Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft

Ein gesundes Kind – Eltern wünschen sich nichts sehnlicher. Aber kann man bei der Ernährung in der Schwangerschaft etwas falsch machen und gibt es vielleicht den einen, richtigen Weg? Das können wir euch leider nicht beantworten – was wir aber können, ist Frauen mit unterschiedlichsten Ernährungsgewohnheiten und -einschränkungen zu ihrer Schwangerschaft zu befragen. Also los!

Kein Salat im Restaurant

Vor zehn Monaten brachte Sophia Hegemann aus Speyer eine gesunde Tochter zur Welt. „Ich habe mich „normal“ ernährt“, sagt die 23-jährige. Am Anfang ihrer Schwangerschaft habe sie sehr darauf geachtet, täglich Obst und Gemüse zu essen. „Gegen Ende der Schwangerschaft gab es aber dann oft auch mal Fast Food, weil die Kilos da dann eh schon drauf waren“, gesteht Sophia. In der Schwangerschaft nahm sie insgesamt 18 Kilo zu. Bei ihren Gelüsten nach Schokolade, Chips und Obst habe sie sich nicht zurückgehalten – „ich bin der Meinung, dass es erlaubt ist, solange es in Maßen ist.“ Um sich und ihr Ungeborenes trotzdem mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen zu versorgen, habe sie seit Beginn ihrer Schwangerschaft täglich ein Schwangerschaftsvitaminpräparat eingenommen. Auf rohes Fleisch, rohe Eier verzichtete die junge Mutter komplett. Bei Obst und Gemüse sei sie sogar extrem gewesen: „Ich habe alles immer gut abgewaschen. Im Restaurant habe ich keine Salate gegessen, weil ich nicht wusste, wie sie gewaschen sind.“ Von ihrem Arzt fühlte sie sich in dieser Zeit gut beraten. Er habe ihr empfohlen auf einige Lebensmittel zu verzichten, aber betont, dass die Entscheidung, ob sie seiner Empfehlung folgen wolle, bei ihr liege. „Ansonsten habe ich auch viel gegoogelt, was nicht immer von Vorteil ist, weil man laut Internet eigentlich gar nichts mehr essen dürfte“, sagt Sophia. Durch ihre Internetrecherche habe sie oft Panik bekommen.

Sophias Ernährung in der Schwangerschaft

„Normal“: So beschreibt Sophia ihre Ernährung während der Schwangerschaft (Foto: Hegemann)

Einem niedrigen Eisenwert im Blut gegen Ende der Schwangerschaft wirkte Sophia mit einem eisenhaltigen Getränk und einer eisenreichen Ernährung aus viel Rindfleisch und eisenhaltigem Gemüse entgegen. Eine Ernährung mit Fleisch ist aus ihrer Sicht während der Schwangerschaft von Vorteil, da Fleisch viele wertvolle Nährstoffe enthalte. „Fisch liefert Omega-3 und -6-Fettsäuren. Weil ich leider keinen Fisch vertrage, habe in der Schwangerschaft pflanzliche Kapseln eingenommen“, berichtet sie.

In einer zweiten Schwangerschaft würde sie durchgehend gesund, weniger Süßigkeiten und kleinere Portionen essen. Anderen Schwangeren rät sie: „Ernährt euch ausgewogen und gesund, nehmt zusätzlich Vitaminpräparate zu euch, da ihr heutzutage nicht alle Nährstoffe allein mit der Ernährung aufnehmen könnt. Hört auf euren Körper, er weiß meistens, was er braucht, und esst ruhig genug, denn „das Baby muss ja schließlich was werden“.“    

Nach Lehrbuch Ernährungspyramide

„Ich habe einfach normal weitergegessen wie bisher“, sagt Lisa-Sophie Keiber. Ihr Sohn Noah Emanuel ist inzwischen 20 Monate alt, gesund und altersgerecht entwickelt, wie die 29-Jährige aus Lingenfeld sagt. Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat, Obst, Brot, ab und an Süßes – ihr Speiseplan habe „so ziemlich nach Lehrbuch Ernährungspyramide“ ausgesehen. Da sie gerne selbst koche, seien Restaurantbesuche und Lieferservicebestellungen eher selten gewesen. „Ich habe mich auf meinen normalen, gesunden Menschenverstand und sprichwörtlich auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt Lisa-Sophie. Alkohol, medium gebratenes Steak, Sushi, rohe Eier und Rohmilchkäse seien während ihrer Schwangerschaft tabu gewesen. Groß zugenommen habe sie nicht – durch den großen Energieverbrauch beim Stillen und durch das viele Spazierengehen mit Kinderwagen, so Lisa-Sophie, habe sie wenige Wochen nach der Geburt sogar weniger auf die Wage gebracht als vor der Schwangerschaft. „So richtige krasse Gelüste nach zum Beispiel Süßigkeiten oder sauren Gurken hatte ich nicht. Dafür konnte ich Hähnchenfleisch nicht einmal riechen, geschweige denn essen.“, erzählt sie, „ich hatte eher Lust auf kalte Speisen als auf warme. Tomaten gingen auch immer in jeglicher Form. Und jeden Morgen musste unbedingt gefrühstückt werden. Ohne ging nicht.“ Dass man während der Schwangerschaft „für zwei“ essen müsse, halte sie für ein Vorurteil und befürchtet, dass viele Frauen ihre Schwangerschaft als „Ausrede“ nutzen, um so richtig reinzuhauen.

Lisa Sophies Ernährung in der Schwangerschaft
Ganz nach Lehrbuch: Lisa-Sophie ernährte sich während ihrer Schwangerschaft „normal“ (Foto: Thomas Keiber)

Um Neuralrohrdefekten beim Embryo, also Fehlbildungen im Kopf- und Rückenbereich, habe sie bereits ab Kinderwunsch ein Folsäure-Präparat eingenommen. Ansonsten seien ihre Blutwerte während der Schwangerschaft unauffällig gewesen, weshalb sie keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahm. „Mein Frauenarzt war sehr lapidar, was das Thema Ernährung angeht“, berichtet sie. „Er sagte, in Deutschland sei alles sauber und geprüft und ich solle ruhig Sushi, Fisch, Käse und so weiter essen. Meiner Meinung nach war das etwas zu locker – mir zumindest fehlten da fundierte Infos. Ich weiß allerdings von Freundinnen, dass deren Ärzte da mehr aufgeklärt haben bzw. strenger waren.“ Neben Arzt und Hebamme als Ansprechpartner, habe sie zusätzlich in Büchern und ein bisschen im Internet nachgelesen.

„Mein gesundes Kind, eine komplikationslose Schwangerschaft und meine eigene Gesundheit bisher haben mir gezeigt, dass meine Ernährungsweise für mich bzw. uns richtig ist, deshalb würde ich bei der nächsten Schwangerschaft auch alles wieder genauso machen“, sagt Lisa-Sophie. Ihr Tipp an alle Schwangeren: „Überlegt selbst mit gesundem Menschenverstand und ernährt euch „ausgewogen“! Hört nicht auf Horrorstorys im Internet oder hysterische Mitschwangere.“

Schoko-Gelüste einer Vegetarierin

„Da ich mich schon seit 19 Jahren vegetarisch ernähre und keine Mangelerscheinungen und auch sonst keine gesundheitlichen Probleme habe, war für mich klar, dass ich auch in der Schwangerschaft dabei bleibe“, erzählt Ramona Dörr. Die 31-Jährige aus Saarwellingen hat am 29. Oktober 2018 ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Wegen ihrer gewohnten, vegetarischen Ernährungsweise sei es ihr leicht gefallen auf vieles zu verzichten, was man in der Schwangerschaft nicht essen solle, wie rohes Fleisch und rohen Fisch. „Rohmilchkäse und Schimmelkäse habe ich schon vorher nicht gegessen, da musste ich also auch nicht aufpassen“, sagt Ramona. „Das Einzige, was ich während der Schwangerschaft anders gemacht habe, war, darauf zu achten, dass nirgends rohe Eier drin sind wegen der Salmonellengefahr und dass ich Obst und Gemüse immer frisch gewaschen und zubereitet habe wegen der Gefahr von Listerien.“ Ihre Ärztin habe wegen der vegetarischen Ernährungsweise nur darauf hingewiesen, dass sie darauf achten sollte, genügend Eisen zu sich zu nehmen, da der sogenannte HB-Wert in der Schwangerschaft generell eher niedriger werde. Dieser wurde dann auch bei jedem Vorsorgetermin kontrolliert. „Da meine Frauenärztin überhaupt keine Bedenken wegen der vegetarischen Ernährung in der Schwangerschaft hatte, habe ich mich auch an sonst niemanden gewendet und zu dem Thema nur im Internet noch ein bisschen recherchiert“, berichtet Ramona. Das Kombipräparat aus Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D3 und Jod, das laut Ramona allen Schwangeren empfohlen wird, habe sie vorsorglich genommen. Einen kurzzeitigen Eisenmangel glich sie mit Tabletten aus. „Ich habe während dieser vier Wochen aber auch verstärkt darauf geachtet, mich gesund zu ernähren“, ergänzt sie. Ausgefallene Gelüste habe sie nicht gehabt – „außer ganz am Anfang: Da hatte ich extrem Lust auf Schokolade, obwohl ich die sonst eher selten esse. Da habe ich meinen Mann sogar extra losgeschickt, welche zu kaufen“, erzählt Ramona schmunzelnd. In der Schwangerschaft habe sie rund neun Kilo zugenommen. Ob sie beim nächsten Mal etwas anders machen würde? „Nein, meine Schwangerschaft ist ja gut verlaufen, ich würde es wieder genauso machen“, sagt sie, „außerdem bin ich davon überzeugt, dass es sogar gesünder sein kann, sich vegetarisch zu ernähren, wenn man ausgewogen isst.“ Aus ihrem Umfeld gab es keine Vorurteile – „die sind ja alle schon jahrelang daran gewöhnt, dass ich Vegetarierin bin“.

Jede Frau müsse selbst wissen, wie sie sich in der Schwangerschaft ernährt, findet Ramona. „Generell würde ich dazu raten, sich zwar zu informieren, sich aber nicht verrückt machen zu lassen.“

Späte Diagnose: Fructoseintoleranz

Obst, Saft, Fruchtjoghurt, Müslimischungen – diese Produkte stehen bei fructoseintoleranten Menschen wie Sabine Kesberger auf der roten Liste. Die 41-jährige Mutter zweier gesunder Söhne (neun und zehn Jahre alt) bemerkte schon bei ihrer ersten Schwangerschaft 2008, dass etwas nicht stimmte. Sie nahm 32 Kilo zu. „Meine Mutter und meine Ärztin haben mir gesagt, ich solle es mir gut gehen lassen – die paar Kilos mehr hätte ich nach der Schwangerschaft schnell wieder weg“, erzählt sie. Durch eine Diät nach der Stillzeit, bei der sie unter anderem den Fruchtzuckerkonsum einschränkte, fühlte sie sich plötzlich wacher und munterer, ihr Hautbild verbesserte sich und ihre Verdauung schien wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen. „In der zweiten Schwangerschaft habe ich „nur“ 26 Kilo zugenommen“, sagt Sabine, „bei der Diät, die ich anschließend gemacht habe, habe ich fast völlig auf Obst und Süßigkeiten verzichtet. Beide Ernährungsumstellungen haben mir gezeigt, dass da etwas sein muss, was meinem Magen und meinem Darm Probleme bereitete. Deshalb habe ich mich auf eine lange Suche gemacht. Letztendlich hat es acht Jahre gedauert, bis ich endlich auf die Lösung gekommen bin.“ Erst eine Magenentzündung und fünf Ärzte später stand die Diagnose fest: Fructoseintoleranz.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und fructoseintolerant: Kein Problem, findet Sabine Kesberger (Foto: www.karenzzeit.blog)

Ärzte und auch viele Ernährungsberater seien mit einer Fructoseintoleranz oft völlig überfordert, weiß Sabine. „Dafür ist die Fruchtzuckerunverträglichkeit einfach zu wenig bekannt und vor allen Dingen sehr, sehr individuell“, erklärt sie, „der Grad wie auch die Symptome sind schwer zu definieren. Ein normaler Mensch verträgt ungefähr 30g Fruchtzucker ohne Probleme, danach zeigt er auch fructoseintolerante Beschwerden. Als fructoseintolerant gilt man, wenn man weniger als 10g Fruchtzucker verträgt. Danach ist es der individuelle Grenzwert, den man herausfinden muss, um beschwerdefrei zu leben.“ Auch Alkohol, Gemüse, Knoblauch, Agavendicksaft, Honig und ganz normaler Haushaltszucker enthalten laut Sabine Fructose. „Außerdem gibt es sehr wenige verarbeitete Lebensmittel ohne Fruchtzucker. Zudem werden Fertigprodukte gerne gezielt mit Fructose angereichert, weil diese süßer ist als normaler Haushaltszucker“, sagt die 41-Jährige.

