauf ist zwischen den Regalen, mit einem hungrigen Kind im Einkaufswagen und einem konsumgezeichnetem in der Spielzeugabteilung diese Differenzierung kaum zu leisten. Wer einkaufen geht, geht kaufen, nicht recherchieren. Das muss zu Hause erfolgen. Besser davor als danach. Und wer sich informiert hat, muss abwägen, welchen Schritt er als Nächstes wagt. Mehr Geld ausgeben, weniger kaufen, aber dafür sinnvoller, möglicherweise besser, oder mehr, billiger, zentral. Eine persönliche Entscheidung, so viel ist klar. Aber wir sollten uns klar machen, dass billig nicht besser ist, sondern eben einfach nur billig, vielleicht sogar billiger.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha an dieser Stelle, warum Kleidung kaufen ein Albtraum für ihn ist.

Mein kleiner Garten

Frühlingshaft. Eine schöne Blumenwiese sorgt für eine tolle Atmosphäre im Garten (Foto: Obermann)

Frühlingshaft. Eine schöne Blumenwiese sorgt für eine tolle Atmosphäre im Garten (Foto: Obermann)

Ein Heim ohne Garten wäre für mich nur ein halbes. Aber ich will gleich Entwarnung geben. Ich bin keine von denen, die stundenlang mit der Nagelschere den Rasen trimmen und jedes Kräutlein, das abseits anfängt zu wachsen sofort ausreist. Mit Mühe und Not schaffe ich es zwischen Studium, Arbeit und Kindern die alten Sonnenblumen rauszumachen und Büschel von Löwenzahn, die meine Erdbeeren einengen, zumindest oberflächlich auszureißen. Und doch gehört ein kleiner Garten für mich zum perfekten Heim dazu.

Vielleicht liegt es daran, dass ich schon so aufgewachsen bin. Meine Mutter schickte mich des Öfteren hinaus in unsere kleinen Beete (viel war es wirklich nicht) mit dem Auftrag dieses oder jenes Gewürzkraut mit hineinzubringen. Nach zehn Minuten wagte ich mich wieder in die Küche wagte – mit leeren Händen – und fragte zerknirscht, wie denn Liebstöckel aussehe oder ob das, was ich gefunden hatte, auch wirklich Oregano war. Das ist auch wirklich nicht immer so leicht. Erst kürzlich haben sowohl meine Mutter als auch ich, den Kerbel aus meinem Garten für Petersilie gehalten. Kann passieren, geschmeckt hat es trotzdem.

Reift heran: die grüne Tomate wird bald in der Sonne rot (Foto: Obermann)

Reift heran: die grüne Tomate wird bald in der Sonne rot (Foto: Obermann)

Frische Gartenkräuter sind für mich schon beinahe essentiell. Besonders im Sommer, wenn es fast jeden Tag Salat gibt. Keine Gewürzmischung bringt die Aromen hervor, wie frisch geschnittene Kräuter, und ich kann sie bequem nach meinem Geschmack mischen. Oder selbst eingelegtes Grillfleisch, marinierter Schafskäse, würziges Brot, alles bekommt mit frischen Kräutern eben genau das: Frische.

Genauso wichtig aber sind mir Obst und Gemüse. Viel braucht es da nicht, sodass ich glücklich werde. Ein paar Salatpflanzen, von denen ich meine Blätter nach Gebrauch abzupfen kann, Kohlrabi für die Kinder, Tomaten, die in der Sonne süß geworden sind. Und erst die Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren: ein Traum für Kinder und alle, die Obst mögen. Die reifen Früchte einfach abzupfen und aus Mangel an Spritzmittel können sie einfach so in den Mund gestopft werden, noch warm von der Sonne. Frischer geht es nicht mehr. Und wer so etwas mal probiert hat, weiß, leckerer geht es auch nicht.

