Genuss und Gewissen – jetzt geht´s um die Wurst!

Genuss wird viel zu oft auf das pures, kulinarische Erlebnis reduziert. Aber wenn die Gesellschaft das so will, beugen wir uns dem eben und schreiben heute übers Essen. Genauer gesagt geht´s um die Wurst. Schließlich fangen die Worte „Genuss“ und „Gewissen“ mit denselben Buchstaben an. Irgendein tieferer Zusammenhang muss da also bestehen.

Jetzt geht´s um die Wurst: Genuss oder schlechtes Gewissen? (Foto: Denis Pollach)
Jetzt geht´s um die Wurst: Genuss oder schlechtes Gewissen? (Foto: Denis Pollach)

Klopf klopf – dein Gewissen

Dieses ungute Gefühl beim Biss in den Hamburger, das Grillwürstchen oder in die Salamipizza. Ohje, morgen wiege ich bestimmt drei Kilo mehr… So richtig gesund ist das jetzt halt nicht… Vor kurzem war das auf meinem Teller tatsächlich mal ein lebendiges, vielleicht sogar liebenswertes Wesen – genauso wie mein Hund… Solche oder ähnliche Gedanken sind dem einen oder anderen von euch bestimmt auch schon mal durch den Kopf gegangen. Eine Art moralische Instanz in uns scheint uns diktieren zu wollen, was gut und was schlecht für uns ist – unser Gewissen. Und das wirkt sich (leider) auch auf unseren Genuss aus. Wer kann bei solchen Gedanken schon voller Inbrunst in sein Mittagessen beißen?

Wir schaden unserem Körper

Aber hält uns das schlechte Gewissen jetzt vom Genuss ab? Nein. Die meisten (oder alle?) von uns fügen ihrem Körper sogar regelmäßig Schaden zu. Ob sie rauchen, sich wenig bis gar nicht bewegen, öfter mal einen über den Durst trinken oder eben Fleisch essen – jeder von uns tut etwas, das ihm ein schlechtes Gewissen, aber eben auch Genuss bereitet. Übrigens: Nach der Auswertung von über 800 Studien stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Fleischwaren als 1-Karzinogene ein. Tabakrauchen landete in derselben Kategorie. Ganz so weit hergeholt ist der Vergleich von Fleischkonsum und Rauchen im Hinblick auf die Schädlichkeit für den Körper also nicht.  

Kein schlechtes Gewissen mehr?

Jetzt fragt ihr euch natürlich: Gibt es eine Möglichkeit das zu genießen, was uns schadet? Können wir unser Gewissen beim Essen irgendwie beruhigen und so den vollen Genussmoment erleben? Wenn es nach der Werbung geht ja. Die Spots eines großen Fleischproduzenten, der mit 100% antibiotikafreier Aufzucht wirbt, laufen im TV gerade hoch und runter. Beruhigend in Anbetracht der Tatsache, dass weltweit etwa 700.000 Menschen pro Jahr an den Folgen einer Antibiotika-Resistenz sterben. Die entsteht unter anderem, indem Menschen über Tierprodukte – besonders stark belastet ist Geflügelfleisch  – mit resistenten Keimen in Berührung kommen. Da ist die antibiotikafreie Wurst doch eine tolle Alternative?! Naja. In der Theorie dürfen Antibiotika in der Tierhaltung ohnehin nur eingesetzt werden, wenn das „therapeutisch notwendig“ ist. Das Rad neu erfunden hat der jetzt so intensiv werbende Hersteller also nicht. Aber es klingt eben gut und das schlechte Gewissen der Konsumenten wird kleiner und kleiner. Der Genuss bleibt.

Wenn Kühe weinen

Saftig-grüne Wiesen, Joghurt, der mit der Hand gerührt wird, frei herumlaufende Tiere vor strahlend blauem Himmel – nicht nur Fleischproduzenten hübschen ihre Spots gerne ein wenig auf. Vor allem bei Milchprodukten schaffen die Werbetreibenden ein Idyll, das aufgrund der massenhaften Nachfrage und den Dumping-Preisen schlicht nicht der Realität entsprechen kann. Greenwashing nennt der Marketing-Fachmann das. Und wir? Wir denken an genau diese Bilder beim Genuss eines Glases Milch. Vergessen sind die vollgestopften Ställe, in denen sich die Kühe nicht einmal um die eigene Achse drehen können. Vergessen ist die Tatsache, dass Kühe nur dann Milch geben, wenn sie ein Kälbchen zur Welt bringen, das ihnen direkt nach der Geburt weggenommen wird. Ein Kreislauf aus Schwangerschaft, Geburt und Trennungsschmerz – und ja, Kühe können ebenso fühlen wie eure Katze oder euer Hund – sie schreien und sie weinen sogar, wenn ihnen ihr Kalb weggenommen wurde. Ups, jetzt hab ich das mit dem Genuss wieder vermasselt – bitte entschuldigt!      

Greenwashing für mehr Genuss

Aber wir sind ja glücklicherweise auch selbst 1a-Greenwasher, um beim Fachbegriff zu bleiben. Wir kaufen Bio-Produkte und fühlen uns gut. Dass die Zutaten der oben erwähnten Salamipizza mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vom Bio-Bauern kommen, verdrängen wir geschickt. Laut Foodwatch machten Bio-Produkte 2016 5,1 % des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus. Bei Fleisch ist der Bio-Anteil sogar noch geringer: 2016 lag er bei Geflügel bei 1,4 %, bei rotem Fleisch bei 1,8 %  und bei Fleisch- und Wurstwaren (Stichwort: Salami auf der Pizza) sogar nur bei 1,2 %. Warum das alles dem Genuss keinen Abbruch tut? Die Antwort:

Genuss und Gewissen – jetzt geht´s um die Wurst!
Würstchen auf dem Grill: Sieht einfach aus, kann aber auch kompliziert werden – Stichwort: Fleischparadoxon (Foto: Denis Pollach)

Das Fleischparadoxon

In aller Kürze erklärt ist das Fleischparadoxon der moralische Konflikt, der entsteht, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Menschen mitfühlend mit Tieren sind und gleichzeitig Fleisch und andere tierliche Produkte konsumieren. Dr. Tamara Pfeiler vom Psychologischen Institut der Uni Mainz hat dazu zusammen mit internationalen Kollegen verschiedener Hochschulen untersucht, welche psychologischen Mechanismen hinter dem Fleischkonsum stecken (hier geht´s zum Interview). Sie ihrer Studie kristallisierten sich zwei Formen von karnistischen Überzeugungen heraus: Die karnistische Rechtfertigung – hierbei wird der Fleischkonsum legitimiert, indem er als normal, natürlich und notwendig angesehen wird – und die karnistische Domination. Personen mit dieser Überzeugung gehen davon aus, dass Tiere nicht leiden können und dazu da sind gegessen zu werden und getötet werden dürfen.

Und jetzt?

Natürlich wäre es optimal nach dem eigenen Gewissen zu handeln. Ich möchte etwas tun, zum Beispiel etwas essen, und habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache, denke die oben aufgeführten Gedanken und so weiter. Einfach lassen, wäre wohl die einfachste Lösung. Nie wieder ein schlechtes Gewissen und damit purer Genuss. Geht nicht, findet ihr? Ist schwierig, gebe ich zu. Holger Kuntze, Psychotherapeut und Coach, sagt zum Thema schlechtes Gewissen: „Keiner ist perfekt, und keiner wird all seinen Ansprüchen gerecht.“ Seiner Meinung nach ist das schlechte Gewissen etwas ganz Normales, eine Notwendigkeit des Lebens. Welch ein Glück, dass wir Menschen Meister im Verdrängen sind. Für einen kurzen Moment, einen kleinen Happen von der Salamipizza können wir alles Schlechte ausblenden. Vielleicht kommt das schlechte Gewissen nach dem Genuss zurück. Vielleicht ist es unerträglich, belastet uns und wir ändern etwas – für die Tiere, für die Umwelt, aber vor allem für uns selbst. Aber vielleicht auch nicht.







Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft

Ein gesundes Kind – Eltern wünschen sich nichts sehnlicher. Aber kann man bei der Ernährung in der Schwangerschaft etwas falsch machen und gibt es vielleicht den einen, richtigen Weg? Das können wir euch leider nicht beantworten – was wir aber können, ist Frauen mit unterschiedlichsten Ernährungsgewohnheiten und -einschränkungen zu ihrer Schwangerschaft zu befragen. Also los!

Kein Salat im Restaurant

Vor zehn Monaten brachte Sophia Hegemann aus Speyer eine gesunde Tochter zur Welt. „Ich habe mich „normal“ ernährt“, sagt die 23-jährige. Am Anfang ihrer Schwangerschaft habe sie sehr darauf geachtet, täglich Obst und Gemüse zu essen. „Gegen Ende der Schwangerschaft gab es aber dann oft auch mal Fast Food, weil die Kilos da dann eh schon drauf waren“, gesteht Sophia. In der Schwangerschaft nahm sie insgesamt 18 Kilo zu. Bei ihren Gelüsten nach Schokolade, Chips und Obst habe sie sich nicht zurückgehalten – „ich bin der Meinung, dass es erlaubt ist, solange es in Maßen ist.“ Um sich und ihr Ungeborenes trotzdem mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen zu versorgen, habe sie seit Beginn ihrer Schwangerschaft täglich ein Schwangerschaftsvitaminpräparat eingenommen. Auf rohes Fleisch, rohe Eier verzichtete die junge Mutter komplett. Bei Obst und Gemüse sei sie sogar extrem gewesen: „Ich habe alles immer gut abgewaschen. Im Restaurant habe ich keine Salate gegessen, weil ich nicht wusste, wie sie gewaschen sind.“ Von ihrem Arzt fühlte sie sich in dieser Zeit gut beraten. Er habe ihr empfohlen auf einige Lebensmittel zu verzichten, aber betont, dass die Entscheidung, ob sie seiner Empfehlung folgen wolle, bei ihr liege. „Ansonsten habe ich auch viel gegoogelt, was nicht immer von Vorteil ist, weil man laut Internet eigentlich gar nichts mehr essen dürfte“, sagt Sophia. Durch ihre Internetrecherche habe sie oft Panik bekommen.

