Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Schon als kleines Kind wurde Tim Anders, während er beim Schaukeln vor sich hin sang, von einem Nachbarn auf seine schöne Stimme angesprochen. Damals hätte vermutlich noch niemand gedacht, dass der inzwischen 24-Jährige tatsächlich einmal Sänger werden würde. Bereits in seiner Schulzeit wirkte Tim im Schulmusical mit und war in der Schulband aktiv. Im Alter von 15 Jahren lernte er, Gitarre zu spielen und gründete gemeinsam mit Freunden seine erste Band. Beruflich schlug Tim jedoch erst einmal eine andere Richtung ein und absolvierte eine Ausbildung zum Koch. Die Liebe zur Musik setzte sich allerdings durch und so zog Tim nach Berlin, um Straßenmusik zu machen. Wir haben mit ihm über sein Leben als Straßenmusiker und seine dadurch entstandene Musikkarriere gesprochen.

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Tim: Musik verändert sich stetig und so ist es auch bei mir. Ich warte immer noch auf eine passende und gute Beschreibung, aber ich schätze, die neuen Lieder bewegen sich zwischen Liedermacher, Blues und Jazz.

Face2Face: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Tim: Alles kann mir Inspiration schenken: Gespräche, Begegnungen, Momente, Orte. Kurz gesagt: Das Leben ist die Inspiration! Die Kreativität steckt in unserem Ursprung, der Natur, und die Inspiration ist der Impuls, den wir brauchen, um diese Kreativität fließen zu lassen.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Musik belebt die dunkle Gasse: Tim Anders beim Musizieren in einer Berliner Unterführung (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Tim: Ich wollte frei sein und Musik machen. Ich wollte ins Ungewisse springen, die harte Schule der Straße spüren und mich selbst dabei ausprobieren und kennenlernen. Mein Lehrer hatte mir irgendwann den Film „Once“ gezeigt und ich glaube, dabei bin ich ein wenig hängen geblieben. Ich wollte diese eine Erfahrung, Straßenmusiker zu werden, in vollen Zügen auskosten.

Face2Face: Wann war dein erster Auftritt als Straßenmusiker?

Tim: Mein allererster Straßenmusik-Auftritt war 2015 unter der Bahnunterführung in Tübingen. Es war Sommer und viele Leute waren unterwegs. Ich habe einen vermutlich obdachlosen Mann gefragt, ob ich mich ein paar Meter neben ihm platzieren dürfte, um ein bisschen Musik zu machen. Er gab mir das „OK“ und ich legte los. Knapp acht Euro waren am Ende im Koffer und somit das Zugfahrticket gesichert.

Face2Face: Hast du schon gemeinsam mit anderen Musikern auf der Straße gespielt?

Tim: Ja, mit Fabio Shanti. Er ist ein langjähriger Freund und Multiinstrumentalist. Wir schreiben zusammen Lieder, touren in der Regel gemeinsam und lernen voneinander auf musikalischer und menschlicher Ebene. Wir sind ein Team und werden hoffentlich noch viele weitere schöne Momente teilen können!

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Zu zweit spielt es sich leichter: Tim Anders und Fabio Shanti beim Straßenkonzert in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Was ist das Schönste für dich, wenn du Straßenmusik machst?

Tim: Was mich sehr berührt, ist, wenn wir es schaffen, eine Traube von Menschen zum Zuhören zu bewegen und ich mich in einer Blase befinde, aus der ich am liebsten nie wieder austreten möchte.

Face2Face: Hast du auch schon in anderen Ländern Straßenmusik gemacht?

Tim: Nicht nur die Straßenmusik, sondern auch Clubauftritte haben mich und meinen Mitmusiker Fabio Shanti durch Europa geführt! Neben Deutschland waren wir in Frankreich, Italien, Schweden und Russland unterwegs, haben Straßenmusik gemacht und zum Teil Gastauftritte und Interviews gegeben! Schweden war verdammt teuer, denn selbst mit einem dicken Beutel an erspieltem Geld konnte man sich gerade mal einen Döner leisten. In Italien kam sogar die Polizei vorbei und schmiss ein paar Münzen in den Hut. Auf unserer Tour in Südfrankreich fanden wir einen abgelegenen Platz an den Klippen einer großen Bucht, sodass wir die Zeit vor unserem Zelt für ein paar Tage vergaßen. In Marseille haben wir Francois getroffen. Der hat uns den besten Pizzaladen für mittellose Straßenmusiker gezeigt, seine Weinkrüge mit uns geteilt und sein „Zuhause“ zu „unserem Zuhause“ werden lassen! Außerdem haben wir seinen mexikanischen Freund Israel kennengelernt, der uns am Tag der Abfahrt zum Essen einlud und uns über sein wundervolles Land aufklärte. In Russland wurden wir auf der Straße von wildfremden Leuten zum Wodka-Frühstück eingeladen und durften die wärmste und ehrlichste Gastfreundschaft genießen! Wir haben aber auch weniger angenehme Momente gehabt und sind an unsere Grenzen gestoßen. Wir haben zum Beispiel gestritten und waren kurz vor dem Aus einer musikalischen Freundschaft. Das alles gehört dazu und wir sind dankbar für diese Intensität der Momente und Begegnungen.

Face2Face: Was waren die außergewöhnlichsten Orte, an denen du je als Straßenmusiker gespielt hast?

Tim: Wir haben vergangenen Sommer mal in einem öffentlichen Bus gespielt. Das war eine coole Nummer. Wir hatten unser Straßenequipment dabei und sind damit von Bus zu Bus gestiegen, um es auf- und abzubauen und für die Leute zu spielen. Es kam ziemlich gut an und mein Mikrofon ist ständig abgehauen, sobald sich der Bus in eine Kurve gelegt hat. Auch wenn es so schräg und unprofessionell war, war es genau richtig. In Italien habe ich mal ein spontanes Strandkonzert gegeben. Die Leute schienen mir nicht wirklich zuhören zu wollen und ich wurde immer deprimierter. Ich habe gedacht: „Naja, dann spiele ich solange für die drei Personen, die vor mir saßen, bis sie nicht mehr wollen.“ Dazu kam es nicht, da ich von einem grauhaarigen, alten Mann unterbrochen wurde. Der fragte mich, ob er mal spielen dürfte. Als er anfing zu spielen, saß innerhalb kürzester Zeit eine Schar von Leuten um ihn herum und sang lautstark mit. Der alte Herr sang seine eigenen Lieder, die ich sogar vom Hören kannte. Das hielt dann für zwei Stunden an, bis der gefühlte Höhepunkt des Abends erreicht war und eine Gitarrensaite riss! Eine meiner schönsten Erinnerungen ist auch die Begegnung mit Norbert auf dem Marktplatz im südfranzösischen Menton. Nach meinem Set stand er in Tränen aufgelöst da und hat sich bei mir bedankt. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben rausgefunden, dass wir in derselben Stadt wohnen! Fast drei Jahre ist es her und eine gute Freundschaft ist entstanden. Er kommt zu jedem unserer Konzerte in Berlin.

