Der Mannheimer „Nachtkonsum“ hinter dem Verkaufstisch – ein Perspektivenwechsel

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Ist bereit, leer gekauft zu werden: Unser Verkaufstisch auf dem Nachtflohmarkt. (Quelle: Betz)

Nachdem ich von meinem letzten Besuch der Flohmarktreihe „Nachtkonstum“, ein Bericht darüber ist in diesem Artikel zu lesen, so begeistert war und gleichzeitig feststellen musste, dass sich nach meinem dreimonatigen Praktikums-Aufenthalt in Köln immer noch zahlreiche Kleidungsstücke in meinem Schrank in der Heimat befinden, die ich weder in dieser Zeit noch in den gefühlten drei Jahren dafür vermisst habe, war für mich klar: Der Nachtflohmarkt mit dem jungen Publikum und den Morgenmuffel freundlichen Ausstellungszeiten ist genau der richtige Ort, mal ein bisschen Platz im Kleiderschrank zu schaffen und gleichzeitig noch ein bisschen Geld zu verdienen.                                         Nachdem ich bisher nur als Besucherin auf Flohmärkten anzutreffen war, freute ich mich ganz be­sonders auf diesen Perspektivenwechsel, um den „Nachtkonsum“ mal von der anderen Seite des Verkaufstisches kennen zu lernen.

Ein kurzer Blick auf die Internetseite der Ver- anstaltung – ja, inzwischen hat sogar ein Flohmarkt eine eigene Internetseite ! – verrät mir den nächsten Termin in Mannheim. Gemeinsam mit einer Freundin bestelle ich mir bequem über das Onlineportal drei Standmeter zu je 10 Euro.

Am 10. Januar ist es dann soweit: Nachdem ich Tage vorher damit beschäftigt war, sämtliche Kleider nochmal zu waschen und ordentlich zusammen zu legen, geht es nun mit mehreren Umzugskisten, Wäschekörben, Tapeziertischen, einer Kleiderstange und meiner besten Freundin im Gepäck ab nach Mannheim. Durch das vollbepackte Auto wird bereits die Hinreise zum Erlebnis: Die Sitze bis ganz nach vorne geklappt sehen wir eher aus wie eine Großfamilie auf dem Weg in den Camping-Urlaub, aber es hat sich nun mal einiges angesammelt… Und das möchte nun weg!

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„Das Auge kauft mit“ : Alle Accesoires sind schön ausgestellt. (Foto: Betz)

In der Halle im Luisenpark in Mannheim angekommen, bekommen wir unseren Standplatz zuge­wiesen und müssen direkt feststellen: Der Platz reicht niemals! Nachdem also noch kurzerhand ein Meter mehr zugekauft wurden, ein Glück, dass das noch möglich war, bauten wir Tische und Klei­derstange auf und drapierten unsere zahlreichen Schals, Schuhe, Accesoires, Kleider, Jacken, Tops und vieles Mehr so ansehnlich wie möglich. Obwohl wir bereits um 15 Uhr angereist sind, schaffen wir es mit Anstehen vor der Halle und Aufbauen tatsächlich gerade so noch pünktlich zum „Start­schuss! Um 17 Uhr mit unserem Verkaufsstand fertig zu werden. Da unser Tisch am anderen Ende der Halle zu finden war, ließ der große Ansturm zwar zunächst auf sich warten, aber letzten Endes hatten wir doch die meiste Zeit alle Hände voll zu tun.

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Taschen, Schals, Kleider und mehr: Auf dem Nachtflohmarkt gibt es das ein oder andere Schnäppchen zu entdecken. Diesmal auch an unserem Verkaufsstand! (Foto: Betz)

Am Ende des Tages, beziehungsweise des Abends, können wir auf einen anstrengenden, aber durch­aus zufriedenstellenden Tag zurück blicken. Es wurde gefeilscht und verhandelt was das Zeug hält und am Ende waren es für beide von uns circa 150 Euro. Nachdem wir am Anfang noch etwas stott­rig und zurückhaltend waren, hatten wir spätestens gegen Ende das Marktschreier-Gen in uns ent­deckt und konnten so besonders zum Schluss noch einige Teile loswerden. Einige Nachfragen bei weiteren Verkäufern zeigt, dass wir mit diesem Betrag im ordentlichen Durchschnitt liegen. Es geht aber auch deutlich mehr! Eine besonders engagierte Trödlerin ist beinahe ihre kompletten Klei­dungsstücke losgeworden und fährt statt vollbepackter Kisten nun mit einem prallgefüllten Geld­beutel – 400 Euro – nach Hause. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, und habe bei un­seren Stand-Nachbarinnen selbst noch ein bisschen zugeschlagen: Ein Pailetten-Pullover, ein weinroter Spitzenrock und ein schwarzes Spitzenkleid wechselten ihren Platz dann doch auch wieder in meinen Kleiderschrank. Alles in allem war es ein erfolgreicher Tag und ich bin sicher, wir werden nicht das letzte Mal die Seiten des Verkaufstisches gewechselt haben!

