Neues Jahr – neue Mode! Wie kleidet sich frau im Sommer 2014?

Obwohl sich hierzulande die Temperaturen langsam aber sicher Richtung Winter bewegen, wagt die Mode-Redaktion heute eine kleine Vorschau auf den Sommer 2014.

Wer auch im neuen Jahr 2014 die Mode-Trends nicht verpassen will, der sollte bei seiner Klamotten-Wahl auf Maxi-Rüschen oder totale Transparenz setzen. Denn das ist es, was unter anderem im neuen Jahr in keinem Kleiderschrank fehlen darf.

transparente Bluse

Foto: Zara

Große Marken, wie zum Beispiel Bottega Veneta, Fendi, Hermès, Dior oder Chanel, setzen die neuen Trends und zeigen auf den Laufstegen, wie frau sie zu tragen hat. Mut zur Dekoration ist gefragt, denn die schon fast skulptural aussehenden Volants auf kurzen Spitzenkleidern in pastelligen Tönen sind ein Must-Have für diesen Sommer. So wirkt die Trägerin durch das Volumen der Kleider und die angesagten Blumenprints manchmal wie ein verpacktes Geschenk. Doch wer freut sich nicht über ein Geschenk?

Im Sommer 2014 heißt es auch: Weg von den Maxi-Kleidern und hin zu mehr Beinfreiheit. Denn auch das wird ein neuer Trend sein. Man hat genug von Skinny-Hosen und versucht nun, Alternativen dafür zu finden. Die sogenannten Culottes (zu Deutsch „Schlüpfer“) sind sehr weit und knie- oder wadenlang und oft fast nicht vom Rock zu unterscheiden. Wer sich eher sportlich kleiden möchte, greift zum knielangen Modell, wer es jedoch eher elegant mag, der sollte Ausschau nach dem wadenlangen Modell halten. Mit dem richtigen Styling können die bequemen Culottes auch vorteilhafter sein, als die beliebte Röhre.

typische, wandenlange Culotte

Foto: Zara

Auch Kleider aus Seidenplissées sind sehr gefragt in diesem Sommer. Marken wie Lanvin oder Givenchy sind begeistert vom formbaren Faltenmaterial und schicken ihre Models damit auf den Laufsteg.

Dass Kunst und Mode noch nie weit voneinander entfernt waren, wird in diesem Sommer besonders deutlich. Bunte, von der Kunst inspirierte Prints machen Kleider zu einer Leinwand. Besonders Karl Lagerfeld setzte dieses Thema in seiner neuen Kollektion konsequent um: Er ließ seine Models teilweise mit einem Zeichenblock und einem Pinsel über den Catwalk laufen. Solche Prints wirken frisch und bereiten uns im Sommer gute Laune.

Wenn ihr wissen wollt, welche Trends die Herren der Schöpfung im Sommer 2014 erwarten, lest es einfach HIER nach.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr alles rund um die Berliner Fashion Week.

Scheiß drauf – über Kraftausdrücke in Sprache und Schrift

Schei-. Das sagt man doch nicht (©Rainer Sturm/pixelio.de)

Schei-. Das sagt man doch nicht (©Rainer Sturm/pixelio.de)

„So eine verdammte Schei –“, gerade kann ich mich noch bremsen. Im Kinderstuhl schreit das Baby, mein Sohn schaut mich mit großen Augen an und auf dem Boden türmen sich Frühstücksflocken, die munter weiter aus der Packung kugeln, die gerade vom Schrank gefallen ist. Ich beiße mir auf die Lippe und denke mir den Rest.

Dabei würde es gerade am Liebsten aus mir herausbrechen, die Flut an Worten, die in Gegenwart kleiner Kinder nicht gesagt, und noch viel weniger geschrieben werden sollen. In einer amerikanischen Serie nutzt einer der Protagonistinnen stattdessen „Bieberkacke“, in einer anderen wird „Grinch“ anstatt einer Beleidigung gesagt. Manchmal scheint es allein in Elfriede Jelineks Dramen trauen sich die Leute noch Kraftausdrücke zu verwenden.

Gut, ich will natürlich nicht, dass mein Fünfjähriger „Scheiße“, „beschissen“ oder andere Schimpfworte nutzt. Das liegt aber weniger an den Wörtern selbst, sondern eher daran, dass es mit Kraftausdrücken ist, wie mit Werkzeugen, sind sie doch Werkzeuge der Sprache – man sollte sie erst benutzten, wenn man weiß wie. Mein Sohn lernt im Kindergarten mit der Schere zu schneiden, aber wie lernt er, wann ein lautes „Scheiße“ Frustabbau ist und wann fehl am Platz? Und dabei drängt sich mir noch eine ganz andere Frage auf: Habe ich das selbst gelernt?

Sprache verbindet? Unsere Wortwahl ist bestimmt von sozialem und kulturellem Umfeld, von unserer Erziehung und unserem Geschlecht (©Barney O'Fair/pixelio.de)

Sprache verbindet? Unsere Wortwahl ist bestimmt von sozialem und kulturellem Umfeld, von unserer Erziehung und unserem Geschlecht (©Barney O’Fair/pixelio.de)

Wie viele Menschen bin ich mit einer Fülle an Ausdrücken gesegnet, die nicht gleich den Inhalt meiner Toilette bezeichnen. Mist, Dreck, Depp, doof oder blöd. Meine Mutter pflegt „Scheibenkleister“ zu sagen, wenn ihr das „Sch“ schon über die Lippen gekommen ist. Sind wir Generationen von Kraftausdruck-Unterdrückern? Mein Mann jedenfalls hat keine Probleme, „Scheiße“ zu sagen. Und da sind wir beim Kern der Sache: Kraftausdrücke tragen nicht umsonst „Kraft“ in sich. Und obgleich wir in der Zeit der Gleichberechtigung leben, Frauen Karriere machen und Männer zu Hause bleiben können, gehören die Kraftausdrücke noch immer den Männern.

Sprache verrät viel über den Sprecher. Sie sagt aus, aus welchem Land wir kommen, aus welchem sozialen und kulturellen Milieu, aber auch welchem Geschlecht wir angehören. Und das nach Jahren des Feminismus und dem Kampf der Frauen um Gleichberechtigung. Scheiß drauf. Es ist Zeit diese Hürde zu nehmen. Sprache gehört uns allen. Die gesprochene wie die geschriebene Sprache, denn noch viel weniger als hören, kann man Kraftausdrücke lesen. Sie gehören zur Mündlichkeit und Dialektalem. Im Mundartlied „PälzerBu“ gibt es eine ganze Strophe, die allein aus Schimpfwörtern besteht, in Werken des literarischen Kanons dagegen kann man die Ausdrücke an einer Hand abzählen.

