Bitcoins – digitale Groschen ohne Kontrollsystem?

Bitcoins und digitale Währungen sind in aller Munde. Doch was steckt hinter dem enormen medialen Interesse? Wie sehen die technischen Aspekte dahinter aus? Und ist das Ganze auch wirklich sicher? Fragen über Fragen. Deshalb hat Face2Face exklusiv bei zwei Experten in Sachen IT nachgefragt: Florian Eisenmann und Johannes Ostner, beide Mitbegründer der IT-Firma Beomuc und versierte Informatiker.

Face2Face: Alle sprechen zurzeit über Bitcoins. Sind das tatsächlich digitale Groschen?

Experte im Bereich Programmierung und IT-Sicherheit: Johannes Ostner, einer der Gründer von Beomuc

Experte im Bereich Programmierung und IT-Sicherheit: Johannes Ostner von der Fima Beomuc (Foto: Eisenmann)

Johannes: Sagen wir es mal so: Für das erste Verständnis hilft diese Assoziation tatsächlich. Aber im Detail gibt es natürlich große Unterschiede zur realen Münze aus Metall. Auch für Bitcoins kann man Waren und Dienstleistungen kaufen, aber allein die dezentrale Umsetzung ist schon ein großer Unterschied.

Face2Face: Was heißt das: „dezentral“?

Florian: „Dezentral“ bedeutet, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, also keine Zentralbank, keinen Währungsfonds oder sowas. Der gesamte Handel wird im Netzwerk zwischen den einzelnen Teilnehmern abgewickelt.

Face2Face: Ist das positiv?

Florian: Jein. Natürlich ist es positiv, dass man sich auf keine übergeordnete und übermächtige Instanz verlassen muss, die alle Fäden in der Hand hält. Gleichzeitig ist das aber auch ein Problem, denn es gibt keine zentrale Kontrollstelle, die im Krisenfall eingreifen könnte.

Face2Face: Wie funktioniert das Ganze jetzt technisch?

Johannes: Bitcoins basieren auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Sehr vereinfacht gesagt, ist das eine riesige Daten-Kette, in der alle jemals ausgeführten Bitcoin-Transaktionen gespeichert sind. Dadurch wird verhindert, dass man mehr Geld ausgeben kann, als man eigentlich besitzt. Wenn Person A beispielsweise 100 Bitcoins an Person B überweisen möchte, überprüft das System die Blockchain auf alle von Person A jemals getätigten Transaktionen und kann so feststellen, ob Person A überhaupt 100 Bitcoins besitzt. Falls nicht, wird die Transaktion schlicht abgelehnt.

Face2Face: Klingt nach sehr viel Daten, oder?

Johannes: In der Tat wächst die Datenmenge mit jeder getätigten Transaktion immer weiter an. Das verlängert zum einen die Dauer, bis eine Transaktion bestätigt oder abgelehnt wird. Zum anderen kommt es zu längeren Download-Zeiten bei der ersten Installation des Bitcoin-Wallet, wenn man eine klassische Variante verwendet. Denn wer ein klassisches Wallet nutzt, der muss die gesamte Blockchain herunterladen. Eine Alternative wären da gehostete Light-Wallets, die auf dem Server bleiben, da muss ich fast nichts herunterladen.

Face2Face: Was ist ein „Bitcoin-Wallet“? Und was brauche ich noch, wenn ich mit Bitcoins loslegen will?

Kennt sich mit IT-Systemen und Finanzen aus: Florian Eisenmann, Mitbegründer der Firma Beomuc

Kennt sich mit IT-Systemen und Finanzen aus: Florian Eisenmann von der Firma Beomuc (Foto: Eisenmann)

Florian: Ein Bitcoin-Wallet ist sozusagen der digitale Geldbeutel, meist in Form einer übersichtlichen Software, die auf dem lokalen PC läuft. Dieses Programm enthält dann auch die gesamte Blockchain. Ansonsten braucht man noch einen Account bei einer Plattform, bei der man konventionelles Geld in Bitcoins tauschen kann. Das ist für den normalen Nutzer alles. Wer ins „Bitcoin-Mining“ einsteigen will, der braucht natürlich zusätzliches technisches Wissen und leistungsfähige Hardware.

