In Liebe verbunden – Hochzeitstraditionen auf einen Blick

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Wohl eine der bekanntesten Hochzeitstraditionen: Der Brautstraußwurf.
(Foto: hochzeitsfotograf / pixelio.de)

Es ist heiß in Ludwigshafen. Die Hitze flackert über dem Asphalt. Es geht kaum ein Wind. Wir haben August. Einen der beliebtesten Monate für Hochzeiten. Auch ich lerne diesen August in der Rolle einer Trauzeugin worauf es bei einer Hochzeit ankommt. Neben Blumengestecken, Probefrisuren und Hochzeitskleidern dürfen auch traditionelle Bräuche nicht fehlen. Sie können zwar von Region zu Region variieren, einige unter ihnen sind jedoch fester Bestandteil auf vielen deutschen Hochzeiten. Für euch habe ich mir einige dieser Bräuche mal genauer angeschaut.

„Scherben bringen Glück“

Einen Tag vor der Hochzeit – heutzutage auch schonmal ein paar Tage oder sogar Wochen zuvor – versammeln sich Familie, Freunde und Bekannte des Brautpaares und vertreiben bis in die Nacht hinein böse Geister und Dämonen: Der Polterabend dient als ein Ritual zum Schutz des Paares und gehört zu den ältesten Hochzeitsbräuchen schlechthin. Durch den Lärm beim Zerschmettern von altem Porzellan soll das Grauen vom Brautpaar ferngehalten werden. Doch auch Zweifeln oder gar Ängsten wird der Garaus gemacht. Das Zerbrechen von etwas Altem symbolisiert dabei einen neuen Lebensabschnitt, dem das zukünftige Ehepaar entgegensieht. Getreu dem alten Sprichwort: Scherben bringen Glück.
Ganz im Gegenteil zum Porzellan am Polterabend bringen die Scherben von Spiegeln und Glas kein Glück, stattdessen aber sieben Jahre Unglück über das Brautpaar. Überschüssige Energie also lieber an Tellern und Co. auslassen.
Wer sich jetzt fragt, wie das Chaos am Ende wieder beseitigt werden soll, der kann sich auch hier auf die Tradition berufen. Diese besagt, dass das Brautpaar durch gemeinsames Fegen am Ende des Abends den Herausforderungen entgegentritt, mit denen es sich auch in der Ehe konfrontiert sieht. Ihr als Gäste oder Organisatoren seid beim Aufräumen also fein raus – Glück gehabt!

„Something old, something new, something borrowed, something blue“

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Am Anfang meistens auch etwas gruselig: Etwas Neues wie das Brautkleid 
(Foto: Bedenkzeit Fotografie)

Der große Tag ist da und die Braut und ihr Outfit stehen im Vordergrund. Auf einen alten englischen Brauch stützend besteht die Brautgarderobe aus etwas Altem, etwas Neuem, etwas Geliehenem und etwas Blauem.
Dabei hat jeder Gegenstand, wie wir gleich sehen werden, seine ganz eigene Bedeutung.
Etwas Altes: Ihre Verbundenheit zur eigenen Familie und ihre Herkunft kann die Braut an ihrem besonderen Tag durch Familienschmuckstücke oder ein Kleid von vergangenen Hochzeiten zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig soll etwas Altes zur Dauerhaftigkeit der Ehe beitragen und das Paar in eine glückliche Beziehung führen.
Etwas Neues: Zu einer Hochzeit gehört bei vielen Bräuten auch der Besuch im Brautmodengeschäft. Etwas Neues wird somit durch das Brautkleid oder auch durch Schmuck symbolisiert und steht für den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt.
Etwas Geliehenes: Dem Glauben folgend, dass Glück übertragbar sei, liegt es nahe, sich am Tag der Hochzeit etwas von einer guten Freundin zu leihen, die ihr Glück in der Ehe bereits gefunden hat. Es vermittelt neben der Unterstützung der Braut durch die Freundin auch Geborgenheit und soll der frischen Ehe Glück bringen. Etwas Geliehenes können zum Beispiel Schuhe oder Schmuck der Freundin sein.
Etwas Blaues: Die Farbe Blau steht für Treue, Reinheit und Ehrlichkeit. Diese Werte sollen auch die Grundpfeiler einer Ehe bilden und werden oftmals durch ein blaues Strumpfband symbolisiert. Auch blaue Schleifen oder Knöpfe können diesen Zweck erfüllen.

