Die Sache mit dem Doktor oder warum ich promovieren will

Warum Promovieren? Darum eben! (©S.Hofschlaeger / pixlio.de)

Warum Promovieren? Darum eben! (©S.Hofschlaeger / pixlio.de)

Mit dem Masterzeugnis in der Tasche wandere ich erst einmal zum Kopierer. Ich will mich aber nicht für irgendwelche Arbeitsstellen bewerben, nein, mein Plan ist es, erst einmal zu promovieren. Sobald ich das aber erzähle heißt es erst einmal: „Warum?“ Dicht gefolgt von „Jetzt?“ und „Was willst du später damit machen?“

Ja, es mag sich für manche etwas verrück anhören, wenn eine Mutter, die gerade erst ihr drittes Kind bekommen hat, sich nicht ein bis drei Jahre nur um eben dieses kümmert, sondern gleich wieder loslegen will. Auch in einer Zeit, in der Kindertagesstätten für Einjährige deutschlandweit zu finden sind und Väter ebenso Elternzeit nehmen können, wie Mütter. Doch das bin ich gewohnt, immerhin bin ich auch 2013, als meine Tochter geboren wurde, nach dem Mutterschutz wieder arbeiten und studieren gegangen. Mit Kind. Zum Glück kein Problem für meinen Arbeitsalltag. Und so konnte ich es auch schaffen in fünf Semestern meinen Master zu machen und zwei Kinder zu bekommen – vier Semester sind die Regel. Warum sollte ich also nicht jetzt promovieren?

Tatsache ist auch, was ich an der Uni bisher gemacht habe, macht mir großen Spaß. Das Analysieren von Texten, das Erarbeiten von Zusammenhängen, das liegt mir. „Du arbeitet ja nur theoretisch“, meinte mein bester Freund einmal kopfschüttelnd, aber für mich sieht die Sache anders aus. Ich finde, ich arbeite nur praktisch, am Objekt meiner Arbeit, dem Text. Am liebsten würde ich mein Leben lang nichts anderes machen, als so zu arbeiten. Davon abgesehen, dass zu promovieren und weiterhin an der Uni zu arbeiten mir eine gewissen Flexibilität gibt, die andere Berufe nicht haben und die ich als Mutter gut gebrauchen kann.

Promovieren an der Uni: Einen Versuch wert (©Birgit Winter / pixelio.de)

Promovieren an der Uni: Einen Versuch wert (©Birgit Winter / pixelio.de)

Aber, um das tun zu können, muss ich erst einmal promovieren und dann versuchen, weiter zu machen, was erstens finanziell problematisch wird (wenig Lohn) und auch logistisch kompliziert werden kann. Ein Grund es von vorneherein nicht wenigstens zu versuchen ist das aber nicht. Mein bester Freund – genau der, der findet, ich arbeite nur theoretisch – wollte sein Leben lang Fluglotse werden. Er schwärmte immer davon und traute sich nach dem Abitur dann doch nicht, sich zu bewerben, sondern studierte erst einmal etwas ganz anders. Kaum hatte er seinen Abschluss in der Tasche aber, wagte er den Versuch. Nein, er ist kein Fluglotse geworden, aber er arbeitet heute in einem ähnlichen Bereich am Flughafen und ist überglücklich, doch noch gewagt zu haben, seinen Traum wahr werden zu lassen.

Nur Theorie? Ansichtssache (©Bernd Kasper / pixelio.de)

Nur Theorie? Ansichtssache (©Bernd Kasper / pixelio.de)

Ich werde vielleicht nie Professorin, Bestsellerautorin oder gewinne den Pulitzer-Preis, aber das hindert mich nicht daran, weiter an mir zu arbeiten, mein Bestes zu geben und es immer wieder zu versuchen. Was wäre ich für eine Mutter, wenn ich das nicht meinem Kind vorleben könnte, was ich mir von ihm auch wünsche? Darum, darum jetzt und darum ist es nicht wichtig, heute zu wissen, was ich morgen damit machen will. Denn dann werde ich immer noch sagen können, ich bin meinem Weg gefolgt und bereue es nicht. Immerhin gibt ein Sprichwort, das auf Marc Twain zurückgeht, der gesagt hat: „In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke.“

Vorschau: Nächste Woche nimmt sich Anna für euch die Yoga-Klischees vor.