Face2Face: Du wurdest auf der Straße von einer Plattenfirma „entdeckt“, hast dadurch einen Plattenvertrag bekommen und 2016 dein Debütalbum „Thoughts, Words & Moments“ veröffentlicht. Wie haben sie dich angesprochen?

Tim: Ich stand in der Brandenburger Straße in Potsdam und habe Musik gemacht. Ein paar Wochen später erhielt ich eine Nachricht über Facebook, in der ich gefragt wurde, ob ich Interesse an einer musikalischen Zusammenarbeit mit einem jungen Label in der Gründungphase hätte. Ich bin den Deal eingegangen und Fabio kam mit ins Boot. Es war für alle Beteiligten ein schöner Anfang, ins Musikgeschäft einzusteigen und sich auszuprobieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Face2Face: Was hat sich dadurch für dich als Straßenmusiker geändert?

Tim: Für mich hat sich als Straßenmusiker nichts verändert, außer dass ich nicht mehr versuche, mit meiner Musik auf der Straße Geld zu verdienen. Ich möchte Kunst machen und für mich ist wichtig, dass Kunst wahrgenommen wird. Egal, ob es eine Person ist, die sich mit der Kunst identifizieren kann oder ob es 100.000 Personen sind. Wenn die Kunst nur eine Person erreicht, bei der sie eine Wirkung hat und etwas hinterlässt, dann ist es genau so, wie es sein soll.

Face2Face: Ist man mit einem Plattenvertrag in der Tasche ein sorgenloserer Straßenmusiker?

Tim: Ich denke, es spielt keine Rolle. Sorgen hat man mal mehr und mal weniger.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Nie ohne Gitarren: Tim Anders und Fabio Shanti machen gemeinsam Straßenmusik in der Nähe der East Side Gallery in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie oft bist du als Straßenmusiker unterwegs?

Tim: In den ersten beiden Jahren habe ich von der Straßenmusik gelebt und war knapp fünf Tage die Woche auf der Straße. Ich habe in der Sonne, im Regen und sogar bei Minusgraden gespielt. Mittlerweile spielen wir mehr Konzerte und fahren gezielte Straßenmusiktouren, wie zum Beispiel eine Nord- und Ostsee-Straßenmusiktour im August 2018.

Face2Face: Wie du gerade schon erzählt hast, spielst du mittlerweile nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in Clubs und anderen Konzertlocations. War das eine bewusste Entscheidung von dir?

Tim: Die Straße war und ist für mich eine gute Schule und das, was ich da gelernt habe, nehme ich mit auf die Bühne. Konzerte zu spielen ist eine andere Herausforderung neben der Straßenmusik und gehört dazu. Mit meinem ersten Auto kam die erste Konzerttour und es wurde automatisch mehr.

Face2Face: Was macht dir mehr Spaß: Auf der Straße oder in Konzertlocations spielen?

Tim: Ich habe mehr Spaß an Konzerten, da du einen Raum hast, wohin die Leute kommen, um dir zuzuhören. Du musst nicht erst mal hart dafür arbeiten, dass dir Leute überhaupt ein offenes Ohr schenken. Trotzdem sind Konzerte jeglicher Art für mich eine kleine Überwindung, aber wenn ich das geschafft habe, genieße ich es sehr.

Face2Face: Du warst auch schon als Supportact von Mellow Mark mit ihm auf Tour. Wie kam es dazu?

Tim: Mellow Mark habe ich irgendwann nach unserer ersten Begegnung auf einem Videodreh wiedergetroffen und bin anschließend als Roadie mitgefahren. Irgendwann konnte ich nicht mehr einfach so danebenstehen und ihm auf der Bühne lauschen. Bei einem kleinen Konzert stellte er mich spontan auf die Bühne – in der Hoffnung, dass ich ihn nicht enttäuschen würde. Danach ging alles seinen Weg und ich durfte viele schöne Erfahrungen als Vorband von Mellow Mark und Jamaram sammeln. Außerdem haben wir auf seiner 2017 erschienenen Platte „Nomade“ den gemeinsamen Song „Easy“ veröffentlicht und sind auf irgendeine Art seelenverwandt.

Face2Face: Übst du nebenher noch einen anderen Beruf aus oder kannst du allein von der Musik leben?

Tim: Ich habe drei Jahre versucht, von meiner Musik zu leben und das war eine schöne Erfahrung mit vielen Höhen und Tiefen. Seit ein paar Monaten versuche ich allerdings, das Geldverdienen und die Kunst – so gut es geht – zu trennen, denn ich habe noch einen Job neben der Musik.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Tim: Momentan planen wir eine Konzert- und Clubtour im Dezember. Bis dahin haben wir noch ein paar vereinzelte Konzerte und im August steht die schon erwähnte Straßenmusiktour entlang der Ost- und Nordseeküste an. Außerdem arbeiten wir hart an einer weiteren Platte.

Mehr Infos zu Tim Anders gibt es auf seiner Homepage oder seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf Youtube.

Eine Hommage an den Überraschungsfilm

Wir haben für alles einen Plan: auf dem Schreibtisch klebt die To-Do-Liste, am Kühlschrank hängt der Essensplan für die Woche, große Feiern sind getaktet und die Gäste sitzen streng nach Plan, um dem nächsten Familienkrieg vorzubeugen. Deutsche mögen keine Überraschungen, so das Klischee. Aber wie sieht es im Privatleben aus? Wer freut sich nicht über eine liebe Urlaubskarte oder wenn ein guter Freund mit Essen vor der Tür steht.

Wieso nicht auch beim Kinoprogramm überraschen lassen?

Jemand sagte einmal zu mir, es werde nie ein guter Film in der Sneak Preview (zu Deutsch: inoffizielle Vorpremiere) kommen. Es gebe auch keinen eingebildeten abwechselnden Rhythmus von guten und schlechten Filmen. An dieser Stelle bekenne ich mich als langjähriger Anhänger der Sneak-Kultur. Wenn ich in eine neue Stadt ziehe, checke ich als erstes, ob es in den Kinos eine solche Filmreihe gibt. Ob im Originalton oder auf Deutsch, unveröffentlicht und vor allem geheim müssen sie sein.

