Ausgeglichene Liga auf Kosten der Nationalmannschaft?

In den vergangenen Wochen ist eine heißblütig geführte Diskussion über den deutschen Eishockeynachwuchs entbrannt. Nicht nur, aber auch weil der langjährige Nationalspieler und Kapitän der Kölner Haie, Moritz Müller, im Free TV eine Lanze für den deutschen Nachwuchs brach und die Iserlohn Roosters als „kanadische 1C-Mannschaft“ bezeichnete. Zur Erklärung: Die Iserlohner spielen mit acht (!) Kanadiern in der Mannschaft, die mit einem deutschen Pass auflaufen. Hinzu kommen zehn der elf zulässigen, sogenannten Lizenzausländer von denen neun pro Spieltag auf dem Eis stehen dürfen. Lediglich vier Akteure bei den Iserlohnern sind in Deutschland geboren. Wenn man bedenkt, dass 22 Spieler pro Spieltag auf dem Spielberichtsbogen stehen dürfen, ist das eine doch erschreckend niedrige Zahl.

Pro und contra Einbürgerung
Dass daraufhin eine Debatte über den Sinn und Unsinn von Einbürgerungen im deutschen Eishockey und der Kampf zwischen lieber eine ausgeglichenen Liga, als eine starke Nationalmannschaft, entstehen würde, war abzusehen. Der pro gestimmte Teil argumentierte, dass ja viele DEL-Mannschaften sogenannte Deutsch-Kanadier in ihren Reihen hätten und bei Iserlohn das Ausmaß lediglich ein wenig höher wäre. Was soll man machen, wenn der deutsche Nachwuchs zu schlecht oder zu teuer ist?! Außerdem könnten diese eingebürgerten Kanadier, die nach zwei Jahren in Deutschland auch mit dem Adler auf der Brust auflaufen dürfen, der deutschen Nationalmannschaft mit ihrer spielerischen Klasse letztlich von Nutzen sein.
Der contra gestimmte Teil sieht das naturgemäß ganz anders. Die Kanadier mit deutschem Pass nehmen den deutschen Talenten den Kaderplatz und damit die für die individuelle Entwicklung elementar wichtige Eiszeit weg, so der Tenor. Die dringend benötigte Nachwuchsförderung kann somit natürlich nicht vorankommen. Stichwort Nationalmannschaft: Hier wird oftmals argumentiert, dass die ganzen eingebürgerten Kanadier von ihrer deutschen Herkunft zumeist gar nichts wussten. Erst wenn sie – wie aktuell in Iserlohn – in ihrer „Heimat“ ankommen, werden sie mit einem kräftigen Händedruck und einem deutschen Pass in Empfang genommen. Dass hier bei vielen Akteuren die Bindung zur Nationalmannschaft fehlt, angefangen vom kulturellen Hintergrund bis hin zu den fehlenden Sprachkenntnissen, liegt auf der Hand. Nicht umsonst bewerteten vor der aktuellen Spielzeit viele Nationalspieler die Tatsache, dass bei der deutschen Nationalmannschaft wieder deutsch in der Kabine gesprochen wird (Anm. d. Red.: In den nordamerikanisch geprägten Deutschen Eishockey Liga wird englisch in der Kabine gesprochen), als durchaus positiv.

Hauptproblem die Basis?
Doch die Argumente, die hier behandelt werden, zielen nur auf die Symptome und nicht auf die eigentliche Ursache. Diese liegt, wie so oft, viel tiefer. Genauer gesagt an der Basis. Dem deutschen Eishockey fehlt es schlicht an der Förderung von ausreichend qualifizierten Nachwuchsspielern, die den Platz der eingebürgerten Spieler oder bei einer Ausländerreduzierung in der Liga, den Platz der sogenannten Lizenzausländer, einnehmen könnten. Nach wie vor verlassen viele Talente frühzeitig Deutschland, weil sie sich vor allem in Nordamerika einer besseren Ausbildung sicher sein können.
Etwaige Schritte, um die teilweise amateurhafte Nachwuchsförderung in Deutschland zu professionalisieren, wurden bereits unternommen. Ein Ergebnisse ist aber nicht in ein, zwei Jahren zu erwarten, sondern benötigt Zeit. Doch was wäre, wenn man bereits schon jetzt über genügend DEL-taugliche Spieler im Nachwuchsbereich verfügen würde? Wären die Vereinsverantwortlichen überhaupt bereit, diese in ihre Mannschaft einzubauen?

