Movies Made in Germany – Das Festival des deutschen Films geht in die 10. Runde

IMG-20140702-WA0001

Strahlt hell in der nächtlichen Szenerie: Das Logo des Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Anglizismen und vor allem amerikanisch geprägte Einflüsse sind aus der Popkultur Deutschlands längst nicht mehr wegzudenken. Ein Kassenschlager im Kino aus Amerikas bekanntester Filmschmiede jagt den nächsten und auch im deutschen Fernsehen überwiegen die altbekannten etablierten amerikanischen Produktionen. In Vergessenheit gerät dabei das Potenzial, das unser eigenes Land jahrein, jahraus in der Filmkunst beweist.

Veranstaltungen dafür gibt es vielerorts. Jedoch spezialisiert sich kaum ein Filmfestival auf alle Disziplinen des Filmemachens. Ob im Kino, im Fernsehen, nur auf DVD oder auch im Internet ausgestrahlt spielt keine Rolle – lediglich die künstlerische Komponente ist, was zählt.

Diesen Leitspruch hat sich das Festival des deutschen Films zum Programm gemacht, das dieses Jahr zum zehnten Mal in Ludwigshafen stattfand. Austragungsort war, wie seit der Gründung 2005, die Parkinsel am Rande der Stadt mit ihrer Platanenallee und dem industrieromantischen Blick auf den Rhein und Mannheim.

Auf dem Programm standen, untergliedert in sechs verschiedene Kategorien, fast 50 Filme, deren Produktionsstandort ausnahmsweise nicht im amerikanischen Hollywood liegt, sondern in Deutschland. Filmbegeisterte konnten sich in der atmosphärischen Symbiose von Stadt und Natur überzeugen lassen, was der deutsche Film heutzutage noch zu bieten hat.

Face2Face war mit Euch vor Ort und hat sich den Film „Stereo“, mit Jürgen Vogel (Die Welle) und Moritz Bleibtreu (Das Experiment) näher angeschaut. Der Handlungsverlauf des packenden Thrillers ist leicht umrissen: Der Motorradfan Erik führt ein ambivalentes Leben. Auf der einen Seite übertritt er gerne die Geschwindigkeitsbegrenzungen der

Idyllisch: Die Platananallee am Ufer des Rheins (Foto: N. Schwalb)

Idyllisch: Die Platananallee am Ufer des Rheins (Foto: N. Schwalb)

beschaulichen Landstraßen und schraubt ölverschmiert in seiner eigenen Werkstatt an Motorrädern herum, auf der anderen Seite hat er Teil an dem Familienleben der alleinerziehenden Julia und einen Narren an ihrer Tochter Linda gefressen. An seine Vergangenheit will und kann er sich nur schwer erinnern, wie ihm klar wird als zwielichtige Gangster bei ihm auftauchen und ihn bestens zu kennen scheinen. Schlimmer noch wird Erik von einer imaginierten Gestalt verfolgt, die sich später als Henry vorstellt und auch per Hypnose nicht zu vertreiben ist. Erik findet sich in einer prekären Lage wieder: Will sein imaginärer Verfolger ihm Böses antun? Wem kann er vertrauen? Und welche Geheimnisse verbergen sich in seiner Vergangenheit? Ein Psychothriller voller Spannung, Verstörung aber auch mit einem skurrilen Witz, der das Publikum applaudierend und mit erstaunten Mienen zurücklässt.

Wer sich nicht mit schlichten Filmvorführungen zufrieden geben wollte, dem bot das

Gut besucht: Eines der Kinozelte beim Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Gut besucht: Eines der Kinozelte beim Festival des deutschen Films (Foto: N. Schwalb)

Filmfestival die Möglichkeit, Persönlichkeiten aus der deutschen Filmlandschaft hautnah kennenzulernen oder an einer der vielen Preisverleihungen teilzunehmen. So ging beispielsweise der Preis für Schauspielkunst an Anna Loos und den als lustigen Professor Boerne aus dem münsteraner Tatort bekannten Jan Josef Liefers. Dieser resümierte das Festival, das am 08.Juli mit einem Besucherrekord von 78.000 Menschen zu Ende ging: „Dieses Festival steht für den deutschen Film und davon leben wir.“

Vorschau: Nächste Woche testet die FILM&KUNST&KULTUR-Rubrik den Einsatz von Ebook-Readern und inwiefern sie echten Bücher den Status streitig machen können.

Festival des deutschen Films in Ludwigshafen – Die besten deutschen Filme des Jahres

Direkt am Rheinstrand, in einer Zeltlandschaft unter großen Platanen wird es ausgetragen: das „Festival des deutschen Films“ in Ludwigshafen. Zwei Wochen wird in dieser sommerlichen und entspannten Atmosphäre der deutsche Film gefeiert. Bereits zum achten Mal findet der Auftakt des Festivals am Donnerstag, 14. Juni statt und noch bis Sonntag sind Zuschauer dazu eingeladen, die besten deutschen Filme des Jahres auf der Parkinsel in Ludwigshafen anzusehen.

