Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Schon als kleines Kind wurde Tim Anders, während er beim Schaukeln vor sich hin sang, von einem Nachbarn auf seine schöne Stimme angesprochen. Damals hätte vermutlich noch niemand gedacht, dass der inzwischen 24-Jährige tatsächlich einmal Sänger werden würde. Bereits in seiner Schulzeit wirkte Tim im Schulmusical mit und war in der Schulband aktiv. Im Alter von 15 Jahren lernte er, Gitarre zu spielen und gründete gemeinsam mit Freunden seine erste Band. Beruflich schlug Tim jedoch erst einmal eine andere Richtung ein und absolvierte eine Ausbildung zum Koch. Die Liebe zur Musik setzte sich allerdings durch und so zog Tim nach Berlin, um Straßenmusik zu machen. Wir haben mit ihm über sein Leben als Straßenmusiker und seine dadurch entstandene Musikkarriere gesprochen.

Face2Face: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Tim: Musik verändert sich stetig und so ist es auch bei mir. Ich warte immer noch auf eine passende und gute Beschreibung, aber ich schätze, die neuen Lieder bewegen sich zwischen Liedermacher, Blues und Jazz.

Face2Face: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Tim: Alles kann mir Inspiration schenken: Gespräche, Begegnungen, Momente, Orte. Kurz gesagt: Das Leben ist die Inspiration! Die Kreativität steckt in unserem Ursprung, der Natur, und die Inspiration ist der Impuls, den wir brauchen, um diese Kreativität fließen zu lassen.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Musik belebt die dunkle Gasse: Tim Anders beim Musizieren in einer Berliner Unterführung (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie kamst du auf die Idee, Straßenmusik zu machen?

Tim: Ich wollte frei sein und Musik machen. Ich wollte ins Ungewisse springen, die harte Schule der Straße spüren und mich selbst dabei ausprobieren und kennenlernen. Mein Lehrer hatte mir irgendwann den Film „Once“ gezeigt und ich glaube, dabei bin ich ein wenig hängen geblieben. Ich wollte diese eine Erfahrung, Straßenmusiker zu werden, in vollen Zügen auskosten.

Face2Face: Wann war dein erster Auftritt als Straßenmusiker?

Tim: Mein allererster Straßenmusik-Auftritt war 2015 unter der Bahnunterführung in Tübingen. Es war Sommer und viele Leute waren unterwegs. Ich habe einen vermutlich obdachlosen Mann gefragt, ob ich mich ein paar Meter neben ihm platzieren dürfte, um ein bisschen Musik zu machen. Er gab mir das „OK“ und ich legte los. Knapp acht Euro waren am Ende im Koffer und somit das Zugfahrticket gesichert.

Face2Face: Hast du schon gemeinsam mit anderen Musikern auf der Straße gespielt?

Tim: Ja, mit Fabio Shanti. Er ist ein langjähriger Freund und Multiinstrumentalist. Wir schreiben zusammen Lieder, touren in der Regel gemeinsam und lernen voneinander auf musikalischer und menschlicher Ebene. Wir sind ein Team und werden hoffentlich noch viele weitere schöne Momente teilen können!

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Zu zweit spielt es sich leichter: Tim Anders und Fabio Shanti beim Straßenkonzert in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Was ist das Schönste für dich, wenn du Straßenmusik machst?

Tim: Was mich sehr berührt, ist, wenn wir es schaffen, eine Traube von Menschen zum Zuhören zu bewegen und ich mich in einer Blase befinde, aus der ich am liebsten nie wieder austreten möchte.

Face2Face: Hast du auch schon in anderen Ländern Straßenmusik gemacht?