Face2Face: „Bitcoin-Mining“? Was ist das denn?

Johannes: Die technischen Details sind etwas kompliziert. Aber im Grunde geht es darum, dass Transaktionen in der Blockchain durch das Lösen aufwändiger mathematischer Puzzles verifiziert werden. Eine Transaktion wird dabei nicht nur von einem Computer verifiziert, sondern von allen Computern des Netzwerks, die am Mining teilnehmen. Wenn der eigene Miner am Ende als schnellster die komplexe Rechnung gelöst hat, erhält man eine kleine Prämie. Aber auch nur dann. Man kann die Einnahmen also nicht wirklich voraussehen und die Berechnungen sind sehr energieaufwändig, verheizen also jede Menge Strom.

Face2Face: Lohnt sich Bitcoin-Mining dann für den privaten Verbraucher?

Florian: Bitcoin-Mining zu Hause ist in Deutschland kaum rentabel, weil der durchschnittliche Ertrag einfach nicht die hohen Stromkosten deckt. In der Regel wird das Mining sowieso nicht privat betrieben, sondern in großen Server-Farmen. Die meisten dieser Farmen sind dann an Orten angesiedelt, an denen die Strompreise sehr niedrig sind, beispielsweise in Irland, China oder Nordamerika.

Face2Face: Jetzt mal zum Thema Sicherheit. Die ist bei IT-Systemen ja immer von großem Interesse. Wie schätzt ihr Bitcoins unter diesem Aspekt ein?

Johannes: Algorithmen und IT-Systemen Sicherheit zu attestieren, ist nicht so einfach oder besser: eigentlich unmöglich. Bis vor kurzem dachte man noch, dass Prozessoren sicher wären. Dann entdeckte man die massiven Sicherheitslücken „Spectre“ und „Meltdown“ und fand heraus, dass fast alle Prozessoren jahrelang anfällig für Angriffe waren. Stand heute werden die verwendeten Algorithmen als sicher angesehen, aber das kann morgen schon ganz anders sein.

Florian: Ich sehe die Probleme ohnehin gar nicht so sehr auf technischer Seite. Meine berufliche Erfahrung hat gezeigt, dass das größte Risiko immer noch der Mensch ist, also der Nutzer. Im konkreten Fall der Bitcoins sehe ich vor allem kritisch, dass viele private Leute direkt in den Devisenhandel einsteigen. Das war früher eher Experten vorbehalten oder im privaten Bereich nur über die Bank möglich. Die stellte das nötige Fachwissen in Form von Kundenberatung zur Verfügung. Jetzt kann jeder innerhalb von Minuten mitmachen, auch der, der im Bereich Finanzen null Fachwissen hat. Dadurch wird der Handel oft zu einem reinen Glücksspiel. Und genau darin sehe ich aktuell die größte Gefahr. Weniger in den Systemen, die sind tatsächlich sehr ausgereift und nur mit immensem Aufwand auszuhebeln.

Face2Face: Was ist nun zum aktuellen Zeitpunkt die sicherere Alternative: klassisches Online-Banking oder Zahlung mit Bitcoins?

Digitale Alternative: Bitcoins machen den klassischen Währungen Konkurrenz

Digitale Alternative: Bitcoins machen den klassischen Währungen Konkurrenz (Foto: tombark/pixabay.de)

Johannes: Das ist schwer zu beantworten. Verwende ich beim Online-Banking zum Beispiel ein unsicheres Passwort, kann ein Angreifer recht einfach mein Geld stehlen. Genauso einfach mache ich es Hackern, wenn ich den privaten Schlüssel meines Bitcoin-Wallets unsicher verwahre. Der private Schlüssel ist vereinfacht gesagt so ähnlich wie ein Passwort oder eine PIN und genauso sicherheitskritisch. Was aber für Online-Banking sprechen könnte, sind Absicherungen durch die Bank, wenn Geld durch Cyberattacken gestohlen wird. Bei Bitcoins bin ich zu hundert Prozent selbst für mein Geld und mögliche Schäden verantwortlich.

