Mit NHL-Verstärkungen Richtung Viertelfinale?

Am Samstag, 6. Mai, beginnt die Eishockey Weltmeisterschaft im russischen St. Petersburg. Die deutsche Auswahl befindet sich dementsprechend in der Endphase der Vorbereitung auf die Titelkämpfe und hat sich mit dem Erreichen des Viertelfinales hohe Ziele gesetzt.
Doch der Reihe nach: Mit zwei Auftaktniederlagen in Tschechien (2:7 und 1:2) und einer 1:3-Niederlage und einem 3:2-Erfolg nach Penaltyschießen gegen Schweden, verlief die erste Hälfte der Vorbereitung überschaubar. Jedoch konnte sich die Auswahl von Neubundestrainer Marco Sturm in jedem Spiel sichtlich steigern.

Deutlicher Qualitätsanstieg
Erst recht, wenn man die beiden Partien im lettischen Riga betrachtet. Bei dem 4:3-Sieg und der 1:4-Niederlage war die DEB-Auswahl zum größten Teil die spielbestimmende Mannschaft. Dies hatte man vor allem den beiden NHL-Verstärkungen Tobias Rieder (Arizona Coyotes) und Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) zu verdanken. Bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit der erst 20-jährige und damit jüngste Akteur im deutschen Kader agierende Draisaitl die Führungsrolle in der Nationalmannschaft annimmt. „Mein Ziel ist es, ein Führungsspieler zu sein. Ein Spieler, auf den die Jungs bauen können“, sagte er und zeigte dies in den Vorbereitungsspielen eindrucksvoll: Ist das wohl größte Talent im deutschen Eishockey auf dem Eis, läuft jeder Angriff über ihn. Mit 19 Toren und 32 Vorlagen hat sich Draisiatl bereits in seinem zweiten Jahr in der stärksten Liga der Welt eindrucksvoll etabliert. Und nicht etwa als Mitläufer, sondern als einer der kommenden Stars der NHL.

Großer Hoffnungsträger
Klar, dass er da automatisch zum großen Hoffnungsträger der Deutschen bei der Weltmeisterschaft wird. Sturm, der aus den derzeit 31 nominierten Spielern noch mindestens sechs für die Weltmeisterschaft streichen muss, drückt zum Wohle des Jungstars aber auf die Bremse: „Er kann wirklich alles erreichen, aber man muss die Kirche im Dorf lassen“, will Sturm nicht, dass der Druck auf den „German Gretzky“, wie Draisaitl in Nordamerika in Anlehnung an den besten Eishockeyspieler aller Zeiten, Wayne Gretzky, bereits ehrfurchtsvoll genannt wird, zu groß wird.

Weitere NHL Verstärkungen
Gut für Draisaitl, dass neben ihm und Rieder auch NHL-Veteran Christian Ehrhoff für die WM zugesagt hat und ihm so ein wenig Ballast von den Schultern nehmen kann. Der ehemalige Abwehrspieler der Krefeld Pinguine ist mit den Chicago Blackhawks in der ersten Runde der Play-offs gescheitert und kann nun der noch wackligen deutschen Hintermannschaft mehr Stabilität verleihen. „Es freut mich sehr, dass wir auf so einen starken und erfahrenen Spieler zurückgreifen können. Christian ist nach dem frühen Ausscheiden der Blackhawks ganz heiß darauf, sein Land bei der WM vertreten zu können“, freute sich Sturm, der betonte, „dass Ehrhoff es war, der sich sofort gemeldet und seine Bereitschaft erklärt hat, die deutsche Auswahl zu unterstützen.“

Zielsetzung Viertelfinale
Für die beiden Testspiele am Freitag (20 Uhr) und Samstag (19.30 Uhr/beide Spiele jeweils live bei Sport1) in Oberhausen gegen Weißrussland wird Ehrhoff allerdings noch nicht zur Verfügung stehen. Sein erster Einsatz ist für die WM-Generalprobe am 3. Mai in der Schweiz geplant. Dann soll auch wieder der derzeit wegen einer Ellenbogenverletzung geschonte und mit 699 NHL-Spielen mehr als erfahrene Marcel Goc von den Adler Mannheim zur DEB-Auswahl stoßen. Da auch die Teilnahme von NHL-Verteidiger Korbinian Holzer von den Annaheim Ducks noch im Bereich des Möglichen liegt, kann Sturm auf die wohl stärkste Auswahl bei einer Weltmeisterschaft in den letzten Jahren zurückgreifen. „Ich denke wir haben eine gute Truppe zusammen und können mit ihr das Viertelfinale erreichen,“ gibt der 23-jährige Rieder mit Blick auf die Gruppe B, in der es gegen Kanada, USA, Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn geht, die Richtung vor.

Der Kader für die Testspiele gegen Weißrussland:

Torhüter :
31 Felix Brückmann (Grizzlys Wolfsburg), 35 Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG), 51 Timo Pielmeier (ERC Ingolstadt)

Abwehrspieler :
2 Denis Reul, 77 Nikolai Goc, 82 Sinan Akdag (alle Adler Mannheim), 5 Benedikt Brückner (Schwenninger Wild Wings), 7 Daryl Boyle (EHC RB München), 34 Benedikt Kohl (ERC Ingolstadt), 81 Torsten Ankert, 91 Moritz Müller (beide Kölner Haie), 85 Marcel Brandt (Düsseldorfer EG), 90 Constantin Braun (Eisbären Berlin)

Stürmer:
8 Tobias Rieder (Arizona Coyotes), 9 Jerome Flaake, 21 Nicolas Krämmer (beide Hamburg Freezers), 12 Brooks Macek (Iserlohn Roosters), 17 Marcus Kink, 47 Christoph Ullmann (beide Adler Mannheim), 19 Simon Danner (Schwenninger Wild Wings), 28 Frank Mauer, 36 Yannic Seidenberg, 74 Dominik Kahun (alle EHC RB München), 29 Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), 37 Patrick Reimer, 83 Leonhard Pföderl (beide Ice Tigers Nürnberg), 43 Gerrit Fauser (Grizzlys Wolfsburg), 50 Patrick Hager, 87 Philip Gogulla (beide Kölner Haie), 55 Felix Schütz (Rögle BK), 92 Marcel Noebels (Eisbären Berlin)

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr alles über neu aufkommende Sporttrends

Ausgeglichene Liga auf Kosten der Nationalmannschaft?

In den vergangenen Wochen ist eine heißblütig geführte Diskussion über den deutschen Eishockeynachwuchs entbrannt. Nicht nur, aber auch weil der langjährige Nationalspieler und Kapitän der Kölner Haie, Moritz Müller, im Free TV eine Lanze für den deutschen Nachwuchs brach und die Iserlohn Roosters als „kanadische 1C-Mannschaft“ bezeichnete. Zur Erklärung: Die Iserlohner spielen mit acht (!) Kanadiern in der Mannschaft, die mit einem deutschen Pass auflaufen. Hinzu kommen zehn der elf zulässigen, sogenannten Lizenzausländer von denen neun pro Spieltag auf dem Eis stehen dürfen. Lediglich vier Akteure bei den Iserlohnern sind in Deutschland geboren. Wenn man bedenkt, dass 22 Spieler pro Spieltag auf dem Spielberichtsbogen stehen dürfen, ist das eine doch erschreckend niedrige Zahl.