Das Rad weiterspinnen
Spinnt man das Rad ein wenig weiter und schaut über den Tellerrand hinaus, so stellt man fest, dass die Liga in ihrer jetzigen Form prima funktioniert. Die Zuschauer strömen in Massen, die Ausgeglichenheit sorgt für Spannung pur. Der Rubel rollt. Für Larry Mitchell, Trainer der Straubing Tigers, sind die vielen Ausländer in der Liga für diese Ausgeglichenheit verantwortlich. Durch eine Ausländerreduzierung – egal in welcher Form – würden die kleineren, also finanziell schwächeren, Vereine zunächst benachteiligt werden. Die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft droht. „Wollen wir eine bessere Nationalmannschaft oder eine bessere Liga? Diese Frage muss man sich stellen. Will man ein besseres Nationalteam haben, dann muss man wahrscheinlich über eine Ausländerreduzierung reden. Und damit auch über eine Zwei-Klassen-Gesellschaft,“ sagte Mitchell in einem Wortlautinterview gegenüber dem Fachmagazin Eishockeynews.

An einem Strang ziehen
Anhand dieser Beispiele merkt man sofort, dass das Thema Einbürgerung beziehungsweise Reduzierung der Ausländerlizenzen in der DEL ein äußerst sensibles ist, bei dem mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Doch egal ob pro oder contra Einbürgerung, ausgeglichene Liga vs starke Nationalmannschaft oder die Anzahl genügend qualitativ hoher deutscher Nachwuchsspieler. Eine Lösung kann nur gefunden werden, wenn man zusammen an einem Strang zieht. Eigeninteressen müssen die Ausnahmen, nicht die Regel sein.
Auch der Nachwuchs selbst sollte mit in die Debatte eingebunden werden. Der deutsche U-19-Nationalspieler und Stürmer der Jungadler Mannheim, Julian Napravnik, bemängelte nach dem Fünf-Nationen-Turnier in Deggendorf beispielsweise, dass dem deutschen Nachwuchswuchs nicht genügend Zeit zur Entwicklung gelassen wird. Bereits nach der U-19 muss den Yongstern der Sprung zu den Profis gelingen. Das Ergebnis ist oft wenig Eiszeit und eine dadurch stagnierende Entwicklung. „In anderen Ländern hat man für die Ausbildung mehr Zeit“, sagte Napravnik. Sein Hauptziel ist nächste Saison übrigens eine Nachwuchsliga in Nordamerika…

Vorschau: Nächste Woche dreht sich bei uns alles ums Bungee Springen.

Enorme Qualität und viele Schweden

Am Freitag, 11. September, ist es wieder soweit: Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) startet in ihre 22. Spielzeit. Wer sind die heißen Titelanwärter, wer besitzt Außenseiterchancen? Gelingt es dem Deutschen Meister Adler Mannheim mit Neu-Trainer Greg Ireland den Titel zu verteidigen? Und wie schlagen sich die in der Vorbereitung so starken Kölner Haie mit ihren gleich sechs (!) neuen Schweden? Die Face2Face-Sportredaktion wagt eine Prognose… 