Sophias Ernährung in der Schwangerschaft

„Normal“: So beschreibt Sophia ihre Ernährung während der Schwangerschaft (Foto: Hegemann)

Einem niedrigen Eisenwert im Blut gegen Ende der Schwangerschaft wirkte Sophia mit einem eisenhaltigen Getränk und einer eisenreichen Ernährung aus viel Rindfleisch und eisenhaltigem Gemüse entgegen. Eine Ernährung mit Fleisch ist aus ihrer Sicht während der Schwangerschaft von Vorteil, da Fleisch viele wertvolle Nährstoffe enthalte. „Fisch liefert Omega-3 und -6-Fettsäuren. Weil ich leider keinen Fisch vertrage, habe in der Schwangerschaft pflanzliche Kapseln eingenommen“, berichtet sie.

In einer zweiten Schwangerschaft würde sie durchgehend gesund, weniger Süßigkeiten und kleinere Portionen essen. Anderen Schwangeren rät sie: „Ernährt euch ausgewogen und gesund, nehmt zusätzlich Vitaminpräparate zu euch, da ihr heutzutage nicht alle Nährstoffe allein mit der Ernährung aufnehmen könnt. Hört auf euren Körper, er weiß meistens, was er braucht, und esst ruhig genug, denn „das Baby muss ja schließlich was werden“.“    

Nach Lehrbuch Ernährungspyramide

„Ich habe einfach normal weitergegessen wie bisher“, sagt Lisa-Sophie Keiber. Ihr Sohn Noah Emanuel ist inzwischen 20 Monate alt, gesund und altersgerecht entwickelt, wie die 29-Jährige aus Lingenfeld sagt. Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat, Obst, Brot, ab und an Süßes – ihr Speiseplan habe „so ziemlich nach Lehrbuch Ernährungspyramide“ ausgesehen. Da sie gerne selbst koche, seien Restaurantbesuche und Lieferservicebestellungen eher selten gewesen. „Ich habe mich auf meinen normalen, gesunden Menschenverstand und sprichwörtlich auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt Lisa-Sophie. Alkohol, medium gebratenes Steak, Sushi, rohe Eier und Rohmilchkäse seien während ihrer Schwangerschaft tabu gewesen. Groß zugenommen habe sie nicht – durch den großen Energieverbrauch beim Stillen und durch das viele Spazierengehen mit Kinderwagen, so Lisa-Sophie, habe sie wenige Wochen nach der Geburt sogar weniger auf die Wage gebracht als vor der Schwangerschaft. „So richtige krasse Gelüste nach zum Beispiel Süßigkeiten oder sauren Gurken hatte ich nicht. Dafür konnte ich Hähnchenfleisch nicht einmal riechen, geschweige denn essen.“, erzählt sie, „ich hatte eher Lust auf kalte Speisen als auf warme. Tomaten gingen auch immer in jeglicher Form. Und jeden Morgen musste unbedingt gefrühstückt werden. Ohne ging nicht.“ Dass man während der Schwangerschaft „für zwei“ essen müsse, halte sie für ein Vorurteil und befürchtet, dass viele Frauen ihre Schwangerschaft als „Ausrede“ nutzen, um so richtig reinzuhauen.

Lisa Sophies Ernährung in der Schwangerschaft
Ganz nach Lehrbuch: Lisa-Sophie ernährte sich während ihrer Schwangerschaft „normal“ (Foto: Thomas Keiber)

Um Neuralrohrdefekten beim Embryo, also Fehlbildungen im Kopf- und Rückenbereich, habe sie bereits ab Kinderwunsch ein Folsäure-Präparat eingenommen. Ansonsten seien ihre Blutwerte während der Schwangerschaft unauffällig gewesen, weshalb sie keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahm. „Mein Frauenarzt war sehr lapidar, was das Thema Ernährung angeht“, berichtet sie. „Er sagte, in Deutschland sei alles sauber und geprüft und ich solle ruhig Sushi, Fisch, Käse und so weiter essen. Meiner Meinung nach war das etwas zu locker – mir zumindest fehlten da fundierte Infos. Ich weiß allerdings von Freundinnen, dass deren Ärzte da mehr aufgeklärt haben bzw. strenger waren.“ Neben Arzt und Hebamme als Ansprechpartner, habe sie zusätzlich in Büchern und ein bisschen im Internet nachgelesen.

„Mein gesundes Kind, eine komplikationslose Schwangerschaft und meine eigene Gesundheit bisher haben mir gezeigt, dass meine Ernährungsweise für mich bzw. uns richtig ist, deshalb würde ich bei der nächsten Schwangerschaft auch alles wieder genauso machen“, sagt Lisa-Sophie. Ihr Tipp an alle Schwangeren: „Überlegt selbst mit gesundem Menschenverstand und ernährt euch „ausgewogen“! Hört nicht auf Horrorstorys im Internet oder hysterische Mitschwangere.“

Schoko-Gelüste einer Vegetarierin

„Da ich mich schon seit 19 Jahren vegetarisch ernähre und keine Mangelerscheinungen und auch sonst keine gesundheitlichen Probleme habe, war für mich klar, dass ich auch in der Schwangerschaft dabei bleibe“, erzählt Ramona Dörr. Die 31-Jährige aus Saarwellingen hat am 29. Oktober 2018 ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Wegen ihrer gewohnten, vegetarischen Ernährungsweise sei es ihr leicht gefallen auf vieles zu verzichten, was man in der Schwangerschaft nicht essen solle, wie rohes Fleisch und rohen Fisch. „Rohmilchkäse und Schimmelkäse habe ich schon vorher nicht gegessen, da musste ich also auch nicht aufpassen“, sagt Ramona. „Das Einzige, was ich während der Schwangerschaft anders gemacht habe, war, darauf zu achten, dass nirgends rohe Eier drin sind wegen der Salmonellengefahr und dass ich Obst und Gemüse immer frisch gewaschen und zubereitet habe wegen der Gefahr von Listerien.“ Ihre Ärztin habe wegen der vegetarischen Ernährungsweise nur darauf hingewiesen, dass sie darauf achten sollte, genügend Eisen zu sich zu nehmen, da der sogenannte HB-Wert in der Schwangerschaft generell eher niedriger werde. Dieser wurde dann auch bei jedem Vorsorgetermin kontrolliert. „Da meine Frauenärztin überhaupt keine Bedenken wegen der vegetarischen Ernährung in der Schwangerschaft hatte, habe ich mich auch an sonst niemanden gewendet und zu dem Thema nur im Internet noch ein bisschen recherchiert“, berichtet Ramona. Das Kombipräparat aus Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D3 und Jod, das laut Ramona allen Schwangeren empfohlen wird, habe sie vorsorglich genommen. Einen kurzzeitigen Eisenmangel glich sie mit Tabletten aus. „Ich habe während dieser vier Wochen aber auch verstärkt darauf geachtet, mich gesund zu ernähren“, ergänzt sie. Ausgefallene Gelüste habe sie nicht gehabt – „außer ganz am Anfang: Da hatte ich extrem Lust auf Schokolade, obwohl ich die sonst eher selten esse. Da habe ich meinen Mann sogar extra losgeschickt, welche zu kaufen“, erzählt Ramona schmunzelnd. In der Schwangerschaft habe sie rund neun Kilo zugenommen. Ob sie beim nächsten Mal etwas anders machen würde? „Nein, meine Schwangerschaft ist ja gut verlaufen, ich würde es wieder genauso machen“, sagt sie, „außerdem bin ich davon überzeugt, dass es sogar gesünder sein kann, sich vegetarisch zu ernähren, wenn man ausgewogen isst.“ Aus ihrem Umfeld gab es keine Vorurteile – „die sind ja alle schon jahrelang daran gewöhnt, dass ich Vegetarierin bin“.

Jede Frau müsse selbst wissen, wie sie sich in der Schwangerschaft ernährt, findet Ramona. „Generell würde ich dazu raten, sich zwar zu informieren, sich aber nicht verrückt machen zu lassen.“

Späte Diagnose: Fructoseintoleranz

Obst, Saft, Fruchtjoghurt, Müslimischungen – diese Produkte stehen bei fructoseintoleranten Menschen wie Sabine Kesberger auf der roten Liste. Die 41-jährige Mutter zweier gesunder Söhne (neun und zehn Jahre alt) bemerkte schon bei ihrer ersten Schwangerschaft 2008, dass etwas nicht stimmte. Sie nahm 32 Kilo zu. „Meine Mutter und meine Ärztin haben mir gesagt, ich solle es mir gut gehen lassen – die paar Kilos mehr hätte ich nach der Schwangerschaft schnell wieder weg“, erzählt sie. Durch eine Diät nach der Stillzeit, bei der sie unter anderem den Fruchtzuckerkonsum einschränkte, fühlte sie sich plötzlich wacher und munterer, ihr Hautbild verbesserte sich und ihre Verdauung schien wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen. „In der zweiten Schwangerschaft habe ich „nur“ 26 Kilo zugenommen“, sagt Sabine, „bei der Diät, die ich anschließend gemacht habe, habe ich fast völlig auf Obst und Süßigkeiten verzichtet. Beide Ernährungsumstellungen haben mir gezeigt, dass da etwas sein muss, was meinem Magen und meinem Darm Probleme bereitete. Deshalb habe ich mich auf eine lange Suche gemacht. Letztendlich hat es acht Jahre gedauert, bis ich endlich auf die Lösung gekommen bin.“ Erst eine Magenentzündung und fünf Ärzte später stand die Diagnose fest: Fructoseintoleranz.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und fructoseintolerant: Kein Problem, findet Sabine Kesberger (Foto: www.karenzzeit.blog)

Ärzte und auch viele Ernährungsberater seien mit einer Fructoseintoleranz oft völlig überfordert, weiß Sabine. „Dafür ist die Fruchtzuckerunverträglichkeit einfach zu wenig bekannt und vor allen Dingen sehr, sehr individuell“, erklärt sie, „der Grad wie auch die Symptome sind schwer zu definieren. Ein normaler Mensch verträgt ungefähr 30g Fruchtzucker ohne Probleme, danach zeigt er auch fructoseintolerante Beschwerden. Als fructoseintolerant gilt man, wenn man weniger als 10g Fruchtzucker verträgt. Danach ist es der individuelle Grenzwert, den man herausfinden muss, um beschwerdefrei zu leben.“ Auch Alkohol, Gemüse, Knoblauch, Agavendicksaft, Honig und ganz normaler Haushaltszucker enthalten laut Sabine Fructose. „Außerdem gibt es sehr wenige verarbeitete Lebensmittel ohne Fruchtzucker. Zudem werden Fertigprodukte gerne gezielt mit Fructose angereichert, weil diese süßer ist als normaler Haushaltszucker“, sagt die 41-Jährige.

