„50 Shades of Grey“ auf der Kinoleinwand – eine Filmkritik über den Kassenschlager

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Spielt eine wichtige Rolle in der „Shades of Grey“-Trilogie: „Requisiten“ für SM-Praktiken. (Quelle: Jörg Brinckheger / pixelio.de)

Bereits die Bücher der „Shades of Grey“-Trilogie rund um die Protagonisten Anastasia Steel, Christian Grey und ihr „SM-Liebesabenteuer“ lösten einen weltweiten Hype aus. Allein in Deutschland hat sich die Trilogie mit dem pikanten Thema über 5,7 Millionen Mal verkauft, weltweit spricht man von über 70 Millionen verkauften Exemplaren. Besonders der Erfolg des ersten Romans der dreiteiligen Reihe ist unglaublich: Über mehrere Wochen hinweg führte der Band „Geheimes Verlangen“ die Bestseller-Listen mehrerer Länder an. Nun ist die Verfilmung des ersten Buches nach langem Warten für die Fans endlich auf den Leinwänden der Welt zu sehen, und das mit mindestens genau so großem Verkaufserfolg wie bei den Büchern, die in den Jahren 2011 und 2012 erstmals erschienen sind. Der Film läuft – mehr oder weniger passend zur Thematik – seit Valentinstag 2015 in den Kinos und spielte bisher weltweit knapp 500 Millionen Dollar ein. Man kann also ohne Einwände bei den Büchern sowie auch bei dem Film von einem „Kassenschlager“ sprechen. Doch das auch zu Recht? Face2Face-Mitarbeiterin Vanessa Betz hat bereits die Ankündigung der Verfilmung der „Shades of Grey“-Reihe die Chance genutzt, nochmals einen kritischen Blick auf die Romane zu werfen und einen Ausblick auf den möglichen Filmstreifen zu geben. Nun ist es an der Zeit, den Spekulationen auf den Grund zu gehen, und sich den Film einmal genauer an zu schauen.

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Gehört ebenfalls zum „pikanten“ Thema der „Shades of Grey“-Thematik: Fesselspielchen, Bondage und co. (Quelle: Jörg Brinckheger/ pixelio.de)

Den wilden Spekulationen um die Rollenbesetzung der Hauptdarsteller, während derer unter anderem Namen wie Robert Pattinson, Emma Watson, Ian Sommerhalder; Ryan Gosling oder Alex Pettyfer fielen, wurde am 03.September 2013 ein Ende gesetzt: E.L. James gab Charlie Hunnam als „Christian Grey“ und Dakota Johnson in der Rolle der „Anastasia Steel“ als Cast für die Protagonisten bekannt. Kaum einen Monat später musste die Besetzung des Multimillionärs Grey allerdings aufgrund von Terminüberschneidungen mit Hunnams Serie „Sons of Anarchy“ wieder zurück gezogen werden und der Filmstart wird, zu großem Leiden der Fans, von August 2014 auf Februar 2015 verschoben. Nach weiteren Castings für „Christian Grey“ rückt der 32-jährige Jamie Dornan als Hauptdarsteller nach und die Dreharbeiten zum ersten Teil von „Shades of Grey“ können endlich beginnen.

Doch diese gestalteten sich wohl nicht so reibunglos wie erhofft: Die Autorin der Trilogie, E.L.James, sei laut Aussage der „Variety“ nicht sonderliche zufrieden mit der filmischen Umsetzung ihrer Romanvorlage. Auch Regisseurin Sam Taylor Johnson gab während eines Interviews mit dem „Porter“-Magazin zu, dass sich die Zusammenarbeit mit der Autorin als schwierig gestaltet habe. „Wir haben uns definitiv gestritten, aber es waren alles kreative Streitereien und wir haben sie gelöst“, so Johnson zum „Porter“-Magazin.

Ich für meinen Teil hatte gehofft, dass sich Johnson sowie die Drehbuchautorin Kelly Marcel gegen E.L. James durchsetzen können, da die Bücher meiner Meinung nach, wie auch bereits in dem Artikel zur Buchkritik erläutert, aufgrund des äußerst einseitigen Sprachstils und der sehr oberflächlichen Herangehensweise der Thematik eine schlechte Vorlage für den Film bieten.

