Straßenmusiker: Musikalische Bettler oder kreative Talente?

Straßenmusiker: Musikalische Bettler oder kreative Talente? (Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

Straßenmusiker: Musikalische Bettler oder kreative Talente? (Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de)

In einer Zeit, in der Straßenmusiker zu Stars avancieren, frage ich mich, ob ich vielleicht die Einzige bin, die beim Stichwort „Straßenmusik“ an ältere Männer mit Zopf, Hund und Gitarre denkt, oder die beim ersten Klang in der Fußgängerzone sofort eine Panflöte und Trommel spielende Gruppe vor Augen hat. Nicht falsch verstehen: Mit der Qualität der Musik oder dem Talent der Musizierenden hat das rein gar nichts zu tun. Es ist schlicht das Bild, das mir in den Kopf schießt, wenn ich das Stichwort „Straßenmusiker“ höre. Aber damit bin ich scheinbar längst nicht mehr „up to date“. Wie hat sich die Wahrnehmung von Straßenmusikern in unserer Gesellschaft gewandelt? Über Facebook, Twitter und Instagram wollten wir von euch wissen: Was sind Straßenmusiker in euren Augen?

Vom Straßenmusiker zum Star

Rund 83% von euch sehen Straßenmusiker als „kreative Talente“, für knapp 17% sind sie eher „musikalische Bettler“. Wobei sich die zwei Umschreibungen ja nicht zwingend ausschließen. Wieso auch sollte jemand musikalisch Begabtes bei seinen Zuhörern nicht um einen kleinen Obolus bitten dürfen? Oder anders herum gefragt: Warum sollten wir anstatt Geld für Musikdownloads auszugeben, nicht auch einmal dem Straßenmusiker ein paar Euro zustecken, wenn uns die Musik gefällt? Und wer weiß – vielleicht wird aus ihm ja mal ein großer Star? Wikipedia führt eine ganze Liste von erfolgreichen Musikern, die mal auf der Straße angefangen haben. Neuzugang, wenn auch nicht mehr taufrisch (natürlich in Bezug auf den Newswert dieser Info) ist Michael Hirte. Nach einem Unfall wurde der ehemalige LKW-Fahrer arbeitslos. Durch sein Mundharmonikaspiel auf der Straße konnte er sich über Wasser halten. 2008 gewann er die zweite Staffel der Castingshow „Das Supertalent“.

Talentscout dank Social Media

Was? Castingshows sind genauso oldschool wie mein Bild von Straßenmusikern? Heute, zehn Jahre nach Michael Hirte ist es das World Wide Web, genauer: die Sozialen Medien, die aus Straßenmusikern Stars machen.

Sieht so der Straßenmusiker von heute aus? (Foto: S. Holitzner)

Sieht so der Straßenmusiker von heute aus? (Foto: S. Holitzner)

Das kann selbst ich nicht verpassen. Erst vor zwei Tagen hat mir mein Facebook-Feed ein Video angezeigt, in dem eine bunte Truppe Musiker aus einem Lied eine ganze Show macht. Überall scheinen sie aus dem Boden zu sprießen, ihre zarten Äste in die Sozialen Netzwerke zu bohren und in unseren Köpfen Wurzeln zu schlagen: Meist junge – Spießer würden sagen „hippe“ Leute – mit (teilweise) umwerfendem Talent. Wo sie auftauchen, drängen sich binnen Minuten die Massen, tanzen oder singen mit und – ganz wichtig – zücken ihre Smartphones, um das Erlebte aufzuzeichnen. So sind wir eben. Mir selbst fällt es oft schwer einen Moment einfach „nur“ zu genießen ohne ihn aufzuzeichnen – für meine Freunde, meine Familie, meine Instagram-Follower. Bescheuert, oder?

