Bayerisch – bloß ein Dialekt?

Eigenständig: Nicht nur die Mentalität der Bayern, auch ihre Sprache steht für sich allein

Eigenständig: Nicht nur die Mentalität der Bayern, auch ihre Sprache steht für sich allein (Foto: Capri23auto/pixabay)

Mia ham’s scho oiwei gwusst, d’Leit in Bayern san wos ganz wos Bsunders, sogar der erna Sproch is ganz wos anders ois des Deitsche. Wer jetzt eigentlich nur Bahnhof verstanden hat, der kann beruhigt sein. Denn das Bayerische mag zwar ein Dialekt des Deutschen sein, ist aber von der Standardsprache so weit entfernt, dass einige Linguisten sogar behaupten, das Niederländische sei dem Hochdeutschen näher als es das Bayerische ist. Da verwundert es wohl wenig, wenn nur Bayern oder langjährig in Bayern Lebende den ersten Satz verstehen, der auf hochdeutsch so viel bedeutet wie: Wir haben es schon immer gewusst, die Leute in Bayern sind etwas ganz Besonderes, sogar ihre Sprache ist ganz anders als das Deutsche.

Unterschiede auf allen Ebenen

Das Bayerische ist deshalb so weit von der Standardsprache entfernt, weil es sich nicht nur im Wortschatz vom Deutschen abhebt. Auch lautlich und grammatikalisch gibt es zahlreiche Unterschiede. Die andersartige Phonetik ist dabei wohl einer der Hauptgründe, warum man einen Zuagroasten, also Nichtbayern, problemlos erkennt, auch wenn er noch so gut die bayerischen Vokabeln kennt. Genauso aber verrät sich ein Bayer, wenn er augenscheinlich perfektes Hochdeutsch produziert.

Vokale und bayerisches R

Zentrum des Oberbayerischen: Die Münchener Spielart des Bayerischen ist überregional bekannt

Zentrum des Oberbayerischen: Die Münchener Spielart des Bayerischen ist überregional bekannt (Foto: flyupmike/pixabay)

Ein charakteristisches Merkmal des Bayerischen – oder hier genauer des Münchnerisch-Oberbayerischen – sind dabei die relativ dunklen Vokale. Alle Selbstlaute werden vergleichsweise weit hinten im Mundraum, fast schon im Rachen produziert, was dem bayerischen Dialekt einen etwas barschen und missmutigen Ton verleihen kann. Deswegen klingt für das ungeübte Ohr ein bayerisches „A“ oft ähnlich wie ein verschlucktes hochdeutsches „O“. Dieser Effekt wird dadurch noch verstärkt, dass viele Bayern die Lippen fast gar nicht runden, sodass „A“ und „O“ tatsächlich fast gleich klingen können. Ein anderer Aspekt ist das „R“. Während im Standarddeutschen das „R“ eher hinten im Mund entsteht, wird das „R“ im Bayerischen mit der Zunge leicht gerollt, fast schon ein bisschen wie im Italienischen, wenn auch deutlich kürzer. Das sind aber nur zwei Beispiele für das eigenständige Lautsystem des Bayerischen, es gibt noch zahlreiche weitere Abweichungen.

Wörterbuch Bayerisch-Deutsch

Doch auch die perfekten Kenntnisse der Aussprache reichen bei Weitem nicht aus, um als waschechter Bayer durchzugehen. Denn trotz perfekter Vokale, gerolltem „R“ und allen phonetischen Feinheiten fällt man sofort als Nichtbayer auf, wenn man in der Bäckerei ein Brötchen verlangt. Dieses Wort existiert im Bayerischen überhaupt nicht. Im Süden Deutschlands nennt sich das kleine Brotgebäck schlicht Semmel. Das ist aber nur das prominenteste Beispiel für den eigenständigen Wortschatz. Wer ein echter Bayer sein will, muss natürlich auch wissen, was ein Glubbal oder ein Biafuizl sind. Genauso muss man wissen, was der Bayer meint, wenn er etwas ganz griabig macht. Neugierig? Die Auflösung folgt ganz zum Schluss.