Trotz Verdauungsbeschwerden seien ihre Blutwerte während ihrer beiden Schwangerschaften normal gewesen. „Wer schon vor der Schwangerschaft weiß, dass er fructoseintolerant ist und sich mit der Thematik befasst hat, kennt seinen Körper und weiß, was er verträgt“, meint Sabine. Aus ihrer Sicht sei eine erworbene Fructoseintoleranz nichts Schlechtes für das ungeborene Kind – „eher im Gegenteil!  Die Mutter achtet automatisch auf weniger Zucker und verzichtet auf Fertigprodukte.“ Um Mangelerscheinungen auszuschließen, empfiehlt Sabine fructoseintoleranten Schwangeren, sich regelmäßig beim Arzt untersuchen zu lassen. „Bei einer angeborenen Fructoseintoleranz der Mutter würde ich dazu raten, auch das Kind auf Fructoseintoleranz testen zu lassen. Auch eine Laktoseunverträglichkeit ist nicht ungewöhnlich. Zu wissen, dass ein Kind keinen Milchzucker verträgt, kann schlaflosen Nächten mit Blähungen, Neurodermitis und vielem mehr vorbeugen.“

Das vollständige Interview mit Sabine findet ihr auf ihrem Blog „Karenzzeit nach der Diagnose Fructoseintoleranz“ unter diesem LINK.

Mit Grapefruits und Bananenshakes durch die vegane Schwangerschaft

„Vor sowie während der Schwangerschaft habe ich mich vegan ernährt“, erzählt Nadine Filler. Die 31-Jährige ist Mutter einer gesunden, zweieinhalb Jahre alten Tochter und ist mit ihr und ihrem Mann aktuell auf Weltreise.

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Gesunde Mama, gesunde Tochter – trotz oder wegen der veganen Ernährung in der Schwangerschaft? (Foto: wild & wundervoll)

„In der ersten Hälfte meiner Schwangerschaft war ich sehr geruchsempfindlich und mir wurde schnell übel. Deshalb habe ich nicht so viel gefuttert und immer nur das, was gerade ging. Mal waren das ganz viele Grapefruits, mal nur Bananenshakes“, sagt Nadine. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft habe sie dann deutlich mehr gegessen und so insgesamt etwa zehn Kilo zugenommen. Besonders wichtig war es ihr, alle Nährstoffe zu sich zu nehmen: „Ich habe zum Beispiel versucht, ganz bewusst mehr eisenhaltige Sachen zu essen wie Haferflocken, Linsen, Kichererbsen oder grünes Blattgemüse, das ich dann immer in meine Frühstückshakes getan habe. Zusätzlich habe ich täglich etwas veganes Kräuterblut für Schwangere getrunken. Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen.“ Auch ihre Blutwerte habe sie regelmäßig überprüfen lassen. „Ich musste ziemlich schnell hochdosiertes Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, weil meine Kleine alle meine Vorräte verputzt hatte. Vitamin D hat im Übrigen nichts mit der Ernährungsweise zu tun. Ansonsten habe ich nur Kräuterblut in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft getrunken“, erklärt Nadine. Bis zur 38. Schwangerschaftswoche seien ihre Werte immer bestens gewesen, doch dann stellte ihre Hebamme Schilddrüsenprobleme fest. „Weil meine Ärztin in der Frühschwangerschaft eine Untersuchung versäumt hatte, wurde meine Schilddrüse in den ersten Monaten der Schwangerschaft nicht ausreichend versorgt und hat sich ziemlich abgearbeitet.“ Diese Problematik wäre ihr aber auch als schwangere Fleischesserin nicht erspart geblieben, so Nadine. In den letzten Schwangerschaftswochen habe sie dann zusätzlich Jod und Schilddrüsenhormone einnehmen müssen – „zum Glück hatte das aber keine Auswirkungen auf die Gesundheit meiner Tochter. Bis heute hat sie noch nie Antibiotika nehmen müssen, hat selten Fieber und höchstens mal eine Erkältung.“ 

Bezüglich ihrer veganen Ernährungsweise habe sie ihre Ärztin gar nicht beraten – sie habe sich lediglich vergewissert, dass Nadine gut informiert und verantwortungsbewusst sei. „Um ehrlich zu sein, verbreiten viele Ärzte meiner Meinung nach unnötig Angst und falsches Halbwissen, wenn es um Ernährung geht“, findet die junge Mutter, „nur die allerwenigsten Mediziner haben auch nur ansatzweise genügend Kenntnisse über das Thema. Die Gebiete Schulmedizin und Ernährungswissenschaften haben einfach nichts miteinander zu tun, obwohl das natürlich unbedingt nötig wäre.“ Ihre Hebamme sei eine deutlich bessere Ansprechpartnerin zu diesem Thema gewesen, aber eben auch nicht perfekt. „Ich habe mich hauptsächlich bei seriösen Quellen im Internet, zum Beispiel beim Albert-Schweitzer-Institut, und anderen veganen Familien informiert“, sagt Nadine. Aufgrund der hohen Nährstoffdichte in ausgewogenen, frischen, veganen Speisen und der geringen Schadstoffbelastung, da Gifte und Medikamente in Fleisch enthalten sein können, sei die vegane Ernährung für sie in der Schwangerschaft genau richtig gewesen. Bei einer erneuten Schwangerschaft würde sie sofort mehr Jod supplementieren, ansonsten würde sie aber alles machen wie damals. Anderen Schwangeren rät Nadine: „Informiert euch gut und vielseitig. Bitte nicht zu sehr von Ärzten verunsichern lassen und immer auf die eigene Intuition hören. Ihr seid die Experten für euren Körper und euer Baby.“

Ständige Übelkeit „dank“ Laktoseintoleranz

„Als der Arzt mir aufzählte, was ich alles besser nicht mehr essen sollte, dachte ich erst mal Hui, jetzt musst du aber aufpassen“, erzählt Vanessa Palmen aus Neuss. Als die heute 36-Jährige mit ihren Zwillingen schwanger war – im März werden June und Nicolas zwei – wurde bei ihr eine Laktoseintoleranz diagnostiziert. Vanessa erinnert sich: „Zu dem Zeitpunkt, wo bei anderen die erste Übelkeit endlich vorbei ist, ging es bei mir erst richtig los. Weil niemand eine Ahnung hatte, dass es an der Laktose liegen könnte, habe ich sie natürlich auch nicht gemieden. Mir war ständig übel, ich hatte dauernd Durchfall und konnte irgendwann gar nichts mehr essen, weil es entweder oben oder unten sofort wieder rauskam. Deswegen musste ich auch mehrmals ins Krankenhaus, hatte vorzeitige Wehen und bekam meine beiden Kinder acht Wochen zu früh.“ Erst zwei Wochen vor der Entbindung fand der Gastroenterologe heraus, dass Vanessas Darm allergisch auf Laktose reagierte. Auf Anraten ihrer Gynäkologin habe sie während der Schwangerschaft Sushi, Rohwurst, Rohkäse, blutiges Fleisch und flüssiges Ei vom Speiseplan gestrichen. „Weil mein Blutdruck recht hoch war, habe ich auch komplett auf Koffein verzichtet“, erzählt sie, „kein Alkohol versteht sich hoffentlich von selbst. Ich war aber nicht dogmatisch dabei.“ Als die Intoleranz einsetzte und sie dadurch ständig Magen-Darm-Probleme hatte, sei sie froh gewesen, über „alles, was drinblieb“. Einen Arzt hält die Zwillingsmutter zwar für einen guten Ansprechpartner in Sachen Ernährung, wissenschaftlich fit sei er aber oft nicht. Da sie selbst eine medizinische Ausbildung habe, habe sie sich eingelesen – „mittlerweile gibt es so viele schwarze Schafe in diesem Bereich, die einem ihren Detox-Unsinn verkaufen wollen. Ich verlasse mich da lieber auf die Wissenschaft und mich selbst.“ Ihre Blutwerte ließ Vanessa regelmäßig überprüfen. Einen Eisenmangel ab dem sechsten Monat ihrer Schwangerschaft versuchte sie mit vom Arzt verschriebenen Tabletten auszugleichen. „Die habe ich aber nicht vertragen“, berichtet sie, „was dann ging waren eisenhaltige Fruchtsäfte. Da gibt es extra welche für Schwangere. Außerdem habe ich versucht mehr eisenhaltige Gemüsesorten und rotes Fleisch zu essen.“ Eine gute Schwangerschaft als Laktoseintolerante zu haben – ist das überhaupt möglich? „Definitiv ja“, findet Vanessa, „es hat ja nicht jeder so ein Pech wie ich. Wenn man weiß, dass man laktoseintolerant ist und schwanger wird, hat man sogar sehr oft das Glück, dass man in der Schwangerschaft komplett wieder alles essen kann. Das ist ein bekanntes Phänomen. Sollte die Intoleranz jedoch bleiben, sollte man unbedingt auf das Calcium achten, denn gerade in der Schwangerschaft hat man einen erhöhten Bedarf für die Knochenbildung des Kindes.“

Vegetarisch, vegan oder doch „normal“ – Ernährung in der Schwangerschaft
Schwanger und plötzlich laktoseintolerant: Vanessa Palmen mit ihren zwei gesunden Kindern (Foto: Palmen)

In der Schwangerschaft habe Vanessa nur neun Kilo zugenommen, da sie ja kaum etwas bei sich behalten konnte. Anschließend, als die Laktoseintoleranz dann bekannt war und sie wieder etwas essen konnte, kamen dafür weitere 15 Kilogramm dazu. „Mein Körper hat sich nach der langen Durststrecke wohl gedacht: Her damit, jetzt lagere ich für schlechte Zeiten alles ein, was ich kriegen kann.“ Während der Schwangerschaft habe sie eine Zeit lang besonders viel Lust auf Chips gehabt – „die esse ich sonst nie und mag sie eigentlich gar nicht.“ Später in der Schwangerschaft wollte sie dann gerne und oft rote Grütze. „Ich denke, dass der Körper und das Kind einen mit den Gelüsten zum Teil auch auf etwas hinweisen wollen und vielleicht diese Nährstoffe gerade einfach benötigen. Darum finde ich es in Ordnung diesen auch nachzugeben. Hat man natürlich Schwangerschaftsdiabetes und ständig Lust auf ein Kilo Eiscreme, würde ich aber schon die Reißleine ziehen“, sagt Vanessa. Inzwischen hat sie gelernt mit der Laktoseintoleranz zu leben und würde bei einer erneuten Schwangerschaft von Anfang an Laktose wieder komplett meiden. „Meine sonstige Ernährungsweise hat ja scheinbar funktioniert, denn ich habe trotz der schwierigen Schwangerschaft zwei gesunde Kinder mit einem ordentlichen Geburtsgewicht bekommen“, sagt sie. Anderen laktoseintoleranten Schwangeren würde sie raten, entspannt zu bleiben, gut und gesund zu essen und die Werte regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Na, noch nicht alle Weihnachtsgeschenke beisammen?

Die Zeit rennt: Wir haben für euch Tipp, wie ihr last Minute an tolle Weihnachtsgeschenke kommt (Foto: T. Gartner)

Die Zeit rennt: Wir haben für euch Tipps, wie ihr last Minute an tolle Weihnachtsgeschenke kommt (Foto: T. Gartner)

Wenn ihr diese Frage mit „Ja“ beantwortet, lautet euer zweiter Vorname mit hoher Wahrscheinlichkeit „Stress“. Aber keine Sorge – ihr habt Glück! Nicht umsonst schreiben wir im Dezember – dem wahrscheinlich stressigsten Monat von allen – zum Thema „Stressbewältigung“. Solltet ihr also noch total ratlos sein, was ihr euren Lieben morgen unter den Christbaum legen wollt, haben wir vielleicht genau das Richtige für euch. Also fix weiterlesen!

Inspiration ist alles

Erstmal: Beruhigt euch bitte – morgen ist ja auch noch ein Tag und weil der 24. Dezember auf einen Montag fällt, haben die meisten Geschäfte auch geöffnet. Ihr seid also nicht dazu verdammt, morgen nur schlecht zusammengenähte Stofftiere und halb zerdrückter Schokoriegel von der Tanke zu verschenken. Wenn euch das jetzt nur mäßig beruhigt, liegt das vermutlich daran, dass euch schlicht und ergreifend die Inspiration für ein passendes Weihnachtsgeschenk fehlt. Wenn man schon mit den besten Absichten Geld für etwas ausgibt, sollte der Beschenkte schließlich auch etwas damit anfangen können. Also: Bevor ihr morgen zwischen Gottesdienst und Weihnachtsessen nochmal losrast, um dann völlig kopflos durch die Stadt zu irren, setzt euch erstmal irgendwo ungestört und so entspannt wie eben möglich hin, atmet ein paarmal tief ein uns aus und startet mit unserer…

Meditation zur Inspiration

Falls ihr euch jetzt fragt, ob wir total verrückt geworden sind, weil wir von euch verlangen, euch im größtmöglichen Stress eine kleine Auszeit in Form einer Meditation zu nehmen, behaupten wir: „nein“. Oft sagen uns Freunde und Familie nämlich sehr genau, was sie sich von uns wünschen – leider aber meistens so beiläufig, dass wir es nicht bewusst wahrnehmen. Also setzt euch hin, schließt die Augen und versucht für einen Moment alle anderen Gedanken loszuwerden und euch nur auf die zu beschenkende Person zu konzentrieren. Öffnet nach ein paar tiefen Atemzügen die Augen und stellt euch nach und nach die folgenden Fragen. Die Antworten könnt ihr euch notieren oder ihr behaltet sie einfach im Kopf:

  • Was macht xy gerne in seiner/ ihrer Freizeit?
  • Wo geht xy gerne hin?
  • Was isst und trinkt xy am liebsten?
  • Was mag xy gar nicht?
  • Erinnerst du dich an euer letztes Treffen? Wann und wo war das?
  • Worüber habt ihr gesprochen?
  • Wo trefft ihr euch häufig und was unternehmt ihr gerne gemeinsam?
  • Hat ihm/ ihr etwas, das du anhattest oder dir gekauft hast, schon mal besonders gut gefallen?

