Sneakermall – Willkommen im Turnschuh-Himmel

„Es war einmal ein weiser Mann, der hatte schöne Schuhe an …“ – So oder ähnlich könnte das Märchen von dieser Facebook-Gruppe beginnen, die zweifelsohne zu den nützlicheren Erfindungen zwischen all den Zeitvertreiben im sozialen Netzwerksog gehört. Protagonist in dieser Erfolgsgeschichte: Facebook-Nutzer Sascha SaXer, der es definitiv nicht bloß „for the fame“ getan hat. Seine Person im Hintergrund haltend, lenkt er den Fokus auf das Wesentliche: Den An-und Verkauf von Sneakers. Ein Angebot, das die schuhbesessene Community dankend anzunehmen scheint, betrachtet man einmal den rasanten Zuwachs von Gruppenmitgliedern seit der Gründung in 2009.

 Sneakermall – Willkommen im Turnschuh-Himmel

In ist, was drin ist: Bereits das Titelbanner, erstellt von einem User, lädt zum Schuh-Shopping ein. (Foto: Sneakermall)

Ich selbst erfuhr eher zufällig von der selbsternannten „buy/sell/ trade“-Plattform. Ein alter Schulkamerad und bekennender Verehrer sportlicher Fußbekleidung hat mich darauf gestoßen, als er erfuhr, dass ich mich seit geraumer Zeit vergebens darum bemühe, meine Nike Air Max endlich via Internet an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Dass sie nicht mehr als brandneues, sondern als getragenes, aber dafür dennoch gut in Schach gehaltenes Paar online gestellt werden sollen, schränkt die Verkaufsmöglichkeiten selbstverständlich ein. Nur gut, dass besagter Kenner mich an die SneakerMall verwies und mir eine kinderleichte Anleitung zum Posten meiner Schmuckstücke direkt mit an die Hand gab.

In der Tat erwies sich das Anbieten meines Artikels vorerst als problemlos: Foto hochladen, Marke, Modell und Preis angeben – und das war’s auch schon fast. Gestutzt habe ich kurz, als es daran ging, den Zustand meines Paares zu definieren. Offenbar vertraut das Konzept hier auf die die ehrliche Einschätzung des Verkäufers, denn es obliegt eben diesem, auf einer Skala von 1 bis 10 seine Schuhe zu bewerten, wobei 10 die Neuwertigkeit der Sneakers markiert und es bereits nach einmaligem Tragen nur noch zu einer 9 reicht. Ich habe meine Air Max im Übrigen mit einer 7 bezeichnet und mich dabei für ungeheuer fair gehalten. Einen Abnehmer habe ich dafür bislang trotzdem nicht gefunden.
Die Schuld dafür gebe ich zum einen dem erschreckend hohen Männeranteil auf der Seite – also bitte! Typen und Turnschuhe, das mag zwar gut zusammenpassen, ist aber heutzutage für die Damen der Schöpfung ebenfalls schwer angesagt – und zum anderen dem Aufbau der Gruppe selbst. Diese nämlich wird, ihrer besagten steigenden Beliebtheit sei Dank, schneller aktualisiert, als man „Nike“ sagen kann. Minutiös werden Bilder von den unterschiedlichen Modellen gepostet, wobei bei aufmerksamen Scrollen auffällig oft der bekannte Nike-Haken auf dem Schuh auftaucht. Die reale Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet mein Paar von einem der 14 580 Mitglieder (Stand: 22.Mai) entdeckt und gewollt wird, rechne ich mir daher als ziemlich gering aus. Einen Hoffnungsschimmer bieten mir dennoch die akurat angelegten Size-Ordner. Hier finden sich sämtliche Angebote der Größe nach sortiert.

