Portugal im Februar, Teil 1: Süßer Portwein, der Duft gegrillten Fisches und das Venedig Portugals

Drei gute Freundinnen und ein gemeinsamer Portugal-Urlaub – das klang sofort nach einer verlockenden Idee. Unser kleiner Portugal-Trip sollte in Porto beginnen und uns am Ende unserer Reise nach Lissabon führen.  Auf Grund der Nebensaison blieben wir fast gänzlich vom Touristentrubel verschont und konnten in drei Tagen gemächlich das malerisch an der Douro-Mündung gelegene Porto erkunden.

Eine Kulisse die zum Träumen einlädt - Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Eine atemberaubende Kulisse – Die hiostorische Hafenstadt Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Das Stadtbild von Porto ist geprägt von steilen Straßenhängen, in denen sich unzählige pittoreske Wohnhäuser, viele von ihnen leerstehend, aus dem frühen 20. Jahrhundert wiederfinden. Die Fassaden sind vielfach mit mühevoll handgefertigten Keramikfliesen in den unterschiedlichsten Ausführungen verziert. Diese befinden sich auch an Kirchen und anderen Monumenten. Die sogenannten „Azuljeos“ blicken in Portugal auf eine lange Tradition zurück und gelangten ursprünglich durch die Eroberung der Mauren nach Portugal.

Ein letzter Schluck Porwein - dazu ein fantastischer Ausblick auf Porto und den Fluss Douro (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein letzter Schluck Portwein – das Anwesen des traditionsreichen Portweinbetriebs Taylor’s lässt einen ganz schön staunen (Foto: Mätzke-Hodzic)

Auf der anderen Flussseite hat sich eine Vielzahl von Portweinkellereien niedergelassen. Die großformatigen Plakate nennenswerter Portweinhäuser, wie etwa Taylors, Sandeman und Graham, bleiben einem nicht verborgen. Portwein entstand durch den Handel zwischen Großbritannien und Portugal. Die Engländer sollen dem Traubenmost Brandy beigefügt haben, da die Qualität des Weines zu wünschen übrig ließ. Durch diesen wurde der Gärungsprozess gestoppt und der Alkohol in Zucker umgewandelt – Ergebnis war der süßliche Portwein, deren Trauben zumeist aus dem Douro-Tal stammen, durch welchen Porto weltweite Bekanntheit erlangte. Bei Taylors bezahlen wir 5 Euro für eine Weinverkostung inklusive Führung – eine definitiv lohnenswerte Investition. Das beeindruckende Gut befindet sich hoch über der Stadt, hat einen eher nach englischem Stil angelegten Garten und von der Terrasse aus offenbart sich einem die Stadt in ihrer ganzen Pracht. Bei der Führung werden wir in einem düsteren Keller, in dem Dutzende Weinfässer aus Eichholz lagern, von einer Dame, die in einen schwarzen Umhang gehüllt ist und zur wohl beabsichtigten, mystischen Stimmung beiträgt, in die Geheimnisse der Portweinherstellung eingeweiht. Ein einmaliges Erlebnis!

Da kommen Sommergefühle auf: Blauer Himmel und der Atlantik (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein Abstecher zum Fischerdorf Afurada: Dort erwartet uns ein blauer Himmel und die Weite des Atlantiks (Foto: Mätzke-Hodzic)

Wer ein paar Tage in Porto verweilt, sollte einen Tagesauflug in das nahegelegene Fischerdorf Afurada in Erwägung ziehen. Es hat den Ruf, einige leckere Fischrestaurants zu beherbergen. Zudem soll es den Charme eines verschlafenen Dorfes versprühen. Ein kleines Boot, das von einer eher unscheinbaren Stelle ablegt, schippert einen für 3 Euro auf die andere Seite. Dort steigt einem sofort der unwiderstehliche Geruch von gegrilltem Fisch in die Nase.

Waschtag - in Afurada hängen unzählige Wäscheleinen mit frischgewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Waschtag – in Afurada hängen rundherum um eine gemeinschaftliche Waschstelle unzählige Wäscheleinen mit frisch gewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Dem können wird jedoch (zu Beginn) noch Stand halten, da wir uns einen Eindruck von dem kleinen Dorf verschaffen wollen, in dem tatsächlich, die Zeit etwas langsamer zu ticken scheint. Von weitem sichten wir den Atlantik und lassen uns nach einem kleinen Fußmarsch oberhalb einer Meeresbrandung nieder, von der aus wir fasziniert den brausenden Atlantik und das Spiel der Wellen beobachten. Auf dem Rückweg gibt es dann den wohlverdienten frischen Fisch vom Grill in einem mehrheitlich von Einheimischen besuchten Restaurant. Außerdem werden weitere Speisen, die nicht bestellt wurden, an den Tisch gebracht –  in Portugal ganz gewöhnlich. Es kann freundlich abgelehnt werden. Wer sich aber an die nicht bestellten Speisen hermacht, muss auch bezahlen.

Als nächste Station steuern wir Aveiro, auch das Venedig Portugals genannt, an. Dafür begeben wir uns auf die einstündige Zugfahrt ausgehend von Portos märchenhaften Bahnhof, dessen hohe Eingangshalle mit blauleuchtenden Azulejos verziert ist. Die Landschaft auf dem Weg Richtung Aveiro ist eher karg und die kleinen Örtchen, die wir passieren, scheinen ihre blühenden Jahre hinter sich gelassen zu haben. Zu blühen scheinen dafür, die während der Fahrt immer wieder auftauchenden und hellleuchtenden Orangen- und Zitrusbäume.