Ein Regen aus Reis

Das Brautpaar verlässt das Standesamt oder die Kirche nach der Trauung und wird empfangen von einem Regen aus Reis, der keinesfalls negativ verstanden werden sollte. Stattdessen wurde Reis bereits im traditionellen Asien als ein Hauptnahrungsmittel gesehen und gleichzeitig als Symbol für Fruchtbarkeit und eine reiche Kinderschar betrachtet. Die besondere Bedeutung von Reis lässt sich einmal mehr dahingehend erkennen, weil in Asien zu besonderen Anlässen Speisen aus Reis angefertigt werden. So auch der Reiskuchen.
Da man mit Lebensmitteln jedoch sorgsam und auf keinen Fall verschwenderisch umgehen sollte, bieten sich alternativ auch Rosenblätter, Konfetti oder Seifenblasen an, um das Brautpaar nach der Eheschließung in Empfang zu nehmen und zu beglückwünschen. Besonders Seifenblasen können die Träume und Wünsche des Ehepaares, die in Erfüllung gehen, sollen symbolisieren und bieten somit eine schöne Alternative zu Reis.

Ein Wink des Schicksals

Im Laufe des Abends folgt meist eine ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende und in Deutschland bereits weit verbreitete Tradition: der Brautstraußwurf. Traditionell findet dieser am Ende der Feier gegen Mitternacht statt. Dabei versammelt sich eine Gruppe der noch unverheirateten Frauen vor der Braut, die ihren Hochzeitsstrauß über die Schulter in die Gruppe wirft. Wer den Strauß fängt wird laut der Tradition als Nächste vor den Traualtar treten. Das Fangen wird also als ein Wink des Schicksals gesehen und kann auch dazu dienen, dem Partner der Fängerin einen mehr oder weniger unauffälligen Hinweis zu geben, dass die Zeit allmählich reif für einen Antrag ist. Aus diesem Grund wird oftmals bereits vorab geklärt, wer den Strauß fangen wird.
Um dem Zufall nicht im Wege zu stehen, kann die Braut sich alternativ auch mit verbundenen Augen im Kreise drehen und somit die neue Braut bestimmen. Der Brautstraußwurf kann ebenfalls als der Beginn von etwas Neuem gedeutet werden.
Um der Braut eine Erinnerung an ihren besonderen Tag zu lassen, wird bei vielen Hochzeiten ein sogenannter Zweitstrauß angefertigt, der eigens zum Wurf gedacht ist. Dieser Strauß wird dann fester gebunden und mit besonders robusten Blumen, beispielsweise Rosen, bestückt, um zu verhindern, dass er durch den Wurf beschädigt wird.
Und wer sich nun fragt, ob es ein solches Ritual auch für Männer gibt, der kann erleichtert aufatmen. Um den nächsten Bräutigam zu bestimmen, wird statt einem Strauß das Strumpfband der Frau, der Schlips oder auch die Fliege des Mannes geworfen. Die nächste Hochzeit lässt sich somit relativ einfach bestimmen.

Der Schritt über die Schwelle

Der Abend neigt sich dem Ende zu, die Gäste verabschieden sich nach und nach und machen sich auf den Heimweg. Auch das frisch vermählte Ehepaar schließt die Feier und begibt sich in das Hotelzimmer. Die letzte Tradition am Hochzeitstag befolgend, trägt der frisch gebackene Bräutigam seine Vermählte über die Türschwelle und bewahrt sie somit vor bösen Geistern die unter der Türschwelle lauern. Was danach folgt, bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen…

Natürlich sind die hier aufgeführten Hochzeitsbräuche nur eine kleine Auswahl. Welche der Traditionen tatsächlich am Tag der Trauung in Gebrauch kommen, liegt allein in den Händen des Brautpaares und der Trauzeugen, die die Planung der Feier unterstützen. Bewährte und beliebte Bräuche sorgen so für ausgelassene Stimmung und natürlich ein unvergessliches Erlebnis für das Brautpaar.