Festival des deutschen Films in Ludwigshafen - Die besten deutschen Filme des Jahres

Belebte Atmosphäre: Rund 35.000 Besucher flanieren inzwischen jährlich unter den Platanen auf dem „Festival des deutschen Films“ (Foto: Festival des deutschen Films/Ben Pakalski)

Insgesamt 42 neue Produktionen, die in den letzten zwölf bis 15 Monaten entstanden sind, werden gezeigt. Dabei ist das „Festival des deutschen Films“ das erste, das keinen Unterschied macht zwischen Fernseh- und Kinoproduktionen. Die Qualität der Filmgeschichte, nicht der kommerzielle Aspekt, ist der ausschlaggebende Punkt beim Festival. Neben der Kinobranche soll auch ein qualitativ hochwertiges Fernsehprogramm gefördert werden.

Laut Festival-Direktor Michael Kötz hätten alle Filme jedoch eines gemeinsam: sie nehmen den Zuschauer ernst und sehen ihn nicht nur als Kunde oder Abnehmer. Unterhaltung auf hohem Niveau ist das Ziel der Regisseure und auch Kötz ist von diesem Anspruch überzeugt: Seit ein paar Jahren gäbe es wieder eine Veränderung in der deutschen Filmbranche, die eine Zeitlang nur darauf geachtet hätte, lustige und einfache Filme zu machen, die sich in Deutschland ganz gut verkauft hätten, im Ausland jedoch niemand interessierten. Dass es jedoch auch anders geht, zeigen die Filme auf dem Festival in Ludwigshafen. Sie wirken wie ein Magnet auf das Publikum. „Ich glaube, die Menschen haben wirklich einen Hunger nach Sinn und Sinnlichkeit gleichzeitig“, meint Kötz.

Zwölf Filme befinden sich im Wettbewerb um den Filmkunstpreis, der mit 50.000 Euro dotiert ist. Er wird von einer Fachjury an den besten deutschen Film mit Mut und Persönlichkeit vergeben. Besonders eindrucksvoll ist hier der Film „Blaubeerblau“ vom Regisseur Rainer Kaufmann: Fritjov, ein junger etwas unbeholfener Architekt muss im Auftrag seiner Chefin den Erweiterungsbau eines Hospizes planen. Dort trifft er auf einen ehemaligen Schulkameraden, der im Sterben liegt. Anfangs völlig unsicher, steht er bald dem Todgeweihten bei – manchmal auch auf recht unkonventionelle Weise. Ein eindrucksvoller Film darüber, wie die Begegnung mit dem Tod das Leben verändern kann. Wegen der großen Nachfrage gibt es von diesem Film bereits Zusatzvorstellungen und er zeigt, dass auch Fernsehproduktionen großes Potenzial haben.

Festival des deutschen Films in Ludwigshafen - Die besten deutschen Filme des Jahres

Stolz und erfreut: Verleihung des Preises für Schauspielkunst an Sandra Hüller (Foto: Festival des deutschen Films/Ben Pakalski)

Seit 2005 gibt es zusätzlich einen undotierten Preis für Schauspielkunst, der an Schauspieler vergeben wird, die im deutschen Film Charakter und Persönlichkeit gezeigt haben. Dieses Jahr geht er an Sandra Hüller und Otto Sander, zwei deutsche Schauspieler, die sich beide durch besonders authentische Leistungen bewährt haben. Die Schauspieler nahmen den Preis persönlich in Ludwigshafen entgegen und standen danach für Fragen und Diskussionen bereit. Noch etwas Besonderes an diesem Festival: es werden nicht nur Filme gezeigt, sondern es finden auch intensive Gespräche mit den Beteiligten statt; die Selbstreflexion der deutschen Filmbranche steht im Mittelpunkt.

Auch die Besucher kommen zum Zug: Inzwischen sind es rund 35.000 im Jahr, die sich für die ausgewählten Filme begeistern. Ihre Meinung wird geschätzt und deshalb entscheiden sie über den ebenfalls vergebenen Publikumspreis. Er zeigt die Chancen der Filme im Kinoalltag auf und beweist, dass dem Urteil der Zuschauer wieder viel mehr Vertrauen geschenkt werden kann.

Pressestimmen machen deutlich, dass sich „das Festival des deutschen Films“ fest in der Szene etabliert hat und sich besonders durch das sommerliche Flair auszeichnet. So meint „SWR Landesart“: „Es ist bei Produzenten und Cineasten hochgeschätzt, nicht nur wegen des filmischen Anspruchs und des Niveaus der gezeigten Streifen. Auch die herrliche Atmosphäre am Rheinstrand und das Flanieren unter alten Bäumen begeistert jedes Jahr aufs Neue.“ Hingehen lohnt sich also und wer bis jetzt noch keine Zeit hatte, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr mehr über eine etwas andere Art von Literatur – Erotische Literatur.