Eigenständige Grammatikphänomene

Als ob das alles noch nicht genug wäre, muss der arme Bayerisch-Student auch noch kräftig Grammatik pauken. Denn auch hier gibt es gravierende Unterschiede zum Standarddeutschen. Eines der harmloseren Phänomene ist das, was Linguisten „doppeltes Perfekt“ nennen. Der Bayer kennt nämlich keine Sätze wie Ich hatte das schon gemacht. Stattdessen benutzt man in München und Umgebung einfach zweimal die Vergangenheit: I hob des scho gmacht ghabt, hochdeutsch in etwa Ich habe das schon gemacht gehabt. Wer jetzt schon den Kopf schüttelt, der sei gewarnt: Es geht noch schlimmer.

Doppelte Verneinung

Arbeitsintensiv: Wer fließend Bayerisch sprechen möchte, muss fleißig lernen

Arbeitsintensiv: Wer fließend Bayerisch sprechen möchte, muss fleißig lernen (Foto: MonikaP/pixabay)

So bleibt für den Bayern nein immer nein, egal wie oft er es sagt. Ein typischer Satz könnte zum Beispiel lauten Des interessiert koa oide Sau net. Auf Hochdeutsch würde daraus Das interessiert keine alte Sau nicht. Diese doppelte Verneinung sorgt in der Standardsprache für totale Verwirrung. Es ist schwierig zu interpretieren, was denn gemeint ist, ob nun ja oder vielleicht doch nein. Im Bayerischen ist die Sache ganz klar, einmal nein bleibt immer nein. Mit zusätzlichen negativen Wörtern wird die Verneinung nur verstärkt. Deshalb sollte man unseren Beispielsatz besser so übersetzen: Das interessiert absolut keine alte Sau.

Kommunikative Bayern

Bereits diese wenigen Beispiele zeigen, dass Bayerisch tatsächlich mehr als bloß eine deutsche Mundart ist. Genauso klar wird, warum viele Deutschlerner vor einem Aufenthalt in Bayern so großen Respekt haben. Doch trotz der vielen sprachlichen Stolperfallen, die das Bayerische bietet, muss keiner Angst haben. Erstens verstehen alle Bayern Hochdeutsch, auch wenn manche es selbst nicht produzieren können. Zweitens sind die meisten Bayern sehr kommunikativ und versuchen mit dem Gegenüber klarzukommen, zur Not mit Händen und Füßen. Und wenn der Gesprächspartner dann vielleicht noch ein paar Wörter auf Bayerisch kann, dann ist das Eis ohnehin gebrochen. Ein netter Anfang sind unsere drei vorhin erwähnten Beispielwörter Glubbal, Biafuizl und griabig. Die heißen nichts anderes als Wäscheklammer, Bierdeckel oder Bier-Untersetzer und gemütlich, entspannt. Alles klar, oder?

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und nicht das Glück hat, einen bayerischen Muttersprachler zur Hand zu haben, der kann unkompliziert auf http://www.bayrisch-lernen.de/ einen kleinen Einstieg wagen, auch wenn für die Aussprache ein echter Bayer als Lehrer wohl unentbehrlich bleibt.

Multikulturelle Erziehung – funktioniert sie oder nicht?

Kinder großzuziehen gehört nicht gerade zu den einfachsten Dingen. Erfahrungen in der eigenen Kindheit und unzählige, unterschiedliche Erziehungsstile stellen das Elternsein auf eine harte Probe. Jeder würde es anders machen. Was aber passiert, wenn bei der Erziehung zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander prallen? Kann das gut gehen? Wir haben mit dem 26-jährigen Parmjit Singh aus Köln gesprochen. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Seine Mutter kommt aus der Türkei, sein Vater  aus dem nordindischen Bundesstaat Punjab.