Trotz Verdauungsbeschwerden seien ihre Blutwerte während ihrer beiden Schwangerschaften normal gewesen. „Wer schon vor der Schwangerschaft weiß, dass er fructoseintolerant ist und sich mit der Thematik befasst hat, kennt seinen Körper und weiß, was er verträgt“, meint Sabine. Aus ihrer Sicht sei eine erworbene Fructoseintoleranz nichts Schlechtes für das ungeborene Kind – „eher im Gegenteil!  Die Mutter achtet automatisch auf weniger Zucker und verzichtet auf Fertigprodukte.“ Um Mangelerscheinungen auszuschließen, empfiehlt Sabine fructoseintoleranten Schwangeren, sich regelmäßig beim Arzt untersuchen zu lassen. „Bei einer angeborenen Fructoseintoleranz der Mutter würde ich dazu raten, auch das Kind auf Fructoseintoleranz testen zu lassen. Auch eine Laktoseunverträglichkeit ist nicht ungewöhnlich. Zu wissen, dass ein Kind keinen Milchzucker verträgt, kann schlaflosen Nächten mit Blähungen, Neurodermitis und vielem mehr vorbeugen.“

Das vollständige Interview mit Sabine findet ihr auf ihrem Blog „Karenzzeit nach der Diagnose Fructoseintoleranz“ unter diesem LINK.

Mit Grapefruits und Bananenshakes durch die vegane Schwangerschaft

„Vor sowie während der Schwangerschaft habe ich mich vegan ernährt“, erzählt Nadine Filler. Die 31-Jährige ist Mutter einer gesunden, zweieinhalb Jahre alten Tochter und ist mit ihr und ihrem Mann aktuell auf Weltreise.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Gesunde Mama, gesunde Tochter – trotz oder wegen der veganen Ernährung in der Schwangerschaft? (Foto: wild & wundervoll)

„In der ersten Hälfte meiner Schwangerschaft war ich sehr geruchsempfindlich und mir wurde schnell übel. Deshalb habe ich nicht so viel gefuttert und immer nur das, was gerade ging. Mal waren das ganz viele Grapefruits, mal nur Bananenshakes“, sagt Nadine. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft habe sie dann deutlich mehr gegessen und so insgesamt etwa zehn Kilo zugenommen. Besonders wichtig war es ihr, alle Nährstoffe zu sich zu nehmen: „Ich habe zum Beispiel versucht, ganz bewusst mehr eisenhaltige Sachen zu essen wie Haferflocken, Linsen, Kichererbsen oder grünes Blattgemüse, das ich dann immer in meine Frühstückshakes getan habe. Zusätzlich habe ich täglich etwas veganes Kräuterblut für Schwangere getrunken. Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen.“ Auch ihre Blutwerte habe sie regelmäßig überprüfen lassen. „Ich musste ziemlich schnell hochdosiertes Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, weil meine Kleine alle meine Vorräte verputzt hatte. Vitamin D hat im Übrigen nichts mit der Ernährungsweise zu tun. Ansonsten habe ich nur Kräuterblut in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft getrunken“, erklärt Nadine. Bis zur 38. Schwangerschaftswoche seien ihre Werte immer bestens gewesen, doch dann stellte ihre Hebamme Schilddrüsenprobleme fest. „Weil meine Ärztin in der Frühschwangerschaft eine Untersuchung versäumt hatte, wurde meine Schilddrüse in den ersten Monaten der Schwangerschaft nicht ausreichend versorgt und hat sich ziemlich abgearbeitet.“ Diese Problematik wäre ihr aber auch als schwangere Fleischesserin nicht erspart geblieben, so Nadine. In den letzten Schwangerschaftswochen habe sie dann zusätzlich Jod und Schilddrüsenhormone einnehmen müssen – „zum Glück hatte das aber keine Auswirkungen auf die Gesundheit meiner Tochter. Bis heute hat sie noch nie Antibiotika nehmen müssen, hat selten Fieber und höchstens mal eine Erkältung.“ 

Bezüglich ihrer veganen Ernährungsweise habe sie ihre Ärztin gar nicht beraten – sie habe sich lediglich vergewissert, dass Nadine gut informiert und verantwortungsbewusst sei. „Um ehrlich zu sein, verbreiten viele Ärzte meiner Meinung nach unnötig Angst und falsches Halbwissen, wenn es um Ernährung geht“, findet die junge Mutter, „nur die allerwenigsten Mediziner haben auch nur ansatzweise genügend Kenntnisse über das Thema. Die Gebiete Schulmedizin und Ernährungswissenschaften haben einfach nichts miteinander zu tun, obwohl das natürlich unbedingt nötig wäre.“ Ihre Hebamme sei eine deutlich bessere Ansprechpartnerin zu diesem Thema gewesen, aber eben auch nicht perfekt. „Ich habe mich hauptsächlich bei seriösen Quellen im Internet, zum Beispiel beim Albert-Schweitzer-Institut, und anderen veganen Familien informiert“, sagt Nadine. Aufgrund der hohen Nährstoffdichte in ausgewogenen, frischen, veganen Speisen und der geringen Schadstoffbelastung, da Gifte und Medikamente in Fleisch enthalten sein können, sei die vegane Ernährung für sie in der Schwangerschaft genau richtig gewesen. Bei einer erneuten Schwangerschaft würde sie sofort mehr Jod supplementieren, ansonsten würde sie aber alles machen wie damals. Anderen Schwangeren rät Nadine: „Informiert euch gut und vielseitig. Bitte nicht zu sehr von Ärzten verunsichern lassen und immer auf die eigene Intuition hören. Ihr seid die Experten für euren Körper und euer Baby.“

Ständige Übelkeit „dank“ Laktoseintoleranz

„Als der Arzt mir aufzählte, was ich alles besser nicht mehr essen sollte, dachte ich erst mal Hui, jetzt musst du aber aufpassen“, erzählt Vanessa Palmen aus Neuss. Als die heute 36-Jährige mit ihren Zwillingen schwanger war – im März werden June und Nicolas zwei – wurde bei ihr eine Laktoseintoleranz diagnostiziert. Vanessa erinnert sich: „Zu dem Zeitpunkt, wo bei anderen die erste Übelkeit endlich vorbei ist, ging es bei mir erst richtig los. Weil niemand eine Ahnung hatte, dass es an der Laktose liegen könnte, habe ich sie natürlich auch nicht gemieden. Mir war ständig übel, ich hatte dauernd Durchfall und konnte irgendwann gar nichts mehr essen, weil es entweder oben oder unten sofort wieder rauskam. Deswegen musste ich auch mehrmals ins Krankenhaus, hatte vorzeitige Wehen und bekam meine beiden Kinder acht Wochen zu früh.“ Erst zwei Wochen vor der Entbindung fand der Gastroenterologe heraus, dass Vanessas Darm allergisch auf Laktose reagierte. Auf Anraten ihrer Gynäkologin habe sie während der Schwangerschaft Sushi, Rohwurst, Rohkäse, blutiges Fleisch und flüssiges Ei vom Speiseplan gestrichen. „Weil mein Blutdruck recht hoch war, habe ich auch komplett auf Koffein verzichtet“, erzählt sie, „kein Alkohol versteht sich hoffentlich von selbst. Ich war aber nicht dogmatisch dabei.“ Als die Intoleranz einsetzte und sie dadurch ständig Magen-Darm-Probleme hatte, sei sie froh gewesen, über „alles, was drinblieb“. Einen Arzt hält die Zwillingsmutter zwar für einen guten Ansprechpartner in Sachen Ernährung, wissenschaftlich fit sei er aber oft nicht. Da sie selbst eine medizinische Ausbildung habe, habe sie sich eingelesen – „mittlerweile gibt es so viele schwarze Schafe in diesem Bereich, die einem ihren Detox-Unsinn verkaufen wollen. Ich verlasse mich da lieber auf die Wissenschaft und mich selbst.“ Ihre Blutwerte ließ Vanessa regelmäßig überprüfen. Einen Eisenmangel ab dem sechsten Monat ihrer Schwangerschaft versuchte sie mit vom Arzt verschriebenen Tabletten auszugleichen. „Die habe ich aber nicht vertragen“, berichtet sie, „was dann ging waren eisenhaltige Fruchtsäfte. Da gibt es extra welche für Schwangere. Außerdem habe ich versucht mehr eisenhaltige Gemüsesorten und rotes Fleisch zu essen.“ Eine gute Schwangerschaft als Laktoseintolerante zu haben – ist das überhaupt möglich? „Definitiv ja“, findet Vanessa, „es hat ja nicht jeder so ein Pech wie ich. Wenn man weiß, dass man laktoseintolerant ist und schwanger wird, hat man sogar sehr oft das Glück, dass man in der Schwangerschaft komplett wieder alles essen kann. Das ist ein bekanntes Phänomen. Sollte die Intoleranz jedoch bleiben, sollte man unbedingt auf das Calcium achten, denn gerade in der Schwangerschaft hat man einen erhöhten Bedarf für die Knochenbildung des Kindes.“

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und plötzlich laktoseintolerant: Vanessa Palmen mit ihren zwei gesunden Kindern (Foto: Palmen)

In der Schwangerschaft habe Vanessa nur neun Kilo zugenommen, da sie ja kaum etwas bei sich behalten konnte. Anschließend, als die Laktoseintoleranz dann bekannt war und sie wieder etwas essen konnte, kamen dafür weitere 15 Kilogramm dazu. „Mein Körper hat sich nach der langen Durststrecke wohl gedacht: Her damit, jetzt lagere ich für schlechte Zeiten alles ein, was ich kriegen kann.“ Während der Schwangerschaft habe sie eine Zeit lang besonders viel Lust auf Chips gehabt – „die esse ich sonst nie und mag sie eigentlich gar nicht.“ Später in der Schwangerschaft wollte sie dann gerne und oft rote Grütze. „Ich denke, dass der Körper und das Kind einen mit den Gelüsten zum Teil auch auf etwas hinweisen wollen und vielleicht diese Nährstoffe gerade einfach benötigen. Darum finde ich es in Ordnung diesen auch nachzugeben. Hat man natürlich Schwangerschaftsdiabetes und ständig Lust auf ein Kilo Eiscreme, würde ich aber schon die Reißleine ziehen“, sagt Vanessa. Inzwischen hat sie gelernt mit der Laktoseintoleranz zu leben und würde bei einer erneuten Schwangerschaft von Anfang an Laktose wieder komplett meiden. „Meine sonstige Ernährungsweise hat ja scheinbar funktioniert, denn ich habe trotz der schwierigen Schwangerschaft zwei gesunde Kinder mit einem ordentlichen Geburtsgewicht bekommen“, sagt sie. Anderen laktoseintoleranten Schwangeren würde sie raten, entspannt zu bleiben, gut und gesund zu essen und die Werte regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Philosophie des Fleisches – haben Tiere Rechte?