 

Abseits des Balls – Kultur während der EM

„Schland“ ist wieder in aller Munde. In jeder Ecke gibt es Deutschlandfähnchen, Trikots und schwarz-rot-goldene Accessoires. Die Fußball-Europameisterschaft rückt unübersehbar näher. Doch nicht jeder ist fußballaffin genug, um sich davon mitreißen zu lassen. Deshalb hat die FilmKunstKultur-Redaktion hier für Euch kulturelle Alternativen zur EM zusammengestellt, sortiert von Süden nach Norden:

Sommer im Züblin-Haus (von Samstag, 16. Juni bis  Samstag, 28. Juli in Suttgart)

Das Züblin-Haus ist der Unternehmenssitz eines der größten deutschen Bauunternehmen. Der glasüberdachte Innenhof dient während des „Sommers im Züblin-Haus“ als Ort für Musikveranstaltungen, Schauspielaufführungen und festliche Ereignisse. Vor allem junge Künstler aus der Region geben hier ihr Können zum Besten, so zum Beispiel „Gogol & Mäx“, die in humoristischer Weise eine musikalische Achterbahnfahrt auf die Bühne bringen oder das Kammerorchester „arcata stuttgart“, das eine musikalische Reise durch London, Berlin, Moskau und Wien bietet.

Festival des Deutschen Films (von Donnerstag, 14. bis Sonntag, 24. Juni in Ludwigshafen)

Abseits des Balls – Kultur während der EM

Stimmungsvolle Abende beim Festival des deutschen Films (Foto: Festival des deutschen Films/Norbert Bach)

Fast 35.000 Menschen besuchen jährlich das „Festival des Deutschen Films“ in Ludwigshafen. Publikumswirksam ist die authentische Mischung aus 48 Kino- und Fernsehfilmen. Auf der Parkinsel in Ludwigshafen am Rhein können die Zuschauer die Filme in einer sommerlichen Zeltlandschaft genießen. In dem besonderen Ambiente, der an einer Standbucht des Rheins gelegenen Parkinsel, ist das Festival ein lebendiger Treffpunkt für junge deutsche Regisseure, Produzenten, Schauspieler und Filmbegeisterte.

Kultursommer Nordhessen (von Sonntag,  17. Juni bis  Montag, 13. August in Kassel und Umgebung)

Mit dem traditionellen Musikpicknick startet der „Kultursommer Nordhessen“ am 17. Juni im Park von Schloss Wilhelmsthal in den Sommer 2012. Bei derkulturell vielfältigen Eröffnung kommen interessierte Besucher im „Theater für Einzelgänger“ oder bei den abwechslungsreichen Musikacts auf ihre Kosten. So vielfältig die Eröffnung, so vielfältig zeigt sich auch das Programm des Kultursommers, der mit 95 Veranstaltungen acht Wochen lang die schönsten nordhessischen Orte umspielt. Klassische Konzerte und Theaterstücke, eine Literatur-Reihe sowie zahlreiche Sänger und Bands werden dargeboten. Hier dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

24 Stunden Neukölln (von  Freitag 15. Juni bis Sonntag, 17. Juni in Berlin)

Abseits des Balls – Kultur während der EM

Madame Butterfly im Heimathafen Neukölln (Foto: 24 Stunden Neukölln/Christiane Schröder)

Zum 14. Mal lädt Berlins größtes Kunst- und Kulturfestival dieses Jahr zu einer kulturellen Entdeckungsreise ein. Unter dem Motto „Endstation Paradies“ widmet sich das Festival in diesem Jahr der Fragestellung, wie das Zusammenleben von Menschen diverser Religionen und Kulturen in der Praxis funktioniert oder ob die nach Neukölln Kommenden ihr privates Glück oder gar ihr „Paradies“ gefunden haben. An etwa 340 Orten mit insgesamt 600 Veranstaltungen haben die Besucher die Möglichkeit bei meist freiem Eintritt Bildende Kunst, Tanz, Theater, Lesungen und Führungen zu entdecken.

Kulturfestival altonale 14 (von Donnerstag,  31. Mai bis Sonntag, 17. Juni in Hamburg)

Abseits des Balls – Kultur während der EM

Bollywood in Hamburg: Einer der vielen Acts auf der diesjährigen "altonale" (Foto: altonale 14)

Das Festival bespielt im Juni fast drei Wochen lang reguläre und besondere Orte im Bezirk Hamburg-Altona mit Kunst, Literatur, Theater, Musik und Film. Die „altonale“ bringt die Kultur an ungewöhnliche Orte, etwa in Busse, auf Balkone, in Geschäfte und auf Elbfähren. Eröffnet wird sie, wie in jedem Jahr, mit der Kulturnacht, die einen Querschnitt aller Kultursparten in einem schrägen Spektakel im Altonaer Museum zeigt. Weitere Veranstaltungen aus dem Bereich Literatur, Kunst, Theater, Film und Musik folgen anschließend. Höhepunkt ist das dreitägige Straßenfest am Ende der Veranstaltungsreihen.

Bei den genannten Veranstaltungen handelt es sich natürlich nur um eine kleine Auswahl –  einmal quer durch Deutschland. Auch wenn es viel mehr Festivals, Events und Kulturveranstaltungen während der EM gibt, wird sich wohl selbst der größte Fußball-Muffel dem Kult um den Ball nicht völlig entziehen können…

Vorschau:  Nächste Woche wird an dieser Stelle ein Interview mit der Bestseller-Autorin Charlaine Harris veröffentlicht.