Vorschau: Nächste Woche erscheint hier ein Porträt über einen Kölner Maler – Mit dem Pinsel zur Perfektion!

Der „Nachtkonsum“ – Ein Ortsbericht über einen nächtlichen Flohmarkt mit Musik, Getränken und vielen tollen Schnäppchen

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Stöbern, und das egal bei welchem Wetter: Der Flohmarkt „Nachtkonsum“ macht es dank überdachter Lagerhalle möglich! (Quelle: Privat)

Durch die Gassen der Flohmarkttische zu schlendern, ein altes Schätzchen aus der Wühlkiste hervor zu zaubern und das ein oder andere Schnäppchen ergattern. Soviel steht fest: Ein Flohmarkt ist für alle Nostalgie-Liebhaber, Schnäppchenjäger und co. immer einen Besuch wert. Aber am Wochenende den wohlverdienten Schlaf schon in aller Frühe beenden, um noch an die besten Teile zu geraten? Und dann noch bei diesen aktuellen winterlichen Temperaturen im Halbdunkel auf dem Marktplatz zu frieren? Das sind die eher weniger erfreulichen Nachteile eines Flohmarktes – zumindest zur jetzigen Jahreszeit! Gut, dass es für dieses Problem eine einfache Lösung gibt: Der Flohmarkt „Nachtkonsum“.

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Egal ob Jeans, Kleider, Schmuck und mehr: Bei dieser Auswahl ist für jeden Geschmack das Richtige dabei! (Quelle: privat)

Das Konzept ist einfach und erklärt sich bereits durch den Namen: Beginn des Trödelmarktes der etwas anderen Art ist erst um 17 Uhr, wenn es bereits zu dämmern beginnt. Das ist allerdings kein Problem, denn im Gegensatz zu einem „gewöhnlichen“ Flohmarkt findet dieser in einer Lagerhalle statt, wo man sich dank des elektrischen Lichts auch nach Einbruch der Dunkelheit in aller Seelenruhe umsehen kann. Aussteller sowie Besucher haben somit die Möglichkeit, im Trockenen und Warmen nach Herzenslust zu Stöbern. Eine Stärkung für zwischendurch ist auch kein Problem, dafür gibt es Getränke und Snacks zu kaufen. Und als ob das nicht schon genug wäre, spielen auch über den Abend verteilt verschiedene Live-Bands, die dazu einladen, aus einem Flohmarktbesuch ein ganz besonderes Erlebnis werden zu lassen!
„Das klingt doch alles gar nicht mal so schlecht!“ denkt ihr euch? Genau diesen Gedanken hatte auch Face2Face-Autorin Vanessa Betz und stattete diesem besonderen Flohmarkt mal einen Besuch ab, um sich selbst von dem Konzept zu überzeugen.

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Zaubert eine ganz besondere Atmosphäre: Live-Musik auf dem Flohmarkt! (Quelle: privat)

Zunächst sei zu erwähnen, dass es sich bei dem „Nachtkonsum“ um eine Veranstaltungsreihe handelt, die neben Mannheim auch in Köln und München läuft. Ich persönlich befand mich zum Zeitpunkt des letzten Flohmarktes in Köln und mein Bericht bezieht sich daher auch auf diese Location. Laut Veranstalter sind die anderen Orte aber ungefähr gleich aufgebaut.

Ich erreiche das weiträumige Gelände um 19.30 Uhr, als es bereits völlig dunkel ist. Nachdem ich mich an der – für einen Flohmarkt doch recht langen – Schlange an der Kasse angestellt und meine 3 Euro Eintritt bezahlt habe, komme ich in eine gut beheizte Lagerhalle. Dort erwarten mich zwei Etagen voller Stöbermöglichkeiten. Durch sein eher an die Bedürfnisse der jüngeren Generation angepasstes Konzept tummeln sich viele junge Leute vor und hinter den Verkaufsständen. Dies hat zur Folge, dass auch das Angebot genau meinen Geschmack trifft. Und die Ausbeute kann sich sehen lassen: Nach gut zweieinhalb Stunden später habe ich eine Hose, zwei Partykleidern, ein paar Schuhe, zwei paar Ohrringe, ein paar Armreifen, zwei dicke Winterpullover, ein Langarmshirt und ein luftiges Sommertop ergattern können – und das gerade mal für einen sagenhaften Schnäppchen-Preis von 24€!