Aveiro - auf Grund seiner Kanäle auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro – auf Grund seiner Kanäle und den gondelähnlichen Booten auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro präsentiert sich als kleines, gemütliches Städtchen, durch welches sich Kanäle hindurchschlängeln, auf denen bunt bemalte Flosse unter den Brücken hindurchgleiten. In der Altstadt schmiegen sich farbenfrohe Häuserzeilen eng aneinander. Wir lassen uns im Hostel Rossio nieder, in dem wir in einem 8-Bett-Zimmer, ansonsten alleine, untergebracht sind. (14 Euro pro Person und Nacht) Das Hostel  befindet sich in einem historischen Gebäude, mit knarrenden Holztreppen und ist geräumig und liebevoll eingerichtet.

In Aveiro stürzen wir uns das erste Mal ins Nachtleben. Das „Mercado Negro“, zu Deutsch Schwarzmarkt, stellt eine Art alternatives Kulturzentrum dar, dessen Räumlichkeiten sich gleich über ein ganzes Stockwerk erstrecken. In einem Zimmer mit Theke bestellen wir unsere Getränke und machen es uns sogleich in einem anderen Raum mit schummrigen Licht auf Seconhand Möbeln gemütlich. Nach ein paar Drinks ziehen wir beseelt von diesem Ort weiter und gelangen an einen Platz nahe des Fischmarkts (Mercado do Peixe) im alten Stadtkern, an welchem sich für uns völlig unerwartet, unzählige Grüppchen von Studenten lauthals lachend und unterhaltend, tummeln. Hier wird statt Döner als Mitternachtssnack, „Tripas“ geschlemmt – eine Crepe-ähnliche Spezialität mit verschiedenen Füllungen. Auch wir kommen nicht drum herum, die verlockende Süßspeise zu kosten. Langsam ist für uns nun aber Schlafenszeit –  es gilt unsere Kräfte zu schonen. Denn es warten noch Nazare, Sintra und als krönender Abschluss Lissabon auf uns.

Vorschau: Am 17. März nimmt die Reise-Redaktion Euch mit auf einen Abstecher nach Rom. Seid gespannt!

Cinque Terre – malerische Landschaft

Traumhaft: Blick von Palmaria auf Porto Venere (Foto:Wahlig)

Traumhaft: Blick von Palmaria auf Porto Venere (Foto:Wahlig)

Fünf verträumte und malerische Dörfer. Das sind die Cinque Terre. Hierzu gehören Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Diese kleinen Dörfer waren über Jahrhunderte hinweg nur zu Fuß oder über das Meer erreichbar.

Heute sind die Möglichkeiten in die Dörfer zu gelangen vielfältig. So gibt es einerseits in allen fünf Dörfern Bahnhöfe, wobei die Züge oft fahren und die Verbindungen rasch und günstig sind. Wer allerdings das Wasser liebt sollte sich dies nicht entgehen lassen und ab La Spezia das Schiff nehmen. Von hier aus kann man gemütlich und mit guter Sicht vom Meer aus alle fünf Dörfer erreichen. Für etwa 15 Euro erhält man ein Tagesticket für die Linienschiffe, die mehrmals täglich die Cinque Terre ansteuern.

Wer an der ligurischen Riviera Urlaub macht sollte sich die beeindruckende und malerische Landschaft der Cinque Terre also unbedingt anschauen. Am schönsten sind die kleinen Dörfer über gut markierte Fußpfade und den bekanntesten Spazierweg „Via dell’Amore“ (auf deutsch Liebespfad) von Riomaggiore nach Manarola zu erreichen. Dieser Weg ist besonders bei Hochzeitspaaren sehr beliebt, da hier romantische kleine Bänkchen mit Blick auf das Azurblaue Meer zum verweilen einladen. Die abwechslungsreiche unberührte Natur, die macchia mediterranea ist einzigartig und an keiner anderen Stelle in Italien so wie hier vorzufinden.

Einzigartige Stimmung: Monterosso (Foto:Wahlig)

Einzigartige Stimmung: Monterosso (Foto:Wahlig)

Der atemberaubende Blick auf das Meer, egal von welchem Standpunkt aus, lädt zum entspannen und träumen ein. Aber aufgepasst: Die schroff abfallend Küste ist nicht ganz ungefährlich. Daher ist festes Schuhwerk unbedingt zu empfehlen. Dennoch der unter Naturschutz stehende Abschnitt der Riviera macht jede Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Region ist als Nationalpark geschützt. Daher darf hier auch nicht gebaut oder etwas verändert werden. Seit dem Jahre 1997 sind die Cinque Terre sogar in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Ein Urlaub hier bedeutet völlige Entspannung abseits von Menschenmassen und in einer unangetasteten Natur. Die Landschaft mit seinen pittoresken Orten lockte schon so manchen Maler und Schriftsteller an. Daher werden die Cinque Terre auch als „Golf der Poeten“ bezeichnet.

