Was weißt du denn schon von Arbeit?

Wir sind in einer Kneipe, es ist Montagabend und am Tresen sitzen zwei alte Bekannte, ein Vertriebsleiter und ein Malermeister. Beide sind geschafft und glücklich, dass endlich Feierabend ist, und bestellen sich gerade ihr zweites Bier.

Handwerkliche Arbeit ist anstrengend.

Ermüdend: Wer körperlich arbeitet, dem steckt abends die Arbeit buchstäblich in den Knochen (©Rainer Sturm/Pixelio.de)

„Was ist denn los? Du siehst ja so fertig aus“, will der Maler von seinem Freund wissen. Der meint nur: „Ach der Stress in der Arbeit, man hat kaum fünf Minuten zum Verschnaufen, da bin ich froh, dass es für heute Schluss ist. Vertriebsleiter ist einfach ein harter Job“ Der Malermeister lacht nur: „Wie kann das denn harte Arbeit sein? Ihr sitzt doch den lieben langen Tag im Büro und schlürft eine Tasse Kaffee nach der anderen. Du solltest mal mit auf den Bau kommen, das siehst du, was harte Arbeit ist.“ Und so entsteht eine heftige Diskussion zwischen den beiden, wer nun härter arbeitet.

Nun, wer von beiden arbeitet denn härter? Sicher ist, dass die Arbeit als Maler oder allgemein als Handwerker oder Bauarbeiter körperlich anstrengend ist. Jede Art von physischer Arbeit schlaucht und ermüdet. Wer auf dem Bau rackert, der mutet dem eigenen Organismus einiges zu, oftmals schaffen es die Betreffenden gar nicht, bis zum Renteneintrittsalter zu arbeiten. Viele werden stattdessen in Altersteilzeit oder Frührente geschickt, weil sie für das Unternehmen nicht mehr effizient genug arbeiten oder zu viele Krankheitstage aufweisen, um noch unternehmerisch lukrativ zu sein. Eines steht fest: Körperliche Arbeit bedeutet Anstrengung, Erschöpfung und als Folge davon oft Krankheit und Gebrechen.

Demgegenüber muss doch Büroarbeit das reinste Vergnügen sein! Keine Arbeit im Freien, wenn es regnet oder schneit, auch keine schweren Lasten heben. Stattdessen ein bequemer Schreibtischstuhl und jede Menge heißer Kaffee …

Ohne Kaffe geht es im Büro kaum.

Kleiner Helfer: Ohne Kaffee zwischendurch, würden viele den Stress im Büro nicht so locker wegstecken (©Jorma Bork/Pixelio.de)

Wenn es immer so schön wäre. Büroarbeit bedeutet eben nicht nur Ruhe und Gelassenheit, auch wenn es für Außenstehende ab und an so erscheint. Auch am Schreibtisch kann es heiß hergehen. Arbeit unter enormen Zeit- und Termindruck kann den Job am Computer zur Hölle machen. Dann noch schwierige Gespräche mit verärgerten Kunden oder langsamen Kollegen; und wenn es hart auf hart kommt, gibt es obendrein noch technische Schwierigkeiten: Dann darf man sich zwei Stunden lang damit abmühen, den alten Rechner wieder zum Laufen zu bringen, bevor die eigentliche Arbeit weitergehen kann. Und am Ende eines solchen Tages plagen unseren armen Büroangestellten Migräne, ein steifer Nacken und Rückenschmerzen vom langen Sitzen.

Da können die Leute vom Bau doch zufrieden sein. Die haben immerhin frische Luft, ausreichend Bewegung und sie müssen nicht den ganzen Tag konzentriert sein …

Im Endeffekt ist es so: Egal auf welcher Seite wir uns befinden, unsere Arbeit ist uns lästig und wir finden, dass es ein anderer doch viel leichter hat als wir selbst. „Soll der doch erst mal meine Arbeit machen! Der weiß doch gar nicht, was ein wirklicher Knochen-Job ist!“ Arbeiten wir körperlich, dann beklagen wir uns über die physische Anstrengung und die Belastung unseres Körpers, würden uns vielleicht gerne mal etwas schonen; sitzen wir im Büro, dann schreien wir dagegen nach mehr Bewegung und weniger Denkarbeit.

Abhilfe könnte da die Freizeitgestaltung schaffen: Wer körperlich schwer schuftet, sollte vielleicht abends etwas Ruhe geben. Dagegen könnte ein Angestellter im Büro für die Bewegung sorgen, nach der sein Körper schreit.

Und was ist nun mit unseren beiden Freunden, dem Vertriebsleiter und dem Malermeister? Die sitzen auch nach dem vierten Bier noch am Tresen und debattieren heftigst darüber, wer nun mehr in der Arbeit leisten muss. Da schreitet der Wirt ein und brummt: „Ihr beiden Streithähne, genießt einfach euren Feierabend, ihr habt ihn euch beide redlich verdient. Und ganz nebenbei: Den härtesten Job habe immer noch ich, schließlich muss ich mir solche sinn- und endlosen Debatten ständig anhören!“ – Wo er Recht hat, hat er Recht.

Vorschau: „Schwing die Hüfte“ – Evas Plädoyer fürs Tanzen findet ihr nächste Woche hier in der Face2Face-Kolumne.