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Lädt neben dem Bummeln auch zum Verweilen ein: Die vielen Sitzmöglichkeiten inklusive Essen, Trinken und Live-Musik. (Quelle:privat)

Sehr zufrieden mit meinen tollen Angeboten gönnte ich mir anschließend noch einen Glühpunsch und habe auf einem der Sofas, mit vielen weiteren begeisterten Besuchern, der Band zugehört, die aktuell gespielt hat. Als ich die Lagerhalle mit einem guten Gefühl verlasse, beginnen die jungen Bandmitglieder sich gerade für den einzigartigen Abend zu bedanken. Und da kann ich mich nur anschließen! Vielen Dank, liebe Veranstalter, für diesen schönen Flohmarkt-Besuch 🙂

Wenn ihr neugierig geworden seid: Am Samstag, den 10. Januar findet der „Nachtkonsum“ in Mannheim in der Baumhainhalle im Luisenpark statt. Eine Freundin und ich werden ebenfalls mit einem Stand vertreten sein. Über mein erstes Flohmarkt-Erlebnis als Ausstellerin – und welchen Erfolg das Ganze hattet – werdet Ihr hier nächsten Monat lesen. Ich bin selbst schon sehr gespannt!

Nur was für Hipster? – So’n Quatsch!

Upcycling ist das neue Vegetarisch. Wo es früher noch als Seltenheit galt, ist es heute schon normal. In Bars und Restaurants findet man fast überall vegetarische oder gar vegane Gerichte. Es wurde überwiegend zum Trend.

Genauso ist es mit dem Upcycling. Hierbei werden Abfallprodukte oder nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Diese Methode existiert nicht erst seit gestern, das ist klar, aber es scheint, als würde es immer mehr in Mode kommen. Wer auf maschinell angefertigte Massenware von Modehäusern wie zum Beispiel H&M oder Zara verzichten will, der legt jetzt selbst Hand an. Die Marke Myboshi beispielsweise verkauft Mützen zum Selberhäkeln. In einer Box befinden sich mehrere Wollknäul und eine Anleitung, Muster und Farben kann jeder selbst auswählen und im Nu hat man sich seine ganz eigene modische Beanie geschaffen.

Oftmals sind viele Sachen, die wir einfach nicht mehr haben wollen, eigentlich viel zu schade, um sie zu entsorgen. Mit ein wenig Kreativität und Geschick lassen sich die interessantesten und witzigsten Dinge herstellen. Aus alten goldenen Gabeln, die man übrigens oft auf Flohmärkten oder bei Oma finden kann, werden zum Beispiel Kleiderhaken geformt. Wer ein bisschen Witz einbringen möchte, der biegt die Zinken der Gabel zu einer Corna, also der typischen Handgeste eines Rockers, oder zu einem Peace-Zeichen. Derjenige, der gerade zuhause leere Getränkekisten rumstehen hat, kann zwei aufeinander befestigen, eine antik wirkende Holzplatte  darauf montieren, und schon besitzt er einen der wohl coolsten Barhocker für feuchtfröhliche Abende in der WG. Mit Raffinesse kann der schnieke Barhocker auch lässig als Nacht- oder Abstelltisch verwendet werden. So lassen sich die eigenen vier Wände ganz individuell gestalten. Wer jetzt denkt, dieser alternative Kram sei nur was für die Generation Hipster, der liegt falsch.

Denn mit der Methode wird nicht nur Geschick und Fantasie bewiesen, sondern auch nebenbei unnötiger Müll verhindert, Altes neu aufgewertet und bei einem möglichen Flohmarktkauf sogar auch eine gewisse Wohltätigkeit vollbracht.