Die Wahrheit steht zwischen den Seiten – Lesprobe / Annette Warsönke

Ungewöhnliche Protagonistin: In Aneete Warsönkes neuem Roman spielt die Hauptrolle eine Schreibmaschine (Foto: Warsönke)

Ungewöhnliche Protagonistin: In Annette Warsönkes neuem Roman spielt die Hauptrolle eine Schreibmaschine (Foto: Warsönke)

I.                   Teil

1.      DER DOKTOR                

NAME DES TOTEN: JANUS LILIENSTEIN
Die Finger des Doktors hämmerten auf die Tasten der alten Schreibmaschine, deren Hebel mit jedem Anschlag mehr zu ächzen schienen.

TODESURSACHE: HERZVERSAGEN, NATÜRLICHER TOD, KEINE FREMDEINWIRKUNG
Er lehnte sich in dem kühlen Ledersessel zurück und fixierte das Porträt des Verstorbenen, das über der Eingangstür hing. Seine Pupillen lieferten sich mit den durchdringenden Augen seines Gegenübers ein ungleiches Kräftemessen, das der Doktor schließlich mit einem Wimpernschlag beendete.

»Ja, das war´s dann wohl, alter Junge. Du hattest ein langes Leben, und das ist nun zu Ende. Du warst bei allen beliebt, oder zumindest geachtet. Da kommt nur ein natürlicher Tod infrage – im eigenen Bett friedlich entschlafen.«
WOHNORT: …
Der Arzt ließ seine Blicke über die Reihen lederner Buchrücken schweifen, die sich bis zur Decke erstreckten und im Sonnenlicht golden schimmerten.
»Hier hast du unzählige Stunden verbracht. Deine papierenen Weggefährten verharren noch immer auf deinem Schreibtisch aus wohlpoliertem Eichenholz. Shakespeares Hamlet und Macbeth, deine Lieblingsdramen. Und natürlich der alte Platon.«

Er nahm das Buch des griechischen Philosophen zur Hand und öffnete es an der eingemerkten Stelle: »›Der Mensch ist das Maß aller Dinge‹. Ja, das war dein Herzenssatz, dein Lebensmotto, könnte man sagen.«
Er füllte die restlichen Zeilen des Fragebogens aus, dann drehte er an der Walze der Schreibmaschine, die knirschend das Formular freigab.
»Ja, der Totenschein deines Herrn und Meisters war wohl dein letzter Auftrag. Gestern noch sein behüteter und wohlgepflegter Augapfel, morgen schon einer ungewissen Zukunft entgegen. Mechanische Schreibgeräte sind ein Luxus der Alten, die an der Vergangenheit hängen. Jetzt wird deine Zeit bald abgelaufen sein, so wie die Seine. Und auch meine Mission hier ist schon fast beendet.«

Er unterschrieb das Formular, packte es in seine abgegriffene Arzttasche und ließ die rostige Schnalle zuschnappen.
Dann erhob er sich und ließ seine Finger wie zum Abschied über die abgeschabten Tasten der Schreibmaschine gleiten. »Vergiss nie den Satz, den Hamlets treuer Weggefährte sagte: ›Der Rest ist Schweigen.‹«

2.      ATHENE

Ich konnte es nicht glauben. Es war, als wäre ich in ein tiefes, schwarzes Loch gefallen. Dunkelheit umgab mich, hielt mich eng gefangen, ohne Aussicht, jemals wieder das Licht der Sonne zu erblicken.

Düsternis beherrschte mein Denken. Warum bist du von mir gegangen, hast mich verlassen, im Stich gelassen, auf dieser Welt allein zurückgelassen?
Ohne dich bin ich nichts, habe keine Identität, keine Aufgabe, keinen Sinn. Du warst der wichtigste Teil meines Seins, was bin ich ohne dich? Nur eine leere Hülle ohne eigenes Leben …
Du warst für mich der wundervollste Mensch, deine Gedanken ein Quell der Erfüllung meiner einsamen Tage.