Wenn mein Ertrag zum Naschen reicht, ist mir das schon genug. Ich will ja keine Früchte auf dem Markt verkaufen und zum Marmeladekochen kauf ich schon mal etwas dazu oder ernte eben noch bei meinen Großmüttern, die beide große und volle Gärten haben. Aber ich arbeite etwas in und mit der Natur und bekomme tatsächlich etwas zurück. Selbst die blühenden Blumen meiner Frühlingswiese erfüllen mich mit tiefer Zufriedenheit, denn wegen mir sind diese Blumen dort und strahlen in die Welt hinaus. Schön ist auch, dass meine Kinder lernen, dass unser Essen von der Erde kommt, dass es nicht vom Himmel fällt oder im Supermarkt in den Regalen wächst, sondern dass Arbeit dahinter steckt, Geduld und Zeit. Aber auch, wie wetterabhängig die Pflanzen sind, wie ein Sturm die Hälfte der noch unreifen Früchte abschlagen kann, oder Schnecken die Salatblätter zerfressen.

Junger Hüpfer? Durch den Garten können auch Große immer noch etwas lernen (Foto: Obermann)

Junger Hüpfer? Durch den Garten können auch Große immer noch etwas lernen (Foto: Obermann)

Warum ist mir das so wichtig? Das ist einfach erklärt. Wir sind billige Preise gewohnt, wir wollen keinen Euro für einen Kopfsalat bezahlen, kaufen billigere Erdbeeren in billigeren Geschäften, statt im Gemüsegeschäft nebenan, wo das Ganze eben etwas teurer ist. Und ich bin da skeptisch. Wenn so viel Arbeit dahinter steckt, dann ist die Sache auch ihr Geld wert. Eigentlich bezahle ich lieber ein bisschen mehr und weiß, woher mein Gemüse kommt, weiß, dass die Arbeiter auch tatsächlich mehr als einen Hungerlohn bekommen. Bei der aktuellen Diskussion um Mindestlohn wird klar, dass vieles nicht so billig bleiben kann, wie es noch ist, dass wir aber eigentlich auch kein Recht haben, das zu verlangen, wenn dabei die Arbeiter und Bauern auf der Strecke bleiben.

Aus meinem kleinen Garten kann ich somit immer noch viel lernen und meine Kinder ebenso. An einem sonnigen Tag kann ich einmal richtig arbeiten und mich am nächsten auf die Wiese legen und einfach nur freuen, dass dieses kleine Stückchen Natur sozusagen auf meinem Mist gewachsen ist. Und das finde ich einfach nur schön.

Vorschau: Sascha erklärt hier nächste Woche, warum das Gedächtnis in den unpassensten Momenten versagt und wir vergesslich werden.

Grüne Smoothies – Powerdrinks aus dem Mixer

Grüne Smoothies sind der Trend aus Hollywood und wohl die vitaminreichste Variante, Obst und Gemüse auf einfache Weise mit in den täglichen Speiseplan zu integrieren.

Grüne Smoothies: Lecker und so gesund (Foto: Beyl)

Grüne Smoothies: Lecker und so gesund (Foto: Beyl)

In den vergangenen Jahren hat sich der Lebensstil in der westlichen Welt stark verändert: Neue Arbeitsbedingungen und die zunehmende Schnelllebigkeit führen zu einer mangelhaften Nährstoffversorgung – die Zeit sich gesund zu ernähren, fehlt vielen Menschen immer mehr. Da sind die schnell zuzubereitenden Powerdrinks aus dem Mixer eine leckere Möglichkeit, sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

Aber warum sollten wir gerade grüne Smoothies trinken? Im Gegensatz zu den süßen, fruchtigen Obstsmoothies bestehen die grünen Smoothies bis zur Hälfte aus grünem Gemüse – in der Regel aus grünem Blattgemüse. Die Blätter enthalten eine enorme Menge aus belebenden Vitaminen, Mineralstoffen, entgiftenden Enzymen und sättigenden Ballaststoffen, die unsere Immunabwehr stärken und vor allem für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sorgen.