Aus den Antworten müsst ihr anschließend nur noch die „richtigen“ Schlüsse ziehen. Geht ihr zum Beispiel oft ins selbe Café, freut er/ sie sich sicher über einen Wertgutschein oder eine handgeschriebene Einladung zum nächsten Treffen, bei dem die Rechnung auf dich geht. Wenn es eins gibt, was die zu beschenkende Person nicht ausstehen kann, ist es Kälte? Wie wär´s dann mit kuscheligen Socken oder einer Decke? Trinkt die zu beschenkende Person gerne Cocktails, stehen Cocktail-Bücher, Cocktail-Zubehör, wie ein professioneller Shaker, oder ein Cocktail-Kurs zur Auswahl. Ihr seht also: Jede noch so banale Antwort kann zu einer wahren Erleuchtung in Sachen Weihnachtsgeschenk führen. Jetzt aber zu den – vermutlich schon verzweifelt herbeigesehnten – Last-Minute-Geschenkideen.

Selbstgemachtes

Die schönsten Weihnachtsgeschenke sind doch selbst und mit Liebe gemacht, findet ihr nicht? Positiver Nebeneffekt: Dank Upcycling von bereits vorhandenen Materialien oder/ und der Verwendung von Sowieso-schon-dagewesenem müsst ihr in den meisten Fällen nicht mal mehr vor die Tür. Hier ein bisschen Inspiration:

  • Deko: Eine Lichterkette weniger tut´s auch und Weihnachten ist ja theoretisch auch schon bald wieder vorbei – also ab mit der Leuchtschnur in eine leere Flasche, eine Vase oder ein Glas (für die Pfälzer zum Beispiel ein „Dubbeglas“). Wer mag, kann das Ganze noch mit Tannenzapfen, Moos und/ oder Blumen aufpimpen – sieht so hübsch aus, dass es nicht mal mehr eine Verpackung braucht. Ein Gutschein rein – entweder ebenfalls selbst geschrieben (siehe „Zeit schenken“ weiter unten) oder am 24. noch fix gekauft – und fertig!
  • Fotos: Bilder sind immer eine schöne Erinnerung. Jetzt müssen sie nur noch richtig in Szene gesetzt werden. Ausdrucken könnt ihr eure Favoriten zum Beispiel im Drogeriemarkt. Wer keinen Bastelkalender oder ein Fotoalbum zur Hand hat, kann aus einem Ast und einem Stück Paketband eine schicke Wand-Deko oder ein Mobile zaubern. Dazu einfach die Bilder mit beliebigem Anstand mithilfe der Schnur am Ast befestigen und dann mit der Schnur noch einen Henkel machen.
  • Kissen oder Tasche nähen: Keine Sorge – ihr müsst euch nicht noch spontan eine Nähmaschine kaufen. Stoffreste, vielleicht von einem Kleidungsstück mit Fleck drauf, das ihr so nicht mehr tragen wollte/ könnt, Nadel, Faden, Knöpfe für die Tasche (Tipp: Knöpfe sind kostenlos meist an der Innenseite von neuen Kleidungsstücken befestigt) und Füllmaterial für das Kissen, zum Beispiel weitere Stoffreste. HIER geht´s zur Anleitung für die Tasche und HIER zur Anleitung für das Kissen.
  • Es muss ja nicht immer süß sein - wie wäre es mit den Zutaten und dem Rezept für ein leckeres Brot als Weihnachtsgeschenk? (Foto: T. Gartner)

    Es muss ja nicht immer süß sein – wie wäre es mit den Zutaten und dem Rezept für ein leckeres Brot als Weihnachtsgeschenk? (Foto: T. Gartner)

    Essen: Das kann wirklich jeder „gebrauchen“ und es staubt garantiert nicht in irgendeiner Ecke ein – etwas zu Futtern geht immer als Weihnachtsgeschenk. Vielleicht kennt ihr ja die hübschen Gläser aus Einrichtungsgeschäften, in denen die Zutaten für Muffins oder Kuchen optisch ansprechend aufeinandergeschichtet sind? So etwas lässt sich ganz einfach selber machen, ihr braucht einfach nur die trockenen Komponenten des Teigs, schichtet sie möglichst ansprechend in ein leeres Marmeladenglas und verziert das dann noch mit einem Kreis aus Stoff, den ihr mittels Küchengummi oder Schnur dekorativ über den Deckel zieht. Das Rezept schreibt ihr auf einen kleinen Zettel und legt oder klebt ihn unter die Stoffhaube. Jetzt muss nur noch ein schicker Aufkleber drauf (ein hübsch beschriftetes Papier und Kleber oder Tesa tun es im Notfall auch), damit der Beschenkte auch weiß, was drin ist – fertig! Das Ganze könnt ihr natürlich auch wunderbar für ein herzhaftes Brot machen. Wie wäre es zum Beispiel mit würzigen Kurkuma-Baguettes? HIERgeht´s zum Rezept. Je nachdem wie groß euer Glas ist, könnt ihr natürlich auch nur die Hälfte der Zutaten hineingeben – dann werden es eben nur zwei statt vier Baguettes. Übrigens: Besonders schön (und gesund) sieht es aus, wenn die oberste Schicht eures Glases aus Nüssen besteht und die machen sich in jedem Brot gut.

  • Noch mehr kreative Geschenkideen findet ihr HIER.

Beauty

Wahre Schönheit kommt von Innen – aber es darf ruhig auch ein bisschen was davon nach Außen durchschimmern. Für ein selbstgemachte Peeling ganz ohne Mikroplastik habt ihr – ohne es zu wissen – wahrscheinlich bereits alles im Haus, was ihr braucht. Gries, Kokosöl, Zucker, Meersalz, Kaffeesatz, Olivenöl – aus diesen „Zutaten“ lassen sich diverse Peeling-Variationen herstellen und das in kürzester Zeit. Für ein Kokos-Gries-Peeling lasst ihr das Kokosöl, das bei den aktuellen Temperaturen meist fest ist, auf der Heizung oder, wenn´s schnell gehen muss, in einem Topf auf dem Herd, schmelzen. Da hinein gebt ihr so viel Gries, dass das Kokosöl gut durchsetzt ist, sich aber noch umrühren lässt. Jetzt in ein leeres Glas abfüllen, erkalten lassen, zum Beispiel auf der Fensterbank, mit Beschriftung und Schleifchen verzieren und fertig. Um abgestorbene Hautschüppchen loszuwerden, helfen neben Gries auch Zucker, Meersalz und Kaffeesatz. Entscheidet euch für eine Zutat und mischt sie mit Olivenöl, bis eine leicht verteilbare, aber nicht zu flüssige Masse entsteht. Weist die Beschenkten am besten darauf hin, dass sich das selbstgemachte Peeling nur wenige Wochen hält.

Zeit schenken

Es muss nicht immer etwas Materielles sein: Zeit ist auch ein tolles Weihnachtsgeschenk (Foto: T. Gartner)

Es muss nicht immer etwas Materielles sein: Zeit ist auch ein tolles Weihnachtsgeschenk (Foto: T. Gartner)

Gutscheine sind öde, aber wenn wir mit ihnen wertvolle Zeit gewinnen – egal ob alleine oder mit einem geliebten Menschen – sind sie goldwert, oder was meint ihr? Also raus mit Zettel und Stift und losgelegt! Laptop und Drucker tun es natürlich auch. Überlegt, was ihr gerne zusammen mit dem zu Beschenkenden unternehmen wollt. Steht vielleicht eine tolle Ausstellung im Museum an, die euch beide interessiert, seid ihr beide Kinofans oder geht ihr gerne wandern? Entsprechend der Unternehmung könnt ihr dann natürlich auch euren Gutschein gestalten, beim Stichwort wandern, bietet sich zum Beispiel eine Wanderkarte mit eingezeichneter Route an. Wer richtig reinhauen will, bereitet für jeden Monat des kommenden Jahres einen Gutschein vor – passend zur Jahreszeit versteht sich: Im Juli gibt´s einen Ausflug an den See inklusive Picknick, im Dezember eine Schlittschuhfahrt und so weiter. Die Gutscheine könnt ihr in Kombination zu einer der Ideen aus der Geschenke-Kategorie „Selbstgemachtes“ (siehe oben) verschenken – sie machen sich bestimmt gut in einem hübsch dekorierten Glas oder auch als Mobile baumelnd an einem Ast.

Für den guten Zweck

Eigentlich hat derjenige, den ihr beschenken wollt, schon alles, was er sich wünscht? Viele Organisationen bieten inzwischen die Möglichkeit an, sich eine Spende beurkunden zu lassen. Ob Essen für Kinder in Afrika oder der Schutz bedrohter Tierarten – mit diesem Weihnachtsgeschenk trefft ihr garantiert mitten ins Herz. Und das bequem von daheim aus: Ihr wählt einfach die gewünschte Spendensumme aus, tragt den Namen desjenigen ein, den ihr beschenken wollt, und druckt die Urkunde aus. Und schon habt ihr mehr als nur einen Menschen glücklich gemacht.
Hier eine kleine, beispielhafte Übersicht von Organisationen, bei denen ein solches Last-minute-Weihnachtsgeschenk für den guten Zweck auch heute noch möglich ist:

Wir hoffen sehr, für euch war etwas dabei und wünschen euch nun ein schönes und vor allem entspanntes Weihnachtsfest!

„Don´t worry! Very easy!“ – Dank asiatischer Ernährung zum gesunden Körper?

Prolog

Ein guter Journalist ist objektiv. Er recherchiert ein Thema in der Breite und in der Tiefe, bringt alle Fakten auf den Tisch, überlässt es aber dem Leser, sich eine Meinung zu bilden. So habe ich das an der Uni gelernt und auch bei meinen Praktika in diversen Redaktionen. Wer aber mal darauf achtet, merkt schnell, dass es kaum noch objektiven Journalismus gibt – weder in der Zeitung, noch im Fernsehen oder online. Ist ja auch schwierig, denn schon indem man als Journalist ein Thema auswählt, suggeriert man dem Leser wenigstens indirekt, dass es ein wichtiges Thema ist, mit dem er sich doch bitte beschäftigen sollte. Auch das, was am Schluss beim Leser hängenbleiben soll, steht meist schon vor dem Schreiben fest. Da zitiert man eine Studie und lässt eine andere, die etwas Gegenteiliges besagt, einfach weg. Oder man befragt eben nur diesen einen Spezialisten, der mit hoher Wahrscheinlichkeit das sagt, was man sich für die schlussendliche Aussage seines Artikels vorgestellt hat. Bei Face2Face wollen wir genau das vermeiden – auch wenn das ein hohes Maß an Ausdauer erfordert.

Um für den folgenden Artikel unterschiedlichste Ansichten zusammenzustellen, habe ich über zehn potenzielle Interviewpartner – teilweise mehrfach – kontaktiert. Leider sahen sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., die Koordinierungsstelle für Ernährungsberatung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundeszentrum für Ernährung nicht in der Lage auch nur eine meiner Fragen zum Vergleich zwischen europäischer und asiatischer Ernährung zu beantworten. Während sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. noch nicht mit einem solchen Vergleich beschäftigt hat und außerdem „personell unterbesetzt“ ist (Bemerkung am Rande: Meine Anfrage habe ich Ende Januar für eine Veröffentlichung Ende April versendet), hat das Bundeszentrum für Ernährung keinen Experten im Haus, verweist aber immerhin auf eine Professorin an der Uni Kassel. Leider ist die trotz drei Mails und ebenso vielen Anrufen nicht erreichbar.
Glücklicherweise haben sich dann doch noch Interviewpartner gefunden. Das Resümee überlasse ich wie versprochen euch, liebe Leser!

Der Fall Jörg Krebber

Asthma, Allergien, Hepatitis A, B und C, chronische Darmentzündung – mit 25 Jahren gab ihn die Schulmedizin auf. Jörg Krebber, heute 71 Jahre alt, sah nur noch einen Ausweg: Asien. Dort, in einem nepalesischen Kloster nahe der Hauptstadt Katmandu, spricht ein Arzt nach einem Blick auf seine Zunge dann endlich die erlösenden, wenn auch recht überraschenden Worte: „Don´t worry! Very easy!“
Sechs Wochen später: Die Schwellung der Leber, ebenso wie die ständigen Schmerzen sind weg, die Verdauung hat sich normalisiert. Wie ist das möglich? Ist die asiatische Ernährung ausschlaggebend für Krebbers Heilung? Wie steht die europäische Ernährung im Vergleich da?
Drei Experten stehen uns Rede und Antwort: Prof. Dr. Angelika Messner, Leiterin des Chinazentrums an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Präsidentin des
IASTAM (International Association for the Study of Traditional Asian Medicine), hat an der Peking-Universität studiert und durch zahllose Forschungs- und Lehraufenthalte in Peking, Shanghai und Hangzhou etwa fünf Jahre in Asien verbracht. Prof. Dr. Sigrid Hahn war in der Ernährungsberatung und -bildung tätig und hat seit vier Jahren die Professur Diätetik an der Hochschule Fulda, Fachbereich Oecotrophologie, inne. Und last but not least: Jörg Krebber. Er hat Ayurvedic und Traditionelle Chinesische Medizin studiert. Nach seiner Heilung verbrachte er weitere elf Jahre in Asien – heute unterrichtet er weltweit die Wege der 5-Elemente-Lehre zur Selbstheilung.