Pro und contra Einbürgerung
Dass daraufhin eine Debatte über den Sinn und Unsinn von Einbürgerungen im deutschen Eishockey und der Kampf zwischen lieber eine ausgeglichenen Liga, als eine starke Nationalmannschaft, entstehen würde, war abzusehen. Der pro gestimmte Teil argumentierte, dass ja viele DEL-Mannschaften sogenannte Deutsch-Kanadier in ihren Reihen hätten und bei Iserlohn das Ausmaß lediglich ein wenig höher wäre. Was soll man machen, wenn der deutsche Nachwuchs zu schlecht oder zu teuer ist?! Außerdem könnten diese eingebürgerten Kanadier, die nach zwei Jahren in Deutschland auch mit dem Adler auf der Brust auflaufen dürfen, der deutschen Nationalmannschaft mit ihrer spielerischen Klasse letztlich von Nutzen sein.
Der contra gestimmte Teil sieht das naturgemäß ganz anders. Die Kanadier mit deutschem Pass nehmen den deutschen Talenten den Kaderplatz und damit die für die individuelle Entwicklung elementar wichtige Eiszeit weg, so der Tenor. Die dringend benötigte Nachwuchsförderung kann somit natürlich nicht vorankommen. Stichwort Nationalmannschaft: Hier wird oftmals argumentiert, dass die ganzen eingebürgerten Kanadier von ihrer deutschen Herkunft zumeist gar nichts wussten. Erst wenn sie – wie aktuell in Iserlohn – in ihrer „Heimat“ ankommen, werden sie mit einem kräftigen Händedruck und einem deutschen Pass in Empfang genommen. Dass hier bei vielen Akteuren die Bindung zur Nationalmannschaft fehlt, angefangen vom kulturellen Hintergrund bis hin zu den fehlenden Sprachkenntnissen, liegt auf der Hand. Nicht umsonst bewerteten vor der aktuellen Spielzeit viele Nationalspieler die Tatsache, dass bei der deutschen Nationalmannschaft wieder deutsch in der Kabine gesprochen wird (Anm. d. Red.: In den nordamerikanisch geprägten Deutschen Eishockey Liga wird englisch in der Kabine gesprochen), als durchaus positiv.

Hauptproblem die Basis?
Doch die Argumente, die hier behandelt werden, zielen nur auf die Symptome und nicht auf die eigentliche Ursache. Diese liegt, wie so oft, viel tiefer. Genauer gesagt an der Basis. Dem deutschen Eishockey fehlt es schlicht an der Förderung von ausreichend qualifizierten Nachwuchsspielern, die den Platz der eingebürgerten Spieler oder bei einer Ausländerreduzierung in der Liga, den Platz der sogenannten Lizenzausländer, einnehmen könnten. Nach wie vor verlassen viele Talente frühzeitig Deutschland, weil sie sich vor allem in Nordamerika einer besseren Ausbildung sicher sein können.
Etwaige Schritte, um die teilweise amateurhafte Nachwuchsförderung in Deutschland zu professionalisieren, wurden bereits unternommen. Ein Ergebnisse ist aber nicht in ein, zwei Jahren zu erwarten, sondern benötigt Zeit. Doch was wäre, wenn man bereits schon jetzt über genügend DEL-taugliche Spieler im Nachwuchsbereich verfügen würde? Wären die Vereinsverantwortlichen überhaupt bereit, diese in ihre Mannschaft einzubauen?

Das Rad weiterspinnen
Spinnt man das Rad ein wenig weiter und schaut über den Tellerrand hinaus, so stellt man fest, dass die Liga in ihrer jetzigen Form prima funktioniert. Die Zuschauer strömen in Massen, die Ausgeglichenheit sorgt für Spannung pur. Der Rubel rollt. Für Larry Mitchell, Trainer der Straubing Tigers, sind die vielen Ausländer in der Liga für diese Ausgeglichenheit verantwortlich. Durch eine Ausländerreduzierung – egal in welcher Form – würden die kleineren, also finanziell schwächeren, Vereine zunächst benachteiligt werden. Die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft droht. „Wollen wir eine bessere Nationalmannschaft oder eine bessere Liga? Diese Frage muss man sich stellen. Will man ein besseres Nationalteam haben, dann muss man wahrscheinlich über eine Ausländerreduzierung reden. Und damit auch über eine Zwei-Klassen-Gesellschaft,“ sagte Mitchell in einem Wortlautinterview gegenüber dem Fachmagazin Eishockeynews.

An einem Strang ziehen
Anhand dieser Beispiele merkt man sofort, dass das Thema Einbürgerung beziehungsweise Reduzierung der Ausländerlizenzen in der DEL ein äußerst sensibles ist, bei dem mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Doch egal ob pro oder contra Einbürgerung, ausgeglichene Liga vs starke Nationalmannschaft oder die Anzahl genügend qualitativ hoher deutscher Nachwuchsspieler. Eine Lösung kann nur gefunden werden, wenn man zusammen an einem Strang zieht. Eigeninteressen müssen die Ausnahmen, nicht die Regel sein.
Auch der Nachwuchs selbst sollte mit in die Debatte eingebunden werden. Der deutsche U-19-Nationalspieler und Stürmer der Jungadler Mannheim, Julian Napravnik, bemängelte nach dem Fünf-Nationen-Turnier in Deggendorf beispielsweise, dass dem deutschen Nachwuchswuchs nicht genügend Zeit zur Entwicklung gelassen wird. Bereits nach der U-19 muss den Yongstern der Sprung zu den Profis gelingen. Das Ergebnis ist oft wenig Eiszeit und eine dadurch stagnierende Entwicklung. „In anderen Ländern hat man für die Ausbildung mehr Zeit“, sagte Napravnik. Sein Hauptziel ist nächste Saison übrigens eine Nachwuchsliga in Nordamerika…

Vorschau: Nächste Woche dreht sich bei uns alles ums Bungee Springen.

Hoffnung trotz schwacher Jugendarbeit – Teil 2

Während hierzulande der Kampf um die deutsche Eishockey-Meisterschaft in die heiße Phase geht – Mannheim, Wolfsburg, Ingolstadt und Düsseldorf sind noch im Rennen – stehen die Play-offs in Nordamerika kurz bevor.

In Teil 2 unserer Serie über die deutschen Nachwuchshoffnungen in der Nordamerikanischen Hockey League (NHL) blickt Face2Face auf den Saisonverlauf von Verteidiger Korbinian Holzer, Raubein David Wolf und Torhütertalent Philipp Grubauer.

Korbinian Holzer. Der Verteidiger, der in dieser Saison den endgültigen Durchbruch in der NHL geschafft hat, kann auf eine bewegende Spielzeit zurück blicken. Dabei zeichnete ihn vor allem eine Fähigkeit aus, die nicht viele deutsche Akteure haben, die lange auf ihre Chance in der NHL warten müssen: Durchhaltevermögen. 2012 schnupperte er bereits heftig an der Tür zur besten Liga der Welt. Für die Toronto Maple Leafs schaffte er in 22 Spielen zwei Tore und überzeugte mit starken Defensivleistungen. Doch sein Weg führte dennoch zurück in die zweitklassige AHL. Erst zu Beginn der laufenden Spielzeit kam der erneute Anruf aus Toronto. Holzer war dabei und spielte NHL. Zwar musste der gebürtige Münchner zwar das ein oder andere Mal von der Tribüne aus zuschauen, doch in 34 Spielen standen sechs Vorlagen für den körperlich starken Deutschen auf der Habenseite. Kurz vor der Trade-Deadline (nach diesem Termin dürfen die NHL-Teams bis zum Rookie-Draft keine Spieler oder Draft-Picks mehr untereinander tauschen) fiel Holzer mit einer Gehirnerschütterung aus. Dennoch wurde er vom Sorgenkind Toronto, das keine Chancen mehr auf die Play-offs hatte, zum Titelmitfavoriten Anaheim Ducks transferiert. Sportlich ein klarer Schritt nach vorne für den Verteidiger. Perspektivisch allerdings mindestens einer zurück. Die Konkurrenz in der Defensive der Ducks ist um eine vielfaches höher als in Toronto. Bislang kam Holzer zu keinem einzigen Einsatz für sein neues Team und ist zum zuschauen verdammt. Ob der Deutsche nach dieser Saison in die Heimat zurückkehrt oder weiter in Nordamerika sein Glück versucht ist momentan völlig offen. Genug Durchhaltevermögen, um weiter über dem großen Teich erfolgreich zu sein hat er ja.

