Deutsch-russische Hochzeiten bestimmen den Berufsalltag

Was wäre eine Hochzeit ohne die passende musikalische Untermalung? Häufig sorgen Hochzeitsbands dafür, das Brautpaar und die Hochzeitsgäste bis in die späten Abendstunden mit romantischer, aber auch tanzbarer Musik zu unterhalten. Viktor, Olga, Artur und Valentina haben sich entschieden, Hochzeitspaare an ihrem ganz besonderen Tag musikalisch und moderativ zu begleiten. Als Familie sind sie seit 2011 als Hochzeitsband „ViO – Musik & Moderation“ gemeinsam unterwegs und haben sich auf deutsch-russische Hochzeiten spezialisiert. Wir haben mit dem 27-jährigen Artur Maurer über diesen Schwerpunkt und den Alltag in der Familien-Hochzeitsband gesprochen.

Face2Face: Wie kam es zur Gründung von „ViO – Musik & Moderation“?

Artur: Der Ursprung unserer Hochzeitsband liegt in den späten 1990er Jahren. Bereits 1997 begleiteten unsere Eltern Viktor und Olga als „Duett ViO“ kleine Hochzeiten von Freunden und Verwandten. Das kam gut an. Die Anfragen vermehrten sich und so stand der Gründung von „ViO – Musik & Moderation“ nichts mehr im Weg. Von klein auf wuchsen wir im Musikbusiness auf. Mit 16 Jahren stand ich zum ersten Mal selbst auf der Bühne und entdeckte meine Leidenschaft für das Moderieren. Seitdem sind das Mikrofon und ich unzertrennlich. Später ist auch Valentina mit ins Boot gekommen.

Face2Face: Wie ist der Name „ViO – Musik & Moderation“ zustande gekommen?

Artur: Das ist eine Zusammensetzung aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen Viktor und Olga. Das „i“ dazwischen steht für das russische Wort „und“, was als „i“ ausgesprochen wird. Daraus ergibt sich ViO.

Face2Face: Es ist ja schon ziemlich ungewöhnlich, dass ihr als ganze Familie gemeinsam beruflich unterwegs seid. Wieso habt ihr euch dazu entschlossen?

Artur: So ungewöhnlich ist das für uns gar nicht, eher im Gegenteil. Die Zusammenarbeit als Familie war nicht zwangsläufig geplant, sondern kam von ganz allein. Wir sind als Kinder mit der Musik aufgewachsen. Ständig haben Viktor und Olga musiziert und gesungen. Als wir älter wurden, wollten unsere Eltern uns natürlich ihre Fähigkeiten weitergeben und die bis dahin aufgebaute Hochzeitsband erweitern. Da lag es nahe, dass meine Schwester und ich einsteigen würden. Außerdem klappt die Zusammenarbeit einwandfrei.

Deutsch-russische Hochzeiten bestimmen den Berufsalltag

Gemeinsam als Familie auf deutsch-russischen Hochzeiten unterwegs: Olga, Artur, Viktor und Valentina von ViO (v.l.n.r.; Foto: www.musik-vio.de)

Face2Face: Macht ihr das alle hauptberuflich?

Artur: Ich habe in Berlin Event-, Messe-, und Kongressmanagement studiert und bin hauptberuflich als Veranstaltungsmoderator tätig. Neben Hochzeiten begleite ich auch weitere Veranstaltungen, wie zum Beispiel Messen, Seminare oder Firmenevents. Die anderen Mitglieder sind nebenberuflich mit dabei. Olga arbeitet unter der Woche im Sekretariat, Viktor betreibt seine eigene Akkordeonwerkstatt und Valentina studiert Wirtschaftskommunikation.

Face2Face: Ihr konzentriert euch auf die musikalische Begleitung und die Moderation von deutsch-russischen Hochzeiten. Wieso gerade dieser Schwerpunkt?

Artur: Einerseits liegt das an unseren russischen Wurzeln. Viktor und Olga kommen ursprünglich aus Kasachstan und auch ich bin dort zur Welt gekommen. 1995 sind wir nach Deutschland ausgewandert, wo Valentina drei Jahre später geboren wurde. Am Anfang begleiteten Olga und Viktor nur russische Hochzeiten, doch mit den Jahren ist die russische Kultur abgeschwächt und die nächsten Generationen sind in Deutschland aufgewachsen. Daher der Umschwung und die Entscheidung, die deutsche und russische Kultur zu verbinden und gemischte Hochzeiten zu begleiten.

Face2Face: Was ist das Besondere an deutsch-russischen Hochzeiten?

Artur: Wie so oft, macht es die Mischung aus. Die Verschmelzung aus der eher ruhigen, gediegenen deutschen und der schrillen, aufgedrehten russischen Kultur macht diese Art von Hochzeiten zu etwas ganz Besonderem. Beide Seiten ergänzen sich sehr gut: Es wird nie langweilig und doch ist es nicht zu überfüllt. Es wird viel getanzt und getrunken, und trotzdem bleibt genug Zeit für Gespräche und eine Verschnaufpause.

Face2Face: Welche Traditionen gibt es bei deutsch-russischen Hochzeiten, die sich deutlich von einer ausschließlich deutschen Hochzeit unterscheiden?

Artur: Heutzutage werden sich deutsch-russische und deutsche Hochzeiten immer ähnlicher. Die Abläufe sind nahezu gleich. Trotzdem gibt es einige Traditionen, die bei den Deutschen so nicht üblich sind. Die wohl bekannteste russische Tradition ist der sogenannte „Brautschuhklau“. Wir haben diese Tradition über die Zeit ein wenig angepasst, mit dem Ziel, diese auch dem deutschen Publikum näherzubringen. Der Braut und dem Bräutigam wird jeweils ein Schuh „geklaut“ (mit vorheriger Absprache). Mithilfe von verkleideten Personen aus dem Publikum, die ich mir im Vorfeld aussuche und vorbereite, wird der Diebstahl dann angekündigt. Dabei stellen die Verkleideten die jeweiligen Verehrer/innen des Brautpaars dar. Durch die gestohlenen Schuhe soll die Hochzeit auf diese Weise sabotiert werden, denn ohne Schuh lässt es sich schließlich schlecht tanzen und weiterfeiern. Um die Schuhe wieder zurückzuerhalten, sind im nächsten Schritt die Trauzeugen gefragt. Denn als Aufpasser des Brautpaars sind sie natürlich für den Diebstahl verantwortlich und müssen das Ganze wiedergutmachen. Und an dieser Stelle kommt das Publikum ins Spiel. Dieses hat die Möglichkeit, um die Gunst der Trauzeugen zu bieten und sich im Umkehrschluss von ihnen einen Wunsch erfüllen zu lassen. Über Gesangs- bis hin zu Tanzeinlagen sind der Kreativität der Gäste keine Grenzen gesetzt. Die Trauzeugen müssen sich also verschiedenen Herausforderungen stellen und sich in diversen Disziplinen beweisen. Erst wenn die gewünschten Aufgaben erfüllt sind, erhält das Brautpaar die Schuhe zurück und die Hochzeit kann weitergehen.

Face2Face: Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Hochzeitsband bei euch aus?