Top-Favorit:
Adler Mannheim: Klar, dass an dieser Stelle der Meister aus Mannheim genannt werden muss. Der Kader blieb nahezu intakt und bekam durch die jüngste Verpflichtung des deutschen NHL-Spielers Marcel Goc nochmals eine zusätzliche Portion Qualität verpasst. Die größte Veränderung gab es hinter der Bande. Meistertrainer Geoff Ward erlag schnell wieder den Verlockungen der NHL. Ein Verlust, der Verein und Fans gleichermaßen hart traf. Die Kurpfälzer entschieden sich mit Greg Ireland für ein eher unbeschriebenes Blatt, aber eines, das die gleiche Spielphilosophie wie sein Vorgänger vertritt.
Fazit: Die Mannschaft strotzt vor Klasse. In Punkto Qualität und Kadertiefe kann den Adlern kaum einer das Wasser reichen. Allerdings birgt der tiefe Kader auch Gefahren. Wenn alle Spieler gesund sind, müssen vier von ihnen auf der Tribüne platznehmen. Das kann schnell zu Unzufriedenheit und Unruhe führen. Ireland möchte diesem Problem mit „ausreichender und ehrlicher Kommunikation“ entgegentreten.

Titelkandidaten:
EHC RB München: Der Etat-Krösus der Liga hat erneut seinen Kader ordentlich umgekrempelt. Das Ziel ist klar: Nach zwei verpassten Play-off-Runden möchte der Brauseklub nach der Meisterschaft greifen. Mit Steven Pinizotto, Nationalspieler Frank Mauer, AHL-Star Keith Aucoin (944 Punkte in 861 Spiele), Frédéric St-Denis und Toni Söderholm haben die Münchner dafür Hochkaräter verpflichtet.
Fazit: Der Kader strotzt für DEL-Verhältnisse nur so vor Qualität. Außerdem kann der Club jederzeit reagieren, wenn die Mannschaft Verstärkung benötigt oder ein Spieler länger ausfällt. Dennoch muss Cheftrainer Don Jackson aus dem zusammengewürfelten Haufen erst einmal eine Einheit formen. Wenn die hochkarätigen Importspieler ihr Gastspiel in München nicht als Urlaub ansehen, ist vieles möglich. 

Kölner Haie: Klotzen statt Kleckern war bei den Kölner Haien in der Sommerpause die Devise. Es wurden sieben neue Ausländer geholt. Sechs davon sind Schweden. Auch der deutsche Nationalspieler Patrick Hager wurde für viel Geld von Vizemeister ERC Ingolstadt verpflichtet. Klar, dass da vom teuersten Kader der Clubgeschichte die Rede ist. Aber wird er die Kölner nach dem letztjährigen verpassen der Playoffs auch wieder in die Nähe der Meisterschaft schießen?
Fazit: Die Mannschaft hat die dringend benötigte Blutauffrischung bekommen. Vor allem im Angriff besitzen die Domstädter eine ungewohnte Tiefe. Allerdings ist auch die Erwatungshaltung riesig. Die Geduld der Fans aufgebraucht. Ein guter Saisonstart muss her, damit die Haie eine erfolgreiche Runde absolvieren.

Hamburg Freezers: Solch ein Verletzungspech wie in der vergangenen Saison soll es in Hamburg nicht mehr geben. Dafür haben die Freezers vor allem im Sturm ordentlich aufgerüstet. Der Königstransfer von Torjäger Marcel Müller ließ die Konkurrenz aufhorchen. Auch die Rückkehr von David Wolf aus Nordamerika (vier NHL-Spiele für die Calgary Flames) sorgte für nicht weniger Aufsehen. Nun besitzen die Freezers zwei deutsche, bullige und dazu noch torgefährliche Stürmer. Damit müssen sich die Hamburger im Angriff vor keinem anderen Team in der Liga verstecken.
Fazit: Die Hamburger verfügen im Angriff über vier torgefährliche Reihen. Bitter allerdings, dass mit Kevin Clark der letztjährige Spieler der DEL, den Verein Richtung Schweiz verlassen hat. Schwachpunkt bleibt nach wie vor die Abwehr. Trotz 154 Gegentoren in der vergangenen Runde, verzichteten die Hamburger auf großartige Verstärkungen. Auch das an für sich starke Torhüterduo Sébastien Caron/Dimitrij Kotschnew wird nicht jünger. Sollte jedoch der Sprung ins Playoff-Halbfinale gelingen, scheint alles möglich.