David Wolf.  Der 25-Jährige wechselte vor dieser Saison von den Hamburg Freezers nach Kanda zu den Calgary Flames, um sich seinen Traum von der NH zu erfüllen. Von einem Star in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu einem unter vielen in Nordamerika. Der gebürtige Düsseldorfer hängte sich in der Vorbereitung voll rein, wollte den Sprung zu den Flames unbedingt schaffen. Doch sein Weg führte ihn zunächst zum Farmteam Calgarys, den Adirondack Flames, in die AHL. Das schmeckte dem 1,90 Meter großen, ehrgeizigen Stürmer überhaupt nicht. „Ich bin eigentlich zu gut für das hier“, gab er in einer Fernsehdokumentation des NDR über seinen Wechsel nach Nordamerika offen zu. Verletzungen und Probleme mit dem Trainer vergrößerten die Sorgen Wolfs. Doch er überwand seine Startschwierigkeiten. Mit seinen Torjägerqualitäten und seinen Kampffähigkeiten, durch die er in Deutschland berüchtigt wurde, machte er sich in Adirondack einen Namen. Ende Januar kam dann der Anruf aus Calgary. Der Traum vom NHL-Debüt rückte in greifbare Nähe und erfüllte sich bei der Partie gegen die Edmonton Oilers, das Team des deutschen Ausnahmetalents Leon Draisaitl, endgültig. Wolf enttäuschte keineswegs, traf einmal den Pfosten und wurde von seinen Teamkollegen mit dem Feuerwehrhelm symbolisch für den besten Arbeiter des Spiels ausgezeichnet. Nach einer weiteren Partie musste der Angreifer dann allerdings wieder zurück nach Adirondack. „Ich wollte einmal in der NHL spielen und das habe ich jetzt geschafft“, strahlte er dennoch über das ganze Gesicht. Geduld und Durchhaltevermögen sind jetzt gefragt. Mit 33 Punkten aus 51 Spielen (17 Tore und 16 Vorlagen) hat Wolfs zumindest das ein oder andere Argument, um wieder in die NHL berufen zu werden.

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Philipp Grubauer. Der Rosenheimer ist das momentan wohl größte deutsche Torwarttalent im Eishockey. 2010 gewann er mit dem Juniorenteam Windsor Spitfires den berühmten Memorial Cup in Nordamerika. In der vergangenen Saison sorgte er dann für großes Aufsehen in der NHL. Knapp zwei Monate war er die Nummer eins der Washington Capitals. Erst profitierte er von der Verletzung Michael Neuvirths und dann von den schlechten Leistungen Braden Holtbys. Grubauer enttäuschte dagegen ganz und gar nicht. In 17 Spielen schaffte es der Youngster auf eine eindrucksvolle Fanquote von 92,5 Prozent. Dennoch entschieden sich die Capitals den Deutschen wieder zurück in die AHL zu schicken, um ihn in dieser Spielzeit noch einem „Lehrjahr“ bei den Hershey Bears zu unterziehen. Und auch hier zeigte Grubauer, der im vergangenen Jahr bereits für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM zwischen den Pfosten stand, seine ganze Klasse. Der Torwart, der mit einer ausgezeichneten Athletik und einer hervorragenden Einstellung ausgestattet ist, schaffte es in 45 Spielen auf einen Gegentorschnitt von 2,27 und einer Fanquote von 92,2 Prozent. Der verdiente Lohn war ein weiterer Einsatz bei den „Caps“. Auch, um sich kurz vor der Trade-Deadline nochmals den anderen Teams zu präsentieren. Zu einem Tausch oder einer endgültigen Berufung in die NHL kam es letztlich zwar nicht, doch Grubauers Weg wird schon in der nächsten Saison in die National Hockey League führen. Ob in Washington oder bei einem anderen Team.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr einen Artikel über „Gut aussehen um jeden Preis – mit Anabolika“.

Hoffnung trotz schwacher Jugendarbeit – Teil1

Nein, das deutsche Eishockey gehört auf der internationalen Bühne nicht zu der Weltklasse dazu. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe. Einer davon ist wohl der existenziellste von ihnen: Die Jugendarbeit. Hier hapert es oft schon an den einfachsten Stellen. Klar, im Land, in dem König Fußball regiert, ist es schwer Kinder für die schnellste Mannschaftssportart der Welt zu begeistern. Auch sind Fußball oder Handball (oftmals für die Eltern) billiger und vielfältiger bei den Ausübungsmöglichkeiten (es steht leider nicht überall eine Eishalle zur Verfügung). Aber dennoch muss sich der deutsche Eishockeybund und die lizenzierten Vereine der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Sachen Jugendarbeit noch deutlicher hinterfragen. Die meisten der DEL-Clubs, zum Glück nicht alle, betreiben eine solche Jugendarbeit erst überhaupt nicht. Um die Mindestanzahl an deutschen Akteuren im jeweiligen Kader zu erfüllen, werden kurzerhand Deutsch-Kanadier, die zu häufig nicht mal die deutsche Sprache beherrschen, mit dem entsprechenden Pass ausgestattet und ins Team aufgenommen. Und sollte man doch einmal einen deutschen Spieler benötigen, bedient man sich überwiegend bei der unterklassigen Konkurrenz, die durch nachhaltige Jugendarbeit versucht das deutsche Eishockey langfristig auf einen erfolgreichen Weg zu führen. 

Natürlich gibt es auch vorbildliche Ausbildungsstätten wie beispielsweise in Mannheim, Köln, Düsseldorf oder, wie bereits oben erwähnt, in den im Profibereich leider unterklassigen Vereinen wie Landshut, Bad Tölz, Kaufbeuren und Rosenheim. Dadurch lässt sich auf internationalem Niveau zwar ganz nett mitspielen, zu mehr reicht es damit aber noch lange nicht. 

Zum Glück springt aber ab und zu auch das ein oder andere Talent aus den Schmieden heraus. Nachwuchshoffnungen, die es bis in die beste Eishockeyliga der Welt, der National Hockey League (NHL), schaffen. 

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Vor allem vor der laufenden Saison richteten sich alle deutschen, eishockeyinteressierten Augen auf die NHL. Mit Leon Draisaitl, Tobias Rieder, Korbinian Holzer, David Wolf und Philipp Grubauer durften gleich sechs Talente zumindest für ein Spiel das Trikot eines NHL—Teams überstreifen. Face2Face behält die Stars von morgen ständig im Auge und gibt im Folgenden einen Überblick über den bisherigen Saisonverlauf der deutschen Youngstars. 