Experten für asiatische Ernährung (von links): Prof. Dr. Angelika Messner (Foto: Albert Mäkitalo), Prof. Dr. Sigrid Hahn (Foto: Hahn) und Jörg Krebber (Foto: Krebber)

Experten für asiatische Ernährung (von links): Prof. Dr. Angelika Messner (Foto: Albert Mäkitalo), Prof. Dr. Sigrid Hahn (Foto: Sigrid Hahn) und Jörg Krebber (Foto: Maria Krebber)

Asiatische versus europäische Ernährung – wo liegen die Unterschiede?

„Schon innerhalb von Europa unterscheiden sich die Ernährungsgewohnheiten sehr stark – nicht nur in Bezug auf die bevorzugten Lebensmittel, sondern auch auf die Tageszeiten, zu denen gegessen wird. Asien ist noch viel größer und unterschiedlicher als Europa, so dass es mit Sicherheit nicht die asiatische Ernährungsweise gibt“, sagt Hahn. Auch Messner betont „die großen regionalen
Unterschiede in Asien“. Gegenwärtig fänden auch in den Metropolen asiatischer Länder McDonalds und ähnliche Fast Food-Restaurants Eingang. Allerdings gebe es bekanntenmaßen auch in Europa große Unterschiede hinsichtlich Ernährung und Küche. Messner kann dennoch gewisse „Traditionslinien“ ausmachen: „Im gegenwärtigen europäischen Kontext kann man eine Vorliebe für eisgekühlte Getränke jedweder Art (Alkohol oder gesüßte Soft-Getränke), Kaffee, Brötchen bzw. Müsli zum Frühstück, ausladende Fleischgerichte mit Kohlehydrat-Beilagen und eine Süßspeise als Nachspeise feststellen. Demgegenüber ließe sich in asiatischen Kontexten die Vorliebe für warme Getränke (Heißwasser und/oder Tee), zum Frühstück sowie zu Mittag- und Abendessen Suppen, Gemüse, Nudeln und Reis, sowie verhältnismäßig wenig Fleisch und Fisch ausmachen.“ Vor allem im Zusammenhang mit der Traditionellen Chinesischen Medizin fungieren Lebensmittel in Asien als Teil von Prävention und Therapie, so Messner. Die heilende Wirkung vieler asiatischer Speisen sieht Krebber in der Fermentation. „Wir verdauen, indem unser Darm organische Stoffe mithilfe von Enzymen verarbeitet“, erklärt er, „beim Fermentieren passiert genau das. Wenn die Nahrung, die wir zu uns nehmen, bereits fermentiert ist, wie das bei den Asiaten oft der Fall ist, erleichtert das die Verdauung. Sterben die Enzyme im Darm ab, werden wir krank, können durch fermentierte Speisen aber wieder Enzyme zuführen und uns so selbst heilen. Joghurt und Buttermilch sind beispielsweise das Ergebnis eines Fermentationsprozesses von Milch.“

Können asiatische Ernährungsweisen oder asiatische Medizinansätze heilen?

„Die „moderne“ westliche Medizin trat mit Beginn des 20. Jahrhunderts ihren weltweiten Siegeszug an, zumal sie höchst wirksame Methoden zur Bekämpfung von Tuberkulose und anderen Epidemien bereithielt. Heute hat sich die Situation weltweit dahingehend geändert, dass die so genannten „nicht übertragbaren“ Krankheiten, also Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen für weitaus mehr Todesfälle sorgen als die „übertragbaren Krankheiten“, erklärt Messner.

Asiatisches Essen ist beliebt - aber kann es auch heilen? (Foto: T. Gartner)

Asiatisches Essen ist beliebt – aber kann es auch heilen? (Foto: T. Gartner)

Weltweit seien gegenwärtig etwa 70% aller Todesfälle auf nicht übertragbare Krankheiten zurück zu führen. Dementsprechend bestehe dringlicher Handlungsbedarf mit Blick auf Lebensstil und Prävention. „Hier können asiatische Medizinsysteme, wie die Traditionelle Chinesische Medizin, einen grundlegenden Beitrag leisten, der nachhaltig und substantiell ist.“ Hahn sieht in diesem Zusammenhang die als typisch asiatisch geltende Ernährungsweise als Teillösung: „Studien zeigen, dass eine pflanzenbetonte, fettarme Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an Fisch vor Übergewicht und den damit in Zusammenhang stehenden Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II und Fettstoffwechselstörungen oder Herzinfarkt schützt. Auch das Karzinomrisiko, also die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen an Haut und Schleimhaut, ist reduziert.“

Ist der Fall „Jörg Krebber“ ein Beweis für die Wirksamkeit von asiatischer Ernährung und Medizin?

„Für mich sind Einzelfälle grundsätzlich nicht aussagekräftig“, sagt Hahn. „Um Empfehlungen geben zu können, müssen immer möglichst viele Menschen betrachtet werden, da alles andere auch Zufall sein kann.“ Messner dagegen bezeichnet Krebber als ein „gutes Beispiel für die Wirkungsweise von Ernährung auf die Gesundheit“.

Was können wir aus der „China Study“ schließen?

2004 veröffentlichten T. Colin Campbell, emeritierter Professor für Biochemie an der Cornell University, und sein Sohn Thomas M. Campbell die sogenannte „China Study“. Die Studie wurde im ländlichen China der 1970er und 1980er Jahre durchgeführt. Das Ergebnis: Je geringer der Anteil tierischer Nahrungsmittel an der Ernährung ist, desto gesünder sind die Menschen.
„Die China Study ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie zentral Ernährung für die Aufrechterhaltung und die Wiederherstellung von Gesundheit ist“, sagt Messner. Seine „Power ohne Ende“ verdankt Krebber laut eigener Aussage seiner veganen Ernährung nach alter Ayurveda – diese ist reich an Eiweiß und Fermentationsprodukte. „Die Leute schätzen mich generell 20 Jahre jünger als ich bin. Auch meine fünf Kinder sind so aufgewachsen – völlig problemfrei.“ Kritischer sieht dagegen Hahn die „China Study“ und damit die vegane Ernährung: „Ein völliger Verzicht auf tierische Produkte ist wenig sinnvoll, da einige lebensnotwendige Nährstoffe, allen voran Vitamin B12, nur oder überwiegend in tierischen Produkten vorkommen. Vegane Ernährung ist ohne Supplementation oder die künstliche Anreicherung von Lebensmitteln mit Nährstoffen gesundheitsschädlich. Ich halte vegane Kost für „nicht artgerecht“ für den Menschen, denn wir sind „Omnivore“, also Allesfresser.“ Allerdings würden auch offizielle Stellen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. und das Bundeszentrum für Ernährung eine Erhöhung des Anteiles pflanzlicher Lebensmittel und einen mäßigen Konsum tierischer Lebensmittel empfehlen, so Hahn.

Laktoseintoleranz – Normalität oder Krankheit?

Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sind typische Symptome einer Laktoseintoleranz. Die Fähigkeit, Milchzucker zu verarbeiten, nimmt genetisch bedingt im Erwachsenenalter ab – Laktoseintoleranz ist also eigentlich der „Normalzustand“, oder? „In Europa hat sich die Mutation, also die Veränderung der Erbinformation, hin zur Verträglichkeit von Milchzucker im Erwachsenenalter sehr schnell durchgesetzt“, sagt Hahn. „Nicht zuletzt, weil hierdurch Milch als sehr gute Proteinquelle zur Verfügung stand. Entsprechend haben sich in Europa Ernährungsgewohnheiten entwickelt, die viel Milch und Milchprodukte enthalten.“ Medizinisch sei eine Laktoseintoleranz keine schwere Erkrankung, da sie durch das Meiden von Milchzucker ohne Folgen behandelt werden könne, so Hahn. Messner sieht die Laktoseintoleranz als Nebenerscheinung des „übermäßigen Konsums von Milchprodukten“ und rät dazu, sie ernst zu nehmen.

Soja – Proteine und Phytoöstrogene

Die Sojabohne ist ebenso wie Fleisch ein hochwertiger Proteinlieferant – da sind sich die drei Experten einig. Wenn es um die Auswirkungen von Soja auf unsere Gesundheit geht, scheiden sich jedoch die Geister: Während Hahn zu Bedenken gibt, dass die in Soja enthaltenen Phytoöstrogene insbesondere bei Frauen in der Menopause problematisch sein können und im Verdacht stehen, Brustkrebs zu fördern, spricht Messner von zahlreichen Studien, die zeigen, dass Frauen in ostasiatischen Kontexten deutlich weniger an Beschwerden in der Menopause leiden. Ist der Verzehr von Sojaprodukten nun schädlich oder förderlich?

Gesund oder voller Phytoöstrogene? Produkte aus Sojabohnen, wie Tempeh, sind häufig in der Kritik (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Gesund oder voller Phytoöstrogene? Produkte aus Sojabohnen, wie Tempeh, sind häufig in der Kritik (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Vielleicht hat Krebber ja des Rätsels Lösung parat: „Bei vielen Studien kommt heraus, dass bestimmte Anteile der Sojabohne für den menschlichen Körper schädlich sind – Tatsache ist aber, dass wir ja nicht die Sojabohne essen, sondern zum Beispiel Tempeh, ein fermentiertes Produkt aus der Sojabohne. Viele der in Studien aufgedeckten, schädlichen Stoffe sind in Tempeh gar nicht enthalten.“ Die Phytoöstrogene, die Hahn zu bedenken gibt, seien auch in anderen Hülsenfrüchten enthalten – ebenso wie in tierischen Produkten, da sie über Futter- bzw. Düngemittel in unsere Nahrung gelangen, so Krebber. So hätten 100g Käse 20-mal mehr Phytoöstrogene als 100g Sojabohnen. „Wichtig ist, dass wir darauf achten, biologisches Tempeh oder Tofu aus nicht genmanipuliertem Soja zu kaufen“, sagt Krebber. Geschmacklich komme es dann noch auf die Zubereitung an. „Viele finden ja, dass Tofu nicht schmeckt, aber die Natur hat keine fertigen Menüs wachsen lassen“, sagt Krebber, „wenn man auf der Wiese in eine Kuh beißt, schmeckt das auch nicht.“

So ernähren sich unsere Experten

„Kein Lebensmittel ist auf die Bedürfnisse des Menschen abgestimmt, somit muss ich möglichst unterschiedliche Lebensmittel zu mir nehmen, um mich ausgewogen zu ernähren“, erklärt Hahn. Ihre Familie esse daher besonders vielseitig, wobei sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel einschließlich Fleisch auf dem Speiseplan stehen. Sie koche daher täglich mit frischen Produkten der Saison, „was aber niemals fehlen darf, ist ein schöner Rohkostsalat, da er mir einfach besonders gut schmeckt.“
Was das Frühstück angeht, hat sich Messner den Asiaten angepasst: „Morgens essen wir warm, zum Beispiel Hafer- oder Reisbrei. Gemüse und Obst stehen immer in ausreichendem Maß auf unserem Speiseplan. Außerdem habe ich schon früh gelernt, grünen Tee oder einfach „heißes Wasser“ zu genießen.“
Krebber isst seit 50 Jahren vegan nach alter Ayurveda, also mit reichlich Eiweiß und Fermentationsprodukten, und hat auch seine fünf Kinder so großgezogen. Außerdem achtet er bei seiner Ernährung auf das Verhältnis der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Die verschiedenen Nahrungsmittel werden dabei den Elementen zugeordnet und ausgeglichen kombiniert. Zum Erdelement gehören beispielsweise alle Wurzelgemüse, wie Karotte oder Sellerie.

Gewinnspiel

Keine Angst (mehr) vor Soja und Lust mal ein typisch asiatisches Lebensmittel auszuprobieren? Wir verlosen handgemachtes, bio-zertifiziertes Tempeh aus Markus Schnappingers Tempehmanufaktur im Wert von 30 Euro inklusive Versand. Tempeh ist eine indonesische Spezialität aus fermentierten Hülsenfrüchten, ist protein- und ballaststoffreich und entfaltet vor allem beim Anbraten sein nussiges Aroma.

Sie tüten gerade euren Gewinn ein: Markus und Stephanie Schnappinger von der Tempehmanufaktur (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Sie tüten gerade euren Gewinn ein: Markus und Stephanie Schnappinger von der Tempehmanufaktur (Foto: © Dittrich/tempehmanufaktur)

Was ihr für die Teilnahme am Gewinnspiel tun müsst: Schreibt bis einschließlich Sonntag, 6. Mai 2018, 23:59 Uhr eine E-Mail an tatjana.gartner@face2face-magazin.de mit dem Betreff „Tempeh“. In der E-Mail sollten euer Vor- und Nachname sowie eure Adresse enthalten sein, da die Tempehmanufaktur das Tempeh per Post an den glücklichen Gewinner senden wird. Verlost wird unter allen Einsendern. Mitarbeiter von Face2Face sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen. Die Bekanntgabe des Gewinners sowie die Information derjenigen, die leider nicht gewonnen haben, erfolgt spätestens am Dienstag, 8. Mai 2018 via E-Mail.
Wir drücken die Daumen!

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel
(1) Das Gewinnspiel wird vom Online-Magazin Face2Face durchgeführt. Den Versand des Gewinns übernimmt die Tempehmanufaktur.

