Digitale Technologien erobern die Laufstege

Ein Shirt-Ärmel, auf dem man SMS lesen kann, oder ein integriertes Headset in einer Krawatte?! Aktuell sind dies noch Zukunftsvisionen, doch auch vor der Modebranche macht die Digitalisierung nicht halt – Technologie und Mode nähern sich immer weiter an.

Elektronische Kleidungsstücke ermöglichen die Verbindung digitaler Technologien mit Modedesigns. „Wearables“ werden die stylishen Geräte genannt, die unsere Outfits in Form von multifunktionalen Armbändern oder Brillen aufpeppen. Bei Stoffen, sogenannten „E-Textilien“, ist die Software direkt im Gewebe integriert. Das neue Luxussegment der Mode ist zukünftig also nicht mehr Kaschmir oder Pelz, sondern qualitativ hochwertige „E-Mode“.

Viele Modehäuser reagieren bereits auf die Entwicklung und stellen Apps zur Unterstützung des Shopping-Erlebnisses bereit. So brachte Nike die App „Making“ auf den Markt, die es ermöglicht Kleidungsstücke einzuscannen und Informationen über deren Material, Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit abzufragen. Die „Picalook-App“ hilft bei der Suche nach einem bestimmten Kleidungsstück, indem man dieses abfotografiert und eine Produktsuche startet.

Aber auch Unternehmen machen große Fortschritte, indem sie marktreife Ideen und Produkte entwickeln, die elektrische Geräte in Textilien integrieren. Bereits 2010 stellte das Fraunhofer-Institut ein Fitness-Shirt vor, das die Atmung des Sportlers erfasst. Die Möglichkeiten sind hier fast grenzenlos und bieten nicht nur Sportlern einen Mehrwert.

Tragbare Elektronik wird bald fester Bestandteil der Modeindustrie sein. Solargeladene Kleidung mit integriertem iPod ist also nicht mehr lange ein Traum der Zukunft.

Vorschau: Nächste Woche geht es um den Bloggerbazar in FFM

Luxusmarken und ihr Umgang mit digitalen Medien

Luxusmarken sind, wie der Name schon sagt, luxuriös, exklusiv und nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich. Das digitale Zeitalter, in dem das Internet unbegrenzte Informations- und Einkaufsmöglichkeiten bietet, kann für Luxusmarken ein echtes Problem darstellen. Wie die Luxusmarken diese Herausforderungen der heutigen Zeit meistern, verrät euch Face2Face diese Woche.

Bis vor einigen Jahren war die Standortwahl der Luxusboutiquen ein entscheidender Erfolgsfaktor, der nicht zuletzt auf das Image der Marke einen großen Einfluss hat: Man sehe sich nur die Prachtgeschäfte in der Londoner Bond Street, der Fifth Avenue in New York oder dem Place Vendome in Paris an. Chanel, Louis Vuitton und Co. waren auf der Suche nach prestigeträchtigen Straßenzügen, die über eine gute Anbindung und Zugänglichkeit verfügen, um genug Laufkundschaft zu sichern. Deshalb versammelten sie sich an einigen wenigen Plätzen in Großstädten auf der ganzen Welt. Den Spagat, den die Luxusboutiquen hierbei schafften, war es zum einen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und dennoch im Inneren des Ladens nur einen exklusiven und elitären Kundenkreis zu bedienen.

Mit dem Aufstieg der digitalen Medien ändert sich nun dieses erprobte Spielfeld für Luxusmarken deutlich. Nun gilt es nicht mehr, sich nur in den verschiedenen Stadtgebieten zu positionieren, sondern auch eine Strategie für den Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Dafür gibt es ganz verschiedene Herangehensweisen, welche schon mit der Frage beginnen, ob eine Luxusmarke einen Online-Shop betreiben sollte oder nicht. Alle Produkte mit den zugehörigen Produktinformationen und Preisen für jedermann zugänglich im Internet zu präsentieren, widerspricht dem Anspruch der Exklusivität der Luxusmarken. Darüber hinaus geht bei einem Online-Einkauf die Einkaufszeremonie, welche für Luxusmarken extrem wichtig ist und der Kundenbindung dient, verloren. Oftmals ist es nämlich nicht nur das Produkt, das Luxus vermittelt, sondern bereits das Einkaufserlebnis: die persönliche Begrüßung an der Tür, das Anbieten eines Glases Champagner oder einer Tasse Kaffee, die hochklassige Beratung – all dies geht bei einem Online-Einkauf verloren. Gleichzeitig erwarten immer mehr Kunden, ihre Einkäufe bequem von Zuhause aus erledigen zu können. Dies bringt Luxusmarken in einen erheblichen Zwiespalt, wie mit dieser Entwicklung umgegangen werden soll. Während einige Marken, wie beispielsweise Hermès oder Louboutin, umfangreiche Onlinestores anbieten, pochen Marken wie Chanel auf Exklusivität und vertreiben ihre Produkte auch weiterhin nur über ihre Boutiquen.