Straßenmusik im Trend

Und wahrscheinlich kommt genau daher das Gefühl – das Gefühl, dass Straßenmusik plötzlich zum Trend wird. Aus älteren Männer mit Zopf, Hund und Gitarre werden wahre Showacts, die ihre Stimme und/ oder Instrumente in Vollendung beherrschen, ihre Zuhörer unterhalten und mitreißen. Aus musikalischen Bettlern werden kreative Talente – dass diese Wahrnehmung längst in unserer Gesellschaft angekommen ist, zeigt ja auch unsere Umfrage. Tausende Follower, vielleicht ein Plattenvertrag und irgendwann die große Bühne – der Traum vom Straßenmusiker zum Star zu werden, war gefühlt noch nie so greifbar nah.

Zurück zur Realität

So neu ist das Phänomen aber gar nicht – wer erinnert sich nicht wenigstens düster an die Kelly Family? Von bettelarm zu stinkreich in den 1970er Jahren – so schnell kann´s gehen. Und da ist es auch wieder: Mein Bild vom verzottelten, leicht abgeranzten Straßenmusiker. Übrigens: Einer der Kellys kehrte nach den großen Erfolgen auf die Straße zurück. Um seine Familie zu ernähren, war Jimmy Kelly gezwungen, das Gitarrespielen, das er vorher laut eigener Aussage nur „leidlich“ beherrschte, zu üben und natürlich sich durchzuschlagen – auf dem harten (Straßen-)Pflaster. Man kann also nicht nur die Stars von morgen, sondern auch die von gestern auf der Straße treffen…

Wie entstand der Mensch – die Evolution des Menschen

Kürzlich wurden in Südafrika mehrere Fossilien einer neuen Menschenspezies gefunden. Circa 15 Individuen wurden in einer schwer zugänglichen Höhle gefunden, was auf eine Art Grabstätte deuten lässt. Die Fossilien zeigen Eigenschaften von heutigen Menschen, wie der vollständig aufrechte Gang, aber auch primitivere Charakteristika, wie besser rotierbare Schultern und kräftige gebeugte Hände und Finger, was auf Klettern schließen lässt. Die Spezies wurde Homo naledi genannt. Diese zwei bis drei Millionen Jahre alte Fossilien sind nur ein Zwischenstück zum heutigen Menschen, was die Frage aufwirft, wie der Mensch entstand:

Die Linie des Menschen trennt sich nach genetischen Schätzungen von der der restlichen Affen vor fünf bis acht Millionen Jahren, aber neuste Studien vermuten den letzten gemeinsamen Vorfahren sogar vor 13 Millionen Jahren. Das älteste Fossil (sechs bis sieben Mio. Jahre), welches erste Merkmale in Richtung Mensch zeigt, ist Sahelanthropus tschadensis. Dieses nur teilweise vorhandene Skelett wurde in Tschad gefunden, kann jedoch aufgrund der fehlenden Teile nur wenig Hinweise geben. Es folgen weitere Funde von Hominiden, der Gattung des Menschen und seiner Vorfahren, welche als Kenyanthropus und Ardipithecus bekannt sind.

„Lucy“ ist einer der bekanntesten Funde, wurde 1974 entdeckt und gehört der Spezies Australopithecus afarensis (australo: südlich, pithecos: Affe) an, welche bereits einen aufrechten Gang hatte und vor drei Millionen Jahre lebte. Der aufrechte Gang war noch nicht derselbe, wie heutige Menschen ihn haben und der Grund, wieso er sich entwickelte, ist bis heute umstritten. Weitere berühmte Funde der Australopithecina sind das Taung Kind und Mrs. Ples, welches beide Schädelfunde von Australopithcus africanus sind, und Little Foot. Die Zuordnung, welcher Fund zu welcher Spezies gehört oder ob er eine neue Art darstellt ist oft schwierig, da jedes Individuum Unterschiede aufweisen kann. Ein großer Unterschied ist beispielsweise zwischen Männchen und Weibchen zu sehen ist (Geschlechtsdimorphismus), wie man es zum Beispiel vom Gorilla kennt, und auch die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, wie im Beispiel des Taung Kindes, kann das Auffinden von Merkmalen erschweren.