Artur: Einen gewöhnlichen Acht-Stunden-Arbeitstag haben wir nicht. Je nach Veranstaltungsort sind wir meistens drei Stunden vor Beginn der Hochzeit vor Ort. In der Location angekommen, wird das Equipment aufgebaut und alles Notwendige hergerichtet. Nach dem abschließenden Soundcheck machen wir uns schick und dann geht es los. Die meisten Hochzeiten beginnen gegen 15 Uhr und enden je nach Stimmung zwischen 2 und 4 Uhr. Das Ende legt am Schluss aber immer das Brautpaar fest. So kommt es auch schon mal vor, dass wir bis in die frühen Morgenstunden Musik machen. Bis dann letztendlich das Equipment wieder abgebaut ist, geht meistens auch schon die Sonne wieder auf.

Deutsch-russische Hochzeiten bestimmen den Berufsalltag

Deutsch-russische Hochzeiten gehören zu seinem Berufsalltag: Artur Maurer (Foto: www.musik-vio.de)

Face2Face: Wer übernimmt in eurer Familie bei den Hochzeiten welche Aufgaben?

Artur: Ich bin für die deutsche Moderation sowie die Organisation und Terminvereinbarungen zuständig. Olga ist für die russische Moderation sowie den russischen und deutschen Gesang verantwortlich. Viktor übernimmt die Live-Musik auf dem E-Piano und dem Akkordeon sowie den russischen Gesang. Mit seinem Akkordeon begleitet er beispielsweise den Sektempfang, der zu Beginn der Feier ansteht. Valentina wirkt bei der deutschen Moderation mit und legt als DJane auf. Angefangen bei den 1970ern, über die 1990er und 2000er, bis hin zu den aktuellen Charts, ist alles dabei.

Face2Face: Wie viel Zeit verbringt ihr im Vorfeld mit dem Brautpaar, um die Hochzeit vorzubereiten?

Artur: Das ist ganz individuell und hängt vom Brautpaar ab. Wir passen uns dabei immer den Wünschen an und bieten sowohl Telefonate, Skype-Gespräche als auch persönliche Termine an. Im Großen und Ganzen gibt es hier aber keine definierte Zeitspanne. Für jedes Brautpaar nehmen wir uns die Zeit, die notwendig ist.

Face2Face: Haben die Brautpaare in der Regel genaue und individuelle Vorstellungen, wie ihr das Programm gestalten sollt, oder geben sie das eher in eure Hand?

Artur: Unser Motto lautet: „Wir stellen euch das Fundament zur Verfügung und gemeinsam bauen wir dann das Häuschen – eure Hochzeit.“ Natürlich geben wir immer einen gewissen Rahmen vor. Dieser wird dann durch die Wünsche und Vorstellungen des Brautpaars vervollständigt, woraus sich schließlich das Programm ergibt.

Face2Face: Wie alt sind die Brautpaare, die ihr begleitet, durchschnittlich?

Artur: Im Durchschnitt sind die Brautpaare zwischen 25 und 35 Jahre alt.

Face2Face: Was war die außergewöhnlichste Hochzeit, die ihr je musikalisch begleitet und moderiert habt?

Artur: Eine der schönsten und mit Abstand außergewöhnlichsten Hochzeitsmoderationen, die ich machen durfte, war in Sizilien. Diese fand direkt am Meer in Palermo statt, mit freier Trauung und anschließender Feier. Die Atmosphäre war einfach überwältigend. Einerseits die Location, die sich direkt am Meer befand, andererseits aber auch die Stimmung und die Einzigartigkeit. Viele Brautpaare träumen nur davon, sich bei milden Mittelmeertemperaturen und Meeresrauschen das Ja-Wort zu geben. Das Brautpaar hatte sich genau diesen Traum erfüllt und ich hatte die Ehre, das Ganze zu moderieren.

Face2Face: Was war das Peinlichste, was dir je bei einer deutsch-russischen Hochzeit passiert ist?

Artur: Mir ist tatsächlich einmal die Hose im Schritt gerissen, doch dank Ersatzhose war das Ganze nicht weiter tragisch und ich habe es mit Humor genommen.

Face2Face: Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem ihr je eine Hochzeit moderiert und musikalisch begleitet habt?

Artur: Eine umgebaute Scheune, die sowohl als Location, aber auch teilweise noch als Stall genutzt wurde. Dabei waren sogar durch eine riesige Glasscheibe die Kühe im Stall zu sehen. Die umherlaufenden Hühner waren dabei Nebensache.

Face2Face: Was ist das Schönste für dich, wenn du eine Hochzeit moderierst?

Artur: Das Schönste für mich ist die Arbeit mit den Menschen. Jede Woche stellt man sich dabei auf ein neues Publikum ein und lernt immer wieder neue Gesichter kennen. Keine Hochzeit ist wie die andere und somit ist jede Hochzeit etwas ganz Besonderes. Es ist schön, am Ende der Feier in lauter zufriedene und glückliche Gesichter zu blicken. Das bestärkt und motiviert uns immer wieder!

Mehr Infos zu „ViO – Musik & Moderation“ gibt es auf ihrer Homepage oder ihrer Facebookseite.

In Liebe verbunden – Hochzeitstraditionen auf einen Blick

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Wohl eine der bekanntesten Hochzeitstraditionen: Der Brautstraußwurf.
(Foto: hochzeitsfotograf / pixelio.de)

Es ist heiß in Ludwigshafen. Die Hitze flackert über dem Asphalt. Es geht kaum ein Wind. Wir haben August. Einen der beliebtesten Monate für Hochzeiten. Auch ich lerne diesen August in der Rolle einer Trauzeugin worauf es bei einer Hochzeit ankommt. Neben Blumengestecken, Probefrisuren und Hochzeitskleidern dürfen auch traditionelle Bräuche nicht fehlen. Sie können zwar von Region zu Region variieren, einige unter ihnen sind jedoch fester Bestandteil auf vielen deutschen Hochzeiten. Für euch habe ich mir einige dieser Bräuche mal genauer angeschaut.

„Scherben bringen Glück“

Einen Tag vor der Hochzeit – heutzutage auch schonmal ein paar Tage oder sogar Wochen zuvor – versammeln sich Familie, Freunde und Bekannte des Brautpaares und vertreiben bis in die Nacht hinein böse Geister und Dämonen: Der Polterabend dient als ein Ritual zum Schutz des Paares und gehört zu den ältesten Hochzeitsbräuchen schlechthin. Durch den Lärm beim Zerschmettern von altem Porzellan soll das Grauen vom Brautpaar ferngehalten werden. Doch auch Zweifeln oder gar Ängsten wird der Garaus gemacht. Das Zerbrechen von etwas Altem symbolisiert dabei einen neuen Lebensabschnitt, dem das zukünftige Ehepaar entgegensieht. Getreu dem alten Sprichwort: Scherben bringen Glück.
Ganz im Gegenteil zum Porzellan am Polterabend bringen die Scherben von Spiegeln und Glas kein Glück, stattdessen aber sieben Jahre Unglück über das Brautpaar. Überschüssige Energie also lieber an Tellern und Co. auslassen.
Wer sich jetzt fragt, wie das Chaos am Ende wieder beseitigt werden soll, der kann sich auch hier auf die Tradition berufen. Diese besagt, dass das Brautpaar durch gemeinsames Fegen am Ende des Abends den Herausforderungen entgegentritt, mit denen es sich auch in der Ehe konfrontiert sieht. Ihr als Gäste oder Organisatoren seid beim Aufräumen also fein raus – Glück gehabt!