Wenn man nach einer anstrengten Wanderung entspannen möchte lädt das Meer zu Baden ein. In jedem der kleinen Örtchen gibt es Möglichkeiten in das kalte aber saubere Meer zu springen. Am Mittag laden auch kleine Restaurants mit Köstlichkeiten aus der Region zu Spaghetti mit Pesto, aber vor allem zu Fischgerichten ein. Zum Nachtisch kann man sich dann ein selbstgemachtes erfrischendes Eis oder eine Granita, mit sorbetartiger Existenz, an den Promenaden gönnen. Für einen solchen Aufenthalt sind am besten Vernazza und Monterosso geeignet, da hier auch kleine Geschäfte dazu einladen, Mitbringsel, Postkarten oder Andenken zu shoppen.

Typisches Panorama der Cinque Terre: Vernazza (Foto:Wahlig)

Typisches Panorama der Cinque Terre: Vernazza (Foto:Wahlig)

Zwar gilt Monterosso gilt dabei nicht unbedingt als eines der typischen fünf Dörfer trotzdem hat es seinen besonderen Charme durch Anziehungspunkte, die man entdecken kann. Die restlichen Dörfer sehen genauso aus wie es durch die Bilder in Zeitschriften und Filmen vermittelt wird. Hier gibt es die typischen malerischen Häuser in blassem gelb, rosa und rot, direkt an Hang und Küste gelegen mit den Anlegeplätzen für Fischerboote, wobei Manarola dabei das wohl typischste aller Dörfer sein dürfte. Hier parken anstatt Autos sogar Fischerboote in schmalen Gassen.

Die steilen, terrassenförmig angelegt Orte sind vor allem für qualitativ hochwertigen Weine und Olivenöl bekannt. Der Wein hat einen sehr vollmundigen und einzigartigen Geschmack. Ich empfehle ein Fläschchen mit nach Hause zunehmen, um auch nach der Rückkehr noch den Geschmack der Cinque Terre zu erleben.

Als beste Reisezeit ist der September zu empfehlen, da es nicht zu warm und nicht zu kalt ist. Das Meer hat ist dann noch aufgewärmt vom Sommer und es sind nicht so viele Touristen da, die Cinque Terre besuchen, wie etwa zur Sommerzeit. Wie wäre es also im September mit einem Urlaub an der Ligurischen Küste und einem Besuch der Cinque Terre.

Vorschau: Am Dienstag, den 26. August entführt euch die Reise-Redaktion an die Côte d’Azur, besser gesagt ins mondäne Nizza.

Findet Nemo – wir haben ein Aquarium

Neue Mitbewohner: Ein Aquarium ist ein echter Hingucker (Foto: Obermann)

Neue Mitbewohner: Ein Aquarium ist ein echter Hingucker (Foto: Obermann)

Es gluckert neuerdings in unserem Esszimmer. Schuld daran ist das mehr oder weniger neue Aquarium, das dort seit ein paar Wochen vor sich hin blubbert. Eigentlich hatten mein Vater und seine Frau das Aquarium schon vor einem Jahr meinem Sohn geschenkt. Der Schwarm Guppys darin war als Lebendfutter für die Axolotl meiner Stiefmutter gedacht. Mein Sohn aber durfte die Tierchen füttern, wenn er seinen Opa besucht hat. Dass die Fische darin von den Molchen im Aquarium daneben gefressen wurden, hat er ja auch nicht mitbekommen.

Kurz nach Weihnachten aber ist mein Vater umgezogen, mit Frau und Axolotl. In der Zwischenzeit hatten sie aber gemerkt, dass Axolotl nicht unbedingt die schlausten Jäger sind, und es den Guppys wenig ausmacht, im selben Becken wie die Molche gehalten zu werden. Darum bekam ich einen Anruf: „Wir haben das Aquarium ausgestöpselt. Wenn ihr es nicht holt, sterben die Fische“. Seit diesem Tag haben wir also ein Aquarium mit dem entsprechenden Stromverbrauch.

So ein Fischbecken ist nämlich nicht einfach hingestellt. Mindestens eine Umwälzpumpe, eine Leuchte und ein Heizstab sind nötig, um für genug Licht, Sauerstoff und Wärme zu sorgen. Kölle Zoo zeigt auf seiner Internetseite, wie ein Einsteigeraquarium eingerichtet werden sollte. Wichtig ist hier auch, dass der Wasserwert stimmt. Wasserhärte, pH-Wert und Nitritbelastung sind beispielsweise entscheidend für das Überleben der Fische. Nicht zu vergessen die Pflanzen, die so ein Aquarium auch für das Wohle der Fische beinhalten sollte. Die ganze Prozedur konnten wir uns glücklicherweise sparen. Pflanzen, Steine, Fische – unser Aquarium war ja bereits fix und fertig.

Verantwortung! Auch um ein Aquarium muss mann sich kümmern

Verantwortung! Auch um ein Aquarium muss mann sich kümmern (Foto: Obermann)

Wer sich zum ersten Mal Fische holt, muss sich gut beraten lassen. Das dauert im qualifizierten Geschäft zwar schon mal etwas, lohnt sich aber auch. Nicht nur, dass manche Fische sich nun mal gegenseitig verspeisen (von wegen Fische sind Freunde, kein Futter), sie unterscheiden sich auch in ihrem Anspruch an Temperatur oder Futter. Wir haben zu unseren Mollys (Butje, Goldie und Dreckspatz), zwei Guppys (Bleichgesicht und Nemo), dem Wels (Ziprinus), und einem Algenfresser (Maulwurf) noch eine Garnele (Jaques) besorgt.