Leon Draisaitl. Der gebürtige Kölner war im vergangenen Sommer das Medienthema in der deutschen Eishockeyszene. Draisaitl wurde im NHL-Draft 2014 an dritter Stelle von den Edmonton Oilers gezogen. So früh, wie noch kein deutscher Spieler vor ihm. Dass Superlative wie Jahrhunderttalent nicht lange auf sich warten ließen, liegt nahe. In den USA trägt er, in Anlehnung an die kanadische Eishockey-Ikone Wayne Gretzky, den Spitznamen „The German Gretzky“. Klar, dass da der Hype um das „Ausnahmetalent“ entsprechend groß war. Der 1,88 Meter große und 108 Kilogramm schwere Centerspieler schaffte auch auf Anhieb den Sprung in den NHL-Kader, stürmte zwischenzeitlich sogar in der zweiten Sturmreihe. Doch der damals noch 18-Jährige hatte ein Problem: Mit den Oilers ist er in ein Team geraten, dass sich seit Jahren im Umbruch befindet und seit noch längerer Zeit kein Bein mehr auf die Erde brachte. Nach 37 NHL-Spielen beim damals schlechtesten Team der Liga, in denen ihm immerhin zwei Tore und sieben Vorlagen gelangen, hatten die Club-Verantwortlichen ein einsehen. „Ständig zu verlieren bringt einem jungen Spieler wie Leon in seiner Entwicklung nicht weiter. Er braucht Siege“, ließ die Oilers-Führung rund um General-Manager Craig MacTavish und Trainer Dallas Eakins verlauten. Die logische Konsequenz: Draisaitl wurde in die Western Hockey League, eine kanadische Juniorenliga, zurückgeschickt, um unter Erfolgserlebnissen weiter geschliffen zu werden. Die Kelowna Rockets, heißester Anwärter auf den Cup-Sieg, boten sich da regelrecht an. Und der NHL erfahrene Deutsche schlug voll ein. Mit neun Toren und 21 Vorlagen in 30 Partien für sein neues Team zeigte Draisaitl wie viel Potenzial in ihm steckt. „Ich lebe mich hier langsam ein und kann noch viel besser spielen“, ließ er verlauten. Es klang fast wie eine Drohung an die Konkurrenz. Doch so oder so. Leon Draisaitl wird noch eine große Karriere in der NHL vor sich haben. 

Tobias Rieder. Der Landshuter machte sich vor gut vier Jahren auf, um in Nordamerika seinen Traum vom NHL-Profi zu leben. Nach drei Jahren beim Juniorenteam der Kitchener Rangers in der Ontario Hockey League (OHL), ging es für ihn nach Portland in die zweitklassige AHL. Bei den Portland Pirates, dem Farmteam der Arizona Coyotes, zeigte Rieder sofort seine enormen  Torjägerqualitäten. Bereits in seinem ersten AHL-Spiel gelangen ihm zwei Treffer. Am Ende standen beachtenswerte 28 Tore für ihn zu Buche – und das bei einem Team, dass die Play-off-Runde verpasste. Als Zugabe gab es weitere Profi-Erfahrung bei der A-WM mit der deutschen Nationalmannschaft. Dort gefiel Rieder als bester deutscher Stürmer. Und nach neun Spielen (vier Tore, zwei Vorlagen) in der laufenden AHL-Saison, kam der Anruf aus Arizona –„Tobi pack deine Sachen, du spielst heute Abend in Washington gegen die Capitals“ sagte ihm sein AHL-Trainer Ray Edwards am Telefon. Gesagt getan. Da der Landshuter offenbar auf gelungene Prämieren zu stehen scheint, steuerte er bei seinem Debüt gleich mal seinen ersten NHL-Treffer hinzu. Aber das ist noch nicht alles. Rieder stellte am 01. Dezember des vergangenen Jahres einen Rookie-Rekord auf. Ihm ist es als ersten Liganeuling gelungen, zwei Unterzahltore binnen 58 Sekunden zu erzielen. Nach 48 Spielen stehen nun acht Tore und sechs Vorlagen auf der Habenseite Rieders. „Er ist ein cleverer Spieler, der mit Intelligenz und hohem Tempo agiert“, sagt nicht nur Coyotes-Trainer Dave Tippet dem Landshuter eine große Karriere voraus. 

Die nächsten deutschen Nachwuchshoffnungen in der NHL werden in Teil 2 näher unter die Lupe genommen. 

Vorschau: Ski-WM in Falun. Folgt nach dem überschaubaren Abschneiden in Sotschi der Sprung zurück zu alter Stärke?

„Jeder ist selbst für seine Vorsorge verantwortlich“

Bärte, Bärte, Bärte. Wo man auch in diesem Monat hinschaut – in der Sportwelt sprießt das Haar in den Gesichtern der Sportler in allen möglichen Variationen. Egal ob im Fußball, Eishockey oder Handball, der Bart ist stets dabei.

Bevorzugt trägt der Sportler von heute den klassischen Schnurrbart, umgangssprachlich auch gerne als Rotzbremse oder Pornobalken tituliert. Doch warum plötzlich dieser Sinneswandel, der an eine Modeerscheinung der achtziger Jahre erinnert? Und warum ausgerechnet jetzt, im November? Da bleibt bei vielen Unbeteiligten die Frage nicht aus, wann die passende Frisur, der Vokuhila, zur Gesichtsbehaarung hinzukommt.

Doch Spaß beiseite. Bei den Bärten handelt es sich um eine ernste Angelegenheit. Die Sportler, die sich einen Bart wachsen lassen unterstützen damit die Aktion Movember. Movember setzt sich aus den englischen Wörtern moustache (Schnurrbart) und November zusammen und ist eine Aktion, die Spenden zugunsten der Erforschung und Vorbeugung gegen Prostatakrebs und anderen Gesundheitsproblemen von Männern sammelt. Um der Aufmerksamkeit willen, lassen sich Sportler schon seit mehreren Jahren für den Movember Bärte wachsen. Die organisierte Stiftung koordiniert die Aktion in 21 verschiedenen Ländern und leitet die Spenden an nationale Forschungseinrichtungen weiter.

Steht bei vielen Sportlern im November im Mittelpunkt: Der Schnurrbart. FOTO: Koehl

Steht bei vielen Sportlern im November im Mittelpunkt: Der Schnurrbart (Foto: Koehl)

Laut der Geschichte soll Movember 1999 von einer Gruppe junger Männer in Adelaide (Australien) gegründet worden sein. Seit 2004 gibt es in Australien jährliche Movember-Veranstaltungen, deren Hauptziel es ist, die Aufmerksamkeit auf die Gesundheit von Männern zu lenken. Neben der Vorbeugung und besseren Behandlung von Prostatakrebs, stehen auch die Erforschung von Depressionen und der Bipolaren Störung im Mittelpunkt. Da Movember keinen eigenen Körperschaftssitz in Deutschland hat, wird die Aktion von der australischen Movember Foundation in Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner durchgeführt.

In den USA ließen sich vor einigen Jahren erste, vereinzelte Profisportler der National Football League (NFL) als Zeichen der Unterstützung einen Schnurrbart stehen. In Deutschland wird offiziell seit 2012 nachgezogen. Vor allem unter den Profis der deutschen Eishockeyligen ist der Schnurrbart im November stark verbreitet. Hier sammeln die Clubs regelmäßig Spenden für die Movember-Organisation. Ein Akteur, der seinen Schnurrbart auch als eine Art Lebenseinstellung betrachtet, ist der Eishockey-Spieler Ronny Arendt von den Adler Mannheim: „Wir Profisportler stehen ja mehr in der Öffentlichkeit und von daher ist es auch einfacher mit unseren Bärten auf die Aktion aufmerksam zu machen. Letztlich ist aber jeder selbst für seine Vorsorge verantwortlich“, weiß Arendt, dass jeder Mann am Ende den Schritt zum Arzt alleine gehen muss.

Vorschau: „Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß.“ Frei nach dem ehemaligen Fußballspieler Andreas Brehme haben wir im Dezember die besten Sportsprüche des Jahres 2014 zusammengesucht.

Die große DEL-Prognose

„Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, lautet eine weit verbreitete Weisheit. Dies gilt auch für die Deutsche Eishockeyliga (DEL). Bei der heute beginnenden Saison lehnt sich Face2Face dennoch ganz weit aus dem Fenster und gibt eine Prognose für die kommende Spielzeit 2014/2015 ab.