„Something old, something new, something borrowed, something blue“

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Am Anfang meistens auch etwas gruselig: Etwas Neues wie das Brautkleid 
(Foto: Bedenkzeit Fotografie)

Der große Tag ist da und die Braut und ihr Outfit stehen im Vordergrund. Auf einen alten englischen Brauch stützend besteht die Brautgarderobe aus etwas Altem, etwas Neuem, etwas Geliehenem und etwas Blauem.
Dabei hat jeder Gegenstand, wie wir gleich sehen werden, seine ganz eigene Bedeutung.
Etwas Altes: Ihre Verbundenheit zur eigenen Familie und ihre Herkunft kann die Braut an ihrem besonderen Tag durch Familienschmuckstücke oder ein Kleid von vergangenen Hochzeiten zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig soll etwas Altes zur Dauerhaftigkeit der Ehe beitragen und das Paar in eine glückliche Beziehung führen.
Etwas Neues: Zu einer Hochzeit gehört bei vielen Bräuten auch der Besuch im Brautmodengeschäft. Etwas Neues wird somit durch das Brautkleid oder auch durch Schmuck symbolisiert und steht für den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt.
Etwas Geliehenes: Dem Glauben folgend, dass Glück übertragbar sei, liegt es nahe, sich am Tag der Hochzeit etwas von einer guten Freundin zu leihen, die ihr Glück in der Ehe bereits gefunden hat. Es vermittelt neben der Unterstützung der Braut durch die Freundin auch Geborgenheit und soll der frischen Ehe Glück bringen. Etwas Geliehenes können zum Beispiel Schuhe oder Schmuck der Freundin sein.
Etwas Blaues: Die Farbe Blau steht für Treue, Reinheit und Ehrlichkeit. Diese Werte sollen auch die Grundpfeiler einer Ehe bilden und werden oftmals durch ein blaues Strumpfband symbolisiert. Auch blaue Schleifen oder Knöpfe können diesen Zweck erfüllen.

Ein Regen aus Reis

Das Brautpaar verlässt das Standesamt oder die Kirche nach der Trauung und wird empfangen von einem Regen aus Reis, der keinesfalls negativ verstanden werden sollte. Stattdessen wurde Reis bereits im traditionellen Asien als ein Hauptnahrungsmittel gesehen und gleichzeitig als Symbol für Fruchtbarkeit und eine reiche Kinderschar betrachtet. Die besondere Bedeutung von Reis lässt sich einmal mehr dahingehend erkennen, weil in Asien zu besonderen Anlässen Speisen aus Reis angefertigt werden. So auch der Reiskuchen.
Da man mit Lebensmitteln jedoch sorgsam und auf keinen Fall verschwenderisch umgehen sollte, bieten sich alternativ auch Rosenblätter, Konfetti oder Seifenblasen an, um das Brautpaar nach der Eheschließung in Empfang zu nehmen und zu beglückwünschen. Besonders Seifenblasen können die Träume und Wünsche des Ehepaares, die in Erfüllung gehen, sollen symbolisieren und bieten somit eine schöne Alternative zu Reis.

Ein Wink des Schicksals

Im Laufe des Abends folgt meist eine ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende und in Deutschland bereits weit verbreitete Tradition: der Brautstraußwurf. Traditionell findet dieser am Ende der Feier gegen Mitternacht statt. Dabei versammelt sich eine Gruppe der noch unverheirateten Frauen vor der Braut, die ihren Hochzeitsstrauß über die Schulter in die Gruppe wirft. Wer den Strauß fängt wird laut der Tradition als Nächste vor den Traualtar treten. Das Fangen wird also als ein Wink des Schicksals gesehen und kann auch dazu dienen, dem Partner der Fängerin einen mehr oder weniger unauffälligen Hinweis zu geben, dass die Zeit allmählich reif für einen Antrag ist. Aus diesem Grund wird oftmals bereits vorab geklärt, wer den Strauß fangen wird.
Um dem Zufall nicht im Wege zu stehen, kann die Braut sich alternativ auch mit verbundenen Augen im Kreise drehen und somit die neue Braut bestimmen. Der Brautstraußwurf kann ebenfalls als der Beginn von etwas Neuem gedeutet werden.
Um der Braut eine Erinnerung an ihren besonderen Tag zu lassen, wird bei vielen Hochzeiten ein sogenannter Zweitstrauß angefertigt, der eigens zum Wurf gedacht ist. Dieser Strauß wird dann fester gebunden und mit besonders robusten Blumen, beispielsweise Rosen, bestückt, um zu verhindern, dass er durch den Wurf beschädigt wird.
Und wer sich nun fragt, ob es ein solches Ritual auch für Männer gibt, der kann erleichtert aufatmen. Um den nächsten Bräutigam zu bestimmen, wird statt einem Strauß das Strumpfband der Frau, der Schlips oder auch die Fliege des Mannes geworfen. Die nächste Hochzeit lässt sich somit relativ einfach bestimmen.

Der Schritt über die Schwelle

Der Abend neigt sich dem Ende zu, die Gäste verabschieden sich nach und nach und machen sich auf den Heimweg. Auch das frisch vermählte Ehepaar schließt die Feier und begibt sich in das Hotelzimmer. Die letzte Tradition am Hochzeitstag befolgend, trägt der frisch gebackene Bräutigam seine Vermählte über die Türschwelle und bewahrt sie somit vor bösen Geistern die unter der Türschwelle lauern. Was danach folgt, bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen…

Natürlich sind die hier aufgeführten Hochzeitsbräuche nur eine kleine Auswahl. Welche der Traditionen tatsächlich am Tag der Trauung in Gebrauch kommen, liegt allein in den Händen des Brautpaares und der Trauzeugen, die die Planung der Feier unterstützen. Bewährte und beliebte Bräuche sorgen so für ausgelassene Stimmung und natürlich ein unvergessliches Erlebnis für das Brautpaar.

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

„Bei schönem Wetter schnappe ich mir einfach meine Gitarre und stelle mich ein paar Stunden in die Stadt, um Straßenmusik zu machen und mein Gehalt ein bisschen aufzubessern.“ – Was so einfach klingt, ist nicht in jeder deutschen Stadt möglich und ist oft mit bestimmten Regelungen verbunden, die es Straßenmusikern teilweise erheblich erschweren, ihre Musik öffentlich an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Wir haben uns für euch schlau gemacht, welche Auflagen es unter anderem in der Rhein-Main-Region gibt und außerdem einen jungen Straßenmusiker nach seinen Erfahrungen und Tipps gefragt.

Sondernutzungserlaubnis nötig

Jede Stadt in Deutschland hat ihre eigenen Bestimmungen im Hinblick auf musikalische Darbietungen auf der Straße. Wer zum Beispiel in Darmstadt an einem öffentlichen Platz musizieren will, darf das generell nur in der Fußgängerzone zwischen 10 und 20 Uhr. Dazu kommt, dass man vorher beim Bürger- und Ordnungsamt einen sogenannten „Antrag auf eine Sondernutzungserlaubnis für Straßenmusik und Straßenkunst in der Fußgängerzone“ stellen und eine Verwaltungsgebühr von fünf Euro pro Tag zahlen muss. Außerdem vergibt die Stadt täglich überhaupt nur fünf Genehmigungen.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Auf dem Weg zum nächsten Straßengig: Musiker Johannes Marschall (Foto: S. Holitzner)