ERC Ingolstadt: Der Meister und Vizemeister der vergangenen beiden Jahre gehört auch in dieser Saison wieder zum Kreis der Titelkandidaten. Unter den zehn Abgängen musste der ERC allerdings auch Identifikationsfiguren wie Patrick Hager (Kölner Haie) und Christoph Gawlik (Düsseldorfer EG) verkraften. Doch die neu geholten Stürmer Thomas Kubalik und Brian Lebler versprechen von ihrer Statistik her Top-Verpflichtungen zu sein. Auch die Verteidiger-Neuzugänge Brian Salcido und Patrick McNeill bringen ordentlich Offensivkraft mit.
Fazit: Auf dem Papier besitzen die Ingolstadter einen guten Kader. Allerdings muss es sich erst zeigen, wie sie die Abgänge von Hager und Gawlik verkraften und die vermeintlichen Top-Neuzugänge einschlagen werden. Auch der verletzungsbedingte Ausfall von Salcido für die ersten Wochen der neuen Saison wiegt schwer. Sollte allerdings alles nach Plan laufen, ist mit dem ERC zu rechnen.

Wer wird das Rennen um die deutsche Eishockeymeisterschaft machen: Top-Favorit, Titelkandidat, Playoff-Aspirant oder doch ein Außenseiter? Foto: Privat

Wer wird das Rennen um die deutsche Eishockeymeisterschaft machen: Top-Favorit, Titelkandidat, Playoff-Aspirant oder doch ein Außenseiter? Foto: Privat

Play-off-Aspiranten:
Thomas Sabo Ice Tigers: Mit Rob Wilson übernahm ein neuer Trainer das Ruder hinter der Nürnberger Bande. Mit David Steckel, Brandon Segal, Kurtis Foster und Colin Fraser kauften die Ice Tigers nicht nur eine Menge NHL-Erfahrung ein, sondern stärkten gleichzeitig auch das körperliche Element. Bitter: Mit Nummer-eins-Torwart Jochen Reimer fällt ein absoluter Leistungsträger für ein halbes Jahr aus. Die Suche nach einem geeigneten Ersatz läuft.
Fazit: Die Franken besitzen auf dem Papier deutlich mehr Erfahrung als in der vergangenen Runde. Schlagen die prominenten Namen ein, könnte es für Nürnberg dieses Jahr weit gehen. Dies hängt aber auch davon ab, wie sie den Ausfall von Reimer kompensieren können. 

Grizzlys Wolfsburg: Mit neuem Namen versuchen die Wolfsburger ihr überschaubares Image aufzupolieren. Auf dem Eis hat sich ebenfalls etwas getan. Mit Norman Milley, Matt Dzieduszycki und Aleksander Polaczek habe drei ehemalige Leistungsträger den Club verlassen. Die neuen Hoffnungen ruhen nun auf dem schwedischen Neuzugang Daniel Wilding. Doch kann der Stürmer die letztjährige Ladehemmungen im Angriff alleine vergessen machen?
Fazit: Die bereits in der vergangenen Saison gut stehende Defensive wurde mit dem Ex-Berliner James Sharrow nochmals zusätzlich verstärkt. André Reiß und Patrick Seifert verpassen dieser zusätzliche Tiefe. Das Sorgenkind bleibt aber weiterhin der Sturm. Schwer zu sagen, wer dieses Problem auf anhieb lösen soll. Dennoch schaffen es die Grizzlys erneut locker in die Playoffs.

