Lass den Herbst hinein

Wenn die Kastanien von den Bäumen fallen, ist der Herbst da! (Foto: Jörg Brinckheger  / pixelio.de )

Wenn die Kastanien von den Bäumen fallen, ist der Herbst da! (Foto: Jörg Brinckheger / pixelio.de )

Es ist wieder soweit – das Licht scheint besonders schön, die Bäume sind voller bunter Blätter, es riecht nass, feucht, erdig draußen und der mürrische Mann in der Eisenbahnlock in der Innenstadt bietet geröstete Esskastanien an. Am Straßenrand werden saftig rote Äpfel und Kürbisse in allen erdenklichen Formen und Größen angeboten. Endlich. Der Herbst steht vor der Tür! Ich liebe diese Jahreszeit und ich liebe es mich auf Jahreszeiten einzustimmen. Das Besondere ist ja gerade, dass man bestimmte Dinge eben nur jetzt tun kann. Oder sie eben dann besonders viel Freue bereiten. Raus zum Kastanien- oder Walnüsse Sammeln gehen beispielsweise, oder Herbstspaziergänge bei goldenem Licht. Ich habe mich bereits in Herbststimmung gebracht und meine erste Kürbissuppe zubereitet. Ein Herbst ohne Kürbissuppe. Für mich ganz undenkbar. Damit habe ich offiziell auch in meinem kleinen Heim den Herbst eingeläutet. Auch wenn ich manchmal denke, dass ich eigentlich viel lieber das ganze Jahr über Sommer haben würde, weiß ich doch im gleichen Moment, dass das eine Lüge ist. Die Abfolge der Jahreszeiten würde mir früher oder später ziemlich fehlen.

Der Herbst gibt ein langsameres Tempo an. Der Alltag wird entschleunigt. Man muss sich  nur die Natur anschauen. Die Zeit des Blühens ist vorbei. Bäume, Pflanzen und Tiere bereiten sich still und leise auf den Winter vor. Leider ist der wirkliche goldene Herbst meiner Meinung nach immer viel zu kurz. Die grauen, verregneten Tage gehören ebenso dazu. Doch selbst diese haben (zumindest anfänglich) ihren Charme. Sich in eine kuschelige Decke einwickeln und mit einem Tee sowie Buch einfach mal auf dem Sofa mümmeln. Das habe ich mir am Wochenende gegönnt. Und war überrascht, wie lange ich das nicht mehr gemacht hatte. Plötzlich muss ich kein schlechtes Gewissen mehr haben, niemandem Rechenschaft ablegen, wenn ich mich einfach mal etwas in meine vier Wände zurückziehe. Dank sei den Jahreszeiten. Die Zeit des Herbstes ist für mich eine Zeit der Rückgesinnung und des Reflektierens. Es wäre ja wohl auch der totale Wahnsinn, wenn wir 365 Tage am Stück immer unter Strom stehen, unsere Ziele verwirklichen, von einem Termin zum anderen hetzen. Der Herbst lädt dazu ein, mal einen Gang runter zu schalten. Plötzlich krame ich wieder Musik raus, die einfach nach Herbst klingt. Feist zum Beispiel. Es gibt immer einen Soundtrack zur jeweiligen Jahreszeit.

Und dann ist da noch das Pilzesammeln. Kaum zu glauben, aber ich bin noch nie in die Pilze gegangen. Diesen Herbst will ich mir das nicht entgehen lassen! Zweifelsohne. Der Herbst ist die letzte Chance nochmal viel Zeit draußen zu verbringen, bevor die kalten, grauen Wintermonate beginnen. Die Farben des Herbstes dagegen faszinieren mich. Eine so breite Farbpalette angefangen von einem tiefen Weinrot, wie die Weintrauben, die bereit zur Ernte sind. Erdige Brauntöne, moosiges Grün, wie bei einem Waldspaziergang oder ein sattes Gelb, wie die Getreidefelder, die hell strahlen. All diese Farben findet man in der Natur wieder und es überkommt mich regelrecht mir ein solches Herbstgewand, wie es die Natur trägt, überzustülpen. So lasse ich mich von diesen Farben inspirieren. Trage einen leuchtend Nagellack in einem Beerenton, werfe mir wollige Strickjacken um und meinen hellbraunen Hut vom Flohmarkt, den ich schon gefühlte Ewigkeiten besitze, will ich gar nicht mehr absetzen. Ich habe den Herbst hineingelassen. Nun hoffe ich, dass er mir auch noch eine Weile Gesellschaft leistet. Bevor der Winter beginnt, auf den ich mich zugebenermaßen nicht so sehr freue, aber auch diese Jahreszeit wird wohl etwas Gutes an sich haben. Nicht wahr?

Vorschau: Nächste Woche verrät Anne was passiert, wenn man Aufgaben einfach mal      liegen lässt.