In manchen Städten wie zum Beispiel Berlin, Bonn, Frankfurt oder München, aber bislang vor allem in kleineren Städten, gibt sie es schon, die sogenannten Näh-Cafés. Wer nicht alleine zuhause vor der Nähmaschine sitzen will, der kann es sich dort gemütlich machen und nebenher seinem Hobby nachgehen. Aber ist das nicht spießig mit dem Nähen? Nein, ganz im Gegenteil. Immer mehr Leute, unter anderem auch viele junge, kommen in solche Cafés, um sich mitunter dem stressigen Alltag zu entziehen oder im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Nähkästchen plaudern zu können. Eine Besonderheit dieser Cafés ist es, dass oft Nähmaschinen zur Verfügung gestellt und manchmal sogar auch Kurse angeboten werden. Wegen ihrer meist individuellen Einrichtung bekommen die Cafés erst so richtig ihren ganz eigenen Charme. Vermutlich stammen auch hier viele Möbel von Flohmärkten, frei nach dem Motto: Aus alt mach neu.

Fakt ist, es scheine so, als ob die Gesellschaft sich langsam wieder ein wenig dem Massenkonsum entzieht und Wert darauf legt, selbstgemachte, individuelle Kleidung zu tragen, Altem neuen Wert zu geben indem es aufgewertet wird und gemeinnützige Veranstaltungen wie Flohmärkte zu besuchen.

Ziemlich sozial, das Upcycling, oder?!

Es muss nicht immer neu sein

Neulich war ich auf der Suche nach einem Städteführer für meine anstehende Romreise. Also eines dieser kleinen, handlichen Büchlein, das über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und „Geheimtipps“ einer Stadt informiert und hilft, sich zügig zurechtzufinden.

Ein Stapel neuer Bücher ist teuer und belastet die Umwelt.

Lesestoff: Wer viel liest, der kann mit gebrauchten Büchern Geld sparen und die Umwelt schonen. (Foto: T. Gartner)

Deshalb habe ich im Online-Shop meiner Wahl ein wenig gestöbert und nach kurzer Zeit hatte ich auch schon ein passendes Buch gefunden. Im Angebot: sowohl der neue Artikel, als auch eine gebrauchte Ausgabe.

Besonders auffällig war, dass der gebrauchte Reiseführer satte 50 Prozent günstiger zu haben war als das neue Exemplar. Das nenne ich mal ein Schnäppchen! Ich brauche das Büchlein ja ohnehin nur einmal, nach meinem Ausflug nach Rom wird es sowieso im Bücherregal einstauben. Insofern war die Entscheidung für das gebrauchte Buch schnell getroffen.

Sicher, ich habe mir damit ordentlich Geld sparen können. Aber das ist nicht der einzige Vorteil, sobald man zur gebrauchten Ware greift, auch wenn der monetäre Aspekt der wohl offensichtlichste und angenehmste sein mag.

Auch der gebrauchte Artikel tut noch seinen Dienst, es muss nicht immer alles nigelnagelneu sein. Vor allem, wenn es um Bücher geht, ist der Qualitätsunterschied zwischen neu und gebraucht marginal. Meistens sind die „gebrauchten“ Ausgaben sogenannte Mängelexemplare, die eigentlich druckfrisch sind, aber wegen eines kleinen Kratzers oder eines minimalen Streifens aus Druckerschwärze auf der Außenseite nicht mehr zum Normalpreis verkauft werden können. Selbst Angebote aus privater Hand sind in der Regel qualitativ nicht wirklich schlechter als die Ausgabe, die direkt aus der Druckerpresse kommt – ich persönlich kann bisher nur Gutes berichten.

Und insbesondere bei Büchern macht es einen großen Unterschied, ob sie weggeworfen werden oder nicht. Jedes gedruckte Buch belastet die Umwelt, weil Papier nun mal aus Holz hergestellt wird und das heißt, dass wir für Bücher Bäume fällen müssen. Und auch ein Buch, das im Keller verrottet, kann ökologisch sinnvoller genutzt werden, indem es eben nicht verstaubt, sondern durch Weiterverkauf die Produktion eines neuen Buches ersetzt. Wer gebrauchte Ware kauft, der reduziert die Menge an Müll, der trägt aktiv zum Erhalt der Umwelt bei.

Auf dem Flohmarkt gibt es vieles zu finden und entdecken.

Fundgrube: Auf einem Flohmarkt findet sich so manches gebrauchte Stück, das noch gut zu verwenden ist. (© Susanne Schmich/Pixelio.de)

Wer jetzt meint, dass der Handel mit Gebrauchtware nur eine neue, kurzlebige Modeerscheinung des vernetzten Zeitalters ist, bei der auf Auktionsplattformen und „Marketplaces“ geboten und gekauft wird, dem sei gesagt, dass die Idee mitnichten neu ist. Bereits als kleiner Junge – zu Zeiten vor dem Internet-Boom – besuchte ich mit meinen Eltern öfters mal Flohmärkte, Tauschbörsen und den guten alten Second-Hand-Laden. Letzterer ist nicht als Synonym für sozialen Abstieg zu verstehen, sondern vielmehr als eine Art Recycling-Stelle für „alte“ Ware, die noch zu gebrauchen ist.