Eisbären Berlin: Der Rekordmeister der DEL hat zwei Seuchenjahre hinter sich. Dennoch verzichteten die Verantwortlichen um Trainer Uwe Krupp und Manager Peter John Lee auf einen großen Umbruch. Wahrscheinlich auch, weil sich der Club die teuren Vertragsauflösungen nicht leisten konnte oder wollte. Dennoch strotzt der in die Jahre gekommene Kader noch vor Meisterspielern.
Fazit: Die deutsche Fraktion gehört in Top-Form weiter zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Sieht man von Constantin Braun und Frank Hördler einmal ab, sucht man nach wahren Führungsspielern in den Reihen der Eisbären allerdings vergeblich. Auch, weil die Ausländer, mit Blick auf die Konkurrenz, nur noch Mittelmaß sind. Einzig Neuzugang Bruno Gervais sticht aus der Importmasse heraus. Für die Playoffs reicht es in diesem Jahr – mehr aber auch nicht.

Düsseldorfer EG: Die DEG stieg in der vergangenen Runde wie der Phönix aus der Asche bis ins Playoff-Halbfinale vor. Und das gelang mit einer größtenteils jungen und unbekümmerten Mannschaft. Dieser Weg wurde nun mit den Neuzugängen etwas verlassen, dafür aber mehr Erfahrung aufgewertet. Reicht diese aus, um den Abgang von DEL-Torhüter des Jahres Tyler Beskorowany und den langzeitverletzten Neuzugang Christoph Gawlik zu kompensieren?
Fazit: Der Abgang von Beskorowany schmerzt. Auf dem Papier hat die DEG allerdings an Qualität hinzugewonnen. Auch die zahlreichen deutschen Talente dürften diese Saison einen weiteren Schritt nach vorne machen. Einige Neuzugänge haben jedoch schon bessere Zeiten erlebt. Fraglich, ob sie an ihre alten Glanzzeiten anknüpfen können.

Iserlohn Roosters: Böse Zungen behaupten, dass kanadische Neuzugänge in Iserlohn neben einem Zweijahresvertrag auch noch gleich einen deutschen Pass in die Hand gedrückt bekommen. Aber in der Tat: Die Roosters führen gleich acht Deutsch-Kanadier, von denen keiner in der Bundesrepublik geboren ist, in ihrem Kader. Und damit haben sie noch keine der elf verfügbaren Ausländerstellen besetzt. Auf dem Eis musste Iserlohn die Abgänge von Sean Sullivan (Hamburg) und Brent Raedeke (Mannheim) verkraften, holten mit Loui Caporusso, Jason Jaspers, Robert Raymond und DEL-Rückkehrer Jean-Philippe Coté aber gleichzeitig Verstärkungen ins Team.
Fazit: Der kanadisch geprägte Stil stoßt bei den Fans im Sauerland auf viel Gegenliebe. Mit Blick auf die Feuerkraft hat der zweitbeste Sturm der zurückliegenden Vorrunde nichts eingebüßt. In der Verteidigung drückt aber nach wie vor der Schlittschuh. Auch die beiden Top-Center Mike York (37) und Jaspers (34) sind bereits in einem gehobenen Alter. Für die Pre-Playoffs reicht es aber allemal.

Außenseiter:
Krefeld Pinguine: Die Pinguine schafften es in der vergangenen Saison, allen Unkenrufen zum Trotz, bis in die Pre-Playoffs. Trotzdem erlebte das Team in der Sommerpause einen Umbruch. In die Jahre gekommene Akteure wie Meyers, Beechey oder Perrault wurden durch jüngere Ausländer ersetzt. In der Verteidigung wie im Tor blieb aber alles beim Alten. Die Krefelder setzen im Sturm ebenfalls auf einen Schweden. Der talentierte Eriksson soll den nach Hamburg abgewanderten Marcel Müller ersetzen.
Fazit: Der deutsche Meister von 2003 scheint zumindest auf dem Papier im Sturm tiefer besetzt. Dennoch gehören die Pinguine rein vom Etat nach wie vor zu den Underdogs der Liga. Somit sind entsprechende Schwachstellen im Kader, die eine Playoff-Teilnahme verhindern könnten, kaum zu verhindern.