Wie gerne würde ich auch mal schreiben, dass ich Twilight nicht nur dämlich, sondern richtig scheiße finde, dass Homophobie nicht nur intolerant, sondern einfach beschissen ist oder Germanys Next Topmodel nicht nur niveaulos, sondern meiner Meinung nach echt kacke ist. So ein tiefes, subjektiv gefärbtes und absolut argumentfreies Schimpfwort trägt zwar zu Diskussion wenig bei, legt aber Standpunkte ziemlich gut klar und auch deren Unumstößlichkeit. Darum: Mehr Mut zu Kraftausdrücken und Schimpfwörtern, redet euch mal frei, schreibt was ihr wollt und schluckt es nicht einfach runter. Sprache gehört uns allen, auch die kräftige.

 

Vorschau: Nächste Woche schreibt Sascha für euch über den literarischen Kanon und fragt sich, ob wir das heute überhaupt noch brauchen.

Das Phänomen Tussi – wer sie ist, woher sie kommt und wo sie eigentlich hin will

Tussis begegnen uns im Alltag regelmäßig. Ob in der Fußgängerzone, der Straßenbahn oder abends auf der Piste – letztes ist ihr bevorzugtes Territorium – sind sie aus dem Stadtbild praktisch gar nicht wegzudenken.

Da sie das genaue Gegenteil von Tarnung betreiben, lassen sie sich auch nur unschwer an den immergleichen Merkmalen erkennen: Mehrschichtig aufgetragene Foundation, schwarz getuschte oder, in fortgeschrittenem Tussi-Stadium, lange, mit Klebstoff befestigte, künstliche Wimpern zu glitzerndem Lidschatten im Smokey-Eyes-Look und feuerroten Lippen. Dank der Reizüberflutung für das menschliche Auge kaum noch wahrnehmbar sind die Maske aus Puder und die knallpink gerougten Wangen. Ein Hingucker sind außerdem die Brauen, die zumeist hauchdünn gezupft oder wahlweise abrasiert und mit Augenbrauenstift nachgezogen wurden. Die Nageldesign-Variationen reichen zudem von schrillen Farbtönen über Drachenmotive und Tribal-Verzierungen bis hin zu dramatischen Überlängen der French-Tips.

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Manche mögen’s opulenter: Tussis tragen Perlen, Strass und Diamanten im Überfluss (Foto: T.Gartner)

Doch auch in Sachen Haarstyling und Outfit lassen sich die Tussis gestern wie heute nichts anbrennen. Sie haben es gern ausgefallen, um aufzufallen und darüber hinaus eine klare Zugehörigkeit auszudrücken. Protzige Sneakers – man erinnere sich an das Aufkommen (und das ebenso schnelle wieder Versumpfen) der von Rapperin Missy Elliot designten „Respect M.E.“-Kollektion – sind schließlich nicht einfach protzige Sneakers. Sie sind auch immer ein Fashion-Statement und zugleich eine Solidarisierung mit dem Hiphop und den legeren Streetwear-Styles.

Weitaus lieber als auf leisen Sohlen sind Tussis allerdings auf hohen Hacken unterwegs. Je schwindelnder die Absatzhöhe, desto glänzender der Auftritt. Sie gewinnen damit nicht nur die Anerkennung ihrer Mitmenschen („Wow, wie kann sie auf diesen High Heels bloß laufen, ohne sich beide Beine zu brechen?“), sondern nehmen auch eine unnachahmlich imposante Körperhaltung an. Niemand würde so auch nur auf die Idee kommen, sich einer über den Asphalt staksenden Tussi in den Weg zu stellen. Ja, man muss wahrlich zugeben: Die Optik einer Tussi ist bisweilen angsteinflößend.

Der Grat zwischen Ästhetik und Alptraum scheint damit folglich ein schmaler zu sein und ist, wie so oft, höchst subjektiv. Die Tussi hält ihr Erscheinungsbild, auch wenn man bei einem Blick in ihr Kosmetiktäschchen eher auf Manhattan und Essence stößt als auf MAC und Estée Lauder, für die ausgekochte Perfektion. Diese scheinbar durch nichts in der Welt trübbare Selbstsicherheit macht eine Tussi aus – eine Eigenschaft, die sie glatt bewundernswert macht.

Doch wenn die Fassade aus Make-Up einmal gebrökelt ist und sich der Nebel des großzügig aufgetragenen Parfums erst verzogen hat, kommt das Mädchen zum Vorschein, das die Tussi durch aufwendige, oft lange Vorbereitung bedürfende Beauty-Prozeduren zu verbergen sucht. Und das ist im Wesentlichen komplexbehaftet und ganz und gar nicht selbstüberzeugt.

Es eifert aufkeimenden Trends nach, ohne mit den strassbesetzten Fake Eye Lashes zu zucken. Sie investiert in kostspielige Modelabels, sofern sie es sich leisten kann – nur wenige der oben charakterisierten Tussis haben streng genommen eine ernstzunehmende Karriere hingelegt und müssen daher auf Textilien gängiger Billighersteller zurückgreifen – und schwimmt so, bei allem zwanghaften Streben nach Individualität, doch vollständig mit dem Strom. Ihr Heischen nach Aufmerksamkeit kommt einem Schrei nach Liebe gleich, weil es ihr in erster Linie massiv an Selbstliebe mangelt.

Eine Tussi fordert durch ihr aggressives Auftreten Achtung vor ihrer Person ein, was sie jedoch hinterrücks umso mehr zum Objekt von Hohn und Spott werden lässt. Das besagte kleine Mädchen sehnt sich heimlich nach einer Umarmung. Nach einem Menschen, der ihr ungeschminktes Ich annimmt, vor dem sie Natürlichkeit nicht erst aus Cremetiegeln auftragen muss.

Vorschau: In der nächsten Woche begleiten wir Mode-Redakteurin Olivia auf die Pariser Fashion Week.