Mit dem endgültigen Klimawandel zur Trockenheit in Ostafrika entwickelten sich die ersten Arten der Gattung Homo vor zwei bis drei Millionen Jahren. Homo habilis, der geschickte Mensch, wurde so beim Fund in den 60-er Jahren genannt, weil man dachte, er wäre der erste Mensch gewesen, der Werkzeug herstellte und benutzte, was sich jedoch als falsch herausstellte. H. habilis und Homo rudolfensis lebten in Afrika neben weitere Hominidenarten, wie die robusten Australopithecus boisei.

Nachstellung von Neandertalern (Foto: Andreas Sulz  / pixelio.de)

Nachstellung von Neandertalern (Foto: Andreas Sulz / pixelio.de)

Homo erectus lebte vor 1 bis 1,5 Millionen Jahren und war die erste hominide Spezies, die Afrika verließ. In Ostasien entwickelte sich aus dieser Art Homo florensis, auch Hobbit genannt, in Europa entwickelte sich Homo heidelbergensis beziehungsweise später der Neandertaler Homo neanderthalensis. In Afrika entwickelte sich vor 200 000 Jahren der moderne Mensch Homo sapiens, der ebenfalls aus Afrika herausströmte und in den Weiten der Welt auf die anderen Menschenspezies traf. Diese erneute Migration aus Afrika nennt man die Out-of-Africa Theorie.

Im Altaigebirge in Mittelasien fand man ebenfalls eine weitere menschliche Spezies, die Denisova-Menschen. Nach der Sequenzierung des Genoms der Neandertaler und der Denisova im Jahre 2010 konnte man feststellen, dass es zwischen diesen Menschenarten Austausche gab. Moderne Menschen und andere Arten lebten also nicht nur nebeneinander, sondern paarten sich auch miteinander.

Der Neandertaler verschwand vor ungefähr 40 000 Jahren und der Homo sapiens ist der letzte Überlebende der Gattung. Er hat sich in alle Bereiche der Welt ausgebreitet und wie keine andere Hominiden-Spezies zuvor sogar Australien und Amerika erreicht.

Dieser Artikel kann die aufregende Geschichte der Evolution des Menschen nur oberflächlich abdecken. Diese knappe Zusammenfassung ist nur der Anfang für jeden, der sich eingehender mit der Evolution des Menschen beschäftigen möchte.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um unterschiedliche kognitive Wahrnehmung.

Wie die Schildkröte ihren Panzer bekam

Der Panzer der Schildkröte stellt eindeutig das auffallendste Merkmal dieser Tiere dar. Deshalb waren Biologen schon lange daran interessiert herauszufinden, wie er sich entwickelt hat. Welcher evolutionäre Druck führte zu diesem Phänomen? Studien der Morphologie und der Embryologie konnten nur zum Teil erklären, wie der einzigarte Körperbau zustande kommt. Erst in den letzten Jahren konnten Fossilienfunde weitere Puzzleteile zum Rätsel beisteuern. Der neuste Fund wurde nun in der Fachzeitschrift Nature beschrieben.

Frontansicht auf den Panzer: eine Karettschildkröte (Foto: Margit Völtz  / pixelio.de)

Frontansicht auf den Panzer: eine Karettschildkröte (Foto: Margit Völtz / pixelio.de)

Der Panzer macht 30% des Körpergewichtes einer Schildkröte aus. Er besteht aus massiven Knochenplatten, die einen Rippenkäfig bilden und sich aus dem Rückenpanzer (Carapax) und dem Bauchpanzer (Plastron) zusammensetzen. Er geht entwicklungsgeschichtlich aus den Wirbelbögen und Rippen hervor und der Schulterknochen hat sich dabei, im Gegensatz zu allen anderen Wirbeltieren, unter die Rippen geschoben. Die Atmung ist ebenfalls speziell angepasst und muss durch Muskelkraft der Extremitäten unterstützt werden.