§ 2 Teilnahme
(1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier und im Folgenden schließt die männliche Form die weibliche ein. (2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie eine E-Mail an die von uns angegebene E-Mail-Adresse schreibt und dort ihren Namen und die Adresse bzw. den Namen und die Adresse des möglichen Gewinners hinterlässt. (3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen. (4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet, beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel
(1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich das Online-Magazin Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen. (2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden. (3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des Weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden. (4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht. (5) Stehen in der E-Mail mehr als die Anzahl der vorgeschriebenen Namen können die Teilnehmer nicht für den möglichen Gewinn berücksichtigt werden. (6) Ebenfalls bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung
(1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per E-Mail über ihren Gewinn informiert. (2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich. (3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden. (4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass der Gewinn von der Tempehmanufaktur an den Gewinner versendet wird, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz
(1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten. (2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes ihr Name (keine Adresse!) öffentlich bekannt gegeben wird, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face. (3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren. (4) Nach Beendigung des Gewinnspiels werden alle eingesandten E-Mails wieder gelöscht.

§ 6 Sonstiges
(1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar. (3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

Trimm dich krank!

„Ich habe mit Spaß am Sport angefangen“, sagt Anja (22). „Es war toll, Erfolge zu erzielen, Veränderungen wahrzunehmen und sich gesund und fit zu fühlen.“ Aber dann wurde aus dem Spaß ein Zwang und aus dem Zwang eine Sucht.

„Traumbody“ dank Fitness- und Ernährungsprogrammen

Die Kombination aus Sport und Ernährung wird uns oft als Lösung für nahezu alles verkauft. „Mit effektivem Training und gesunder Ernährung zum Traumbody“ oder „durch kohlenhydratarme, eiweißreiche Ernährung und moderates Workout den Körper auf schlank trimmen“ versprechen die Fitness- und Ernährungsprogramme der Promis. Dass man Sport und Ernährung aber auch gegen den eigenen Körper einsetzen kann, weiß sie besser als die meisten anderen: Anja hat sich aus Sportsucht und Essstörung gekämpft und ist heute… Foodbloggerin!

Kontrolle über das Essen

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Superheldin oder Kontrollfreak: Das haben Sportsucht und Mangelernährung aus Anja gemacht (Foto: Anja)

Pancake-Stapel mit Blaubeeren und Schokosauce, Pastateller mit Kirschtomaten und frischen Kräutern, Frühstücksbowls mit frischem Obst… Wem bei Anjas Instagram-Posts nicht das Wasser im Mund zusammenläuft, der hat wahrscheinlich gerade erst gegessen. Die 22-Jährige selbst zeigt sich dafür eher selten auf ihrem Profil. Und die Bilder, die es zu sehen gibt, passen so gar nicht zu den Foodporn-Beiträgen. Ein zartrosa, beinahe körperloses Geschöpf, dem selbst die coole Superman-Unterhose zu groß zu sein scheint, steht da vor dem Spiegel. Statt der Superheldin, die ihr Gewicht voll im Griff hat, sieht Anja heute nur noch den Kontrollfreak.
„Kontrolle war damals das Wichtigste für mich. Kontrolle über mein Essen, Kontrolle über mein Gewicht. Ich habe mich komplett auf eine bestimmte Zahl fixiert“, erklärt sie. Das Problem bei der Sache: „Kein Sixpack, keine Size-Zero und kein Gewicht haben dazu geführt, dass ich mich wohlgefühlt habe.“ Aber von vorne!

Zerfressen von Selbsthass

„Irgendwann diente der Sport nur noch zum „Kalorien-Verbrennen“, damit ich mir das Essen überhaupt erlauben konnte. Ich habe aufgehört, mich mit meinen Freunden zu treffen und habe stattdessen Sport gemacht“, erzählt Anja, „Sport, Kalorien zählen und Verzicht haben meinen Alltag geprägt und eingeschränkt.“ So wurde aus Spaß und Probieren eine Sucht. Phasen, in denen sie wenig bis gar nichts essen konnte, wechselten sich mit Heißhungerattacken ab. Das schlechte Gewissen darüber, zu viel gegessen zu haben und die Angst vor einer Gewichtszunahme mündeten in Bulimie oder, wie Anja selbst sagt, „einen Teufelskreis aus Heißhunger, schlechtem Gewissen und, Erbrechen“. Aus der Bulimie wurde eine Magersucht. Und dann endlich erkannte sie, was uns heute von den Fotos geradezu entgegenbrüllt: eine wandelnde Hülle, zerfressen von Selbsthass, Selbstzweifel und Unzufriedenheit.

Man muss damit aufhören. Ganz.

"Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden", sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Es ist möglich Sportsucht und Essstörung zu überwinden“, sagt Anja und zeigt es auch (Foto: Anja)

„Wenn man etwas ändern möchte, muss man zunächst ehrlich zu sich selbst sein, auch wenn es weh tut. Man muss sein eigenes Verhalten, seine Gedanken und die Beweggründe hinterfragen. Und wenn man merkt, dass es etwas gibt, was einem nicht guttut, dann muss man damit aufhören. Ganz. Es bringt nichts, es nur „halb“ aus seinem Leben zu streichen. Der Anfang ist immer das Schwerste. Aber ich habe mir selbst bewiesen, dass es Hoffnung für alle gibt. Es ist möglich, Essstörungen und Sportsucht zu überwinden, wenn man dranbleibt und diesen schweren Weg durchhält. Es wird einfacher. Es lohnt sich“, sagt Anja. Also trainierte sie sich etwas Wichtiges an: gesundes Verhalten. Und das geht sogar ganz bequem von zu Hause aus – ohne Geräte, Joggingstrecke und Fitnessstudio. Dafür aber mit sehr viel Stärke und Willenskraft.

Die Kraft zu Laufen

„Heute kann ich Sport wieder aus Spaß betreiben und meiner Psyche und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Ich liebe zum Beispiel Yoga am Morgen. So spüre ich meinen Körper auf eine ganz andere Weise und kann seitdem wieder eine Verbindung zu ihm herstellen, die lange verloren war. Außerdem gehe ich drei- bis viermal die Woche laufen. Es ist schön, wieder die Kraft zu haben laufen gehen zu können. Es hilft mir dabei von meinem Uni-Alltag herunter zu kommen, meine Gedanken zu ordnen und mich lebendig zu fühlen.“ Und das Essen?

Essen macht schön!

„Essen ist nicht länger mein Lebensmittelpunkt, kontrolliert und bestimmt mich nicht mehr. Essen hält meinen Körper am Leben, macht mich schön und gesund“, ist Anja heute überzeugt. „Ich habe Spaß an der veganen Ernährung gefunden, da sie sehr vielseitig ist und ich mich damit sehr gut fühle.“ Vor erneuter Mangelernährung hat sie keine Angst: „Wenn man darauf achtet, ausgewogen zu essen, kann man sich mit nahezu jeder Ernährungsweise gesund ernähren.“

Gute und schlechte Tage

Mit ihrem Instagram-Profil und ihrem Youtube-Kanal möchte Anja anderen den Druck nehmen, perfekt sein zu müssen. „Auf Social Media wird oft ein Scheinbild gezeigt – eine optimale Welt ohne Rückschläge und Fehler. Ich teile dort sowohl die guten als auch die schlechten Tage. Es kann nicht immer gut laufen und das ist auch völlig in Ordnung. Oft geht es nicht darum, Probleme zu lösen, sondern zu lernen, mit ihnen umzugehen.“

 

Sommer, Sonne, Bodyshaming

Die Temperaturen klettern seit ein paar Wochen regelmäßig über 30 Grad, die Ferien haben begonnen, die Saison der knappen Kleider, Badesachen, nackter Haut ist da. Es ist doch wirklich toll, wenn die warmen Sonnenstrahlen auf unsere Haut treffen, Vitamin D gebildet wird und wir uns besser fühlen. Das Sonnenlicht steigert unsere Abwehrkräfte, sorgt für gute Laune, kurbelt Hormonbildung und Stoffwechsel an. Das klingt alles wirklich gut. Zu viel Sonne – das wissen wir alle – ist gefährlich, denn Hautkrebs ist keine Kleinigkeit. Aber selbst eingecremt mit Lichtfaktor 100 gibt uns das Sonnenlicht ein Wohlgefühl. Außerdem ist mir bei 30 Grad schon bis zur Schmerzgrenze warm, alles danach wird unerträglich. Kleidung stört dann. Weg damit.

It’s getting hot out there

Sommer, Sonne, Bodyshaming

Sommer und viel anzuziehen? Bodyshaming sagt uns, wie kurz unsere Kleider sein dürfen (Foto: Free-Photos / pixabay.de)

Wer auch bis 40 Grad im Schatten in Pulli und langen Hosen rumlaufen möchte und sich damit wohl fühlt – oder aus anderen Gründen, wie einer Sonnenallergie, darauf angewiesen ist – soll das tun dürfen. Daran stört sich niemand, außer seltsame Vertreter der Gattung homo germanicus, die Angst vor verschleierten Frauen haben. Aber wie sieht das anders herum aus? Sobald mensch sich leicht bekleidet in der Öffentlichkeit zeigt, gibt er sich einer Realversion von Next Topmodel deluxe preis. Shorts bei den Beinen? Kein Foto für dich. Trägerhemd und kräftige Arme? Sommerkleid, aber über Kleidergröße 38? Zu weiße Haut, zu haarige Beine – alles was nicht nach Hochglanzmagazinmodel aussieht wird mit rollenden Augen aufgenommen. Wir werden aufs Derbste auf unsere Körper degradiert und dort auf angebliche Schwächen. Das ist Bodyshaming. Wir sollen uns bitte für unsere Körper schämen, die anderen so sauer aufstoßen!

You’re body is no wonderland

Sommer, Sonne, Bodyshaming

Dünn, Dünner, Sommerkleider? Bodyshaming ist Alltag und wir merken es kaum (Foto: Survivor / pixabay.de)

Jeder schwitzt im Sommer. Hunde stellen ihr Maul auf und hecheln, weil sie nicht schwitzen können. Das stinkt, aber der Hund muss es machen, sonst überhitzt er. Wollen wir wirklich andere zu langen Kleidern zwingen, nur weil ein Schönheitsideal uns diktiert wer kurze Kleidung anziehen darf und wer nicht? Denn nichts anderes als dieses Ideal ist schuld. Wir haben Hollywoodfilme gesehen, in denen es fast nur untergewichtige Schauspieler gibt, Heidi Klum schaut sich Mädchen, die mehr als Größe 34 tragen, gar nicht erst an und die Modeindustrie macht fleißig mit. Das ist Gehirnwäsche. Und diskriminiert nicht nur alle, die nichts „gegen“ ihr Gewicht machen können, sondern auch alle, die glücklich mit ihrer Figur sind, die abseits der Norm liegt. Wir feiern die Vielfalt, die die Ehe für alle uns bringt und erlauben unseren Figuren nicht einmal kleine Abweichungen. Klingt komisch, ist aber so.

Do be so shy

Sommer, Sonne, Bodyshaming

Keine Frauensache. Bodyshaming betrifft auch Männer und Kinder ( Foto: cocoparisienne / pixabay.de)

Bodyshaming ist kein Problem mehr, das nur Frauen betrifft. Die äußerliche Norm des Mannes ist längst beim harschen Ton angekommen. Essstörungen und Depressionen gibt es bei Männern ebenso oft – auch wenn sie noch immer seltener diagnostiziert werden. Essstörungen sind meist Symptome einer Depression. Die Folge einer unbehandelten Depression ist signifikant oft der Selbstmord. Männern begehen häufiger als bei Frauen Selbstmord. Längst ist vielen klar, dass hier ein direkter Zusammenhang besteht. Bodyshaming definiert klar, dass Gewicht, Figur und Aussehen wichtig sind, wichtiger als das, was wir können, denken, wissen, mögen. Dass Bikinis nur angezogen werden sollen, wenn der Bauch flach ist und kurze Röcke und Hosen nur gehen, wenn die Beine schmal und enthaart sind. Es nervt mich kolossal. Wir sind alle unterschiedlich, wir sind alle schön und haben unsere Besonderheiten und mir wird ernsthaft schlecht vor Wut, wenn irgendwo irgendwer sagt, man müsse so oder so aussehen.

I’m in love with your bodies

Sommer, Sonne, Bodyshaming

Vielfalt ist immer schön! Schämt euch deswegen nicht (Foto: strecosa / pixabay.de)

Ich gestehe gerne jedem zu, das eine oder andere schön zu finden und andere Dinge eher ungern zu sehen. Geht mir auch so. Das ist aber kein Grund, anderen ihr Recht zu verwehren, anzuziehen, was sie anziehen möchten. Das ist im Übrigen unabhängig vom Wetter, fällt aber im Sommer umso mehr auf. Menschen sind mehr als ihre Körper, Körperlichkeit ist mehr als Ästhetik, Ästhetik ist mehr als Schönheit, Schönheit ist mehr als die Norm. Und mal ehrlich, Norm ist langweilig. Wenn wir das wollten, müssten wir auch alle mit den gleichen Kleidern, der gleichen Frisur und am besten den gleichen Namen herumlaufen, denn der ist dann auch egal. Vielleicht richten wir gleich eine Formschablone ein, lassen uns operieren und genetisch verändern, damit auch wirklich alle gleich aussehen. Dann ist Bodyshaming kein Problem mehr und das funktioniert doch bestimmt leichter, als wenn wir uns die Mühe machen, umzudenken und Vielfalt zuzulassen.