Nicht denken, machen

Ausgedacht? Manchmal denken wir so viel, dass die Zeit zum Machen fehlt (© I-vista / pixelio.de)

Ausgedacht? Manchmal denken wir so viel, dass die Zeit zum Machen fehlt (© I-vista / pixelio.de)

Die Liste ist endlos. Fein säuberlich aufgeschrieben stehen da Dinge wie „Bewegungsmelder anbringen“, „Arbeitszimmer aufräumen“, „zum Frisör gehen“ und mehr. Die zweite Ferienwoche ist vorbei und mein Ehegatte sitzt auf dem Sofa und grübelt. „Ich hab so viel zu tun. Ich hab so viel zu tun. Was muss ich denn noch machen?“ Die Liste wächst, er überlegt, sie wächst weiter. Zwei Tage braucht er allein dafür, sich zu überlegen, wie er einen der zwei Bewegungsmelder, die sein Plan vorsieht, anbringt. Kaum will er ihn anschrauben – so richtig mit Schrauber in der Hand – wird ihm klar, dass es anders vielleicht doch besser gewesen und er überlegt weiter. Logisch, dass die Liste am Ende nicht wirklich geschrumpft ist.

Was ist es nur, dass wir manche Dinge immer wieder im Kopf durchgehen, statt einfach zu handeln. Ja, manchmal begehen wir dann Fehler und müssen den Bewegungsmelder wieder abschrauben, haben Löcher an der Decke, die wir kitten müssen oder die eben einfach nicht schön aussehen. Aber durch Fehler wird man klug, deshalb ist einer nicht genug – stand jedenfalls schon im Poesiealbum meiner Mutter. Und das Prinzip des Scheiterns hat es doch mittlerweile schon in die Liga der anerkannten Erfolgspraktiken geschafft. Manchmal müssen wir eben etwas riskieren.

Losgelegt: Manchmal müssen wir das Denken einfach sein lassen (Foto: Obermann)

Losgelegt: Manchmal müssen wir das Denken einfach sein lassen (Foto: Obermann)

Ich gebe ja zu, auch ich bin eher ein Kopfmensch. Ich liebe es, mir Szenarien zu überlegen, Details auszuarbeiten und zu planen, wie ich etwas möglichst effektiv umsetze. Das Sparschwein meines Jüngsten etwa wartete über eine halbes Jahr, ehe ich es endlich mit Acrylfarben zu dem machte, was es nun ist. Aber warum da aufhören? Wer nicht umsetzt, was er sich ausgedacht hat, wird nie erfahren, ob seine Idee etwas taugt oder einfach nur sehr phantasievoll war. Mut gehört dazu, natürlich, aber nicht jeder Bewegungsmelder ist das gleiche wie die Neugründung einer Firma.

Und wo wir gerade dabei sind: Manchmal, gerade wenn mehrere beteiligt sind, kann es gar nicht funktionieren, alle zufrieden zu stellen. Schon beim Abendessen für fünf Personen steckt immer jemand zurück, die Platzierung des Bewegungsmelders scheitert schon an der eigenen Meinungsverschiedenheit mit sich selbst. Zu handeln und etwas zu riskieren heißt eben manchmal auch, andere vor den Kopf zu stoßen. Beispielsweise bei einem schwierigen Thema wie der Flüchtlingswelle einzuschreiten, wenn andere versagen, und verzweifelnden Menschen zu helfen.

Mutiert zum Denker? Kennt jeder (© Juli Gänseblümchen / pixelio.de)

Mutiert zum Denker? Kennt jeder (© Juli Gänseblümchen / pixelio.de)

Ob in dem Fall eine Pro- und Contra- Liste wie sie manch einer gerne für seine eigenen Pläne entwirft hätte helfen können, bezweifle ich stark, denn es gibt nun mal Fälle, in denen der Bauch den Kopf um Längen schlägt. Wenn bei der Anbringung des Bewegungsmelders Lichteinfall und Radius von Bedeutung sind, geht es doch in anderen Punkten vielleicht eher um die Frage, ob wir nachts noch gut schlafen können, ob wir mit uns selbst zufrieden sind oder auch nur ein bisschen glücklicher. Gefährlich wird es allerdings, wenn der Drang zum Aufschieben pathologisch wird und in de Prokrastination endet.

Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen und solange wir unsere Träume nicht verwirklichen, können wir nicht mehr neu träumen. Dass die Bewegungsmelder ihren Weg noch diesen Sommer an ihre gut durchdachten Bestimmungsorte finden, bezweifle ich ja, aber wenn sie irgendwann einmal angebracht sind, haben sie wenigstens den besten Platz. Immerhin liegen sie schon bereit. Andere Pläne lassen sich nicht so leicht und schnell in die Tat umsetzten.