Eunotosaurus war ein Reptil, welches vor 260 Millionen Jahren lebte und weite flache Rippen besaß. Dieses Tier besaß schon erste Anpassungen, zum Beispiel verlängerte Wirbel, ist aber noch weit von einer Schildkröte entfernt. Odontochelys ist das nächste Fossil in der Reihe. Es wurde 2008 gefunden und ist 220 Millionen Jahre alt. Das Reptil hatte einen bereits voll entwickelten Bauchpanzer. Doch durch diese 40 Millionen Jahre große Lücke konnte man nicht erklären, wie es zur Entwicklung eines kompletten Panzers kam.

Pappochelys, der neuste Fund, füllt die Lücke auf. Es bildet das morphologische Zwischenglied. Übersetzt „Großvater Schildkröte“, war das 240 Millionen Jahre alte Tier 20 Zentimeter groß und hatte noch Zähne, während heutige Schildkröten diese nicht mehr haben. Eine kurze spitze Schnauze und ein langer peitschenartiger Schwanz gehörten ebenfalls in sein Arsenal.

Der Schildkröten-Stammvater besaß paarige Knochen am Bauch, die mit den großen Rippen einen kompletten Käfig bildeten, der den Körper schützte. Außerdem kontrollierte es mit dem Gewicht der Knochen auch den Auftrieb im Wasser. Die Knochen im Bauch sind Bauchrippen, welche man auch bei Krokodilen finden kann. Dies ist der endgültige Beweis dafür, dass sich der Bauchpanzer der Schildkröten aus eben solchen Bauchrippen entwickelt hat und nicht, wie eine alternative Theorie besagte, aus Hautknochenplatten. Ebenfalls zeigt das Fossil, dass sich der Panzer im aquatischen oder semi-aquatischen Lebensstil entwickelte, da das Reptil in Seen lebte. Spätere Vertreter der Schildkröten, welche einen voll entwickelten Panzer besaßen, lebten wohl eher am Land.

Zusammengefasst bildet das neue Fossil Pappochelys eine neue Stufe in der Entwicklung des Schildkrötenpanzers. Man darf gespannt sein, ob in Zukunft weitere Fossilien gefunden werden.

Elefanten: sanfte Riesen

Wie bekommt man einen Elefanten in den Kühlschrank? Tür auf, Elefant rein, Tür zu. Witze von dieser Art gibt es viele über den grauen Riesen, der einst das Meer verließ, wieder zurück wanderte, um schlussendlich an Land zu leben.

In Deutschland kann man sie auch im Zoo sehen: ein indischer Elefant in der Wilhelma (Foto: Vondracek).

In Deutschland kann man sie auch im Zoo sehen: ein indischer Elefant in der Wilhelma (Foto: Vondracek).

Das größte lebende Landtier ist heute noch mit drei Arten vertreten. Der asiatische Elefant, der einzige Nachkomme der Elephas, ist eine wichtige Figur in der indischen Mythologie. Zur Gattung der Loxodonta gehören der afrikanische Elefant und der Waldelefant. Erst 2010 wurde der Waldelefant durch einen DNA-Test als eigenständige Art anerkannt. Er ist mit einer Schulterhöhe von maximal 2,40 Metern kleiner als seine Verwandten und lebt im Dschungel und Waldgebieten Afrikas. Im Vergleich dazu: Der größte, je gemessene afrikanische Elefantenbull maß 4,21 Meter. Bei der DNA-Analyse fanden die Forscher ebenfalls heraus, dass die Waldelefanten zum afrikanischen Elefanten, trotz der geografischen Nähe, genauso weit entfernt verwandt sind, wie zum Mammut.

Elefanten leben in Herden und werden von einer alten und somit unfruchtbaren Leitkuh angeführt. Diese ist meist etwa zwischen 40 und 50 Jahren alt.