Doch nicht nur bei den Vertriebswegen müssen sich Luxusmarken über ihre digitale Strategie bewusst werden, auch beim Einsatz digitaler Medien in den Boutiquen ist Einfallsreichtum gefragt. So haben immer mehr Modehäuser in ihren Geschäften große LED-Bildschirme, auf denen Videos der aktuellsten Kollektionen präsentiert werden, oder Tablets, die den Kunden in den Geschäftsräumen zur Verfügung stehen, um das gesamte Produktangebot der Marke einsehen zu können. Vorreiter in der Verknüpfung dieser digitalen Anwendungen und dem konventionellen Verkauf ist die englische Marke Burberry in London. Im Flagship-Store in der Regent Street unterstreicht der Einsatz digitaler Medien das Markenimage des Modehauses durch audiovisuelle Highlights, die über 100 Bildschirme und mehr als 500 Lautsprecher übertragen werden, oder durch Bands, die das Shoppingerlebnis zu etwas ganz Besonderem werden lassen. Das Geschäft selbst soll so zu einem multimedialen Erlebnis werden, wie es das Internet selbst auch ist.

Auch soziale Netzwerke machen vor den Luxusmarken keinen Halt. Hier ist das Potential für Luxusmarken besonders groß, Aufmerksamkeit zu erregen, ein Gruppengefühl zu erzeugen und auch diejenigen anzusprechen, die momentan vielleicht noch nicht zu den Käufern gehören, aber bereits dem „dream factor“ erlegen sind. Über soziale Netzwerke kann Kommunikation stattfinden, es können Imagevideos verbreitet werden, oder Neuigkeiten beispielsweise von den Modewochen gepostet werden.

So zeigt sich, dass digitale Medien durchaus positiv für Luxusmarken einzuschätzen sind. Sie können das Einkaufserlebnis zu etwas ganz Besonderem machen, solange sie vorsichtig mit der Exklusivität der Luxusmarken in Einklang gebracht werden.

Von Atari bis Zelda – Das Computerspielemuseum in Berlin

In diesen Tagen wird das teuerste Videospiel aller Zeiten, Rockstars „Grand Theft Auto V“ veröffentlicht, welches aufgrund seiner Kosten von circa 266 Millionen US-Dollar laut Meinung der Medien – wie die „Welt“ berichtet – „Hollywood alt aussehen lässt“. Computerspiele lassen sich demnach längst nicht mehr als Nischenprodukte bezeichnen, sondern vielmehr als Massenmedium des digitalen Zeitalters. Dass die Spaßgaranten jedoch ebenfalls als Kulturgüter zu betrachten sind, verdeutlicht das Computerspielemuseum in Berlin. Hier wird Videospielen ein Raum geboten, der ansonsten archäologischen Artefakten, epochemachenden Gemälden oder historischen Schriftstücken zukommt: die Exponierung in einem Museum.

Einem normalen Museum gleichend: Das Computerspielemuseum in Berlin (© Computerspielemuseum Berlin)

Einem normalen Museum gleichend: Das Computerspielemuseum in Berlin (© Computerspielemuseum Berlin)

Mit der Prämisse, dass „Computerspiele mehr sind als nur ein Spielzeug und wert, ernst genommen zu werden“, hat Andreas Lange, der Direktor des Museums, sein Vorhaben begründet. Die Institution soll seine Besucher für die Faszination hinter dem Massenphänomen sensibilisieren. Videospiele hätten schließlich „nicht nur kulturelle Relevanz, sondern ebenfalls einen direkten Bezug zu unserem Leben“, so Lange. Mit über 70.000 Besuchern im Jahr scheint das Vorhaben geglückt zu sein, das Spielerherzen und Mausklick-Laien gleichermaßen erfreut. Dabei werden durch Rückbezüge zu den Olympischen Spielen und dem „Schachtürken“, aber auch durch die Veranschaulichung der Entwicklungen und Zukunftsperspektiven von Computerspielen verschiedene gesellschaftliche Anknüpfungspunkte geboten, die unterschiedliche Alters- und Zielgruppen ansprechen. Neben Spiele-Soundtracks und Gamedesign finden somit auch Werbeeinblendungen und Berichte über die Wii-Seniorenmeisterschaft ihre Berechtigung.