Traum und Tat: Manchmal trennt das nur ein schmaler Grat (© Bern Kasper / pixelio.de)

Traum und Tat: Manchmal trennt das nur ein schmaler Grat (© Bern Kasper / pixelio.de)

Gutes Beispiel: Manuskripte. Auf meiner Festplatte warten jetzt fünf Manuskripte auf ein Weiterleben. Vor allem Unsicherheit ist es, die mich hadern lässt. Viele Möglichkeiten, viele Ängste. Wann wage ich so viel, dass sich der Gewinn nicht mehr lohnt? Wann wird ein Traum nicht umgesetzt, sondern zerplatzt? Ja, es ist nicht leicht, den entscheidenden Schritt zu wagen und etwas von der Vorstellung in die Realität zu übertragen. Aber reicht das als Ausrede. „Nicht weil etwas schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwer“, lautet ein anderes Sprichwort von Seneca. Darum versuche ich es immer mal wieder mit meinen Büchern, Geschichten, Gedichten. Darum fühlen wir uns so ehrleichtert, wenn wir doch mal einen Plan umgesetzt haben. Darum bin ich unheimlich stolz, einer Nation anzugehören, die in den letzten Tagen weltweit ein Zeichen für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gezeigt hat. Manchmal ist es ganz einfach.

Vorschau: In zwei Wochen sagt euch Anne, wann ihre Großeltern nicht mehr wegsehen können.

Die Welt ändert sich eben

Es weht ein frischer Wind: Die Debatte um die Ehe für alle wächst weiter (©manwalk / pixelio.de)

Es weht ein frischer Wind: Die Debatte um die Ehe für alle wächst weiter (©manwalk / pixelio.de)

Oh nein, höre ich euch rufen. Nicht noch ein Beitrag zur Befürwortung der Ehe-für-alle, in manchen Kreisen auch Homo-Ehe genannt. Seit die Iren mit über 60 Prozent „Ja“ gesagt haben, liest der aufmerksame Mensch ja nichts anderes mehr. Petitionen und offene Briefe, Kolumnen (na eben wie diese) und Leitartikel, alles dreht sich nur noch darum. Der Korruptionsskandal der Fifa, die unerklärliche Wiederwahl und der Rücktritt von Blatter, die Geheimdienstaffäre der Republik, alles tritt da in den Hintergrund und alle machen munter mit.

Und ja, sie ist wichtig, logisch und eigentlich selbstverständlich, das Zögern der CDU/CSU ein Zeichen einer vergangenen Ära. Oder? Immerhin waren es doch die erzkatholischen Iren, die so ihre Probleme mit Abtreibung haben, die zugestimmt haben. Und im europäischen Vergleich hinken wir, ausgerechnet wir, die einst einen homosexuellen Außenminister hatten, eine Frau an der Spitze der Regierung und sowieso und überhaupt doch so aufgeschlossen und modern sind, knallhart hinterher.

Aber warum tun sie sich eigentlich so schwer, die Konservativen, die christlichen Demokraten, wo doch sogar die Kirche Homosexualität nicht mehr so verschärft sieht, auch wenn der Vatikan sich noch mal anders gemeldet hat (die wissen ja auch nicht mehr, was sie wollen). Immerhin sind sich die Befürworter der Ehe-für-alle einig, es ändert sich nichts für alle andern, Kinder haben damit sowieso kein Problem damit und die Welt wäre ein bisschen gerechter und schöner.

Zeichen der Liebe: die Ehe sollte wie die Liebe nicht von Geschlecht abhängen (©E.-Kopp / pixelio.de)

Zeichen der Liebe: die Ehe sollte wie die Liebe nicht von Geschlecht abhängen (©E.-Kopp / pixelio.de)

Tatsache ist, die Ehe-für-alle ist nicht nur ein Problem für die CDU/CSU und die Bundeskanzlerin, weil einige Politiker es hinterm Mond gemütlicher finden, sondern weil ein Teil der Wählerschaft vehement dagegen ist. Und Wähler wird die Partei brauchen, sollten die Menschen bei der nächsten Bundestagswahl mal merken, dass die großen sozialen Projekte der Legislaturperiode eher weniger auf ihr Konto gehen. Gleichzeitig kann sie aber auch Wähler verlieren, wenn sie sich jetzt querstellt, wichtige, junge Wähler. Ein echtes Dilemma. Da unsere Gesellschaft aber so viel ältere Menschen umfasst, dass wir im weltweiten Vergleich im Schnitt die niedrigste Geburtenrate haben, vermute ich stark, die sogenannten christlichen Demokraten werden es aussitzen wollen, abwarten, hoffen, dass der Sturm vorüber geht, ein paar Zugeständnisse, die ohnehin geplant waren, absegnen und es dabei belassen. Schwach.