Face2Face: Eine letzte Frage: Denkt ihr Bitcoin ist nur ein kurzlebiger Hype?

Florian: Naja, viele konservative Investoren wettern noch gegen Bitcoin aus genau den Gründen, warum Bitcoin überhaupt existiert. Es hebelt eben den gesamten Bankensektor und die zentrale Kontrolle aus. Außerdem ist für viele die Technologie dahinter noch nicht wirklich greifbar und verständlich. Das verursacht natürlich Misstrauen. Andere Experten wiederum bezeichnen Bitcoin schon als Erfindung des Jahrzehnts.

Johannes: Ich persönlich denke nicht, dass Kryptowährungen wie Bitcoin wieder komplett verschwinden werden. Dafür ist das gesamte Konzept viel zu revolutionär. Meiner Meinung nach brauchen diese Währungen allerdings noch etwas Zeit, um sich richtig zu etablieren, insbesondere im alltäglichen Leben.

Smarte Frauen sparen

Mit dem Sparen sollte jeder so früh wie möglich anfangen, findet Margarethe Honisch, Gründerin des Blogs Fortunalista. Das gilt ihrer Meinung nach gerade für Frauen, weil sich mit dem Thema oft eher weniger auseinandersetzen. Wir haben mit ihr über Sparen, den richtigen Zeitpunkt für den Beginn und Bitcoins geredet.

Smarte Frauen sparen

Margarethe Honisch kennt sich mit dem Thema Finanzen aus (Foto: Honisch)

Face2Face: Margarethe, an wen richtet sich Dein Blog Fortunalista?

Margarethe: Mein Blog richtet sich an Frauen, die eigentlich keine Lust haben, sich mit dem Thema Finanzen zu auseinanderzusetzen und bisher eher einen Bogen darum gemacht haben. So war ich nämlich früher auch und habe mein ganzes Geld immer gleich ausgegeben anstatt zu sparen. Deswegen möchte ich Tipps geben, wie man sich dem Thema annähert und anfangen kann, seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.

Face2Face: Wie bist Du zu dem Thema gekommen?

Margarethe: Ich habe irgendwann meine Finanzen durchgerechnet und bin aus allen Wolken gefallen, wie viel Geld ich im Monat ausgebe, ohne genau sagen zu können, wofür. Da habe ich angefangen, mich zu informieren, habe Bücher gelesen, Geld gespart und angelegt. Danach habe ich dann den Blog gegründet, um meine Erfahrungen weiter zu geben.

Face2Face: Warum denkst Du ist es gerade für Frauen wichtig, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen?

Margarethe: Ich habe in meinem Freundeskreis gesehen, dass es tendenziell eher die Männer sind, die sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen und ihr Geld anlegen. Ich habe neulich erst wieder mit Freundinnen über das Thema Bitcoins geredet und die meinten nur so „Ach, darüber wissen wir doch nichts und wir geben unser Geld eher viel lieber aus“. Das fand ich gar nicht lustig. Denn wenn man das ganze Geld ausgibt, hat man eine Versorgungslücke im Alter. Ich glaube, es ist vielen gar nicht bewusst, dass man sich hier nicht nur auf den Staat verlassen kann, sondern auch selbst aktiv werden muss. Zudem ist es oft so, dass Frauen, die Kinder bekommen, beruflich kürzer treten und dann auch weniger Rente bekommen. Ich finde, sie sollten sich dann finanziell nicht auf ihre Partner verlassen müssen, sondern auf eigenen Beinen stehen.

Face2Face: Das Thema Bitcoins ist derzeit in aller Munde. Was reizt dich daran und was würdest Du unseren Lesern diesbezüglich empfehlen?

