Andere Länder, andere Sitten – von unterschiedlichen Familienkonzepten

Familienglück - danach sehen sich viele Menschen. Überall wird Familie für wichtig befunden und doch existieren ganz unterschiedliche Auffassungen von Familie (© Dieter Schütz  / pixelio.de)

Familienglück – danach sehen sich viele Menschen. Die Familienkonzepte können dabei je nach Land und Kultur ganz unterschiedlich ausfallen. (© Dieter Schütz / pixelio.de)

Vor kurzem hatten mein Mann und Ich Besuch von seinen langjährigen Freunden, einem Ehepaar aus Bosnien. An einem gemütlichen Abend unterhielten wir uns über Familienkonzepte in Deutschland und Bosnien. Sowohl die Freunde meines Mannes als auch ich schienen bestimmte Auffassungen davon zu haben, wie Familie im jeweils anderen Land „funktioniert“. Sie bewunderten die frühe Unabhängigkeit, die viele junge Erwachsene in Deutschland erlangen und ich beneidete sie um den unheimlich starken Familienzusammenhalt. Doch sind das nur Klischees, die wenig mit der Realität zu tun haben?

Durch meinen Ehemann, der Bosnier ist, habe ich Einblick in ein neues Familienkonzept bekommen und nicht nur das – ich kann mich so glücklich schätzen, um eine zweite Familie bereichert worden zu sein. Vermutlich sagt schon dieses kleine Detail viel darüber aus, in welcher Hinsicht sich eine bosnische Familie von einer deutschen unterscheidet – der besondere Stellenwert von Familie. Mit dem neuen Lebenspartner spaltet sich das Kind nicht von der Familie ab, sondern im Gegenteil auch der Partner wird als neues Mitglied der Familie angesehen und meist auch in Aufgaben des alltäglichen Familienlebens eingebunden. Für mich erweckt es oft den Anschein, dass Privatsphäre einen ganz anderen Stellenwert einnimmt als in Deutschland. Es wird ein immenser Teil der (Frei-)Zeit im Kreise der Familie verbracht. Was wohl damit zusammenhängt, dass die meisten bosnischen Familien viele Anstrengungen aufwenden, um ein Haus zu erbauen, welches später an die Kinder übergeht. So spielt sich ein Großteil des Lebens im trauten Heim ab und Gäste werden gerne und regelmäßig (unangekündigt!) empfangen. Die Wahrscheinlichkeit, dass also mal niemand anzutreffen ist, geht gegen Null.

"Alle recht nett lächeln": Eine alte Fotografie der Ur-Großeltern lässt die Vergangenheit wieder aufleben (©Unbekannt um 1860-70/pixelio.)

„Alle recht nett lächeln“: Eine alte Fotografie der Urgroßeltern lässt die Vergangenheit für einen Moment wieder aufleben (©Unbekannt um 1860-70 / pixelio.de)

Wenn wir nach Bosnien fahren steht nicht selten eine kleine „wir-besuchen-die-Verwandtschaft-Odyssee“ auf dem Programm. So wird an einem Tag unterschiedlichen Verwandten ein Besuch abgestattet. Dann wiederholt sich der im Folgenden beschriebene und auf das Wesentlichste zusammengefasste Ablauf in scheinbarer Endlosschleife – Eintreten, alle begrüßen, ohne Wiederwille die Kaffeetasse unzählige Male nachfüllen lassen trotz bemerkbarem Herzrasen, üppige Portionen leckeren Essens verschlingen, vergeblich versuchen gegen das laute Stimmengewirr anzukommen. Das ist zugegebenermaßen für mich mit ziemlichen Strapazen verbunden. Ungeachtet dessen freue ich mich selbstverständlich, die Verwandten meines Mannes wiederzusehen. Jedes Mal aufs Neue bin ich von der Liebenswürdigkeit und dem unheimlichen Aufwand, der sich in den vielen leckeren Speisen, die den Essentisch schmücken, wiederspiegelt, zutiefst beeindruck. Ich scheine nur für Familienzusammenkünfte dieses Kalibers noch nicht so Recht gewappnet zu sein, was nur beweist, wie sehr der Mensch ein Produkt seiner Sozialisierung ist.

In Bosnien leben die Kinder oft auch im Erwachsenalter noch mit den Eltern unter einem Dach. (Was allerdings größtenteils der wirtschaftlichen Lage geschuldet ist) Dagegen folgt in Deutschland fast jeder ausnahmslos dem ungeschriebenen Naturgesetz und zieht mit dem Einstieg in das Berufs- oder Studienleben bei den Eltern aus – oder gönnt sich zuvor im Ausland eine Auszeit. Dieses sich Abnabeln von den Eltern ist in Bosnien ein enormer Kraftakt und der Schritt wird von ihnen oft nur schweren Herzens zugelassen.

Jedoch will ich an dieser Stelle anmerken, dass selbstverständlich in jedem Land diverse andere Familienkonzepte nebeneinander bestehen und Geltungsbedarf haben. Ein Volk stellt niemals eine homogene Gruppe dar, sondern besteht aus Individuen, die sich voneinander in vielen Punkten unterscheiden. Deshalb sollten meine Beispiele keineswegs den Anspruch erheben, als repräsentativ für diese Länder zu gelten. Es sind Feststellungen, die ich durch meine subjektive Wahrnehmung erlangt habe.

Was wohl aber allen Familien gemeinsam ist, ist der Wunsch, dass ihre Kinder einmal ein „gutes Leben“ führen. Ich nehme mir heraus zu behaupten, dass egal wo auf der Welt, Kinder und Eltern Streits über divergierende Wertvorstellungen austragen und sich ältere Menschen, über die verdorbene Jugend echauffieren. Im Kern scheint Familie aber überall gleichbedeutend zu sein, nur eben eingebettet in komplexe und verschiedenartige kulturelle „Rahmenbedingungen“.