Tim: Nicht nur die Straßenmusik, sondern auch Clubauftritte haben mich und meinen Mitmusiker Fabio Shanti durch Europa geführt! Neben Deutschland waren wir in Frankreich, Italien, Schweden und Russland unterwegs, haben Straßenmusik gemacht und zum Teil Gastauftritte und Interviews gegeben! Schweden war verdammt teuer, denn selbst mit einem dicken Beutel an erspieltem Geld konnte man sich gerade mal einen Döner leisten. In Italien kam sogar die Polizei vorbei und schmiss ein paar Münzen in den Hut. Auf unserer Tour in Südfrankreich fanden wir einen abgelegenen Platz an den Klippen einer großen Bucht, sodass wir die Zeit vor unserem Zelt für ein paar Tage vergaßen. In Marseille haben wir Francois getroffen. Der hat uns den besten Pizzaladen für mittellose Straßenmusiker gezeigt, seine Weinkrüge mit uns geteilt und sein „Zuhause“ zu „unserem Zuhause“ werden lassen! Außerdem haben wir seinen mexikanischen Freund Israel kennengelernt, der uns am Tag der Abfahrt zum Essen einlud und uns über sein wundervolles Land aufklärte. In Russland wurden wir auf der Straße von wildfremden Leuten zum Wodka-Frühstück eingeladen und durften die wärmste und ehrlichste Gastfreundschaft genießen! Wir haben aber auch weniger angenehme Momente gehabt und sind an unsere Grenzen gestoßen. Wir haben zum Beispiel gestritten und waren kurz vor dem Aus einer musikalischen Freundschaft. Das alles gehört dazu und wir sind dankbar für diese Intensität der Momente und Begegnungen.

Face2Face: Was waren die außergewöhnlichsten Orte, an denen du je als Straßenmusiker gespielt hast?

Tim: Wir haben vergangenen Sommer mal in einem öffentlichen Bus gespielt. Das war eine coole Nummer. Wir hatten unser Straßenequipment dabei und sind damit von Bus zu Bus gestiegen, um es auf- und abzubauen und für die Leute zu spielen. Es kam ziemlich gut an und mein Mikrofon ist ständig abgehauen, sobald sich der Bus in eine Kurve gelegt hat. Auch wenn es so schräg und unprofessionell war, war es genau richtig. In Italien habe ich mal ein spontanes Strandkonzert gegeben. Die Leute schienen mir nicht wirklich zuhören zu wollen und ich wurde immer deprimierter. Ich habe gedacht: „Naja, dann spiele ich solange für die drei Personen, die vor mir saßen, bis sie nicht mehr wollen.“ Dazu kam es nicht, da ich von einem grauhaarigen, alten Mann unterbrochen wurde. Der fragte mich, ob er mal spielen dürfte. Als er anfing zu spielen, saß innerhalb kürzester Zeit eine Schar von Leuten um ihn herum und sang lautstark mit. Der alte Herr sang seine eigenen Lieder, die ich sogar vom Hören kannte. Das hielt dann für zwei Stunden an, bis der gefühlte Höhepunkt des Abends erreicht war und eine Gitarrensaite riss! Eine meiner schönsten Erinnerungen ist auch die Begegnung mit Norbert auf dem Marktplatz im südfranzösischen Menton. Nach meinem Set stand er in Tränen aufgelöst da und hat sich bei mir bedankt. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben rausgefunden, dass wir in derselben Stadt wohnen! Fast drei Jahre ist es her und eine gute Freundschaft ist entstanden. Er kommt zu jedem unserer Konzerte in Berlin.

Face2Face: Du wurdest auf der Straße von einer Plattenfirma „entdeckt“, hast dadurch einen Plattenvertrag bekommen und 2016 dein Debütalbum „Thoughts, Words & Moments“ veröffentlicht. Wie haben sie dich angesprochen?

Tim: Ich stand in der Brandenburger Straße in Potsdam und habe Musik gemacht. Ein paar Wochen später erhielt ich eine Nachricht über Facebook, in der ich gefragt wurde, ob ich Interesse an einer musikalischen Zusammenarbeit mit einem jungen Label in der Gründungphase hätte. Ich bin den Deal eingegangen und Fabio kam mit ins Boot. Es war für alle Beteiligten ein schöner Anfang, ins Musikgeschäft einzusteigen und sich auszuprobieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

Face2Face: Was hat sich dadurch für dich als Straßenmusiker geändert?

