Face2Face verabschiedet sich

Fast neun Jahre und knapp 2.500 Beiträge – Face2Face ist gewachsen und es ist älter geworden. Und wir Autoren gleich mit. Älter sein heißt reifer und klüger sein. Und älter sein heißt leider auch etwas zu akzeptieren, das man nicht ändern kann. Es bedeutet aufzugeben, wenn der Traum ausgeträumt, die Leidenschaft erloschen ist. Ab dem 1. Juni wird es Face2Face nicht mehr geben. Der große „Schatz“ an zusammengetragenem Wissen, an gegenübergestellten Meinungen, an Erkenntnissen verschwindet aus dem World Wide Web.

Wieso?

Es gibt viele Gründe ein Projekt aufzugeben. Wenn es zum Beispiel nach jahrelangen Bemühungen immer nur kostet und nie Gewinne abwirft. Wenn es immer wieder zeitaufwendigen und teuren Ärger wegen Rechtsverletzungen gibt. Wenn trotz einer großangelegten Neukonzeptionierung die Leser ausbleiben. Wenn die Idee, unabhängig und objektiv zu berichten, nicht ankommt.

Augen auf

Als Gründerin von Face2Face enttäuscht und verletzt es mich unendlich, dass ein Medium ohne Schleichwerbung und Sponsoring, dessen Autoren die Fakten darlegen, mit Experten sprechen, die Bewertung aber dem Leser überlassen, nicht gegenüber anderen Medien bestehen kann. Das lässt mich ernsthaft an unserer Gesellschaft zweifeln. Nichtsdestotrotz lest ihr gerade die Zeilen. Und dafür möchte ich euch danken. Für jede einzelne Zeile, die ihr gelesen, jeden Artikel, den ihr geteilt oder über den ihr mit anderen gesprochen habt. Wir haben für euch geschrieben. Und ihr habt uns lange Zeit die Kraft gegeben entgegen aller Umstände weiterzumachen. Deshalb wollen wir auch genauso idealistisch enden, wie wir begonnen haben: Macht eure Augen auf, bildet euch eine eigene Meinung und geht euren Weg – wir sind froh und dankbar, dass wir ihn ein Stück weit mit euch gemeinsam gehen durften.  

Macht´s gut!

Eure Tatjana und das ganze Team von Face2Face

Anfang und Ende, Ende und Anfang

Unser Leben ist durchzogen von Anfängen und Enden. Mal ehrlich. Zuerst fangen wir an zu existieren, weil unsere Eltern zum Höhepunkt, zum Ende kamen. Ziemliche eindeutig, oder? So geht es immer weiter. Unsere Zeit im Mutterbauch endet, unser Leben fängt an. Das ist eine richtig krasse Umstellung. Kein Baby kommt aus Mamas Bauch, sieht sich um und sagt: Sieht genauso aus, wie da drinnen. Babys schreien. Weiß ich aus eigener Erfahrung. Kaum spürte Noah den ersten Luftzug, schrie er. Ich muss allerdings zugeben, dass er am Anfang echt leise geschrien hat. Als wäre er ewig weit entfernt. Ich hatte immer Angst, ich könnte ihn nicht hören, wenn er in einem anderen Raum war.

Dieses ganze Anfang-Ende Hin und Her hört nie auf. Die Semesterferien fangen an, die Klausuren enden, das Semester beginnt, die Ferien enden. Gerade gibt es bei mir mal wieder einige dieser Umstellungen. Mein Verlobter fängt mit dem Ref an – seine freie Zeit endet. Mein Sohn beginnt mit dem Kindergarten – seine Lümmelzeit zu Hause hört auf. Und auch bei mir fängt die Uni wieder an – die Ferien enden. Mein letzter Roman ist fertig geschrieben – jetzt beginnt die Arbeit des Verlagsuchens.

Ganz normal also, oder? Oder nicht. Wieso tun wir uns so schwer mit Veränderungen. Mit diesen Enden und Neuanfängen. Jedes Mal reagieren wir ähnlich wie das Baby nach der Geburt. Wir schreien. Blöde Uni, stressiges Ref, böser Kindergarten, gemeine Verlage, kalte Welt, …

Mir reichts. Ich möchte echt mal etwas zu Ende bringen und etwas Neues anfangen, ohne gleich zu meckern, dass ich mich an neue Gewohnheiten gewöhnen muss. Veränderungen sind gut! So! Veränderungen bringen uns weiter. Auch eine im ersten Moment negative Veränderung kann toll werden und andersrum auch.

Wir machen ein kleines Gedankenexperiment. Stellt euch mal vor in eurem Lieblingslokal gibt es ein tolles Gericht. Beispielsweise Hühnerbrust mit Spinat-Ricotta-Füllung. (Gibt es tatsächlich im Vogelpark Schifferstadt und schmeckt himmlisch!) Ihr habt es einmal probiert und nächstes Mal wieder genommen, weil ihr ja wusstet, es schmeckt gut. Beim dritten Mal überlegt ihr, nehmt aber doch wieder das Huhn. Als ihr das vierte Mal kommt ist es fast schon Tradition und beim fünften Mal braucht ihr keine Karte mehr. Super. Ein wirklich leckeres Essen. Ihr seid zufrieden, der Koch ist zufrieden, alles ist bestens, herzlichen Glückwunsch.

Irgendwann aber kommt ihr in euer Lieblingsrestaurant und – oh Schreck – das Huhn ist aus. Ihr schmollt. Es gibt nur noch Bratwurst, Schnitzel, oder aber Tomatennudeln mit Lachs. Ihr starrt ewig auf die Karte, als könnte so das Huhn wie aus Zauberhand doch noch auftauchen. Euer Bauch grummelt, die Anderen warten. Nicht das Wurst und Schwein schlecht wären, aber ihr nehmt notgedrungen den Lachs und stellt fest: Gar nicht so schlecht. Etwas ganz anderes als Huhn mit Spinat und Ricotta. Absolut! Aber genauso lecker. Jetzt könnt ihr wählen und ihr wisst: Irgendwann kommt der Tag, an dem auch der Lachs aus ist. Was dann?

Nach dem Kindergarten kommt die Schule, außerdem auch die KiTa mal Ferien, die Lümmeltage kommen also wieder (Wer kennt die nicht?).

Nach dem Ref kommen auch Ferien und dann der Schuldienst.

Und nach dem Semester folgen Ferien, nach der Uni die Arbeit.

Eigentlich gibt es nicht wirklich andauernd Enden und Anfänge, es ist eher ein Zyklus, in den immer mal wieder eine Zwischenstation eingebaut wird.

Essen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schaffen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schaffen-Meckern-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schaffen-Meckern-Lieben-Schlafen-Pupsen.

Ich denke, das reicht als Anschauung. Legen wir es also auf. Wir regen uns andauernd über Veränderungen auf, dabei werden sie ganz schnell allzu normal und alltäglich für uns. Nichts geht dabei wirklich verloren, alles wird immer mal wiederholt. Alles – bis auf zwei Dinge.

Die Geburt und der Tod. Vielleicht gibt es ja doch noch mehr Sachen mit zwei Enden, nicht nur die Wurst. Und damit fange ich diese Kolumne mit diesem Beitrag an und Ende gleichzeitig diesen Text. Geschickt oder? Beides in einem.