Smarte Frauen sparen

So früh wie möglich anfangen: Das rät Margarethe Honisch zum Thema Finanzen (Foto: )

Margarethe: Bitcoins sind gerade ein Riesenhype geworden. Ich selbst beschäftige mich seit dem vergangenen Sommer damit. Was mich an diesem Thema reizt, ist die Idee, ohne Institutionen Geld zu transferieren und so eine größere Unabhängigkeit von diesen zu haben. Denn man verfügt nicht wirklich über sein Geld, wenn es in der Bank liegt, wie die Finanzkrise gezeigt hat. Meiner Meinung nach ist es bei diesem Thema sehr wichtig sich einzulesen, denn es gibt viele verschiedene Coins mit unterschiedlichen Zukunftsaussichten. Man muss die Idee hinter dem Coin verstehen und dann überlegen, ob man diese gut findet und sein Geld investieren will. Zudem sollte man immer nur so viel investieren, wie man auch schmerzlos verlieren kann – auf keinen Fall sein ganzes Vermögen.

Face2Face: Was würdest Du sagen, wann ist der beste Zeitpunkt, um sich mit den Themen Finanzen und Sparen auseinanderzusetzen?

Margarethe: So früh wie möglich! Ich habe erst mit 30 angefangen, mich damit zu beschäftigen und wenn ich es nochmal machen könnte, würde ich schon mit meinem ersten Gehalt anfangen, ein Tagesgeldkonto anlegen und monatlich 50 Euro sparen. Zudem empfehle ich ein Aktiendepot mit ETF Sparplan. Ich vergleiche das immer mit einer Haribotüte: Jede Tüte (ETF-Sparplan) hat einen bestimmten Anteil an Gummibärchen (Aktien) und einen Preis (Kurs). Manchmal fällt die eine Aktie und die andere steigt. Durch diese Streuung ist das Risiko eines Verlustes relativ gering. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich nicht so viel darum kümmern muss, weshalb es besonders für Einsteiger geeignet ist. Ansonsten gilt: Einfach machen!

Die Magie des Geldes

Das Thema Finanzen ist zuweilen eine komplexe Angelegenheit. Ist es tatsächlich so, dass wir immer mehr zahlen und gleichzeitig weniger für unser Geld bekommen? Wäre es nicht besser, wenn alles einfach halb so viel kosten würde? Und warum gibt es überhaupt Preise, und wer bestimmt über sie? Nur ein paar von ganz vielen Fragen, die man sich im Alltag immer wieder stellt. Face2Face nimmt euch mit auf den heimatlichen Wochenmarkt, um euch einen kleinen Überblick über die wichtigsten Fragen zu geben.

Buntes Markttreiben

Es ist Donnerstagmorgen. Wie jeden Donnerstag, gastiert auch heute wieder der große Wochenmarkt auf dem geräumigen Platz vor dem städtischen Rathaus. Bevor es zur Arbeit oder zur Schule geht, machen wir dort wie immer einen kleinen Abstecher, um uns mit dem Nötigsten an Fleisch, Fisch, Käse, Backwaren und Obst einzudecken. Auf die Finanzwelt übertragen, ist der Markt der Ort, an dem sich Menschen, die etwas brauchen, mit denen treffen, die dieselbe Sache loswerden wollen. Hier entsteht der Preis. Er richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Wir wollen etwas kaufen, also sind wir der Kunde. Oder wie es im Jargon besser heißt: der Nachfrager. Wie jedes Mal gehen wir auch heute zum Stand der netten Obstverkäuferinnen. Sie besitzen einen Bauernhof ganz in der Nähe und bauen dort  Birnen, Pflaumen, Kirschen und vor allem sehr viele Äpfel an. Auf den verschiedensten Wochenmärkten wollen sie all diese Köstlichkeiten verkaufen. Sie sind damit der Anbieter.  Natürlich gibt es noch viel mehr Märkte als nur den Wochenmarkt. Es gibt Supermärkte, Elektromärkte, Holzmärkte, Öl- und Benzinmärkte, Märkte für Eisen, Gold. Es gibt Märkte für Containerschiffe, Düsenjets und für Häuser, selbst wenn es nur noch Bruchbuden sind. Viele Märkte finden nicht mehr auf Marktplätzen statt, sondern im Internet. Manchmal schon deshalb, weil Unsichtbares verkauft wird, wie Strom oder Anteile von Firmen. Auf unserem heimischen Wochenmarkt treffen dagegen Angebot und Nachfrage aufeinander wie schon seit Jahrhunderten. Da wir einen Apfelkuchen backen wollen, kaufen wir ein Kilo Äpfel für 1,50 €. Diesen Preis haben uns die netten Obstfrauen genannt, nachdem sie die Äpfel gewogen haben. Die Obstfrauen können selbst bestimmen, welchen Preis sie für ihre Waren haben möchten. Aber warum sagen sie dann 1,50 € und  nicht gleich 1.500 Euro? Nun ja: Sie könnten zwar theoretisch jeden Preis verlangen, den sie möchten, aber wenn der Kunde nicht genug Geld hat, um diesen auch zu bezahlen, bringt es ihnen nichts.