Telefonjoker nicht erlaubt

Die Filmauswahl ist allerdings eingeschränkt: es werden Streifen vor dem nationalen Kinostart gezeigt. Oft laufen Werke abseits des Hollywood-Mainstreams. Mitunter verirrt sich auch der ein oder andere Blockbuster ins Programm. Ein weiterer Anreiz ist das Quiz, welches dem Film vorangeht. Für ihr Wissen werden die Zuschauer mit Postern, T-Shirts, Büchern oder kostenlosen Eintrittskarten belohnt. Das Niveau der Fragen ist allerdings recht hoch. Damit das übrige Publikum auch zum Zug kommt, werden in einigen Lichtspielhäusern Süßigkeiten geworfen.

Nach Perlen tauchen

Zugegeben, nicht jede Woche läuft ein guter Film. In einigen bin ich mitunter eingeschlafen, einmal habe ich den Kinosaal nach 30 Minuten verlassen (ein deutscher Roadmovie). Was macht nun die Faszination aus? Ist es der Nervenkitzel vor jeder Vorstellung? Es sind die besonderen Filme, die Schmuckstücke, die man nie freiwillig angeschaut hätte und vielleicht beim Trailer schon dachte, das wird nichts. Ein bisschen wie die Popcornkugel – wenn mehrere kleine Flakes zu einem großen Ball aneinanderkleben – den man wie den Jackpot aus der Tüte zieht.

„Her“: Liebe kennt keine Grenzen

Eine dieser Perlen ist der Film „Her“ aus dem Jahr 2013. In dem Science-Fiction-Drama löst Spike Jonze die Grenzen zwischen dem meistgenutzten Alltagsgegenstand – dem Computer – und seinem Nutzer auf. Kann es eine Liebe geben, die diese Barriere überwindet?

Wem ein ungewisser Kinobesuch zu viel „Abenteuer“ ist, kann es zu Anfang mit den folgenden Wagnissen versuchen:

  • Morgens aus dem Haus gehen, ohne vorher den Wetterbericht zu checken
  • Den Joghurt einen Tag nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums essen
  • Ohne Hinzuschauen zwei Socken aus der Schublade ziehen (und anziehen!)

Welche anderen Vorschläge habt ihr für uns? Schreibt uns in den Kommentaren oder auf Facebook.

Auf den Spuren von Harry Potter Teil 2

Die Reise auf den Spuren von Harry Potter geht weiter:

Raus aus London, hinein in die schöne Landschaft Englands. Nachdem im letzten Teil London bereits ausführlich ausgekundschaftet wurde, ist es nun an der Zeit, die bereits gesammelten Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Virgina Water Lake, ein See in der Nähe von London Heathrow, ist genau der richtige Ort, um die letzten Tage zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen. Wer ausnahmsweise keinen Hippogreif dabei hat, kann stattdessen einen Rundflug über den See machen oder diesen einfach zu Fuß besichtigen. Ziel ist es dann natürlich die Stelle zu finden, an der Hermine in „Harry Potter und der Feuerkelch“ Rons Nachricht zum Trimagischen Turnier an Harry weitergegeben hat. Wer dann immer noch nicht genug von der Natur hat, kann sich auf den Weg nach Ashridge Wood begeben. Im Film „Harry Potter und der Feuerkelch“ ist der Wald die Kulisse für die Quidditch Weltmeisterschaft.

Genug Sauerstoff getankt und Vogelgezwitscher gehört! Jetzt geht es wieder in die Stadt: Oxford. Nur 35 Minuten von Ashridge Wood entfernt gibt es dort das Angebot einer offiziellen Tour für 15 Pfund. Oxford lässt sich aber auch gut auf eigene Faust erkunden. So sollte auf jeden Fall die Mensa im Christ Church College besichtigt werden, welche als Kulisse für Hogwarts Speisezimmer diente. Auch die Old Bodleian Library in der Cattle Street ist einen Abstecher Wert, um dort in der Bücherei von Madam Pince nach einem neuen Buch zu suchen. Eine Stunde mit dem Auto von Oxford entfernt befindet sich die Gloucester Cathedral. Wer nicht schon in den letzten Tagen das Gefühl hatte, der Muggelwelt entflohen zu sein, wird bei der Besichtigung der Kathedrale endgültig glauben, Harry oder Hermine zu begegnen. In einigen der Flure wurden nämlich Aufnahmen für Hogwarts gedreht.

Auf den Weg nach Schottland

Der Harry Potter-Roadtrip geht nun weiter Richtung Schottland. Auf dem Weg kann bei der Hardwick Hall angehalten werden, um die Villa der Malfoys zu besichtigen. Wer für den Unterschlupf der Todesser jedoch keine 12,50 Euro ausgeben möchte, kann direkt weiter zu Malham Cove fahren – eine Felsenlandschaft, wo Harry und Hermine damals ihr Camp auf der Flucht vor Voldemort aufgeschlagen haben. Die nächste Station ist Hogsmeade, der einzige Ort, der ausschließlich von Hexen und Zauberer bewohnt wird. Von dort aus ist Hogwarts nicht mehr weit entfernt. Die Goathland Train Station stellte die Kulisse für den  Hogsmeade Bahnhof dar, an dem die Schüler mit dem Hogwarts Express ankommen.  Wer nicht von pferdelosen Kutschen abgeholt wird, muss sich nun leider wieder per Bus und Bahn Hogwarts nähern. Bei einem Besuch der Durham Cathedral ist das allerdings gut möglich. Die Durham Kathedrale diente für Außen- und Innenaufnahmen von Hogwarts und kann mit einer offiziellen Tour für fünf Pfund besichtigt werden, manche Bereiche sind sogar kostenlos zu begehen. Der gut informierte Muggel weiß allerdings nur zu gut, dass Hogwarts nicht gerade klein ist. Daher geht die Reise weiter nach Alnwick Castle. Auch dies diente als Kulisse für Hogwarts (sowie „Robin Hood – König der Diebe” oder „Elizabeth”) und kann mit einer Tour besichtigt werden.

Vorschau: Am Freitag, 08. April wird Schottland und Irland zum Abschluss der Reise erkundet.

Mit Deadpool durch die vierte Wand

Superheld? Antiheld? Liebestoller Romeo? Schlagfertiger Witzbold? Nur eins ist klar: Den Titel „Sexiest Man Alive“ kann Deadpool (Ryan Reynolds) sicher nicht abstauben. Die Marvel-Figur und der gleichnamige Film sind derart vielschichtig, dass eine Genre-Festlegung schwerfällt. Chronologisch gesehen beginnt Deadpools Geschichte mit einer Schreckensnachricht.