Dementsprechend ohne jegliche Erwartungen in die Verfilmung gegangen, hatte mir aber dennoch, eine Besserung durch eine ordentliche Aufbereitung seitens der Regisseure und Schauspieler gehofft. Zu meiner Überraschung hat sich diese zumindest teilweise erfüllt: Okay, die Dialoge waren manchmal schon zum schmunzeln und wenig tiefgreifend, aber immerhin harmonierten die Protagonisten gut zusammen und es waren auch filmisch einige schöne Ausschnitte dabei, besonders beispielsweise die Aufnahmen vom Flugzeug aus. Alles in allem konnte man mit dem Endergebnis zufrieden sein, vorausgesetzt man hat keinen wirklichen SM-Streifen oder ein tiefgehendes Drama erwartet. „Shades of Grey“ ist im Grunde ein klassischer Liebesfilm, gewürzt mit ein paar Peitschenhieben.

Laut Gerüchten möchte E.L. James für die nächsten beiden Teile der Verfilmung selbst das Drehbuch schreiben, um zukünftige Streitereien am Set zu vermeiden. Für die Regie muss ebenfalls eine neue Besetzung gefunden werden, da sich Johnson bereits kurz nach dem Kinostart des ersten Teils von weiteren Verfilmungen distanziert hat. Der zweite Teil soll allerdings wahrscheinlich erst ab 2017 in den Kinos zu sehen sein, bis dahin können wir gespannt bleiben, wie sich die „Shades of Grey“-Reihe weiter entwickeln wird.

Shades of Grey – viel heiße Luft um Nichts?!

Im Jahr 2014 soll es endlich soweit sein: Die von tausenden Frauen herbeigesehnte Verfilmung der „Shades of Grey“-Reihe soll auf die Leinwand gebracht werden. Diverse „selbstgemachte“ Trailer von Fans kursieren bereits auf „Youtube“ und bieten einen Vorgeschmack, wie die filmische Umsetzung der Bücher am Ende aussehen könnte. Bevor die kurz abgenommene Welle der Schlagzeilen wieder die Medien überflutet, wird es höchste Zeit, noch einmal die Bücher in Augenschein zu nehmen und ein Fazit zu ziehen.

Die Handlung der Erfolgstrilogie ist recht schnell erklärt und wohl inzwischen auch jedem zumin­dest halbwegs bekannt: Die 21-jährige Studentin Anastasia Steele lernt den Multimillionär Christian Grey kennen und verliebt sich sofort in den smarten Geschäftsmann. Mit einer schlimmen Kindheit und seiner dunklen Vorliebe für SM-Praktiken beladen stellt Mr. Grey nicht ge­rade den einfachsten Partner für die junge Ana dar, die sich so gar nicht seinem „Vertrag“ fügen und seine „Sub“ sein möchte. Dennoch versuchen es die beiden miteinander. Was dabei herauskommt, kann man in insgesamt drei Büchern über diese „Liebesgeschichte“ nachlesen.

Von der Neugier um den Wirbel, den diese Bücher in der halben Welt ausgelöst haben, getrieben, hat sich auch Face2Face-Mitarbeiterin Vanessa Betz die ersten beiden Bände besorgt und kann nur fassungslos den Kopf schütteln. Der Sprachstil der Autorin lässt einem die Haare zu Berge stehen: die Bücher bestehen aus einfachsten Sätzen, fantasielos aneinander gereiht, ohne dass man auch nur einen Hauch von Raffinesse im Umgang mit der Kunst der Worte feststellen kann. Auch das Vokabular von E.L. James beschränkt sich auf ein Minimum: So „zerbirst“ die Protagonistin bei fast jedem Orgasmus, der sie bereits beim Anblick von dem unmenschlich attraktiven Christian Grey übermannt, in „1000 Teile“ – dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass sich ihr Unterleib dabei ganz „köstlich“ zusammenzieht. Vielleicht liegt das an Greys unglaublich grauen Augen? Die werden selbstverständlich auch, damit man sie bloß nicht vergisst, vorsichtshalber auch auf gefühlt jeder fünften Seite beschrieben. Ansonsten kaut Ana liebend gern auf ihrer Unterlippe herum, wird rot oder starrt auf ihre Hände oder Beine. Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären:

Die Protagonistin wird als „unbeschreiblich schön“ beschrieben, ihr liegen sämtliche Männer der Erzählung, die selbstverständlich auch alle mit einem unglaublichen Aussehen ausgestattet sind, zu Füßen. Sie selbst hat natürlich von ihrer Schönheit keinen Schimmer und ist von E.L. James mit einem unterdurchschnittlichen Selbstbewusstsein und einer großen Portion Naivität ausgestattet worden. Mit 21 Jahren ist sie noch Jungfrau, ungeküsst und hat selbstverständlich auch dem Alkohol noch nicht ein einziges Mal zu viel gefröhnt. So kommt es, dass sie bereits nach zwei Bier völlig neben sich steht und der Retter Christian Grey wie aus dem Nichts herbei eilen muss, um sie zu retten.

