Rooney und ein Bier

Dass sich Pep Guardiola bereits bestens beim FC Bayern München eingewöhnt hat, brachte der 43-Jährige vor der vergangenen Partie beim FC Augsburg zum Ausdruck: „Die Bundesliga ist für uns beendet. Wir haben die Liga gewonnen“, machte der Spanier, nicht ohne die scheinbar nötige Bayern-Arroganz, deutlich, dass es für den Rekordmeister nur noch zwei Prioritäten gibt: Die Champions League und den DFB Pokal. 

Vor allem erst Genanntes genießt beim FCB besondere Aufmerksamkeit. Der Titelverteidiger möchte die Champions League verteidigen. Es wäre die erste Titelverteidigung seit Gründung dieses Wettbewerbes 1992. 

Guardiola weiß, dass die Bewertung seiner ersten Saison bei den Bayern überwiegend an der Königsklasse gemessen wird. Dort steht der FC Bayern momentan im Viertelfinale – genauer gesagt im Viertelfinal-Rückspiel. Gegner ist Manchester United. Der Rekordchampion von der Insel steckt im heimischen Ligaalltag in der Krise, wird sich nächste Saison wahrscheinlich nicht für die Champions League qualifizieren können. Dennoch zeigt United, dass es international mithalten kann. Im Achtelfinale egalisierte Wayne Rooney und Co. eine 0:2-Hinspielniederlage bei Panathinaikos Athen und ermauerte sich im Hinspiel gegen den FC Bayern ein beachtenswertes 1:1-Unentschieden.

Grundsätzlich stehen die Bayern vor dem heutigen Rückspiel (20.45 Uhr / Live auf ZDF) nicht unter Druck. Ein erzieltes Auswärtstor kann goldwert sein. Allerdings wissen die Münchener auch, dass solch ein 1:1-Unentschieden trügerisch sein kann. Dementsprechend wollen sie gegen die defensiv auftretenden Gäste aus Manchester auch auf Angriff spielen. FCB-Kapitän Philipp Lahm forderte deswegen auch vor der Partie: „Wir müssen die Nerven bewahren, wir wollen nicht abwarten. Wir wollen so spielen, wie wir immer spielen. Mit viel Ballbesitz, dann im richtigen Moment attackieren“, machte Lahm deutlich, in welche Richtung die Partie verlaufen soll. Einer, der bei der Umsetzung dieser Forderung nicht helfen kann ist FCB-Akteur Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldregisseur sah in Manchester nach einem vermeintlichen Foul an Wayne Rooney die Gelb-Rote Karte und ist damit für das Rückspiel gesperrt. „Nicht nur das Fehlen von Bastian Schweinsteiger belastet uns, wir haben nicht so die große Auswahl, die wir sonst haben. Am Ende der Saison braucht man jeden Spieler“, verweißt Lahm auf die momentane Verletzungsmisere des Rekordmeisters. Neben Schweinsteiger werden den Münchenern auch Javi Martinez (gesperrt), Thiago und Xherdan Shaqiri (beide verletzt) definitiv fehlen. Dafür dürfte der Rest der Meisterschaftstruppe aber gut ausgeruht in diese Begegnung gehen. Lahm Franck Ribèry und Arjen Robben bekamen von Cheftrainer Guardiola am vergangenen Wochenende gegen den FC Augsburg komplett frei. Die Stammkräfte Dante, Rafinha, Jerome Boateng, Mario Götze, Thomas Müller und David Alaba saßen nur auf der Bank.