Face2Face: Meistens haben Kinder, deren Eltern aus unterschiedlichen Ländern kommen, Namen aus beiden Nationen. Du hast aber einen rein indischen Namen. Wie kam es dazu?

Parmjit: Meine Mutter war bei der Namensgebung sehr offen, während mein Vater unschlüssig war, welcher es sein soll. Zum Schluss gab mir meine Tante diesen Namen.

Face2Face: Welche Sprachen sprichst du zu Hause?

Parmjit: Als ich noch ein Kind war, konnte ich beide Sprachen – Türkisch und Punjabi. Mit der Zeit wurde aber immer mehr Deutsch gesprochen. Warum auch immer. Heute verstehe ich diese Sprachen nach wie vor, nur das Sprechen fällt mir nicht so leicht, weil ich sie nicht perfekt beherrsche. Wenn aber meine Verwandten mit mir in deren Sprache reden, dann komme ich wieder in den Fluss.

 

Multikulturelle Erziehung – funktioniert sie oder nicht?

Der türkische Tee ist ein wichtiger Bestandteil der türkischen Kultur. Foto: pixabay.com

Face2Face: Das Thema Essen ist bekanntlich ein wichtiges Kulturgut. Was wird denn bei euch gekocht? Und wer übernimmt das Kochen?

Parmjit: Es ist immer unterschiedlich. Mal macht meine Mutter frischen Börek. Das ist Yufka-Teig mit einer würzigen Füllung aus Rinder-Hackfleisch oder Schafskäse. Dazu serviert sie auch gerne Çay, also türkischen Schwarztee, den ich so sehr liebe. Und mal kocht mein Vater duftenden Basmati-Reis mit Tandoori Hähnchen. Das Fleisch wird zuvor in einer würzigen Joghurt-Marinade eingelegt und anschießend gebraten oder gegrillt. Ein Klassiker der indischen Küche, den ich nur empfehlen kann.

Face2Face: Und welche Glaubensrichtung haben sie?

Parmjit: Mein Vater ist ein Sikh. Kurz gesagt: Der Sikhismus ist eine monotheistische Religion. Der Prophet Guru Nanak Dev hat sie ins Leben gerufen. Ihre Anhänger glauben an den einen höchsten Gott. Die Schriften der insgesamt zehn Gurus wurden im heiligen Buch „Sri Guru Granth Sahib“ festgehalten. Das Gurdwara ist das Gebetshaus der Sikhs. Meine Mutter ist Muslimin.

 

Face2Face: Welche Werte haben dir dein Vater und deine Mutter vermittelt?

Parmjit: Die Familie steht an erster Stelle. Von der Familie erfährst du Zusammenhalt, Geborgenheit, Solidarität, Liebe und so vieles mehr. Sie ist der größte und stärkste Halt, den ich im Leben habe. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich eine Familie habe, auf die ich mich – unabhängig in welcher Situation ich mich befinde – jederzeit verlassen kann. Und natürlich die Gastfreundschaft. Sie und die Nächstenliebe sind wichtige Tugenden im Sikhismus, aber auch im Islam. Wenn Gäste uns zu Hause besuchen, wird immer reichlich gekocht und getrunken. Manchmal bleibt nach dem Essen so viel übrig, dass wir die Gäste darum bitten gerne noch was mitzunehmen. Man genießt die gemeinsame Zeit einfach. Es ist uns wichtig, dass sich unsere Gäste bei uns wohl fühlen.

 

Multikulturelle Erziehung – funktioniert sie oder nicht?

Das „Golden Temple“ in Amritsar in Indien ist das höchste Heiligtum der Sikhs. Foto: pixabay.com

Face2Face: Religion spielt bei der Erziehung oft eine wichtige Rolle. Wie haben das deine Eltern geregelt?