Nichtsdestotrotz finde ich Gefallen am bloßen Durchstöbern der Gruppe und bin fasziniert an der ungeheuren Vielfalt an limitierten Modellen, die heutzutage den Markt kräftig aufzumischen scheinen. Andererseits ist es eigentlich kein Wunder, dass die Auswahl so gigantisch ist. Schließlich nutzen Facebook-User auf der ganzen Welt die Sneakermall zum Handel mit ihren Tretern. Dies dürfte auch erklären, wieso sämtliche Texte wie Anleitung oder FAQ ursprünglich auf Englisch verfasst und nur teilweise – und selbst dann noch mit diversen Rechtschreibfehlern gespickt – auf Deutsch hinzugefügt worden sind. Bei der Suche nach weiteren Informationen zur Gruppe sticht allerdings noch eine weitere Auffälligkeit ins Auge: Ein gewisser Marko Snkrzwrg scheint keine Mühen dabei zu scheuen, sich beinahe täglich um die Aktualisierung einer Art Danksagungsliste mit sämtlichen Nutzern, die sich im Zuge der Kaufabwicklung offenbar positiv bewährt haben, zu kümmern. Das Pendant dazu stellt ein Dokument mit dem trefflichen Namen “Wall of Shame“ dar – hier werden die Namen der schwarzen Schafe gelistet, mit denen man besser nicht ins Geschäft kommen sollte.

Ich werde wahrscheinlich meine Nikes noch einige Male posten müssen, ehe sie auch nur die Aufmerksamkeit irgendeines Nutzers erwecken. Doch da ich als Gruppenmitglied das Recht habe, pro Woche immerhin ein Mal durch das Verfassen eines Kommentars auf meinen Post hinzuweisen, möchte ich weiterhin fest daran glauben, dass auch meine Schuhe eines schönen Tages endlich den Besitzer wechseln. Wer weiß, vielleicht lasse ich mich früher oder später auch einmal selbst zum Kauf eines neuen Paars auf Sneakermall hinreißen. Wenn ich einmal die Zeit dafür aufbringen kann, gezielt nach Sneakers zu suchen, die weder mit horrenden Preisen – Shipping macht dabei einiges aus – ausgeschildert noch überhaupt verfügbar sind. Denn im Gegensatz zu einer echten „Mall“ hat die Sneakermall noch mit einem gravierenden Problem zu kämpfen, das der Adminstrator in seiner Drohung treffend auf den Punkt bringt: PLEASE DELETE YOUR SOLD SHOES! YOU MAY BE KICKED BY AN ADMIN IF NOT! (Bitte löscht eure verkauften Schuhe! Falls nicht, werdet ihr von einem Admin aus der Gruppe gekickt!)

Vorschau:  In der nächsten Woche lernen modische Männer die neuesten Sommertrends für 2013 kennen.

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

Die Vögel singen es bereits von den Dächern: Der Frühling kommt! Damit wir in den ersten, warmen Tagen weder schwitzen noch (schon wieder) frieren müssen, ist in diesem Frühjahr die Lederjacke unser treuer Begleiter. Ob in klassischem Schwarz, in mattem Braun oder warmem Rostrot – farblich ist in 2013 alles erlaubt. Auch in Sachen Schnitt kommt die Lederjacke, die für Tierfreunde und Sparfüchse gern aus Kunstleder bestehen darf, vielfältig daher. Vom kurzen Biker-Modell bis hin zur gerade geschnittenen, schlichten Blouson-Jacke ist in diesen Tagen jede Menge in den Shops vertreten.

Face2Face zeigt, wie vielseitig diese „kleine Schwarze“ kombinierbar ist – sowohl im Büro, als auch zur Abendgarderobe.

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

Steht unter starkem Trendverdacht: Die Lederjacke. (Foto: Perlowa)

 

 

Den Anfang macht ein echter Trendsetter – der Pastellton. Helle, frühlingshafte Farbtöne wie mint oder rosé gehören jetzt in jeden Kleiderschrank. Und wer es passend mag, trägt beides auf einmal.

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

Merke: Stylish ist schnell, wer trägt Pastell.  (Foto: Perlowa)

Pastellkleid + Pastell-Ballerinas + Lederjacke = Frühlingsgefühle.

Flower-Power ist gerade in der blühenden Jahreszeit absolut gefragt. Wer auch hier auf das altbewährte Motto „Doppelt hält besser“ setzen möchte, kombiniert ein geblümtes Kleid mit dominantem Blau zu tiefblauen Blüten-Sandalen. Lasst Blumen sprechen!