Durch die übersichtliche Anzahl haben wir es auch gewagt, jedem Fisch seinen Namen zu geben. Gerade für den kleinen Besitzer des Fischtanks ist die Verantwortung gegenüber der Tierchen dadurch wirklich gestiegen. Alles zwei Tage greift er zur Futterdose und achtet darauf, ja nicht zu viel zu füttern. Gerne wird nämlich bei Einsteigern zu fiel ins Aquarium geschmissen. Dadurch kann das Wasser aber leicht umschlagen und dann gehen alle Fische in kürzester Zeit drauf. Fische können sich auch gerne mal todfressen, wenn sie die Möglichkeit dazubekommen. Und wer weniger füttert, hat weniger Probleme mit Algen und Schnecken.

Etwas lästig kann das Saubermachen werden. Generell gilt, je kleiner das Aquarium, desto öfter muss das gute Stück gereinigt werden. Wenn man da gemeinsam ran geht, ist es aber gar nicht so aufwendig. Mein Sohn muss auch beim Putzen helfen, immerhin ist es sein Aquarium. Und so habe ich es damals auch bei meinem Vater gelernt. Während er mit dem Absauger im Becken den Dreck suchte, stand ich mit dem Schlauchende am Eimer und musste schreien, wenn sich ein Fisch in den Schlauch verirrt hatte. Heute halte ich den Absauger. Wer nicht ganz so oft putzen will, kann mit einem Algenfresser oder filternden Muscheln Abhilfe schaffen. Ganz kommt man um das Saubermachen aber dennoch nicht herum. Außerdem sind solche Raffinessen für ein kleines Aquarium nicht unbedingt geeignet, da die Muscheln bei zu wenig Essen auch schnell wieder eingehen. Auch blubbernde Schatztruhen machen sich in Disney-Filmen besser als im kleinen Tank zu Hause. Am Schluss haben sonst die Pflanzen nicht genug Kohlendioxid.

Unsere Mollys haben mittlerweile sogar Junge bekommen, von denen immerhin noch zwei regelmäßig zu sehen sind. Maulbrüter, die lebendgebärend sind, haben zwar den Vorteil, dass die Junge nicht schon vor der Geburt gefressen werden, aber danach freuen sich gerade Welse sehr über den ein oder anderen Happen. Andererseits wäre ansonsten das Aquarium schnell überfüllt und das wollen wir dann auch wieder nicht. Mein Sohn jedenfalls ist von seinen Fischen immer noch hellauf begeistert und wir Großen irgendwie auch.

Vorschau: Nächste Woche berichtet euch der Sonnenfreund Sascha von seinen Erfahrungen mit dem Solarium.

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

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Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.

Haifische Teil2: Artenvielfalt und Charakteristiken

Ein Hai, wie aus dem Bilderbuch: Der Schwarzspitzenriffhai (Foto: Margit Völtz  / pixelio.de)

Ein Hai, wie aus dem Bilderbuch: Der Schwarzspitzenriffhai (Foto: Margit Völtz / pixelio.de)

„Der weiße Hai“- dieser Film machte die Haie berühmt als gefräßige Jäger. Doch in Wirklichkeit sind sie es nicht. Besonders die Spezies des Großen Weißen Hais wurde dadurch bekannt. Doch der größte Hai ist er nicht. Bereits vor 400 Millionen Jahren gab es die ersten Haifische. Seit dem haben diese Knorpelfische nur wenig an ihrem Erfolgsrezept verändert.

Der Zwerg-Laternenhai gilt mit seinen maximal 20 Zentimetern Länge als der kleinste Hai. Der 14 Meter lange Walhai dagegen ist der größte Hai, dicht gefolgt vom Riesenhai. Diese beiden Giganten, und ebenfalls der Riesenmaulhai, ernähren sich von Plankton. Der Rest der Haie ernährt sich räuberisch. Ja sogar Kannibalismus tritt unter manchen auf. So fressen manche Haiembryonen sich im Mutterleib gegenseitig auf.

Einige Haie legen Eier, die sie zwischen Felsen und Seetang ablegen und sie sich selbst überlassen. Viele Haie sind jedoch lebendgebärend und die Jungen wachsen im Uterus der Mutter heran. Das Phänomen der Embryophagie, bei dem die stärkeren Haiembryonen ihre Brüder im Körper der Mutter fressen, auch inuteriner Kannibalismus genannt, wurde jedoch nur bei wenigen Arten, zuerst beim Sandtiger, beobachtet. Die Erklärung dahinter ist wohl der Selektionsdruck für die besseren Gene, da die Haie von unterschiedlichen Vätern sein können.

Der weiße Hai ist unter den räuberisch lebenden Haien der Größte. Größer als er wurde nur Megalodon. Der größte heute bekannte Hai lebte vor 20 Millionen Jahren bis vor 3 Millionen Jahren. Seine Existenz ist vor allem durch die Funde seiner bis zu 30 Zentimeter großen Zähne bekannt. Der 12 bis 18 Meter lange Megalodon hatte ein Gebiss von 3 Metern und könnte so einen Menschen mit einem Happs verschlingen. Kryptozoologen gehen davon aus, dass er noch immer im Mariannengraben weiter lebt.