Ein Drama
Gerade hat er seiner Freundin Vanessa (Morina Baccarin) einen Heiratsantrag gemacht. Sein Job als roter Rächer und Beschützer der Armen bei einer Untergrundorganisation macht dem Ex-Soldaten Wade Wilson sichtlich Spaß. Doch sein Glück beim „Deadpool“, einem leicht fragwürdigen Wettspiel, verlässt ihn plötzlich.
„Der Krebs sitzt nur in Leber, Lunge, Prostata und Gehirn – alles Dinge, die ich nicht brauche.“ Wade kann sich nur zu einem resignierten Lächeln durchringen. Er möchte nicht, dass Vanessa ihn leiden und sterben sieht. Sein Lebensmut scheint ihn zu verlassen. Bis – ja bis ihm ein „Man in Black“ ein Angebot macht, das er nicht abschlagen kann: Eine zwielichtige Organisation verspricht den Krebs zu heilen und aus Wade einen Superhelden zu machen.

Eine satirische Komödie voller Anspielungen
Eingesperrt in einer Truhe voller Eiswasser, stahlharte Prügel und stundenlanges fingiertes Ersticken – durch brutale Folter-Experimente sollen Mutanten-Gene in Wades Körper den Krebs besiegen und ihm besondere Kräfte verleihen. Dabei wird „eine Sache das hier nicht überleben – sein Sinn für Humor“, ist sich der Ober-Folterknecht Ajax alias Francis (ACHTUNG: So möchte der Gute in der Öffentlichkeit keinesfalls genannt werden) sicher. Doch damit liegt er vollkommen daneben. Auch wenn Wade nach dem Experiment völlig entstellt ist – „als hätte ne Avocado Sex mit na älteren Avocado gehabt“ – sein satirischer Humor scheint sich dadurch nur noch zu verstärken. Als unsterblicher Deadpool im roten Anzug (irgendetwas Gutes müssen die Folterexperimente ja gebracht haben) schwört er Rache an Posh Spice alias Ajax alias Francis alias Ed Skrein. Bei seiner Jagd durchbricht Deadpool nicht nur die vierte Wand, wendet sich also direkt an den Zuschauer, um ihm beispielsweise mitzuteilen, dass sich die Produktionsfirma nur zwei X-Men leisten konnte, sondern spielt auch auf andere Comic-Helden und Schauspieler an (sehr beliebt: Hugh Jackman, dessen Gesicht er sich als Maske ans Gesicht tackert, um Vanessa keinen Schreck einzujagen). Einen Überblick über diese sogenannten „Easter Eggs“ liefert dieses Video von Sunday Movies.
Übrigens sehen sogar die Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick ihren Film eher als Komödie denn als Actionfilm, wie ihr HIER nachlesen könnt.

Ein knallharter Actionfilm
Und doch: Die Action kommt nicht zu kurz bei Deadpool – ganz im Gegenteil! Neben rasanten Verfolgungsjagden, Explosionen und Schießereien beeindrucken Moment- und Zeitlupenaufnahmen, die die Kämpfe aus Perspektiven zeigen, die dem Zuschauer ganz neue Blickwinkel und außergewöhnliche Einblicke eröffnen. Fehlt nur noch der passende Sound ála DMX – um es mit Deadpools Worten zu sagen „Musik ab!“

Ein romantischer Liebesfilm
Und trotzdem darf man nicht vergessen: Sämtliche seiner Entscheidungen fällt Wade bzw. Deadpool aus Liebe zu seiner Freundin Vanessa. Um mit ihr zusammen sein zu können, lässt er die Folterungen über sich ergehen. Für sie setzt er alles daran, nicht mehr auszusehen als hätte „Freddy Krueger einer topografischen Karte von Utah ins Gesicht gefickt“. Ob sie ihn auch ohne die provisorisch ins Gesicht getackerte Hugh Jackman-Maske zurücknimmt, solltet ihr euch selbst ansehen.

Vorschau: Nächsten Freitag lest ihr hier einen Nachruft auf Peter Lustig.

Exam next week: You shall not fail – Motivationszitate für die Klausurenphase

Februar: Es ist dunkel, wenn man das Haus verlässt, dunkel, wenn man von der Uni nach Hause kommt.
Die Kälte ist nicht nur draußen zu spüren, sie erfüllt auch unser Herz bei dem Gedanken an die anstehenden Klausuren.
Es ist Klausurenphase: Diese Zeit zwei Mal im Jahr, in der Schokolade zum Haupternährungsmittel wird, Fressorgien dem Stressabbau dienen, Kaffee dein engster Verbündeter ist, Jodel voll ist von Kommentaren, dass der Partner nur für Sex herbestellt wird und dann wieder verschwinden soll, weil man lernen muss. Kurz um: Wir wühlen uns im Selbstmitleid.
Doch was kann man gegen die ständige Müdigkeit, Demotivation und die Tatsache, dass selbst das Anstarren der Wand interessanter als Lernen erscheint, unternehmen?
Sich Motivation von den großen Herren und Frauen der Kulturlandschaft besorgen!

Natürlich geht es – auch wenn es sich oft so anfühlt – in der Klausurenphase nicht um das pure Überleben. Trotzdem lehren uns die halb nackten Damen aus „Sucker Punch“  nicht nur, dass man 90 Minuten mit dramatischen Zeitlupen und sexy Tanzszenen füllen kann, sondern auch, dass wir stärker sind, als wir glauben und keine Angst haben müssen. Alles, was wir tun müssen, ist endlich unseren Hintern hochzubekommen und zu lernen beziehungsweise zu kämpfen.

¨You don’t think you’re strong enough? You are. You’re afraid. Don’t be. You have all the weapons you need. Now fight!¨

Und wie kriegen wir das hin? Indem wir den weisen Worten aus „Der Herr der Ringe“ Aufmerksamkeit schenken und uns klar machen,  dass sich die Klausur eben nur bestehen lässt, wenn wir auch etwas dafür tun. Redet euch ein: Der „Triumph“¨ über die bestandene Klausur ist umso schöner, wenn ihr wisst, ihr habt es auch dank Lernen wirklich verdient. Wäre doch auch langweilig gewesen, wenn der Ring gleich am Anfang zerstört worden wäre – keine epischen Schlachten, kein „you shall not pass!“¨, keine Hochzeit zwischen Aragon und Arwen:

¨There can be no triumph without loss. No victory without suffering. No freedom without sacrifice.¨