 

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

Blumig: Natur pur auf Kleid und Sandalen.(Foto: Perlowa)

 

 Blumig geht es  auch in der Abendplanung zu. Wie wäre es also beispielsweise mit einem rosenbedeckten3D-Mesh-Jumper, wiederum in kräftigem Pastell? Deutlich edler und dennoch trendy geht es mit einem floralen Spitzen-Oberteil in schwarz zu – in Verbindung mit ausgewaschenen Röhrenjeans wird die Party garantiert spitzenmäßig!

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

Die Qual der Wahl: rosig oder spitze? (Foto: Perlowa)

Back to the roots of rock’n’roll: Mit diesem Outfit erinnern wir uns an die Zeit unserer Rockstar-Idole zurück. Ein Body in Leo-Print macht -zu schwarzen Jeans oder Rock mit hohen Hacken – besonders viel her. Modisches Must-Have ist dabei das Modell „Lita“ von Schuh-Guru Jeffrey Campbell (Tipp: Auch hier kann Kunstleder eine günstige Alternative darstellen). Die perfekte Ergänzung zur Biker-Jacke mit gesteppten Details bietet eine ebenfalls schwarze, genauso gesteppte Tasche goldenen Elementen an den Henkeln. Let’s rock the dancefloor!

 

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

Heiß, heißer, High Heels: Mit Lederjacke,Leo und Stepptasche ein Feuerwerk (Collage: Perlowa)

Auch, wenn feiern mehr Spaß macht: Der nächste Morgen kommt bestimmt. Doch auch im Büro kann sich unser Alleskönner aus Leder sehen lassen. Die Lederjacke nämlich nimmt jedem klassischen Büro-Outfit, bestehend aus weißer Bluse und schwarzem, engen Bleistiftrock, die Strenge – ob zu Ballerinas oder hochhakigen Pumps.

I love Rock’n‘Roll – die Lederjacke erobert unsere Frühjahrsmode

Aufgepeppt: Mit Lederjacke wird das Alltags-Bürooutfit zum Hingucker (Foto: Perlowa)


Vorschau:  Und in der nächsten Woche berichtet Mode-Redakteurin Ilona von Luxus-Schuh-Designer Christian Louboutin – dem  mit der roten Sohle.

 

„Ich bin morgens immer müde, aber abends werd ich wach“ – Aufzeichnungen einer Nachteule

Sonntagabend: Es graut mir vor dem Gedanken, morgen früh das warme Nest zu verlassen, um zum Praktikum zu fahren. Bereits bei dem Wort „früh“ wird mir ganz unbehaglich. Das ist mir nämlich in Wahrheit überhaupt kein Begriff. Das, worüber sich sogenannte Frühaufsteher definieren, ist für mich, die ich mich zu diesem Zeitpunkt im Tiefschlaf befinde, ein kryptisches Konstrukt. Kein Wunder, dass mich die Vorstellung vom dudelnden Handywecker in dieser Nacht in eine Art Schockstarre versetzt. Wobei von Schlaf ohnehin nicht die Rede hätte sein können, wenn bis Mitternacht kein Anzeichen von Müdigkeit auftritt und erst gegen Zwei die letzte Folge der immergleichen Serie zum allmählichen Einschlafen angestellt wird. Das Gefühl, genau zu wissen, dass man sich morgen mehr als elend fühlen wird, ist fast noch unschöner als der Morgen an sich.

Montagmorgen: Ich muss mich korrigieren – der Morgen ist definitiv unschöner. Als es Acht schlägt, bin ich bereits hellwach, nachdem ich mich zuvor quasi in permanenter Lauerstellung befunden hatte. Ich erinnere mich vage an meine Schulzeit und die damit verbundenen unchristlichen Uhrzeiten. Unterrichtsbeginn um 07.50 Uhr? Das scheint mir heute unmenschlich, wenn nicht gar untierlich. Ich stolpere ins Bad, rüber zur Kaffeemaschine, und lasse mich schlussendlich mit einer großen Tasse Pulverkaffee zurück aufs Bett fallen. Frühstücksfeeling.  Sind Berufstätige, also all jene, die sich morgens durch den Berufsverkehr schlängeln oder, bewaffnet mit einem Coffee to go von Starbucks, im Zug die Tageszeitung aufschlagen, eigentlich auch solche Jammerlappen wie ich?