Enorme Artenvielfalt unter den Haien. Zum Beispiel der Katzenfisch (Foto: Templermeister  / pixelio.de)

Enorme Artenvielfalt unter den Haien. Zum Beispiel der Katzenfisch (Foto: Templermeister / pixelio.de)

Die Artenvielfalt unter den Haien ist mit 500 Arten enorm. Ihnen allen gleich ist ihr spindelförmiger Körper. Einige Arten, wie der Teppichhai (Wobbegong) oder der wegen seiner sägeblattähnlichen Schnauze bekannte Sägehai, haben ihren Körper dabei mehr dorsoventral abgeflacht, wie bei einem Rochen. Die Rochen sind die nächsten Verwandten der Haie. Es existieren ebenfalls Sägerochen, die den Sägehaien ähnlich sehen. Ein weiterer Vertreter der Werkzeuge unter den Haien ist der Hammerhai. Es wird angenommen, dass seine einzigartige Schnauze sein Wahrnehmungsfeld vergrößert.

Die Sinnesorgane, mit denen Haie ihre Umwelt wahrnehmen, sind ihre Augen, ihre Nasenlöcher und die Lorenzinischen Ampullen, mit denen sie elektrische Felder, Temperaturunterschiede wahrnehmen können, zusätzlich zu ihrem Seitenlinienorgan, welches Bewegungen im Wasser wahrnimmt. Haie sind zwar farbenblind, jedoch sind ihre Augen zehnmal empfindlicher als die des Menschen.

Ihr Skelett besteht komplett aus Knorpel. Ihre wurzellosen Zähne sind in einem Revolvergebiss und wachsen auf der Innenseite des Kiefers beständig nach. Vom Maul aus werden die Zähne beständig kleiner und breiten sich über den gesamten Körper aus. Als Placoidschuppen bilden die Hautzähnchen ein Exoskelett. Es ist also kein Wunder, dass sich die Haut eines Haies wie Sandpapier anfühlt, wenn man bedenkt, dass ihre Schuppen zu unseren Zähnen evolutionstechnisch gleich sind.

Weitere besondere Haie sind zum Beispiel die Drescherhaie, auch Fuchshaie genannt, die eine charakteristisch lange, obere Schwanzflosse besitzen, welche sie wie eine Peitsche benutzen und damit ihre Beute, ein Schwarm von Sardinien, bewusstlos schlagen. Der Goblinhai, oder Koboldhai lebt in der Tiefsee und hat eine charakteristisch lange Nase. Er wurde seit seiner Erstendeckung im Jahre 1897 nur 50 mal gesehen und deshalb weiß man relativ wenig über ihn.

 

Vorschau: Nächste Woche geht es über den Mythos Lemminge und die wahren Fakten dazu.

Rätselhaftes Fischsterben

Wasser ist für uns unentbehrlich. Es ist die Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanze. Eine Beeinträchtigung der Qualität des Wassers hat viele gesundheitliche Folgen. Doch durch die industrielle Nutzung des Wassers kommt es oft zu Verunreinigungen. Auch andere durch den Menschen entstehende Veränderungen haben Einfluss nicht nur auf die Qualität des Wassers, sondern dadurch auch auf das gesamte Ökosystem. In letzter Zeit gab es immer wieder rätselhafte Fischsterben, die auf solche Probleme aufmerksam machen.  Millionen tote Fische allein dieses Jahr:

So etwas haben sie noch nie gesehen, sagen die Menschen in den Fjorden Islands, als im Februar 50.000 Tonnen Heringe am Ufer verrotteten. Sauerstoffmangel soll die Ursache gewesen sein. China erwischte es im Juli gleich zweimal, in Shandong und in einem See in Ninjiang.

In den USA führte fehlender Regen zu Sauerstoffmangel im Sugar Lake, Missouri, im Lake Michigan und im Lake George, Massachusetts. In Dänemark, Großbritannien (jeweils in Nottingham und West Essex) und China wird das warme Wetter für den Sauerstoffmangel verantwortlich gemacht.

Auch Deutschland bleibt nicht unberührt. Im Mai verendeten Karpfen in Thüringen. Im Juni starben die Fische im Gartower See in Niedersachsen, im Juli in Bad Kreuznach im Ellerbach, im August in Berlin in der Spree; bei allen ist es Sauerstoffmangel.

Klimawandel und menschliche Aktivitäten tragen gemeinsam zu der Hitzewelle bei. Menschen sterben an Hitzeschlägen, andere spüren die Folgen an ihrem Essen.

In Frankreich und in Ohio, USA, waren direkte Umweltverschmutzungen schuld. Auch in Thailand sterben auf einer Fischfarm täglich 30.000 Fische wegen verschmutztem Wasser.

Es gibt noch einige dieser Fischsterben auf der ganzen Welt. Die Ämter in Deutschland erhalten diese Informationen und bearbeiten sie bürokratisch, ohne weiter darüber nachzudenken.

All diese Nachrichten waren kaum in den Medien. Die mangelhafte Berichterstattung ist jedoch folgenreich. Die Einflüsse auf das Ökosystem sind das Ergebnis des großen ökologischen Fußabdruckes, den ein jeder von uns hinterlässt. Und ein jeder muss etwas dafür tun, dass sich etwas ändert.

 

Vorschau: In zwei Wochen geht es Weiter mit dem zweiten Teil über Haie.

Haifische- Teil 1: Gefräßige Jäger?