Aber seien wir ehrlich, natürlich ändert sich etwas, wenn die Ehe-für-alle erlaubt wird. Sehr viel für jeden von uns. Die Eltern müssen ihren Kindern nicht mehr nur erklären, wo die Babys herkommen, wieso Meryem so anders spricht und Ben so dunkle Haut hat sondern auch wie die Tina zwei Papas haben kann und der Jonas gar keinen – und wo dann die Babys hergekommen sind. Puh. Das schlimmste aber – das allerschlimmste – ist, dass wir selbst umdenken müssen. Mit der Ehe-für-alle wird endgültig die Norm der Zweierbeziehung von „er und sie“ abgeschafft. Die Frage, wann ein Heterosexueller gemerkt hat, dass er auf das andere Geschlecht steht, ist kein Kalauer mehr. Nach der Frage: „Sind sie verheiratet“, wird erst das Geschlecht und dann der Name des Ehepartners erfragt. Wir werden ein Stück gleicher. Wir müssen umdenken. Und, oh Gott, das klingt doch furchtbar anstrengend.

Liebe CDU/CSU, ja es ist anstrengend, seine Meinung zu ändern, sich zu öffnen und umzudenken. Aber, ganz sicher, ist es diese Anstrengung wert. Gerade die Frau Bundeskanzlerin sollte das wissen. Und darum ist es wichtig, dass wir Artikel schreiben, Kolumnen und Kommentare, dass wir Unterschriften sammeln und offene Briefe veröffentlichen, so lange, bis wir genug genervt haben, bis das Umdenken da ist, bis endlich die Ehe für alle möglich ist.

Andere Zeiten – Andere Ehe

Heiraten, Kinder kriegen, Familienleben.  So sah der Lebensentwurf viele Jahre lang aus. Doch die bedeutungsschwangeren Worte eines „Ja, ich will“ kommen mittlerweile immer weniger Paaren über die Lippen. Es stellt sich gar die Frage, ob wir überhaupt noch dazu bereit sind uns die Treue zu schwören – es muss ja nicht bis ans Lebensende sein.

Solidarisch: Ist die Ehe ein Auslaufmodell? (Foto: V.Wahlig)

Solidarisch: Ist die Ehe ein Auslaufmodell? (Foto: V.Wahlig)

Fest steht: Die Zahl der Eheschließungen geht zurück. Während 1988 noch 534903 Paare in den Hafen der Ehe einliefen, waren es 2013 nur noch 373 600, also rund 30% weniger. Ob es an dem zu schnellen Lauf der Zeit, zu hohen Ansprüchen an eine Partnerschaft oder an der Angst den letzten Schritt in einer Beziehung zu gehen liegt, lässt sich nicht ganz so einfach beantworten. Deutlich wird aber bei dem heutigen Lebensstil: Heiraten steht nicht mehr so weit oben auf der To-Do-List. Schnell wird das Verlangen laut zu heiraten ohne zu heiraten. Also ein Ja ohne einen Trauschein.

Diesen Wunsch hegen auch immer mehr junge Franzosen und Frankreich bietet seinen Verliebten seit 1999 die Möglichkeit Ja zu einer solidarischen Beziehung und Nein zur Ehe zusagen. Die Lösung heißt Ziviler Solidaritätspakt (PACS aus dem Französischen  für pacte civil de solidarité). PACS bietet die Chance eine zivilrechtliche Partnerschaft  mit Gütergemeinschaft, gemeinsamer steuerlicher Veranlagung und steuerlich günstigen Erbbestimmungen zu führen. Dabei ist er nicht abhängig von der sexuellen Orientierung Rund 95% der PACS werden von heterosexuellen Paaren eingegangen.