„Ich bin morgens immer müde, aber abends werd ich wach“ – Aufzeichnungen einer Nachteule

Begrüßungsritual: Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? (Foto: T.Gartner)

Wochenmitte: Ich habe während der Fahrt in der S-Bahn Nachforschungen angestellt, habe die anderen Fahrgäste genauestens beobachtet und auf Müdigkeits-Merkmale hin untersucht. Ich kam zu dem Ergebnis, dass neben mir genug Menschen unter dieser Sonne zu wandeln scheinen, bei denen Morgenstund‘ nicht Gold, sondern Koffeintabletten im Mund hat. Dass der frühe Vogel den Wurm fängt, will auch noch nicht so recht einleuchten. Alles, was ich in den letzten Tagen zu sehen bekam, waren musikalische Einlagen semiprofessioneller Akkordeon-Spieler (ich habe ihnen dafür nichts in den Hut geworfen) – keine Würmer und erst recht keine Vögel, die diese zu fressen versuchen. Immerhin kann ich jetzt verstehen, wie Fotos von mit offenem Mund schlafenden Passagieren zustande kommen. Nach achtzehn Uhr sehe ich dank des gigantischen Schlafmangels ganz ähnlich aus; es wundert mich beinahe, dass Kinder noch nicht mit Erdnüssen in meinen Mund zu zielen versucht haben. Und doch sehne ich mich jeden Abend aufs Neue nach frischer Unterhaltung, nach sozialen Kontakten. Dem schlechten Gewissen zum Trotze verabrede mich mit Freunden, die wohlgemerkt allesamt ausgeschlafen  –  da mitten in den Semesterferien   – sind. Ich schaffe es zwar noch, auf den Barhocker zu klettern, doch so richtig bei der Sache bin ich auch hier nicht mehr. Bei „Ich bin morgens immer müde, aber abends bin ich wach“ kann ich nun definitiv nicht mehr aus Überzeugung mitsingen. Ich fühle mich am Abend nämlich ähnlich zerstört wie am Morgen nach dem Mehr-oder-minder-Wachwerden.

Wochenende: Der langersehnte Freitag ist gekommen. Die nächste Party steht schon vor der Tür. Schade nur, dass ich mich dazu beileibe nicht mehr vor eben jene bewegen kann. Meine Privatparty ist bereits um 22 Uhr ausgefeiert – in Pyjamahose habe ich noch eine Dosensuppe, das höchste der Gefühle, wenn man den ganzen Tag auf den Beinen war, genossen, bevor ich schnarchend in die Kissen gesunken bin. Von meiner Nachtaktivität ist nicht das Geringste übrig geblieben. Die Nachteule hat kapituliert zugunsten eines geregelten Biorhythmus … Vorerst.

Doch bereits am folgenden Sonntag wälze ich mich wieder unruhig in den Federn hin und her, in Panik vor dem Wochenstart. Ich schaue wieder sinnlose Serien bis in die Puppen und wünsche mir am nächsten Morgen, ich wäre wirklich eine Eule, denn dann könnte ich mich wenigstens auf einem  nahegelegenen Baum vor dem Tageslicht verstecken und müsste nicht auf einem Fensterplatz in der S-Bahn kauern, hilfesuchend meinen Coffee to go und ein Magazin umklammernd.

Vorschau:  In der nächsten Woche fragt sich Sascha, was es eigentlich mit Statussymbolen in unserer Gesellschaft auf sich hat.

Diagnose: Heimscheißer. Symptomatiken des Nach-Hause-Pendlers

Es bedarf keines Arztes, um dieser Tage zu erkennen, welche Krankheit sich bei Studenten aller Fakultäten in extremer Ausprägung eingeschlichen hat: Kaum sind die Semesterferien angebrochen, schon fehlt von den meisten Kommilitonen jede Spur. Wer glaubt, sie wären bloß unterwegs auf reichlich ausgedehnter, für Studenten vermeintlich typischer Kneipentour, der muss sich schnell eines Besseren belehren lassen. Die Damen und Herren befinden sich in ihrem sogenannten „Zuhause“, welches mitnichten mit ihrem „eingetragenen Wohnsitz“ zu verwechseln ist.