Damit auch ihr mit einem grünen Smoothie starten könnt, verraten wir euch das Basis-Rezept für euren Powerdrink. Es besteht aus drei Grundzutaten: Wasser, Blattgemüse und Obst zu je 33 Prozent. Ihr könnt eure eigenen Rezepte kreieren und immer wieder Neues ausprobieren – je nach Geschmack und dem, was ihr gerade im Haus habt.

Zubereitung im Mixer: Wasser-Rucola-Mango-Minze-Smoothie (Foto: Beyl)

Zubereitung im Mixer: Wasser-Rucola-Mango-Minze-Smoothie (Foto: Beyl)

100-150ml – die Basis: Wasser, Sojamilch, Apfelsaft oder Organgensaft

100-150g grüne Zutaten: Spinat, Rucola, Salat, Grünkohl, Küchenkräuter, Grün von Karotten und vieles mehr

100-150g süße Früchte: Apfel, Birne, Banane, Mango, Beeren, Ananas, Kiwi und was euch noch alles einfällt

Das gewisse Etwas: Zimt, Vanille, Minze, Datteln, Limettensaft etc.

Zubereitung: Die Zubereitung ist ganz einfach: Alle Zutaten waschen, eventuell schälen, in Stücke schneiden, in den Mixer geben und pürieren bis der Smoothie ganz fein ist. Fertig!

Extra-Tipps:

• Am Anfang empfehlen wir euch den Fruchtgehalt höher zu halten, um sich langsam an den grünen Geschmack zu gewöhnen. Die Süße macht die gesunden Bitterstoffe nämlich erst erträglich. Der grüne Smoothie soll schließlich lecker schmecken.

• Der Smoothie ist für einen stressigen Alltag optimal geeignet. Ihr könnt euch die Smoothies morgens zubereiten und in eine Flasche abfüllen – somit seid ihr gestärkt für den Tag, egal wann der Hunger eintritt und wo ihr gerade seid.

• Die optimale Konsistenz der Smoothies ist cremig oder leicht breiig, ihr könnt sie beliebig mit mehr oder weniger Basis-Flüssigkeit anpassen.

• Die grünen Smoothies sind sehr sättigend und können eine Mahlzeit ersetzen.

• Je weniger Zutaten ihr in eurem Smoothie verwendet, desto verdaulicher. Beginnen solltet ihr deshalb mit einer Sorte Obst und einer Sorte der grünen Zutaten.

• Nüsse und Haushaltszucker sind schlecht geeignet für den grünen Smoothie – sie behindern den Verdauungsvorgang.

• Verwendet immer wieder unterschiedliches Blattgemüse. Mit der Abwechslung erhält eurer Körper viele unterschiedliche Vitalstoffe – und es kann zu keinen Unverträglichkeits- und Vergiftungserscheinungen kommen.

• Für die Zubereitung der Smoothies eignen sich besonders leistungsstarke Standmixer, die auch grob gestückelte Zutaten sehr fein zerkleinern können.

• Ein grüner Smoothie schmeckt frisch zubereitet am besten. Er hält jedoch auch im Kühlschrank ein bis zwei Tage – und dies ohne seine grüne Farbe zu verlieren.

Wir wünschen euch einen erfrischenden und vitaminreichen Genuss!

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um verschiedene Tees und deren Wirkung.

Dankt der Ernte

Am ersten Sonntag im Oktober ist das Erntedankfest. Dieses Jahr wird das  der 06.10. sein. Ein Fest, das immer mehr in Vergessenheit gerät, immer mehr verdrängt wird und nur teilweise mit dem amerikanisch-populären Thanksgiving überein kommt. Immerhin ist der bei uns christliche Feiertag zum Dank für die eingebrachte Ernte dort ein Erinnerungsfest an die Pilgerväter. Doch was feiern wir an Erntedank?