Egal, ob ich nun in einen realen Second-Hand-Laden gehe oder eine Online-Plattform mit gebrauchten Artikeln besuche – die Idee dahinter ist die gleiche: Anstatt im Überfluss und Übermaß immer neue Produkte zu konsumieren, werden lieber gebrauchte Artikel gehandelt, die noch völlig in Ordnung sind. Und das zu einem günstigeren Preis als Neuware.

Da lacht der Geldbeutel und gleichzeitig ist es ein einfacher Beitrag zur Entlastung der Umwelt und zur Nachhaltigkeit. Also ich werde auch das nächste Mal genau hinsehen und zum gebrauchten Artikel greifen.

Vorschau: Ist es gut sein einjähriges Kind bereits in den Kindergarten zu schicken? Wen ein ähnliches Problem quält, der sollte die nächste Kolumne nicht verpassen – dort wird Eva Antworten auf diese Frage suchen.

Kämpfe stilvoll gegen Verschwendung!

Eingängig ist dieser Slogan, das muss man den Erfindern von „kleiderkreisel.de“, DER Flohmarkt-und Tausch-Plattform im Internet, einfach lassen. Doch Kleiderkreisel ist noch mehr als das: Mal als perfekter Ort für einen ausgelassenen Plausch, mal als Selbstdarstellungsstätte in reinster Form und mal als erste Anlaufstelle für Schnäppchenjäger, kommt die Webseite verdammt vielseitig daher.

Begonnen hat alles mit Sophie, Susanne und Martin, drei jungen Kreativen, und einer Osteuropareise. Ausgerechnet hier, – im littauischen Vilnius – lernten sie mit ihrem Gastgeber auch das innovative Sharing-Konzept kennen, das als Pilot-Projekt in Litauen bereits erfolgreich angelaufen war. In Deutschland geriet die Umsetzung, mit freundlicher Unterstützung aus Litauen, schnell in Gang. Die Werbetrommel wurde auf allen möglichen Social-Media-Wegen gerührt und erregte so rasend schnell die Aufmerksamkeit einiger einflussreicher Mode-Blogger. Das alles war in 2008. Heute zählt das Portal stündlich wachsende Mitgliederzahlen und virtuelle Kleiderkataloge wie Sand am Meer.

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Mal wieder richtig ausmisten: Dank kleiderkreisel kein Problem mehr. (Foto: T.Gartner)

Mich hat vor rund drei Jahren eine Freundin auf den Geschmack gebracht. Auf die altbewährte Methode der Mund-zu-Mundpropaganda scheint also selbst heute, im medialen Zeitalter, noch Verlass zu sein. Die Funktionsweise von kleiderkreisel ist zudem schnell erklärt: Wenn du auf der Suche nach einer neuen modischen Errungenschaft bist, gibst du sie ins Suchfeld ein und filterst die Kriterien für ein präziseres Ergebnis gegebenenfalls noch mithilfe der Suchmaske. So kannst du beispielsweise nach Waren, beziehungsweise nach Mitgliedern, fahnden, die ausschließlich aus deiner Stadt stammen.Im Allgemeinen genügt jedoch ein einziges Stichwort mit Größenangabe, etwa „Jeanskleid 36“, um fündig zu werden. Ähnlich unkompliziert gestaltet sich das Anbieten eigener Artikel. Das einzig Umständliche daran ist, wenn davon überhaupt die Rede sein kann, das Fotografieren seiner Kleidungsstücke, die natürlich möglichst clever in Szene gesetzt werden sollen. Oder, um es in den Worten des „Kleiderkreisel-Kommandos“ auszudrücken: Niemand will wissen, wie eure Kleider auf dem Sofa aussehen.

Da heißt es also anziehen, posieren, Bildperspektiven ausprobieren. Wer es gut machen will, braucht dafür schonmal ein Weilchen – oder eine Mutter, die gezwungenermaßen als Modell für eure jugendsündigen Outfits herhalten muss. Nur gut, dass man das missmutige Gesicht dank Photoshop nachträglich herausschneiden kann.