Vorschau: Eva berichtet nächste Woche davon, warum sie es sich zur Aufgabe gemacht hat zu promovieren.

Fremdsprachen lohnen sich

„Fremdsprachen sind doch Käse!“ – So lautete mein Fazit nach meiner ersten Englisch-Stunde in der fünften Klasse. Ich konnte einfach nicht nachvollziehen, warum ich mich mit einer anderen Sprache als Deutsch auseinandersetzen sollte. Was sollte mir das bringen, immerhin wohnte und wohne ich in Deutschland. Mit dieser Einstellung zum Englisch-Unterricht war ich bei Weitem nicht alleine; Englisch war für den Großteil meiner Mitschüler ein aufgezwungenes und unausweichliches Übel, so wie man dem unangenehmen Besuch der Großtante nur schwerlich entging.

In der sechsten Klasse kam dann noch eine Fremdsprache hinzu: Latein – nicht nur fremd, sondern obendrein auch noch tot! Doch wider Erwarten entwickelte sich in mir nach ersten Berührungsängsten ein wachsendes Interesse für Sprache. Ich fing an, den Latein- und Englisch-Unterricht zu mögen, es machte mir zusehends Spaß, sprachliche Strukturen kennenzulernen und zu hinterfragen. Auch die deutsche Sprache und ihre Tücken interessierten mich mehr und mehr. Ich weiß nicht genau, ob es an meinen Lehrern lag oder an der Bewunderung von vielen Seiten: „Was, Du lernst Latein? Respekt, das muss ganz schön schwer sein…“ Jedenfalls entwickelten sich die Fremdsprachen zu etwas Schönem für mich und am Ende fing ich sogar an, mir selbst ein wenig italienisch beizubringen.

Fremdsprachen lohnen sich

International: Fremdsprachen fördern den Kulturaustausch (©Gerd Altmann/Pixelio)

Und das war auch gut so. Denn Fremdsprachen zu lernen, bringt einige Vorteile mit sich. Mit fremden Sprachen sind immer auch fremde oder zumindest anders förmige Kulturen verbunden. Man kommt also durch die Sprache mit neuen Denkweisen und Anschauungen in Kontakt und der eigene Geist wird offener. Das Denken wird toleranter und der Respekt vor Menschen aus dem anderen Land wächst zusehends mit den Fähigkeiten in der Fremdsprache. Aber nicht nur das. Die meisten Muttersprachler freuen sich, wenn sie auf jemanden treffen, der „ihre“ Sprache lernt, mag derjenige sie auch noch so radebrechen. Wer Fremdsprachen lernt, akzeptiert nicht nur eher andere, sondern er wird auch selbst eher von anderen akzeptiert. Aber auch für die Pragmatiker unter uns hat das Erlernen einer neuen Sprache etwas Positives: Kenntnisse in verschiedenen Sprachen machen jede Bewerbung um einiges attraktiver und können so machen anderen Fehler kaschieren.

Fremdsprachen lohnen sich

Dicke Bücher: Ohne Arbeit geht es bei Fremdsprachen leider nicht (©Andreas Morlok/Pixelio)

Natürlich muss ich hier bei aller Begeisterung für Fremdsprachen zugeben, dass es nicht unbedingt einfach ist, eine neue Sprache zu lernen. Der Weg ist lang und es lauert so manche Stolperschwelle. Ich erinnere mich noch an meine Frustration, als ich bereits drei Jahre italienisch gelernt hatte und noch immer absolut nichts verstand, wenn ich meinen Lieblingsfilm ohne Untertitel in Italienisch „genoss“. Aber allen endlosen Vokabellisten und trockenen Grammatikeinheiten zum Trotz: Was zählt sind Ausdauer und Geduld, dann kann man weit kommen. So arbeite ich weiterhin an meinen Englisch- und Italienischkenntnissen und kann sogar offiziellen Briefverkehr in beiden Sprachen mühelos bewältigen.

Inzwischen macht mir das Sprachenlernen so viel Spaß, dass ich sogar auf meinem Italienisch aufgesattelt habe und mir ganz passable Französischkenntnisse angeeignet habe. Momentan gehe ich sogar noch weiter und verlasse den Bereich der romanischen Sprachen und versuche mich an türkisch und kroatisch. Und ich muss sagen, ich bin wirklich deutlich offener geworden. Mein Denken ist toleranter, ich kann andere Anschauungen und auch Meinungen deutlich leichter akzeptieren und dulden. Sogar mein Deutsch wird umso besser, je mehr ich mich mit anderen Sprachkonzepten herumschlage.

Fremdsprachen lohnen sich

Ins Gespräch kommen: Mit Fremdsprachen kein Problem (© Paul-Georg Meister/Pixelio)

Zugegeben: Solch ein Fetisch für Sprachen ist nicht für jeden etwas, aber vielleicht kann sich doch der ein oder andere nach dem Lesen dieses Textes durchringen, sich an einer neuen Sprache zu versuchen. Dabei kommt es ja gar nicht auf Perfektion an, sondern vielmehr auf die Chance mit komplett fremden Menschen zu kommunizieren. Es ist ein unvergleichliches Erfolgserlebnis, wenn man auf der Straße auf einen Touristen trifft und diesem ein gutes Restaurant in der Nähe empfehlen kann – natürlich in dessen Muttersprache. Fremdsprachen lohnen sich eben.

 

Vorschau: Am nächsten Mittwoch begibt sich Sonja auf Spurensuche, denn dann dreht sich alles um Krimidinner.