Ist es falsch, Fleisch und andere tierische Produkte zu essen? Wieso streicheln wir unsere Katze und essen sie nicht? Moral und Veganismus – wie geht das zusammen? Veganismus-Kritiker Jens und Neu-Veganerin Tatjana diskutieren über Moral, Ernährung und Gewohnheiten.

Jens:

Hallo Tatjana,
der Verzehr von tierischen Produkten ist moralisch indifferent. „Moral“ umfasst den Bereich dessen, was in einer Gesellschaft bezüglich der Individuen als „richtiges“ oder „falsches“

Moral und Veganismus

Finanziert sich seine Doktorarbeit als Zusteller bei der Post: Veganismus-Kritiker Jens (Foto: privat)

Handeln angesehen wird. Am Verzehr von Tieren oder Tierprodukten gibt es nichts, was in moralischer Hinsicht relevant sein könnte, da ich mit meiner Handlung niemandem schade, der ein Subjekt oder Objekt moralischer Pflichten ist. Man kann diese Tatsache leicht überprüfen, indem man sich vergegenwärtigt, dass dies tagtäglich in unserer Gesellschaft vollzogen wird, ohne dass eine Person für diese Handlung zur Rechenschaft gezogen werden müsste.

Tatjana:

Hallo Jens,
Moral kann aber ebenso gut das Empfinden einer einzelnen Person meinen. Ich als Individuum kann das Töten von Tieren und das Essen tierischer Produkte sowie die mit der Massentierhaltung einhergehende Umweltschädigung, die übrigens durchaus auch Menschen als „Subjekte moralischer Pflicht“ betrifft, als „falsch“ empfinden.

Moral und Veganismus

Setzt auf den „Tomateneffekt“ in Sachen Veganismus: Neu-Veganerin Tatjana (Foto: privat)

Du schreibst, dass der Verzehr von Tieren nicht bestraft wird, weil die Gesellschaft ihn als nicht moralisch verwerflich empfindet. Wir befinden uns jedoch alle in stetigem Wandel. Wieso sollte bezüglich des Konsums tierischer Produkte nicht auch irgendwann der sogenannte „Tomateneffekt“ zum Tragen kommen? Tomaten galten Jahrhunderte lang als giftig trotz überwältigender Gegenbeweise. Damals wurden sie gemieden, heute lieben wir sie. Nicht nur in der Geschichte der Medizin gibt es Beispiele dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zu Gunsten konventioneller Weisheiten ignoriert werden. Der Philosoph Arthur Schopenhauer beschreibt den Weg der Wahrheit in drei Stufen: Erstens wird sie verspottet. Zweitens wird sie gewaltsam bekämpft. Drittens wird sie als offensichtlich angenommen. Vielleicht ist eine rein pflanzlich basierte Ernährung in ein paar Jahren unsere Wahrheit und entspricht der gesellschaftlichen Moral?

Jens:

Das Regelsystem der oben angesprochenen Normen ist, wie du in deiner Antwort bereits angedeutet hast, nicht absolut, sondern unterliegt einem steten Wandel. Aus diesem Grund würde ich auch den von dir verwendeten Begriff „Wahrheit“ kritisch sehen, da er den Absolutheitsanspruch besitzt, der der Moral fehlt. Es gibt bezüglich vieler moralischer Themen eine gesellschaftliche Debatte, zu der seit einigen Jahren eben auch die Veganismus-Debatte bzw. die Frage, ob Tiere moralische Rechte wie das Recht zu leben besitzen, gehört.

Ich vertrete die Ansicht, dass Tiere keinerlei Rechte haben können, da Begriffe wie „Recht“ oder „Moral“ vom Menschen geschaffene Konstrukte sind, die folglich auch nur das Zusammenleben von Menschen betreffen können. Wo immer es ein bestimmtes Recht gibt, ergibt sich reziprok auch die moralische Pflicht, dieses Recht zu respektieren. Wenn wir Tiere zu Objekten von moralischem Handeln machen würden, ergäbe sich hingegen jedoch die absurde Situation, dass diese dann zwar Rechte, aber keinerlei Pflichten hätten, da Tiere ihr Handeln nicht wie Menschen reflektieren können. Kein Tier wird jemals verstehen, was dieses „Recht“ ist, das wir ihm da zugestehen.

Dieser Widerspruch wird an einem Problem besonders offensichtlich: Tiere essen Tiere. Wenn man das Essen von Tieren durch den Menschen unter Strafe stellen würde, müsste man sich auch die Frage stellen, ob Tiere andere Tiere essen dürfen. Wir Menschen sind zwar Omnivore, also „Allesfresser“, und können somit die Art unserer Ernährung entscheidend verändern. In der Tierwelt gibt es hingegen auch Carnivore, also „Fleischfresser“, deren Verdauungssystem ausschließlich auf den Verzehr von Fleisch ausgelegt ist und die keine oder kaum pflanzliche Nahrung vertragen. Diese Tiere könnten sich niemals selbstständig von ihrer natürlichen Ernährungsweise distanzieren. Wenn wir Tieren jedoch zugestehen, Fleisch zu essen, dies aber Menschen verbieten, verstoßen wir gegen das oberste moralische Prinzip der Gleichbehandlung.

Tiere können somit keine Träger moralischer Rechte oder Pflichten sein. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass wir uns mit Themen wie Umwelt- und Tierschutz beschäftigen und die Lebensbedingungen von Tieren in Massentierhaltung verbessern. Ich halte es ebenso wie du für durchaus realistisch, dass sich unsere Gesellschaft in Zukunft immer weiter in Richtung veganer Ernährung entwickelt.

Tatjana:

Du schreibst, dass es absurd wäre Tiere zu Objekten moralischen Handelns zu machen, weil sie ihre neugewonnenen „Rechte“ nicht verstehen und gleichzeitig ihre „Pflichten“ nicht erfüllen könnten, weil sie ihr Handeln nicht wie Menschen reflektieren können. Aber was ist mit Haustieren? Eine Katze ist genauso ein Tier wie ein Kälbchen – aber die Katze hat das „Recht“ rundum versorgt und nicht als Sonntagsbraten serviert zu werden.

Moral_Veganismus

Hat dieses Schweinchen weniger Rechte als eine Katze? (Foto: Jerzy / pixelio.de)

Vielleicht sagst du jetzt, dass Haustiere ihre „Pflicht“ erfüllen, indem sie aufs Katzenklo gehen oder als Hund Stöckchen holen. In einigen asiatischen Ländern werden Katzen und Hunde gegessen. Einen einheitlichen Moralbegriff in Bezug auf „Tiere als moralische Objekte“ gibt es nicht.

Tiere essen Tiere, aber ein Raubtier würde niemals zehn Beutetiere reißen und sie dann liegenlassen. Beim Menschen hingegen sieht das schon anders aus.

Auch wenn das vielleicht den Eindruck macht – ich will gar nicht darauf hinaus, dass der Veganismus der einzig richtige Weg ist. Mit der von mir aus freien Stücken gewählten Ernährungsform fühle ich mich wohl. Daneben zählt für mich auch der gesundheitliche Aspekt. Es gibt inzwischen diverse Studien, die zeigen, welche negativen Auswirkungen tierische Produkte auf unseren Körper haben: Bei der Autopsie von 632 US-Amerikanern und 632 Ugandern, die im selben Alter starben, zeigte sich, dass 136 der US-Amerikaner an einem Herzinfarkt gestorben waren. Bei den Ugandern war genau einer an einem Herzinfarkt gestorben. Die Afrikaner – die China-Studie bescheinigt übrigens dasselbe für das ländliche China – hatten einen außergewöhnlich niedrigen Cholesterinspiegel, weil ihre Ernährung überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln bestand.

Jens:

Ich gebe zu, dass der Begriff „Objekt“ in Bezug auf Tiere zunächst etwas sonderbar wirken mag; allerdings soll dieses Wort nicht abwertend gemeint sein. Vielmehr ist damit der Kreis an Lebewesen gemeint, auf die unser moralisches Denken gerichtet ist. Man könnte auch sagen: Moralische Objekte sind die Empfänger von Rechten, moralische Subjekte hingegen sind die Träger von Pflichten, womit auch deutlich wird, dass wir Menschen im Normalfall beides sind, Tiere hingegen – wenn überhaupt – nur ersteres sein könnten. Wir essen unsere Katzen und andere Haustiere nicht, weil wir eine Beziehung zu ihnen aufbauen und sie liebgewinnen. Das hat aber nichts mit dem moralischen Status dieser Tiere an sich zu tun.

Bezüglich des gesundheitlichen Aspekts hast du natürlich zu großen Teilen Recht – gerade in den westlichen Industrienationen ist der unreflektierte Fleischkonsum zu einem großen Problem geworden, wodurch natürlich auch die Massentierhaltung weiter forciert wird. Die Tatsache, dass wir Menschen als Allesfresser Fleisch verdauen können, bedeutet nicht, dass wir uns ausschließlich von Fleisch oder tierischen Produkten ernähren sollten. Das Ziel sollte hier eine ausgewogene Ernährung sein, die zu einem großen Teil auf pflanzlichen Produkten basieren, aber eben auch gelegentlich Fleisch, Fisch oder andere tierische Produkte umfassen sollte.

In den Ernährungswissenschaften existiert die einhellige Meinung, dass eine rein vegane Ernährung nur kerngesunden Menschen empfohlen werden kann und für viele Gruppen wie Kinder, Schwangere oder kranke Menschen eine Risiko- bzw. Mangelernährung darstellt. So sprachen sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Bundesregierung deutlich gegen eine vegane Ernährung aus. Demnach könne langfristig gesehen eine vegane Ernährung nicht empfohlen werden, da sie zu Muskelabbau, Leistungseinbußen und Mangelerscheinungen führe. Durch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und medizinische Aufklärung kann man diese Probleme sicherlich überwinden, auch wenn vegane Ernährung keine „natürliche“ Ernährung für uns Menschen darstellen wird.