Klassisch: Computerspiele-Meilensteine im Computerspielemuseum Berlin (Foto: Jörg Metzner, © Computerspielemuseum Berlin

Klassisch: Ausgestellte Computerspiele-Meilensteine (Foto: Jörg Metzner, © Computerspielemuseum Berlin

Aber auch Kunstausstellungen erweitern die zahlreichen Exponate des Computerspielemuseums: „PC-Spiele können auch Kunst sein, auch wenn dies eher den Randbereich betrifft. Das primäre Ziel von Spielen ist die Unterhaltung. Das muss sich aber nicht widersprechen“ urteilt der Religionswissenschaftler Lange und beendet damit die Debatte, die vom Filmkritiker Roger Ebert in Gang gesetzt wurde. Mit seiner kontroversen Aussage, der zufolge Videospiele niemals Kunst sein können, hatte dieser nämlich den Unmut von Millionen von Spielern auf sich gezogen, die sich von der Abwertung des Mediums Videospiel gegenüber anderen, allgemein als Kunst anerkannten Ausdrucksformen wie dem Film oder der Literatur provoziert fühlten.

„Videospiele sieht man sich ja eigentlich am heimischem Computer an“, urteilt der 46-Jährige. Daher sei es die Aufgabe eines Museums, diese Abgeschiedenheit zu durchbrechen und die Spiele „in einen real-physischen Ausstellungsraum zu übersetzen“. Gerade das soziale Potenzial des Mediums Ausstellung wird genutzt, indem es als ein Ort der Begegnung und des Gesprächs fungiert. Kurzum: „Die Besucher sollen miteinander ins Gespräch kommen“. Nicht nur das kollektive, sondern auch das interaktive Entdecken stehen dabei im Vordergrund. Viele Spielklassiker wie das originale „Pong“, der kultige Adventure-Klassiker „The Secret of Monkey Island“ oder das Textabenteuer „Zork“ können vor Ort angespielt werden, was dem Besuch ein besonderes Maß an Authentizität verleiht. Wem die klassische Pong-Variante zu unspektakulär ist, kann auf die „Painstation“ zurückgreifen, bei der dem Verlierer mittels Elektroschocks Schmerzen zugefügt werden.

WipEout HD 3D

Futuristisch: Das WipEout HD 3D (Foto: Jörg Metzner, © Computerspielemuseum Berlin)

Die Dauerausstellung des privaten Computerspielemuseums, die 60 Jahre Games-Geschichte kompakt in einem Raum darstellt, verdeutlicht vor allem die Entwicklungen in der Szene. Klassiker und Meilensteine, aber auch die dahinter stehende Hardware verleihen den eigentlich nicht objekthaften Spielen ein Stück physischer Präsenz – unter anderem auch durch die Präsentation von Spielkonsolen auf einem Zeitstrahl, der es dem Besucher ermöglicht, die Genese der Spiele-Hardware von der ersten Atari-Konsole bis hin zur futuristisch wirkenden Xbox nachzuvollziehen. Neben der historischen Abfolge stellt eine Weltkarte, die die Spiele einzelnen Kulturkreisen zuordnet, wiederum eine synchrone Vergleichsmöglichkeit dar. Ein weiteres Herzstück der Ausstellung ist eine große Spielwand, bei der der Besucher mittels eines Fadenkreuzes Spielklassiker anwählen kann, zu denen dann kurze Videopräsentationen abgespielt werden.

„Das Museum wollte nie etwas Besonderes sein“, urteilt Lange resümierend über die Institution. Es ist gerade das Spannungsverhältnis von einem normalen Museum mit einem ungewöhnlichen Thema, das den Reiz eines Besuchs ausmache.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier einen Bericht zum Kurzfilmfestival „Zum großen Hirsch“ in Mannheim.

Land in Sicht

Während in Deutschland bis vor einer Woche noch vom „trockensten Winter des Jahrhunderts“ die Rede war und alle Hoffnungen auf weiße Weihnachten begraben wurden, machte man sich auch 8.500 Kilometer weiter südöstlich Sorgen wegen des Wetters. Nur war es in diesem Fall die Sorge um zu wenig Trinkwasser und von Winter kann in Bangkok – egal zu welcher Jahreszeit – selbstverständlich keine Rede sein.