Die Darstellung des männlichen Protagonisten ist ebenfalls total überzogen und Grey erfüllt sämtliche Klischees: Der gutaussehende Geschäftsmann, der mit 24 Jahren locker 100.000 Dollar die Stunde verdient, kommt daher wie ein Prinz auf dem weißen Pferd, um seine Ana, auf die er, der schwerreiche Junggeselle, nur gewartet hat, zu retten. Wäre da nicht seine Vorliebe für SM-Praktiken, die selbstverständlich auf seine schlimme Kindheit zurück zu führen sind. Auch in diesem Fall spart James nicht und greift voll in die psychologische Trickkiste für Anfänger: Wenn man schon ein Buch schreibt, indem der Hauptdarsteller ein Trauma hat, sollte man doch bitte ein bisschen gründlicher recherchieren, um den Leser nicht komplett für dumm zu verkaufen.

Und dennoch muss man gestehen: Trotz des unglaublich einfachen, sich ständig wiederholenden Sprachstils und der flachen Handlung ist es der Autorin gelungen, ihre Bücher mit enormen Verkaufszahlen auf die Bestenlisten zu bekommen. Es ist unumstritten: „Shades of Grey“ hat einen enormen Wirbel ausgelöst und ein bis dahin bestehendes Tabu gebrochen – Gott und die Welt spricht auf einmal über Fesselspielchen und Peitschen ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Und solange man weiß, dass man sich bei dieser Trilogie auf eine seichte Geschichte einstellen muss, kann das Buch bisweilen tatsächlich eine angenehme Unterhaltung sein.

Insgesamt kann man festhalten: Entweder man liebt die Bücher oder man hasst sie. Dies bestätigen auch die zahlreichen Kundenrezensionen, die über „Shades of Grey“ verfasst wurden.

Fraglich bleibt nun, ob es den Drehbuchautoren und Hauptdarstellern gelingt, aus den Büchern einen anspruchsvolleren Streifen zu zaubern, als es die schriftliche Vorlage hergibt. Immerhin sind die Produzenten Dana Brunetti und Michael DeLuca mit ihrem Film „The Social Network“ für den Oskar nominiert und auch die Auswahl der im Gespräch stehenden Hauptdarsteller, darunter unter anderem Emma Watson, Matt Bomer und Alexis Bledel, klingt vielversprechend – es bleibt spannend. Was allerdings bereits jetzt feststeht: Der Film wird sicher ein voller Verkaufserfolg – ob er jetzt anspruchsvoll umgesetzt ist oder nicht.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr hier etwas über die Litarturdebatte über rassistische Begriffe in Kinderbüchern lesen.

Erotische Literatur: Eine Geschichte von gefesselten Studentinnen und Alice im Pornoland

Erotische Literatur: Eine Geschichte von gefesselten Studentinnen und Alice im Pornoland

Erlebt dank E-Book einen neuen Boom: erotische Literatur (Foto: Presseportal/Triumph International AG)

Früher schmählich verbannt in die hinterste Ecke des Bücherregals – oder gar betrügerisch getarnt hinter einem fremden Alibi-Cover – erfährt erotische Literatur momentan eine regelrechte Renaissance: E-Book sei Dank, kann sie nun diskret erworben und sogar in einer vollbesetzen Straßenbahn gelesen werden, ohne Aufsehen zu erregen. Das elektronische Lesegerät ist so zum Äquivalent der auffällig unauffälligen neutralen Sex-Shop-Tüte geworden. Hinter dem blickdichten Schwarz könnte sich quasi alles verbergen.