Dass Elefanten ein Ich-Bewusstsein wie Belugas und Affen haben, stellte eine Versuchsreihe des New Your Bronx-Zoo fest. Bei dem Spiegel-Selberkennungstest erkannten die Elefanten ihr Spiegelfeld als sich selbst wieder. Neben dieser Entdeckung konnte auch nachgewiesen werden, dass die Dickhäuter zählen und addieren können, was wahrscheinlich auf ein Herdenverhalten – nämlich das Durchzählen der Mitglieder – zurückzuführen ist. Die ihnen nachgesagte Intelligenz wird nicht nur dadurch bestätigt. Auch können sie die Stoßzähne und die Knochen ihrer Toten wiedererkennen und unterscheiden.

Wissenschaftler vom Duke Lemur Center in North Carolina konnten die Theorie, dass Seekühe und Elefanten gemeinsame Vorfahren haben, untermauern. Sie haben herausgefunden, dass dieses Ur-Rüsseltier fast sein ganzes Leben im Wasser verbrachte, nur einen Meter hoch waren und anstatt eines Rüssels eine Art Oberlippe hatte, mit der es Nahrung aufnehmen konnte.

Neben den wissenschaftlichen Fakten über Elefanten kann man auch von Disney etwas über die faszinierenden Tiere lernen. Dumbo zeigte es, als er sich mit einer Maus anfreundete: Dass Elefanten Angst vor Mäusen haben, da sie ihnen in den Rüssel krabbeln könnten, ist ein Trugschluss. Bernhard Grzimek, berühmter Tierfilmmacher, höchstpersönlich hatte eine Konfrontation der beiden Säugetiere organisiert und festgestellt, dass die Dickhäuter Kaninchen gegenüber skeptischer sind als Mäusen.

Vorschau: In einer Woche geht es an dieser Stelle um Krebstiere.

 

Jung und schwanger

Der Trend ist ungebrochen. Immer mehr Frauen bekommen in späteren Jahren Kinder, wenn überhaupt. Das Statistische Bundesamt zeigt auf, dass 2010 100 von 1000 Frauen mit 31 Jahren Mutter wurden, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 97. Der Schnitt hat sich dabei nur um eine Nachkommastelle verschoben. 30,5 Jahre ist eine Frau demnach bei der Geburt ihres Kindes, wobei Erstgebärende in der Regel 28,9 Jahre alt sind. Viele von uns sehen den Trend in den eigenen Familien. Meine Großmutter wurde mit 19 zum ersten Mal Mutter, meine Mutter dann mit 28. Hätte ich also bis 37 warten sollen?

Jung und schwanger

Zu früh? Nur wenige Frauen werden mit 20 Mutter (© Andreas-Zöllick / pixelio.de)

Habe ich nicht. Ich gehöre zu den 22 von 1000 Frauen, die mit 20 Mutter geworden sind. Damit bin ich eine gesellschaftliche Randerscheinung. Zu jung, um in den Augen vieler ernsthaft als Mutter wahrgenommen zu werden, zu alt, um als Teenie-Mama durchzugehen. Und auch jetzt, da mein Kind vier ist und ich mein zweites erwarte gehöre ich zu einer Minderheit in Sachen Geburtenstatistik. Dabei sind viele Reaktion allein deswegen weniger schlimm, da die Menschen in meiner Umgebung bereits wissen, dass ich schon ein Kind habe. Bei meinem ersten Kind war der Schock für viele groß. Für mich und meinen damaligen Freund, der heute mein Ehemann ist, allerdings nicht. Uns war klar, was passieren kann und so hatten wir nie einen „Was machen wir jetzt nur“- Moment. Wir haben uns von Anfang an gefreut.