Land in Sicht

Ein Opfer der verheerenden Flut in Thailand: Der Industriepark in Ayutthaya (Foto: Cpl Robert J. Maurer, U. S. Marine Corps)

In Thailand ist zurzeit das schlimmste Hochwasser seit fast 50 Jahren auf dem Rückmarsch. Diese Naturkatastrophe, die besonders den Süden des südostasiatischen Landes sowie die Nachbarstaaten Kambodscha und Laos traf, dauert seit Anfang August diesen Jahres an. In der Folge mussten mehrere 10.000 Menschen evakuiert werden, das Trinkwasser wurde knapp und Cholera und andere „waterborne diseases“ (Anm. d. Red.: das sind Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser übertragen werden) breiteten sich aus. Von offizieller Seite wurden bisher 689 Todesopfer bestätigt (Stand: 10.12.2011).

Nun sind Überschwemmungen in der Region nichts Neues und sie treten auch jährlich auf. Neu ist jedoch, dass sie so stark sind und selbst die Hauptstadt Bangkok, die durch mehrere Dämme geschützt war, so stark überflutet wird, dass die thailändische High-Tech-Industrie für mehrere Wochen ausfällt: Zulieferer aus der Automobilbranche aber auch die großen Festplatten- und Kamerahersteller mussten ihre Werke schließen. Im vierten Quartal dieses Jahres konnten weltweit mit 120 Millionen gefertigten Festplatten nur etwa 70% der Nachfrage bedient werden. In der Folge waren die Preise für Festplatten um bis zu 250% gestiegen. Der Festplattenhersteller „Western Digital“ rechnet mit Lieferengpässen bis März 2012.

Aber auch in Europa spürt man die Auswirkungen der Flut deutlich. Der Rückversicherer „Munich Re“ und „Swiss Re“ erwarten jeweils Belastungen in Höhe von 500 Millionen Euro. Die Gesamthöhe der versicherten Schäden wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt. Die volkswirtschaftlichen Schäden für Thailand werden jedoch wesentlich höher ausfallen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich das Land und seine Bevölkerung möglichst schnell wieder erholen werden und die thailändische Regierung zukünftig mehr in die Hochwasservorsorge und den Schutz der Bevölkerung investiert.

In diesem Sinne: „Ein frohes Fest!“

Warum der Mensch so gläsern ist

Es scheint ein Teufelskreis. Jetzt will Facebook ein digitales Tagebuch seiner Nutzer. Oder will es das doch nur ermöglichen? Der gläserne Mensch braucht jedenfalls mehr als ein soziales Netzwerk, um sich wirklich transparent zu machen. Mir reicht das ganze Gemurmel über den bösen großen Gesichter-Bruder. Oder wurdet ihr gezwungen, da mitzumachen?

Ich bin bei Facebook. Ich bin auch bei Google+, habe eine Familienseite, eine Autorenseite, einen Blog, kurz ich bin digital unterwegs. Dass ich dabei auch Spuren hinterlasse, wenn ich es nicht will, ist nur logisch.

Warum der Mensch so gläsern ist

Empfohlen? Die besten Bücher finden sich dann doch im Buchladen beim Stöbern (© pixelio/Wilhelmine Wulff)

Ganz anders ist es mit den Spuren, die ich steuere. Ich verrate ja auch im persönlichen Gespräch meinem Gegenüber nur so viel von mir, wie mir gefällt. Anders ist das im WWW auch nicht. Da drängt sich mir die Frage auf, wie gläsern ich überhaupt werden kann. Tatsächlich ist es doch so: Das Internet weiß in erster Linie das, was ich es wissen lasse.
Die Empfehlungen auf Amazon beruhen auf meinen vorangegangenen Bestellungen. Stört es mich, wenn Amazon von sonst jemandem im Internet zusätzliche Informationen erhält und mir ein paar Bücher nicht aufgrund dessen vorschlägt, dass ich Ähnliches bereits gekauft habe? Nein. Warum auch? Die Empfehlungen beruhen immer noch auf Sachen, die mich interessieren. Und wenn ich einmal meiner eigenen Spürnase vertrauen will, gehe ich dahin, wo Bücher auch im ersten Moment Bücher sind, in die Buchhandlung. Denn kein organisiertes, auf mich abgestimmtes digitales Verkäuferteam kann die eigene Überraschung ersetzten, wenn ich plötzlich ein Buch in den Händen halte, das großartig ist, ich aber nur per Zufall gefunden habe. Amazon wäre das nie eingefallen.