Bares für Rares: Wie viel ist unser Geld noch wert?

Bares für Rares: Wie viel ist unser Geld noch wert? (Foto: Wikimedia Commons)

Deshalb müssen sie erst den Preis finden, bei dem am meisten Geld in ihre Kasse wandert. Und wie hoch dieser ist, bestimmen eben Angebot und Nachfrage: Wenn sich neben uns noch zig andere Kunden auf dem Wochenmarkt wegen den Äpfeln drängeln und die Obstfrauen über die einzige Kiste Äpfel auf dem ganzen Markt verfügen, dann ist die Nachfrage größer als das Angebot – die Obstfrauen können also einen höheren Preis verlangen, weil sich alle um die wenigen Äpfel streiten. Sollten wir allerdings der einzige Kunde auf dem Wochenmarkt sein, dann recken alle Obsthändler die Hälse und versuchen uns mit Billigangeboten zu ihrem Stand zu locken. Ergo: Die Nachfrage ist kleiner als das Angebot – der Preis sinkt. Es kann aber auch sein, dass Angebot und Nachfrage sich die Waage halten und der Preis sich trotzdem ändert: Wenn die Obstfrauen mehr Geld ausgeben müssen, weil zum Beispiel der Sprit für den Traktor teurer wird, müssen sie auf dem Markt mehr Geld verlangen. Die Kosten steigen. Und damit auch der Preis.

Wenn die Preise stetig steigen

Wenn fast alles immer teurer wird, nennt man das Inflation. Unsere Obstfrauen kennen das. „Eine Freundin von uns lebt mit ihrem Mann von 1.800 Euro Rente. Aber weil fast alle Preise steigen, können sie sich von dem Geld immer weniger kaufen“, berichten sie. Allerdings sind nicht nur die Waren teurer geworden. Die meisten Menschen verdienen heute auch mehr als früher. Für ihren Lohn müssen sie auch nicht mehr 60 Stunden in der Woche arbeiten, sondern vielleicht nur noch 40. Die meisten Menschen haben an Kaufkraft gewonnen in den vergangenen Jahrzehnten.
Trotzdem ist Inflation ungerecht. Denn sie bestraft die Braven und belohnt die Dreisten. Die Obstfrauen verraten uns, dass sie jede Woche ein paar Euro für den Fall zurücklegen, wenn sie mal eine neue Erntemaschine brauchen. Doch wegen des Preisanstiegs wird ihr Erspartes mit den Jahren immer weniger wert und sie können sich am Ende vielleicht gar keine Erntemaschine mehr davon leisten. Andere dagegen, die sich bei Freunden oder Banken Geld borgen, lachen sich ins Fäustchen. Sie kaufen sich vom geliehenen Geld heute eine Wohnung oder ein Auto – und geben das Geld irgendwann zurück, wenn man davon nur noch viel weniger kaufen kann.
Außerdem spielt der Staat bei der Inflation eine besondere Rolle: Er baut Straßen, Schulen und Krankenhäuser mit geliehenem Geld. Und er kann selbst dafür sorgen, dass seine Schulden weniger wert werden. Denn der Preis hängt nicht nur von Angebot und Nachfrage für einzelne Waren ab, sondern auch von der Geldmenge. Je mehr Scheine die Menschen haben, desto mehr können sie auf dem Markt hinblättern – prompt steigen die Preise.