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Klar, denkt ihr, wir danken für die Ernte. Und schon da müssen die meisten schmunzeln. Ernte? Wer von uns erntet denn noch? Gut, meine drei Tomatenstöcke werfen mit Früchten nur so um sich, aber davon kann ich doch keine Familie ernähren, wie es die Erne früher musste. Die Ernte, das war das Großereignis. Ihr haben wir zu verdanken, dass die Sommerferien so lang sind, mussten die Kinder doch beim Abernten mitanpacken. Es ging da nie um Sommer, Sonne, Stau, vielmehr um das nackte Überleben, denn ohne die Feldfrüchte hatten die Familien nicht nur nichts zu essen, sondern auch kein Geld, um sich welches zu kaufen.

Was für uns selbstverständlich ist, war noch für unsere Großeltern undenkbar. Einfach alles im Laden kaufen? Woher das Geld nehmen? Und wieso auch, wenn man doch beinahe alles im Garten oder auf dem Feld anbauen kann. Doch unsere Gärten werden zu Steinlandschaften ohne Grün, die Felder liegen brach. Was früher Überleben sicherte, reicht heute nur noch wenigen. Bauern sind heute Großbauern, die für den breiten Markt anbauen, nicht für den Stand auf dem Dorfplatz. Und auch sie müssen immer mehr haushalten. Denn keiner will für eine Zwiebel einen Euro zahlen, selbst wenn sie durch ganz Deutschland gefahren werden musste. Was dem sogenannten Agrarökonom bleibt, ist mehr als hart verdient. Ich jedenfalls bin froh, dass es Menschen gibt, die täglich ihre Felder bestellen, die Erntehelfer aus dem Ausland engagieren, weil sich manche deutschen Arbeitslosen zu gut dafür sind, die ihre kostbaren Erzeugnisse viel zu billig an den Großhändler abgeben, weil ihnen keine andere Wahl bleibt. Die all dies ertragen, ertragen müssen, und dennoch Felder bestellen, ernten können. Ihnen können wir an Erntedank danken.

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Dabei gebe ich zu, ich kaufe mein Gemüse und Obst lieber beim Kleinhändler um die Ecke, der regionale Früchte verkauft, die nicht um die halbe Welt geschifft wurden. Wenn ich es mir leisten kann, hole ich dort Salat und Kartoffeln, den Apfel für die Kindergartentasche meines Sohnes. Ja, es kostet mehr und vielleicht kaufe ich dort auch mal weniger. Doch ich achte auch mehr darauf, dass es auch gegessen wird, gehe sorgsamer damit um, als mit dem 50- Cent-Apfel vom Discounter. Dankbar für die Ernte sein heißt eben nicht nur an einem Sonntag im Jahr mal an die Landwirtschaft denken, sondern das ganze Jahr über. Lange Transportwege schaden der Umwelt, die Umwelt ernährt uns eben mithilfe  der Ernte. Jedes Brot, das wir essen, jeder Schluck Saft, jedes Salatblatt auf einem Burger, alles hängt doch davon ab, dass die Felder anständig bestellt werden. Wir legen Wert auf schadstoffarme Landwirtschaft, kaufen Bio, protestieren gegen Massentierhaltung.

Und doch scheint das alles zu wenig für die Ernte, für unsere Nahrung, für den Dank an die Natur, die wir tagtäglich zerstören. Will man in unserer Stadt ein neues Haus bauen, schreibt die Stadt vor, dass ein einheimischer Baum im Garten gepflanzt wird. Mein Mann meint dazu, er pflanzt auf jeden Fall mehr. Ich meine, wir sollten alle mehr pflanzen. Bäume, Sträucher, Früchte. Von einer Rasenfläche wird keiner satt. Und wer kein komplettes Feld umpflügen muss, sondern nur ein paar Salatköpfe oder Tomaten abmachen will, muss sich auch nicht stundenlang in den Garten stellen und um seine Freizeit bangen (die aber an der frischen Luft gar nicht mal schlecht verbracht wäre). Er könnte auch am ersten Sonntag im Oktober wirklich dankbar sein, dafür, dass die Früchte rot und saftig waren, der Salat frei von Schnecken, die Äpfel am einheimischen Baum ohne Würmer. Er könnte Erntedank feiern und wissen, warum. Was wäre mehr bio? Was wäre ökologischer? Und er würde wissen, dass gute Landwirtschaft eben seinen Preis hat und darum auch auf dem Dorfplatz oder im Gemüseladen um die Ecke einkaufen.