Tim: Für mich hat sich als Straßenmusiker nichts verändert, außer dass ich nicht mehr versuche, mit meiner Musik auf der Straße Geld zu verdienen. Ich möchte Kunst machen und für mich ist wichtig, dass Kunst wahrgenommen wird. Egal, ob es eine Person ist, die sich mit der Kunst identifizieren kann oder ob es 100.000 Personen sind. Wenn die Kunst nur eine Person erreicht, bei der sie eine Wirkung hat und etwas hinterlässt, dann ist es genau so, wie es sein soll.

Face2Face: Ist man mit einem Plattenvertrag in der Tasche ein sorgenloserer Straßenmusiker?

Tim: Ich denke, es spielt keine Rolle. Sorgen hat man mal mehr und mal weniger.

Tim Anders – von der Straße zum Plattenvertrag

Nie ohne Gitarren: Tim Anders und Fabio Shanti machen gemeinsam Straßenmusik in der Nähe der East Side Gallery in Berlin (Foto: Tim Anders)

Face2Face: Wie oft bist du als Straßenmusiker unterwegs?

Tim: In den ersten beiden Jahren habe ich von der Straßenmusik gelebt und war knapp fünf Tage die Woche auf der Straße. Ich habe in der Sonne, im Regen und sogar bei Minusgraden gespielt. Mittlerweile spielen wir mehr Konzerte und fahren gezielte Straßenmusiktouren, wie zum Beispiel eine Nord- und Ostsee-Straßenmusiktour im August 2018.

Face2Face: Wie du gerade schon erzählt hast, spielst du mittlerweile nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in Clubs und anderen Konzertlocations. War das eine bewusste Entscheidung von dir?

Tim: Die Straße war und ist für mich eine gute Schule und das, was ich da gelernt habe, nehme ich mit auf die Bühne. Konzerte zu spielen ist eine andere Herausforderung neben der Straßenmusik und gehört dazu. Mit meinem ersten Auto kam die erste Konzerttour und es wurde automatisch mehr.

Face2Face: Was macht dir mehr Spaß: Auf der Straße oder in Konzertlocations spielen?

Tim: Ich habe mehr Spaß an Konzerten, da du einen Raum hast, wohin die Leute kommen, um dir zuzuhören. Du musst nicht erst mal hart dafür arbeiten, dass dir Leute überhaupt ein offenes Ohr schenken. Trotzdem sind Konzerte jeglicher Art für mich eine kleine Überwindung, aber wenn ich das geschafft habe, genieße ich es sehr.

Face2Face: Du warst auch schon als Supportact von Mellow Mark mit ihm auf Tour. Wie kam es dazu?

Tim: Mellow Mark habe ich irgendwann nach unserer ersten Begegnung auf einem Videodreh wiedergetroffen und bin anschließend als Roadie mitgefahren. Irgendwann konnte ich nicht mehr einfach so danebenstehen und ihm auf der Bühne lauschen. Bei einem kleinen Konzert stellte er mich spontan auf die Bühne – in der Hoffnung, dass ich ihn nicht enttäuschen würde. Danach ging alles seinen Weg und ich durfte viele schöne Erfahrungen als Vorband von Mellow Mark und Jamaram sammeln. Außerdem haben wir auf seiner 2017 erschienenen Platte „Nomade“ den gemeinsamen Song „Easy“ veröffentlicht und sind auf irgendeine Art seelenverwandt.

Face2Face: Übst du nebenher noch einen anderen Beruf aus oder kannst du allein von der Musik leben?

Tim: Ich habe drei Jahre versucht, von meiner Musik zu leben und das war eine schöne Erfahrung mit vielen Höhen und Tiefen. Seit ein paar Monaten versuche ich allerdings, das Geldverdienen und die Kunst – so gut es geht – zu trennen, denn ich habe noch einen Job neben der Musik.

Face2Face: Was ist für dieses Jahr noch alles geplant?