Am 22.08 ist eine 20 jährige Hessin gestorben, nachdem ihr ein Hai auf Hawaii den rechten Arm abbiss. Deshalb sehen wir uns die Sache mit den Haien mal genauer an:

In den Siebzigern fing es mit der “Der Weiße Hai”- Reihe an. In den Neunzigern gab es „Deep Blue Sea“. In den letzten Jahren kamen „Shark Attack“, „Supershark“, „Sharktopus“ und zu guter Letzt „Sharknado“ hinzu. Ein Film wurde unrealistischer als der vorherige. Sie alle haben jedoch gemeinsam, dass sie das Gesamtbild des Hais ins Negative rücken. Doch früher wurden Haie nicht als die Killer angesehen. Bis ins 20. Jahrhundert waren Haiangriffe nicht denkbar. Nur in den Tropen war so etwas bekannt und wurde als anormal angesehen. Erst nach den Angriffen von New Jersey im Jahre 1913, auf denen „Der weiße Hai“ basiert, änderte sich dies.

Drohende Gefahr: Skizze eines Haiangriffes (Bild: Werth/Face2Face)

Drohende Gefahr: Skizze eines Haiangriffes (Bild: Werth/Face2Face)

Fakt ist, dass auf der ganzen Welt jährlich um die 100 Haiangriffe stattfinden. Meist sind dies jedoch kleinere Haie, die wegen des Übermutes einzelner Menschen belästigt werden und zubeißen bevor sie fliehen. Dabei entstehen keine lebensgefährlichen Verletzungen. Nur vier Spezies sind in die tödlichen Angriffe verstrickt: Der Große Weiße Hai, Der Tigerhai, der Bullenhai und selten der Weißspitzen-Hochseehai. Unprovozierte Angriffe können oft das Ergebnis von Verwechslung sein, wenn der Hai den Menschen für eine Beute, wie beispielsweise eine Robbe, hält. Da der Hai über gewisse Sensoren (die Lorenzinischen Ampullen) Bewegungen im Wasser spürt, kann er das Zappeln missinterpretieren. Solche Attacken können oft tödlich ausgehen.

Auch Neugier kann ein Angriffsgrund sein. Oft verursachen Surfbretter Geräusche, die den Hai zu einem Probebiss animieren. Es ist auch nicht ungewöhnlich für Haie nur einmal zuzubeißen und danach wieder zu verschwinden. Ihre Beutetiere greifen sie ebenfalls einmal an, damit das sich wehrende Tier den Hai, besonders seine Augen, nicht selbst verletzt. Erst wenn das Tier ausgeblutet und geschwächt ist, greift der Hai erneut an. Gebissene Menschen werden in dieser Zeit oft gerettet. Trotz alledem ist Menschenfleisch keine bevorzugte Nahrung eines Hais. Jedoch haben Forschungen gezeigt, dass die durch den Menschen entstandenen Umweltveränderungen ebenfalls das Jagdverhalten der Haie beeinflussen.

Platz 3 der meisten Angriffe: Der Bullenhai (Foto: Ich-und-Du  / pixelio.de)

Platz 3 der meisten Angriffe: Der Bullenhai (Foto: Ich-und-Du / pixelio.de)

Viel schlimmer dagegen ist die Gefährdung des Hais durch den Menschen. Sein Fleisch gilt in vielen Küchen der Welt als Delikatesse. So bereiten die Inuit gerne fermentierten Grönlandhai zu, während Asiaten gerne Haifischflossensuppe kredenzen. Haifischjagd gilt als beliebter Sport, wo der Kopf eines Hais als Trophäe gilt. Die schwerste Bedrohung jedoch ist, dass durch den Massenfischfang im Meer Haie und andere Tiere als Beifang enden.

Um über diese Zustände der Haie und den Respekt vor ihnen aufmerksam zu machen, wurde im Jahre 1987 erstmal die Shark Week im Discovery Channel eingeführt. Eine Woche lang wurde dabei das TV-Programm den Haien gewidmet. Es ist das längste Kabel-TV- Ereignis der Geschichte und wird heutzutage in 72 Ländern ausgestrahlt und zusätzlich noch in Sozialen Netzwerken beworben. Im Jahre 2013 fand die Shark week erst kürzlich vom 4. Bis zum 11. August statt.

Vorschau: In zwei Wochen beschäftigen wir uns mit aktuellen Massenfischsterben.

„Bist du mein Typ?“ – Beuteschemata im Alltag

„Bist du mein Typ?“. Ein einfacher Fragesatz, der an der Innentür einer Damentoilette meiner Universität prangt. Er gehört zu einem Plakat, das für die Untersuchung unserer Gewebemerkmale – eine sogenannte Typisierung – wirbt. Wer sich typisieren lässt, wird automatisch Teil einer weltweit verfügbaren Spenderkartei und somit auch eventueller Lebensretter für einen Blutkrebspatienten.

Die an sich nicht verkehrte, wenn auch zweifelsohne an fragwürdiger Stelle angebrachte Werbemaßnahme – schließlich möchte ich mich nach dem Klo eigentlich lieber entspannt, als an Krebskrankheiten erinnert fühlen – brachte mich jedoch unweigerlich auch auf einen anderen Gedanken: Ist die Frage nach einem bestimmten Typ, ob nun auf Stammzellen oder Menschen angewandt, nicht ohnehin allgegenwärtig? Entscheidet die Frage nicht a priori, welchen Typ wir an unserer Seite haben?