Tatjana:

Ich stimme dir völlig zu, wenn du schreibst, dass vegane Ernährung nicht für jeden geeignet ist. Pauschal zu sagen, dass sie für Schwangere und Kranke nicht gut ist, kann jedoch so nicht stehen bleiben. Der Verzehr von gegrilltem Fleisch im ersten Schwangerschaftsdrittel steht laut Wissenschaftlern in Zusammenhang mit einem geringeren Geburtsgewicht, ebenso wie das bloße Einatmen der Grilldämpfe. Letzteres bringen die Wissenschaftler zudem mit einer kleineren Kopfgröße des Säuglings in Verbindung. Atmet eine Schwangere Grilldämpfe ein, kann das negative Auswirkungen auf die zukünftige kognitive Entwicklung des Kindes haben. Die Folge kann bspw. ein geringerer IQ sein.

vegan grillen

Lecker und gesundheitsschädlich? Grillen (Foto: 110stefan / pixelio.de)

Bei einem wissenschaftlichen Versuch in Schweden wurden hingegen 35 Asthmapatienten auf eine pflanzenbasierte Diät gesetzt. Von den 24 Patienten, die bei der veganen Ernährung blieben, ging es 70% nach vier Monaten, 90% nach einem Jahr besser. Gut, das ist nicht repräsentativ, aber ich möchte Dr. Michael Greger zitieren, der alle hier genannten Experimente in seinem Buch „How not to die“ aufgeführt hat: „Schaut man sich die gesundheitlichen Vorteile im Vergleich zu den Risiken an, ist eine pflanzenbasierte Ernährung den Versuch auf jeden Fall Wert.“

Tatsache ist, dass alle Vitamine und Nährstoffe bis auf B12 in Pflanzen enthalten sind. Auch die von dir erwähnte Deutsche Gesellschaft für Ernährung legt Menschen, die sich entgegen ihrer Empfehlung vegan ernähren wollen, nur ein Vitamin-B12-Präparat ans Herz – keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel.

Trotzdem reagieren wir natürlich alle anders. Ich esse seit wenigen Monaten überwiegend vegan. Davor habe ich über zehn Jahren kein Fleisch aber Fisch gegessen, war per definitionem also Pescetarier. Und das komplett ohne Mangelerscheinungen, worauf ich mich regelmäßig untersuchen lasse. Ich kenne jedoch einen ähnlichen Fall, bei dem der Verzicht auf Fleisch zu einem starken Eisenmangel geführt hat, der selbst durch Nahrungsergänzungsmittel nicht kuriert werden konnte. In so einem Fall geht die Gesundheit natürlich vor.

Zudem kann vegane Ernährung ein Ansatz gegen die Umweltzerstörung sein. Knapp die Hälfte der Treibhausgase kommt aus der Massentierhaltung. Für Sojabohnen, die zu etwa 80% als Futter in die Massentierhaltung gehen, wird hektarweise Regenwald abgeholzt und das proteinhaltige Futter dann noch kilometerweit zu uns geschifft oder geflogen.

Jens:

Fakt ist, dass man sich mit einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung, in jedem Fall auf der sicheren Seite befindet. Sucht man im Internet nach den Auswirkungen veganer Ernährung, findet man unzählige sich widersprechende Aussagen. Für viele Gruppen wie Sportler oder Menschen mit einem hohen Stoffwechsel ist vegane Ernährung überwiegend kritisch zu sehen, wie zahlreiche durch Ärzte begleitete Selbstversuche (u.a. DIESER in der „Welt“ erschienene) belegen.

Auch, wenn wir zweifelsfrei feststellen würden, dass wir Menschen uns nicht gesund auf vegane Art ernähren könnten, könnte es trotzdem die moralische Forderung geben, dass wir Tiere nicht töten dürften, um sie anschließend zu essen. Auch der umgekehrte Fall wäre denkbar. Aber es ist doch viel interessanter, der Frage nachzugehen, ob hinter veganer Ernährung denn mehr steckt als nur ein subjektiver Lifestyle – ob Veganismus gar „richtig“ oder „falsch“ sein kann. Und richtig oder falsch kann etwas eben nur im faktischen, was hier auszuschließen ist, oder moralischen Sinne sein. Ethik ist ja geradezu definiert als die Suche nach dem Richtigen oder Falschen (vgl. hierzu u.a. das Standardwerk John Leslie Mackies).

Wenn Veganismus ein ethisches Grundprinzip wäre, an das sich jeder halten müsste, müsste es auch zwangsläufig für Tiere, die andere Tiere töten und essen, gelten. Denn obwohl du es nicht wahrhaben willst, töten Raubtiere nicht nur, um zu essen, sondern auch einfach so zum Spaß. Tiere töten ihre eigenen Jungen, um sich nicht mehr um sie kümmern zu müssen, sie töten ihre männlichen Artgenossen, um sich so eines Nebenbuhlers um ein Weibchen zu entledigen. Unsere geliebten Katzen spielen mit gefangenen Mäusen und quälen sie, anstatt sie schnell zu töten. Entgegen der allgemeinen romantischen Stimmung in Bezug auf das Tierreich muss man also festhalten: Tiere töten. (Vgl. hierzu den im „Spiegel“ erschienene Artikel „Killer mit Kulleraugen“)

Ich möchte gerne mit einem letzten hypothetischen Beispiel abschließen, um zu verdeutlichen, dass es nichts gibt, was am Fleischkonsum an sich moralisch relevant sein kann: Ich entschließe mich – rein hypothetisch gesprochen – einen Spaziergang zu machen und bemerke auf dem Waldweg einen toten Hasen. Es sind keine äußeren Zeichen von Gewalteinwirkung erkennbar und es hat noch kein Verwesungsprozess begonnen. Ich entschließe mich, den toten Hasen mitzunehmen und zu Hause zu verzehren. Die Gretchen-Frage: Was ist an meiner Handlung verwerflich?

Tatjana:

Tiere töten, da widerspreche ich nicht. Wir Menschen dagegen sind „Allesfresser“ und besitzen die Intelligenz abzuwägen, was wir essen wollen und was nicht. Übrigens auch noch ein kleiner Unterschied zwischen Mensch und Tier: Tiere verzehren ihr Beutetier. Menschen hingegen kaufen ihr Fleisch gerne abgepackt und wollen möglichst nicht mit der Tatsache konfrontiert werden, dass das Stück Fleisch auf ihrem Teller vor ein paar Stunden noch gelebt hat. Wieso sollten sie sonst so gereizt reagieren, wenn man sie darauf anspricht?

Gibt es wirklich keine Argumente dafür, dass Veganismus „richtig“ ist? Ich als Mensch möchte keinem Lebewesen Leid zufügen oder darüber entscheiden, ob es getötet wird. Hier kommt Arthur Schopenhauers Mitleidsethik ins Spiel: Moralisches Handeln lässt sich dann als solches verstehen, wenn wir ein empirisches Motiv finden – Motive wie altruistische Gefühle oder Mitleid beispielsweise. Die Anwendbarkeit des Mitleids auf alle Wesen ergibt einen gleichen moralischen Status für Mensch und Tier. Inwiefern wir aus diesem Mitleid unsere Konsequenzen ziehen, bleibt uns selbst überlassen. So beispielsweise auf deine hypothetische Geschichte mit dem Hasen bezogen: Tatsächlich ist es so, dass ich Tiere nicht mehr als Nahrungsquelle wahrnehme. Ich hätte ihn also begraben.

Vegane Ernährung kann gesund sein und sogar heilen – und für mich ist sie „richtig“. Trotzdem bleibt es jedem selbst überlassen, was er isst, solange er mit den Konsequenzen – gesundheitlicher oder ethischer Art – leben kann.

Jens:

Da kann ich dir nur zustimmen. Ich denke jedoch, dass du dir über die Tatsache bewusst bist, dass du als Veganerin mit dieser Aussage gleichzeitig eine Form von Toleranz gegenüber „Fleischessern“ zeigst, die viele andere Veganer gerade nicht teilen würden. Gerade weil wir „Allesfresser“ sind, ist die Entscheidung, sich ausschließlich von pflanzlicher Nahrung zu ernähren, eine individuelle, die man kritisch sehen und die niemandem vorgeschrieben werden kann.

Es ist interessant und lobenswert zugleich, dass du Schopenhauers Mitleidsethik heranziehst, um moralische Rechte für Tiere zu begründen. Diese Form der Ethik wurde in der Vergangenheit vielfach kritisiert, unter anderem besonders vehement von Friedrich Nietzsche, und besitzt in meinen Augen ein zentrales Problem: Es ist ein rein emotionaler Ansatz und aus diesem Grund nicht generalisierbar. Nicht jeder Mensch empfindet Mitleid in dem gleichen Maße und mit den gleichen Lebewesen. Es gibt durchaus ethische Gründe, um sich vegan zu ernähren, aber diese sind individuell und nicht generalisierbar.

Generell sollten Tier- und Umweltschutz in unserer Gesellschaft und in der Politik einen höheren Stellenwert einnehmen als dies momentan der Fall ist. Ich denke aber unser Gespräch konnte auch zeigen, dass es sehr schwierig ist, moralische Rechte für Tiere zu begründen oder den Verzehr von Fleisch an sich in Frage zu stellen. Ohne diese Grundlage bleibt Veganismus ein – für den einen mehr, für den anderen weniger – erstrebenswertes Ideal, das jedoch keine moralische Vorgabe sein kann.

Jetzt seid ihr dran, liebe Leser! Wer konnte euch überzeugen und warum? Schreibt es in die Kommentare oder auf unsere Facebook-Seite!

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Gefangen in der Schublade – Warum ich keine Veganerin bin

Gefangen in der Schublade - Warum ich keine Veganerin bin

Kaffee mit Hafermilch: Macht ihn das vegan? (Foto: Obermann)

Die Hafermilch verleiht meinem Kaffee eine nussige Note. Das liebe ich. Ich trinke meinen Kaffee nur noch so. Es war aus einer Laune heraus, dass ich mir gedacht habe, die Alternativen auszuprobieren kann nicht verkehrt sein. Wirklich. Es stand nicht die Rettung der Welt im Mittelpunkt oder ein rebellierender Magen. Ich hatte einfach Lust, etwas anderes als Kuhmilch auszuprobieren. Bevor ich mein erstes Kind bekommen habe, habe ich mich jahrelang vegetarisch ernährt, aber Fisch gegessen. Heute wird das Pescetarier genannt. Den Begriff gab es damals noch nicht. Noch eine Schublade zum Reinschieben. Alles wird schön säuberlich voneinander getrennt. Kein Fisch, kein Fleisch, kein Käse.