Noch komplizierter ist es beispielsweise in München. Bevor man dort Straßenmusik machen kann, muss man sich eine Erlaubnis in der Stadtinformation im Rathaus holen. Und wer so eine bekommen möchte, muss früh aufstehen: Die Stadtinformation erteilt gegen eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro nur zehn Lizenzen pro Werktag und die gehen an diejenigen, die zuerst und das heißt ab 8 Uhr vor Ort sind. Ein Straßenmusiker, der zum ersten Mal in München spielen will, muss darüber hinaus zunächst sein Können im Rathaus präsentieren, bevor entschieden wird, ob er auf der Straße zugelassen wird. Weitere kleinteilige Regelungen, wie ein Spielverbot während des Glockenspiels am Marienplatz oder ein Ausschluss bestimmter Instrumente, kommen hinzu. Dieses strenge Reglement hängt damit zusammen, dass viele Geschäftsbetreiber und Anwohner sich von zu viel Straßenmusik gestört fühlen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich die Musizierenden den einen oder anderen dummen Spruch anhören müssen. Johannes Marschall, der als Nebenerwerb zum Studium seit 2013 häufig mit einem oder zwei Freunden Rock’n’Roll- und Rockabilly-Klassiker aus den 50er Jahren mit Gesang und Gitarren auf der Straße performt, wurde schon öfter mit Sätzen wie „Hey guck mal, da ist Elvis“ konfrontiert. So etwas nimmt er sich allerdings nicht zu Herzen. Er ist der Meinung, dass sich diejenigen, die sich beschweren, erst einmal selbst trauen sollten, vor fremden Leuten auf der Straße zu spielen. Auf Anfeindungen von Anwohnern reagiert er mit dem Hinweis auf die Regelungen der Stadt für Straßenmusiker.

Es geht auch ohne Genehmigung

Solche Beschwerden waren in Wiesbaden der Grund für eine Verschärfung der Vorschriften im Dezember 2017. Dort darf ein Künstler seitdem einen Standort am gleichen Tag kein zweites Mal nutzen und nur noch zwischen 11 und 18 Uhr statt wie bisher zwischen 8 und 20 Uhr musizieren. Im Vergleich zu München ist Wiesbaden aber dennoch bei Straßenmusikern beliebt, weil keine Genehmigungen notwendig sind. Insbesondere Frankfurt schätzt Straßenmusik als kulturelle Bereicherung und belebendes Element, weshalb die Mainmetropole die kreativen Talente eher fördert als ihnen durch viele verwirrende Regelungen Steine in den Weg zu legen. Von Montag bis Samstag dürfen dort die Straßen zwischen 7 und 20 Uhr (von 1. Mai bis 31. August sogar bis 21 Uhr) bespielt werden, wenn nach maximal einer Stunde ein Standortwechsel erfolgt. Zwischen zwei Straßenkonzerten an der gleichen Stelle muss zudem knapp eine Stunde Pause liegen.

Nicht alles ist schlecht an einer Straßenmusikordnung

Als Straßenmusiker kann ich doch spielen, wo ich will – oder nicht?

Voll im Element: Johannes Marschall beim Konzert auf der Straße in Mainz (Foto: J. Marschall)

In Mainz brauchen Straßenmusiker ebenfalls keine Genehmigung, um auf der Straße aufzutreten. Trotzdem gibt es eine Straßenmusikordnung mit verbindlichen Regeln. Diese besagt, dass man genügend Abstand zu öffentlichen Veranstaltungen halten sollte. Des Weiteren ist die Stadt in verschiedene Spielzonen aufgeteilt, die nur an Werktagen zu festgelegten Zeiten für maximal 30 Minuten zum Musizieren genutzt werden dürfen. Johannes, der primär in Mainz Straßenmusik macht, kritisiert, dass sich nicht immer alle Künstler an diese Vorschriften halten. Viele wissen aber auch gar nicht, dass es einen solchen Regelkatalog für Straßenmusiker gibt. Positiv daran findet der 27-Jährige, dass man sich unter den Straßenmusikern nicht direkt in die Quere kommt oder sich sogar gegenseitig die Zuschauer abjagt. Insgesamt sorgt die Verordnung in Mainz für einen fairen Umgang miteinander und damit für einen fairen Wettbewerb.“ Aber solche Regelungen haben auch ihre Schattenseiten: „Wenn man gerade so richtig schön in Fahrt gekommen ist, muss man schon wieder umziehen. Wenn außerdem an bestimmten Tagen viele Straßenmusiker unterwegs sind, kann es schwer werden, den Ort immer gleich im Halbstundentakt zu wechseln, da viele Plätze belegt sind.

Haltet den Dieb!

Unabhängig von den Vorschriften sollte man als Straßenmusiker allgemein aufpassen, dass man nicht Opfer eines Diebstahls wird. Vielfach legen die Künstler einen Gitarrenkoffer oder einen Hut auf die Straße, in den Fußgänger bei Gefallen einen kleinen Obolus werfen können. Johannes hat in Mainz die Erfahrung gemacht, dass ein Mann, der rein äußerlich den Anschein eines Obdachlosen erweckte, mehrmals im Vorrrübergehen versucht hat, Geld aus dem Gitarrenkoffer zu nehmen. Da sie zu dritt musizierten, konnten zwei weiterspielen, während der Dritte den Diebstahl vereitelte, indem er den Mann anschrie und somit verscheuchte.

Wie werde ich ein erfolgreicher Straßenmusiker?

Abgesehen von den Regelungen, welche die Städte Straßenmusikern vorschreiben, gibt es verschiedene Dinge, die laut Johannes alle, die ihre Musik an öffentlichen Plätzen präsentieren wollen, beachten sollten: „Man sollte sein musikalisches Handwerk verstehen. Außerdem sollte man denselben Song nicht zu oft hintereinander spielen. Ich betrachte Straßenmusik auch immer als ein Konzert mit einem gewissen Grad an künstlerischem Anspruch. Außerdem spielt der Ort, an dem man sich auf der Straße aufstellt, eine große Rolle. Wenn man sich eher in die Mitte der Straße als an die Straße stellt, hat man größere Chancen wahrgenommen zu werden – und darum geht es ja auch: präsent sein, die Leute mit seiner Ausstrahlung und Musik fesseln und sich nicht in Seitengassen verstecken.

Straßenmusik = eine Bereicherung?

Neben denjenigen Passanten, denen die Johnny Cash-Coversongs von Johannes ein Lächeln ins Gesicht zaubern, gibt es aber immer noch viele, die Straßenmusik skeptisch beäugen. Der junge Musiker würde sich deshalb wünschen, dass sich Städte und vor allem die Anwohner und Menschen auf der Straße mehr der Straßenmusik öffnen. Er sieht eine lebendige Straßenmusikkultur als große Bereicherung für eine Stadt, denn „was gibt es Schöneres als an einem sonnigen Tag durch die Straßen zu flanieren und dabei gute Straßenmusik zu genießen.“ Andere Länder, wie zum Beispiel Italien, scheinen Straßenmusik offener gegenüberzustehen. So hat es zumindest Johannes erlebt: „Als ich vor zwei Jahren auf Studienfahrt in Neapel war, begannen auf einmal mehrere Straßenmusiker ein Konzert mitten unter den Restaurantgästen auf der Straße. Die haben fast eine Stunde eine Canzone Napoletana nach der anderen geschmettert und alle haben mitgemacht. Ich glaube, so etwas würde in Deutschland nicht so schnell passieren.