Mehr zum Thema Umwelt lest ihr in unserer Tier&Umwelt-Rubrik.

Vorschau: Nächste Woche erklärt Alexandra euch an dieser Stelle die Abwechslung des Alleinseins.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

Vegetarier-Serie Teil 1 

Hälfte der Tiere landet im Müll

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wodurch sie dazu kamen und wie sie nun ihr Leben gestalten. Susanne (17) geht gerade in die zwölfte Klasse und erzählt face2face von ihren Beweggründen für eine fleischfreie Ernährung.

Face2Face:Wie kamst du dazu, Vegetarierin zu werden?                                                  
Susanne:
Vor vier Monaten haben wir im Sozialkunde Leistungskurs den Film „We feed the world“ gezeigt bekommen. Darin hat man die Massenfabriken gesehen, in denen die Hühner maschinell gefüttert, gehalten und getötet wurden. Da wurde mir erstmal richtig bewusst, was für ein kurzes und dann auch noch schreckliches Leben die Tiere haben, nur damit wir Fleisch auf dem Teller haben. Mir ist da wirklich der Appetit vergangen. Ein Steak habe ich zum Beispiel auch nie gerne gegessen, weil ich währenddessen immer an das arme Tier denken muss.
Jeder sagt immer „Wenn ich jetzt aufhöre, Fleisch zu essen, bringt das ja nicht groß etwas“, aber irgendwie muss ja mal ein Anfang gemacht werden. Direkt nach dem Film habe ich dann auch beschlossen, ab jetzt auf Fleisch zu verzichten.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

Gemeinsam gesund essen: Susanne und ihr Pferd Negra in der Mittagspause im Stall (Foto: Lobig)

Face2Face: Was ist dein Beweggrund, kein Fleisch zu essen?
Susanne: Ich unterstütze es einfach nicht mehr, dass Tiere so ein grausames kurzes Leben haben müssen. Zudem wird immer viel zu viel Fleisch weggeworfen. Also werden die Tiere unnötig gezüchtet, schlecht gehalten und geschlachtet, da sie später teilweise sowieso im Müll landen. Früher wurden die Tiere ordentlich gehalten und nur so viel geschlachtet, wie auch gegessen wurde. Heute werden sie als Massenware abgefertigt und die Menschen gehen mit Lebewesen einfach unverantwortlich um.

Face2Face: Würden die Tiere artgerecht gehalten werden, würdest du dann Fleisch essen?
Susanne: Eventuell schon, aber dann nur in Maßen. Schwein oder Rind könnte ich aber gar nicht mehr essen, da wird es mir einfach übel. Geflügel, also Pute oder Hühnchen habe ich schon immer gerne gegessen, aber die werden ja am schlimmsten gehalten. Das ist mir jetzt erst so bewusst geworden. Wenn überhaupt, dann halten kleine Bauern ihre Tiere noch artgerecht, weil sie diese nur für den Eigenverbrauch und einen kleinen Verkauf züchten. Aber bei diesen Mengen, die heute konsumiert werden, ist eine artgerechte Haltung und Züchtung ja utopisch.

Face2Face: Was hat sich verändert seitdem? Fühlst du dich besser?
Susanne: Ja, und zwar in dem Sinne, dass ich ein reines Gewissen haben kann, keine Tiere zu essen, die unglücklich waren und nur für den Kochtopf auf die Welt kamen. Also psychisch fühle ich mich verändert, körperlich nicht, ich habe auch keine Mangelerscheinungen oder ähnliches. Ich stehe dazu und akzeptiere natürlich auch, dass andere das nicht so machen. Die meisten Leute kann man von dem Vegetarier-Dasein sowieso nicht überzeugen. Ich bin stolz, diese Einsicht gehabt zu haben, aber ich versuche nicht, andere dazu überreden, weil man das aus eigener Überzeugung tun sollte.