Schön und schlau – ein Plädoyer dafür, Germany’s Next Topmodel trotzdem schauen zu können

Es ist noch nicht allzu lange her, da war mein Leben zum Wochenende hin um ein Ritual reicher: Donnerstag, pünktlich um Viertel nach acht am Abend. Denn unsere Kleingruppe, bestehend aus einer Handvoll Mädels und einem schwulen besten Freund, wollte es – während sie nebenbei einige kalorienreiche Süßspeisen verzehrten und bei wöchentlich wechselndem Gastgeber alkoholische Getränke kredenzt konsumierten – jede Woche aufs Neue wissen. Schließlich „kann nur eine Germany’s Next Topmodel werden! “

Allerdings dürfte Heidi Klums allwöchentliches Mantra dem einen oder anderen berechtigterweise zum Halse heraushängen; und auch das Format sorgt, nachdem bereits die gefühlt tausendste Staffel über den Bildschirm geflimmert ist, mittlerweile für keinerlei Sensation mehr. Die Show bleibt konstant die Gleiche, bloß die Besetzung ändert sich von Mal zu Mal. Unumstößlich ist dabei die Tatsache, dass keiner der Charaktere so recht im Gedächtnis haften geblieben ist – oder wer weiß heute noch, welches Mädchen damals das Cover der deutschen Cosmopolitan geziert hat und das Gesicht der Venus-Kampagne für Damenrasierer wurde? Es schockiert mich zugegebenermaßen selbst, dass ich sämtliche, auf radikalen Produktplatzierungen basierende Details derart mechanisch herunterbeten kann, während dazugehörige Namen und Personen aus jeglicher Erinnerung wie ausradiert scheinen. Hält mich die Industrie etwa unbewusst längst fest in ihren schmierigen Griffeln? Sind meine Freunde und ich, die wir das gemeinsame Bestaunen minderjähriger Magermodels auf ProSieben zu unserem Plaisierchen haben, in den letzten Jahren zu nicht mehr als den vorbildhaften Opfern der privaten Fernsehanstalten mutiert?

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Schon große Mädchen: Keine Sorge, wir wissen längst, dass Size Zero nicht alles ist. (Foto: T.Gartner)

Da diese Kolumne jedoch die Überschrift „Schön und Schlau“ trägt, bemühe ich mich natürlich, diese provokanten Thesen tunlichst zu widerlegen. Und das sogar aus Überzeugung: Ich halte weder mich noch meinen Freundeskreis für geistig verkommen oder gar schwachsinnig genug, den präsentierten und dabei vage rekonstruierten Model-Alltag für bare Münze zu halten. Sehr wohl unterstelle ich uns dennoch einen gesunden Voyeurismus sowie ein Interesse daran, von einer deutschen TV-Produktion unterhalten zu werden, gerade zur besten Sendezeit. Unsere Erwartungen sind bislang hinsichtlich dessen auch noch nicht allzu stark enttäuscht worden: Stets suchten wir nach Dramen, Tränen und emotionalen Highlights – und fanden sie bei GNTM, verpackt in Designer-Kleidern und mehr oder minder kunstvollen Fotografien.

Niemand kann uns doch unsere Neugier am obsoleten Geschehen in der Model-Villa von Los Angeles ernstlich übel nehmen. Wir meinen es doch nicht böse. Wir wollen doch bloß ein bisschen Ablenkung von den leider oftmals allzu tragischen Tagesthemen bei den Öffentlich-Rechtlichen, einfach mal den akademischen Hirnhusten in unserer elitären Umgebung für eine Weile ausblenden und uns ganz dem Stumpfsinn hingeben – einen Status, den selbst ich als leidenschaftliche Zuschauerin von Heidi und ihren Mädchen der Sendung nicht aberkennen kann.

Ich kann lediglich für seinen Unterhaltungswert einstehen und dabei die hoffnungsfrohe Kunde verbreiten, dass die Erziehung nicht in jedem Elternhause völlig schief gelaufen ist; dass es noch Mütter gibt, die ihren Töchtern das A und O für ein glückliches Leben rechtzeitig vermittelt haben: Ein Schulabschluss ist vorerst wichtiger als ein Model-Vertrag und ein gutes Buch macht mehr her als eine gute – das bedeutet aus der Modewelt übersetzt, ausgemergelte, abgemagerte – Figur. Nichtsdestotrotz spricht nichts dagegen, sich für eben jene Mode zu interessieren und seinen Sinn für Ästhetik weiter auszuprägen – auch das hat Mama mir damals als guten Rat mit an die Hand gegeben. Jetzt, Jahre später, diskutiert sie mit mir am Telefon über ihre Favoritin aus der aktuellen Staffel und wir ziehen gemeinsam über jene her, die wir gänzlich unsympathisch finden. Ist auch ganz bestimmt nicht persönlich gemeint, liebe Mädchen, die ihr euch aus freien Stücken bei GNTM angemeldet und somit dem Hohn und dem Spott der natürlicherweise Gehässigen freiwillig ausgesetzt habt. Ihr müsst wissen, worauf ihr euch im Vorfeld eingelassen habt, denn wir wissen es längst und sind froh, in der realen Welt nicht als Lästertanten abgetan werden zu müssen – schließlich tratschen wir ja nicht über unsere Freunde oder Bekannte, sondern sind schlichtweg ein bisschen von Alltags-Langeweile getrieben und zerreißen uns die Mäuler über völlig fremde, höchstwahrscheinlich von Prosieben gescriptete Charaktere.

Und was folgt als nächstes? Es wurden bereits Stimmen laut, die sich für eine leicht abgeänderte Variante des Konzepts aussprachen: Germany’s Next Topmodel for men! Denn mal ehrlich, was könnte amüsanter sein als ein Haufen dürrer Mädchen? – Richtig, eine muskulöse Männer-Meute, wie sie sich darin übt, die neue Armbanduhr von Dolce & Gabbana mit ihrem Gesicht zu bewerben oder am Steuer schneller Schlitten abgelichtet zu werden. Mein schönen, schlauen und trotzdem mode-affinen Freunde, meine Mutter und ich blicken gespannt in die Zukunft und die Mattscheiben von morgen.

Vorschau: Bei uns folgt als nächstes Kolumnist Sascha mit einigen Gedanken über Optimismus.

Gereimtes – Nur für Frauen?

Herz und Lyrik gehören oft, aber nicht immer zusammen

Klischee: Nicht alle Lyrik muss romantisch und schmachtend sein (©Sabine Koriath/Pixelio)

Auch ich dachte lange Zeit, Lyrik sei furchtbar unmännlich. Sicher, sobald „der Mond gülden schimmert“ und „Tautropfen wie Diamanten funkeln“, dann ist das wirklich nah an der maskulinen Schmerzgrenze. Aber Gott sei Dank muss es nicht immer so überschwänglich sein.

Zugegeben, viele Gedichte sind recht feminin – was auch gut und richtig ist, denn wie langweilig wäre die Welt, wenn sie ausnahmslos männlich wäre. Und so ist es auch in Ordnung, dass es romantisch verspielte, zarte Gedichte gibt, so wie „Gefunden“ von Goethe. Genauso wie es wichtig ist, dass es zahlreiche Dichterinnen gibt, unter ihnen auch Face2Face-Kolumnistin Eva-Maria Obermann.