Tim: Momentan planen wir eine Konzert- und Clubtour im Dezember. Bis dahin haben wir noch ein paar vereinzelte Konzerte und im August steht die schon erwähnte Straßenmusiktour entlang der Ost- und Nordseeküste an. Außerdem arbeiten wir hart an einer weiteren Platte.

Mehr Infos zu Tim Anders gibt es auf seiner Homepage oder seiner Facebookseite. Musikalische Kostproben findet man auf Youtube.

Mannequin-Challenge mit Kinderkeyboard

Jeder kennt ihn – den Mann mit der Panda-Maske. Mit seinem erfolgreichen Ohrwurm „Easy“ hat er die Musikszene im Sturm erobert. Hinter seiner Maske versteckt sich aber nicht nur ein cooler Typ: Cros gefühlvolle Stimme gepaart mit emotionalen Texten, die aber auch gute Laune verbreiten, verzaubern Jung und Alt.

Rapper Cro in Mannheim

Rapper Cro in Mannheim

Party der Generationen

Sein Erfolg zeigt sich auch bei seiner „MTV-Unplugged“-Tour, die wegen der großen Nachfrage verlängert wurde. So strahlen dem Rapper am vergangenen Samstag 7.000 Fans in der Mannheimer SAP-Arena entgegen, als er nach seiner Vorband VONA die Bühne betritt. Es reicht ein lässiges „Hi Leute“ und die Menge beginnt aus vollem Halse zu kreischen. Es erinnert an die Boyband-Zeiten, in denen die Mädchen reihenweise Ohnmachtsanfälle erlitten, wenn ihre Idole auch nur in Sichtweite waren.

Die Vielfalt der Besucher ist dabei beachtlich: Von jungen Mädchen in den Zwanzigern, die zu den Tönen mitwippen über Teenies, die sich in den ersten Reihen tummeln und Kleinkindern, deren Eltern sie für eine bessere Aussicht auf den Schultern tragen, ist alles dabei. Vor allem die jüngsten Besucher des Abends tanzen begeistert zu den Tönen des 25-jährigen Rappers, als wären sie schon geübte Party-Gänger. Einige Mütter trällern mit ihren Söhnen die gemeinsamen Lieblingssongs mit.

 Bewegende Bühnenshow

Entgegen der altbekannten „MTV-Unplugged“-Reihe ist Cros Auftritt klanglich eher dick aufgetragen. Das Einsetzen von E-Gitarren und die Soundeffekte des DJs übertönen das Orchester.

Die grandiosen Background-Sängerinnen, die die Menge so richtig mit ihren Soul-Stimmen anheizen, bekommen aber zum Glück noch ein paar Soloeinlagen. Das „Unplugged“-Feeling setzt zum Ende hin dann doch ein: Aus dem Boden taucht plötzlich passend zur Zugabe, die aus ganzen acht Nummern besteht, ein Klavier auf. Darauf bezeugt Cro bei Hits wie „Melodie“ sein musikalisches Talent und wird von 7.000 leuchtenden Handys begleitet – Gänsehaut ist vorprogrammiert.

Großes Entertainment

Cro belässt es aber nicht bei den besinnlichen, ruhigen Nummern. Er tauscht sein Klavier kurzerhand gegen ein Kinderkeyboard und zeigt den Zuhörern, wie lange er und sein Orchester still halten können bei der Mannequin-Challenge.

Highlight für die kreischenden Fans ist natürlich Cros Gang durch die Menge – Selfie-Möglichkeiten mit dem Rapper inklusive.

Bei seinen Hits „Bad Chick“ und „Easy“ können wir uns nochmal von dem Orchester überzeugen, denn die Nummern werden spitze von dem Kontrabass und den restlichen Streichern untermalt. Ein echter Erfolgstyp eben, dieser Cro.