 Ich habe mir das Phänomen kürzlich von einer Kommilitonin darlegen lassen – Sie leidet selbst seit Beginn ihres Studiums unter dem von mir spöttisch als „Heimscheißer-Syndrom“  betitelten Drang, an Wochenenden und zu jeder denkbaren Gelegenheit die sieben Sachen zu packen und zurück zu ihrem Elternhaus fahren. Zurück an den Ort des Grauens, würde manch einer behaupten, der sich an den Kleinkrieg vor und in der Abiturphase erinnert, als man es kaum noch erwarten konnte, endlich sein eigener (Haus-)Herr zu sein, sein Geschirr überall stehen und das Zimmer wochenlang ungeputzt zu lassen, ohne den erhobenen Zeigefinger mütterlicherseits fürchten zu müssen. Erstaunlicherweise gibt es allerdings mehr als genug junger Menschen, unter ihnen die besagte Kommilitonin, die den Freitag so ungeduldig erwarten wie Robinson Crusoe.

Diagnose: Heimscheißer. Symptomatiken des Nach-Hause-Pendlers

Heimatliebe: Home is where your heart is.
(Foto: C.Gartner)

Sie jedenfalls erklärte mir, dass „daheim“ dort sei, wo sich ihre Freunde befänden. Das leuchtet natürlich ein. Doch was ist mit all den Studiengefährten, die sie in ihren mittlerweile sage und schreibe zwei Jahren an der Universität kennengelernt hat? Ganz einfach – die machten es ja genauso. Mir drängte sich sogleich die Frage auf, ob sie nicht begreife, dass Freundschaften erst durch gemeinsam verbrachte Zeit, und dazu zählt für mich definitiv besonders die nach den Vorlesungen, wachsen. Wenn sich ihre Interaktionen mit allen aus Langeweile oder Not heraus gebildeten Bekanntschaften nur werktags abspielten, würde es mich nicht wundern, wenn sie ein Leben lang mit den immer gleichen Leuten aus dem Heimatdorf beisammen sitzt und über gute alte Zeiten plaudert – was doch wie 40 Jahre vorgespult klingt; Eindeutig eine Sache, der man sich im Alter widmen sollte, auf Klassentreffen oder bei unregelmäßigen Kaffeekränzchen. Aber jedes Wochenende dieselben Gesichter sehen müssen, mit denen man schon in der Grundschule auf dem Pausenhof schaukeln war? Nein danke, ich verzichte. Ganz offensichtlich bin ich nicht in der Provinz aufgewachsen, wo man sich beim einzigen Bäcker in der einzigen Straße begegnet und, jeden namentlich kennend, in grausigem Dialekt über das Wetter plauscht. Offenbar bin ich tatsächlich eine von denen, die der Auszug und damit das neue, eigenverantwortliche Leben nicht schnell genug ereilen konnte.

Das alles heißt natürlich nicht, dass ich mich nicht auf das Wiedersehen mit alten Schulfreunden oder das Abendessen made by Mutti freue. Es sollte nur eben etwas Besonderes bleiben. Der Alltag, Wochenende und ein Großteil der Semesterferien inklusive, findet hier statt. In der Wohnung, die ich, ganz im Gegensatz zu der Kommilitonin mit Heimscheißer-Marotte, heimelig hergerichtet habe. Die Betonung liegt hier ganz eindeutig auf „heim“! Dort, wo mein Kleiderschrank und mein Bücherregal stehen, wo ich studiere, um zu leben und nicht umgekehrt. Und auch wenn meine Ernährung seit dem Auszug von „Zuhause“ ein einziger McDonalds-Besuch ist: Geschissen wird weiterhin daheim.

Vorschau:  Und in der nächsten Woche meldet sich Kolumnist Sascha mit der Frage nach nützlichem Wissen in der Welt von Google und Co. zu Wort.

Kisir – ein türkischer Salat

Kisir ist ein sehr beliebter türkischer Salat, der aufgrund der Hauptzutat auch Bulgursalat genannt wird. Je nach Vorliebe variieren die Zutaten, denn die einen lieben es scharf, andere wiederum mild. Auch in der Zubereitung gibt es viele Möglichkeiten. Im Folgenden wird eine schnelle und leichte Variante der Salatzubereitung vorgestellt.