Straubing Tigers: Die Hälfte der Mannschaft wurde nach der zurückliegenden Katastrophensaison in die Wüste geschickt. Gleichzeitig wurde der Spieler-Etat erhöht. Somit konnte sich Trainer Larry Mitchell viele Wünsche erfüllen. Mit Colton Jobke, Ryan Bayda, Michael Conolly und Martin Hinterstocker bediente sich der Ex-Augsburg-Coach dabei vor allem von seinem ehemaligen Club. Dies könnte ein Plus sein.
Fazit: Der Angriff ist teilweise prominent und tief besetzt. Die Ausleihe von Jung-Nationalspieler Mirko Höfflin (Adler Mannheim) könnte sich als goldwert erweisen. Die Abwehr ist dagegen eher unterbesetzt und rein körperlich betrachtet zu schmächtig, um effektiv etwas auszurichten. Trainer Mitchell wird der Leuchtturm in der Schlacht sein. Eine Playoff-Teilnahme wird dennoch schwer.   

Augsburger Panther: Alles neu macht der Mai dachten sich wohl auch die Panther und ließen in der Sommerpause keinen Stein auf dem anderen. 15 Neuzugänge stehen 16 Abgänge gegenüber. Mit Mike Steward wurde zudem ein neuer Cheftrainer vom Zweitligisten Bremerhaven verpflichtet. „Iron Mike“, wie der neue Coach genannt wird, soll die Panther wieder in ruhigere Gewässer führen. Helfen sollen dabei die beiden eingebürgerten Arvids Rekis und Ivan Ciernik, als auch das Torhüterduo Deslauriers/Meisner.
Fazit: Steward wird in Augsburg sicherlich für frischen Wind sorgen. Mit Mark Mancari, Drew LeBlanc, Ivan Ciernik und Michael Iggulden besitzen die Panther namhafte Spieler im Sturm, die allesamt allerdings auch schon bessere Zeiten erlebt haben. Die Panther bleiben damit eine (wenn nicht sogar die) große Wundertüte der kommenden Saison.

Schwenninger Wild Wings: Auch die Schwenninger haben einen großen Umbruch hinter sich gebracht. Es wird überwiegend auf die deutsche Karte, zusammen mit erfahrenen Ausländern, gesetzt. Bei gleich sechs verschiedenen Nationen in der Mannschaft wird auch gerne von der „Multi-Kulti-Truppe“ gesprochen. Neu-Trainer Helmut de Raaf muss diese zu einer Einheit formen.
Fazit: Von den Importspielern blieb nur Ashton Rome übrig. Aus Finnland, Tschechien und Schweden kamen im Gegenzug interessante Spieler in den Schwarzwald. Die Altersstruktur scheint zu passen. Allerdings fehlt es dem Team an spielerischer Klasse und dem lebenswichtigen Scoringpotenzial. Die Teilnahme an den Pre-Playoffs wäre bereits ein großer Erfolg.

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel über die neue Trendsportart Headies.

   

 

Hoffnung trotz schwacher Jugendarbeit – Teil 2

Während hierzulande der Kampf um die deutsche Eishockey-Meisterschaft in die heiße Phase geht – Mannheim, Wolfsburg, Ingolstadt und Düsseldorf sind noch im Rennen – stehen die Play-offs in Nordamerika kurz bevor.

In Teil 2 unserer Serie über die deutschen Nachwuchshoffnungen in der Nordamerikanischen Hockey League (NHL) blickt Face2Face auf den Saisonverlauf von Verteidiger Korbinian Holzer, Raubein David Wolf und Torhütertalent Philipp Grubauer.