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Schon als Knirps stylish wie die Großen: Pendant Mamikreisel macht’s möglich.  (Foto:  Pressefoto mamikreisel.de)

Hat man also den Grundaufbau der Plattform durchdrungen, können im nächsten Schritt die Randfunktionen genauer betrachtet werden. Die wohl Wichtigste dürfte dabei das Forum sein. Dieses ist nicht nur ziemlich stark frequentiert, sondern weist auch eine Themenvielfalt auf, wie man sie sonst höchstens auf gutefrage.net oder bild.de erlebt. Bedauerlicherweise schaffen es viele thread interne Diskussionen inhaltlich häufig auch nicht über BILD-Niveau hinaus: Von „Hilfe, ich bin verliebt in meine Freundin!“ über „Welchem Star sehe ich ähnlich?“ bis hin zu „Glaubt ihr auch an Außerirdische?“ tun sich im nach Themengebieten sortierten Kleiderkreisel-Forum schon mal so einige Abgründe auf. Bleibt nur zu hoffen, einiges davon wurde mit einem intendierten Augenzwinkern verfasst.

Nichtsdestotrotz lassen sich zwischen vielen Beiträgen mit wenig Sinn auch hilfreiche Threads entdecken. So tauschen sich die KreislerInnen, wie sie sich intern nennen, nicht selten über die richtige Haarpflege oder etwaige modische Kniffe aus. Bisweilen geben die Damen und Herren, welche nicht nur innerhalb des Forums, sondern auch auf ihren persönlichen Blogs schwer aktiv zu sein scheinen, einander auch Tipps, die eine höhere Besucheranzahl für das eigene Weblog versprechen – natürlich darf dabei der Link zum Verfasser-Blog nicht fehlen.

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Kleines Logo, große Bedeutung: Das Portal ist für viele eine soziale Konsumalternative geworden. (Foto: Pressefoto kleiderkreisel.de)

Schenkt man den Stimmen aus den Erfahrungsberichten Glauben, so liegt das entscheidende Manko von Kleiderkreisel genau dort, wo auch sein Vorzug liegt, nämlich bei der Art und Weise, wie Geschäfte gemacht werden.
Die Kauf-und-Tausch-Plattform rühmt sich zurecht damit, keinerlei Gebühren zu verlangen, weder für die Anmeldung noch für die Kaufabwicklung. Kosten, für den Verkäufer inform von Versand und für den Käufer eben als Kaufpreis, entstehen lediglich im Falle eines abgeschlossenen „Kaufvertrags“ – einer, der streng genommen gar nicht existiert. Beide Seiten verlassen sich gutgläubig auf die Einhaltung der im E-Mail-Verkehr festgelegten, wenn nicht sogar von vorneherein im Nutzerprofil angegebenen Bestimmungen. Dazu zählen neben Versand-und Zahlungsart auch Fragen nach Reservierungsdauer bestimmter Artikel und eben allerhand Regeln, die jedem auf den ersten Blick furchtbar kleinkariert vorkommen dürften. In Wahrheit sind diese jedoch nötig, um dem worst case vorzubeugen: Einem Betrug – zugleich leider ein alltägliches Phänomen auf Kleiderkreisel. Betrüger sind alle, die kassieren, ohne zu versenden; schwarze Schafe, die Ware als neuwertig anbieten, welche sich schlussendlich als abgetragen und nach Schweiß miefend herausstellt.

Da sich Betrüger leider erst im Nachhinein als solche entlarven, ist für Jungs und Mädels auch bei ernstzunehmendem Tausch-Rausch Vorsicht geboten. Auf Nummer sicher geht man, indem man die bisherigen Bewertungen der potentiellen Verkäufer genauer unter die Lupe nimmt. Das mag gegenüber neuen, noch bewertungslosen Nutzern ungerecht sein, ist jedoch die einzige Methode, sich der Verlässlichkeit des Verkäufers zu vergewissern. Ist man doch einmal in die Falle getappt, so gibt es immerhin noch das Kleiderkreisel-Kommando, bestehend aus einer handvoll Administratoren, die sich um das Problem zu kümmern versprechen und dies auch zuverlässig tun – mit mal mehr, mal weniger zufriedenstellendem Erfolg. Fälle, in denen selbst ein noch so ausgebildetes Spezialeinsatzkommando nichts mehr ausrichten kann, finden wir bei sogenannten „Rachebewertungen“ vor. Diese werden typischerweise als Racheakt auf eine ebenfalls recht miese Bewertung vom Gegenüber verfasst und kommen meist Schimpftiraden voller unflätiger Ausdrücke gleich.