Ich war hin und her gerissen zwischen kalter, dumpfer Trauer und heißer, stechender Wut.
Trauer über Janus Weggang und Wut über den Doktor, über sein Reden und sein Tun – oder besser gesagt Nicht-Tun.
Keine Fremdeinwirkung. Wenn es nicht so tragisch wäre, müsste ich lachen. Herzversagen? Du warst kerngesund, nichts deutete darauf hin. Und ihm genügte sicherlich ein kurzer Blick auf dich. Nur nicht zu viel nachdenken, das war schon immer seine Devise.
Und wie er von deinen Büchern gesprochen hat, der Unwissende. Für ihn waren sie nur beschriebene Blätter in einem Einband, die er zwar gerne mal las, jedoch ohne den Sinn dahinter zu verstehen.
Wie anders bist du gewesen. Nie werde ich die Stunden vergessen, die wir beide zusammen mit ihnen verbracht haben, du hast mir mit deinen erfahrenen Händen ihre Bedeutung erklärt. Wie ich deine gefühlvollen Berührungen geliebt habe.

Sie waren nicht wie die knochigen Finger des Doktors, die mir immer einen eiskalten Schauer einjagten. Für ihn war ich eine unter vielen, für dich dagegen, wie du so oft sagtest, deine Muse. Ich hatte die Ehre, an deinen Ideen teilzuhaben und sie auf Papier zu bannen.
Du gabst mir einen Namen, der mich von all den anderen abhebt: Athene, die Göttin der Weisheit.
Aber nicht nur Hüterin der Weisheit, sondern auch kämpferische Beschützerin der Stadt Athen und des Odysseus auf dessen Fahrten.
Anders als meine große Namenspatin kann ich dich nicht mehr sicher nach Hause bringen, zu früh wurdest du mir entrissen. Aber ich kann zumindest versuchen, die Umstände deines Todes aufzuklären, wenn es schon sonst niemand tut.
Denn an einen schnöden Herzinfarkt vermag ich nicht zu glauben.

Wie der Doktor zu Recht erkannte, warst du ein geachteter Mann. Aber du hattest auch Gegner, die deine Worte und Taten nicht verstanden. Einige hatten dich beschimpft, sogar bedroht, aber du bist nie zur Polizei gegangen. Für dich war all dies nur eine Ausgeburt an Dummheit, die sich am Ende selbst vernichtet.
Und deine Philosophie war einleuchtend:
»Der Mensch ist das Maß aller Dinge.«
Er gibt ihnen einen Namen und legt ihre Eigenschaften fest. Jeder Mensch hat hierbei eine unterschiedliche Sichtweise, je nachdem, wie es sein geistiger Horizont erlaubt.

Ich bin dafür das beste Beispiel:
Für dich war ich Athene, deine Muse, die Schreiberin deiner Ideen – für den Doktor bin ich nur eine ganz gewöhnliche, alte Schreibmaschine.

©Annette Warsönke

Die Autorin

Jurisitin und Autorin: Die Schriftstellerin Annette Warsönke (Foto: Warsönke)

Jurisitin und Autorin: Die Schriftstellerin Annette Warsönke (Foto: Warsönke)

Schon in jungen Jahren fand man Annette Warsönke meist mit einem Buch vor der Nase – gerne auch mit Krimis. Da sie hierbei die Kombination von Buchstaben, Logik und Paragrafen fasziniert hat, hat sie Rechtswissenschaft studiert. Nach dem Examen ist sie beim Steuerrecht gelandet und hat in diesem Bereich mehrere Bücher veröffentlicht – unter anderem auch zum Thema Steuerstrafrecht.
Da sie sehr gerne mit Sprache arbeitet, ist sie als Freie Lektorin (ADB) und Dozentin für Kreatives Schreiben tätig.
Nach einem kurzen Abstecher nach Rom liegt ihr Lebensmittelpunkt heute südlich ihrer Geburtsstadt München.

Der Schritt von der Juristin zur Kriminalautorin war für sie eine logische Konsequenz aus ihrer Arbeit, die oft Spürsinn erfordert und Abgründe zeigt. Was sie liebt und mit Leidenschaft betreibt, ist die Dinge schreibend zum Leben zu erwecken. So entstand die Idee, einen Gegenstand, der mit der Entstehung von Kriminalromanen eng verbunden ist, zur Protagonistin ihres Krimis „Die Wahrheit steht zwischen den Seiten“ zu machen, der 2013 beim Spielberg-Verlag erschienen ist.

Da sich nicht nur Kriminelle gerne verbinden, ist sie Mitglied der Mörderischen Schwestern e.V. sowie im Montségur Autorenforum.