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Typisch: Schubladendenken, das unseren Alltag durchzieht. (Foto: Perlowa)

Mich selbst ertappe ich ständig beim Nachdenken und Sprechen über „meinen Typ“. Er ist rothaarig, groß und sommersprossig – kurzum: typisch britisch. Das brachte mich nicht nur früh dazu, Bilder von Prinz Harry aus Frauenzeitschriften auszuschneiden und einen Fanclub für Ron Weasley aus Harry Potter zu gründen – immerhin hatte der drei Mitglieder! – sondern auch zu vorschneller Oberflächlichkeit. Rote Haare sind sexy. Andersfarbige (Haare) schlicht nicht mein Typ. Liest sich schwarz auf weiß beinahe wie eine rassistische Aussage; unfair gegenüber potentiellen Kandidaten, deren blond-brünette oder ebenfalls orange Eltern nicht zufällig einen Rotschopf hervorbrachten, ist es ganz obendrein auch noch.

Außerdem kann ja nicht jeder, der rote Haare hat, auch ausschließlich wegen seines Phänotyps ein Schönling sein. Ganz zu schweigen von der Grundannahme, dass jeder Kobold auch zugleich ein toller Mensch ist. Ich bin natürlich schon mit „Redheads“ ausgegangen, manche von ihnen waren sogar groß und hatten zu allem Überfluss tatsächlich auch noch Sommersprossen im Gesicht und am Körper. Langfristig zum Erfolg geführt hat das weder mich noch meine Typen. Auch wenn ich ganz offensichtlich ebenfalls in ihr Beuteschema gepasst haben muss – oder? Woher kann ich schon wissen, ob einer dieser zeitweiligen Abschnittsgefährten nicht möglicherweise eine Art ästhetischen Kompromiss eingegangen ist und es daher ausnahmsweise einer Brünetten mit Locken anstatt der sonst präferierten Blonden Kurzhaarigen gestattete, ihm ins Netz zu gehen?

Und da haben wir es scheinbar: Wenn Fische auf See einem Angler ins Netz gehen, dann geschieht das zufällig. Sie werfen ihren Köder aus und hoffen, dass überhaupt ein Fisch anbeißt. Und auch, wenn sie heimlich auf den waschechten Regenbogenfisch mit seinen schimmernden Schuppen hoffen, ist und bleibt der – anders als im Kinderbuch – auf dem Wasser leider eine Seltenheit. Selbstverständlich bedeutet das – um uns wieder von hohen Gewässern zu distanzieren und den menschlichen Selektionskategorien anzunähern – noch lange nicht, dass alle Männer und Frauen sich verzweifelt auf alles und jeden einlassen, der ihnen gerade vor die Flinte läuft. Vielmehr bedeutet das in den meisten Fällen eine gewisse Flexibilität, die glücklicherweise nicht zuletzt der Persönlichkeit zu verdanken ist. Denn die sollte doch gegenüber optischen Idealbildern immer noch im Vordergrund stehen und über die Frage entscheiden, ob du mein Typ bist oder nicht.

Vorschau: Und es geht schön weiter – mit Kolumnist Sascha und seinen Gedanken zum heutigen Jugend-und Schönheitswahn.

Chemikalien und ihre Folgen, Teil 1: Gewässer und Fische

EDC’s oder endocrine-disrupting chemicals (zu Deutsch: endokrine, also störende Chemikalien) nennt man eine Mixtur aus Chemikalien in der Umwelt, die eine hormonelle Interaktion eines Lebewesens beeinträchtigen kann. Solche Substanzen finden sich heutzutage überall, auch wenn wir sie nicht sehen, und sie können nicht nur die Tierwelt, sondern ebenfalls unsere Gesundheit gefährden. Wie ernst wir dies nehmen müssen, zeigen wir euch anhand jüngster Beispiele. Heute: die Fische.

Jährlich verordnen Ärzte massenhaft Medikamente. Diese verbleiben aber nicht auf ewig in unseren Körpern, sondern werden natürlich ausgeschieden. Über die Abwässer gelangen unter anderem auch Psychopharmaka in Flüsse, Teiche und Seen. Dies hat weitreichende ökologische Folgen.

Im Februar 2013 veröffentlichte das renommierteste Wissenschaftsjournal Science einen Artikel über die Untersuchungen schwedischer Forscher. Diese zeigten erstmals eindeutig die Auswirkungen solcher unfreiwilligen Medikamenteneinnahme anhand der Flussbarsche.

Die Flussbarsche sind generell scheue Fische, die in sozialen Verbänden leben. Als die Fische jedoch in Oxazepam verseuchtem Wasser ausgesetzt waren, in ähnlich hohen Dosen, wie sie auch in der Umwelt gemessen wurden, wurden sie aktiver und mutiger. Oxazepam ist ein Arzneistoff, der in Deutschland unter anderem unter dem Namen Adumbran verkauft wird, und bei akuten und chronischen Spannungs- und Erregungszuständen sowie bei Angststörungen angewendet wird.

Die Barsche verließen ihre Schwärme und machten sich eigenständig auf die Suche nach Futter. Ein riskantes Verhalten für einen Fisch. Ebenfalls aßen die Fische schneller. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht haben. Das Zooplankton, von denen sich die Fische ernähren, hält normalerweise das Algenwachstum in Schach. Das schnellere Vertilgen dieses Plankton kann schnell zu erhöhtem Algenwachstum führen.