Riesige Mengen Geld – nichts wert

Der deutsche Staat kann ein Lied davon singen. In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts war er einmal so verschuldet, dass er riesige Mengen Geld druckte. Damit konnte er zwar Löhne und Schulden bezahlen, doch die Menschen trugen Tüten voll Geld mit sich herum, das praktisch nichts wert war. Der Grund: die Preise stiegen immer schneller. Wenn man beispielsweise Milch und Eier verkauft hatte, um sich dafür einen Sack Viehfutter zu kaufen, hast du am nächsten Tag für das gleiche Geld nur noch einen halben Sack bekommen. Dies nennt man Hyperinflation und führt dazu, dass niemand etwas sparen kann und kein Unternehmen aus dem Ausland mehr der (deutschen) Wirtschaft vertraut.

Das Preisniveau kontrollieren

Das Positive: Die Staaten haben daraus gelernt. Heute versuchen sie zu verhindern, dass das Preisniveau stark steigt. In Europa versucht man die jährliche Inflation unter zwei Prozent zu halten. Auf der anderen Seite will die dafür zuständige Europäische Zentralbank auch sicherstellen, dass das Preisniveau nicht fällt. Denn wenn alles billiger wird, ist das nur scheinbar gut. Denn dann horten die Menschen ihr Geld, statt es auszugeben. Schließlich ist in solch einer Deflation – wie man solch ein Szenario nennt – morgen alles günstiger zu haben als heute und übermorgen alles günstiger als morgen. Mögliche Folge: Das Wirtschaftsleben kommt regelrecht zum Erliegen.
Und was passiert, wenn niemand mehr kaufen will, wissen auch die netten Obstfrauen. Wenn Äpfel zu früh vom Baum fallen und auf dem Boden herumliegen, bekommen sie nur noch einen ganz niedrigen Preis dafür. Von diesem können sie nicht mal die  Löhne der Erntehelfer bezahlen. Und um alle Äpfel allein einzusammeln, sind sie mittlerweile zu alt. Also müssten sie die Äpfel in diesem Fall einfach liegen lassen…

Zusammenziehen – ja/nein/vielleicht?

Zusammenziehen – ja/nein/vielleicht?

Von links: Florian Büttner, Jule Frölich, Elvira Wilms, Sabrina Kuhn und Tobias Kloster (Fotos: privat)

„Liebe ist zwei Wohnungen gegen eine zu tauschen“ – so heißt es in einem von vielen „Liebe ist“-Sprüchen aus der berühmten Cartoon-Reihe von Kim Casali. Die Realität zeigt aber, dass sich heutzutage viele Paare noch nicht reif für den großen Schritt in Richtung gemeinsame Zukunft fühlen. Vor allem müssen gewisse Kriterien vorher erfüllt sein, damit die Entscheidung eines Zusammenzugs denkbar ist. Dass es sich dabei um etwas Besonderes handelt, sind sich die meisten einig. Es stellt sich nun die Frage, ab wann eine Beziehung bereit für den Zusammenzug ist. Face2Face hat sich an diese Frage gewagt und dazu fünf junge Menschen befragt.

„Natürlich ist der Zusammenzug etwas Besonderes, es markiert den Höhepunkt in der Beziehung und man möchte jede Nacht zusammen sein“, findet der 22-jährige Student Florian Büttner. Obwohl er selbst noch nie mit dem Gedanken gespielt habe, sei ein solcher Schritt nur dann möglich, wenn sich beide blind verstehen und dazu noch die finanziellen Mittel besitzen. Wichtig sei vor allem, dass man nicht in die Wohnung des anderen ziehe, sondern gemeinsam eine suche. Der 22-Jährige befürchtet nämlich, dass es sonst zu Streitigkeiten komme, da der zugezogene Partner sich zu stark anpassen müsse. Auf die Frage, was absolute No-Gos beim Zusammenleben wären, antwortet er: „Wenn der Partner nicht putzen kann und sich wegen jeder Kleinigkeit aufregt.“ Bei dem Gedanken „Zusammenzuziehen“ habe Büttner besondere Bedenken in Bezug auf die Harmonie einer Beziehung. Diese könne aufgrund von verschiedenen Ansprüchen und Geschmäckern, wie zum Beispiel die Einrichtung der Wohnung, leiden. Dennoch verbinde er mit diesem Schritt die gemeinsame Zukunftsplanung und ein eigenes Zuhause.