Dankt der Ernte

Am ersten Sonntag im Oktober ist das Erntedankfest. Dieses Jahr wird das  der 06.10. sein. Ein Fest, das immer mehr in Vergessenheit gerät, immer mehr verdrängt wird und nur teilweise mit dem amerikanisch-populären Thanksgiving überein kommt. Immerhin ist der bei uns christliche Feiertag zum Dank für die eingebrachte Ernte dort ein Erinnerungsfest an die Pilgerväter. Doch was feiern wir an Erntedank?

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Erntereif: die Früchte im eigenen Garten (Foto: C. Gartner)

Klar, denkt ihr, wir danken für die Ernte. Und schon da müssen die meisten schmunzeln. Ernte? Wer von uns erntet denn noch? Gut, meine drei Tomatenstöcke werfen mit Früchten nur so um sich, aber davon kann ich doch keine Familie ernähren, wie es die Erne früher musste. Die Ernte, das war das Großereignis. Ihr haben wir zu verdanken, dass die Sommerferien so lang sind, mussten die Kinder doch beim Abernten mitanpacken. Es ging da nie um Sommer, Sonne, Stau, vielmehr um das nackte Überleben, denn ohne die Feldfrüchte hatten die Familien nicht nur nichts zu essen, sondern auch kein Geld, um sich welches zu kaufen.

Was für uns selbstverständlich ist, war noch für unsere Großeltern undenkbar. Einfach alles im Laden kaufen? Woher das Geld nehmen? Und wieso auch, wenn man doch beinahe alles im Garten oder auf dem Feld anbauen kann. Doch unsere Gärten werden zu Steinlandschaften ohne Grün, die Felder liegen brach. Was früher Überleben sicherte, reicht heute nur noch wenigen. Bauern sind heute Großbauern, die für den breiten Markt anbauen, nicht für den Stand auf dem Dorfplatz. Und auch sie müssen immer mehr haushalten. Denn keiner will für eine Zwiebel einen Euro zahlen, selbst wenn sie durch ganz Deutschland gefahren werden musste. Was dem sogenannten Agrarökonom bleibt, ist mehr als hart verdient. Ich jedenfalls bin froh, dass es Menschen gibt, die täglich ihre Felder bestellen, die Erntehelfer aus dem Ausland engagieren, weil sich manche deutschen Arbeitslosen zu gut dafür sind, die ihre kostbaren Erzeugnisse viel zu billig an den Großhändler abgeben, weil ihnen keine andere Wahl bleibt. Die all dies ertragen, ertragen müssen, und dennoch Felder bestellen, ernten können. Ihnen können wir an Erntedank danken.

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Mehr als nur Dank wert: Frisches Gemüse (Foto: T. Gartner)

Dabei gebe ich zu, ich kaufe mein Gemüse und Obst lieber beim Kleinhändler um die Ecke, der regionale Früchte verkauft, die nicht um die halbe Welt geschifft wurden. Wenn ich es mir leisten kann, hole ich dort Salat und Kartoffeln, den Apfel für die Kindergartentasche meines Sohnes. Ja, es kostet mehr und vielleicht kaufe ich dort auch mal weniger. Doch ich achte auch mehr darauf, dass es auch gegessen wird, gehe sorgsamer damit um, als mit dem 50- Cent-Apfel vom Discounter. Dankbar für die Ernte sein heißt eben nicht nur an einem Sonntag im Jahr mal an die Landwirtschaft denken, sondern das ganze Jahr über. Lange Transportwege schaden der Umwelt, die Umwelt ernährt uns eben mithilfe  der Ernte. Jedes Brot, das wir essen, jeder Schluck Saft, jedes Salatblatt auf einem Burger, alles hängt doch davon ab, dass die Felder anständig bestellt werden. Wir legen Wert auf schadstoffarme Landwirtschaft, kaufen Bio, protestieren gegen Massentierhaltung.

Und doch scheint das alles zu wenig für die Ernte, für unsere Nahrung, für den Dank an die Natur, die wir tagtäglich zerstören. Will man in unserer Stadt ein neues Haus bauen, schreibt die Stadt vor, dass ein einheimischer Baum im Garten gepflanzt wird. Mein Mann meint dazu, er pflanzt auf jeden Fall mehr. Ich meine, wir sollten alle mehr pflanzen. Bäume, Sträucher, Früchte. Von einer Rasenfläche wird keiner satt. Und wer kein komplettes Feld umpflügen muss, sondern nur ein paar Salatköpfe oder Tomaten abmachen will, muss sich auch nicht stundenlang in den Garten stellen und um seine Freizeit bangen (die aber an der frischen Luft gar nicht mal schlecht verbracht wäre). Er könnte auch am ersten Sonntag im Oktober wirklich dankbar sein, dafür, dass die Früchte rot und saftig waren, der Salat frei von Schnecken, die Äpfel am einheimischen Baum ohne Würmer. Er könnte Erntedank feiern und wissen, warum. Was wäre mehr bio? Was wäre ökologischer? Und er würde wissen, dass gute Landwirtschaft eben seinen Preis hat und darum auch auf dem Dorfplatz oder im Gemüseladen um die Ecke einkaufen.

Mehr zum Thema Umwelt lest ihr in unserer Tier&Umwelt-Rubrik.