Es ist klar, dass Barsche nicht die einzigen Fische sind, bei denen man Verhaltensänderungen nachweisen kann. Das Oxazepam ist nicht das einzige Medikament, welches in Gewässern gefunden werden kann. Das weit verbreitete Schmerzmittel Diclofenac kann zum Beispiel Nierenschäden bei Fischen verursachen. Die Verschreibungen von Medikamenten erhöhen sich von Jahr zu Jahr. Dies bedeutet, dass bisher unbekannte Veränderungen im Verhalten von Fischen vorkommen werden, die unerwünschte ökologische Konsequenzen nach sich ziehen werden. Dies könnte sich zu einem globalen Phänomen entwickeln.

Doch die Lösung des Problems wird wohl nicht sein, die Medikamente zu verbannen. Und so bleibt uns nur, neue Verfahren in der Abwasserbehandlung zu entwickeln, um die gefährlichen Substanzen aufzufangen.

Vorschau: Nächste Woche beschäftigen wir uns mit dem Frühlingsanfang.

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Mythen um die Seepferde: Eine Skulpur in der schweizer Stadt Vevey (Foto: © tokamuwi/pixelio.de)

Anmutige Rösser zogen einst Poseidons Wagen. Ihre Nachfahren, die Hippokampen, waren Wesen, deren vordere Hälfte einem Pferd und die hintere Hälfte einem Fisch, nahezu schlangenähnlich lang, glich. Dieses Bild des Seepferdes ist wohl durch eine falsche Beschreibung eines echten Seepferdchens entstanden. Beide Wesen sind in der Heraldik, also in der Gestaltung eines Wappens, oft genutzte Wappentiere und sollten nicht miteinander verwechselt werden.

Seepferdchen kommen weltweit in allen tropischen Meeren vor, die meisten Arten leben um Neuseeland und Südaustralien. Sie ernähren sich von Plankton und sind einzigartig in ihrer Form. Anders als normale Fische, die ihren Schwanz zur Fortbewegung seitlich bewegen, nutzen die Seepferdchen ihren Wickelschwanz hauptsächlich, um sich an Seegras festzuhalten.

Seepferdchen gehören zu den Seenadeln, deren Gemeinsamkeit der langgezogene, dünne Körper ist. So gibt es unter den Seenadeln ebenfalls Nadelpferdchen, die aussehen wie langgestreckte, auseinandergezogene Seepferdchen, Fetzenfische, die wie Seepferdchen mit blätterförmigen Anhängen zur Tarnung scheinen, und Schlangennadeln, die kleinen langen Röhrchen in der Küstenlandschaft gleichen, ohne eine einzige Flosse.

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Verliebt: Ein Seepferdchenpaar bei der Balz (Foto: © Joachim-Reisig /pixelio.de)

Die größten Seepferdchen werden bis zu 35 Zentimeter lang. Die kleinsten unter ihnen, die Zwergseepferdchen, sind zwischen 13 und 22 Millimeter klein. Diese haben sich in ihrem Erscheinungsbild so stark an ihre Umgebung angepasst, dass Forscher sie in einer eigenen Gattung neben den eigentlichen Seepferdchen zusammenfassen.

Eine der bekanntesten Eigenarten der Seepferdchen ist ihre Fortpflanzung. Das Weibchen wählt sich das Männchen mit dem größten Bauch aus. Dort hinein legt sie nach dem langwierigen Balztanz im Seegras ihre Eier, die das Männchen befruchtet und ausbrütet. Das Seepferdchen ist das einzige Tier bei dem allein das Männchen die Eier ausbrütet und sozusagen schwanger wird. Nach neun bis 45 Tagen werden die klitzekleinen aber bereits voll entwickelten Jungen geboren. Von da an sind sie auf sich selbst gestellt.

Seepferdchen- Männer in einem neuen Licht

Einem Seepferd doch sehr ähnlich: Eine Seenadel (Foto: © joakant/pixelio.de)

Die umgekehrten Geschlechterrollen können auch evolutionäre Folgen haben. Zwar sind Seepferdchen innerhalb einer Brutsaison monogam, doch andere Seenadeln, die die gleiche Fortpflanzungsstrategie haben, nicht. Während sich in vielen Spezies Merkmale entwickeln mit denen das Männchen auf sich aufmerksam macht, zum Beispiel der Pfauenschwanz, so können sich bei manchen Seenadel – Weibchen ebenfalls Merkmale entwickeln mit denen diese auf sich aufmerksam machen, wie zum Beispiel eine leuchtend farbige Verzierung. Oft haben andere Spezies auch ein polygynes Fortpflanzungssystem, also ein Männchen paart sich mit vielen Weibchen. Seenadeln haben ein polyandrisches System, also ein Weibchen paart sich mit vielen Männchen.

Wieder einmal können die Menschen nur von der Natur lernen. Geschlechterrollen sind nicht strikt und können auch umgedreht sein. Wenn die männlichen Leser unter euch also einmal Väter werden, solltet ihr an das Seepferdchen denken. Denn so eine Schwangerschaft ist nicht leicht und ihr solltet euch überlegen, ob ihr dazu bereit wärt diese Rolle zu übernehmen.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr in der Tier&Umwelt Rubrik was sich hinter dem Begriff der „Essbaren Stadt“ verbirgt.