Auch Jule Frölich hat sich bisher keine ernsthaften Gedanken darüber gemacht. Allerdings sehe sie die Option „Zusammenzug“ als eine praktische und machbare Sache an, wie sie Face2Face berichtet. Schließlich würden ihr Partner und sie keine Termine für ein Wiedersehen mehr machen müssen, da sie sich beispielsweise abends noch Zeit füreinander nehmen könnten. Für die 19-jährige FSJ-lerin sei dies ein besonderer und gewaltiger Schritt in eine ernsthafte Langzeitbeziehung. „Entweder es klappt und man bleibt beieinander wohnen oder es klappt eben nicht“, äußert sie sich dazu. Eine Dramaqueenbeziehung sei für sie keine Grundlage dafür. Im Gegenteil, die Partner müssen sich ihrer Meinung nach gut verstehen, finanziell auf einen Nenner kommen und weitestgehend gleichberechtigt sein. Frölich vermutet, dass der Haushalt letzten Endes doch an der Frau hängen bleiben würde und das wolle sie auf keinen Fall. „Schon klar, man kann nicht über jede Kleinigkeit diskutieren, um am Ende auf eine gerechte Lösung zu kommen, aber grundsätzlich und im alltäglichen Leben sollte Gleichberechtigung herrschen.“ Ausgeschlossen sei ein „Zusammenzug“, wenn der Partner unmotiviert sei und nicht aktiv am gemeinsamen Leben teilnehmen möchte. Wann eine Beziehung reif dafür sei, ließe sich für die 19-Jährige nur schwer sagen. Großes Vertrauen und eine Mindestdauer von einem Jahr Beziehung sollten jedoch bestehen. Allerdings möchte sie sich darauf nicht festlegen, da zahlreiche Gründe, wie zum Beispiel beruflicher oder familiärer Art, mit in die Entscheidung fließen. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist meiner Meinung nach, dass die Alltagsroutine die Liebe erstickt.“

Im Vergleich dazu hat Elvira Wilms bereits an das „Zusammenziehen“ gedacht. Das Thema Sicherheit ist ihr sehr wichtig. Daher seien eine langjährige Beziehung und Kompromissbereitschaft die Voraussetzung dafür. Zugleich müsse es finanziell stimmen – ein fester Arbeitsvertrag sei daher grundlegend. Besonders wichtig sei für die 22-jährige Fachangestellte für Bürokommunikation ein Zimmer, in dem sie sich zurückziehen könne. „Sollte dies nicht gegeben sein, wird ein Zusammenzug sehr schwierig werden“, so Wilms. In ihrem Umfeld habe sie Paare gesehen, die nach drei Monaten Beziehung diesen Schritt gewagt und sich dann getrennt haben, weil es ihrer Meinung nach zu früh war. Für die 22-Jährige ist das Zusammenziehen mit ihrem Partner schon gleichbedeutend mit Heirat, denn „immerhin sieht man dann den Partner jeden Tag und muss mit seinen Macken zurechtkommen.“ Außer der Angst sich auf die Nerven zu gehen, habe Wilms im Großen und Ganzen keine Bedenken. „Ich wünsche mir, dass mit dem Zusammenzug ein Anfang für eine gemeinsame Zukunft geschaffen werden kann. Die Beziehung sollte nicht einschlafen, sondern mit dem Zusammenzug trotzdem wachsen“, so die 22-Jährige im Gespräch mit Face2Face.