 

Die Favoriten:  

Kölner Haie: Die Kölner Haie haben die letzten beiden Finalserien verloren. Das Team des ehemaligen Bundestrainers Uwe Krupp blieb aber von einem Umbruch verschont. Fluch oder Segen? Das Team ist eingespielt, wurde mit Mike Iggulden, Jamie Johnson, Evan Rankin und vor allem NHL-Rückkehrer Alexander Sulzer hochkarätig verstärkt.
30 +: Mit gleich elf Akteuren über 30 Jahren verfügen die Haie zwar über viel Erfahrung, die fehlende Spritzigkeit könnte aber zum Problem werden. Des Weiteren muss sich erst zeigen, ob die Kölner aus den beiden Finalniederlagen nun die nötige Motivation ziehen oder ob das Team einen Knacks abbekommen hat.
Fazit: Die Haie haben auf dem Papier den stärksten Kader. Das Saisonziel kann nur die Meisterschaft sein. 

Adler Mannheim: Der wichtigste Neuzugang der Adler war Trainer Geoff Ward. Der 52-Jährige war zuletzt sieben Jahre als Co-Trainer bei den Boston Bruins beschäftigt. In dieser Zeit schaffte er es mit den „Braunbären“ gleich zwei Mal ins Stanley-Cup-Finale. Ward möchte eine verschworene Einheit formen und fordert von jedem Spieler Führungsqualitäten. Mit den Neuzugängen Andrew Joudrey, Jamie Tardif und dem 40-jährigen Veteranen Glen Metropolit haben die Mannheimer an Charakter und Qualität gewonnen. Die Neu-Verteidiger Danny Richmond und Bobby Raymond sollen für die nötige Feuerkraft von der blauen Linie sorgen und somit das miserable Powerplay (letzte Saison waren die Adler die schlechteste Mannschaft in Überzahl) aufpolieren.
Nationalspieler: Durch die Tiefe im Kader kann es passieren, dass gestandene Nationalspieler wie Marcus Kink und Christoph Ullmann in die nominell vierte Reihe abrutschen. Werden sie sich fürs Team opfern und arbeiten oder sich beleidigt quer stellen?
Fazit: Schafft es Geoff Ward aus den Adlern eine Einheit zu formen, die ihre volles Potenzial abruft, sind die Mannheimer ein heißer Titelanwärter. 

Hamburg Freezers: Die „Kühlschränke“ haben mit David Wolf, der sein Glück beim NHL-Team Calgary Flames sucht, einen echten Typen und Punktesammler verloren. Den Verantwortlichen um Manager Stéphane Richer ist klar, dass sie den Hünen nicht ein zu eins ersetzen können. Als Ersatz wurde mit Marty Sertich und Kevin Clark hohe Qualität von der Liga-Konkurrenz eingekauft, durch wenige Veränderungen des letztjährigen Kaders weiterhin auf Kontinuität gesetzt.
Tandem: Mit Dimitrij Kotschnew und Sébastien Caron verfügen die Hamburger über zwei absolute Spitzentorhüter, die sich regelmäßig zwischen den Pfosten abwechseln. Doch können sich beide tatsächlich mit dieser Konstellation arrangieren, wenn es, im Gegensatz zur letzten Saison, mal nicht so gut bei den Freezern laufen sollte?
Fazit: Die Basis ist gelegt. Mit dem erfolgreichen Stamm aus der letzten Saison plus die beiden Top-Scorer Sertich und Clark verfügen die Hamburger über eine starke Mannschaft. Wenn sie endlich den „Halbfinal-Fluch“ in den Playoffs überwinden, ist sogar die Meisterschaft drin. 

Eisbären Berlin: Die Eisbären haben ihren Kader vom letztem Jahr, mit dem bereits in den Pre-Playoffs Schluss war, nicht groß verändert. Ein Nachteil? Nein! In der Mannschaft stecken genug Spieler, die bereits eine Vielzahl von Meisterschaften eingesammelt hat. Auch im Tor wurde der in die NHL abgewanderte Rob Zepp durch den finnischen Weltmeister-Torhüter Petri Vehanen mehr als ersetzt. Ein neuer, torgefährlicher Verteidiger fehlt allerdings noch.
Schleudersitz: Trainer Jeff Tomlinson ist nach der überschaubaren letzten Saison angezählt. Nur ein Erreichen des Playoff-Halbfinales dürfte den Ansprüchen der Verantwortlichen genügen.
Fazit: Die Berliner sind stark genug, um diese Saison die direkte Playoff-Qualifikation zu schaffen. Und dann ist solch einer erfahrenen Mannschaft alles zu zutrauen… 

EHC Red Bull München: Alles wieder auf Null. Nach einem Jahr unter Ex-Trainer Pierre Pagé, das unter dem No-Position-System gespielt wurde, fängt der Liga-Krösus wieder von vorne an. Gleich elf Neuzugänge haben die Münchner geholt und krempelten damit ihre Mannschaft abermals kräftig um. Prominentester Neuzugang dürfte wohl Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf sein. Der Torjäger erzielte aber in der vergangenen Saison mit nur 35 Punkten seine schlechteste Scorer-Bilanz. Wird der Ex-Iserlohner bei einem Top-Team wieder zu alter Stärke finden?
Meistertrainer: Mit Don Jackson haben sie einen Nachfolger für den ungeliebten Pagé gefunden, der gleich fünf Meistertitel in seiner Vita zu verzeichnen hat. Doch reicht das, um aus dem EHC ein ernsthafter Meisterschaftsanwärter zu machen?
Fazit: Don Jackson weiß, wie man ein Erfolgsteam formt. Gelingt ihm dies auch in München und spielt sich die Mannschaft rechtzeitig ein, können sie eine gute Rolle in den Playoffs spielen.

 

Der erweiterte Kreis: 

Grizzly Adams Wolfsburg: Die Grizzlys haben bereits zu Saisonbeginn zehn Ausländerlizenzen vergeben. Zusammen mit den zahlreichen deutschen Akteuren ergibt sich daraus ein äußerst tiefer Kader. Der Konkurrenzdruck steigt dementsprechend. Mit Felix Brückmann (ehemals Adler Mannheim) kam ein Torhüter nach Wolfsburg, der sich durch den Wechsel mehr Spielzeit erhoffte. Just zur Zeit der Vertragsunterschrift ging der Stern von Grizzly-Goalie Sebastian Vogl auf. Wird es wie in Hamburg eine Doppellösung geben?Scharfschütze: Mit dem US-Amerikaner Nick Schaus haben die Wolfsburger einen echten Scharfschützen verpflichtet. 49 Scorerpunkte konnte er in 50 Spielen in der norwegischen Liga erzielen. Doch kann er dies auch in der DEL wiederholen?
Fazit: Qualität ist durchaus vorhanden. Kommt es aufgrund des tiefen Kaders und der angespannten Situation im Tor nicht zu internen Reibereien, können die Grizzlys ein gewichtiges Wort mitreden. 

ERC Ingolstadt: Trainer Nicklas Sundblad? Weg! Die letztjährigen Leistungsträger? Auch fast alle Weg! Der Meister musste nach seinem Überraschungscoup einen Umbruch über sich ergehen lassen. Immerhin: Mit Petr Taticek wurde ein Mann von internationaler Klasse verpflichtet. Auch Neu-Trainer Larry Huras kann bereits große Erfolge in der Schweiz nachweisen.
Machtkämpfe: Bereits in der letzten Saison gab es erhebliche Ungereimtheiten hinter den Kulissen. Man hätte sich fast selbst zerfleischt. Die Erwartungen sind im Umfeld durch den Meisterschaftserfolg enorm gestiegen.
Fazit: Bleibt es hinter den Kulissen ruhig und die neu zusammengestellte Mannschaft findet schnell in den Rhythmus, ist eine direkte Playoff-Qualifikation ein Selbstläufer. 