Vielleicht ist es also doch nicht so schlimm, wenn wir ein paar Details von uns preisgeben. Aber wie sieht das in sozialen Netzwerken aus? Nehmen wir den digitalen Lieblings-Prügelknaben der Nation: Facebook. Da werden regelmäßig auf den Kunden zugeschnittene Werbeanzeigen eingeblendet, rechts an der Seite. Stört mich das? Nicht im geringsten. Im besten Fall ist da mal tatsächlich etwas dabei, das mich interessiert. Ansonsten ignoriere ich die Dinger einfach. Meine Informationen habe ich selbst eingegeben. Dafür kann ich niemanden verantwortlich machen. Ich habe mein Alter, Geschlecht, meinen Beziehungsstatus und sonstige Feinheiten freigegeben. Manche nicht öffentlich, aber dennoch habe ich sie eingetippt. Meine Finger waren das. Und mir ist es tausend Mal lieber, Brautkleideranzeigen zu sehen, als andere mögliche Werbebildchen. Hat Facebook mich gefragt, ob es meine Daten dafür verwenden darf? Es hätte  gesollt, aber ich hätte auch einfach nichts von mir verraten können. Und dann ist da noch die Frage, ob nicht viel eher Facebook die Daten selbst nutzt, um Werbeanzeigen zu schalten, ohne dass der Werbekunde meinen Namen kennt. Der wird nämlich erst interessant, sobald ich auf ‚gefällt mir‘ klicke.

Warum der Mensch so gläsern ist

Alles durchsichtig? Bestimmt nicht (© pixelio/johnnyb)

Der Stress mit dem Button unter den Dutzend Meldungen geht mir ja auch auf den Geist. Warum will die Datenschutzbehörde dagegen vorgehen? Kann mir das nochmal einer erklären? Facebook führt doch keine Klicks für mich aus, das bin ich. Nur wenn ich da drauf klicke, wird das vermerkt. Spiegelt das all meine Interessen und Vorlieben wieder? Mit Sicherheit nicht. Oder habt ihr noch nie einen Klick ausgelassen, vielleicht auch nur aus Wohlgefallen ein ‚gefällt mir‘ vergeben? Sind wir etwa zu blöd, um selbst zu entscheiden, ob wir etwas anklicken wollen, oder nicht? Auf Facebook selbst werden die Rufe nach einem ‚gefällt mir nicht‘ Button laut. Die Nutzer scheinen sich also nicht daran zu stören. Die kommen dafür auf ganz andere Ideen.
Zuletzt bei diesen neuen Abonnements. Vor etwa zwei Wochen fingen die ellenlangen Statusmeldungen an, man solle doch bitte das Abo der jeweiligen Person wieder abbestellen, da sonst die ganze Welt die Statusmeldungen lesen könnte. Ich habe noch nicht eine Statusmeldung der Freunde meiner Freunde irgendwo angezeigt bekommen. Stattdessen fehlen die Meldungen meiner Freunde plötzlich ganz. Der Clou ist, das Abo nur in manchen Bereichen zu kündigen, bei Spielen (ok, die nerven wirklich) oder Bildern, die Statusmeldungen aber beizubehalten. Sonst wundert ihr euch lange, warum ihr von manch einem nichts mehr hört. Und dann müssten ohnehin nicht alle Freunde mit diesen ellenlangen Meldungen in den Wahnsinn getrieben werden. Jeder kann bei sich einstellten, was er im Abo teilen will.

Warum der Mensch so gläsern ist

Durchschaubar. Wie durchsichtig wir sind, hängt dann doch von uns ab (©pixelio/Helmut-J.-Salzer)

Doch da sind wir beim eigentlichen Problem. Ein Problem, das nicht nur Facebook, sondern alle sozialen Netzwerke, ja das gesamte Internet gemeinsam ertragen müssen. Denn all die Menschen, die vor dem Bildschirm sitzen und noch nicht begriffen haben, dass die digitale Welt immer mehr zur realen Welt dazugehört, dass Kommunikation und Information darüber ablaufen, all die Menschen, die es nicht schaffen sich die Regeln und Bestimmungen ihrer sozialen Netzwerke nicht nur einmal durchzulesen, sondern immer wieder, sobald sich was ändert, sie alle haben Angst. Die ist nicht unberechtigt, soweit will ich gar nicht gehen. Auch auf die Straße zu gehen, kann gefährlich sein. Doch wie gläsern wir sind, wie viel wir darüber wissen, wie viel wir von uns preisgeben und wie viel wir dabei wieder zurück bekommen, das liegt immer noch bei uns. Mit den Worten meines alten Töpferlehrers: „Mach halt e mol die Glubbschaage uff“. Oder mit den Worten Heinrich Heines: „Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen.“

Vorschau: Lea schreibt nächsten Mittwoch über das Leben ohne Kuhmilch und mit Laktoseintolleranz.