Parmjit: Wir besuchen sonntags das Gurdwara, das Gebetshaus der Sikhs. Meine Mutter trägt dabei gerne einen Salwar Kameez, eine traditionelle Punjabi-Kleidung. Man kann sich das so vorstellen: Das lange Oberteil geht meist bis zum Knie und wird locker über dem Salwar, der Stoffhose, getragen. Das Dupatta, ein langer, breiter Schal, was auch als Kopfbedeckung genutzt wird, rundet das „Outfit“ ab. Den Salwar Kameez gibt es in unterschiedlichen Farben, Mustern und Stilen. Auch betet meine Mutter im Gurdwara mit uns. Wir haben auch gemeinsam den goldenen Tempel in Amritsar in Indien besucht. Das war für mich ein ganz emotionaler Moment. Ich war noch nie so überwältigt von meinen Gefühlen. Es war mir eine Ehre und ein unbeschreibliches Gefühl, als Sikh, das höchste Heiligtum der Sikhs zu besuchen, um dort zu beten. Der Islam wird bei uns nicht gelebt, aber als Kulturgut verstanden.

Face2Face: Kommen wir zu einem anderen Thema: Wenn du mal heiraten möchtest, muss es denn eine Inderin oder Türkin sein? Oder keins von beidem?

Parmjit: Also, ich weiß von Freunden und Bekannten, die verheiratet sind, dass eine Ehe auf Dauer kein Zuckerschlecken ist. Und mir ist bewusst, dass nicht jeder so ein Glück hat wie meine Eltern. Mir ist es wichtig, dass die gemeinsame Basis gegeben ist – spätestens bei der Kindererziehung. Aber da ich sowieso glücklich an eine Inderin vergeben bin, erübrigt sich die Frage.

Face2Face: Wie möchtest du heiraten – traditionell indisch oder türkisch?

Parmjit: In dieser Sache bin ich mir ganz sicher. Als Sikh möchte ich gerne traditionell indisch heiraten.

 

Face2Face: Sind Frauen für dich gleichberechtigt?

Parmjit: Meine Mutter, Tanten und Cousinen sind alle unabhängig im Leben: Sie besitzen einen Führerschein, studieren oder sind berufstätig, unabhängig davon, ob sie hier, in der Türkei oder in Indien leben. Darüber bin ich froh. Ich kenne es auch gar nicht anders. Daher ja, sind sie.

Face2Face: Und als was fühlst du dich?

Parmjit: Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Habe auch deutsche Freunde und Kollegen, die ich sehr schätze. Deutschland ist meine Heimat. Wenn ich aber gefragt werde, woher meine Wurzeln sind, sage ich, dass sie in der Türkei und in Indien liegen. Und die möchte ich auch behalten.

Face2Face: Wie stehst du persönlich zur multikulturellen-Erziehung?

Parmjit: Natürlich finde ich es gut, wenn es klappt. Ist aber trotzdem eine Herausforderung, den man sich im Klaren sein soll. Ich denke, damit sie langfristig funktioniert, muss man Kompromisse eingehen. Wenn jeder nur seinen Willen durchsetzen will, wird es bestimmt für die beteiligten schwer.

Face2Face: Wie würdest du deine Kinder erziehen? Sind deine Eltern diesbezüglich ein Vorbild für dich?

Parmjit: Meine Eltern sind definitiv ein Vorbild für mich, vor allem meine Mutter. Weil sie immer und gerne bei allem dabei ist und auch teilnimmt. Trotzdem hat sie nie das Gefühl, etwas von sich oder ihrer Identität herzugeben. Bis es soweit ist, dass ich eigene Kinder habe, dauert es wahrscheinlich noch ein bisschen. Von daher habe ich mir darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht. Soviel kann ich aber sagen: Ich bzw. Wir werden sie mit Verständnis, Respekt und Liebe erziehen.