Wer aber deswegen meint, dass die gesamte Lyrik unmännlich sei, der irrt gewaltig. Es gibt auch Poesie, die überhaupt nichts mit Liebe und vermeintlicher „Gefühlsduselei“ zu tun hat – nicht mal im Entferntesten. Ich merke schon, dass viele skeptisch sind und deshalb ein kleines Beispiel:

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,

Aufgestanden unten aus Gewölben tief.

In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,

Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit,

Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,

Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.

Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß. […]

Dies ist der Beginn von Georg Heyms Gedicht „Der Krieg“ und ein Paradebeispiel für expressionistische Lyrik. Wer Gedichte über Romanzen und Frohlocken nur schwer verdauen kann, für den ist der Expressionismus eine wahre Fundgrube. Das Thema der Autoren dieser Epoche ist vielmehr die Auflösung, der Verfall von gesellschaftlichen Standards und der Krieg.

Wem selbst das noch nicht ernst und düster genug ist, der sollte sich an Paul Celans „Todesfuge“ heranwagen. Darin verarbeitet Celan die Gräuel des Holocaust auf eindringliche und erschütternde Art und Weise:

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends

wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts

wir trinken und trinken

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt

der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei

er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde

er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz […]

Wir sehen: Gedichte können auch anders. Das Klischee des mädchenhaften Gereimes trifft mitnichten auf die gesamte Welt der Lyrik zu.

Poesie kann durchaus „männlich“ und hart sein, auch direkt und grausam. Doch dabei behält sie dennoch eine ihrer wichtigsten Eigenschaften. Lyrik kann wie keine andere Textgattung verschiedenste Botschaften auf engstem Raum transportieren; der Wirkungsgrad eines lyrischen Textes reicht weit über den reinen Wortlaut hinaus. Wer genau hinsieht, erkennt unglaublich viele, tiefer gehende Ebenen. Ich bin hier einmal so frei und behaupte, dass kein Prosatext der Welt so kompakt sein kann wie ein Gedicht– natürlich lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Es wäre schön, wenn so mancher, der durch seine Schulzeit gelernt hat, Gedichte zu hassen, der Lyrik eine zweite Chance geben könnte. Man muss ja nicht immer jedes Wort analysieren wie in der Schule, man kann und darf Lyrik auch einfach nur genießen.

Vorschau: Ein Leben mit Schuppenflechte? Wie das geht, verrät Kolumnistin Eva nächsten Mittwoch bei Face2Face.

Selbstversuch Playbook

Es war an einem Samstag, den 13. September 2008, als die Karten zwischen Mann und Frau neu gemischt wurden. Die ProSiebenSat1-Media strahlte die erste Folge einer Serie aus, die in Amerika bereits erfolgreich lief und in Deutschland zur neuen Lieblingssendung aufsteigen sollte: How I met your Mother.

Abgesehen von den Alltags- und Liebesgeschichten der Figuren avancierte sehr schnell eine Figur aus Besetzung zum absoluten Publikumsliebling: Der stehts einen maßgeschneiderten Anzug tragende Barney Stinson. Die Figur zeichnet sich dadurch aus, dass er auf die wohl kreativste Art und Weise Frauen klarmacht. Hier hat sich die Face2Face-Redaktion gedacht, ob man zwischen der Fantasiewelt des Fernsehens und dem wahren Leben einen Bogen spannen kann.

Wie funktionieren die Anmachtricks des schillernden Helden Barney Stinson im echten Leben?

Mit freundlicher Unterstützung erhielt die Face2Face-Redaktion das Playbook vom riva-Verlag. Dieses bibelgleiche Buch führt alle Anmachtricks von Stinson auf und ermöglicht es dem Leser, laut der Aufschrift auf dem Cover, spielend leicht Mädels klarzumachen“. Um diese These zu überprüfen zu können, hieß es somit am Freitag, den 24. Mai „Suit Up“ (zu Deutsch: Anzug an).

Zuvor sollten allerdings Maßnahmen für die erfolgreiche Umsetzung der Anmachtricks getroffen werden. Zum Einen kann es nie schaden, wenn man einen Wingman (Partner zum Aufreißen von Frauen) – in meinem Fall sogar zwei – an der Seite hat und zum Anderen müssen die Tricks zuerst einmal genauesten studiert und selektiert werden. Beim Lesen des Buches fiel gleich auf, dass man für die Umsetzung der Tricks mehr als nur einen Anzug oder zumindest ein Sakko und gute Schuhe anziehen muss.

Am Beispiel des Tricks Legionär“ muss man nicht nur sich als Soldat ausgeben, sonder auch dem Militär zwangsläufig beitreten. Aus beruflichen sowie zeitlichen Konflikte verwarf ich diesen Trick ziemlich schnell. Auf Grund gesetzlicher Konflikte musste ich auch bei der Schaufensterpuppe“ passen, da es mir leider unmöglich war in ein Geschäft einzubrechen und mich als lebendig gewordene Schaufensterpuppe zeigen zu können. Man musste sich somit Tricks aussuchen, die sich durch ihre Spontanität auszeichnen und auch zu dem Probanden passen.

Die Bibel für Barney Stinson: Das Playbook (Foto: spies)

Die Bibel für Barney Stinson: Das Playbook (Foto: spies)

In Mannheim angekommen liefen die beiden Wingmen und der Proband erst einmal in eine Bar, um die Tricks noch einmal zu besprechen und die kommende Strategie festzulegen. Nach ein paar „Astras“ und dem passenden Shot Wundertüte“, ging man in eine gut besuchte Bar in Mannheim und ließ sich einfach mal Überraschen, was an diesem Abend noch so kommen mag. Am Tresen der Bar angekommen fielen gleich zwei Frauen auf, die nur auf einen Barney gewartet haben. Allerdings musste die Strategie geändert werden, da der Trick für zwei Frauen gleichzeitig gelten musste. Somit wurde Der Schriftsteller“ gespielt. Laut Buch liegt hier die Erfolgsquote bei 18 % und die Frau muss ein Buch in der Hand halten. Da das leider nicht der Fall war, holte ich mein Notizbuch heraus und ging auf die Beiden zu. Mit den Worten Ich schreibe ein Buch und deine Freundin sieht perfekt für eine der Figuren aus. Kannst du mir ein bisschen was über sie erzählen?“ sprach ich eine der beiden Frauen an. Nach einem kurzen Stutzen, bekam ich ein Lächeln und schon gingen die beiden Frauen darauf ein. Da Eis war gebrochen und der Trick funktioniert sogar. Die beiden Frauen, nennen wir sie hier Laura und Selina, plauderten ausgiebig mit mir und ich ging in meiner Rolle als Schriftsteller voll auf. Ich erzählte Ihnen von dem Buch und es gefiel den beiden. Nun wurde es ernst: Ich fragte nach Ihren Handynummern. Und da erhielt ich die erste Absage, sie gaben mir allerdings ihre E-Mail-Adressen. Naja ein Trostpreis ist schließlich auch eine Trophäe, dachte ich mir und verabschiedete mich höflich.