Kommt Zeit, kommt Rat

Seit ein paar Monaten esse ich wieder kein Fleisch. Die christliche Fastenzeit stand bevor und ich hatte es satt, Fleisch wegzuschmeißen. Fleisch, dass meine Familie nicht gegessen hat. Oder dabei zuzuschauen, wie das Gemüse liegen gelassen wird, das Fleisch regelrechte gefr… Ja, ich hatte es einfach satt. „Das ist kein Fasten“, wurde mir gesagt, „das fällt dir ja nicht schwer.“ Nein, es fiel mir nicht schwer. Weil mir sehr schnell jede Lust auf Fleisch verging, als ich es nicht mehr einfach nur gegessen habe, weil es eben „normal“ war. Ich blieb dabei und hatte auf einmal eben auch keine Lust mehr auf Kuhmilch. Also schütte ich die nussige Hafermilch in den Kaffee.

Aha, Veganer

Gefangen in der Schublade - Warum ich keine Veganerin bin

Ess-Schublade? Oft essen wir Fleisch, nur weil es „normal“ ist (Foto: piepie / pixabay.de)

Nein, ich bin keine Veganerin. Ich bezeichne mich selbst auch nicht als Vegetarierin. Wenn ich gefragt werde, sage ich: „Ich ernähre mich gerade vegetarisch.“ In meiner Umgebung ist das schon ein Grund mich für annährend geisteskrank zu halten. Der Blick meines Vaters, als er gehört hat, dass ich kein Fleisch mehr essen wollte, war unbezahlbar. Ich esse kein Fleisch, weil ich gerade keine Lust darauf habe. Und ich gebe Hafermilch in meinen Kaffee, weil er mir so besser schmeckt. Aber ich lasse mich nicht mehr in Schubladen stecken. Essen sollte Ernährung sein und Genuss. Also Nährstoffe liefern, die ich brauche und mir schmecken. Ein Luxusproblem, wenn ich bedenke, wie wenig andere haben. Und Fleisch steht dort ganz sicher nicht auf der Speisekarte.

Kein Fleisch ist nicht wenig

Wir verknüpfen gerne Fleisch mit Konsum, Geld, Macht, Erfolg. Warum? Weil Fleisch teuer ist. „Die Armen“ können es sich nicht leisten. Darum verbinden wir auch eine Ernährung ohne tierische Produkte mit einer Mangelernährung (denn arm = Mangel = krank). Das ist genauso ein Blödsinn, wie als Veganer alle Fleischesser zu verdammen. Ich möchte hier eines ganz klar sagen: Die Menschen sind ein bunter Haufen Verrückter, die alle glauben, nur sie wären normal und alle anderen müssten sich dem angleichen. Das ist absoluter Mist. Wir sind alle anders und jemanden zu zwingen irgendwas zu essen oder nicht zu essen ist einfach falsch. Genauso falsch finde ich es auch, mir selbst ein mentales Korsett anzuziehen und mich in eine Ernährungsschublade zu quetschen.

In der Schublade ist es eng

Gefangen in der Schublade - Warum ich keine Veganerin bin

Vegan? Ich esse lieber nach Lust, statt nach Schublade (Foto: Obermann)

Schubladen sind vor allem für die Menschen um uns herum gut. Ah, das ist eine Veganerin, die isst den Kuchen mit Eiern nicht. Aha, der ist Lacto-Vegetarier, sie aber isst sogar Fisch. Und der da hinten stopft alles in sich rein. So was aber auch. Ich möchte mich nicht beim Einkaufen hinstellen uns überlegen, was ich essend „darf“. Viel lieber überlege ich, was ich essen „will“. Worauf ich Lust habe. Ich lasse die Schubladen in der Kommode und richte ich nach meinem Körper, meinem Empfinden, meinem Appetit. Wer mal länger kein Fleisch gegessen hat, wird mir vielleicht Recht geben, dass es eigentlich nicht sonderlich gut schmeckt. Das Gewürz macht den Geschmack. Und für das brauche ich kein totes Tier. Und wer selten Milch trinkt, schmeckt das cremige Fett einer Kuhmilch auch aus dem Kaffee heraus. Andere aber eben nicht. Wir sind alle verschieden. Die Schublade funktionieren da einfach nicht. Esst was ihr wollt und wenn euch eine Kategorie hilft, ist das ok. Aber nehmt auch die Essgewohnheiten der anderen nicht immer so kategorisch. Wir essen. Vielleicht können wir uns darauf einigen.

Einmal Vegetarier und wieder zurück

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür Vegetarier zu werden, weil sie einen gesunden Lebensstil pflegen wollen. In den meisten Fällen bleiben sie es aber nicht, wie bei Viktoria Umbach. Die 22-jährige Journalistin verzichtete zuerst auf Fleisch, dann stieg sie wieder um. Ihre Beweggründe erfahrt ihr im Interview.

Face2Face: Warum hast du dich damals entschieden, völlig auf Fleisch zu verzichten?Viktoria: Vor etwa sechs Jahren hatte ich mal eine Führung in einem Schlachtunternehmen. Dort habe ich dann gesehen, dass die Tiere in unwürdigen Zuständen gehalten wurden. Zum Beispiel lagen tote Hühner auf dem Boden, während die lebenden einfach drüber liefen. Man hielt sie in engen Käfigen, darum hatten sie keine Wahl. Das waren Bilder, die ich so schnell nicht vergessen kann.

Face2Face: Wie hast du diese Umstellung empfunden?
Viktoria: Ich habe mich deutlich fitter gefühlt und ein paar Kilos hatte ich dann auch runter. Einziges Manko: Durch den Fleischverzicht bekam mein Körper Probleme mit der Versorgung von Spurenelementen. Ich hatte Eisenmangel, ein sehr wichtiges Element, das der Körper nicht selber produzieren kann. Vor allem ist es wichtig, um den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu bilden und den Sauerstoff zu transportieren.

Fleisch und Wurst: Leider weiß der Verbraucher nicht immer 100 % wie die Tiere vor ihrer Schlachtung gehalten wurden (Foto: V.Kalra)

Fleisch und Wurst: Leider weiß der Verbraucher nicht immer zu 100 % wie die Tiere vor ihrer Schlachtung gehalten wurden (Foto: V.Kalra)

Face2Face: Und in dieser Zeit wurdest du nicht einmal rückfällig?
Viktoria: Klar, wenn ich mal an einer Dönerbude vorbei gelaufen bin, und sich der Geruch vom gegrillten, würzigen Fleischspieß ausbreitet, habe ich schon überlegt mir vielleicht einen kleinen Döner zu bestellen. Aber auf der anderen Seite hatte ich ja noch diese Schockbilder im Kopf und die haben sich dann letztendlich durchgesetzt.

Face2Face: Und heute bist du wieder Nicht-Vegetarier. Warum?
Viktoria: Wie gesagt, ich litt unter Eisenmangel. Es hat sich einfach verschlimmert, sodass mein Hausarzt mir empfahl wenigstens einmal die Woche wieder Fleisch zu konsumieren. Und da mir meine Gesundheit wichtig ist, beschloss ich diesen Schritt zu wagen.

Face2Face: Schmeckt das Fleisch denn jetzt noch intensiver?
Viktoria: Oh ja! Das war so krass. Das erste, womit ich angefangen habe, war eine Currywurst. Ich hatte ein Stück davon im Mund und der Geruch und Geschmack waren super intensiv. Es war ungewohnt für mich, weil ich das Fleisch vor meiner Zeit als Vegetarierin nicht so wahrgenommen habe. Doch dann ging es und ich konnte einfach nur genießen.

Face2Face: Was isst du denn besonders gerne?
Viktoria: Grillfleisch wie zum Beispiel Spieß gehört zu meinen Favoriten.

Face2Face: Wie oft konsumierst du Fleisch in der Woche?
Viktoria: Also ich finde, dass in Deutschland der Fleischkonsum zu hoch ist. Wir essen einfach worauf wir Lust haben, statt nachzudenken, was der Körper wirklich braucht. Ich versuche deshalb meinen Konsum in Maßen zu halten. Mehr als zwei mal in der Woche ist es nicht. Natürlich gibt es auch Wochen, in denen ich kein Fleisch esse.

Face2Face: Achtest du dabei auf Quantität oder Qualität?
Viktoria: Mir ist es wichtig, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Ich achte im Supermarkt auch nicht auf den Preis, sondern kaufe nach Qualität, weil ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann.

Face2Face: Du kennst nun die Seite des Vegetariers und des Nicht-Vegetariers. Zu welcher Seite tendierst du eher?
Viktoria: Momentan geht es mir gesundheitlich wieder besser. Wenn ich die Möglichkeit hätte, meine Gesundheit auch ohne Fleischkonsum auf Trab zu halten, dann kann ich mir vorstellen, bald wieder fleischlos zu werden. Mal schauen was die Zukunft bringt.

Schottische Eier – das Küchen-Überraschungs-Ei

Das modebewusste Ei von heute trägt einen Mantel aus Hackfleisch: Schottische Eier beziehungsweise „Scotch Eggs“ heißt der Trend auf dem Laufsteg internationaler Küchen, der bereits 1738 vom Londoner Kaufhaus „Fortnum & Mason“ erfunden wurde. Der Namenszusatz „schottisch“ verweist somit nicht auf die Herkunft des Gerichts, sondern ist als Anspielung auf die schottische Sparsamkeit zu verstehen. Doch auch der deutschen Küche ist die Speise, die sich besonders für den kleinen Hunger unterwegs oder Picknicke eignet, nicht ganz unbekannt: Sie lässt sich mit heimischen Gerichten wie dem falschen Hasen oder Vogelnestern vergleichen.

Überraschend: Die kleinen Kugeln verbergen im Inneren eine große Überraschung (Foto: Onat)

Handlich: Schottische Eier verbergen im Inneren eine Überraschung (Foto: Onat)

Zutaten und Materialien für zehn schottische Eier:

  • 12 Eier
  • 500g gemischtes Hackfleisch
  • eine Zwiebel
  • 12 EL Paniermehl
  • 3 EL Mehl
  • Salz, Pfeffer und mittelscharfen Senf zum Würzen
  • Öl zum Braten
  • Wasser zum Kochen
  • eine Pfanne, ein Topf, ein Messer, vier Schüsseln, ein Schneidebrett

Zubereitung:

1. Zehn Eier in einen Topf geben und so viel Wasser hinzufügen, bis alle Eier damit bedeckt sind. Nun die Eier im Topf hart kochen lassen. Wer weiche Eier bevorzugt, kann den Kochprozess natürlich verkürzen. Anschließend die Eier unter kaltem Wasser abschrecken, schälen und auskühlen lassen.