Zarte 14 und schon Schwarzgurt

„Ich bin ein ganz normales Mädchen“, sagt Louisa Winstel über sich selbst. Die Titel, die die zierliche 14-Jährige bisher errungen hat, sprechen eine andere Sprache: Sie ist zweimalige Rheinland-Pfalzmeisterin sowie Deutsche Meisterin im Karate. Während andere Mädchen ihres Alters mit Makeup experimentieren trainiert Louisa vier- bis fünfmal in der Woche beim Speyerer Shotokan-Karate Verein. Viel Freizeit bleibt da nicht.

Face2Face: Wie verbringst du deine Freizeit?
Louisa: Schule und Karate füllen fast den ganzen Tag aus. Standart-Tanzen gehört mittlerweile auch zu meiner Freizeitbeschäftigung – das macht mir richtig Spaß!

Face2Face: Unser letztes Interview liegt fast vier Jahre zurück. Würdest du sagen du hast dich seitdem verändert?
Louisa: Ich glaube nicht, dass ich mich persönlich in den letzten Jahren verändert habe, außer vielleicht ein bisschen im Aussehen. Nach wie vor trainiere ich vier- bis fünfmal in der Woche und vor Wettkämpfen sogar täglich 1,5 bis 2 Stunden. Außerdem trainiere ich nicht nur bei meiner Heimtrainerin, Nina Jäger, sondern auch einmal pro Woche beim Bundestrainer Efthimios Karamitsos in Frankfurt.

Face2Face: Du trägst einen Junior-DAN. Was heißt das?
Louisa: Die Prüfung zum Junior-DAN kann man ab dem 12. Lebensjahr ablegen. Das Prüfungsprogramm ist das gleiche wie beim ersten DAN der Erwachsenen, entspricht also einem Schwarzgurt. Der Junior-DAN-Gürtel ist schwarz-rot gestreift. Mit 16 kann ich dann die Prüfung zum ersten DAN nochmal ablegen und bekomme dann einen ganz normalen schwarzen Gürtel.

Kämpft sich auf die vorderen Plätze: Karateka Louisa Winstel (Foto: Christian Grüner)

Kämpft sich auf die vorderen Plätze: Karateka Louisa Winstel (Foto: Christian Grüner)

Face2Face: Wer begleitet dich auf Turniere und wie kann man sich so ein Turnier vor Ort vorstellen?
Louisa: Meine Trainerin und meine Eltern begleiten mich bei jedem Turnier. Meistens müssen wir weite Strecken zurücklegen, das heißt schon sehr früh am Morgen aufstehen, damit ich pünktlich um  8:30 Uhr auf der Tatami (Anm. d. Red.: eine Tatami ist eine Matte aus Reisstroh) stehen kann. Mittlerweile kenne ich die meisten meiner Gegnerinnen, aber es ist trotzdem immer wieder aufregend und eine Herausforderung gegen diese anzutreten. Meine Trainerin unterstützt mich direkt an der Matte und weiß genau wie sie mich am besten motiviert. Fehler darf ich mir keine erlauben, denn die Kampfrichter sehen ALLES.

Face2Face: Worauf achten die Kampfrichter besonders?
Louisa: Die Kampfrichter achten besonders auf eine saubere Ausführung der Techniken, einen tiefen Stand, eine perfekte Schrittfolge und nicht zu vergessen auf die Vollendung der Technik, also darauf, dass sie mit Kime, also mit einem kraftvollen Endpunkt, ausgeführt wird.

Face2Face: Auf welche deiner sportlichen Leistungen bist du besonders stolz?
Louisa: Im Februar dieses Jahres habe ich mit meinem Kata Team bei der Europameisterschaft in Zürich die Bronzemedaille gewonnen. Das ist mein bisher größter Erfolg.

Face2Face: Bei so vielen beeindruckenden Titeln und Siegen – gibt es etwas, das du noch nicht geschafft hast? Was sind deine Ziele?
Louisa: Mein nächstes großes Ziel ist natürlich die Deutsche Meisterschaft im Juni in Erfurt, um meinen Titel zu verteidigen, und die Nominierung mit meinem Team für die Weltmeisterschaft.