Face2Face: „Vegetarier essen den Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Susanne: Über so einen Quatsch denke ich erst gar nicht nach. Wir essen doch sowieso keine Tiere aus der freien Wildbahn, sondern aus der Fabrik. Und die dort bekommen irgendwelches Industrierfutter, das nur dick machen soll. Von Obst und Gemüse ist in der Natur genug für alle vorhanden.

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

Teilen gerne: Susanne und Pferd Negra (Foto: Lobig)

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Susanne: Ich liebe Tiere, ich habe selbst eine Katze und ein Pferd, die für mich teilweise gleichgestellt sind mit menschlichen Freunden. Da kann ich auch nicht nachvollziehen, dass manche Pferd essen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, einen Freund zu essen.

Face2Face: Was würdest du dir wünschen in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft?
Susanne: Es sollte nur noch produziert werden, was auch wirklich gegessen wird, damit nicht so viel weggeworfen wird. Die Leute sollten bewusster mit dem Fleisch umgehen – das waren mal Lebewesen, die auch mehr Wertschätzung verdient haben, dafür dass die Menschen sich durch sie ernähren können. Eine gerechte Haltung der Tiere ist bei dem jetzigen Fleischkonsum meiner Meinung nach unmöglich.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Susanne: Hauptsächlich fehlt ja das Eiweiß, wenn man kein Fleisch mehr isst. Aber das kann man wunderbar mit Milchprodukten und Obst und Gemüse ausgleichen. Solche typischen Vegetarier-Produkte wie Tofu mag ich gar nicht, ich komme auch ohne diese klar. Sehr gerne esse ich, seit ich Vegetarierin bin, eine chinesische Wokpfanne selbstgemacht. Das schmeckt auch nur mit Karotten, Bambussprossen, Paprika, Ingwer und Reis, ganz ohne Fleisch. Mittlerweile gibt es so viele Gerichte, die auch vegetarisch schmecken, da man das Fleisch so leicht durch Gemüse ersetzen kann.

Vorschau: Am nächsten Donnerstag erscheint der nächste Teil der Serie „Tierisch gute Teams“ – Diana mit ihrem kleinen Begleiter Andy.

——————————————————————————————–
Mehr zum Thema Vegetarismus findet ihr hier:

Vegetarisch essen, Teil 1: Fakten, Fakten, Fakten
Vegetarisch essen, Teil 2: Tipps rund um den fleischfreien Genuss

Sprossenweise Aufklärung

Sprossenweise Aufklärung

Bedenkenlos genießbar? Noch gibt es keine Entwarnung (© Sigrid Rossmann / Pixelio.de)

Manchmal ist die Welt wirklich gemein. Von epedemieartigen Krankheitsausbrüchen hören wir normalerweise im Winter. Dann grassieren Vogel- und Schweinegrippen und sonstige per Tröpfcheninfektionen übertragbare Leiden. Und jetzt das: Bakterien, die auf Gemüse und Obst zu Erregern werden, gerade im Sommer, wenn alles zu reifen beginnt und wir am liebsten auf frische Zutaten zurückgreifen. Gerade für Vegetarier ist diese Tage nicht gut Gurkenessen. Oder etwa doch?

 Ich persönlich bin noch ziemlich unberührt von der EHEC-Infektionswelle. Natürlich, es ist immer schrecklich, wenn Menschen sterben, weil ihre normale Nahrung irgendwie verseucht war. In gewissem Maße ist es natürlich schrecklicher, wenn das Ganze auch noch bei jungen Leuten passiert, die ansonsten als kerngesund gelten. Und trotzdem – vielleicht liegt es daran, dass ich in dem Bundesland mit der geringsten Erkrankungsrate lebe – meinen Speiseplan möchte ich jetzt nicht ändern.