Spätestens hier dürfte klar geworden sein, welche Zielgruppe Kleiderkreisel bis heute vorwiegend anspricht.

Vorschau:  Beim nächsten Mal gibt es an dieser Stelle nichts geringeres zu sehen als das Lookbook für den Sommer.

Der Mannheimer Krempelmarkt- der größte Kultflohmarkt der Region

Wenn sich an einem Samstagmorgen ungewöhnlich viele Studenten schon in den frühen Morgenstunden aus dem Bett quälen, auf dem neuen Messplatz kein freier Parkplatz mehr zu bekommen ist, und Menschen mit einem Tisch, Fernseher oder Sessel unter dem Arm herum wuseln, dann ist es wieder soweit: es ist Mannheimer Krempelmarkt!

Der Mannheimer Krempelmarkt- der größte Kultflohmarkt der Region

Für jede Wetterlage gerüstet: die erfahrenen Aussteller des Krempelmarktes (Foto: Betz)

An diesen Tagen herrscht ein ganz besonderes Flair auf dem neuen Messplatz. Bereits nachts um zwei Uhr sind die ersten Aussteller auf den Beinen, um sich die besten Plätze für ihre Verkaufsstände zu sichern, „denn um vier Uhr morgens ist hier schon die Hölle los“, berichtet Karl Schwenkel, einer der Frühaufsteher.

Wenn dann um sieben Uhr morgens die ersten Besucher über den Platz schlendern, liegt die freudige Erwartung auf ein kleines Schnäppchen, eine verborgene Kostbarkeit und die Kunst des Verhandelns spürbar in der Luft. Auch die 67-jährige Rentnerin Hannelore Herzig kann dies bestätigen. Sie ist seit mehr als 20 Jahren als Verkäuferin auf dem Krempelmarkt tätig..

So wie viele andere Aussteller weiß sie besonders die geringen Standgebühren, die sich bei drei Euro pro Meter, oder wenn man es in den Einheiten des Flohmarktes ausdrücken möchte, pro Tapeziertisch, deutlich von anderen Flohmärkten abheben, zu schätzen.

Aber nicht nur die niedrigen Preise locken immer wieder auf’s Neue bis zu 300 Aussteller an. „Hier herrscht einfach eine ganz besondere Atmosphäre, alle sind nett, niemand nimmt das allzu ernst, es macht einfach immer wieder einen Rießenspaß. Wenn man einmal dabei ist, kann man nicht mehr aufhören“, erzählt Ulla Müller, die langjährige Standnachbarin von Frau Herzig.

Neben den „Stammausstellern“ sind auch immer wieder neue Leute dabei, die ihren „Krempel“ loswerden und dabei ein bisschen Geld verdienen wollen. So auch die drei 19-21 jährigen Erstausstellerinnen Isabell (19), Larissa (21) und Monika (21). Sie haben zwei Tische voller Kleidungsstücke, die sie nicht mehr brauchen. Mit dem Verkauf wollen sie ihren gemeinsamen Sommerurlaub finanzieren. Auf der anderen Seite des Marktstandes freut sich im Gegenzug eine junge Frau über den Gürtel, den sie zu einem Schnäppchenpreis von zwei Euro ergattert hat.

Hier gehen einfach alle mit dem Gefühl nach Hause, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, wodurch sich auch die durchweg entspannte und positive Stimmung auf dem gesamten Markt erklären lässt. Ringsum sieht man hier die unterschiedlichsten Menschen, die sich alle gut verstehen, miteinander lachen, handeln und erzählen.

Die Chance, Teil dieser ganz besonderen Gemeinschaft zu sein, haben interessierte Käufer und Verkäufer sieben Mal verteilt über das ganze Jahr, wobei jede Jahreszeit ihren besonderen Charakter hat.

Ob man nun Ende November in warme Kleidung eingemummelt, mit einer Thermoskanne heißen Teees ausgestattet, auf die Suche nach originellen und ausgefallenen Geschenken für die Liebsten geht, nach schönem günstigen Weihnachtsschmuck für die Studentenbude Ausschau hält oder doch lieber bis Mitte April wartet, um bei den ersten Sonnenstrahlen des Jahres nach einem neuen Fahrrad, Inlinern oder einem Skateboard zu stöbern, auf dem Krempelmarkt ist für jeden etwas dabei. Unmengen von Brettspielen, Puppen, Spielzeugautos für die Kleinen, Wohnaccessoires, die vom Kronleuchter bis zur Couchgarnitur reichen, unzählige DVD’s, Kameras und Videospiele für die Technikbegeisterten oder Bücher, Figuren und vieles mehr für die Sammler unter den Kremplern. „Egal ob man etwas Bestimmtes sucht, oder einfach nur mal so drüberschaut, hier findet man wirklich immer etwas Schönes“, schwärmt die 34-jährige Grundschullehrerin und Mutter Birgit Herzelberger.