Face2Face: Momentan bist du noch Schülerin. Was möchtest du nach deinem Abschluss machen?
Louisa: Das weiß ich noch nicht. Ich habe zwar schon zwei Praktikumswochen im Bereich der Kinderbetreuung gemacht, bin aber noch nicht überzeugt. Ich konzentriere mich deshalb erstmal noch auf meine Schule. Für meine Zukunft wünsche ich mir einen guten Schulabschluss und viel Zeit, dass ich weiterhin meinen Sport betreiben kann.

Begriffserklärungen:
Shotokan bezeichnet die älteste Stilrichtung im Karate, die von dem Japaner Gichin Funakoshi begründet wurde. Außerdem gibt es noch die Stilrichtungen Shito-Ryu, Goju-Ryu, Wado-Ryu. Das Kyu-System dient dazu das Voranschreiten des Karatekas in Stufen mittels Gürtelfarben zu symbolisieren. Der Schüler beginnt mit dem neunten Kyu (weißer Gürtel) und kann sich bis zum ersten Kyu (brauner Gürtel) hocharbeiten. Die verschiedenen Schwarzgurt-Stufen werden als Dan bezeichnet. Eine Kata ist eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen gegen imaginäre Gegner besteht.

Vorschau: Nächstes Mal lest ihr im Sport einen Rückblick zur Play-off-Finalserie zwischen den Adlern Mannheim und dem ERC Ingolstadt.

Authentische Sprechanlässe im Mannheimer Sprachencafé

Authentische Sprechanlässe im Mannheimer Sprachencafé

Auf den Spuren von Schiller: Die Besucher des Literatur- und Sprachencafés (Grafik: Gerhard Frontagnier)

Am Samstag, 10. November, startet im Café Cafga am Schillerplatz B2,11 in Mannheim das Sprachencafé mit Deutsch als Fremdsprache um 17.00 Uhr und Russisch um 19.00 Uhr. Die Veranstaltung ist für Menschen gedacht, die Fremdsprachen gelernt haben oder lernen und nun authentische Sprechanlässe außerhalb des schulischen Lernraums suchen.

Außerdem soll das Sprachcafé Menschen aus verschiedenen Sprach- und Kulturkreisen die Gelegenheit geben, durch neue Kontakte und Deutsch-Konversation eine bessere Orientierung für das Leben in Deutschland zu gewinnen. Eine konkrete Zielgruppe gibt es nicht. Jeder, der Interesse an einem Sprachentreff hat, kann vorbeikommen.

Der Eintritt kostet fünf (ermäßigt drei) Euro. In diesem Preis sind schon eine Tasse Kaffee beziehungsweise Tee und Kopien mit inbegriffen. Fragen und Anmeldung unter sprache@cafga.de


					

Nachrichten zur deutschen Sprache

Vor einiger Zeit sah ich an der Uni Mannheim eine kleine Zeitung, die sofort meinen Blick auf sich zog. Der Titel „Sprachnachrichten“ kann an keinem angehenden Germanisten vorübergehen und ein Blick hinein war schnell geworfen. Sie war kostenlos, ausgelegt für Sprachinteressierte und erst später, im Zug, sah ich, dass es die Zeitung des Vereins für deutsche Sprache war. Und ich war überrascht.

Nachrichten zur deutschen Sprache

Schön: Die deutsche Sprache und ihre Wortmelodie (Foto: Beutler)