Im Unterschied zur Ehe wird der PACS nicht vor dem Bürgermeister, sondern vor dem Amtsgericht geschlossen. Es reicht der Personalausweis um sich die gegenseitige Solidarität zu bekunden. Aber ist das romantisch, sich die Liebe zu schwören ganz so als ob man gerade mal seinen Wohnsitz ändern möchte? Das haben sich einige Bürgermeister auch gefragt und erlauben nun eine kleine Zeremonie für jedes Paar, das einen PACS schließt.  Aber was bedeutet diese Form der Partnerschaft? In erster Linie verpflichten sich die Paare zu gegenseitiger Hilfe mit Freiheiten für die individuelle Ausgestaltung. Aber sollten diese Pflichten nicht in jeder gesunden Beziehung selbstverständlich sein? Eigentlich ja schon, aber junge Franzosen bekunden ihre Entscheidung zum PACS mit dem Gefühl ihre Partnerschaft auf eine neue Ebene zu erheben. Man schwört sich Solidarität und nicht unbedingt Treue. Aber wozu braucht man eine Eintragung in ein Register, um Ja zueinander zu sagen? Naja, auch rechtlich hält diese Form der Solidarität so manchen Vorteil bereit. So dürfen unversicherte Partner gegebenenfalls die Sozialversicherung des Partners in Anspruch nehmen. Beim Mietrecht haben die Partner, die den Mietvertrag für die gemeinsame Wohnung nicht mit unterzeichnet haben, automatisch das Recht auf die Übernahme des Mietverhältnisses.Zudem wurde auch das Erbrecht dem von Ehepaaren angeglichen. Darüber hinaus ermöglicht der zivile Solidaritätspakt eine bessere Bewertung bei der Ausstellung einer Aufenthaltserlaubnis für einen ausländischen Partner.

Es scheint also, als ob dieser partnerschaftliche Pakt so einige Vorteile bietet. Soziale und rechtliche Vorteile gepaart mit einem „Ja, ich will (solidarisch sein)“.

Falls die Solidarität dann schwindet ist eine Loslösung vom Paktpartner einfacher als eine vielleicht mühevolle und teure Scheidung. Es genügt eine gemeinsame schriftliche Erklärung der beiden Partner beim Amtsgericht des Wohnortes. Entscheidet sich einer der beiden Partner dann doch zu einer Hochzeit, mit einem anderen Partner, löst sich der Pakt ganz von alleine auf. Aber auch wenn dies Art von Solidarität unromantisch klingt, bleibt eine Frage: Ob so ein Solidaritätspakt nach dem Vorbild Frankreichs auch in Deutschland angenommen werden würde?

Der Hochzeitswahnsinn

Es ist also soweit. Noch im letzten Jahr konntet ihr an gleicher Stelle lesen, wie furchtbar ich den Hochzeitstwahnsinnswettbewerb auf Facebook finde. Und jetzt? Ich habe geheiratet und tatsächlich erfolgreich vermieden, im Vorfeld Planungsstand, kritische Momente und Vorfreuden öffentlich zu machen. Doch schon am Tag nach dem großen Fest kursierten 30 Fotos im globalen Netz, ganz ohne mein Zutun. Irgendwo hört der Arm der Braut auf, vor allem, wenn sie keine Braut mehr ist. Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um Chaos und Ordnung und den ganz normalen Wahnsinn.

Der Hochzeitswahnsinn

Stilecht: Mit Kutsche zur Kirche (Foto: Bernatz)

Den Anfang macht ein goldener Tipp an alle Hochzeitsplanenden: macht so viel wie möglich selbst. Verteilt die Planung nicht, denn was am Anfang Arbeit nimmt, wird später purer Stress, wenn die Teile sich zusammenfügen, überlappen und durcheinander geraten. Wer die Fäden in der Hand hält weiß, wo Probleme auftreten und wie sie zu umgehen sind. Und Rat kann sich der Planer dann immer noch holen. Das sollte er auch. Bei Menschen, die Feiern schon öfters geplant haben, in Ratgebern, bei den Eltern, den Freunden und am Wichtigsten: dem Partner.