Deutschlandkarte für Straßenmusiker

Damit Straßenmusiker auf einen Blick sehen können, ob sie beim öffentlichen Musizieren in den einzelnen Städten Deutschlands mit Einschränkungen rechnen müssen oder erwünscht sind, hat DIE ZEIT im August 2017 eine hilfreiche Karte erstellt. Darin sind zum Beispiel auch Mannheim und Heidelberg zu finden. Etwas kleinere Städte, wie beispielsweise Speyer, sind dort jedoch nicht verzeichnet.

Bildergeschichten aus Asien – vom Skizzenbuch zum Massenmedium

In gut sortierten Buchhandlungen sind sie neben Comics häufig anzutreffen und füllen meistens ganze Regalreihen: Mangas. Im Comicfachhandel gibt es aber auch noch die sogenannten Manhuas und Manhwas. Was ist der Unterschied zum herkömmlichen Comic und woher kommen die Bildergeschichten überhaupt?

Die Anfänge des Mangas

Der Begriff „Manga“, der sich aus den zwei Ideogrammen „man“ und „ga“ (laut Duden „‚man‘ = bunt gemischt, kunterbunt; ‚ga‘ = Bild“) zusammensetzt, hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. Damals bezeichnete der japanische Maler Katsushika Hokusai seine Skizzenbücher als „Manga“. Viele Künstler übernahmen daraufhin dieses Wort für ihre Werke. Die 1902 veröffentlichte Bildergeschichte „Tagosakus und Mokubes Besichtigung von Tokio“ von Kitazawa Rakuten wird als Vorreiter des Mangas angesehen. Allerdings akzeptierten die Japaner Mangas erst im 20. Jahrhundert als eigenständige Kunstgattung, die immer beliebter wurde. Als Wegbereiter des modernen Mangas gilt der japanische Arzt und Zeichner Tezuka Osamu. In seinem Manga „Die neue Schatzinsel“ tauchten 1947 die noch heute für Mangas typischen Kulleraugen erstmals auf.

Ein typischer Manga

Bildergeschichten aus Asien – vom Skizzenbuch zum Massenmedium

April, April, der macht, was er will: Die Themenvielfalt in Mangas ist groß (Foto: MulanEvyHua)

Unter einem Manga wird laut Duden ein „aus Japan stammender handlungsreicher Comic, der durch besondere grafische Effekte gekennzeichnet ist“, verstanden. Typisch für Mangas sind insbesondere die in der Regel schwarz-weißen Zeichnungen und die japanische Leserichtung. Daher werden Mangas – anders als man es von westlichen Comics kennt – quasi von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen. Charakteristisch für Mangas sind außerdem das sogenannte „Kindchenschema“ (großer Kopf und die besagten Kulleraugen) und die Darstellung von Emotionen durch bestimmte visuelle Elemente. So symbolisieren Herzen beispielsweise Verliebtheit.

Manga-Boom in Deutschland

Erst 1982 erschien mit Keiji Nakazawas „Barfuß durch Hiroshima“ der erste deutsche Manga. Dieser wurde im Rowohlt Verlag veröffentlicht, blieb aber bei den Lesern weitgehend unbeachtet. Die erste deutschsprachige Manga-Serie „Akira“, die der Carlsen Verlag ab 1991 in westlicher Leserichtung publizierte, war ebenfalls nicht erfolgreich. Dies änderte sich 1997, als der Carlsen Verlag „Dragonball“ von Akira Toriyama in der japanischen Leserichtung im Taschenbuchformat herausbrachte und damit einen Manga-Boom in Deutschland auslöste. Dieser hält bis heute an, was sich an den großen deutschen Manga-Verlagen wie Carlsen Manga, Egmont Manga, Tokyopop und Planet Manga zeigt, die jedes Jahr unzählige Mangas in verschiedenen Genres veröffentlichen. Hinzukommen noch Manhuas – aus China stammende Comics – und Manhwas, Comics aus Südkorea.

Mangas sind für alle da – zumindest in Japan

Bildergeschichten aus Asien – vom Skizzenbuch zum Massenmedium

Besondere Ausdruckskraft: ein Manga in schwarz-weiß (Foto: MulanEvyHua)

Während in Deutschland Mangas meist in Form von Sammelbänden im Taschenbuchformat publiziert werden, werden sie in Japan zuerst häufig auf billigem Papier in Magazinen abgedruckt, bevor sie in aufwändigen Sammelbänden mit guter Papierqualität herausgegeben werden. Diese nennt man „Tankobons“. Auch bei der Zielgruppe gibt es einen Unterschied: Bei uns in Deutschland lesen und sammeln vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren Mangas. In Japan werden Mangas jedoch von den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Altersklassen konsumiert.

Ein eigenes Museum

Da Mangas in Japan einen hohen Stellenwert als Kulturgut einnehmen, gibt es seit 2006 sogar ein eigenes Museum dafür: das Kyoto International Manga Museum. Dort befinden sich rund 300.000 Mangas. Davon können Besucher etwa 50.000 Stück, die seit den 1970er Jahren erschienen sind, an einer rund 200 Meter langen Manga-Wand, die sich über das gesamte Museum erstreckt, bestaunen und in der Regel sogar einen Blick hineinwerfen. Außerdem erhalten Interessierte viele Informationen zur Geschichte des Mangas und können Originalillustrationen bewundern.

Wer wählt wen? – Wahlsysteme im Vergleich

Wer wählt wen? – Wahlsysteme im Vergleich

Bundestag: Deutsche Wähler haben eine Erst- und Zweitstimme (Foto: clareich/pixabay.de)

Merkel oder Schulz? Auch wenn die Medien den Wahlkampf oft auf diese Frage reduzieren, ist es doch so, dass wir in Deutschland unseren Kanzler nicht selbst wählen können. Stattdessen haben wir eine Erststimme, mit der wir den Direktkandidaten unseres Wahlkreises wählen, und eine Zweitstimme, die wir einer Partei geben können. Auch den Bundespräsidenten – das sogenannte Staatsoberhaupt – können wir nicht direkt wählen. Er wird von der Bundesversammlung gewählt. In Amerika zum Beispiel ist das anders: Da können die Wähler, wenn auch indirekt, den Präsidenten selbst wählen. Wir haben einen kleinen, Vergleich, verschiedener Wahlsysteme gemacht und uns dazu die Systeme in Frankreich und Amerika angesehen.

Amerika: Indirekte Wahl des Präsidenten

Wer wählt wen? – Wahlsysteme im Vergleich

Amerika: Wähler können den Präsidenten hier direkt wählen (Quelle: Mikdev/pixabey.de)

Alle vier Jahre wählen die amerikanischen Wähler durch eine indirekte Wahl den Präsidenten. Dabei bestimmen die Wähler Wahlmänner, die sich schon vorher für einen Kandidaten erklärt haben. Diese wählen anschließend den Präsidenten. Zeitgleich mit der Präsidentenwahl werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der 100 Senatssitze neu vergeben. Die Abgeordneten werden direkt gewählt. Präsident oder Präsidentin darf übrigens in Amerika jeder werden, der in den USA geboren ist, mindestens seit 14 Jahren ohne Unterbrechung dort lebt und über 35 Jahre alt ist. Ein Präsident darf einmal wiedergewählt werden und kann somit höchstens acht Jahre lang regieren.