Vorschau

Cro bringt die Masse zum brennen

„Er flowt wieder wie, dieser Hova und außerdem baut er die Beats, es ist EASY“, tönt es durch die ausverkaufte Frankfurter Festhalle. Während in Berlin an diesem 9. November die Luftballons als Zeichen für den Fall der Mauer Richtung Himmel steigen, steigt der Adrenalinpegel der Cro-Fans ins schier Unendliche. Das Publikum ist altersmäßig bunt gemischt, auch wenn das vor allem daran liegt, dass zahlreiche Eltern ihre Kinder auf das Konzert begleitet haben. Doch wenn man genau hinschaut, macht es fast den Eindruck als könnten die jungen Fans, den älteren nichts vormachen: kann sogar der eine oder andere Erziehungsberechtigte die Lieder:

Charmant: Der Rapper performte nicht nur seine Songs, sondern erzählte auch persönliche Geschichten auf der Bühne (Foto: V.Wahlig)

Charmant: Der Rapper performte nicht nur seine Songs, sondern erzählte auch persönliche Geschichten auf der Bühne (Foto: V.Wahlig)

19:30 Uhr: das Licht geht an, Gekreische und doch nur Fehlalarm. Kein Cro, sondern nur ein „Rapper“  dessen Auftritt die Zeit bis zum Konzertbeginn leider eher verlängerte als bereicherte.

20 Uhr: das Licht geht wieder an. Aber wieder nur Fehlalarm. Auf der Bühne bauen die Techniker nochmal die Lichter um. Und spannten eine riesige weiße Leinwand auf. Dann wieder Dunkelheit im Festsaal.

20.30 Uhr: Gekreische. Das Licht geht an und auf der Leinwand erkennt man die Umrisse eines Trompetenspielers. Die ersten Töne erklingen und die Masse fängt förmlich an zu brennen. Die Leinwand fällt und da steht er mit seiner Maske: Cro.

Tierisch: Die Pandamaske ist das Markenzeichen des Rappers (Foto: V.Wahlig).

Tierisch: Die Pandamaske ist das Markenzeichen des Rappers (Foto: V.Wahlig).

Cro, eigentlich Carlo Waibel, wurde durch seinen Song Easy in Deutschland einem breiten Publikum bekannt. Sein zweites Album „Melodie“ erschien dieses Jahr. Ebenso stellte der fleißige Rapper, Sänger und Musikproduzent dieses Jahr seine Biografie auf der Frankfurter Buchmesse vor. Cro selbst bezeichnet seine Musik als „Raop“, eine Mischung aus Rap- und Pop-Musik. Sein Gesicht verbirgt er hinter einer Pandamaske, die auch sein Markenzeichen ist.

21 Uhr: Jetzt tanzt die ganze Festhalle und singt mit. „Denn mein Chick ist so bad, so bad, so bad“, erklingt nun wirklich aus jedem Mund. Dann erfüllt Cro zwei Fans ihren wohl größten Traum. „ Hey, Leute! Wer kann von euch singen? Ich mein so richtig gut! Du? Na, dann komm mal rauf auf die Bühne. Jetzt noch ein Junge!“ Und natürlich ist auch dieser schnell gefunden. Was darauf folgt? Erst einmal eine Umarmung des weiblichen Fans, die vor Aufregung kaum noch atmen kann. Der männliche Fan vorne auf der Bühne ist da schon „cooler“ und greift nach Cros Aufforderung direkt zum Mikrofon und performt Cros Hit „ Du“. Das Mädchen tat es ihm gleich, nur mit dem Unterschied, dass sie ihren Blick nicht von der Pandamaske abwenden kann. Bevor das kleine Intermezzo vorbei ist, gibt es natürlich noch ein Selfie mit dem Sänger.

Feurig: Auch die Bühnenschau brachte die Masse zum kochen (Foto: V.Wahlig)

Feurig: Auch die Bühnenschau brachte die Masse zum kochen (Foto: V.Wahlig)

22 Uhr:  Auch die schönsten Ereignisse enden einmal. Und somit ist nach gut eineinhalb Stunden das Konzert auch schon vorbei. Unter Silberpapier Regen, mit strahlenden Augen und den Beats noch im Ohr machen sich die nun völlig begeisterten Fans wieder auf in Richtung Heimat.

Fazit: Cooler Typ, mit viel Herz und vor allem viel Talent.