Von Spanferkel zu Tofu – ein Selbstversuch

Von Spanferkel zu Tofu – ein Selbstversuch

Startschuss: Das große Fleischfressen vor der anstehenden veganen Woche (Foto: D. Pollach)

Der Grill knistert, die Hitze ist fast unerträglich. Immer wenn das Fett aus der angeschnittenen Schwarte des Spanferkels tropft, zischt es kurz. Und es durftet einfach so gut! Meine Vorfreude auf´s Essen ist unbeschreiblich groß – kein Wunder, nachdem ich „mein Schwein“ zehn Stunden lang immer wieder liebevoll mit einem Gemisch aus Apfelsaft und Salz eingepinselt habe. Und jetzt das: Eine Woche lang kein Fleisch und keinerlei tierische Produkte. Ein Selbstversuch.

Herausforderung angenommen!

Neben meiner Tätigkeit als IT-Manager bei Face2Face koche ich leidenschaftlich gerne. Natürlichkeit und Qualität ist mir dabei sehr wichtig. Nichts ist schrecklicher als ein schlechtes Essen, ein billiges Fleisch oder zu stark künstlich aufgezogenes Gemüse. Eine Woche lang auf Fleisch zu verzichten, stelle ich mir nicht so schwierig vor – aber auf Eier, Milch, Sahne und vor allem Käse? Könnte eine Herausforderung werden. Für euch dokumentiere ich jeden Tag meiner veganen Woche:

Tag 1:

Ein guter Start! Die Pizza Buscetta schmeckt, ist aber auch sehr nah an der Pizza, die ich sonst immer esse, nur eben ohne Mozzarella. Morgens gab es mein übliches Frühstück bestehend aus einem Apfel und einer Karotte.

Tag 2:

Frühstück wie immer, mittags einen Gazpacho-Salat und abends ein Gericht aus Tofu und Chicorée. Auch wenn die Kombination von Chicorée und Gemüse gut passt – Tofu ist einfach nicht mein Geschmack. Weder die Konsistenz sagt mir zu noch irgendetwas sonst. Durch das Marinieren schmeckt es zwar nach was, aber Eigengeschmack – Fehlanzeige.

Von Spanferkel zu Tofu – ein Selbstversuch

Werden keine Freunde: Das Soja-Hack und ich (Foto: D. Pollach)

Tag 3:

Nachdem es mittags in der Firmenkantine vegane Paella gab, stand abends eine Gemüse-Lasagne auf dem Plan – mit Soja-Hack und Sour Cream aus Cashewnüssen. Dieses Mal war das Soja weit weniger schlimm als am Tag davor. Die Konsistenz war besser und man hat nur leicht gemerkt, dass es kein Fleisch ist. Die Sour Cream hingegen schmeckte komplett anders als echte, aber nicht schlecht. Geschmacklich wirklich spannend – das werde ich auch in mein Koch-Repertoire aufnehmen. Wie ich mich fühle? Satt!

Tag 4:

Heute Mittag musste ich eine kleine Ausnahme machen. Mitten in Basel unter Zeitdruck und mit knurrendem Magen habe ich mich dann zu Sandwiches mit Frischkäse verleiten lassen. Vegetarisch, aber eben nicht vegan. Ich denke das ist auch eine der größten Schwierigkeiten mit veganer Ernährung: Es ist nicht leicht sie überall und ohne große Mühen bzw. Vorbereitung hinzubekommen.
Zum Abendessen gab es dann Polenta mit Pilzen – ein gutes Gericht, bei dem mich auch die Sauce in veganer Variante überzeugt hat.

Tag 5:

Lecker! Den Kichererbsen-Eintopf mochte ich sehr! Ein bisschen Brot dazu, um es später in die Saucenreste zu dippen, macht das Gericht perfekt.

Von Spanferkel zu Tofu – ein Selbstversuch

Vegan und lecker: Frischer Spinat, Linsencurry und Wildreis (Foto: D. Pollach)

Tag 6:

Das Linsen-Spinat-Curry, das es heute gab, kannte ich so ähnlich schon – ein gutes Gericht! Wie häufiger in der indischen Küche fällt dank der starken Würzung kaum auf, dass es vegan ist.

Tag 7:

Zum Abschluss der veganen Woche gab es Süßkartoffel-Pommes mit der Sour Cream aus Cashew-Nüssen und Salat. Im Plan ist es ursprünglich so vorgesehen, dass die beiden Gerichte mit der Cashew-Sour Cream direkt nacheinander kommen, sodass man nicht zweimal welche machen muss. Sie hält sich im Kühlschrank allerdings auch ein paar Tage.
Pommes sind für mich prinzipiell eher eine Beilage und keine vollwertige Mahlzeit, deshalb hat mir bei diesem Gericht tatsächlich noch etwas gefehlt. Vielleicht eine Tarte oder Ähnliches.

Nicht schlecht, aber anders

Mein Fazit nach einer Woche Selbstversuch: Veganes Essen schmeckt nicht schlecht, aber eben anders. Bestes Beispiel ist die Sour Cream aus Cashews: Sie schmeckt sehr gut, aber eben anders als eine normale Sour Cream und ist daher kein Ersatz, sondern eben ein anderes Gericht. Ich koche oft mit Käse, Schmand, Milch und Eier und habe diese Lebensmittel schon ein bisschen vermisst.
Das Soja-Hack enthält außerdem einige künstliche Stoffe – da glaube ich, dass das Schwein, das artgerecht aufgezogen und geschlachtet wurde, wahrscheinlich doch gesünder und natürlicher ist.

Vegan essen – ja oder nein?

Die größte Herausforderung ist mein Berufsalltag, da ich viel reise. Wenn ich mich da vegan ernähren würde, hieße das, dass ich beispielsweise auf Geschäftsessen mit Kollegen verzichten beziehungsweise mich bei der Wahl der Gerichte extrem stark einschränken müsste.
Es war toll neue Geschmackseindrücke zu bekommen, trotzdem könnte mich nichts dazu bewegen mich zukünftig ausschließlich vegan zu ernähren. Ich liebe einfach die Variation beim Kochen und Essen – da möchte ich mich nicht einschränken.

Vegan mit Plan

Der Plan hat mir bei meiner veganen Woche sehr geholfen! Alle Lebensmittel waren einfach zu bekommen und übersichtlich auflistet. Die Mengenverhältnisse kann man individuell anpassen, so dass ich zum Beispiel bei der Lasagne die doppelte Menge Soja-Hack verwendet habe. Aber die Rezepte waren einfach und verständlich und speziell die Anordnung der Gerichte hat es mir sehr leicht gemacht die Woche durchzukochen.

Ihr wollte den Plan für die vegane Woche für zehn Euro kaufen? Dann klickt bitte HIER für weitere Infos.

 

Dein Plan für eine vegane Woche

Wir für euch: 7 vegane Rezepte und Snackideen plus Einkaufsliste im Face2Face-Plan für eine vegane Woche (Foto: T. Gartner)

Wir für euch: 7 vegane Rezepte und Snackideen plus Einkaufsliste im Face2Face-Plan für eine vegane Woche (Foto: T. Gartner)

Einfach und schnell vegan kochen mit Zutaten aus dem Supermarkt – dabei wollen wir dich unterstützen. Ganz egal, ob du vorhast, deine Ernährung dauerhaft umzustellen, oder einfach nur mal „reinschnuppern“ willst – mit unserem Plan für eine vegane Woche inklusive Einkaufsliste und Snackideen gelingt beides völlig stressfrei.

Spare Zeit!

Keine zeitraubende Suche nach guten Rezepten, stundenlanges In-der-Küche-stehen oder das Abklappern von drei verschiedenen Einkaufsläden – mit unserem Plan sparst du vor allem eins: wertvolle Zeit.

Eiweißquellen inklusive

Wo bekomme ich denn meine Proteine her ohne Fleisch und Eier? Keine Sorge – die Rezepte aus dem Plan enthalten Hülsenfrüchte und Sojaprodukte, also natürliche pflanzliche Eiweißquellen.

In den Einkaufswagen: Deine vegane Woche

Unseren Plan für eine vegane Woche plus Einkaufsliste und Snackideen könnt ihr für zehn Euro über diese E-Mail-Adresse bestellen: tatjana.gartner@face2face-magazin.de. Schreibt in den Betreff einfach „Vegane Woche“ und in die E-Mail euren vollständigen Namen plus Anschrift. Eure Daten werden nicht für Werbezwecke genutzt und nach Abwicklung der Bestellung wieder gelöscht.

Eure Vorteile auf einen Blick

  • 7 Hauptgerichte für zwei Personen
  • alle Zutaten gibt´s im Supermarkt
  • unkompliziert und schnell vegan kochen
  • Snackideen für zwischendurch
  • Zeit für die Zubereitung: max. 30min

Viel Spaß bei eurer veganen Woche!

Du liebst Fleisch und kannst dir ein Leben ohne tierische Produkte nicht vorstellen? Dann lies den Erfahrungsbericht unseres IT-Managers Denis. Er hat den Face2Face-Plan für eine vegane Woche ausprobiert und den Selbstversuch gewagt – von Spanferkel zu Tofu.

Mehr Tipps zum Thema „Ernährungsumstellung auf vegan“ findest du HIER.

Philosophie des Fleisches – haben Tiere Rechte?

Ist es falsch, Fleisch und andere tierische Produkte zu essen? Wieso streicheln wir unsere Katze und essen sie nicht? Moral und Veganismus – wie geht das zusammen? Veganismus-Kritiker Jens und Neu-Veganerin Tatjana diskutieren über Moral, Ernährung und Gewohnheiten.

Jens:

Hallo Tatjana,
der Verzehr von tierischen Produkten ist moralisch indifferent. „Moral“ umfasst den Bereich dessen, was in einer Gesellschaft bezüglich der Individuen als „richtiges“ oder „falsches“

Moral und Veganismus

Finanziert sich seine Doktorarbeit als Zusteller bei der Post: Veganismus-Kritiker Jens (Foto: privat)

Handeln angesehen wird. Am Verzehr von Tieren oder Tierprodukten gibt es nichts, was in moralischer Hinsicht relevant sein könnte, da ich mit meiner Handlung niemandem schade, der ein Subjekt oder Objekt moralischer Pflichten ist. Man kann diese Tatsache leicht überprüfen, indem man sich vergegenwärtigt, dass dies tagtäglich in unserer Gesellschaft vollzogen wird, ohne dass eine Person für diese Handlung zur Rechenschaft gezogen werden müsste.

Tatjana:

Hallo Jens,
Moral kann aber ebenso gut das Empfinden einer einzelnen Person meinen. Ich als Individuum kann das Töten von Tieren und das Essen tierischer Produkte sowie die mit der Massentierhaltung einhergehende Umweltschädigung, die übrigens durchaus auch Menschen als „Subjekte moralischer Pflicht“ betrifft, als „falsch“ empfinden.

Moral und Veganismus

Setzt auf den „Tomateneffekt“ in Sachen Veganismus: Neu-Veganerin Tatjana (Foto: privat)

Du schreibst, dass der Verzehr von Tieren nicht bestraft wird, weil die Gesellschaft ihn als nicht moralisch verwerflich empfindet. Wir befinden uns jedoch alle in stetigem Wandel. Wieso sollte bezüglich des Konsums tierischer Produkte nicht auch irgendwann der sogenannte „Tomateneffekt“ zum Tragen kommen? Tomaten galten Jahrhunderte lang als giftig trotz überwältigender Gegenbeweise. Damals wurden sie gemieden, heute lieben wir sie. Nicht nur in der Geschichte der Medizin gibt es Beispiele dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zu Gunsten konventioneller Weisheiten ignoriert werden. Der Philosoph Arthur Schopenhauer beschreibt den Weg der Wahrheit in drei Stufen: Erstens wird sie verspottet. Zweitens wird sie gewaltsam bekämpft. Drittens wird sie als offensichtlich angenommen. Vielleicht ist eine rein pflanzlich basierte Ernährung in ein paar Jahren unsere Wahrheit und entspricht der gesellschaftlichen Moral?

Jens:

Das Regelsystem der oben angesprochenen Normen ist, wie du in deiner Antwort bereits angedeutet hast, nicht absolut, sondern unterliegt einem steten Wandel. Aus diesem Grund würde ich auch den von dir verwendeten Begriff „Wahrheit“ kritisch sehen, da er den Absolutheitsanspruch besitzt, der der Moral fehlt. Es gibt bezüglich vieler moralischer Themen eine gesellschaftliche Debatte, zu der seit einigen Jahren eben auch die Veganismus-Debatte bzw. die Frage, ob Tiere moralische Rechte wie das Recht zu leben besitzen, gehört.

Ich vertrete die Ansicht, dass Tiere keinerlei Rechte haben können, da Begriffe wie „Recht“ oder „Moral“ vom Menschen geschaffene Konstrukte sind, die folglich auch nur das Zusammenleben von Menschen betreffen können. Wo immer es ein bestimmtes Recht gibt, ergibt sich reziprok auch die moralische Pflicht, dieses Recht zu respektieren. Wenn wir Tiere zu Objekten von moralischem Handeln machen würden, ergäbe sich hingegen jedoch die absurde Situation, dass diese dann zwar Rechte, aber keinerlei Pflichten hätten, da Tiere ihr Handeln nicht wie Menschen reflektieren können. Kein Tier wird jemals verstehen, was dieses „Recht“ ist, das wir ihm da zugestehen.