Der Mannheimer Krempelmarkt- der größte Kultflohmarkt der Region

Von Brettspielen über Kleidungsstücke bis hin zu Elektrogeräten: das Angebot auf dem Krempelmarkt ist groß (Foto: Betz)

Damit man für das Suchen, Finden und Stöbern auch genügend Kraft hat, ist selbstverständlich auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt: Ob man nun sich nun lieber am Bratwurst- oder dem klassischen Brezelstand auf dem Krempelmarkt stärkt, bleibt jedem selbst überlassen. Fest steht allerdings, dass alle Einnahmen, die auf diese Weise entstehen, auf direktem Wege in die unterschiedlichsten Projekte i n der Rhein-Neckar Region fließen. Denn die Veranstalter des Krempelmarktes, der Verein „Freiraum e.V.“ legt großen Wert darauf, keinen Profit aus der Organisation zu schlagen. Daher betonen sie auch immer wieder, dass auch die ohnehin schon sehr gering gehaltene Standgebühr nur dazu gedacht ist, die anfallenden Kosten zu decken. Auf diese Weise sind nun seit 1970 schon über 300 000 Euro in die verschiedensten Projekte im kulturellen, sozialen und ökologischen Bereich investiert worden, erzählt Frank Gärtner, einer der Organisatoren des Krempelmarktes..

 Info:

Der nächste Krempelmarkt findet am Samstag, 16. Juni statt.

Vorschau: Nächste Woche wird an dieser Stelle ein Artikel über Kultur während der EM abseits des Fußballs stehen.

Preview: Juni 2012

Vielseitigkeit – wirft man einen Blick auf die Themen des vergangenen Monats, so scheint das das Thema der Face2Face-Redaktion gewesen zu sein: Die Moderedaktion startete mit einer neuen Serie „Haute couture – nein danke!“, in den Mai. Wie „Mode mal anders“ aussehen kann, zeigt Teil 1 am Beispiel des Karlsruher „X-Trax“-Shop – viele weitere, spannende Serienteile folgen in den nächsten Wochen!

Wie man seinen Urlaub besser genießen kann, indem man ihn im Voraus plant, durftet ihr in der Reiserubrik erfahren. Und im Panorama metzelte sich Chefredakteurin und Amateur-Gamerin Tatjana Gartner durch das Rekordspiel „Diablo III“.

Auch im Juni versorgt euch das Redaktionsteam wieder mit spannenden Themen: Mit dem Mannheimer Krempelmarkt stellt euch die FilmKunstKultur-Redaktion den wohl größten Kultflohmarkt der Rhein-Neckar-Region vor. In der Sportrubrik erwartet euch eine Analyse der Fußball-Europameisterschaft und unsere Kolumnisten beschäftigen sich unter anderem mit dem Thema „Dildoparty“. Die Musikredaktion ist auf dem „Latin Festival“ unterwegs und liefert euch ein Interview mit dem spanisch-englischen Indie-Musiker „Elly Eja“. Was in keiner Reiseapotheke fehlen sollte, lest ihr in der Reiserubrik. Bachelor und was dann? – diese Frage möchte die Tipps&Tricks-Redaktion mithilfe einer Umfrage klären. Hilfestellung bei der Kleiderwahl zur derzeitigen Hochzeitssaison findet ihr in der Moderubrik. Mit einem ganz anderen Phänomen des Auftretens setzen sich die Mitarbeiter der Tier&Umweltrubrik auseinander: Dort geht es im Juni unter anderem um Warnfärbung und Albinismus.

Die neue Literaturrubrik auf Face2Face startet am Sonntag, 3. Juni!

Du schreibst gerne Gedichte oder Kurzgeschichten? Bist sprachlich gewandt und kreativ? Dann schick uns deine Texte! Ab Sonntag, 3. Juni wird eine Literaturrubrik das „Face2Face“-Angebot komplettieren. Wenn auch du deine Texte den „Face2Face“-Lesern präsentieren möchtest, schreib einfach eine E-Mail mit deinem Namen und deinem Text an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. Wir freuen uns auf deinen Beitrag!