Der Berg an Aufgaben, der zu erledigen ist und die Verzweiflung darüber, wie man das alles nur strukturiert bekommen soll, lassen einen trotzdem oftmals schon zu Beginn am liebsten den Kopf im Sand stecken. Über allem kreist unaufhörlich der Gedanke an das Versagen, an das Scheitern. In dieser scheinbar perfekten Gesellschaft von heißen Instagramm-Fotos und faszinierenden Facebook-Accounts ist kein Platz mehr für das Versagen. Doch hinter jedem Facebook-Profil verstecken sich auch weniger schöne Lebensereignisse, die nicht gepostet wurden, hinter jedem Instagramm-Bild mit Filter ist irgendwo ein Pickel auf der Haut – und so ist es auch mit der Uni: Keiner ist immer perfekt. Vielleicht wird die Klausur nicht gut, vielleicht sind wir schon beim Lernen überfordert, aber das einzige Versagen liegt darin, sich davon Angst machen zu lassen und es daher erst gar nicht zu probieren. Herr Coelho, ein brasilianischer Schriftsteller, fasst diese lange Rede treffend in ein paar Worten für euch zusammen:

¨Nur eines macht sein Traumziel unerreichbar: Die Angst vor dem Versagen.¨

Daher: Weg mit der Angst und her mit den verwirrenden Notizen aus der Vorlesung! Schließlich hat uns schon John Green in seinen schmerzlich-schönen Büchern aufgezeigt wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist.  Also haltet euch an seine Worte und macht etwas aus eurem Leben:

¨What is the point of being alive if you don´t at least try to do something remarkable?¨

Wollt ihr irgendwann im Vormittagsprogramm der Privatsender landen? Euch immer darüber ärgern, dass ihr den Traumjob nicht bekommen habt, weil alles an einer Statistik-Klausur gescheitert ist? Euch von eurem Gewissen weiter peinigen lassen, während ihr versucht, es mit endlosem Netflix schauen, zu unterdrücken und euch so vor dem Lernen zu drücken?

Ein Tipp zuletzt: Schreibt euch eine to-do-Liste mit den Sachen, die ihr nach (!) der Prüfung machen wollt und nicht müsst. Wenn erst einmal der fehlenden Schlaf nachgeholt wurde, könnt ihr es mit dem amerikanischen Schriftsteller Hunter S. Thompson halten und euer Leben nach der Klausurenphase, im Wissen, ihr habt alles dafür gegeben, so richtig  genießen:

¨Sleep late, have fun, get wild, drink whiskey and drive fast on empty streets with nothing in mind but falling in love and not getting arrested.¨

Vorschau: Am Freitag, 19. Februar geht es weiter mit ¨Helden¨: ¨Helden für Herzen¨ stehen dann im Fokus.

Vorsicht: Diese Filme erweitern euren Horizont

Eigentlich wollte ich heute über etwas Schönes schreiben. Vielleicht darüber, wie man die Adventszeit am besten verbringen sollte. Welchen Weihnachtsmarkt man nicht verpassen darf. Doch dann kam Freitag der 13. und riss ein Loch in Familien, unsere Herzen und die friedliche Geborgenheit, in der wir uns wähnten. Und wieder war es wie ein Schlag ins Gesicht, der uns zeigte – nicht nur in Paris, sondern an vielen Orten dieser Welt: Der Hass und die Angst vor dem Fremden, dem Andersartigen ist mitten unter uns. Aber muss ich mich davon einschüchtern lassen?

Jeden Tag treffe ich wunderbare Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, mit verschiedenen Ethnien und Religionen, die mir wundervolle Dinge über sich und ihre Kultur beibringen. Und immer lerne ich auch etwas über mich selbst und dass sich neben den vielen Unterschieden auch so viele Gemeinsamkeiten offenbaren.

Darum möchte ich an dieser Stelle meinem Plan treu bleiben und über etwas Schönes schreiben. Es gibt so viele wundervolle Filme über das Miteinander verschiedener Kulturen. Es wird viel gelacht, aber auch geweint und manchmal gestritten. Aber das Wichtigste ist: am Ende steht immer eine Versöhnung. Im Folgenden möchte ich eine kleine Auswahl vorstellen.

Anderswo

Die Berliner Studentin Noa (Neta Riskin) sammelt unübersetzbare Wörter. Sie möchte in ihrer Masterarbeit ein Wörterbuch schreiben. Doch keiner sieht einen Sinn hinter ihrem Vorhaben und so bekommt sie das Stipendium verweigert. Nun will auch noch ihr Freund Jörk (Golo Euler) in den Süden Deutschlands ziehen. Vor Jahren kam Noa aus Israel nach Deutschland, auf der Suche nach Freiheit, dem großen Glück und neuen Abenteuern. Nun muss sie feststellen, dass sie in Berlin keine Heimat gefunden hat. Kurzentschlossen fliegt sie zurück nach Israel zu ihrer Familie. Enttäuscht erkennt Noa, dass die alte Heimat nicht mehr die Stadt ist, aus der sie als Teenager geflohen ist. Dann taucht Jörk plötzlich auf und will Antworten – ausgerechnet am nationalen Gedenktag. Noas sorgfältig getrennte Leben prallen aufeinander. Im Gepäck: alte Vorurteile und Ängste aber auch viel Komik. Zum Trailer.

Madame Mallory und der Duft von Curry

Das Restaurant ist seit dem Tod ihres Mannes ihr ganzes Leben. Mit strenger Hand führt Madame Mallory (Hellen Mirren) das „Le Saule Pleureur“ im Süden von Frankreich, in dem sogar der Präsident speist. Nichts kann den Charme des idyllischen Örtchens Saint-Antonin-Noble-Val stören. Bis eines Tages die Familie von Hassan Kadam (Manish Dayal) ein indisches Restaurant in der Nachbarschaft eröffnet. Französische Unnahbarkeit trifft auf lebensfrohen, indischen Bollywood-Charme – da ist der Ärger vorprogrammiert. Schafft es Hassan dennoch die Gunst der unterkühlten Sterneköchin und ihrer bezaubernden Sous-Chefin Marquerite (Charlotte Le Bon) für sich zu gewinnen? Zum Trailer.

L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr

Von heute auf morgen macht Xavier (Romain Duris) Schluss mit seinem alten Leben, seinem langweiligen Job, seiner nervigen Dauer-Freundin Martine (Audrey Tautou). Dank dem europäischen Austausch-Programm Erasmus zieht der Franzose in die spanische Hauptstadt Barcelona. Für ein Jahr. Dort landet er schließlich in einer buntgemischten WG. Seine Mitbewohner stammen aus Italien, England, Dänemark, Belgien, Deutschland und Spanien. Schnell muss er feststellen, dass in Barcelona jeder eine andere Sprache spricht aber alle sich verstehen. Zum Trailer.

Welche sind eure liebsten Filme? Egal ob „Kampf der Kulturen“ mit Happy End oder Komödien über fremde Welten, ob deutsche, israelische, kenianische oder chinesische Regisseure, ob Kurzfilm, Independent-Movie oder Kassenschlager. Schreibt uns eure Favoriten!