Nun musste ein neuer Trick her. Da meine beiden Wingmen leider unabkömmlich waren, da sich ein Kicker im selben Raum befand, musste ich mich allein als urbaner Krieger mit Sakko auf die Jagd begeben. Ich hatte gemerkt: Wenn man überzeugt an einem Trick festhielt, konnte die Illusion über das Unverständnis siegen und der Trick würde funktionieren. Es wurde also Zeit für einen Höhepunkt dieser Inszenierung und ich ging auf eine Frau zu und versuchte den Pistole auf die Brust“. Die Erfolgsquote liegt hier, laut Playbook, bei 25 %, also höher als bei dem Schriftsteller“. Ich ging also auf sie zu und fragte gezielt und bestimmt: Willst du mit mir schlafen?“. Nach einem kurzen verständnislosen Blick kam allerdings ein kurzes Nein“ das von einem kleinen aber sehr deutlichen Kopfschütteln begleitet wurde. Nun dann gehörte ich hier also auch eher zu den 75 % die mit der Bahn „Abfuhr“ in das Tal „Heute-schläfst-du-allein!“ fahren.

Nach einer kurzen Absprache mit den Wingmen, die bereits ihr siebtes Spiel in Folge gewonnen hatten, fasste ich wieder Mut und es folgte der 3. Versuch: „Der Freund von Michael“. Ich starte diesen Trick mit einer vom Buch ausgeschriebenen Erfolgsquote von 90 %. Der Schwachpunkt ist in dem Buch folgendermaßen eingetragen: Wer ist Michael?“. Die begründete Frage könnte somit auch diesen Trick scheitern lassen. Ich setze mich also neben eine neue Auserwählte und gebe mich ganz überrascht und sage brav aus dem Playbook auswendig gelernt: Mensch, das ist ja toll, dass wir uns wiedersehen! Du, sei mir nicht böse, aber ich weiß nicht mehr, wie du heißt.“ Nachdem sie mir ihren Namen verraten hat, erwidert sie, dass sie mich aber sicherlich noch nie zuvor gesehen hat. Das ist der Moment an dem ich angebe, ein Freund von Michael zu sein. Leider kam es, wie es kommen musste und sie fragt mich Von welchem Michael denn?!“. Als ich ihr sage, dass ich leider den Nachnamen vergessen habe, aber es wirklich schön ist, sie wieder zu sehen, kommt mir die Idee: Ich verbinde zwei Tricks. Ich füge also schnell noch hinterher, dass ich Schriftsteller bin und sie ideal für mein Buch ist, dass ich gerade schreibe. Ein paar Minuten später schreibt sie mir ihre Handynummer in mein Notizbuch. Die Mission ist erfüllt.

Am Ende war das abschließende Resultat zwei Handynummern, zwei E-Mail-Adressen, ein Bild von einer Lotusblüte und ein Gedicht. Es lässt sich also sagen, dass es durchaus möglich ist, die Tricks aus dem Playbook in der wahren Welt anzuwenden, allerdings sollte man doch ein gewisses schauspielerisches Talent besitzen. Der Proband verließ somit die Bar mit einem großen Grinsen und die beiden Wingmen hatten ebenfalls etwas zu feiern: Sie waren den ganzen Abend die ungeschlagenen Meister am Kicker.

Vorschau: Und nächste Woche lest ihr hier etwas über zwei junge Unternehmensgründer auf dem Weg zum Erfolg.

Der Würde beraubt – weibliche Genitalverstümmelung

150 Millionen Frauen. Täglich kommen 8000 Mädchen hinzu. Das sind drei Millionen pro Jahr. So viele Frauen und Mädchen fallen weltweit genitaler Verstümmelung zum Opfer. Vor allem in der Nordhälfte Afrikas ist der Brauch weitverbreitet – von Senegal im Westen bis Somalia im Osten. Aber auch in südlicheren Ländern Afrikas kommt es zu Verstümmelungen, ebenso wie im Nahen Osten: Jemen, Irak, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrein, Jordanien, Palästina. In Asien sind Indien, Indonesien, Malaysia und Sri Lanka betroffen. Genaue Zahlen können jedoch kaum ermittelt werden, da es nur in wenigen Ländern eine systematische Datenerfassung gibt.

Durchführung und Zeitpunkt der Beschneidung variieren in verschiedenen Regionen und Ethnien. Manche Mädchen werden bereits im Säuglingsalter beschnitten, andere zu Beginn der Pubertät. Die meisten sind zwischen vier und zwölf Jahre alt. Durchgeführt wird die Verstümmelung von speziell ausgebildeten Beschneiderinnen oder Hebammen, in wohlhabenderen Schichten auch in Krankenhäusern von Ärzten.

Auch das Ausmaß der Beschneidung ist verschieden: Die einfachste Form ist die Entfernung der Klitorisvorhaut, beziehungsweise der gesamten Klitoris. Bei einer zweiten Form werden Klitoris und Schamlippen abgeschnitten. Die wohl extremste Art der Beschneidung ist aber das Entfernen sämtlicher äußerer Genitalien und das anschließende Vernähen der Scheidenöffnung. Diese Verschließung kann mit Nadel und Faden, aber auch mit Dornen erfolgen. Danach werden den Mädchen die Beine verbunden, damit die Wunde innerhalb von vier Wochen zuwächst.

Es gibt jedoch noch drastischere Formen der Verstümmelung, wie die Menschenrechtsorganisation TARGET auf ihrer Website beschreibt: „Hierzu zählen unter anderem: Das Einritzen, Durchbohren oder Dehnen der Klitoris und/oder der Schamlippen; Ausbrennen der Klitoris und des umliegenden Gewebes; das Abschaben von Gewebe um die Scheidenöffnung herum oder Einschnitte in die Vagina (Scheide); das Einbringen von ätzenden Substanzen oder Kräutern in die Scheide, entweder um Blutungen herbeizuführen oder um die Scheide zu verengen.“

Etwa ein Drittel der Mädchen verblutet bereits während der schmerzhaften Prozedur. Den anderen bleibt ein Leben voller physischer und psychischer Schmerzen. Zum Urinieren bleibt nur eine stecknadelkopfgroße Öffnung – die Periode kann bis zu 14 Tage dauern, da das Blut nur in Tropfen abfließen kann. Auch der Geschlechtsverkehr und vor allem Geburten verursachen unsägliche Schmerzen.