2. Während die Eier abkühlen, geht es an die Zubereitung der Hülle: Hierfür zunächst die Zwiebel schälen und mit einem Messer fein würfeln. Die Würfel zusammen mit dem Fleisch, drei Esslöffeln Paniermehl und einem Ei verkneten. Alles mit Salz, Pfeffer und etwas mittelscharfem Senf abschmecken und die Eier dünn mit der Fleischzubereitung ummanteln.

3. Nun das letzte Ei in einer Schüssel verquirlen und die umhüllten Eier panieren: Dafür drei Esslöffel Mehl und neun Esslöffel Paniermehl in separate Schüsseln geben. Die Eier erst im Mehl wenden, bevor sie ins Ei getunkt und wieder im Paniermehl gewendet werden. Nur noch Öl in einer hohen Pfanne erhitzen und die schottischen Eier darin goldbraun anbraten. Wem die kleinen Hungerhappen nicht genug sind, kann sie mit Kräutersalat oder -soße veredeln.

Vorschau: Nächste Woche bietet Vanessa ihr Tipps&Tricks-Debüt und verrät, wie Wärme mit Schönheit zusammenhängen kann.

Fleischesser gegen Veganer- die ewige Debatte

In unserer modernen Gesellschaft der ersten Welt können wir uns glücklich schätzen. Kaum einer muss Hunger leiden. Auch Mangelerscheinungen wie Skorbut gehören eher der Vergangenheit an. Stattdessen aber diskutieren wir nun darüber, was wir essen sollten und was nicht. Während die eine Seite gerne Fleisch verzehrt oder zumindest nicht gänzlich auf tierische Produkte verzichten will, will die andere Seite uns warnen vor den schlimmen Folgen des Verzehrs von Tierischen Produkten und den damit zusammenhängenden Leiden der Tiere. Doch keiner der beiden Seiten scheint dem Anderen zuzuhören. Stattdessen bewerfen sie sich gegenseitig mit Anschuldigungen. Was sind die Fakten?

 

Viel Gemüse ist gesund (Foto: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de)

Viel Gemüse ist gesund (Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de)

Eindeutig ist ein zu hoher Fleischkonsum ungesund. Er führt zur Übersäuerung des Körpers und einer mit dem Säure-Basen Haushalt miteinhergehende schlechtere Knochendichte, einer Ansammlung von Fetten im Blut (HDL) und dadurch zu erhöhtem Herzinfarktrisiko, Übergewicht, und erhöhtem Risiko an Gicht oder Dickdarmkrebs zu erkranken, und möglicherweise auch Diabetes. Auch der übermäßige Antibiotikaeinsatz der Massentierhaltung und die dadurch entstehenden Multiresistenten Keime sind sicher ein Gesundheitsrisiko. Doch die Veganer führen neben den gesundheitlichen Risiken noch andere Folgen des Fleischkonsums an: so führt die Massentierhaltung durch die Rodung von Wäldern für Weiden, die Monokulturen für den Futteranbau und die CO2-Emissionen der Tiere zu Klimawandel und Artensterben. Der ökologische Fußabdruck erhöht sich also durch den Fleischkonsum.

Ein Haufen Bratwurst: Der Traum eines Fleischessers (Foto: Tim Reckmann  / pixelio.de)

Ein Haufen Bratwurst: Der Traum eines Fleischessers (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)

Manche Veganer möchten nur aufklären, doch Andere machen dem Vorwurf, dass Veganer missionarisch und fanatisch sind und sich für bessere Menschen halten, alle Ehre. Und so wird auf beiden Seiten provoziert, sodass Sätze wie „Fleisch ist mein Gemüse“, “Veganer essen meinem Essen das Essen weg“ genau so schnell fallen, wie „Ihr seid zu bequem euch zu ändern“, und „eure Moralvorstellungen sind verdreht“. Auch stehen schnell Aussagen im Raum, welche wissenschaftlich begründet sein sollen, um den eigenen Standpunkt zu belegen. Welche davon haben einen Wahren Kern?

Wer vegan lebt, muss nicht, wie satirischer Weise oft gezeigt, schmal und unterernährt sein. Trotzdem sollte man sich, um Mangelerscheinungen vorzubeugen, informieren, denn eine vegane Ernährung sollte gezielt sein, um alle nötigen Nährstoffe zu erhalten (wie zum Beispiel Vitamin B12). Sterben Kinder durch solche Mängel, wurden sie nicht gezielt ernährt.

Unser Körper: Wir haben keine Reißzähne, wie ein Löwe. Unser Gebiss ist charakteristisch für Omnivoren, Allesfresser. Wir sind also darauf ausgelegt Fleisch und Pflanzennahrung zu uns zu nehmen. Streng genommen ist Omnivorie sehr weit verbreitet, so frisst eine Kuh unfreiwillig Insekten mit dem Gras und andere Herbivore ergänzen ihre Ernährung gezielt mit tierischen Proteinen, genauso, wie Krokodile auch Früchte essen. Der Mensch ist jedoch ein echter Omnivor, wobei er nachweislich trotzdem den Großteil seiner Nahrung aus pflanzlichen Quellen, besonders Früchte, bezogen hatte. Selbst unser Schlafrhythmus entspricht dem eines Omnivoren.

Andere Primaten holen sich ihre tierischen Proteine hauptsächlich aus Insekten und nur der Schimpanse und der Mensch jagen und essen Wirbeltierfleisch. Deshalb ist unser Verdauungssystem nicht absolut darauf ausgerichtet, genauso wenig wie es dazu ausgerichtet ist Gras zu essen und Cellulose zu verdauen, und wir verdauen rohes Fleisch nur sehr ineffizient. Erst durch das Feuer und das Kochen des Fleisches aßen die frühen Menschen auch mehr Fleisch und das Jagen und Fleischessen waren unweigerlich wichtige Aktivitäten.

In der Evolution des Menschen war das Fleischessen, zusätzlich zum Kochen, überlebenswichtig, besonders, weil pflanzliche Nahrung zwischenzeitlich knapp war. Die wissenschaftliche Theorie, dass das Fleischessen ein wichtiger Faktor für das Gehirnwachstum war, ist durch zahlreiche Beweise untermauert. Doch die komplexen sozialen Strukturen gehören ebenfalls dazu.

Es bleibt einzig die moralisch ethische Frage übrig. Ist es okay, ein Lebewesen zu töten? Dies ist die falsche Frage, da Pflanzen ebenfalls Lebewesen sind. Wenn, dann geht es um leidensfähige Lebewesen, welche Schmerzen empfinden können. Dann ist die Frage, wo die Grenze gezogen wird bei leidensfähig. Ist ein ausgebildetes Nervensystem, wie das eines Wirbeltieres? Pflanzen reagieren darauf, wenn Insekten ihre Blätter anfressen, verspüren aber keinen Schmerz. Doch Muscheln besitzen ebenfalls keine Schmerzrezeptoren. Wäre es okay Insekten zu verspeisen, wie es bei Primaten und in asiatischen Kulturen der Fall ist? Einige Menschen sind davon überzeugt, dass Insekten die Nahrungsquelle der Zukunft sind, und auch die EU hat bereits Pläne hierzu geschmiedet und gefördert.

Schwein am Spieß: das Fleisch war früher ein Tier (Foto: Andreas Preuß/pixelio.de)

Schwein am Spieß: das Fleisch war früher ein Tier (Foto: Andreas Preuß/pixelio.de)

Wer ein abgepacktes Stück Fleisch im Supermarkt sieht, denkt nicht mehr daran, dass dazu ein Tier geschlachtet werden musste. Der Film Earthlings zeigt auf, wie grausam es auf Schlachthöfen zugehen kann oder auch bei der Massenproduktion von Milch und Eiern. Und doch hat nicht jeder die gleichen Moralvorstellungen und so mancher Fleischesser ist sich sicher, auch selbst ein Tier schlachten zu können, wenn er es denn müsste.

Weidefleisch wäre eine gute Alternative. Das Thema, dass ein veganer Lebensstil trotzdem Tierleid verursacht durch Kollateralschaden beim Anbau, zum Beispiel bei Feldmäusen, verursacht erneut hitzige Diskussionen, doch Vorteile gegenüber Massentierhaltung sind nicht von der Hand zu weisen. Massentierhaltung bleibt bestehen, wie der Fleischatlas zeigt, denn die EU- Agrarsubventionen machen es möglich. Bleibt die Frage, ob, wenn die Subventionen gestrichen werden würden, Fleisch automatisch teurer würde und somit der Verbrauch automatisch geringer.

Was sollen wir also nun essen? Wir können uns nicht von Licht und Liebe ernähren und Lebewesen müssen für uns Heterotrophe (=„sich von anderen ernähren“) sterben. Und selbst eine vegane Ernährung ist nicht komplett tierleidfrei. Eine globale und pauschale Lösung, wie wir uns alle ernähren sollten, wird es nie geben und es ist nicht möglich aufzurechnen, welche Ernährungsform nun die Beste sei. Eine Ernährung mit regionalen und saisonalen Lebensmittel ist sicherlich ein wichtiges Stichwort und ob er nun gar keine tierischen Produkte oder sie in Maßen genießt, sollte jedem selbst überlassen sein.

Vorschau: In zwei Wochen erfahren wir etwas über die Entwicklung des Ozonloches.

Bio – Alles besser (für die Tiere)? Teil 2: Bio-Fleisch

Wer Fleisch essen will, kauft es meist im Supermarkt. Dass das Fleisch aus der Theke dort aus der Intensivtierhaltung (korrekter Begriff für die Massentierhaltung) stammt, ist bekannt.
Wer nun nicht möchte, dass das tote Tier auf dem Teller sein Leben in Qualen verbracht hat sondern es frische Luft atmen, Sonne auf der Haut fühlen und frisches Gras fressen konnte weicht vielleicht auf Fleisch mit einem Bio-Siegel aus. Was versprechen diese Siegel? Was hat Bio-Fleisch für eine Auswirkung auf den Organismus? Was an Bio-Fleisch ist also besser?

Die Frage, ob Bio-Fleisch besser für die Gesundheit des Menschen ist, ist schnell beantwortet. Wenn es mir um die Gesundheit geht, ich genetisch verändertes Essen ablehne und nicht von meinem Organismus abgebaut wissen möchte, dann entscheide ich mich für Bio-Fleisch. Das Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere belegt in einer Langzeitstudie, dass das Fleisch von Biorindern doppelt so viele gesunde Omega-3-Fettsäuren enthält als das von Artgenossen in konventioneller Haltung. Die Tiere auf Höfen mit Siegeln von der EU, Naturland, Demeter und Co sind nachweislich mit gentechnikfreiem Futter aufgezogen worden. Diese Siegel sind, trotz seltener Skandale in den letzten Jahren, doch vertrauenswürdig.