 

 

Codename „Citizenfour“

Spannend: Der Dokumentarfilm-Thriller Citizenfour wird am 23.11.2015 um 22.45 Uhr zum ersten Mal in der ARD / Das Erste ausgestrahlt. (Foto: http://hoehnepresse-media.de)

Spannend: Der Dokumentarfilm-Thriller Citizenfour wird am 23.11.2015 um 22.45 Uhr zum ersten Mal in der ARD / Das Erste im TV ausgestrahlt. (Foto: http://hoehnepresse-media.de)

Citizenfour ist der Nickname, unter dem Edward Snowden die Filmemacherin Laura Poitras und den Journalisten Glenn Greenwald per E-Mail kontaktierte. Das erste Treffen fand in Hongkong statt. Der Dokumentarfilm porträtiert Snowden nicht nur als sogenannten Whistleblower, sondern auch als Mensch. 2014 kam „Citizenfour“ in die Kinos, wurde mit dem Oscar, dem Deutschen Fernsehpreis sowie dem Emmy ausgezeichnet.

Die deutsche TV-Erstausstrahlung findet am Montag, 23. November 2015, um 22.45 Uhr in der ARD / Das Erste statt.

 

Wir haben mit dem Produzenten des Films Dirk Wilutzky (50) gesprochen.

Face2Face: „Citizenfour“ hat inzwischen alle wichtigen Filmpreise abgeräumt. Wie haben all diese Preise und vor allem der Oscar Ihr Leben verändert?

Dirk Wilutzky: Die Preise haben mein Leben nicht wirklich verändert. Aber sie motivieren mich auf besondere Art genau das weiterzumachen, was ich in den letzten zehn Jahren getan habe – nämlich so konsequent wie möglich Filme zu machen, die sich radikal den Werten der Aufklärung und der Verteidigung der Menschenrechte verpflichtet fühlen.

Diese Werte – Gerechtigkeit, Freiheit, Selbstbestimmung, Demokratie und Verantwortung für die Zukunft der Menschheit – sind gerade in großer Gefahr in einer Welt, die immer krisenhafter und instabiler wird.

Filme können, so wie CITIZENFOUR dazu beitragen, mehr Menschen aufzuwecken. Und das ist das Dringendste, was derzeit geschehen muss. Denn die Zeit in der wir noch etwas Sinnvolles gegen viele der sich anbahnenden Bedrohungen unternehmen können läuft ab. Ich denke, dass in den nächsten 10, 20 Jahren die wichtigsten Entscheidungen für die Zukunft der Menschheit getroffen werden. Entweder entscheiden wir bewusst, und gestalten unsere Zukunft, weil wir etwas begriffen haben werden, oder wir verdrängen weiterhin alles, und dann wird es eben chaotisch. Wir haben jetzt die Wahl.

Face2Face: Über welche Oscar-Gratulation haben Sie sich am meisten gefreut?

Wilutzky: Über die von meiner Frau Mathilde Bonnefoy, die den Film mit mir zusammen produziert und ihn auch noch geschnitten hat. Es war tatsächlich ein besonderes Gefühl, als wir beide jeweils unseren eigenen Oscar bekamen und uns gegenseitig gratulieren konnten! Besser geht es nicht.

Face2Face: Was genau hat Sie angetrieben diesen Film zu produzieren und nach Wahrheiten zu suchen, auch wenn sie sich als gefährlich erweisen könnten?

Wilutzky: Wir leben heutzutage als Menschheit in einer so entscheidenden Situation, dass wir einfach tun müssen, was immer wir können, um dazu beizutragen die Zukunft unserer Demokratie und unserer Menschenrechte zu verteidigen. Da gibt es kein Aber.

Filmszene: Edward Snowden & Glenn Greenwald in Hongkong. (Foto: http://hoehnepresse-media.de © Praxis Films)

Filmszene: Edward Snowden & Glenn Greenwald in Hongkong. (Foto: http://hoehnepresse-media.de © Praxis Films)

Face2Face: Wie wichtig war es Ihnen auch den Menschen Edward Snowden und sein Schicksal zu zeigen?

Wilutzky: Edward Snowden ist ein absolutes Vorbild. Er handelte aus einem tief empfundenen persönlichen Verantwortungsgefühl. Er hat sein Leben für unsere Demokratien aufs Spiel gesetzt. Seine mutige Tat in einem solchen Film festzuhalten, sie für andere sichtbar zu machen, ihn sichtbar zu machen, das ist eine Arbeit, auf die ich sehr stolz bin.

Face2Face: Hatten Sie keine Angst sich mit dem mächtigsten Staat der Welt anzulegen?

Wilutzky: Natürlich hatten wir auch Angst. Aber das Wichtigste dabei ist es, mit der eigenen Angst lernen umzugehen und sich nicht von ihr in die falsche Richtung leiten zu lassen. Es wäre falsch, aus Angst etwas nicht zu tun, etwas nicht zu wagen, oder aus Angst sogar Gesetze zu befürworten, die für Pseudo-Sicherheit sorgen sollen, wie z.B. die Massenüberwachungsgesetze der USA oder die Vorrats-datenspeicherung in Deutschland. Wissen Sie übrigens dass dieses Gesetz eine Klausel enthält, die das Arbeiten mit geleaktem Material für Journalisten illegal machen soll? Das ist ein perfektes Beispiel dafür was man verliert, wenn man sich der Angst hingibt: man verliert seine Freiheit!

Face2Face: Wie hoch schätzen Sie selbst Ihr persönliches Risiko ein? Hatten Sie Angst selbst zum Ziel der Geheimdienste zu werden?

Wilutzky: Es war eine interessante Erfahrung das Gefühl zu haben, dass wir davon ausgehen mussten, selbst abgehört und überwacht zu werden. Und es ist genauso wie im Film gesagt wird: Es ist ein solches Verbrechen andere zu überwachen, weil es so intrusiv ist. So aufdringlich. Es dringt in den eigenen Kopf. Es beginnt die eigenen Handlungen unbewusst zu zensieren. Man traut sich plötzlich nicht mehr bestimmte Dinge in Suchmaschinen einzugeben. Man zögert plötzlich Online-Petitionen zu unterschreiben, weil man vielleicht später an einer amerikanischen Universität studieren will, etc. Es verändert die Person, die sich überwacht fühlt. Der einzige sinnvolle Umgang damit ist, sich dessen bewusst zu werden und sich zu wehren: die Dinge trotzdem zu machen, die man machen wollte, die Gedanken trotzdem auszudrücken, die man ausdrücken wollte. Darüber hinaus muss man aber auch Verschlüsselung für E-Mail und Festplatten verwenden und das Netzwerk TOR benutzen (einen Browser, der Anonymität gewährleistet). Es gibt keine Alternative mehr dazu.