Erotische Literatur: Eine Geschichte von gefesselten Studentinnen und Alice im Pornoland

Fesselspielchen: Protagonistin Ana lässt sich gerne unterwerfen (Foto: Presseportal/Triumph International AG)

Vor allem Frauen lassen die Herzen der Verleger höher schlagen: In den USA wird die boomende Literatursparte sogar als „Mommy Porn“ betitelt. Ganz oben auf der Lektürenliste der lüsternen Mütter: Die Buchreihe „Fifty Shades of Grey“ von der Autorin E. L. James. Wochenlang hielt sich die Geschichte der Studentin Anastasia, die eine heiße Affäre mit dem auf Fesselspielchen stehenden Millionär Christian Grey hat, auf Platz eins der „New York Times“ E-Book Bestsellerliste. Die Buchreihe ist längst kein Geheimtipp mehr und wird am  9. Juli im Goldmann Verlag auch auf Deutsch erscheinen. Band zwei folgt im Oktober, ab Januar 2013 ist Teil drei zu erwerben.

Auch die Filmindustrie fackelte nicht lange, um einen Teil des Kuchens abzubekommen: Die Filmrechte gingen bereits an „Universal Pictures“ und „Focus Features“. Man rechnet mit einem ähnlichen Kult wie dem, der um die „Twilight-Saga“ entstanden ist. Tatsächlich seien die Bücher davon inspiriert, lässt Autorin die wissen. Der schlichten Handlung ist das durchaus anzumerken. Frauenverbände zeigen sich empört über die Geschichte der jungen Studentin, die sich mit Vorliebe devot einem Prototyp von Alphamännchen hingibt. Der Popularität der Buchreihe tut das aber freilich keinen Abbruch. Doch James ist bei Weitem nicht die einzige Autorin, die sich der Erotik verschrieben hat. Hier ein paar Leseempfehlungen auch für Nicht-Porn-Mommys:

„Fifty Shades of Grey“ von E. L. James
So bewirbt „Amazon“ die in der deutschen Übersetzung mit dem Titelzusatz „Geheimes Verlangen“ angepriesene Buchreihe: „Sie ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe nicht allzu erfahren. Doch dann lernt Ana Steele den reichen und ebenso unverschämt selbstbewussten wie attraktiven Unternehmer Christian Grey bei einem Interview für ihre Uni-Zeitung kennen. Und möchte ihn eigentlich schnellstmöglich wieder vergessen, denn die Begegnung mit ihm hat sie zutiefst verwirrt. So sehr sie sich aber darum bemüht: Sie kommt von ihm nicht los. Christian führt Ana ein in eine dunkle, gefährliche Welt der Liebe – in eine Welt, vor der sie zurückschreckt und die sie doch mit unwiderstehlicher Kraft anzieht.“

Ab Juli ist „Fifty Shades of Grey“ bei „Kindle“ erhältlich für 9,99 Euro, in Buchform für 12,99 Euro.

„Vox“ von Nicholson Baker
Sex ist seine Profession: Baker ist einer der bekanntesten Autoren erotischer Literatur. Als Klassiker gilt sein Roman „Vox“. Die Geschichte dreht sich um Jim und Abbey, die in einem Telefongespräch ihre intimsten erotischen Fantasien austauschen. Wer den Anspruch bei „Fifty Shades of Grey“ vermisst, fühlt sich bei Baker sicher gut aufgehoben. Allerdings stammt der Roman aus dem Jahr 1992 und wirkt deshalb etwas veraltet. Seine späteren Werke wie „Die Fermate“, das von einem Voyeur handelt, der die Zeit anhalten kann, durchbrechen nicht nur moralische Grenzen, sondern auch physikalische. Bakers aktuellster Roman „House of Holes“ ist eine Mischung erotischer Fantasien und Alice im Wunderland. Das Maß an Absurdität übersteigt jedoch die Geduld vieler Leser.

„Vox“ ist erhältlich für 7,99, „Die Fermate“ für 9,99 Euro und „House of Holes“ kostet 19,95 Euro.

„Haut an Haut“ von Valentina Maran
Eine namenlose Ich-Erzählerin lässt den Leser in episodenhaften Sprüngen an ihren sexuellen Abenteuern teilhaben. Dabei kann sie durchaus als Antagonistin zur devoten Anastasia aus „Fifty Shades of Grey“ gesehen werden: Kompromisslos und selbstbewusst lebt sie ihre Fantasien aus, Männer sind dabei nicht mehr als bloße Statisten. „Haut an Haut“ ist ein Pamphlet sexueller Freiheit.

Der Roman „Haut an Haut“ kostet 7,95 Euro. 

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier einen Artikel zum Thema: „WIR! Film Kultur Tanz- Kulturen in Mannheim zusammenbringen!“ Ein Interview mit der Projektassistentin der WIR! Organisation Lidia Jerke