Und die zweite goldene Regel ist: Egal wie gut ein Fest geplant ist, es wird immer etwas schief gehen. Beispiele? Am Vorabend der Hochzeit mussten wir feststellen, dass der Raum doch kleiner war, als gedacht. Die komplette Tischordnung wurde innerhalb von zwanzig Minuten umgeschmissen, neu geordnet und mit Kompromissen versehen. Plötzlich fehlten zwanzig Tassen und Untertassen, die Tischdecken wurde in den letzten Tagen fertig genäht, die Kuchenliste wurde in der letzten Nacht verdoppelt und nach der Trauung konnten wir feststellen, dass zwei fest eingeplante Gäste schon mal gar nicht gekommen waren. Doch da hört der Spaß nicht auf.

Der Hochzeitswahnsinn

Unikate: die raffinierten Ringe für die Ehe (Foto: Obermann)

Zu unserer großen Überraschung war uns das Wetter gut gesinnt. Schon beim Standesamt blieb der angekündigte Regen aus, und am Samstag fand tatsächlich die Sonne den Weg zu uns. Doch dieses Wetter im Zwischenbereich führte dazu, dass es nicht warm genug war, um unseren Getränkevorrat wirklich zu verdünnen, und nicht kalt genug, um unser Büffet zu leeren. Aber lieber zu viel haben, als zu wenig. Und vor allem: locker bleiben. Der in letzter Minute aufgestellte Geschenktisch wurde so nahe an unser Gästebuch gestellt, dass viele das Buch für ein Geschenk hielten und die Einträge deswegen etwas mau ausgefallen waren. Locker bleiben solltet ihr auch bei den vielen Spielen und Aktionen. Bei dem Tanzwettbewerb zwischen Braut und Bräutigam, dem obligatorischen Er-oder-Sie-Quizz, dem gemeinsamen Baumstammzersägen, …

Im Großen und Ganzen lief aber alles gut. Der vergessene Brautstrauß erreichte die Kutsche, bevor wir an der Kirche waren, der Reifrock wurde dank fachkundiger Hilfe schnellstens wieder repariert. Unsere einmaligen Eheringe von der Goldschmiede Eckart passten wie angegossen, der Hochzeitslikör für die Gäste wurde mit Freude angenommen, die Fotografin wartete geduldig, bis der Vater des Bräutigams wieder aufgetaucht war und das französische Brautkleid nahm keinen Schaden. Die Einwegkameras landeten brav im bereitgestellten Karton. Der DJ  von Evergreen Entertainment und die Karaoke war im Übrigen eine grandiose Idee. Noch um vier Uhr grölten Bräutigam, Brautbruder, sein bester Freund und der Trauzeuge „Quit playing games with my heart“. Mit allem Chaos und aller Planung kamen wir auf eine wundervolle Hochzeit. Nur mein Mann muss sich noch an seinen neuen Nachnamen gewöhnen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um den Masochismus beim Rennradfahren.

Ein Mär(/d)chentraum

Ein Mär(/d)chentraum

Lecker: So eine Hochzeitstorte lässt nicht nur Frauen träumen. (Foto: Obermann)

Ein Mär(/d)chentraum. Eine mit roten und weißen Rosen geschmückte Kirche, in den Reihen erwartungsvolle Gäste, die Mütter mit Tränen in den Augen, die Väter versuchen so zu tun, als würden sie ihre nicht bemerken (ihre Tränen natürlich), aus dem Hintergrund ertönt leise eine Melodie, die alle zu Herzen rührt, sie blicken auf, zum Eingangsboden, wo ein wunderschönes Paar eintritt, er in schmuckem, maßgeschneidertem Anzug mit weißer Rose im Knopfloch, sie in einem bezaubernden Kleid aus weißem und cremefarbenem Stoff, einen Strauß aus eben diesen roten und weißen Rosen in der Hand, eine bestickte Schleppe hinter sich her ziehend, über den Mittelgang schwebend. Der Priester spricht, sie antworten und alles endet erst in einem atemberaubenden Kuss, der alle älteren Paare vor Neid erblassen und die jüngeren zu ähnlichem verleitet, dann die große Party, mit Tanz, Trara und Tequila (welcher andere Alkohol fängt noch mal mit T an?) Jaja.

Pustekuchen.

Humbug.

