Zwischen X-mas und T-Rex: Das erste Weihnachtsfest einer 23-Jährigen

Eine schöne Bescherung: Nachdem die neuen Schuhe kaputt und der Haarreif für mein im Vorfeld organisiertes Weihnachts-Outfit zerbrochen sind, finde ich mich auf dem Boden des Badezimmers wieder – mit der Hand in der Toilettenschüssel und nach versenkten Haarnadeln fischend. Nachdem ich mich von jeglicher Planung und Vorbereitung also gezwungenermaßen verabschieden musste, lasse ich mein erstes Weihnachtsfest entspannter auf mich zukommen. Was genau dabei herauskam, lest ihr hier:

Schnell noch die letzten Weihnachtsgeschenke verpackt, geht es im Anschluss in eine katholische Kirche. Zunächst wird auf dem anliegenden Friedhof Derjenigen gedacht, die am Fest nicht teilnehmen können, bis bei der Kinderkrippe Heiligabend mit denen zelebriert wird, die als neue Gäste dazu gestoßen sind. Ich bin ganz fasziniert davon, wie man eine alte Geschichte doch neu verpacken kann: Die Geburt Jesu Christi wird aus der Sicht eines „kleinen großen Baumes“ erzählt, aus dem schließlich die Krippe gebaut werden sollte. So setzen sich Baumwitze und Holzfäller gemeinsam mit dem vertrauten Krippenpersonal zu einem stimmigen Bild. Die Vorstellungen, die ich von einer katholischen Kirche bis dato hatte – alles kalt, strikt und geregelt – muss ich bei all den lebendigen Kinderaugen und erklingenden Weihnachtsliedern verwerfen.

Klassisch geschmückt: Der Weihnachtsbaum (Foto: privat)

Klassisch geschmückt: Der Weihnachtsbaum (Foto: privat)

Wieder bei meiner „Gastfamilie“ daheim – schließlich verbringe ich mein erstes Weihnachtsfest bei meinem Freund – kann die eigentliche Bescherung kommen: Ein schön gedeckter Tisch, ein klassisch dekorierter Weihnachtsbaum, viele Geschenke, eine Klangkulisse aus Weihnachts-CDs und Fernsehprogramm – alles erinnert mich an alte Filme und Serien, die ich für eine Mischung aus Kitsch und Klischee hielt. Doch wahrscheinlich muss ich hier „Klischee“ einfach durch „Tradition“ ersetzen. So wird auch erst das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen und die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, ehe das „Christkind“ mit einem Glockenläuten zum Auspacken ruft. Heiligabend ist wahrscheinlich generell ein filmreifes Szenario.

Nach dem köstlichen und reich servierten Familienessen, das aus Brokkolisuppe, Feldsalat und Bandnudeln mit Lachsfilet in einer Sahnesoße besteht, begeben sich alle auf den Balkon, um flambierten Ostfriesengeist zu trinken und der Live-Musik zu lauschen, die irgendwo im Grünen erklingt. Das sei schon lange eine Tradition der Familie, heißt es. Wirkte vorher alles noch surreal und inszeniert für mich, verspüre ich hier authentische Herzenswärme in der kühlen Winterluft. Idyllisch, wie die ganze Familie zusammen etwas unternimmt, das sie verbindet und an dem sich alle erfreuen können – das stiftet nicht nur Zusammenhalt, sondern schafft zugleich schöne, gemeinsame Erinnerungen. Es dauert auch nicht lange, bis nach einigen Schlücken Alkohol – neben den Geschenken – auch alte Familiengeschichten ausgepackt werden.

Festlich gedeckt: Der Weihnachtstisch (Foto: privat)

Festlich gedeckt: Der Weihnachtstisch (Foto: privat)

Übersättigt von den ersten Eindrücken und leckeren Plätzchen, ruhe ich mich bereits Punkt Mitternacht nach Heiligabend aus. Zur Mittagszeit geht es am Folgetag in ein chinesisches Restaurant – für mich als Liebhaber der asiatischen Küche natürlich ein weiterer Höhepunkt. Später gesellen sich daheim auch Kaffee und Kuchen zum Speiseplan – zusammen mit Gesprächen über den Neujahrsurlaub oder dem Massenerhaltungssatz. Der Abend wird mit Brett- und Gesellschaftsspielen eingeläutet, die die kindlichen Gefühle, mit denen ich den Festtagen begegne, noch verstärken. Denn schon in der Vorweihnachtszeit wollten mein Freund und ich legitimer Weise ein wenig nachgeholte Kindheit zelebrieren – mit Weihnachtsmärkten, Kinderpunsch und Plätzchen backen. Mit einem DVD-Abend und dazugehörigem Couch-Kuscheln neigt sich für mich das Weihnachtsfest dann dem Ende zu: Steven Spielbergs „Indiana Jones“ und „Jurassic Park“ bilden dabei den perfekten Schluss für das familiäre Fest.

Bunt gemischt: Das Fest vermittelt ganz verschiedene Eindrücke (Grafik: Pascal Werth)

Bunt gemischt: Das Fest vermittelt ganz verschiedene Eindrücke (Grafik: Pascal Werth)

Was bedeutet für mich rückblickend das Weihnachtsfest als 23-Jährige, die ich weder christlich erzogen wurde noch vorher das Weihnachtsfest miterlebt habe? Keinesfalls Kommerz, da selbst bei den materiellen Geschenken Kleinigkeiten mehr Gewicht haben als große Ausgaben. Für mich ist das Weihnachtsfest nun einfach die Zeit, in der sich alle näher kommen – mal entspannter und harmonischer, mal etwas hektischer. Es ist die Zeit, in der man sich alten – und ganz eigenen – Traditionen und Geschichten widmet, die einen zu dem machen, was man ist – eine Familie.

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier einen Hintergrundbericht zur angeblichen Affaire Jennifer Frankhausers, der Schwester Daniela Katzenbergers, mit dem Mann des deutschen Models Samantha Stone.