Einer, der den Bayern besonders gefährlich werden könnte, ist der bereits angesprochenen Wayne Rooney. „Er ist sehr gefährlich, wir müssen ihn immer im Auge behalten“, warnte Dante vor dem Sturmtank. Der Einsatz des englischen Nationalspielers steht aber bis zuletzt auf der Kippe. Wenn es nach Guardiola geht, wird die United-Legende am heutigen Abend aber zu 100 Prozent in der Münchener Allianz-Arena auflaufen. „Er wird spielen, zu 100 Prozent. Große Spieler spielen in großen Spielen. Ich wette um ein großes Bier, dass er spielen wird“, sagte Guardiola und ergänzte: „Es hängt von uns ab, ob wir weiterkommen. Von Details, von unserer Leidenschaft, von unserem Willen. Das Gute ist: Wir kennen jetzt Manchester United, wir wissen jetzt, was diesen Verein auszeichnet. Wenn jeder Spieler von uns sagt, wir werden das schaffen, dann schaffen wir das.“

Bayer Leverkusen und Bayern München machen den Anfang

Erstmals seit Einführung der UEFA Fußball-Champions League stehen mit Bayer Leverkusen, dem FC Bayern München, Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 vier deutsche Mannschaften im Achtelfinale. 

Während Schalke (gegen Real Madrid) und Borussia Dortmund (gegen St. Petersburg) erst nächste Woche eingreifen, sind oder waren Bayer Leverkusen und Bayern München bereits früher gefordert. Den Anfang machten dabei die Leverkusener. Die Werkself empfing gestern Abend den französischen Meister Paris St. Germain. Was folgte, war eine Lehrstunde: Mit der klaren 0:4 (0:3)-Hinspielniederlage sind schon nach 90 Minuten alle Chancen auf das Viertelfinale verspielt. Blaise Matuidi (3.); Ibrahimovic (39./Foulelfmeter und 42.) und Yohan Cabaye (88.) erzielten vor 29.412 Zuschauer die Tore für PSG. „Wir haben mutlos und ängstlich gespielt, warum würde ich auch gerne wissen. Das war gerade in der ersten Halbzeit ein ganz schlechtes Spiel von uns“, war Leverkusen-Verteidiger Ömer Toprak nach dem Schlusspfiff sichtlich geknickt. Dabei standen die Vorzeichen bereits vor der Begegnung alles andere als gut. Nach dem überraschenden Ausscheiden im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, musste sich Leverkusen auch im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 mit 1:2 geschlagen geben. Die hohe Heimniederlage gegen Paris ist das Sahnehäuptchen einer Horror-Woche für den momentanen Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga. 

Mit dem FC Bayern München greift heute die wohl aktuell beste Fußballmannschaft der Welt in das Champions League-Achtelfinale ein. Das Los bescherte dem FCB den FC Arsenal London – die mit fünf (!) deutschen Nationalspielern (drei Herren und zwei Junioren) wohl deutscheste Mannschaft in der Premiere League. Arsenals Mittelfeldregisseur Mesut Özil drückte im Vorfeld seinen größten Respekt gegenüber den Bayern aus, wusste aber auch Superkräfte an seiner Seite. „Am Mittwochabend treten wir gegen die offiziell beste Mannschaft der Welt an. Die gute Nachricht: Hulk, Superman und Rambo sind an unserer Seite“, schrieb der 25-Jährige auf Facebook. Dazu postete Özil ein Foto, das ihn als Comic-Held Supermann zeigt, flankiert wird er darauf von seinen Mannschaftskollegen Lukas Podolski und Bacary Sagna – ebenfalls im Kostüm eines Superhelden. Münchens Kapitän Philipp Lahm analysierte im Kicker dagegen die Schwächen des heutigen Gegners: „Der FC Arsenal hat seine große Stärke in der Offensive. Gegen starke Gegner kassieren sie dann aber Tore“, erklärte Lahm. 

Neben den schon seit längerer Zeit angeschlagenen Franck Ribéry (Bluterguss am Gesäß), wird dem deutschen Rekordmeister auch Xherdan Shaqiri gegen die Gunners nicht zur Verfügung stehen. Der Mittelfeldspieler, der am vergangenen Bundesligaspieltag den SC Freiburg praktisch im Alleingang aus der Allianz-Arena schoss, fällt wegen eines Muskelfaserrisses aus. Bei den Bayern sollten angesichts ihres mit Superstars gefüllten Kaders, das Erreichen des Viertelfinales aber weiterhin im Bereich des Möglichen liegen…

Vorschau: Am 05.03.2014 erscheint eine Vorschau über das Fußball-Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Chile in Stuttgart.