Die Reaktionen in unserem Umfeld dagegen waren gespalten. Von Menschen, die dachten, das wäre eine totale Katastrophe, bis hin zu den Konservativen, die schon das Hochzeitsdatum festlegen wollten, gab es alles. Reaktionen, die eine „normale“ Schwangere nicht zu erwarten hat. Junge Schwangere müssen gegen einen Haufen Vorurteile ankämpfen und stehen immer in Gefahr, dass alles, was schief läuft, auf ihr Alter zurückgeführt wird. „Die ist doch selbst noch ein Kind“, heißt es da oder es gibt Aufregung, weil die Ausbildung ja noch gar nicht beendet ist. Die gesellschaftlichen Konventionen sind hier klar verteilt. Dabei bietet eine junge Mutterschaft durchaus ihre Vorteile. Jung heißt eben nicht immer gleich zu jung. Und laut der Biologie ist etwa mit 24 für eine Frau das beste Alter erreicht, um schwanger zu werden.

Mal davon abgesehen, dass allein die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden mit zunehmendem Alter immer mehr abnimmt und die Gefahr von Genfehlern dagegen steigt, gibt es weitere Vorteile, die gern unter den Teppich gekehrt werden. Sei es, dass die Großeltern des Nachwuchses selbst noch fit und agil sind und so die Möglichkeit einer guten Beziehung besteht, die für das Kind von Vorteil sind. Sei es, dass manches Verständnis von den jungen Eltern kommt, da sie ihrer eigenen Kindheit näher sind. Doch wie immer sind das situationsabhänge Vorteile. Auf der anderen Seite gibt es vieles zu bedenken. Ist die Partnerschaft beispielsweise nicht gefestigt, bricht sie dann genauso kompliziert auseinander, wie eine Ehe nach 20 Jahren. Auch die Ausbildungssituation ist natürlich ein Faktor. Als Studentin bin ich flexibel, kann wählen welche, und wie viele Kurse ich belege, und werde unterstützt, wenn beispielsweise mein Kind krank ist. Eine Ausbildung ist nicht so leicht zu unterbrechen, wie mit einem Urlaubssemester das Studium. Auch die Wiederaufnahme danach ist schwieriger. Als Studentin dagegen hat die Karriere selbst noch nicht begonnen, wird also für das Kind auch nicht unterbrochen.

Jung und schwanger

Dazu gehören zwei. Eine stabile Partnerschaft ist für ein Kind wichtig, egal ob die Mutter 20 oder 30 ist (© JMG / pixelio.de)

Dass die Meinungen hier gespalten sind, zeigt gerade, wie andere junge Menschen auf junge Schwangere, junge Mütter und junge Familien reagieren. Beliebte Aussage hier ist: „Also ist könnte mir das nicht vorstellen“. Die Angst, irgendwie in Freiheiten beschnitten zu werden ist natürlich nicht unberechtigt. Ich persönlich hatte dagegen noch nicht das Gefühl, etwas Wichtiges wegen meines Kindes verpasst zu haben. Stattdessen höre ich jeden Tag „Mama, ich hab dich ja so lieb“, worauf ich nicht verzichten wollte. Die persönliche Einstellung macht hier wie immer den Unterschied. Manche Frauen sind früh bereit, Mutter zu werden und schlüpfen dann mit Leichtigkeit in diese Rolle, andere haben auch mit 30 noch Probleme mit der Vorstellung. Das kann sich aber schnell ändern. Erst gestern haben sich mir gegenüber im Zug zwei junge Frauen um die 22 unterhalten. „Also, vor einem Jahr hab ich noch gesagt, ich könnte mir das nie vorstellen, jetzt ein Kind zu bekommen. Und jetzt denk ich, wenn ich den richtigen Mann hätte, wäre das schon schön“.