Kisir - ein türkischer Salat

Zutaten (von links): Granatapfelsirup, Mazola-Öl, Bulgur und scharfes Paprikamark (Foto: Sharifi)

Zutaten:

  • 2 Tassen feiner Bulgur (Weizengrütze)
  • 1,5 Tassen gekochtes Wasser
  • eine halbe Tasse Mazola-Öl
  • ein halbes, kleines Bund Petersilie
  • 1 Bund junger Frühlingszwiebeln
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2- 3 EL Granatapfelsirup
  • 2- 3 EL scharfe Paprikamark
  • Salz, je nach Geschmack
  • je nach Belieben Peperoni oder Zitronensaft

Zubereitung:

1. In eine Schüssel zwei Tassen Bulgur hineingeben und mit eineinhalb Tassen gekochtem Wasser vermengen. Anschließend etwa 15 Minuten einweichen und erkalten lassen. Sollte der Bulgur nach 15 Minuten nicht weich sein, einfach noch etwas gekochtes Wasser hinzugeben und rühren bis er weich wird.

2. Anschließend etwa zwei Esslöffel scharfes oder auch mildes Paprikamark – je nach Vorliebe – beimischen und das Ganze gut mit den Fingern durchkneten.

3. Nun wird eine halbe Tasse Mazola-Öl und etwas Salz zur Masse hinzugefügt und weiterhin mit den Fingern geknetet.

4. Die Frühlingszwiebeln und auch die Petersilie werden ganz fein gehackt und unter den Salat mit einem Salatlöffel gerührt.

5. Um den Salat zu vollenden, werden zwei bis drei Esslöffel Granatapfelsirup beigemischt, der die bisher herzhafte Schärfe mit einem leicht süßen Geschmack verfeinert.

6. Den fertigen Salat noch etwas in den Kühlschrank stellen, denn kalt schmeckt der Kisir am besten!

Kisir - ein türkischer Salat

Lecker: Der fertige Kisir- Salat! (Foto: Sharifi)

 Tipps:

  • Damit der Salat gelingt, empfiehlt es sich die Zutaten bei einem türkischen Supermarkt zu kaufen. Vor allem kann hier beraten werden, schließlich gibt es unterschiedliche Arten von Bulgur. Daher vor dem Kauf lieber nachfragen, welche Zutaten die Richtigen für den Kisir-Salat sind.
  • Als Serviermöglichkeit bieten sich Kopf- oder Eisbergsalatblätter an, auf denen jeweils ein großer Löffel Kisir platziert wird.

Vorschau: Nächste Woche verraten euch fünf Face2Face-MitarbeiterInnen ihre Haarpflege- und Stylinggeheimnisse.

Trampsession, Teil 1 – „Jeder Kilometer wird erobert“

Trampsession, Teil 1 – „Jeder Kilometer wird erobert“

Bereiten sich auf die große Tramptour vor: Steffi Feurer (l.) und Michael Hoffmann (r.) (Foto: Bierbrauer)

Reisen per Anhalter – ein alter Hut und schon lange aus der Mode? Nicht jedoch für die beiden Studierenden Steffi Feurer (25) und Michael Hoffmann (26), die für einen guten Zweck quer durch Europa trampen wollen. Die Diplom-Psychologiestudentin und der angehende Computerspieleentwickler im Masterstudium nehmen am so genannten „Tramprennen“ teil, das seit 2008 jährlich stattfindet. 60 Teams trampen in diesem Jahr von Samstag, 18. August bis Samstag, 1. September auf sechs verschiedenen Routen um die Wette. Die hierfür erbrachten Spenden kommen der Verbesserung der Wasserversorgung in Entwicklungsländern zugute. Das Netzwerk „viva con agua“ sowie potentielle Team-Sponsoren tragen unter anderen hierzu bei.

Face2Face: Wie seid ihr auf die Aktion aufmerksam geworden?
Feurer: Beim Surfen im Internet bin ich über die Homepage des Tramprennens gestolpert, auf der ich zufällig ein Foto von einem Bekannten entdeckt habe. Daraufhin holte ich ein paar Informationen ein, um meiner Neugierde zu frönen. Schließlich packte mich die Abenteuerlust.
Hoffmann: Steffi hat mir gleich von der Sache erzählt und ich war richtig begeistert.