Wer heiratet heute schon noch? Das statistische Bundesamt raubt da jede Illusion. 2009 gab es beispielsweise 4,9 Eheschließungen je 1000 Einwohner. Von 1000 Menschen haben also etwa 10 gesagt, sie heiraten, sodass es 5 Hochzeiten gab. Donnerwetter. Bleiben 990, die entweder schon verheiratet sind, zu jung waren, Single, oder einfach nicht heiraten wollten. Zum Vergleich: 2000 gab es immerhin noch 5,5 Eheschließungen je 1000 Einwohner, 1987, als ich geboren wurde, 6,6. Im Jahr, als meine Eltern geboren wurden, 1959 sah es noch ganz anders aus. Damals waren es 9,5. Innerhalb von 50 Jahren ist die Zahl der Hochzeiten also um mehr als 50 % zurückgegangen. Mhhmmm. Wie kommt das?

Einerseits gibt es mit Sicherheit ein Umdenken, wir sind weniger traditionsbelastet, keiner wird hier gesteinigt, weil er in wilder Ehe lebt oder uneheliche Kinder hat. Scharlachrote Buchstaben und Ähnliches sind abgeschafft. Warum also überhaupt noch heiraten? Auch wenn das Klischee sagt, Frauen wollten heiraten, Männer nicht, gibt es hier und da Befürworter und Gegner. Warum sich von einem Mann abhängig machen, oder den Nachnamen ändern? Warum, wo die Scheidungsraten so kontinuierlich gestiegen ist, wie die Eheschließungen abgenommen haben? Ist es ohne nicht viel einfacher?

Was aber, wenn sich nach ein paar Jahren Beziehung der Wunsch einstellt, sich für immer einander zu versprechen. Sich einzugestehen, dass niemand gleich beim ersten Problem oder Streit davonlaufen will oder soll. Und dies aller Welt eben doch in einem Ritual zu beweisen?

Ein Mär(/d)chentraum

Verliebt: Doch reicht das zum Heiraten? (Foto: Obermann)

Ich will heiraten. Wobei mir die Standesamtliche dabei gar nicht so wichtig ist. Eine Unterschrift macht keine Beziehung klar. Allerdings macht sie vieles einfacher. Beide Eltern haben den gleichen Nachnamen wie die Kinder, es gibt Steuervergünstigungen, ganz zu schweigen von gewissen Rechten im Ernstfall. Und – Greys Anatomie in allen Ehren – ein Klebezettel reicht dafür wirklich nicht aus. Ich habe auch nie verstanden, was an einer schnellen Hochzeit in Vegas so romantisch sein soll. Ein betrunkener, schlechter Elvisimitator murmelt was von wegen Internet-Lizenz und das Hochzeitsbudget fällt keiner Party, sondern dem Glücksspiel zum Opfer. Nein, danke.

Da steh ich wirklich auf ein paar Blumen, einem Kleid und einer Kirche. Auch wenn ich auf Rot nicht so stehe und echt keine 10000€ ausgeben will. Das muss wirklich nicht sein. Aber mit Freunden und Familie dieses Versprechen zu feiern, das finde ich schon angemessen. Lustigerweise sieht das mein Verlobter etwas anders. Für ihn muss es die teure Festlichkeit mit maßgeschneidertem Anzug schon sein. Die kleine Version reicht ihm nicht aus.

So sind sie, die Bräutigame unserer Zeit. Berechnend. „Ich muss doch meine Familie versorgen können“, heißt es, und ich glaube die letzten 50 Jahre sind irgendwie spurlos an ihm vorbei gegangen. Zumindest die Zeit, die er davon mitbekommen hat, was etwas mehr als die Hälfte ist. Sind wir wirklich noch so kalkulierend? Heiraten nur, wenn‘s der Geldbeutel erlaubt? Liebe ist nur der kleinere Faktor?

Vielleicht werden sich manche Dinge nie ändern. Selbst wenn die Abschriften aus den Geburtenregistern schon bestellt sind (die werden für die Anmeldung der standesamtlichen Eheschließung benötigt), wird wieder der Taschenrechner gezückt und doch noch mal alles um ein Jahr verschoben. Wenigstens bleibt ein Tropfen Hoffnung. Die Liebe braucht keine Unterschrift und kein Ritual, um zu bestehen, und wenn zwei Menschen sich einander für die Ewigkeit versprechen wollen, macht ein Jahr mehr oder weniger ohnehin nichts aus.

Vorschau: Lea erzählt euch nächste Woche, warum manchmal alles andere so viel wichtiger erscheint, als Lernen, besonders wenn Klausuren in greifbarer Nähe sind. Dabei lüftet sie auch das Geheimnis, wer oder was ihr persönlicher Feind Nummer eins ist.