Das Problem der Diskriminierung junger Mütter liegt vor allem an der gesellschaftlichen Norm. Viele Frauen bekommen erst nach ihrem 30ten Lebensjahr ihr erstes Kind. Aber eben nicht alle. Und viele Frauen, die früh Mutter werden, sind keineswegs schlechte Mütter, sondern eben mindestens genauso fähig. Zu der persönlichen Entscheidung, wann es für ein Kind die beste Zeit ist, fällt aber die Reaktion der Umwelt als Punkt mit Sicherheit auf. In meinem Fall habe ich nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben und hatte es auch nie. Ich bin gern Mutter und ich bin gerne jung. Wer sagt, dass nicht beides geht?

Vorschau: Nächste Woche lüftet Sascha, wie sehr wir doch am Aberglaube hängen und schon kleine Rituale und Ängste unser Leben beeinflussen.

Apoptose – Zelltod zum Erwachsenwerden

Überall wuselt, raschelt und summt es. Es ist Frühling und die Tierwelt erwacht aus ihrer Winterstarre zu neuem Leben. Neben Küken im Nest und Rehkitzen im Wald sind auch wieder abertausende Kaulquappen im Teich unterwegs. Ein großer rundlicher Rumpf und eine lange Schwanzflosse – das muss ausreichen, bis sie sich in der Metamorphose zu Fröschen entwickeln. Genau wie bei Schmetterlingen, Käfern und anderen Tierarten funktioniert das nach dem Prinzip der Apoptose.

Apoptose – Zelltod zum Erwachsenwerden

Noch lebt sie im Wasser: Die Kaulquappe (©PeeF, pixelio.de)

Apoptose, der programmierte Zelltod, darf nicht mit der Nekrose verwechselt werden. Bei der Nekrose entzünden sich auf Grund äußerer Einflüsse, wie zum Beispiel Hitze und Kälte, Zellen oder ganze Gewebsteile und sterben ab. Nekrose ist ein krankhafter –  auch pathologisch genannter –  Vorgang.

Bei der Apoptose kommt das Signal zum Zelltod von Innen. Die eigenen Gene bestimmen, wann welche Gewebsteile und Zellen absterben dürfen und wann nicht. Das funktioniert nach einem ganz genauen Schema und ohne Nachbarzellen zu zerstören.

Nach diesem Prinzip bildet sich die Schwanzflosse der Kaulquappen zurück. Eine Zelle nach der anderen bekommt das Signal sich von Innen heraus selbst zu zerstören. Die Überreste werden von Makrophagen aufgefressen. Diese Fresszelle arbeitet beispielsweise auch für das Immunsystem und vernichtet dabei kranke Zellen.

Apoptose – Zelltod zum Erwachsenwerden

Um an Land leben zu können benötigt es die Apoptose: Der fertige Frosch (©Angelika Koch-Schmid, pixelio.de)

Allgemein ist in Organismen die Apoptose ein ständig ablaufender Vorgang. Bei einem Menschen sterben im Laufe eines Lebens 99,9 Prozent der Zellen und werden durch neue ersetzt. Zelltod und Zellaufbau stehen in einem regulierten Gleichgewicht, der Homöostase. Ist das Gleichgewicht gestört, kann es zu schwerwiegenden Krankheiten wie Leberzirrhose oder auch Krebs kommen. Ebenso spielt in der Entwicklung des Menschen im Mutterleib, der Embryogenese, die Apoptose eine Schlüsselrolle. Sie entwickelt die in einem frühen Stadium gewachsenen Schwimmhäute zwischen den einzelnen Fingern des menschlichen Embryos zurück

Die späteren Froschbeine, zum Hüpfen und Schwimmen, wachsen mit Hilfe der sogenannten Proliferation. Dabei vermehren sich die Zellen mit einer Art Knospung, teilen sich am Rand in Rekordgeschwindigkeit und bilden die einzelne Gliedmaße aus. Alles nur, damit dem Frosch auch ein Leben an Land ermöglicht werden kann.

Vorschau: Nächsten Donnerstag erscheint ein Portrait des Vereins „Mensch Umwelt Tier“ aus Berlin.