Face2Face: Warum nehmt ihr am Tramprennen teil, wo liegt der Reiz?
Feurer: Einfach mal von Belgien nach Rumänien zu trampen ist für mich mehr als nur Urlaub. Man kommt herum, es kostet nichts, ich habe Spaß und helfe vielen Menschen in armen Ländern. Es gibt mir ein gutes Gefühl, endlich aktiv zu werden und mit jedem getrampten Kilometer gegen die globale Wasserproblematik anzukämpfen. Der Reiz liegt aber auch darin, aus jeder prekären Lage das Beste zu machen. Es könnte ja schließlich vorkommen, dass wir lange nach einem Schlafplatz suchen müssen oder drei Tage nicht unter die Dusche kommen.
Hoffmann: Ich muss zugeben, dass ich sogar ohne den wohltätigen Zweck teilnehmen würde. Fernab von aller Touristik lernt man auf diese Weise Land und Leute am besten kennen. Ein Teil von dieser Aktion zu sein, verbindet einen gleichzeitig mit anderen Trampern. Wir treten diese Reise schließlich alle für ein gemeinsames Ziel an. Das Unbekannte, was mich auf dieser Strecke erwartet, reizt mich sehr. Man kämpft, um etwas zu erreichen und steigert somit sein individuelles Glücksgefühl. Jeder Kilometer wird erobert.

Face2Face: In welchem Zusammenhang steht das Tramprennen mit den Spenden und wie läuft das ab?
Feurer: Es spenden überwiegend Leute aus dem eigenen Umfeld, generell darf aber jeder als Team-Sponsor, Team-Owner oder Renn-Pate agieren, je nachdem, wie viel sie investieren wollen. Auf der Internetseite www.tramprennen.org werden alle Gruppen aufgelistet, für die gespendet werden kann. Ab einem Festbetrag von mindestens zehn Euro ist man dabei, symbolisch spendet man jedoch einen halben Cent pro Kilometer. Das Geld geht über „viva con agua“ direkt an das „Wash-Projekt“ in Nordindien.
Hoffmann: (grinst) Wenn man sich jedoch für keine bestimmte Gruppe entscheiden kann, dann darf auch für das gesamte Projekt gespendet werden. Oder noch besser: für das beste Team, nämlich uns – die „Vampiraten“.

Face2Face: Habt ihr keine Angst, per Anhalter zu reisen?
Feurer: (lacht) Für die stinkenden Tramp-Klamotten in meinem Rucksack wird sich sicher kein Dieb interessieren. Überall auf der Welt kann irgendetwas passieren. Natürlich habe ich großen Respekt vor der Sache, aber ich finde Hollywood trägt viel dazu bei, dass das Trampen mit einem Horrorfilm gleichgesetzt wird.
Hoffmann: Es ist das erste Mal, dass ich trampen werde. Ich verlasse mich einfach auf mein Bauchgefühl und mache mir keine Sorgen. Wenn einem eine Mitfahrgelegenheit unangenehm oder nicht ganz sicher erscheint, muss man auch mal nein sagen können, auch wenn lange Wartezeiten hinter einem liegen. Beim Trampen muss man sich oft einfach auf den ersten Eindruck verlassen, um zu beurteilen, ob es sicher ist. Dann sinken die Risiken für böse Überraschungen extrem.

Trampsession, Teil 1 – „Jeder Kilometer wird erobert“

Mit auf der Reise: Ein Frosch als Maskottchen (Foto: Bierbrauer)

Face2Face: Gibt es eine Medizin für diejenigen unter den Face2Face-Lesern, die das „Trampfieber“ befallen hat?
Feurer: Ja, es lautet Internet. Informiert euch über das Tramprennen, dort findet ihr alles, was ihr wissen müsst. Ich würde mich über weitere „Konkurrenten“ und Spenden freuen, noch ist Zeit zum Anmelden.
Hoffmann: Kompass, Karte und Maskottchen einpacken – für alle, die sich wundern, was der Frosch auf dem Bild zu suchen hat, dürfte das hiermit geklärt sein – und ab geht’s!

Vorschau: Am Dienstag, 21. August, lest ihr an dieser Stelle die Ergebnisse zum Selbstversuch Bodypainting.