Ebenfalls unterstützt der verminderte Einsatz von Antibiotika die Gesundheit von Mensch und Tier. Hier wird nicht wie in der konventionelle Tierhaltung bei Krankheitsfall vorsorglich der gesamte Bestand mit einem Antibiotikum behandelt, sondern die Tiere ausgesondert und behandelt. So entstehen weniger Antibiotika-Resistenzen im Tier, welche beim Fleischverzehr vom Menschen aufgenommen werden.

Einer Schätzung der Bundesregierung zufolge werden Schweine durchschnittlich sechsmal pro Jahr mit Antibiotika behandelt, Milchrinder und Mastkälber etwa zweimal pro Jahr. Während eines Hühnerlebens kommt es im Schnitt zwei Mal zur Behandlung mit Antibiotika.

Geht es mir darum, dass es dem Tier während der Aufzucht besser erging als den Tieren auf engstem Raum in dunklen Hallen, so bieten verschiedene Siegel unterschiedliche Vorteile: Beim EU-Bio-Siegel haben die Tiere mehr Platz zur Verfügung, oft sind ein paar wenige Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden, die tierquälerische Kastenhaltung von Säuen beispielsweise wird unterbunden. Viele Tiere (nicht alle!) haben Freilauf an einigen Tagen der Woche. Es ist allerdings nach EU-Recht möglich, auf ein- und demselben Hof konventionelle Tierhaltung parallel zur biologischen Tierhaltung zu betreiben. Hier ist der Unterschied dann meist ausschließlich im gentechnikfreien Futter zu suchen.

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(c) Katharina Wieland Müller, www.pixelio.de

Beim Siegel von Demeter, Naturland etc. gibt es strengere Vorgaben. Die Tiere haben viel Freilauf, werden oft in kleinen Gruppen gehalten, konventionelle Tieraufzucht gibt es auf diesen Höfen nicht parallel, Tierrechte werden stärker berücksichtigt. Der Einsatz von Antibiotika, welcher in konventioneller Tierhaltung über alle Maßen ausgeführt wird und damit mit uneinschätzbaren Folgen Mensch und Tier schadet, ist in Bio-Betrieben sehr eingeschränkt.
Natürlich werden auch diese biologisch aufgezogenen Tiere nicht zu Tode gestreichelt, aber sie führen ein würdiges Leben bis zu ihrem Tod.


Wie kann ich mir sicher sein, dass das Fleisch, das ich kaufe, auch wirklich aus guter Tierhaltung kommt? Ganz einfach: Im Supermarkt kann ich mir, egal welches Siegel auf dem Fleisch ist, nie sicher sein. Einige Skandale bestätigen dies. Um sicher gehen zu können sollte ich mich in regionalen Ställen selbst umsehen, bevorzugt Ställe, in denen die Tiere besichtigt werden können. Da freut sich das Gewissen, und ich unterstütze noch den kleinen Bauern statt der Agrarfabrik, die Mensch und Tier ausbeutet.

Die meisten Regionen besitzen mindestens einen zertifizierten Hof, wo auch Gemüse, Milchprodukte und einiges mehr erstanden werden kann – in bester Bio-Qualität, versteht sich. Mit etwas Glück werden diese Produkte wie beispielsweise in Hannover dann auch noch wöchentlich zugeliefert. In Süddeutschland gibt es die Vorzeige-Biohöfe wie Herrmannsdorfer (www.herrmannsdorfer.de) und Co, welche an Tierfreundlichkeit in der Aufzucht nicht zu übertreffen sind. Des Weiteren existieren Geschäfte wie „Meine kleine Farm“, wo genau nachzuvollziehen ist, welches Teil von welchem Tier man kauft. Transparenter und tierfreundlicher ist dann nur noch die eigene Aufzucht und Schlachtung im Hinterhof.

Natürlich ist Bio-Fleisch teurer als konventionelles Fleisch. Wem jedoch die eigene Gesundheit am Herzen liegt und wen auch das Tierwohl nicht kalt lässt der reduziert seinen Fleischkonsum allerdings sowieso. Und dann kommt am Ende keine teurere Lebensweise, sondern eine gesündere dabei heraus.

Eine Serie auf Face2Face zu dem Thema „Vegetarismus“ findet ihr hier:

https://face2face-magazin.de/2011/05/22/vegetarisch-essen-teil-1-fakten-fakten-fakten/

Am 31.7. beschäftigt der kommende Artikel von Bernd sich mit Gedankenstudien.Im dritten Teil dieser Bio-Reihe im August wird es dann um Bio-Obst und Gemüse gehen.

Besser billig?

Billiger gekauft: irgendwer hat darum weniger (Tony Hegewald / pixelio.de)

Billiger gekauft: irgendwer hat darum weniger (©Tony Hegewald / pixelio.de)

Heute beim Einkaufen habe ich die Preisschilder verglichen. Muss ich für den Namen auf der Packung wirklich so viel mehr zahlen? Kann ich meinem Kind nicht auch die preiswerte Variante der Zahnpasta kaufen, statt der bekannten aus der Werbung? Und wie ist das bei Joghurt, Chips, Saft, Kleidung und den tausend anderen Produkten, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind? Billig heißt das Zauberwort. Nicht günstig, oder preiswert. Billig. Ob Mietwagen, Elektronik, Hosen oder Haarschnitt. Geschäfte und Firmen werben mittlerweile nicht nur mit geilem Geiz, sondern mit dem Begriff „billig“ als wertsteigerndes Adjektiv.

Und mal unter uns: wenn ich weniger bezahlen kann, mache ich das doch gerne. Ein paar Cent hier, ein paar Euro hier. Kleinvieh macht auch Mist. Und mit dem billig Erspartem kann ich ja noch etwas kaufen. Möglichst billig. Onkel Dagobert wäre stolz und unser Geldspeicher mangels Zinsen auf der Bank auch prall gefüllt. Discounter expandieren, Händler unterbieten einander im Preis, wir zahlen immer weniger.

Schön billig? In nur einer Frucht steckt wertvolle Arbeit (Foto: Obermann)

Schön billig? In nur einer Frucht steckt wertvolle Arbeit (Foto: Obermann)

Aber Momentchen mal. Da ist doch ein Haken, da ist doch immer ein Haken. Ist billig wirklich besser? Ich habe einen Garten, ich weiß, was es heißt, Obst und Gemüse anzubauen, abhängig von der Witterung zu sein, wenn auch reich geerntet werden soll. Ich kenne die Probleme mit Unkraut, Trockenheit und den Schwankungen die Menge der Früchte betreffend. Und das nur in meinem wirklich kleinen Garten. Ein Landwirt, dessen Existenz von seinem Ertrag abhängt, kann mir da nur leidtun. Was der an Arbeit, Zeit und Geld investieren muss, ist für mich kaum vorstellbar. Und dann wird der Preis seiner Ware bestimmt von Händlern, die möglichst billig einkaufen wollen, um sich gegenseitig unterbieten zu können. Billiges Essen heißt auch geringe Bezahlung für die Hersteller, heißt geringen Lohn für alle, die in dem Sektor arbeiten, heißt weniger Kaufkraft, und so weiter und so weiter. Irgendwann hat jeder weniger Geld und der Preis muss weiter gedrückt werden. Wen wundert es, wenn Tiere auf furchtbare Art gehalten und schließlich geschlachtet werden, wenn es einen Preis zu unterbieten gilt.

Und das ist kein Problem, dass nur die Landwirtschaft hat. Billigmodeketten wie auch Markenklamottenhersteller lassen nicht umsonst in unterentwickelten Ländern ihre Kleidung produzieren. Wer wenig zahlen muss, kann auch geringe Preise verlangen, anders herum kann jemand, der möglichst billig produziert auch möglichst großen Gewinn erzielen, wenn er teuer verkauft. Klingt logisch. Sorgt aber auch dafür, dass Kinderarbeit, unwürdige Arbeitsbedingungen und Gerüchte um sklavenähnliche Angestellte oder Zwangsarbeit nicht so einfach ins Reich der Legenden zu verbannen sind. Man ist nicht nur, was man isst, sondern auch, was man trägt. Selbe Problematik gilt auch für Elektronikprodukte und ich will gar nicht daran denken, was noch alles unverschämt und billig hergestellt wird und bei uns dann in den Haushalt kommt. Kein Markenname schützt davor, denn auch diese Firmen sind vom Profit abhängig.

Billig und glücklich? Nicht nur bei Kühen schwer zu glauben (©kunst-wach / pixelio.de)

Billig und glücklich? Nicht nur bei Kühen schwer zu glauben (©kunst-wach / pixelio.de)

Mein schlechtes Gewissen wächst und wächst. Besser ist anders. Und vielleicht auch gar nicht billig. Mein Gemüse und Obst von regionalen Händlern ist nicht schwer zu bekommen, zwar teurer, aber nicht nur frischer und ökologisch besser, weil keine langen Wege zurück gelegt werden müssen. Gleiches gilt übrigens auch vom Metzger des Vertrauens oder hochwertigen Fleischprodukten, die auch gerne mal mehr als das Doppelte des Billigpreises kosten, bei denen aber Haltung und Pflege tatsächlich einen respektvollen Umgang mit Tier und Fleisch zeigen. Auch gibt es Kleidermarken, die auf gute Arbeitsbedingungen wert legen, sogenannte Fairtrade-Produkte in vielen Bereichen und oft ist nur etwas Interesse in den Hintergrund des Produktes notwendig, um differenzieren zu können, was nun wirklich besser ist und was einfach nur billig.

Beim wöchentlichen Familieneinkauf ist zwischen den Regalen, mit einem hungrigen Kind im Einkaufswagen und einem konsumgezeichnetem in der Spielzeugabteilung diese Differenzierung kaum zu leisten. Wer einkaufen geht, geht kaufen, nicht recherchieren. Das muss zu Hause erfolgen. Besser davor als danach. Und wer sich informiert hat, muss abwägen, welchen Schritt er als Nächstes wagt. Mehr Geld ausgeben, weniger kaufen, aber dafür sinnvoller, möglicherweise besser, oder mehr, billiger, zentral. Eine persönliche Entscheidung, so viel ist klar. Aber wir sollten uns klar machen, dass billig nicht besser ist, sondern eben einfach nur billig, vielleicht sogar billiger.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha an dieser Stelle, warum Kleidung kaufen ein Albtraum für ihn ist.

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

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Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.