Korbinian Holzer. Der Verteidiger, der in dieser Saison den endgültigen Durchbruch in der NHL geschafft hat, kann auf eine bewegende Spielzeit zurück blicken. Dabei zeichnete ihn vor allem eine Fähigkeit aus, die nicht viele deutsche Akteure haben, die lange auf ihre Chance in der NHL warten müssen: Durchhaltevermögen. 2012 schnupperte er bereits heftig an der Tür zur besten Liga der Welt. Für die Toronto Maple Leafs schaffte er in 22 Spielen zwei Tore und überzeugte mit starken Defensivleistungen. Doch sein Weg führte dennoch zurück in die zweitklassige AHL. Erst zu Beginn der laufenden Spielzeit kam der erneute Anruf aus Toronto. Holzer war dabei und spielte NHL. Zwar musste der gebürtige Münchner zwar das ein oder andere Mal von der Tribüne aus zuschauen, doch in 34 Spielen standen sechs Vorlagen für den körperlich starken Deutschen auf der Habenseite. Kurz vor der Trade-Deadline (nach diesem Termin dürfen die NHL-Teams bis zum Rookie-Draft keine Spieler oder Draft-Picks mehr untereinander tauschen) fiel Holzer mit einer Gehirnerschütterung aus. Dennoch wurde er vom Sorgenkind Toronto, das keine Chancen mehr auf die Play-offs hatte, zum Titelmitfavoriten Anaheim Ducks transferiert. Sportlich ein klarer Schritt nach vorne für den Verteidiger. Perspektivisch allerdings mindestens einer zurück. Die Konkurrenz in der Defensive der Ducks ist um eine vielfaches höher als in Toronto. Bislang kam Holzer zu keinem einzigen Einsatz für sein neues Team und ist zum zuschauen verdammt. Ob der Deutsche nach dieser Saison in die Heimat zurückkehrt oder weiter in Nordamerika sein Glück versucht ist momentan völlig offen. Genug Durchhaltevermögen, um weiter über dem großen Teich erfolgreich zu sein hat er ja.

David Wolf.  Der 25-Jährige wechselte vor dieser Saison von den Hamburg Freezers nach Kanda zu den Calgary Flames, um sich seinen Traum von der NH zu erfüllen. Von einem Star in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu einem unter vielen in Nordamerika. Der gebürtige Düsseldorfer hängte sich in der Vorbereitung voll rein, wollte den Sprung zu den Flames unbedingt schaffen. Doch sein Weg führte ihn zunächst zum Farmteam Calgarys, den Adirondack Flames, in die AHL. Das schmeckte dem 1,90 Meter großen, ehrgeizigen Stürmer überhaupt nicht. „Ich bin eigentlich zu gut für das hier“, gab er in einer Fernsehdokumentation des NDR über seinen Wechsel nach Nordamerika offen zu. Verletzungen und Probleme mit dem Trainer vergrößerten die Sorgen Wolfs. Doch er überwand seine Startschwierigkeiten. Mit seinen Torjägerqualitäten und seinen Kampffähigkeiten, durch die er in Deutschland berüchtigt wurde, machte er sich in Adirondack einen Namen. Ende Januar kam dann der Anruf aus Calgary. Der Traum vom NHL-Debüt rückte in greifbare Nähe und erfüllte sich bei der Partie gegen die Edmonton Oilers, das Team des deutschen Ausnahmetalents Leon Draisaitl, endgültig. Wolf enttäuschte keineswegs, traf einmal den Pfosten und wurde von seinen Teamkollegen mit dem Feuerwehrhelm symbolisch für den besten Arbeiter des Spiels ausgezeichnet. Nach einer weiteren Partie musste der Angreifer dann allerdings wieder zurück nach Adirondack. „Ich wollte einmal in der NHL spielen und das habe ich jetzt geschafft“, strahlte er dennoch über das ganze Gesicht. Geduld und Durchhaltevermögen sind jetzt gefragt. Mit 33 Punkten aus 51 Spielen (17 Tore und 16 Vorlagen) hat Wolfs zumindest das ein oder andere Argument, um wieder in die NHL berufen zu werden.