Vorschau:  Nächste Woche gibt es hier an dieser Stelle eine Hommage an den Rapper Ol‘ Dirty Bastard.

„MiMi“ Müller-Westernhagen im Interview – „Ich liebe es, irgendetwas mit meinen Händen zu schaffen“

Sarah „MiMi“ Müller-Westernhagen ist zurzeit eine der interessantesten weiblichen Songwriterinnen. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft zur Musik. Mit Songs wie „Once again“, „Easy“ und „Without love“ von ihrem Debüt-Album „Road to last night“ konnte sie bereits zahlreiche Hörer begeistern. Im Rahmen ihres Konzerts im Weinheimer „Café Central“ sprach „MiMi“ mit Face2Face unter anderem über Hamburg, Produzent Franz Plasa und über ihr zweites Album.

„MiMi“ Müller-Westernhagen im Interview - „Ich liebe es, irgendetwas mit meinen Händen zu schaffen“

„MiMi“ Müller-Westerhagen gibt sich sehr gesprächig nach ihrem Auftritt im Weinheimer „Café Central“ (Foto: Jenowein)

Face2Face: Auf deiner deutschen Homepage heißt es, dass du genauso gut einfach nur ein „It-Girl“ anstatt einer Musikern hättest sein können. Was denkst du über „It-Girls“?
MiMi: Nein, ich wäre kein gutes „It-Girl“. Ich denke, dass man total viel Party machen muss, um ein „It-Girl“ zu sein. Ich jedoch bin immer total müde und gehe lieber ins Bett anstatt zu feiern. Ich bewundere die Mädels, die das können, aber ich schaffe das einfach nicht.

Face2Face: Also kein „Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll“ bei dir?
MiMi: Nein, nur Rock’n’Roll.

Face2Face: Deine Kunst (Design des Albumcovers, Kleidungsstücke schneidern) ist sehr beeindruckend. Woher hast du dieses Talent?
MiMi: Meine Mutter zeichnet und malt. Sie war auf der Kunsthochschule als sie jung war, in den Sechzigern. Ich habe auch immer gemalt als ich klein war. Ich bin immer froh, wenn ich irgendwelche Stifte in der Hand halten kann.

Face2Face: Du hast dein Album in Hamburg aufgenommen, wo auch ein anderer Teil deiner Familie lebt. Was denkst du über Hamburg?
MiMi: Ich liebe Hamburg! Ich finde Hamburg total entspannt. In London hat man immer Abwechslung, es ist immer laut und hektisch. Hamburg ist wunderbar um ein Album aufzunehmen und emotionale Songs zu schreiben. Es ist sehr ruhig und die Menschen sind total freundlich dort. Ich mag es sogar wirklich lieber als London!

Face2Face: Lernst du deutsch?
MiMi: Ja! Aber ich bin noch am herumexperimentieren. Ich rede hauptsächlich nur mit Taxifahrern aber vielleicht wird es ja bald besser und ich kann sogar mal deutsche Songs schreiben.

Face2Face: Dein Album kam im Juni raus. Inwieweit hat sich dein Leben seit der Veröffentlichung verändert?
MiMi: Ich habe es nicht so krass erwartet. Das Album ist zwar sehr persönlich aber trotzdem kannst du nie jemand anderes als du selbst sein. Insofern hat es nicht meine Persönlichkeit verändert. Aber ich habe seitdem viele wunderbare Nachrichten auf „Facebook“ bekommen. Leider kann ich sie nicht alle beantworten, aber ich lese sie alle. Und das ist eine wundervolle Erfahrung. Man fühlt sich so als hätte man sehr viele Freunde.

Face2Face: Gibt es einen Plan B, falls das mit der Musikkarriere doch nicht klappt?
MiMi: Ohje, ich weiß es nicht. Das ist genau die Frage, die mir meine Mutter immer stellt. Sie sagt immer „Such dir einen richtigen Job, Mimi!“. Ich würde gerne studieren, würde aber auch gerne meine eigenen Klamotten designen.