Face2Face: Mit welchen Schwierigkeiten hatte das Team bei der Fertigstellung des Films zu kämpfen? Stimmt es, dass der Film in Deutschland zu Ende geschnitten wurde aus Angst vor US-Behörden?

Wilutzky: Der Film musste komplett in Deutschland geschnitten werden, weil es in den USA Gesetze gibt, die selbst Journalisten zwingen können all ihr Material den Behörden zu übergeben. Wir haben wegen des brisanten Inhalts versucht so weit wie möglich „unter dem Radar“ zu arbeiten. Niemand sollte wissen, dass dieser Film gerade im Entstehen war. Das machte die Finanzierung des Films schwierig, weil ich ständig mit potentiellen Geldgebern verhandeln musste, denen wir nicht viel über den Film sagen konnten. Aber wir haben genügend mutige Menschen gefunden, die das Risiko eingingen. Das war eine gute Erfahrung.

Face2Face: Wurden Sie oder das Team in Deutschland z.B. von PRISM, Tempora oder XKeyscore überwacht?

Wilutzky: Von diesen Programmen werden wir in Deutschland alle überwacht.

Face2Face: Inwiefern hat der Film „Citizenfour“ Ihr Leben positiv oder negativ verändert?

Wilutzky: CITIZENFOUR macht mir trotz allem Mut. Das liegt daran, dass er meinen Blick auf die junge Generation, die 20-30ig-Jährigen, verändert hat. Ich sehe da plötzlich dank Snowden, und dank vieler Diskussionen in den Kinos nach Vorführungen, immer mehr sehr ernsthafte, hoch moralische Menschen, die bereit sind sich für die klassischen Werte der Aufklärung und der Menschenrechte einzusetzen – und gegebenenfalls große Risiken auf sich zu nehmen.

Face2Face: Wie denken Sie selbst im Zeitalter von Social Media über Datenschutz? 

Wilutzky: Ich denke, dass besonders junge Menschen extrem skeptisch und vorsichtig sein sollten. So leicht sind heutzutage Dinge veröffentlicht, die absolut privat hätten bleiben sollen, und die später einmal richtig ärgerliche Auswirkungen haben können.

Face2Face: Sind Sie denn selbst aktiv bei Facebook, Google+ und Co.?

Dirk Wilutzky: Natürlich nicht.

Face2Face: Und wie schützen Sie Ihre persönlichen Daten Herr Wilutzky?

Wilutzky: Am besten ist es einen Computer zu haben, der noch nie Online war. Auf dem kann man dann an den wirklich wichtigen, persönlichen Dingen arbeiten. Ansonsten benutze ich Verschlüsselung für die wichtigen Mails und Datenträger und das angesprochene Netzwerk TOR als überwachungsresistenten Browser für die persönlicheren oder beschützenswerteren Internet-Recherchen.


 

Vorschau:

DVD Review: Mary und Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

Wenn einen nichts glücklicher macht, als der Geruch von nassen Hahn und Kondensmilch mit Zucker, dann kann auch nur Braun deine Lieblingsfarbe sein. Braun wie das kackafarbene Muttermal auf der Stirn von Mary Daisy Dinkle, der achtjährigen Hauptfigur von Adam Elliots filmischen Briefroman „Mary und Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“ (2009).

Denn wenn die kleine Australierin mit dem vierundvierzigjährigen atheistischen Juden, New Yorker und Asperger-Patienten Max schreibt, fließt Komisches, Tragisches, Rührendes und Bizarres in einen Briefwechsel, der geprägt ist von einem Unverständnis für die seltsame Welt dort draußen.

Und bizarr ist sie allerdings, nicht nur in Elliots Bildern, die ganz aus Knete geformt und animiert wurden – allerdings aus Knete, die aussieht, als habe sie viel zu lange ganz hinten im Schrank gemodert und sei erst letztens aus dem Bio-Müll zwischen altem Gemüse und Eigelb hervorgeholt worden. Gelb, grau, braun, beige ist Marys Welt und Max sieht sein Leben nahezu ganz schwarz-weiß. Es ist eine Feier des Trüben, des etwas Ekligen und der Tristesse – eine Welt in der rammelnde Hunde und Unterhosenaufnahmen dazugehören. Aber auch eine Welt, in der Mary sich ihre Lieblingsfernsehhelden aus Restaurantabfällen und Chipstüten nachbastelt und die leicht verrückten Menschen es sind, die die Welt liebenswert erhalten.

Dieser Wille zum komisch-schrägen-schönen Leben zieht sich durch den ganzen Film und ist manchmal auch das Einzige, was der geballten Seltsamkeit dort draußen gegenübersteht. Alkoholiker, Folteropfer, Massenmörder, Weightwatchers – sie alle betreten und verlassen rasch in das Leben der beiden Hauptfiguren, nie aber, ohne entweder zum Schreien komisch oder tragisch gewesen zu sein. Dazu gehören auch Tode jedweder Art, ob Haustier, Opa, Mutter, oder … mehr sei hier nicht verraten. Immer gilt das Ritual als dramaturgische Prämisse, nach dem Max seine Kindheitsbiographie beschreibt: „Mein Vater ließ uns in einem Kibbuz sitzen, als ich 6 war. Als ich 8 war, erschoss sich meine Mutter mit der Pistole meines Onkels. Magst du Schokoriegel?“ Das Schöne folgt dem Schrecklichen, unweigerlich.

Überhaupt der Text: Dürre Worte gegen die Gebrauchtknete-Wunderwelt – eigentlich eine aussichtlose Kombination. Umso erstaunlicher, wie nahtlos sich Bild und Text ergänzen, wie passgenau jeder Satz und Gag sitzt. Dazu tragen nicht zuletzt die wunderbaren Sprecher der deutschen Version bei. Genervt von hunderten schlechten Kinderschauspielern, kann man sich in Valentina Bonalanas niedliche Stimme als deutsche Mary einfach nur verlieben, ob sie jetzt von Babys aus Bierflaschen oder von Kriegsgräueln erzählt. Im Kontrast perfekt, ist die knarzig-rauhe Stimme von Helmut Krauss, alias Max.