Erst in ihrer jetzigen Beziehung kam das „Zusammenziehen“ für die 23-jährige Sabrina Kuhn in Frage. Sie hätte von Beginn an mit dem Gedanken gespielt und es letztendlich nach vier Monaten Beziehung durchgezogen. Absolute Ehrlichkeit und Vertrauen seien für die Studentin und Angestellte bei der Drogerie Müller unverzichtbar. Die Bereitschaft eines „Zusammenzugs“ zeige sich darin, dass man nicht ohne den Partner aufwachen möchte und sich auf einen gemeinsamen Alltag freue. Auch wenn eine Beziehung schon Jahre dauere und man die Ticks des anderen kenne, hieße das für Kuhn noch lange nicht, dass ein „Zusammenleben“ funktionieren würde. Ansonsten hätte die 23-Jährige auf ihr Bauchgefühl gehört und sei der Meinung, „dass man es einfach weiß, wenn man soweit ist, diesen Schritt zu gehen.“ Unehrlichkeit und Misstrauen sprechen ihrer Meinung nach gegen eine gemeinsame Wohnung – ebenso wie wirtschaftliche Differenzen der Partner. Schließlich führe das zur finanziellen Abhängigkeit und könne viele Komplikationen verursachen. Etwas Gewöhnliches sei der „Zusammenzug“ für Kuhn keinesfalls, denn ab diesem Zeitpunkt teile man alles mit seinem Partner. Einen Rückzugsort gebe es ihrer Ansicht nach nicht im gemeinsamen Haushalt, da man sich dem Partner praktisch voll und ganz öffne. „Das ist auch eine gewisse Prüfung für die Beziehung“, ist sich die junge Frau bewusst. Obwohl Kuhn sich recht früh sicher war, habe sie auch Bedenken gehabt, was den Zusammenzug mit ihrem Partner betraf. Vor allem, ob sie sich ihm vollkommen öffnen könne. Weiterhin habe sie befürchtete in punkto Haushalt und Ordnung, sowie beim Geschmack in Bezug auf die Dekoration dem Partner nicht gerecht zu werden. Glücklicherweise haben sich diese Bedenken nicht bestätigt, denn derzeit sind die 23-Jährige und ihr Partner an einem Hausbau tätig. Für die Zukunft habe sie den Wunsch, weiterhin eine harmonische Beziehung zu führen und ein ganzes Leben vereint zu sein. Abschließend äußert sie: „Heiraten kann jeder, aber es zu schaffen, jahrelang zusammenzuwohnen, das ist mehr wert.“

Zusammenziehen – ja/nein/vielleicht?

Keine einfache Frage: Willst du mit mir zusammenziehen? (Foto: Sharifi)

Zu Beginn sollte man sich vergewissern, dass ein „Zusammenzug“ eine langfristig und ernst gemeinte Sache sei, findet Tobias Kloster. Der 21-jährige Student legt viel Wert auf einen ähnlichen, aber nicht gleichen Musikgeschmack, denn sonst könne es irgendwann öde werde. Mangelnde Hygiene, die Farbe Rosa und Kompromisslosigkeit wie zum Beispiel der Verzicht auf schlechte Musik oder Castingshows, die das Fernsehprogramm bestimmen, seien kontraproduktiv. Obwohl er der Ansicht ist, dass eine Beziehung nie reif für den Schritt in die gemeinsame Zukunft sei, sehe er es durchaus als etwas Besonderes an. Zum Thema Bedenken offenbart er: „Bedenken kaum, eher Angst, dass es nicht funktioniert, die Partner sich hassen und sich auf der Straße nicht mehr ansehen.“ Selbstverständlich hofft der 21-järige Student, der gerade mit seiner Freundin in eine Wohnung gezogen ist, „dass es so nie wird natürlich.“

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier einen interessanten Testbericht über die More Blond-Serie von Balea. Dabei könnt ihr fünf Sets aus jeweils Shampoo&Spülung gewinnen.

Der Countdown läuft – nur noch wenige Stunden bis das Gewinnspiel der Tipps&Tricks-Redaktion endet. Weitere Infos findet ihr HIER.