Zwar wird die weibliche Beschneidung oft mit dem Islam in Verbindung gebracht und hauptsächlich in islamisch geprägten Ländern praktiziert – ihren Ursprung hat die Tradition darin aber nicht. Erste Erwähnungen genitaler Beschneidung gibt es bereits 163 vor Christus, also weit vor der Entstehung des Islams oder Christentums. Auch im Koran wird weder weibliche noch männliche Beschneidung erwähnt. Lediglich einige Hadithe – also ergänzende Überlieferungen des Propheten Mohammed – weisen auf Beschneidungen hin.

Verschiedene Lehrrichtungen des Islams  interpretieren die Überlieferungen unterschiedlich: Die einen sehen die Verstümmelung als Pflicht, andere als empfehlenswert an. Es mehren sich aber auch die Stimmen derer, die die Beschneidung als Sünde betrachten, da der Koran sowohl körperliche Unversehrtheit fordert, als auch das Recht der Frau auf sexuelle Befriedigung innerhalb der Ehe anerkennt.

Tatsächlich stammt der Brauch wohl aus dem ägyptischen Raum und fand von dort aus Verbreitung auf dem afrikanischen Kontinent. Die Tradition ist also nicht allein religiös, sondern auch kulturell bedingt. In vielen Regionen wird die Beschneidung als Initiationsritus durchgeführt, um ein Mädchen als Frau in die Gemeinschaft einzuführen. Die Verstümmelung wird jedoch zunehmend in jungen Jahren bis hin zum Säuglingsalter durchgeführt. Denn mit zunehmender Bildung und höherem Alter der Mädchen ist auch mit mehr Widerstand gegen die Prozedur zu rechnen.

Der Würde beraubt – weibliche Genitalverstümmelung

Setzt sich seit Jahren gegen die Genitalverstümmelung ein: Rüdiger Nehberg (Foto: Rüdiger Nehberg)

In vielen Kulturen gilt die Beschneidung als unbedingte Voraussetzung für eine Eheschließung. Da Frauen wirtschaftlich abhängig von den Männern sind, sehen es viele Familien als Pflicht an, ihre Töchter beschneiden zu lassen. Die Maßnahme gilt zudem als Schutz der Frauen vor sexuellen Übergriffen, als Beweis ihrer Treue und Jungfräulichkeit vor der Ehe. Auch medizinische Mythen sind immer noch  weit verbreitet: Die Klitoris könnte den Ehemann beim Geschlechtsverkehr und das Kind bei der Geburt verletzen oder gar töten. Außerdem würden die Genitalien immer weiter wuchern, wenn sie nicht beschnitten würden.

Vor allem seit den 1990er Jahren gibt es vermehrt Abschaffungsbestrebungen der Praxis durch UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche gemeinnützige Organisationen. 2006 wurde auf einer Konferenz Islam-Gelehrter ein Rechtsgutachten erstellt, dass die Beschneidung für unrechtmäßig und nicht vereinbar mit dem Islam erklärt. Durch vermehrte Aufklärung, Bildung und eine bessere wirtschaftliche und soziale Stellung der Frauen könnte vielen dieses grausame Schicksal erspart bleiben.

Jung und schwanger

Der Trend ist ungebrochen. Immer mehr Frauen bekommen in späteren Jahren Kinder, wenn überhaupt. Das Statistische Bundesamt zeigt auf, dass 2010 100 von 1000 Frauen mit 31 Jahren Mutter wurden, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 97. Der Schnitt hat sich dabei nur um eine Nachkommastelle verschoben. 30,5 Jahre ist eine Frau demnach bei der Geburt ihres Kindes, wobei Erstgebärende in der Regel 28,9 Jahre alt sind. Viele von uns sehen den Trend in den eigenen Familien. Meine Großmutter wurde mit 19 zum ersten Mal Mutter, meine Mutter dann mit 28. Hätte ich also bis 37 warten sollen?

Jung und schwanger

Zu früh? Nur wenige Frauen werden mit 20 Mutter (© Andreas-Zöllick / pixelio.de)

Habe ich nicht. Ich gehöre zu den 22 von 1000 Frauen, die mit 20 Mutter geworden sind. Damit bin ich eine gesellschaftliche Randerscheinung. Zu jung, um in den Augen vieler ernsthaft als Mutter wahrgenommen zu werden, zu alt, um als Teenie-Mama durchzugehen. Und auch jetzt, da mein Kind vier ist und ich mein zweites erwarte gehöre ich zu einer Minderheit in Sachen Geburtenstatistik. Dabei sind viele Reaktion allein deswegen weniger schlimm, da die Menschen in meiner Umgebung bereits wissen, dass ich schon ein Kind habe. Bei meinem ersten Kind war der Schock für viele groß. Für mich und meinen damaligen Freund, der heute mein Ehemann ist, allerdings nicht. Uns war klar, was passieren kann und so hatten wir nie einen „Was machen wir jetzt nur“- Moment. Wir haben uns von Anfang an gefreut.

Die Reaktionen in unserem Umfeld dagegen waren gespalten. Von Menschen, die dachten, das wäre eine totale Katastrophe, bis hin zu den Konservativen, die schon das Hochzeitsdatum festlegen wollten, gab es alles. Reaktionen, die eine „normale“ Schwangere nicht zu erwarten hat. Junge Schwangere müssen gegen einen Haufen Vorurteile ankämpfen und stehen immer in Gefahr, dass alles, was schief läuft, auf ihr Alter zurückgeführt wird. „Die ist doch selbst noch ein Kind“, heißt es da oder es gibt Aufregung, weil die Ausbildung ja noch gar nicht beendet ist. Die gesellschaftlichen Konventionen sind hier klar verteilt. Dabei bietet eine junge Mutterschaft durchaus ihre Vorteile. Jung heißt eben nicht immer gleich zu jung. Und laut der Biologie ist etwa mit 24 für eine Frau das beste Alter erreicht, um schwanger zu werden.