Thomas Sabo Ice Tigers: Nürnberg begeisterte letzte Saison mit Offensiv-Eishockey. Dabei vernachlässigten sie allerdings zu oft ihre defensiven Aufgaben. 152 Gegentore sprechen hierbei eine deutliche Sprache. Mit Nationaltorwart Jochen Reimer, der aus München kam, sowie den beiden ausländischen Verteidigern Kyle Klubertanz und Derek Joslin soll die Gegentorflut gestoppt werden. Kann im Gegenzug die letztjährige Top-Reihe um Patrick Reimer, Steve Reinprecht und Yasin Ehliz wieder ihr Potenzial abrufen?
DEL-Erfahrung: Mit acht Verteidigern und gleich 14 Stürmern mit DEL-Erfahrung sind die Ice Tigers breit aufgestellt. Mit erst sieben vergebenen Ausländerlizenzen kann während der Saison auf Ausfälle reagiert werden.
Fazit: Können die Nürnberger ihr beeindruckendes Offensiv-Eishockey auch in dieser Saison durchziehen ohne dabei ihre Defensivaufgaben zu vernachlässigen, wird man sie nach der Hauptrunde vorne wiederfinden.

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Krefeld Pinguine: Die Pinguine gehören zu der Kategorie von Mannschaften, die man mal gerne Unterschätzt. Doch die Krefelder können mit diesem Underdog-Image scheinbar gut leben. Fraglich ist nur, wie der letztjährige Vorrunden-Zweite den Abgang von Torjäger Kevin Clark (33 Tore) nach Hamburg verkraftet. Reichen die Neuzugänge Tyler Beechey, Colin Long und Norman Hauner dazu aus?
Schweden-Hammer: Der schwedische Neuzugang Robin Weihager war in der DEL2 wegen seiner formidablen Offensivkraft gefürchtet. Wird er diese auch eine Etage höher ausspielen können?
Fazit: Ein zweiter Tabellenplatz wie in der vergangenen Saison wird den Pinguinen in diesem Jahr nicht noch einmal gelingen. Das Playoff-Ticket wird aber souverän gelöst.

 

Außenseiter:

Augsburg Panther: Mit Chris Mason haben die Panther einen echten NHL-Veteran für die Torhüterposition verpflichtet. Hat er das Zeug, die Augsburger alleine in die Playoffs zu führen? Auf den Sturm darf sich der Traditionsverein nämlich nicht ausschließlich verlassen. Dieser markierte, trotz acht Ausländern, nur die zehntbeste Torausbeute.
Abwehr: Mit Daryl Boyle, Rob Brown und Michael Bakos sind den Panthern wichtige Säulen in der Verteidigung weggebrochen. Mit James Bettauer und Braden Lamb sind bis jetzt nur zwei Neue für den Defensivverbund gekommen. Trainer Larry Mitchell setzt auf deutsche Spieler, die bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber unzufrieden sind und damit spät auf den Markt kommen. Ein gefährliches Spiel.
Fazit: Im Sturm und im Tor sind die Augsburger gut aufgestellt. Die momentane Abwehr veranlasst einen aber nicht gerade zu Freudensprüngen. Die Playoffs sind nur sehr schwer zu erreichen. 

Straubing Tigers: Die acht Verteidiger schafften in der vergangenen Saison insgesamt gerade einmal 13 Tore. Klar, dass darunter das Powerplay zwangsläufig leiden musste. Eine große Verbesserung war in der Vorbereitung nicht zu erkennen. Mit Blick auf die vergrößerten Angriffs- beziehungsweise Verteidigungszonen und der daraus größeren Bedeutung für das Powerplay, ist das kein gutes Zeichen für die Tigers.
Hoffnungsträger: Zu den unproduktiven Verteidigern gesellen sich auch noch schwächelnde Stürmer. Nur vier Angreifern ist es in der letzten Spielzeit gelungen zweistellig zu treffen. Neuer Hoffnungsträger ist nun Zweitliga-Top-Scorer Harrison Reed. Schafft es der neue Trainer Rob Wilson aus dem vorhandenen Spielermaterial eine funktionierende Einheit zu formen?
Fazit: Die Straubinger haben als einzige DEL-Mannschaft ihren Etat gekürzt. Eine Playoff-Teilnahme wäre eine große Überraschung. 

Iserlohn Roosters: Die Defensive war im vergangenen Jahr der Trumpf im Iserlohner Spiel. Die Systemumstellung des Trainerduos Jari Pasanen/Jamie Bartman schlug voll ein. Doch die Roosters haben einen Umbruch hinter sich. Elf neue sind gekommen, gleivhzeitig mit Michael Wolf der Anführer und Kapitän gegangen. Die Lücke, die er hinterlässt ist groß, sehr groß. Können die Roosters den Abgang auffangen?
Deutsch-Kanadier: Brooks Macek und Brent Raedeke waren zwei völlig unbekannte Deutsch-Kanadier, die in der vergangenen Saison aber voll einschlugen. Mit Dylan Wruck und Ryan Button haben die Roosters die nächsten No-Names aus der Sparte der Deutsch-Kanadier verpflichtet. Entwickelt sich bei diesen ebenfalls solch eine Erfolgstory?
Fazit: Der Weggang von Michael Wolf wird für die Roosters nicht aufzufangen sein. Dennoch bleiben sie ein aussichtsreicher Kandidat für einen Platz um Rang acht bis zehn. 

Düsseldorfer EG: DEG- Rückkehrer Travis Turnbull lockte seinen Freund Michael Davies nach Düsseldorf. Aber können die beiden einen Sturm wiederbeleben, der im Vorjahr nur 101 Tore in 52 Spielen produzierte?
Sieger-Gen: Turnbull, Jakub Ficenec, Tim Conboy und Rob Collins: Die Neuzugänge der DEG lesen sich vielversprechend. Vor allem die drei erstgenannten wurden in der vergangenen Saison mit dem ERC Ingolstadt Meister und bringen damit das Sieger-Gen nach Düsseldorf mit. Auch Rob Collins verspricht echte Qualität. Doch kann die Diva diese auch immer abrufen? An guten Tagen entscheidet Collins eine Partie im Alleingang, an schlechten schleicht er provozierend über das Eis.
Fazit: Die Neuzugänge lassen an eine bessere Zukunft für die DEG hoffen. Ob es aber gleich für die Playoffs oder Pre-Playoffs reichen wird, bleibt abzuwarten. So oder so: Den Düsseldorfer-Weg zu verfolgen wird auf jeden Fall spannend. 

Schwenninger Wild Wings: 190 Gegentore, die schlechteste Defensive der Liga. Die Zahlen lügen nicht. Die Wild Wings hielten sich mit Verstärkungen in der Defensive dennoch zurück. Nur Backup-Goalie Markus Janka und die beiden Verteidiger Rob Brown und Derek Dinger wurden verpflichtet. Wird nun alles besser?
Erwartungshaltung: Mit Kyle Greentree, Jonathan Matsumoto, MacGregor und Ashton Rome haben die Schwenniger neue Ausländer verpflichtet, die durchaus wissen, wo das Tor steht. Doch reicht das aus, um dem Sturm neue Flügel zu verleihen und den gestiegen Ansprüchen im Umfeld gerecht zu werden?
Fazit: Schwenningen wird in dieser Saison eine bessere Rolle spielen, als im Vorjahr. Für die Playoffs werden sie sich aber dennoch nicht qualifizieren.