Dieser Widerspruch wird an einem Problem besonders offensichtlich: Tiere essen Tiere. Wenn man das Essen von Tieren durch den Menschen unter Strafe stellen würde, müsste man sich auch die Frage stellen, ob Tiere andere Tiere essen dürfen. Wir Menschen sind zwar Omnivore, also „Allesfresser“, und können somit die Art unserer Ernährung entscheidend verändern. In der Tierwelt gibt es hingegen auch Carnivore, also „Fleischfresser“, deren Verdauungssystem ausschließlich auf den Verzehr von Fleisch ausgelegt ist und die keine oder kaum pflanzliche Nahrung vertragen. Diese Tiere könnten sich niemals selbstständig von ihrer natürlichen Ernährungsweise distanzieren. Wenn wir Tieren jedoch zugestehen, Fleisch zu essen, dies aber Menschen verbieten, verstoßen wir gegen das oberste moralische Prinzip der Gleichbehandlung.

Tiere können somit keine Träger moralischer Rechte oder Pflichten sein. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass wir uns mit Themen wie Umwelt- und Tierschutz beschäftigen und die Lebensbedingungen von Tieren in Massentierhaltung verbessern. Ich halte es ebenso wie du für durchaus realistisch, dass sich unsere Gesellschaft in Zukunft immer weiter in Richtung veganer Ernährung entwickelt.

Tatjana:

Du schreibst, dass es absurd wäre Tiere zu Objekten moralischen Handelns zu machen, weil sie ihre neugewonnenen „Rechte“ nicht verstehen und gleichzeitig ihre „Pflichten“ nicht erfüllen könnten, weil sie ihr Handeln nicht wie Menschen reflektieren können. Aber was ist mit Haustieren? Eine Katze ist genauso ein Tier wie ein Kälbchen – aber die Katze hat das „Recht“ rundum versorgt und nicht als Sonntagsbraten serviert zu werden.

Moral_Veganismus

Hat dieses Schweinchen weniger Rechte als eine Katze? (Foto: Jerzy / pixelio.de)

Vielleicht sagst du jetzt, dass Haustiere ihre „Pflicht“ erfüllen, indem sie aufs Katzenklo gehen oder als Hund Stöckchen holen. In einigen asiatischen Ländern werden Katzen und Hunde gegessen. Einen einheitlichen Moralbegriff in Bezug auf „Tiere als moralische Objekte“ gibt es nicht.

Tiere essen Tiere, aber ein Raubtier würde niemals zehn Beutetiere reißen und sie dann liegenlassen. Beim Menschen hingegen sieht das schon anders aus.

Auch wenn das vielleicht den Eindruck macht – ich will gar nicht darauf hinaus, dass der Veganismus der einzig richtige Weg ist. Mit der von mir aus freien Stücken gewählten Ernährungsform fühle ich mich wohl. Daneben zählt für mich auch der gesundheitliche Aspekt. Es gibt inzwischen diverse Studien, die zeigen, welche negativen Auswirkungen tierische Produkte auf unseren Körper haben: Bei der Autopsie von 632 US-Amerikanern und 632 Ugandern, die im selben Alter starben, zeigte sich, dass 136 der US-Amerikaner an einem Herzinfarkt gestorben waren. Bei den Ugandern war genau einer an einem Herzinfarkt gestorben. Die Afrikaner – die China-Studie bescheinigt übrigens dasselbe für das ländliche China – hatten einen außergewöhnlich niedrigen Cholesterinspiegel, weil ihre Ernährung überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln bestand.

Jens:

Ich gebe zu, dass der Begriff „Objekt“ in Bezug auf Tiere zunächst etwas sonderbar wirken mag; allerdings soll dieses Wort nicht abwertend gemeint sein. Vielmehr ist damit der Kreis an Lebewesen gemeint, auf die unser moralisches Denken gerichtet ist. Man könnte auch sagen: Moralische Objekte sind die Empfänger von Rechten, moralische Subjekte hingegen sind die Träger von Pflichten, womit auch deutlich wird, dass wir Menschen im Normalfall beides sind, Tiere hingegen – wenn überhaupt – nur ersteres sein könnten. Wir essen unsere Katzen und andere Haustiere nicht, weil wir eine Beziehung zu ihnen aufbauen und sie liebgewinnen. Das hat aber nichts mit dem moralischen Status dieser Tiere an sich zu tun.

Bezüglich des gesundheitlichen Aspekts hast du natürlich zu großen Teilen Recht – gerade in den westlichen Industrienationen ist der unreflektierte Fleischkonsum zu einem großen Problem geworden, wodurch natürlich auch die Massentierhaltung weiter forciert wird. Die Tatsache, dass wir Menschen als Allesfresser Fleisch verdauen können, bedeutet nicht, dass wir uns ausschließlich von Fleisch oder tierischen Produkten ernähren sollten. Das Ziel sollte hier eine ausgewogene Ernährung sein, die zu einem großen Teil auf pflanzlichen Produkten basieren, aber eben auch gelegentlich Fleisch, Fisch oder andere tierische Produkte umfassen sollte.

In den Ernährungswissenschaften existiert die einhellige Meinung, dass eine rein vegane Ernährung nur kerngesunden Menschen empfohlen werden kann und für viele Gruppen wie Kinder, Schwangere oder kranke Menschen eine Risiko- bzw. Mangelernährung darstellt. So sprachen sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Bundesregierung deutlich gegen eine vegane Ernährung aus. Demnach könne langfristig gesehen eine vegane Ernährung nicht empfohlen werden, da sie zu Muskelabbau, Leistungseinbußen und Mangelerscheinungen führe. Durch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und medizinische Aufklärung kann man diese Probleme sicherlich überwinden, auch wenn vegane Ernährung keine „natürliche“ Ernährung für uns Menschen darstellen wird.

Tatjana:

Ich stimme dir völlig zu, wenn du schreibst, dass vegane Ernährung nicht für jeden geeignet ist. Pauschal zu sagen, dass sie für Schwangere und Kranke nicht gut ist, kann jedoch so nicht stehen bleiben. Der Verzehr von gegrilltem Fleisch im ersten Schwangerschaftsdrittel steht laut Wissenschaftlern in Zusammenhang mit einem geringeren Geburtsgewicht, ebenso wie das bloße Einatmen der Grilldämpfe. Letzteres bringen die Wissenschaftler zudem mit einer kleineren Kopfgröße des Säuglings in Verbindung. Atmet eine Schwangere Grilldämpfe ein, kann das negative Auswirkungen auf die zukünftige kognitive Entwicklung des Kindes haben. Die Folge kann bspw. ein geringerer IQ sein.

vegan grillen

Lecker und gesundheitsschädlich? Grillen (Foto: 110stefan / pixelio.de)

Bei einem wissenschaftlichen Versuch in Schweden wurden hingegen 35 Asthmapatienten auf eine pflanzenbasierte Diät gesetzt. Von den 24 Patienten, die bei der veganen Ernährung blieben, ging es 70% nach vier Monaten, 90% nach einem Jahr besser. Gut, das ist nicht repräsentativ, aber ich möchte Dr. Michael Greger zitieren, der alle hier genannten Experimente in seinem Buch „How not to die“ aufgeführt hat: „Schaut man sich die gesundheitlichen Vorteile im Vergleich zu den Risiken an, ist eine pflanzenbasierte Ernährung den Versuch auf jeden Fall Wert.“

Tatsache ist, dass alle Vitamine und Nährstoffe bis auf B12 in Pflanzen enthalten sind. Auch die von dir erwähnte Deutsche Gesellschaft für Ernährung legt Menschen, die sich entgegen ihrer Empfehlung vegan ernähren wollen, nur ein Vitamin-B12-Präparat ans Herz – keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel.

Trotzdem reagieren wir natürlich alle anders. Ich esse seit wenigen Monaten überwiegend vegan. Davor habe ich über zehn Jahren kein Fleisch aber Fisch gegessen, war per definitionem also Pescetarier. Und das komplett ohne Mangelerscheinungen, worauf ich mich regelmäßig untersuchen lasse. Ich kenne jedoch einen ähnlichen Fall, bei dem der Verzicht auf Fleisch zu einem starken Eisenmangel geführt hat, der selbst durch Nahrungsergänzungsmittel nicht kuriert werden konnte. In so einem Fall geht die Gesundheit natürlich vor.

Zudem kann vegane Ernährung ein Ansatz gegen die Umweltzerstörung sein. Knapp die Hälfte der Treibhausgase kommt aus der Massentierhaltung. Für Sojabohnen, die zu etwa 80% als Futter in die Massentierhaltung gehen, wird hektarweise Regenwald abgeholzt und das proteinhaltige Futter dann noch kilometerweit zu uns geschifft oder geflogen.

Jens:

Fakt ist, dass man sich mit einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung, in jedem Fall auf der sicheren Seite befindet. Sucht man im Internet nach den Auswirkungen veganer Ernährung, findet man unzählige sich widersprechende Aussagen. Für viele Gruppen wie Sportler oder Menschen mit einem hohen Stoffwechsel ist vegane Ernährung überwiegend kritisch zu sehen, wie zahlreiche durch Ärzte begleitete Selbstversuche (u.a. DIESER in der „Welt“ erschienene) belegen.

Auch, wenn wir zweifelsfrei feststellen würden, dass wir Menschen uns nicht gesund auf vegane Art ernähren könnten, könnte es trotzdem die moralische Forderung geben, dass wir Tiere nicht töten dürften, um sie anschließend zu essen. Auch der umgekehrte Fall wäre denkbar. Aber es ist doch viel interessanter, der Frage nachzugehen, ob hinter veganer Ernährung denn mehr steckt als nur ein subjektiver Lifestyle – ob Veganismus gar „richtig“ oder „falsch“ sein kann. Und richtig oder falsch kann etwas eben nur im faktischen, was hier auszuschließen ist, oder moralischen Sinne sein. Ethik ist ja geradezu definiert als die Suche nach dem Richtigen oder Falschen (vgl. hierzu u.a. das Standardwerk John Leslie Mackies).

Wenn Veganismus ein ethisches Grundprinzip wäre, an das sich jeder halten müsste, müsste es auch zwangsläufig für Tiere, die andere Tiere töten und essen, gelten. Denn obwohl du es nicht wahrhaben willst, töten Raubtiere nicht nur, um zu essen, sondern auch einfach so zum Spaß. Tiere töten ihre eigenen Jungen, um sich nicht mehr um sie kümmern zu müssen, sie töten ihre männlichen Artgenossen, um sich so eines Nebenbuhlers um ein Weibchen zu entledigen. Unsere geliebten Katzen spielen mit gefangenen Mäusen und quälen sie, anstatt sie schnell zu töten. Entgegen der allgemeinen romantischen Stimmung in Bezug auf das Tierreich muss man also festhalten: Tiere töten. (Vgl. hierzu den im „Spiegel“ erschienene Artikel „Killer mit Kulleraugen“)

Ich möchte gerne mit einem letzten hypothetischen Beispiel abschließen, um zu verdeutlichen, dass es nichts gibt, was am Fleischkonsum an sich moralisch relevant sein kann: Ich entschließe mich – rein hypothetisch gesprochen – einen Spaziergang zu machen und bemerke auf dem Waldweg einen toten Hasen. Es sind keine äußeren Zeichen von Gewalteinwirkung erkennbar und es hat noch kein Verwesungsprozess begonnen. Ich entschließe mich, den toten Hasen mitzunehmen und zu Hause zu verzehren. Die Gretchen-Frage: Was ist an meiner Handlung verwerflich?

Tatjana:

Tiere töten, da widerspreche ich nicht. Wir Menschen dagegen sind „Allesfresser“ und besitzen die Intelligenz abzuwägen, was wir essen wollen und was nicht. Übrigens auch noch ein kleiner Unterschied zwischen Mensch und Tier: Tiere verzehren ihr Beutetier. Menschen hingegen kaufen ihr Fleisch gerne abgepackt und wollen möglichst nicht mit der Tatsache konfrontiert werden, dass das Stück Fleisch auf ihrem Teller vor ein paar Stunden noch gelebt hat. Wieso sollten sie sonst so gereizt reagieren, wenn man sie darauf anspricht?

Gibt es wirklich keine Argumente dafür, dass Veganismus „richtig“ ist? Ich als Mensch möchte keinem Lebewesen Leid zufügen oder darüber entscheiden, ob es getötet wird. Hier kommt Arthur Schopenhauers Mitleidsethik ins Spiel: Moralisches Handeln lässt sich dann als solches verstehen, wenn wir ein empirisches Motiv finden – Motive wie altruistische Gefühle oder Mitleid beispielsweise. Die Anwendbarkeit des Mitleids auf alle Wesen ergibt einen gleichen moralischen Status für Mensch und Tier. Inwiefern wir aus diesem Mitleid unsere Konsequenzen ziehen, bleibt uns selbst überlassen. So beispielsweise auf deine hypothetische Geschichte mit dem Hasen bezogen: Tatsächlich ist es so, dass ich Tiere nicht mehr als Nahrungsquelle wahrnehme. Ich hätte ihn also begraben.

Vegane Ernährung kann gesund sein und sogar heilen – und für mich ist sie „richtig“. Trotzdem bleibt es jedem selbst überlassen, was er isst, solange er mit den Konsequenzen – gesundheitlicher oder ethischer Art – leben kann.