Der Verein für deutsche Sprache, kurz VDS, ist jener, der die deutsche Sprache von Anglizismen befreien will und Worte wie Schoßrechner für Laptop angemessen findet. Doch wer einmal genauer hinschaut, erkennt, dass der VDS mehr ist als ein übertriebener Protest an englischen Wörtern in unserer Sprache. „Die Fähigkeit, neue Wörter zu erfinden, um neue Dinge zu bezeichnen, darf nicht verloren gehen“, erklärt der Verein auf seiner Netzseite. Die Liebe zur Muttersprache und das Wiederentdecken ihrer Schönheit seien wichtig. Wo sonst gibt es Wörter, aus denen sich Verse bilden lassen wie bei Eichendorff: „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst.“ oder eine Wortmelodie zaubern wie Silja Walter: „Der Tanz ist aus. Mein Herz ist süß wie Nüsse, und was ich denke, blüht mir aus der Haut. Wenn ich jetzt sacht mir in die Knöchel bisse, sie röchen süßer als der Sud Melisse, der rot und klingend in der Kachel braut.“

Es stimmt wohl, dass die Deutschen als Dichter und Denker einen Hang zur Sprache haben. Gut, Silja Walter war Schweizerin, aber ihre Sprache war deutsch. So wie die der Österreicherin Ingeborg Bachmann oder des Paul Celan, der in Rumänien geboren wurde. Tatsächlich ist Deutsch weitverbreitet. Neben Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz spricht Luxemburg, ein Teil Belgiens, Südtirol, Lichtenstein und Elsass die deutsche Sprache. Sie ist außerdem Nationalsprache in Namibia. Nicht vergessen werden dürfen hierbei die Minderheiten, verstreut über die ganze Welt, in denen Deutsch gesprochen wird. Nicht umsonst ist es die meistgesprochene Muttersprache in der EU und gehört zu den zehn wichtigsten Sprachen der Welt. Eine Sprache also, die durchaus ihr Recht hat, zu bestehen und selbst neue Wörter zu schöpfen, anstatt Fremdwörter zu übernehmen.

Nachrichten zur deutschen Sprache

Sprachlos? Wie wärs mit einer kreativen Wortschöpfung (Foto: Beutler)

Allerdings müssen wir auch einsehen, dass Deutsch eine Mischsprache ist und das schon immer war. Sprachgeschichtlich finden wir schon im Mittelalter Einflüsse aus Latein und Griechisch, Französisch, Italienisch und Englisch. Dass unsere Sprache auch weiterhin von anderen beeinflusst wird, ist kaum zu verhindern. Nehmen wir das Wort „Handy“, das im Englischen kein Mobiltelefon bezeichnet, im Deutschen aber verbreitet ist. Ein Einfluss, ohne Vorgabe von außen, eine Wortschöpfung sogar. Einen Satz allerdings mit englischen Begriffen vollzupflastern hat auch keinen Sinn. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass der Trend zu mehr Englisch im Deutschen wieder abnimmt. Die letzte Ausgabe der Sprachnachrichten zeigt auch: Deutsche Lieder sind wieder in Mode. Auch der deutsche Film, wie etwa zuletzt mit Matthias Schweighöfer, ist beliebt. Wir sprechen Deutsch und das ist auch gut so.

In den Sprachnachrichten findet sich natürlich noch mehr, als ein Protest an Anglizismen und die Belobigung, dass deutsche Sänger auch wieder deutsch singen: Buchvorstellungen und Berichte, viel Ironie und Witz. Auch verdrehtes Deutsch wird angesprochen. Daneben gibt es Artikel zu älteren Büchern und Motiven und natürlich Informationen über den VDS selbst. Etwa zu seinen Mitgliederzahlen in Asien und Afrika, oder kleinen Anekdoten aus dem Vereinsalltag. Kein Plädoyer für weniger Englisch, viel mehr ein Beweis für Deutsch, seinen Humor, seine Leichtigkeit. Das Schöne: Für VDS Mitglieder gibt es die Sprachnachrichten regelmäßig nach Hause. Und wer unter 27 ist, kann kostenlos Mitglied werden. Ein Spaß, den ich mir nicht nehmen lasse. Denn ich schreibe deutsch – und das ist auch gut so.

Vorschau: Nächste Woche lässt sich Sonja über den Valentinstag aus, das Fest der Liebe und der Blumenläden.