Mal davon abgesehen, dass allein die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden mit zunehmendem Alter immer mehr abnimmt und die Gefahr von Genfehlern dagegen steigt, gibt es weitere Vorteile, die gern unter den Teppich gekehrt werden. Sei es, dass die Großeltern des Nachwuchses selbst noch fit und agil sind und so die Möglichkeit einer guten Beziehung besteht, die für das Kind von Vorteil sind. Sei es, dass manches Verständnis von den jungen Eltern kommt, da sie ihrer eigenen Kindheit näher sind. Doch wie immer sind das situationsabhänge Vorteile. Auf der anderen Seite gibt es vieles zu bedenken. Ist die Partnerschaft beispielsweise nicht gefestigt, bricht sie dann genauso kompliziert auseinander, wie eine Ehe nach 20 Jahren. Auch die Ausbildungssituation ist natürlich ein Faktor. Als Studentin bin ich flexibel, kann wählen welche, und wie viele Kurse ich belege, und werde unterstützt, wenn beispielsweise mein Kind krank ist. Eine Ausbildung ist nicht so leicht zu unterbrechen, wie mit einem Urlaubssemester das Studium. Auch die Wiederaufnahme danach ist schwieriger. Als Studentin dagegen hat die Karriere selbst noch nicht begonnen, wird also für das Kind auch nicht unterbrochen.

Jung und schwanger

Dazu gehören zwei. Eine stabile Partnerschaft ist für ein Kind wichtig, egal ob die Mutter 20 oder 30 ist (© JMG / pixelio.de)

Dass die Meinungen hier gespalten sind, zeigt gerade, wie andere junge Menschen auf junge Schwangere, junge Mütter und junge Familien reagieren. Beliebte Aussage hier ist: „Also ist könnte mir das nicht vorstellen“. Die Angst, irgendwie in Freiheiten beschnitten zu werden ist natürlich nicht unberechtigt. Ich persönlich hatte dagegen noch nicht das Gefühl, etwas Wichtiges wegen meines Kindes verpasst zu haben. Stattdessen höre ich jeden Tag „Mama, ich hab dich ja so lieb“, worauf ich nicht verzichten wollte. Die persönliche Einstellung macht hier wie immer den Unterschied. Manche Frauen sind früh bereit, Mutter zu werden und schlüpfen dann mit Leichtigkeit in diese Rolle, andere haben auch mit 30 noch Probleme mit der Vorstellung. Das kann sich aber schnell ändern. Erst gestern haben sich mir gegenüber im Zug zwei junge Frauen um die 22 unterhalten. „Also, vor einem Jahr hab ich noch gesagt, ich könnte mir das nie vorstellen, jetzt ein Kind zu bekommen. Und jetzt denk ich, wenn ich den richtigen Mann hätte, wäre das schon schön“.

Das Problem der Diskriminierung junger Mütter liegt vor allem an der gesellschaftlichen Norm. Viele Frauen bekommen erst nach ihrem 30ten Lebensjahr ihr erstes Kind. Aber eben nicht alle. Und viele Frauen, die früh Mutter werden, sind keineswegs schlechte Mütter, sondern eben mindestens genauso fähig. Zu der persönlichen Entscheidung, wann es für ein Kind die beste Zeit ist, fällt aber die Reaktion der Umwelt als Punkt mit Sicherheit auf. In meinem Fall habe ich nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben und hatte es auch nie. Ich bin gern Mutter und ich bin gerne jung. Wer sagt, dass nicht beides geht?

Vorschau: Nächste Woche lüftet Sascha, wie sehr wir doch am Aberglaube hängen und schon kleine Rituale und Ängste unser Leben beeinflussen.

betterDate.de – das Dating-Portal mit dem Zalando-Prinzip

„Wo Frauen Männer shoppen“, mit diesem Slogan wirbt das Dating-Portal betterDate.de im Internet.
Damit soll offensichtlich gezielt eine ganz bestimmte Zielgruppe angesprochen werden: Frauen, die unter Zwang stehen, unabhängig von ihren tatsächlichen Bedürfnissen, einkaufen zu müssen – sogenannte Shopaholics. Diesmal sind damit jedoch keine Schuhe gemeint, sondern die Ware in Form von Männern. Wir leben zwar in einer emanzipierten und toleranten Gesellschaft, aber Männer im Rahmen einer potentiellen Partnerschaft als Produkte zu bezeichnen, geht deutlich zu weit! Wo ist denn da die Grenze zur Prostitution?

Die Single-Shopaholics können mithilfe der Dating-Plattform gezielt auswählen, wer zu ihnen passen könnte und wer sie kontaktieren darf. Die mittels dieses Prinzips ausgewählten Männer können dann als Produkt in den Warenkorb gelegt werden . Erste dann ist es den Männern möglich mit den Damen in Kontakt zu treten.

Frauen besitzen sie das Privileg die völlige Kontrolle über den gesamten Dating- und Kennenlern-Prozess zu haben. Dagegen hat das starke Geschlecht die wichtige Rolle als Produkt Teil der Plattform zu werden. Dies bedeutet natürlich auch: Je besser das Produkt gepflegt, beschrieben und fotografiert ist, desto mehr Interesse erregt es bei den Single-Frauen .

Wie es auf der Webseite von betterDate heißt, sollen Männer die Vorgehensweise als Chance sehen. Das Motto scheint zu lauten: Wer sich verstellt und sich statt Feinripp-Felix als Luxus-Lukas ausgibt , auf den stürzen sich die Frauen. Der Kampf beim Sommerschlussverkauf ist nichts dagegen! Also putzt euch raus, liebe Männer, und werdet zum Kassenschlager! Frauen wird es einfach gemacht: Im Shop registrieren, Kundenprofil ausfüllen und eigenes Profilbild hochladen,Produkte (= Männer) durchforsten,Lieblingsteile in den Einkaufswagen legen.

Erst dann dürfen die „Produkte“ die „Kundin“ kontaktieren. Für Männer funktioniert es ähnlich: Im Shop registrieren, Profil mit Produktdaten füllen, sogenannte „Produktfotos“ hochladen,auf die Einkaufsliste von Frauen setzen. Mit Anleitungen wie „wenn sie dich dann in ihren Einkaufswagen legen, darfst du sie kontaktieren“ gibt das Portal Verhaltens-Tipps. Auf Spontankäufe der Frauen zielen – wer sich anstrengt, wird sofort genommen und erhält die direkte Kontakterlaubnis zur potentiellen Partnerin.

Durchforstet man das Netz nach Stimmungen und zu „betterDate“, fällt die Resonanz eher gering aus, gerade einmal 460 Facebook-Anhänger verfolgen das Portal. Im Vergleich zu anderen, weitaus seriöser wirkenden Dating-Angeboten, wie beispielsweise Paarship, ist diese Anzahl sehr gering.

„betterDate“ preist ihre fragwürdige Idee als „Revolution in der Datingbranche“ an. Alles ist auf dem Prinzip shoppingsüchtiger Frauen und Klischees über diese aufgebaut. Der sensible Vorgang der Kennenlern-Phase wird einem Einkaufsbummel gleichgesetzt und büßt so seine wichtige Bedeutung zu Beginn einer Beziehung ein.