 

Neue Regeln: 

In der DEL gelten ab dieser Saison die Regeländerungen des Eishockey-Weltverbandes: 

  • Größere Angriffszone: Die neutrale Angriffszone wird um etwas drei Meter verkleinert. Das hat zur logischen Folge, dass sich die Angriffsdrittel vergrößern. So ist die blaue Linie künftig 22,86 Meter statt bisher 21, 33 Meter von Ende der Eisfläche entfernt.
    Die Folge: Vor allem für das Powerplay wird das vergrößerte Angriffs- beziehungsweise Verteidigungsdrittel eine entscheidende Rolle spielen. Es werden mehr Schüsse auf das gegnerische Tor abgefeuert und dadurch zwangsläufig auch mehr Treffer fallen. So zumindest die graue Theorie.
  • Hybrid Icing: Künftig zieht ein Befreiungsschlag von jenseits der Mittellinie nicht mehr zwangsläufig einen Pfiff nach sich. Der Linienrichter entscheidet auf Höhe der beiden Bullypunkte in der Endzone, ob der verteidigende oder der attackierende Spieler zuerst am Puck sein wird. Ist dies der Angreifer, läuft die Partie weiter – ansonsten wird abgepfiffen.
    Die Folge: Durch die Regel soll ein längerer Spielfluss gewährleistet werden. Durch das beim Kampf um die Scheibe angeschlagene hohe Tempo, könnte es vermehrt zu (unsauberen) krachenden Checks kommen. Der Linienschiedsrichter muss bei seiner Entscheidung die Sicherheit der Spieler im Blick haben.

 

 

 

 

 

 

 

„Hockey is back“

Exakt 100 Tage nachdem die Eishockeyspieler der „National Hockey League“ (NHL) ausgesperrt wurden und es zum sogenannten „Lockout“ (wir berichteten) kam, ließen drei Worte alle Beteiligten aufatmen: „Hockey is back“- Eishockey ist zurück. Der monatelange Arbeitskampf in der besten Eishockey-Liga der Welt war Geschichte. Wichtige Details wurden geklärt, auch wenn keine der beiden Seiten, also weder die Klubbesitze, noch die Spielergewerkschaft NHLPA das bekommen hatte, was sie wollten.

Doch das war in diesem Moment nebensächlich. Für den Eishockeysport an sich ist der Beginn des Ligabetriebs von hoher Wichtigkeit. Zu sehr hätte das Image unter dem Streit eines neuen Vertrages zwischen Besitzer und Spielergewerkschaft gelitten, wäre es zu einer kompletten Spielabsage der NHL-Saison gekommen.

Doch dieser verspätete Beginn hat Folgen: Zwar wurde die Anzahl der Spieltage von ursprünglich 82 auf 48 gekürzt, doch 48 Spiele in lediglich 99 Tagen gleicht einem Mammutprogramm. Um den Vereinen größeren Reisestrapazen zu ersparen finden die Spiele nur innerhalb der Conferences (West und East) statt.

Der reguläre Spielbetrieb endet am 27. April, die Play-offs um den Stanley Cup beginnen drei Tage später. Allerletzter Play-off-Spieltag, vorausgesetzt es sollte zu einem siebten Finalspiel kommen, wäre der 21. Juni.

Der verspätete Beginn der Saison bedeutete auch gleichzeitig für die zahlreichen ausgesperrten NHL-Spieler, die sich während der Zeit des Lockouts in den europäischen Ligen tummelten, Koffer packen und nach Hause fahren. Auch den deutschen Importspielern, die den Lockout größtenteils bei ihren Heimatvereinen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verbrachten ging es da nicht anders. Klar, dass gerade die Fans, die über mehrere Wochen ein zuvor nie dagewesenes Niveau in der Liga bestaunen durften, das Verkünden des Saisonbeginns in Nordamerika mit einem weinenden Auge entgegennahmen. Doch die Freude, endlich wieder NHL-Eishockey sehen zu können überwiegt bei den betroffenen Spielern wie bei den Fans gleichermaßen.

Trotzdem gehen auch die Spieler, die in der DEL ihr Gastspiel gaben, nicht ganz ohne Wehmut. „Es war eine tolle Zeit. Die Fans in Deutschland sind super, da können sich die Amerikaner mal eine Scheibe abschneiden“, zitierte der deutsche Nationalspieler Marcel Goc (Florida Panthers), der während des Lockouts für die Adler Mannheim auf Torejagd ging, dem Eishockey-Fachmagazin „Eishockey News“ in den Block. Und auch für die Fans, die diese tolle Zeit miterleben durften, war es ein unvergessliches Vergnügen.

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Bericht über Thai-Robic und wichtige Tipps zum Workout.              

Drei Geburtstagskinder am 2.1. – Adolf Seger, Christian Welp und Florian Busch

Mittwoch, den 2. Januar haben wir uns zum Anlass genommen, mal zu schauen, welche bekannten deutschen Sportler an diesem Datum Geburtstag feiern. Drei Größen haben wir uns herausgesucht  und werden sie im Kurzporträt vorstellen. Beginnen wir mit dem Ältesten.

Drei Geburtstagskinder am 2.1. – Adolf Seger, Christian Welp und Florian Busch

Adolf Seger heute: An seinem Ohr erkennt man die ringertypische Verknorpelung (Foto: Homepage)

Adolf Seger (*2.1.1945) ist ehemaliger deutscher Ringer. Er hat schon mehrere Medaillen bei olympischen Spielen gewonnen, jeweils die Bronzemedaille bei den Spielen 1972 in München und 1976 in Montreal. Bis 1975 kämpfte er im Weltergewicht (Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm). In dieser Gewichtsklasse wurde er außerdem Weltmeister bei der Weltmeisterschaft in Minsk. Im Folgejahr wechselte er ins Mittelgewicht (bis 76 Kilo) und holte hier ebenfalls den Weltmeistertitel bei der Meisterschaft in Lausanne.  Bereits in den frühen 60er-Jahren litt Seger an den ringertypischen „Blumenkohlohren“ – einer Krankheit, die das Knorpelgewebe im Ohr nach Schlägen nicht mehr richtig verheilen lässt. Seger wurde bei den Ringer-Veteranen (Masterssport) bereits zehnmal Europameister. Von ihm stammt das bekannte Zitat: „Hinfallen können Viele, aufstehen nur Wenige“.

Drei Geburtstagskinder am 2.1. – Adolf Seger, Christian Welp und Florian Busch

Eine alte Autogrammkarte: Christian Welp (Foto: Rambacher)

Der Zweite in unserer Runde, Christian Ansgar Welp, geboren am 2.1.1964, ist ein ehemaliger deutscher Basketball-Nationalspieler und  Trainer.  Mit zehn Jahren begann er mit dem Basketballspielen in Osnabrück. Sein erstes Jahr in der Bundesliga spielte er für die erste Mannschaft des Vereins, die BC Giants Osnabrück (1982-1983). Anschließend ging er bis 1990 in die USA und spielte dort auch von 1987 bis 1990 in der NBA für die Philadelphia 76ers, die San Antonio Spurs und die Golden State Warriors aus Oakland, Kalifornien. Zurück in Europa spielte er für Bayer 04 Leverkusen, Olympiakos Piräus, Alba Berlin und bis zu seinem Karriereende 1999 für Viola Reggio Calabria. Welp gewann insgesamt sechsmal die Deutsche Basketballmeisterschaft.  Zur „Legende“ wurde der 2,13 Meter große Center am 4. Juli 1993 in München, als er im EM-Finale gegen Russland, beim Stand von 68:70, trotz Foul, mit einem Dunk ausglich, den anschließenden Freiwurf traf und Deutschland damit überraschend zur Europameisterschaft führte. Er wurde danach zum „Spieler des Turniers“ gewählt.

Der Jüngste dieser drei Sportler ist Eishockeyspieler Florian Busch. Er wurde am 2.1.1985 in Tegernsee geboren und spielt in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für den Rekordmeister Eisbären Berlin. Mit drei Jahren stand er das erste Mal auf dem Eis und begann seine Eishockeykarriere für den TV Miesbach. Busch wechselte schnell zu den höherklassigen Starbulls Rosenheim und spielte nach einem kurzen Gastspiel bei den Jungadlern Mannheim seit 2003 für die Eisbären Berlin. Mit ihnen gewann er 2005 und 2006 die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Seinen ersten Nationalmannschaftseinsatz hatte er in der U18-Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes im Jahr 2003. In der A-Nationalmannschaft spielte er erstmals 2006. Busch hatte 2008 eine Dopingprobe verweigert und wurde deshalb gesperrt, nach mehreren Gerichtsverhandlungen wurde er jedoch wieder freigesprochen. Im Februar 2011 wurde bekannt, dass der damals erst 26-jährige aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war, da er mit den Melderegularien der Nationalen Doping-Agentur NADA nicht zurechtkam, und einen weiteren Fehler befürchtete.