Frankreich – absolute Mehrheitswahl

Wer wählt wen? – Wahlsysteme im Vergleich

Frankreich: Bisher mussten alle Präsidenten zwei Wahlrunden überstehen (Foto: Möller)

In Frankreich wird der Präsident (Präsident der Republik) nach absolutem Mehrheitswahlsystem gewählt. In einer ersten Wahlrunde treten alle Kandidaten gegeneinander an. Kann keiner eine einfache Mehrheit, also 50% der Wahlstimmen erreichen, gibt es eine zweite Wahlrunde, in der die Kandidaten, die in der ersten Runde die meisten Stimmen bekommen haben, gegeneinander antreten. Bisher hat noch nie ein Kandidat in der ersten Runde genug Stimmen erhalten, um eine zweite Runde überflüssig zu machen. Für das Amt des Präsidenten antreten dürfen alle französischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die über 18 Jahre alt sind und die bürgerlichen und politischen Rechte besitzen. Ein Kandidat muss außerdem die Unterschrift von 500 Mandatsträgern aus mindestens 30 verschiedenen Departements oder Überseegebietskörperschaften vorweisen. Dabei dürfen nicht mehr als zehn Prozent dieser Mandatsträger aus dem gleichen Departement oder der gleichen Überseegebietskörperschaft stammen.In Frankreich wird der Präsident (Präsident der Republik) nach absolutem Mehrheitswahlsystem gewählt. In einer ersten Wahlrunde treten alle Kandidaten gegeneinander an. Kann keiner eine einfache Mehrheit (50 Prozent der Wahlstimmen erreichen) gibt es eine zweite Wahlrunde, in der die Kandidaten, die in der ersten Runde die meisten Stimmen bekommen haben, gegeneinander antreten. Bisher hat noch nie ein Kandidat in

Fakten rund um Wahlen und Demokratien

2012 gab es laut einer Untersuchung von Freedom House 117 parlamentarische Demokratien. Das entsprach 60 Prozent aller Staaten weltweit. Der bisherige Höchstwert wurde im Jahr 2005 mit 123 parlamentarischen Demokratien erreicht. Die „größte“ Demokratie der Welt ist übrigens Indien: Fast 654 Millionen Wähler können hier in den 28 Bundesstaaten ihre Stimme abgeben. Die Wahl dauert sechs Wochen. Die Demokratie ist die dominierende Staatsform in West- und Zentraleuropa sowie in Nord- und Südamerika.

Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Der Sommer hat begonnen. Bei einem erfrischenden Radler sitze ich mit ein paar Freundinnen am Rhein und genieße das Rauschen des Wassers, das Zwitschern der Vögel und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Kein Wunder, dass wir da im Gespräch auch auf das Thema Urlaub kommen. „Ich fliege mit meinem Freund in die USA. Wir bleiben vier Wochen“, sagt eine meiner Freundinnen enthusiastisch. „Ich habe noch nichts gebucht, aber wahrscheinlich fliegen wir nach Mallorca oder nach Sizilien“, wird von anderer Seite berichtet. War ja klar. Da kann ich mit meinem Urlaubsziel mal wieder nicht mithalten. Im nächsten Moment wird mir die Frage gestellt, die ich schon erwartet hatte: „Und wohin fährst du in Sommerurlaub?“ „Nach Kühlungsborn oder nach Grömitz“, antworte ich und blicke – wie zu erwarten war – in fragende Gesichter: „Wo liegt das denn? Das habe ich ja noch nie gehört. Ist das noch in Deutschland?“ Die nächste halbe Stunde verbringe ich damit, meinen Freundinnen zu erklären, dass man manchmal gar nicht weit wegfahren muss und auch Deutschland wunderschöne Ecken zu bieten hat, an denen man einen perfekten Sommerurlaub verbringen kann. So zum Beispiel im Ostseebad Grömitz.

Seebad mit langer Tradition

Grömitz liegt am Nordrand der Lübecker Bucht in Ostholstein und hat rund 7.800 Einwohner. Die Hansestadt Lübeck ist nur etwa 50 Kilometer entfernt. Als Erholungsort hat Grömitz eine lange Tradition, denn es ist schon seit 1813 Seebad, also ein Kurort am Meer. Besonders schön sind der über acht Kilometer lange Sandstrand und das saubere Meerwasser. Wenn die Temperaturen stimmen, kann man natürlich in der Ostsee schwimmen. Ansonsten eignet sich der weite Sandstrand aber auch gut für ausgedehnte Spaziergänge, die stets von einem beruhigenden Wellenrauschen begleitet werden. Dank des weitläufigen Strandes verteilen sich die Einwohner und Touristen in Grömitz ganz gut und für jeden ist ausreichend Platz vorhanden. Auch an die Erholung des „besten Freundes des Menschen“ ist gedacht, denn es gibt extra einen Hundestrand, an dem sich die Vierbeiner austoben können.

Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Absolut sehenswert: Der Jachthafen in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Erholung nicht nur am Strand

Wer keine Lust auf Strand hat, kann sich in Grömitz auch gut anderweitig beschäftigen. So gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, einen Kurpark, einen Golfplatz, einen kleinen Zoo und einen sehenswerten Jachthafen mit empfehlenswerten Fischrestaurants. Die meisten Restaurants und Cafés befinden sich an der drei Kilometer langen Strandpromenade. Ausgiebige Spaziergänge mit Blick aufs Meer sorgen da ebenfalls für Entspannung. Und zwischendrin kann man dann ganz gemütlich in ein Eiscafé oder in einen der vielen kleinen Strandläden zum Stöbern einkehren.

Einfach mal abtauchen

Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Beeindruckend: Die 398 Meter lange Seebrücke in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Besonderes Highlight in Grömitz ist die 398 Meter lange Seebrücke. Dabei handelt es sich um die längste Seebrücke Schleswig-Holsteins. Wenn man auf ihr entlang läuft, ist man dem Meer ganz nah und hört unter den Holzbrettern der Brücke, wie die Wellen brechen. Bei klarer Sicht hat man von der Seebrücke aus einen tollen Blick auf umliegende Städte und Ortschaften sowie das weite Meer. Insbesondere abends ist es schön, von der Seebrücke aus den Sonnenuntergang zu beobachten. Wer nicht nur die Aussicht über Wasser, sondern auch unter Wasser genießen möchte, kann in die Tauchgondel, die sich seit 2009 am Ende der Grömitzer Seebrücke befindet, steigen. 30 Besucher können gleichzeitig mit ihr abtauchen. Sie bekommen dann einen 3D-Film über die Ostsee gezeigt und können bei guter Sicht den Meeresboden und einige Meeresbewohner erkennen. Wer als Urlauber das Glück hat und Ende August das Strandbad besucht, kann an „Ostsee in Flammen“ teilnehmen. Das ist ein beeindruckendes, mit Musik untermaltes Feuerwerk, das direkt von der Seebrücke aus gestartet wird und so die Ostsee und den Grömitzer Strand erleuchtet. Wenn man dann in Meeresnähe steht, kann man sogar sehen, wie sich das Feuerwerk im Wasser spiegelt.

Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Lichterspektakel: „Ostsee in Flammen“ (Foto: S. Holitzner)

Wasser marsch!

Leider gibt es immer mal wieder Sommerurlaube, in denen das Wetter nicht mitspielt oder die Temperaturen einfach zu niedrig sind, um im Meer zu schwimmen. In Grömitz kann man in so einem Fall trotzdem in Meerwasser baden. Im Schwimmbad „Grömitzer Welle“ gibt es nämlich aufbereitetes Seewasser in den Schwimmbecken. Außerdem gibt es ein Wellenbad: Alle 30 Minuten werden so am Anfang des Beckens kleine Wellen und am tieferen Ende des Beckens bis zu ein Meter hohe Wellen erzeugt, sodass man sich fast wie im richtigen Meer fühlt.