Ohne Frage ist das Medienspektakel eines, das seines Gleichen sucht. Oder habt ihr vor diesem Sommer schon viel von EHEC gehört? Nein? Seltsam, wo doch an jeder Stelle mittlerweile genannt wird, dass jedes Jahr deutschlandweit mehrere Hundert Menschen daran erkranken. Seltsam, dass wir diesen Namen erst seit Mai 2011 kennen, wo wir doch so oft davon reden, wenn wir von Magen-Darm-Krankheiten sprechen. Noch viel seltsamer finde ich allerdings, dass diese besondere Mutation für so viel Aufsehen sorgt. Antibiotikaresistent soll es sein. Und an mancher Stelle wird gemunkelt, es sei eben nicht aus natürlichem Wege per Mutation entstanden, sondern in geheimen, oder auch nicht so geheimen Genlaboren entwickelt worden. Einige extreme Verschwörungstheoretiker unterstellen gar, der Erreger sei absichtlich platziert worden. Ein Anschlag mit biologischen Waffen oder nur ein Testlauf?

 Zur Komödie wird derweil die Suche nach dem sogenannten Herd. Und das, obwohl der Erreger bei 70 Grad Celsius sein bakteriöses Leben lassen muss. Spanische Gurken haben zumindest die Schuld an den Erkrankungen wieder abgesprochen bekommen. Dennoch sehe ich nicht, wieso die Spanier so groß jubeln sollten. Ihre Finanzprobleme lassen sich dadurch nicht lösen und Fakt bleibt, dass auf ihren Gurken Erreger gefunden wurden, die ursprünglich aus dem Darm von Mensch und Tier stammen und Magen-Darm-Infektionen auslösen können. Da kann auch der Freispruch mich nicht dazubekommen, meinen Keller mit spanischen Gurken zu füllen.

Sprossenweise Aufklärung

Was können wir eigentlich noch essen? Jetzt gibt es schon wieder Keime auf Gurken (© BettinaF / Pixelio.de)

Nach einem Lübecker Restaurant, in dem sich angeblich einige Menschen angesteckt haben – wer weiß, ob es die Speisen waren, oder irgendwelche Schmierinfektionen – waren es Anfang dieser Woche Sprossen. Keine Leitersprossen, sondern Keimsprossen, die, wie könnte es anders sein, auf einem Bio-Hof gezüchtet werden. Zu blöd, dass die Überprüfung Entwarnung gab, anstatt endlich einen Schuldigen zu präsentieren. Dabei liebt die Presse, gerade in den Sommermonaten, Schuldige, mit denen sich Überschriften basteln lassen. Mal davon abgesehen: den Erregerherd nicht gefunden zu haben bedeutet, dass sich jederzeit wieder viele Menschen anstecken können. Also doch in Panik geraten und auf puren Fleischgenuss umsteigen?

 Lieber nicht, denn: die Mischung macht‘s, immerhin sorgen normalerweise fleischige Gerichte für solche Infektionswellen. Was also dann? Alles auf über 70 Grad zu Tode kochen? Ich umgehe in solchen Fällen gerne große Handelsketten, kaufe beim Bauern um die Ecke oder hole mein junges Gemüse aus den Gärten meiner Omas. Wer also auf eigenen Anbau umsteigen kann, weiß, dass es sich so etwas in solchen Momenten lohnt. Aber auch Tiefkühlgerichte haben in Krisenzeiten dieser Art Konjunktur, denn immerhin war das Gemüse beim Einfrieren noch völlig bedenkenlos genießbar. Und die meisten Vitamine halten sich durchaus, da frische Früchte gleich nach der Ernte schockgefrostet werden. Immerhin ein Kompromiss, bis die nächste mögliche Quelle durch alle Nachrichten wandert. Und was denkt ihr über EHEC?

Eure Eva

Vorschau: Wieso Lea in letzter Zeit nicht so gerne in die Nachrichten schaut, außer bei „L’Ottimista“, gibt es an dieser Stelle nächsten Mittwoch.