Vorschau: Nächste Woche erklärt Alexandra euch an dieser Stelle die Abwechslung des Alleinseins.

Pestizide – Fluch oder Segen?

Der Frühling steht vor der Tür. Die warmen Temperaturen und das frische Grün kündigen den Sommer an. Doch das sommerliche Hochgefühl bekommt beim Spazierengehen vielleicht einen kleinen Dämpfer: frisch gedüngte Felder stören die Idylle. Doch nicht nur mit Gülle versuchen die Landwirte ihre Erträg zu steigern. Vogelscheuchen, Vogelschrecken und Co. reichen nicht aus, um vor Ernteausfällen zu schützen. Auch Pflanzenschutzmittel, so genannte Pestizide, kommen jetzt wieder zum Einsatz.

Pestizide – Fluch oder Segen?

Natürliches Pestizid: Der Marienkäfer frisst die schädlichen Blattläuse (© Petra Pollmann/ pixelio)

Schon im alten Ägypten mussten die Menschen um ihre Ernte und somit ihre Existenz fürchten. Die Heuschreckenplagen fanden sogar ihren Platz in der Bibel. Ein weiteres historisches Beispiel ist die Kartoffelfäule im 19. Jahrhundert, die Irland heimsuchte und damals viele Iren auf der Flucht vor dem Hungertod nach Amerika trieb.

Erste zusätzliche Hilfsmittel auf chemischer Ebene waren Stoffe in metallhaltigen Verbindungen wie Kupfer, Blei und Quecksilber – alles Metalle, die heute als gesundheitsschädlich oder -bedenklich gelten. In kleinen Konzentrationen ist Kupfer für Mikroorganismen schon hochtoxisch. Für Wirbeltiere sind diese Kupfermengen noch unbedenklich, im Gegensatz zu Blei. Reines Blei ist für den Menschen nicht schädlich, kommt es jedoch in Bleiverbindungen vor und reichert sich im Körper an, kann es zu einer Bleivergiftung mit schweren Folgen kommen.

Doch das kann in Deutschland nur in Ausnahmefällen passieren. Die „Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel“ regelt hier genauestens welche Stoffe in welchen Mengen zum Pflanzenschutz eingesetzt werden dürfen.

Was genau sind Pflanzenschutzmittel? Es handelt sich dabei um meist chemische Stoffe, die für das Wachstum einer Pflanze schädliche und lästige Lebewesen töten oder sie an ihrer Vermehrung und Keimung hindern sollen. Der Oberbegriff Pestizide kann noch in Bakterizide (gegen Bakterien), Fungizide (gegen Pilze), Viruzide (gegen Viren) und Herbizide (gegen Unkräuter) unterteil werden. Pflanzenschutzmittel enthalten keine Düngemittel, die das eigentliche Wachstum der Nutzpflanze fördern. Sie sollen nur die Bedingungen, unter denen das landwirtschaftliche Produkt wächst, optimieren und vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen.

Trotz Testauflagen, welche mit dem Grad der Unbedenklichkeit zugelassen werden, kann es vorkommen, dass Jahre später ihre starke Toxizität auf die weiter Umwelt bekannt wird. Das bekannteste Beispiel ist das Dichlordiphenyltrichlorethan, besser bekannt als DDT.

Pestizide – Fluch oder Segen?

Gesundes Wachstum: Ein Maisfeld ohne Befall und Schädlinge (© Peter Smola/ pixelio)

Ab 1942 war es das am häufigsten verwendete Insektizid weltweit, da die Herstellungskosten und die Giftigkeit für Säugetiere gering waren. Wegen der hohen Toxizität gegen die Malariamücke, auch Anophelesmücke genannt, wurde DDT ab Mitte der 1950er auch im Kampf gegen Malaria benutzt. Die „World Health Organisation“, kurz WHO, setzte DDT flächendeckend in Malariagebieten ein. Massenweise wurde es an Hauswände gesprüht – anfangs mit großem Erfolg.

Ende der 60er war die Malariamücke in Europa so gut wie ausgerottet, doch in tropischen Ländern stiegen die Malariaerkrankungen wieder – das Insekt hatte eine Resistenz gegen das DDT entwickelt.

Auch stellte sich heraus, dass sich DDT nicht zersetzt und in der Umwelt anreichert. In großen Mengen ist es in die Nahrungskette eingegangen und hat sich auf dem ganzen Globus verteilt. Die am häufigsten zu beobachtende Folge ist, dass die Schalen von Vogeleiern so dünn sind, dass sie vor dem Schlüpfen schon zerbersten. Weitere Folgen sind bisher unabsehbar, da das DDT innerhalb von zehn Jahren nur etwa 50 Prozent seiner Wirkung verliert.

So kann man nur hoffen, dass die boomende Chemieindustrie zusätzlich noch weitere Testverfahren entwickelt, um solche Auswirkungen in Zukunft früher abschätzen zu können.

Vorschau: Nächsten Donnerstag veröffentlicht Caro einen Artikel zur Tierostheopathie in Ludwigshafen.