Face2Face: Das Modeln hat dich irgendwann gelangweilt. Warum?
MiMi: Ich habe das sowieso nur gemacht, um die Miete zu bezahlen… Ich habe auch viele andere Jobs gemacht, wie zum Beispiel in einem Skateboardshop gearbeitet. Ich habe das hauptsächlich getan, weil ich mit dem Modeln flexibel war und nebenbei Gigs spielen konnte. Eigentlich bin ich furchtbar schüchtern, deshalb war das Modeln immer etwas erschreckend für mich.

Face2Face: Du hast dich 2009 für den „Playboy“ (Ausgabe Mai 2009) ablichten lassen. Hast du das Shooting genossen? Wie haben deine Freunde und deine Familie reagiert?
MiMi: Ja, ich habe es tatsächlich genossen! Es war interessant – aus künstlerischer Hinsicht. Meine Mutter und meine Freundinnen fanden es super. Mein Vater war einfach typisch mein Vater: er wollte es auf keinen Fall sehen. Meine männlichen Freunde rieten mir davon ab. Ich hatte also verschiedene Meinungen aber ich bin froh, dass ich es getan habe!

Face2Face: Deine Songs sind alle sehr persönlich. Aber welcher ist der persönlichste?
MiMi: Das ist wohl „The Fire“. Es geht darin um Schwäche. Und Schwäche zeigen ist immer sehr gefühlvoll und persönlich.

„MiMi“ Müller-Westernhagen im Interview - „Ich liebe es, irgendetwas mit meinen Händen zu schaffen“

„Road to last night“: Ihre Songs leben von ihrer markanten Stimme (Foto: Jenowein)

Face2Face: Deine Stimme ist sehr besonders. Nerven dich die Vergleiche mit „Sinead O‘ Connor“?
MiMi: Nein, überhaupt nicht. Sie ist doch toll. Ich interessiere mich immer für Vergleiche. Bis jetzt waren sie auch immer sehr schmeichelhaft.

Face2Face: Deine Musik hat viele verschiedene Einflüsse. Wenn du deine Musik beschreiben müsstest, wie würdest du das tun?
MiMi: Musiker tun sich immer schwer damit, ihre Musik zu beschreiben. Ich habe viele Einflüsse wie zum Beispiel Blues oder Kubanische Musik. Ich habe so viele Einflüsse, dass ich nicht einmal alle nennen kann, weil sie aus meinem tiefsten Innern kommen. Aber eine Band, die mich sehr beeinflusst hat, war „Fleetwood Mac“.

Face2Face: Wie war die Zusammenarbeit mit deinem Produzenten Franz Plasa?
MiMi: Super! Meine Mom sagt immer, dass er eigentlich meine Mutter ist. Wir verstehen uns super, wir sind beide gleichzeitig sehr ernst und gleichzeitig sehr albern. Als Produzent musst du Psychologe, Freund und Übersetzer sein und du musst die Musik in etwas verwandeln, was die Leute verstehen und womit sie sich verbunden fühlen. Er ist einfach wunderbar!

Face2Face: Welche Bands findest du toll im Moment?
MiMi: „Showroom“ aus Berlin sind toll. Oder „Kofsky“ und die „Black Keys“. Aber für mich ist sowieso jegliche Art von Geräusch interessant.

Face2Face: Was tust du, um dich gegen den Stress auf Tour zu beruhigen?
MiMi: Ich liebe es, irgendetwas mit meinen Händen zu schaffen. Also mache ich viele eigene Klamotten oder zeichne und male.

Face2Face: Du hast bereits ein paar Songs für dein neues Album geschrieben. Wie wird der Sound davon sein und welche Themen werden darauf vorkommen?
MiMi: Ich denke es wird „Mimi in einer anderen Stimmung“ sein. Aber trotzdem bleiben meine Stimme und meine lustige Art, Songs zu schreiben.

Vorschau: Nächste Woche präsentieren wir euch einen weiteren Teil der Serie „Musik & Beruf“.
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Übersetzung: Johanna Wobbe