Vorschau: Am Dienstag, 13. November berichtet die Panorama-Redaktion über PC-Kurse für Senioren.

Die Freiheit zu wählen – Konfliktberatung für ungewollt Schwangere

Die Freiheit zu wählen - Konfliktberatung für ungewollt Schwangere

Nicht immer eine gute Nachricht: schwanger (© TiM Caspary/pixelio.de)

Schwanger – und dann? Wenn der Gedanke an ein Baby einem den Angstschweiß ins Gesicht treten lässt. Weil die Berufsausbildung noch lange nicht fertig ist. Weil das Geld nicht reicht um die Kinder, die schon da sind, zu versorgen. Weil mit der Geburt und der Schwangerschaft Beruf oder Beziehung elementar gefährdet werden. Viele Gründe gibt es, die ungewollt Schwangere verfolgen, wenn diese über eine entscheidende Sache nachdenken. Leben oder nicht. Kind oder Abtreibung.

Manchen Frauen ist der Gedanke an eine ungewollte Schwangerschaft so furchtbar und , oft mit ihrer momentanen Situation verbunden, sodass sie nicht wissen wohin. Die familiäre und berufliche Situation ist hier oft entscheidend. Immer wieder kommen sie zu dem Schluss, dass sie – jetzt – kein Kind wollen. Das statistische Bundesamt spricht für 2011 von 108.867 Schwangerschaftsabbrüchen. Mehr als die Hälfte der abtreibenden Frauen hatte bereits ein Kind. Die große Mehrheit der Abbrüche geschah, ohne dass es einen medizinischen oder kriminologischen Grund dafür gab. Die Gründe lagen in anderen Bereichen.

Jede Frau, die ihr Kind nicht bekommen will, denkt gut darüber nach. Ausschlaggebend ist oft, wie viel Unterstützung sie aus ihrem Umfeld bekommt. Die Entscheidung wird nicht nur im Stillen gefällt, denn vor einer Abtreibung muss jede Schwangere mehrere Beratungsgespräche führen mit amtlichen Stellen, die auf die Konfliktberatung während der Schwangerschaft eingestellt sind. Zu den Beratungsstellen in Deutschland gehört auch beispielsweise der „Pro Femina e. V.“ Auch online kann die Schwangere dort erste Informationen erfragen und Termine ausmachen. Mit dem „Projekt 1000plus“ hat „Pro Femina e.V.“ ein Netzwerk geschaffen, in dem mehrere Beratungsstellen zusammenarbeiten, um mehr Frauen in Konfliktsituationen beistehen zu können.

Die Freiheit zu wählen - Konfliktberatung für ungewollt Schwangere

Freie Wahl? Sich für das Kind zu entscheiden ist nicht immer leicht (© Bettina-Stolze/poxelio.de)

Ziel der Beratung ist es natürlich nicht, die Schwangere zum Abbruch zu bewegen. Wer aber meint, dort würden Frauen zur Schwangerschaft und Geburt regelrecht überredet und gezwungen, ist genauso auf dem Holzweg. Zwar verbuchen diese Beratungsstellen es als Erfolg, wenn eine Schwangere ihr Kind nicht abtreiben lässt, sie drängen es ihr aber nicht auf. „1000plus heißt 1000 und mehr Schwangeren helfen, um ihnen in ihrer Not eine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu bieten“, schreibt die Organisation auf ihrer Internetseite. Perspektive heißt in diesem Moment, Möglichkeiten aufzeigen. Wo können Schwangere, Mütter und Familien Geld beantragen, wie können sie ihren neuen Alltag regeln. „In einem Schwangerschaftskonflikt, bei dem die Frau nur die eine „Lösung“ Abtreibung sieht, hat sie keine Freiheit. Ohne Wahl gibt es keine Freiheit. Gemeinsam an einer echten, alternativen Lösung arbeiten, schafft andere, neue Perspektiven und stellt Wahlfreiheit her“, heißt es weiter.

Ein weiterer Vorteil der Vernetzung ist der, dass die Schwangeren sich „online“ austauschen können. In verschiedenen Foren können sie sich ihre Sorgen von der Seele schreiben und bekommen Antwort von Frauen, denen es genauso geht, und von Betreuerinnen, die Lösungswege aufzeigen können. Wer sich dann dank der neuen Perspektiven für sein Kind entscheidet, wird nicht plötzlich allein gelassen. Die Beratungsstellen versuchen, die gesamte Schwangerschaft hindurch und darüber hinaus mit den Müttern Kontakt zu halten. Sie helfen bei der Wohnungssuche, organisieren größere Autos, geben Vorschüsse, wenn der Job erst mal wegfällt. Natürlich können auch diese Stellen keine Wunder vollbringen, doch sie können den Müttern helfen, die nicht prinzipiell kein Kind wollen, sondern Gründe sehen, keines bekommen zu können. Auf der Seite von „1000plus“ werden regelmäßig anonymisierte Schreiben von Frauen veröffentlicht, denen die Beratungsstelle helfen konnte und die nun glücklich mit ihrem Kind sind.

Das Thema Abtreibung ist nach wie vor ein sehr prekäres. Es wird nicht viel darüber gesprochen, kaum eine Frau erzählt, dass sie abgetrieben hat. Oft wird ein Schwangerschaftsabbruch jungen Mädchen nachgesagt, die „nicht aufgepasst haben“ oder Frauen, die „in jedes Bett hüpfen“. Die Ignoranz, dass Gründe weit über Alter und Anzahl der Sexualpartner hinaus eine Schwangere zur Verzweiflung bringen können und sie keinen anderen Ausweg sieht, ist meiner Meinung nach erschreckend. Jede Frau sollte die freie Wahl haben, darüber zu entscheiden, ob sie ihr Kind bekommt oder nicht. Das gilt für alle, die sich dagegen entscheiden und deswegen mit schiefen Blicken angesehen werden. Und es gilt für die, die äußeren Umständen trotzen müssen, um sich dafür zu entscheiden. Beratungsstellen wie „Pro Femina e.V.“ und Netzwerke wie „1000plus“ leisten für alle diese Frauen eine wichtige Arbeit. Darum ist es nur gerecht, wenn sie ab und an dafür gewürdigt werden, wie „Pro Femina e. V.“ Der Verein erhielt vor einem Jahr den Stiftungspreis der STIFTUNG „JA ZUM LEBEN“.

 Vorschau: Nächste Woche geht es hier um „Müllkultur“ und wie wir damit leben.