Der größte Verdienst der Films ist aber zweifellos, dass er sich nicht auf seinen Qualitäten ausruht. Dass Elliot absurde Figuren und Bilder kann, hat er schon mit seinem Oscar-prämierten Kurzfilm „Harvie Krumpet“ bewiesen (der ebenfalls auf der sehr gelungenen DVD-Fassung zu finden ist). Doch „Mary und Max“ ist nie nur simple Aneinanderreihung von Gags. Erzählt wird die rührend wahre Geschichte einer Freundschaft zweier sehr verschiedener Menschen, und wie diese ihrer beider Leben (und auch ein bisschen die Welt) verändert. Tragik und Komik mischen sich hier so nahtlos, dass man manchmal nicht weiß, ob man noch weint, oder schon lacht. Und niemals hat ein Film einem mehr das Gefühl gegeben, dass die Welt der Außenseiter, der einsamen Kinder, der ewigen Patienten, der chronischen Stehaufmännchen zwar die traurigere, aber vielleicht auch die bessere, wahrere Welt ist.

Fazit: Wer sich diesen Film anschaut, ohne zumindest heimlich ein Tränchen zu vergießen, ist schon ein ziemlich harter Hund.

Amy – Musikikone im Club 27

„Ich bin kein Mädchen, das ein Star sein will. Ich bin ganz einfach ein Mädchen, das singt.“ Vielleicht liegt genau in diesem Satz die Tragik des frühen Todes der britischen Sängerin Amy Winehouse. Vor vier Jahren starb sie im Alter von 27 Jahren und reiht sich auf tragische Weise in die Reihe einer Musikerliste ein, die den Namen „Klub 27“ trägt.

Der Club 27 wurde der Öffentlichkeit erst 1994, nach dem Tod Kurt Cobains ins Bewusstsein gerufen. In einem Interview sagte die Mutter des Nirvana Frontmanns: „Jetzt ist er von uns gegangen und diesem blöden Club beigetreten. Ich habe ihm gesagt, er soll diesem blöden Club nicht beitreten.“ Cobain hatte sich im Alter von 27 Jahren nach einer Überdosis Drogen selbst erschossen. Seitdem gibt es die Theorie, dass besonders begabte Musiker mit 27 Jahren sterben und somit einem Klub beitreten. Die Mitglieder des Klubs sind in der Tat sehr begabte Musiker gewesen. Der Rolling-Stones-Gitarrist  Brian Jones, der unter ungeklärten Umständen 1969 in einem Pool ertrank, der Ausnahmegitarrist Jimi Hendrix, die Sängerin Janis Joplin und der The-Doors Frontmann Jim Morissen starben genau wie Amy Winehouse im Alter von 27 Jahren.

Eine Frage stellen sich heute neben Musikredakteuren auch Biografen und Statistiker: Handelt es sich nur um eine traurige Allegorie oder steckt mehr dahinter? Was alle diese Künstler vereinte war der Hang zu Drogen und Alkohol. Und auch das Leben der britischen Soulsängerin Amy Winehouse war von Drogen und Alkohol gezeichnet. Ein Leben voller Höhen und Tiefen, dem sie mit ihrem Song „Rehab“ selbst einen Soundtrack gab. Bekannt ist, dass die anderen Mitglieder des Clubs 27 Winehouses musikalisches Leben entscheidend geprägt haben. Sie waren ihre Vorbilder, denen sie mehr als noch musikalisch folgte.

Im Film „Amy – The girl behind the Name“, der bei uns in Deutschland seit Mitte Juli in den Kinos zu sehen ist, wird ihr ereignisreiches Leben gezeigt. Die Dokumentation gibt Einblicke in das Leben der Sängerin, ob als  junges musikalisches Mädchen mit Gitarre, dass in die Kamera grinst, als Teenager in einem verrauchten Jazz-Club oder als junge Frau bei der Grammy-Verleihung. Das alles ist Amy Winehouse. In Amy wird ein Bild gezeichnet, das sanft die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die eigentlich nur singen wollte. Es kam der Ruhm, dann aber auch eine Situation mit der die Britin nur schwer umgehen konnte. Sie flüchtete sich in Drogen und Alkohol und starb am 23.Juli 2011 an einer Alkoholvergiftung.

Paddington – Ein Bär für jedes Alter

Spätestens seit dem Film „Ted“ mit Mark Wahlberg weiß man, dass Bären nicht nur etwas für Kinder sind, sondern auch Menschen, die älter sind, in ihren Bann ziehen können.

Den neuesten Beweis dafür liefert der Film Paddington. Zugegeben: Der pelzige Tollpatsch war früher zu seinen Trickfilmzeiten eher ein TV-Serien-Star für das Sandmännchen-Publikum, doch was die aktuelle Kinoproduktion angeht, so scheint dies alles Schnee von gestern zu sein. Was zuvor als Gefallen für meine Freundin gedacht war, stellte sich im Nachhinein als Glücksgriff heraus. Die Entscheidung, sich den liebreizenden Bären mit dem modisch fragwürdigen Hut im Kino anzuschauen.

Die Namensherkunft des bärigen Titelhelden: Die Paddington Station in London (©Jochen Gebhard  / pixelio.de)

Die Namensherkunft des bärigen Titelhelden: Die Paddington Station in London (©Jochen Gebhard / pixelio.de)

Balsam für die Seele. Ein Sprichwort, das schon direkt zu Beginn des Films positiv ausgereizt ist: Auf rührende Art wird die Herkunft Paddingtons erläutert. Welches traurige Schicksal steckt hinter der Tatsache, dass er bei seinem Onkel und seiner Tante in den tiefsten Wäldern Perus lebt? Auch diese Frage beantwortet der Film. Eine genreübergreifende Mischung aus Komödie, Romanze und dem richtigen Anteil Action lässt den Zuschauer in eine andere Welt eintauchen und fasziniert jeden Schritt des kleinen Bären in eine für ihn ebenso fremde Welt verfolgen. Wer nach Betrachten des Filmplakates dachte: „Was ist das nur für ein schräger, alter Hut?“, dem leisten die Drehbuchautoren Abhilfe und präsentieren sogar dessen nicht ganz unwichtige Geschichte, sowie nebenbei eine Möglichkeit, künftig Marmeladenbrote für den Notfall aufzubewahren.

Die Worte „ein erwachsen gewordener Kinderfilm“ würde diese Produktion am besten beschreiben. An Weisheiten für das Leben wird nicht gespart, dafür aber das vermeintlich unrealistische Zusammenleben zwischen Vorstadtfamilie und Bären an den richtigen Stellen in Szene gesetzt und so der Wille nach einem pelzigen Freund für jedes Alter gestärkt.

Oft verschmilzt die Grenze zwischen Tier und Mensch. Paddington ist uns in dem Film sehr ähnlich, hat meist ähnliche Probleme, Sorgen oder Bedürfnisse. Nicht zuletzt deswegen kann der Zuschauer sich gut mit ihm identifizieren und in seine Lage hineinversetzen. Auch für Elyas M’Barek Fans lohnt es sich. Zwar ist er selbst nicht zu sehen, als sanfte und sympathische Stimme Paddingtons jedoch zu hören.