 

Traumberufe, Teil 2: Hochschuldozent

Nach dem Studium an der Universität bleiben und dort arbeiten – das ist der Berufswunsch vieler Studierender. Martin Odermatt, 31 Jahre alt, hat dieses Ziel bereits erreicht. Er ist Doktorand und unterrichtet als Lehrbeauftragter am Germanistischen Seminar der Universität Mannheim. Doch das ist ihm nicht genug. Sein Wunsch: Hochschuldozent werden.

Traumberufe, Teil 2: Hochschuldozent

In gewohnter Umgebung: Doktorand und Lehrbeauftragter Martin Odermatt (Foto: privat)

 „Seit der Oberstufe am Gymnasium konnte ich mich für ästhetische und philosophische Themen sowie den Reiz literarischer Texte und künstlerischer Ausdrucksformen aller Art begeistern und bin dann in meinen Studienfächern – Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie – auf genau die Fragestellungen gestoßen, die mich auch privat stark beschäftigt haben“, erzählt Odermatt. Als er dann gegen Ende seines Studiums mehrere literatur- und medienwissenschaftlich ausgerichtete Oberseminare besucht habe, sei ihm klar geworden, dass er die Universität auf keinen Fall verlassen wollte. „So bin ich gewissermaßen mit Lust und Leidenschaft an der Materie derzeit Doktorand und Lehrbeauftragter an der Mannheimer Universität“, sagt er, „mein berufliches Ziel nach der Promotion (Anm. d. Red.: Promotion ist die Verleihung des akademischen „Doktor“-Titels) ist dabei als ˊrichtigerˋ Hochschuldozent an einer Universität zu arbeiten, denn derzeit unterrichte ich zwar auch, bin aber ja nur Lehrbeauftragter mit der Berechtigung im Grundstudium zu unterrichten.“

 Die Aufgaben eines Dozenten vergleiche er gerne mit denen eines Moderators: „Man ist Leiter einer fachlichen Diskussion, führt aber auch den ein oder anderen Monolog.“ Von seinen Themen und Stoffen sei er zutiefst fasziniert, so Odermatt. „Und damit ist jede Veranstaltung, in der ich den Austausch mit Studenten über den Stoff pflegen kann sehr inspirierend und motivierend“, fügt er hinzu.

 Aber wie genau wird man eigentlich Hochschuldozent? Welche Voraussetzungen muss man erfüllen? „Um ˊrichtigerˋ Hochschuldozent zu werden muss man ein Fach an der Universität studieren und nach seinem Abschluss promovieren. Der Doktorgrad ist im Grunde also die Voraussetzung für den Beruf. Um sich auf eine Professur bewerben zu können, muss man sich nach seiner Promotion noch habilitieren (Anm. d. Red.: Mit der Habilitation erhält der Dozent eine Lehrbefugnis)“, erklärt Odermatt. Hinzukomme, dass es vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich von Nöten sei, viel und intensiv zu lesen. Außerdem gehören Eigeninitiative, sowie kommunikative Fähigkeiten und eine gehörige Portion Idealismus zum Beruf, findet der 31-Jährige.

 Sein Tipp für alle, die ein ähnliches Berufsziel vor Augen haben: Das schon bestehende Interesse auch im Alltag ausleben, um so fachliche und kommunikative Kompetenzen zu entwickeln. „Dafür reicht es im Grunde in der Freizeit einfach nur sehr wach und offen für die Konstellationen der Umwelt zu ein und eine reflektierte Schwäche für die Raffinesse und die Kraft künstlerischer Phänomene zu haben“, erklärt er.

 Obwohl er mit seinem Plan an der Universität zu bleiben, ein großes Risiko eingehe, da die Marktsituation vor allem in den Geisteswissenschaften „relativ verheerend“ sei, wolle er weiterhin versuchen seinen Traum von einer Karriere als Hochschuldozent zu verwirklichen. „Erst wenn ich mich nicht werde habilitieren können, muss ich wohl einen Taxischein machen“, sagt er ironisch.

Vorschau: Mieten oder kaufen? Und wenn ja, wo ist es am günstigsten? Nächste Woche gibt´s ein Interview zum Thema Immobilien.

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Weitere Serienteile:

Traumberufe, Teil 1: Kosmetikerin
Traumberufe, Teil 3: Friseurin