Von West nach Ost

Ebenfalls eine Reise wert ist das Ostseebad Kühlungsborn. Es liegt an der Küste der Mecklenburger Bucht und hat circa 8.900 Einwohner. Die Hansestadt Rostock ist nur rund 30 Kilometer entfernt. Im Gegensatz zu Grömitz ist Kühlungsborn erst seit 1996 offiziell Seebad. Kühlungsborn besteht aus den zwei Stadtteilen West und Ost, die durch einen 133 Hektar großen Stadtwald verbunden sind. Wer nicht durch den Wald gehen möchte, kann auch einfach am langen Sandstrand entlanglaufen und gelangt so ebenfalls zum jeweils anderen Stadtteil. Auch in Kühlungsborn ist das Meerwasser sehr sauber, sodass man sich bei heißen Temperaturen ideal mit einem Bad in der Ostsee abkühlen kann. Hundestrände gibt es hier ebenfalls. Von der 240 Meter langen Seebrücke, die sich im Stadtteil Ost befindet, hat man einen schönen Ausblick. Sie ist die erste Seebrücke, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern vollendet wurde (1991). Eine fast vier Kilometer lange Strandpromenade verbindet die beiden Stadtteile Ost und West und eignet sich gut für Spaziergänge mit Blick aufs Meer.

Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Entspannung am Meer: Kühlungsborn-Ost (Foto: S. Holitzner)

Kühlungsborn für Touristen

Viele schöne alte Villen aus der Gründerzeit prägen das Stadtbild von Kühlungsborn. Kühlungsborn-Ost ist der für Touristen vermutlich ein bisschen attraktivere Stadtteil. Abgesehen von der Seebrücke sind dort verschiedene größere Einkaufsmöglichkeiten, viele Cafés und Restaurants. Außerdem befindet sich dort ein Jachthafen. Ebenfalls beginnt in Kühlungsborn-Ost die Steilküste mit Blick auf die Ostsee. Gut ausgeschilderte Wanderwege ins nah gelegene Heiligendamm starten hier. International bekannt geworden ist dieser kleine Ort, als dort im Juni 2007 der G8-Gipfel stattgefunden hat.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Nostalgie pur: Eine Fahrt mit Dampflok „Molli“ (Foto: S. Holitzner)

In Kühlungsborn-Ost wird zudem Geschichte lebendig. Dort steht noch ein Original-Grenzbeobachtungsturm aus der Zeit der DDR. Von 1971 bis 1990 waren mehrere solcher Türme entlang der Ostseeküste aufgestellt, um die Seegrenze der DDR im Auge zu behalten und Republikflüchtlinge, die über die Ostsee aus der DDR fliehen wollten, zu erspähen. Rund um den Grenzbeobachtungsturm in Kühlungsborn können sich Besucher über das Grenzsystem und das Schicksal von Menschen, die versucht haben, aus der DDR zu fliehen, informieren. Außerdem kann der Turm besichtigt werden. Lohnenswert ist in Kühlungsborn auch eine Fahrt mit dem „Molli“. Das ist eine Dampflok, die auf einer rund 15 Kilometer langen Strecke zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan fährt. Für diese Strecke, die teilweise mitten durch die Natur führt, benötigt „Molli“ rund 40 Minuten, denn er ist mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h unterwegs. Bei einer Kurzreise mit dem „Molli“ lernen Fahrgäste sehenswerte Ecken der einzelnen Orte kennen, die sie so vielleicht gar nicht wahrgenommen hätten.

Musik aus den Niederlanden – The Common Linnets und Dotan

Flandern und die Niederlande waren in diesem Jahr gemeinsamer Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Doch nicht nur die Literatur aus den Niederlanden wird hierzulande immer beliebter, sondern auch die Musik. Grund genug, einen genaueren Blick auf eine niederländische Band und auf einen niederländischen Sänger zu werfen, die auch das deutsche Publikum mit ihrer Musik begeistern.

Der „Eurovision Song Contest“ als Sprungbrett

Ganz in ihrem Element: Ilse DeLange und JB Meijers von der Band The Common Linnets (Foto: S. Holitzner)

Ganz in ihrem Element: Ilse DeLange und JB Meijers von der Band The Common Linnets (Foto: S. Holitzner)

Seit ihrer Teilnahme im Mai 2014 für Niederlande am „Eurovision Song Contest“ – kurz ESC genannt – kennen viele in Deutschland die Band The Common Linnets. Beim ESC erreichten sie mit ihrem Song „Calm After The Storm“ den zweiten Platz. Die Single schaffte es bis auf den dritten Platz der deutschen Charts und wurde im September 2015 zudem mit Platin ausgezeichnet. Auch ihr im Mai 2014 veröffentlichtes Debütalbum „The Common Linnets“ war hierzulande äußerst erfolgreich. Die im Herbst 2015 erschienene zweite Platte „II“ konnte an diesen Erfolg anknüpfen. Auf „II“ ist die musikalische Weiterentwicklung von The Common Linnets deutlich zu hören. Großartige Songtexte und beeindruckende Instrumentierungen zeichnen das Album aus. Einen weiteren Hit hatten The Common Linnets Ende letzten Jahres zusammen mit der Band The BossHoss: Gemeinsam nahmen sie eine neue und musikalisch überzeugende Version des Dolly Parton-Klassikers „Jolene“ auf. Im November 2016 sind The Common Linnets wieder live auf großer Deutschlandtour zu erleben.

„Home“ auch in Deutschland

Sänger Dotan war in den Niederlanden schon erfolgreich, bevor er in Deutschland mit seiner Musik ebenfalls auf begeisterte Resonanz stieß.

Mit Spaß dabei: Sänger Dotan (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß dabei: Sänger Dotan (Foto: S. Holitzner)

Seine Platte „7 Layers“ ist in seiner Heimat bereits Dotans zweite Albumveröffent-lichung und erschien dort Anfang 2014. Hier musste man bis Mai 2015 auf das Werk warten. Zuvor brachte Dotan seine Singleauskopplung „Home“ heraus, die es unter anderem in die Top-Ten-Liste der deutschen iTunes-Charts geschafft hat. Ende letzten Jahres konnte der Sänger das Publikum auch live auf seiner Deutschlandtour überzeugen.

The Common Linnets und Dotan sind nur zwei Beispiele dafür, dass es in den Niederlanden großartige Künstler gibt, die auch international mit ihrer Musik begeistern können. Da bleibt nur zu hoffen, dass es weitere niederländische Musiker schaffen, sich in der Musiklandschaft Deutschlands zu etablieren.

Mecklenburg-Vorpommern und die AfD

KOMMENTAR: Am vergangenen Sonntag, den 4. September 2016, setzen bei der siebten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern rund 62 Prozent der rund 1.300.000 Wahlberechtigten ihre Kreuze. Etwa jeder achte Wahlberechtigte wählt dabei die „Alternative für Deutschland“ – kurz AfD genannt. Die AfD wird damit aus dem Stand die zweitstärkste Kraft im mecklenburg-vorpommerischen Parlament und mit knapp 21 Prozent belegt sie achtzehn der verfügbaren 71 Sitze. Dagegen bringen die Parteien „Die Linke“ und die CDU sogar die niedrigsten Zustimmungswerte seit 1990 ein. Beim Wahlverhalten wird deutlich, wie gespalten das Bundesland zu sein scheint: Der Westen wird in den Grafiken nahezu flächendeckend rot gefärbt dargestellt, während die CDU vor allem rund um den Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel Erfolge verbuchen kann. Die AfD wiederum hat vor allem bei den Wählern im äußersten Osten Mecklenburg-Vorpommerns gepunktet. In Vorpommern, zum Beispiel auf Usedom, hat die AfD mit mehr als 32 Prozent das höchste Wahlergebnis bei den Zweitstimmen im gesamten Land erzielt und kann ein Direktmandat für sich verbuchen. Das Ganze hat nur ein Gutes: Offenbar verliert die Nationaldemokratische Partei Deutschlands, die NPD, nachhaltig an Bedeutung – und rund 20.000 seiner Wähler an die AfD. Denn sie bleibt mit drei Prozent ohne Sitz im Parlament.