Jens:

Da kann ich dir nur zustimmen. Ich denke jedoch, dass du dir über die Tatsache bewusst bist, dass du als Veganerin mit dieser Aussage gleichzeitig eine Form von Toleranz gegenüber „Fleischessern“ zeigst, die viele andere Veganer gerade nicht teilen würden. Gerade weil wir „Allesfresser“ sind, ist die Entscheidung, sich ausschließlich von pflanzlicher Nahrung zu ernähren, eine individuelle, die man kritisch sehen und die niemandem vorgeschrieben werden kann.

Es ist interessant und lobenswert zugleich, dass du Schopenhauers Mitleidsethik heranziehst, um moralische Rechte für Tiere zu begründen. Diese Form der Ethik wurde in der Vergangenheit vielfach kritisiert, unter anderem besonders vehement von Friedrich Nietzsche, und besitzt in meinen Augen ein zentrales Problem: Es ist ein rein emotionaler Ansatz und aus diesem Grund nicht generalisierbar. Nicht jeder Mensch empfindet Mitleid in dem gleichen Maße und mit den gleichen Lebewesen. Es gibt durchaus ethische Gründe, um sich vegan zu ernähren, aber diese sind individuell und nicht generalisierbar.

Generell sollten Tier- und Umweltschutz in unserer Gesellschaft und in der Politik einen höheren Stellenwert einnehmen als dies momentan der Fall ist. Ich denke aber unser Gespräch konnte auch zeigen, dass es sehr schwierig ist, moralische Rechte für Tiere zu begründen oder den Verzehr von Fleisch an sich in Frage zu stellen. Ohne diese Grundlage bleibt Veganismus ein – für den einen mehr, für den anderen weniger – erstrebenswertes Ideal, das jedoch keine moralische Vorgabe sein kann.

Jetzt seid ihr dran, liebe Leser! Wer konnte euch überzeugen und warum? Schreibt es in die Kommentare oder auf unsere Facebook-Seite!

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Gefangen in der Schublade – Warum ich keine Veganerin bin

Gefangen in der Schublade - Warum ich keine Veganerin bin

Kaffee mit Hafermilch: Macht ihn das vegan? (Foto: Obermann)

Die Hafermilch verleiht meinem Kaffee eine nussige Note. Das liebe ich. Ich trinke meinen Kaffee nur noch so. Es war aus einer Laune heraus, dass ich mir gedacht habe, die Alternativen auszuprobieren kann nicht verkehrt sein. Wirklich. Es stand nicht die Rettung der Welt im Mittelpunkt oder ein rebellierender Magen. Ich hatte einfach Lust, etwas anderes als Kuhmilch auszuprobieren. Bevor ich mein erstes Kind bekommen habe, habe ich mich jahrelang vegetarisch ernährt, aber Fisch gegessen. Heute wird das Pescetarier genannt. Den Begriff gab es damals noch nicht. Noch eine Schublade zum Reinschieben. Alles wird schön säuberlich voneinander getrennt. Kein Fisch, kein Fleisch, kein Käse.

Kommt Zeit, kommt Rat

Seit ein paar Monaten esse ich wieder kein Fleisch. Die christliche Fastenzeit stand bevor und ich hatte es satt, Fleisch wegzuschmeißen. Fleisch, dass meine Familie nicht gegessen hat. Oder dabei zuzuschauen, wie das Gemüse liegen gelassen wird, das Fleisch regelrechte gefr… Ja, ich hatte es einfach satt. „Das ist kein Fasten“, wurde mir gesagt, „das fällt dir ja nicht schwer.“ Nein, es fiel mir nicht schwer. Weil mir sehr schnell jede Lust auf Fleisch verging, als ich es nicht mehr einfach nur gegessen habe, weil es eben „normal“ war. Ich blieb dabei und hatte auf einmal eben auch keine Lust mehr auf Kuhmilch. Also schütte ich die nussige Hafermilch in den Kaffee.

Aha, Veganer

Gefangen in der Schublade - Warum ich keine Veganerin bin

Ess-Schublade? Oft essen wir Fleisch, nur weil es „normal“ ist (Foto: piepie / pixabay.de)

Nein, ich bin keine Veganerin. Ich bezeichne mich selbst auch nicht als Vegetarierin. Wenn ich gefragt werde, sage ich: „Ich ernähre mich gerade vegetarisch.“ In meiner Umgebung ist das schon ein Grund mich für annährend geisteskrank zu halten. Der Blick meines Vaters, als er gehört hat, dass ich kein Fleisch mehr essen wollte, war unbezahlbar. Ich esse kein Fleisch, weil ich gerade keine Lust darauf habe. Und ich gebe Hafermilch in meinen Kaffee, weil er mir so besser schmeckt. Aber ich lasse mich nicht mehr in Schubladen stecken. Essen sollte Ernährung sein und Genuss. Also Nährstoffe liefern, die ich brauche und mir schmecken. Ein Luxusproblem, wenn ich bedenke, wie wenig andere haben. Und Fleisch steht dort ganz sicher nicht auf der Speisekarte.

Kein Fleisch ist nicht wenig

Wir verknüpfen gerne Fleisch mit Konsum, Geld, Macht, Erfolg. Warum? Weil Fleisch teuer ist. „Die Armen“ können es sich nicht leisten. Darum verbinden wir auch eine Ernährung ohne tierische Produkte mit einer Mangelernährung (denn arm = Mangel = krank). Das ist genauso ein Blödsinn, wie als Veganer alle Fleischesser zu verdammen. Ich möchte hier eines ganz klar sagen: Die Menschen sind ein bunter Haufen Verrückter, die alle glauben, nur sie wären normal und alle anderen müssten sich dem angleichen. Das ist absoluter Mist. Wir sind alle anders und jemanden zu zwingen irgendwas zu essen oder nicht zu essen ist einfach falsch. Genauso falsch finde ich es auch, mir selbst ein mentales Korsett anzuziehen und mich in eine Ernährungsschublade zu quetschen.

In der Schublade ist es eng

Gefangen in der Schublade - Warum ich keine Veganerin bin

Vegan? Ich esse lieber nach Lust, statt nach Schublade (Foto: Obermann)

Schubladen sind vor allem für die Menschen um uns herum gut. Ah, das ist eine Veganerin, die isst den Kuchen mit Eiern nicht. Aha, der ist Lacto-Vegetarier, sie aber isst sogar Fisch. Und der da hinten stopft alles in sich rein. So was aber auch. Ich möchte mich nicht beim Einkaufen hinstellen uns überlegen, was ich essend „darf“. Viel lieber überlege ich, was ich essen „will“. Worauf ich Lust habe. Ich lasse die Schubladen in der Kommode und richte ich nach meinem Körper, meinem Empfinden, meinem Appetit. Wer mal länger kein Fleisch gegessen hat, wird mir vielleicht Recht geben, dass es eigentlich nicht sonderlich gut schmeckt. Das Gewürz macht den Geschmack. Und für das brauche ich kein totes Tier. Und wer selten Milch trinkt, schmeckt das cremige Fett einer Kuhmilch auch aus dem Kaffee heraus. Andere aber eben nicht. Wir sind alle verschieden. Die Schublade funktionieren da einfach nicht. Esst was ihr wollt und wenn euch eine Kategorie hilft, ist das ok. Aber nehmt auch die Essgewohnheiten der anderen nicht immer so kategorisch. Wir essen. Vielleicht können wir uns darauf einigen.

Let´s go vegan – packen wir´s an!

Bewusster essen, ein „reines“ Gewissen haben, einfach nur mit dem Trend gehen wollen oder aber die Tatsache, dass über die Hälfte der Treibhausgase aus der Massentierhaltung – nicht nur zur Fleisch- sondern auch zur Milchproduktion – resultieren – es gibt viele Argumente für eine vegane Ernährung.

Aber natürlich gibt es auch Zweifel und Unbehagen, wenn es um die rein pflanzliche Ernährung geht. Wer mit dem Gedanken spielt, in Zukunft vegan zu essen, findet hier praktische Tipps, wie die Ernährungsumstellung gelingt.

Stichwort: Reinschnuppern

Ihr habt davon in einer Zeitschrift gelesen, im Internet ein wenig recherchiert oder euch einfach nur mit einem Freund über das Thema unterhalten. Und schon ist der Gedanke da: Vegane Ernährung – ist das vielleicht auch was für mich? Was wäre da naheliegender als es einfach auszuprobieren? Legt doch mal einen veganen Tag oder eine vegane Woche ein. So bekommt ihr am besten raus, ob eine rein pflanzliche Ernährung etwas für euch ist.

Ja, ich will! Aber wie geht´s jetzt weiter?

Vegan kochen ist keine Zauberei: Marokkanischer Kichererbseneintopf (Foto: T. Gartner)

Vegan kochen ist keine Zauberei: Marokkanischer Kichererbseneintopf (Foto: T. Gartner)

Von heute auf morgen kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte mehr und das obwohl der Kühlschrank voll von würzigem Käse ist und die angebrochene Tafel der heißgeliebten Vollmilch-Schokolade vom Couchtisch aus mit euch liebäugelt?In diversen Publikationen zum Thema Ernährungsumstellung wird dazu geraten Kühlschrank und Regale konsequent auszumisten. Alles, was nicht zur neuen Ernährungsweise passt, landet im Mülleimer. Aber entspricht das wirklich dem, was ihr mit der veganen Ernährung erreichen wollt? Sich umweltbewusst zu ernähren kann ein Argument für den Veganismus sein. Essbare Lebensmittel wegzuwerfen passt da leider so gar nicht rein oder was meint ihr?

Verschenken statt Tonne

Wenn ihr bestimmte Produkte auf keinen Fall mehr essen wollt, schenkt sie doch einfach weiter, zum Beispiel an Freunde. Über die Plattform foodsharing.de könnt ihr eure Lebensmittel außerdem Menschen aus der Umgebung anbieten – so schaffte es die Foodsharing-Initiative bereits über 8 Millionen Kilogramm essbare Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

Obst und Gemüse

Vegane Leckerei: Jackfrucht im Pulled Pork-Style (Foto: T. Gartner)

Vegane Leckerei: Jackfrucht im Pulled Pork-Style (Foto: T. Gartner)

Vegan essen bedeutet, sich rein pflanzlich zu ernähren – ein Großteil des Einkaufs besteht also aus Obst und Gemüse. Qualitativ hochwertig und saisonal bekommt man das am besten in Hofläden oder auf dem Markt. Googelt einfach mal eure Heimatstadt mit dem Zusatz „Hofladen“ und ihr werdet mit hoher Wahrscheinlichkeit fündig. Der Vorteil hier: Ihr könnt euch die Mengen selbst zusammenstellen. Im Supermarkt sind die Portionen – gerade für kleine Haushalte – oft zu groß: Zitronen gibt´s im Netz, Paprika in Dreier-Packs usw. Im Hofladen nehmt ihr von jeder Sorte einfach so viel ihr braucht – das wird dann gewogen und abgerechnet. Noch umweltschonender wird´s mit Jutebeutel statt Plastiktüte. Wer keine Möglichkeit hat auf den Markt oder zum Hofladen zu gehen, hat oft Obst- und Gemüsereste, die schnell verderben und dann leider weggeworfen werden müssen. Wie wär´s stattdessen mal mit einem Rohkost-Snack auf der Arbeit? Obst wie Apfel, Birne, Trauben und Beeren eignet sich ebenso gut wie Gemüse. Kohlrabi, Karotte, aber auch der „Stamm“ vom Brokkoli sind der perfekte Snack, wenn es mal herzhaft sein darf. Jede Obstsorte und auch einige Gemüsesorten, zum Beispiel Karotte und Spinat, machen sich außerdem gut in Smoothies. Und dann gibt´s da ja noch die Buddha Bowl. Sieht nicht nur schön aus, sondern schmeckt auch noch und ist gesund. Gemüsereste einfach schnippeln, anbraten oder roh verwenden und eine kohlenhydratreiche Zutat, zum Beispiel Couscous, dazu nehmen. Den braucht ihr nur mit heißem Wasser übergießen, zwei Minuten ziehen lassen – fertig.

Nicht 100% vegan?

Übrigens spricht auch nichts dagegen, einige tierische Produkte erst einmal noch aufzubrauchen oder gar Ausnahmen für das Lieblingsgericht zu machen. Ihr entscheidet schließlich selbst, zu wie viel Prozent ihr euch vegan ernährt. Essen soll Spaß machen und nicht zur reinen Pflichtübung werden. Ihr fühlt euch wohl, wenn ihr statt zur veganen Alternative auch mal zur Vollmilchschokolade greift – was soll´s! Es ist euer Leben und ihr selbst zieht die Grenze.

In den Einkaufswagen: Deine vegane Woche

Ihr wollt einmal austesten, wie es ist sich vegan zu ernähren oder braucht ein bisschen Starthilfe bei der Ernährungsumstellung? Einen Essensplan plus Einkaufsliste könnt ihr für zehn Euro über diese E-Mail-Adresse bestellen: tatjana.gartner@face2face-magazin.de

  • 7 Hauptgerichte für zwei Personen
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Schreibt in den Betreff einfach „Vegane Woche“ und in die E-Mail euren vollständigen Namen plus Anschrift. Eure Daten werden nicht für Werbezwecke genutzt und nach Abwicklung der Bestellung wieder gelöscht. Viel Spaß bei eurer veganen Woche!

Vorschau: In zwei Wochen, am Sonntag, 23. April, geht es hier vegetarisch weiter – mit einem schnellen Rezept für Spinatnudeln.