NHL-Ensemble beim Spengler-Cup

Am heutigen zweiten Weihnachtsfeiertag ist es wieder soweit. Der Spengler-Cup und somit das älteste, internationale Eishockey-Mannschaftsturnier startet im schweizerischen Davos in seine 86. Auflage. Gespielt wird in dem seit 2010 neuen Modus mit insgesamt sechs Mannschaften, die in jeweils zwei Vorrundengruppen eingeteilt sind. In den zwei Dreiergruppen mit den Namen „Torriani“ und „Cattini“ werden die Viertel- (2./3. Rang) und die Halbfinalisten (Gruppenerster) ermittelt. Während die Gruppe „Torriani“ jeweils am Nachmittag spielt, bestreitet die Gruppe „Cattini“ alle Abendspiele.

Die Gruppen „Torriani“ und „Cattini“ wurden nach dem bekannten „ni-Sturm“, der in den 30er- und 40er-Jahre die Paradereihe des HC Davos und der Schweizer Nationalmannschaft stellte, benannt. Richard „Bibi“ Torriani, Hans „Joe“ Cattini und Ferdinand „Pic“ Cattini, revolutionierten damals das Schweizer Eishockey. Mit dem berühmten „ni-Sturm“ gewann der HCD zwischen 1933 und 1943 „sein Turnier“ sechsmal.

Gastgeber und Titelverteidiger Davos trifft beim diesjährigen Turnier, in der Gruppe „Cattini“, auf den deutschen Vertreter Adler Mannheim und das Team Canada, das seit 1984 ununterbrochen dabei ist. In dem insgesamt zwölf NHL-Spieler umfassenden kanadischen Kader sind John Tavares (New York Islanders), der derzeit beim SC Bern unter Vertrag steht, Biels Tormaschine Tyler Seguin und Luganos Center Patrice Bergeron (beide Boston), sowie Jason Spezza (Ottawa) die größten Stars. In der Gruppe „Torriani“ stehen sich Fribourg Gottéron (Schweiz), Turnierfavorit Salavat Yulaef Ufa (Russland), die heute um 15 Uhr im Eisstadion des HC Davos das Turnier eröffnen werden, und der HC Vitkovice (Tschechien) Steel gegenüber.

Ab Samstag den 29. Dezember, geht es dann um die Qualifikation für die Halbfinals. Dafür sind die jeweiligen Gruppenersten gesetzt. Die übrigen Mannschaften ermitteln in Überkreuz-Spielen die übrigen Plätze für die Top Vier aus. Die beiden Sieger dieser Duelle ziehen in die nächste Runde ein, in der sie am vorletzten Turniertag auf die erstrangierten der jeweiligen Gruppen treffen. Die Sieger dieser Begegnungen stehen sich am Montag, den 31. Dezember, um 12 Uhr im Finale gegenüber.

Für die Adler Mannheim, die 2013 ihr 75.jähriges Vereinsjubiläum feiern, ist es bereits die siebte Spengler Cup-Teilnahme. Der momentane Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) muss dabei aber mit Denis Reul, Shawn Belle, Doug Janik, Ronny Arendt, Christoph Ullmann, Ken Mogowan und dem NHL-Rückkehrer Jochen Hecht gleich auf sieben Spieler verzichten. Aus diesem Grund werden sich die Adler sogenannte „Gastspieler“ für das Turnier besorgen. Mit Verteidiger Marco Maurer vom Kooperationspartner ZSC Lions Zürich sowie dem Verteidiger Luca Sbisa und dem Center Nick Bonio (beide aus der Organisation der Anaheim Ducks) wird die Mannschaft von Chefcoach Harold Kreis komplettiert, wobei die Adler weiter die Augen nach zusätzlicher Verstärkung offen halten. Die beiden NHL-Spieler Sbisa und Bonio ergänzen für die Dauer des Turniers somit das bereits gut bestückte NHL-Ensemble der Blau-Weiß-Roten, das aus Dennis Seidenberg (Boston Bruins), Marcel Goc (Florida Panthers) und Jason Pominville (Buffalo-Sabres) besteht.  

Vorschau:  Nächste Woche lest ihr ein Kurzportrait über drei Spieler, die am Mittwoch, 2. Januar, geboren sind: Florian Busch (Eishockey), Christian Welp (Basketball) und Adolf Seger (Ringen)

Kräftemessen in Europa

Die „European Trophy“ ist ein europäisches Turnier für Klubmannschaften und wird aktuell seit, Dienstag, 31. Juli bis Mittwoch, 28. November, zum dritten Mal ausgetragen. Ursprünglich war dieser Wettbewerb lediglich auf Skandinavien unter dem Namen „Nordic Trohphy“ beschränkt, wurde aber ab 2010 durch die „European Trophy“ ersetzt. Im Jahr 2010, dem Probejahr sozusagen, gingen 18 Mannschaften aus sieben unterschiedlichen Nationen an den Start.

Da die beiden vergangenen Turniere so vielversprechend liefen, haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, das Turnier in diesem Jahr auf mittlerweile 32 Mannschaften, aus sieben europäischen Nationen, aufzustocken.

In der Vorrunde werden die Mannschaften in vier Gruppen (besser gesagt in vier Divisions: North, East, South und West) zu je acht Teams aufgeteilt. Bei den acht Gruppenbegegnungen genießt jede Mannschaft jeweils vier Heimspiele. Die Finalrunde der acht besten Mannschaften der Vorrunde wird zwischen Donnerstag, 13. Dezember und Sonntag, 16. Dezember unter dem Namen „Red Bulls Salute“ im österreischichen Wien und im slowakischen Bratislava ausgetragen. Die Gastgeber UPC Vienna Capitals und HC Slovan Bratislava sind als zwei der acht Mannschaften automatisch gesetzt.

Zu den beiden bisherigen deutschen Vorzeigeklubs Adler Mannheim und Eisbären Berlin stoßen nun auch die Hamburg Freezers und der ERC Ingolstadt hinzu. Dabei bekommen es die Adler in der West Division mit dem EV Zug (SUI), dem ZSC Lions Zürich (SUI) dem ERC Ingolstadt (GER), Färjestads BK, Frölunda HC Göteborg (beide SWE), dem HIFK Helsinki und Jokerit Helsinki (beide FIN) zu tun. Die Eisbären Berlin spielen in der Nord Division gegen EC Red Bull Salzburg (AUT), HC Mountfield Ceske Budejovic, HC Kometa Brno, HC Plzen (alle CZE), Hamburg Freezers (GER), Lulea HF (SWE) und Kärpät Oulu (FIN) zu tun. Das Duell zwischen den „Eisbären“ und den „Freezers“ findet am Samstag 1. September, 16:30 Uhr, in Berlin statt (Rückspiel ein Tag später in Hamburg, Uhrzeit noch nicht bekannt). Die Adler aus Mannheim müssen am Mittwoch, 29. August, 19:30Uhr, beim ERC Ingolstadt antreten (Rückspiel am 31. August, 19:30 Uhr, in Mannheim).

Die deutschen Mannschaften sehen dieses Turnier viel mehr als Standortbestimmung in Europa denn als Vorbereitungsturnier auf die kommende Saison und peilen deshalb auch das Finalturnier in Wien und Bratislava im Dezember an.

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Rückblick auf die Olympischen Spiele in London.