Die regierende SPD bleibt zwar stärkste Kraft, Grüne und FDP hingegen fallen ebenfalls unter die Fünf-Prozent-Hürde – entsprechend werden Koalitionsverhandlungen wohl nur zwischen SPD und CDU stattfinden. Damit wird wohl das bestätigt werden, was immer wieder von Seiten populistischer Redner heraufbeschworen wird: Die Großparteien machen es sich mit einer großen Koalition bequem und wollen angeblich nichts verändern. Der Status quo ist das Maß aller Dinge, sind doch die Bürger eigentlich zufrieden mit ihrer Lebenssituation. Aber jetzt wird diese Zufriedenheits-Gutwetter-Front mit einer Opposition in den Dialog treten müssen, die eigentlich alles verändern will: „alternativ“ heißt hier das Stichwort.

Laut der Wahlanalyse von Spiegel-Online am 5. September 2016 konnte die AfD hauptsächlich Arbeiter, Arbeitslose und Selbstständige in den Mittdreißigern mobilisieren. Nach Analysen des Umfrageinstituts Infratest Dimap konnte die Partei mit 56.000 ehemaligen Nichtwählern mehr Personen erreichen, als alle bereits zuvor vertretenen Parteien zusammen. Außerdem zeigt die Statistik der Wählerwanderung an, dass 23.000 CDU-Wähler und 16.000 SPD-Wähler im Vergleich zu den Wahlen 2011 den Rechtspopulisten ihre Stimme gegeben haben. Sogar von den Linken-Wählern schwenken rund 18.000 zur AfD um. Diese Tatsache beinhaltet bereits das Erfolgsgeheimnis: Die AfD ist „die neue Protestpartei“. Sie ist in aller Munde, sogar populär. Die Wortverwandtschaft zu populistisch ist da nur eine Kleinigkeit, die nicht jedem direkt ins Auge springt.

Wählerbefragungen ergeben schauriges: Befragt nach dem Grund ihrer Wahlentscheidung geben 66 Prozent der AfD-Wähler an, ihr Kreuz aus Enttäuschung über die etablierten Parteien gemacht zu haben. Nur 25 Prozent sagen, dass sie von der AfD überzeugt sind. Ein erschreckender Trend, der sich darin fortsetzt, dass die Parteispitze angibt, keine Politik gegen Flüchtlinge gemacht zu haben. Ihre Wählerschaft hingegeben gibt zu 52 Prozent bei Rückfrage genau dieses Thema als wahlentscheidend an.

Die AfD wird in der Hauptsache von den Wahlstimmen der Männer getragen. Denn immerhin 25 Prozent aller männlichen Wahlbeteiligten setzten dort ihr Kreuz. Sie sind womöglich verunsichert, denn im vergangen Jahr sind viele Menschen nach Deutschland gekommen und auch diese sind hauptsächlich männlich. Hier bahnt sich ein nach Testosteron riechendes Konkurrenzempfinden an. Der weiße Mann fürchtet sich. Nicht unbedingt um seine eigene Zukunft, sondern um die Zukunft „seines Landes“.

Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

12 points go to – der Eurovision Song Contest 2016

Am 14. Mai 2016 fand der 61. Eurovision Song Contest, kurz ESC, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm statt. Im letzten Jahr siegte der Sänger Måns Zelmerlöw aus Schweden mit seinem Song „Heroes“ und sorgte dadurch für die diesjährige Ausstragung des ESC in seinem Heimatland. Zusammen mit der Komikerin Petra Mede moderierte er den Musikwettbewerb, an dem in diesem Jahr 26 Länder teilnahmen.

Neues Punktesystem

Ein neues Punktesystem, bei dem die Punkte von Fachjury und Publikum der 42 stimmberechtigten Länder erstmals getrennt vergeben worden sind, sorgte für einige Überraschungen am Abend und machte den ESC spannend bis zum Schluss. Zuerst wurden die Punkte der Fachjurys der jeweiligen Länder verkündet. Danach hätte die Sängerin Dami Im aus Australien mit ihrem Song „Sound of silence“ den ESC gewonnen.

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Platz zwei und drei wären nach Juryabstimmung an Sängerin Jamala aus der Ukraine und den sympathischen Sänger Amir mit seinem französisch-englischen Gute-Laune-Hit J’ai cherché” aus Frankreich gegangen. Der polnische Sänger Michał Szpak bekam für seinen Song „Colour of your life“ von der Jury lediglich sieben Punkte, was den vorletzten Platz bedeutet hätte.

Zuschauer teilten Jurymeinung nicht

Doch das Zuschauervoting kippte das Ergebnis. Das führte dazu, dass Michał Szpak vom Publikum 222 Punkte erhielt und mit einem guten achten Platz äußerst zufrieden sein konnte. Damir Im aus Australien hatte sich zu früh gefreut. Durch das Zuschauervoting stieß die Ukrainerin Jamala sie mit insgesamt 534 Punkten vom ersten auf den zweiten Platz und siegte mit ihrem Song „1944“ beim diesjährigen ESC.

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Der Song hatte bereits im Vorfeld des ESC aufgrund seines Inhalts für Kritik gesorgt, denn er handelt von der Geschichte von Jamalas Uroma, die unter Stalin von der Krim vertrieben wurde. Auch nach dem Sieg gab es Kritik an der dadurch entstandenen Politisierung des ESC. Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätte der Russe Sergey Lazarev den Wettbewerb gewonnen. Er konnte nicht nur gesanglich mit „You are the only one“, sondern auch mit seiner spektakulären Show, bei der die Videoanimationen im Hintergrund perfekt auf seine Performance abgestimmt waren, überzeugen. Da ihn die Jury jedoch nicht ganz so weit vorne sah, schaffte er es mit insgesamt 491 Punkten nur auf den dritten Platz.

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Viele Höhepunkte und Jamie-Lee als Schlusslicht

Zu den Höhepunkten gehörten auch der Schwede Frans mit seinem Liebeslied „If I were sorry“ (Platz fünf) und der Niederländer Douwe Bob, der in seinem Song „Slow down“ dazu aufruft, im stressigen Alltag öfter mal innezuhalten, was er bei seiner Darbietung sowohl durch eine zehnsekündige Pause als auch durch eine rückwärtsgehende Uhr im Bühnenbild verdeutlichte (Platz elf). Jamie-Lee Kriewitz konnte mit ihrem Song „Ghost“ und ihrem Manga-Look weder Jury noch Publikum begeistern und belegte mit nur elf Punkten den letzten Platz.

Der diesjährige Eurovision Song Contest überzeugte durch viele tolle Songs und Auftritte sowie auffallend viele hübsche Sänger, die den ESC auch optisch zu einem Highlight machten.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier mehr über Miles Davis.