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Philipp Grubauer. Der Rosenheimer ist das momentan wohl größte deutsche Torwarttalent im Eishockey. 2010 gewann er mit dem Juniorenteam Windsor Spitfires den berühmten Memorial Cup in Nordamerika. In der vergangenen Saison sorgte er dann für großes Aufsehen in der NHL. Knapp zwei Monate war er die Nummer eins der Washington Capitals. Erst profitierte er von der Verletzung Michael Neuvirths und dann von den schlechten Leistungen Braden Holtbys. Grubauer enttäuschte dagegen ganz und gar nicht. In 17 Spielen schaffte es der Youngster auf eine eindrucksvolle Fanquote von 92,5 Prozent. Dennoch entschieden sich die Capitals den Deutschen wieder zurück in die AHL zu schicken, um ihn in dieser Spielzeit noch einem „Lehrjahr“ bei den Hershey Bears zu unterziehen. Und auch hier zeigte Grubauer, der im vergangenen Jahr bereits für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM zwischen den Pfosten stand, seine ganze Klasse. Der Torwart, der mit einer ausgezeichneten Athletik und einer hervorragenden Einstellung ausgestattet ist, schaffte es in 45 Spielen auf einen Gegentorschnitt von 2,27 und einer Fanquote von 92,2 Prozent. Der verdiente Lohn war ein weiterer Einsatz bei den „Caps“. Auch, um sich kurz vor der Trade-Deadline nochmals den anderen Teams zu präsentieren. Zu einem Tausch oder einer endgültigen Berufung in die NHL kam es letztlich zwar nicht, doch Grubauers Weg wird schon in der nächsten Saison in die National Hockey League führen. Ob in Washington oder bei einem anderen Team.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr einen Artikel über „Gut aussehen um jeden Preis – mit Anabolika“.

Hoffnung trotz schwacher Jugendarbeit – Teil1

Nein, das deutsche Eishockey gehört auf der internationalen Bühne nicht zu der Weltklasse dazu. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe. Einer davon ist wohl der existenziellste von ihnen: Die Jugendarbeit. Hier hapert es oft schon an den einfachsten Stellen. Klar, im Land, in dem König Fußball regiert, ist es schwer Kinder für die schnellste Mannschaftssportart der Welt zu begeistern. Auch sind Fußball oder Handball (oftmals für die Eltern) billiger und vielfältiger bei den Ausübungsmöglichkeiten (es steht leider nicht überall eine Eishalle zur Verfügung). Aber dennoch muss sich der deutsche Eishockeybund und die lizenzierten Vereine der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Sachen Jugendarbeit noch deutlicher hinterfragen. Die meisten der DEL-Clubs, zum Glück nicht alle, betreiben eine solche Jugendarbeit erst überhaupt nicht. Um die Mindestanzahl an deutschen Akteuren im jeweiligen Kader zu erfüllen, werden kurzerhand Deutsch-Kanadier, die zu häufig nicht mal die deutsche Sprache beherrschen, mit dem entsprechenden Pass ausgestattet und ins Team aufgenommen. Und sollte man doch einmal einen deutschen Spieler benötigen, bedient man sich überwiegend bei der unterklassigen Konkurrenz, die durch nachhaltige Jugendarbeit versucht das deutsche Eishockey langfristig auf einen erfolgreichen Weg zu führen. 

Natürlich gibt es auch vorbildliche Ausbildungsstätten wie beispielsweise in Mannheim, Köln, Düsseldorf oder, wie bereits oben erwähnt, in den im Profibereich leider unterklassigen Vereinen wie Landshut, Bad Tölz, Kaufbeuren und Rosenheim. Dadurch lässt sich auf internationalem Niveau zwar ganz nett mitspielen, zu mehr reicht es damit aber noch lange nicht. 

Zum Glück springt aber ab und zu auch das ein oder andere Talent aus den Schmieden heraus. Nachwuchshoffnungen, die es bis in die beste Eishockeyliga der Welt, der National Hockey League (NHL), schaffen. 

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Die deutschen Eishockey-Nachwuchshoffnungen versuchen ihr Glück in der NHL. Foto: Koehl

Vor allem vor der laufenden Saison richteten sich alle deutschen, eishockeyinteressierten Augen auf die NHL. Mit Leon Draisaitl, Tobias Rieder, Korbinian Holzer, David Wolf und Philipp Grubauer durften gleich sechs Talente zumindest für ein Spiel das Trikot eines NHL—Teams überstreifen. Face2Face behält die Stars von morgen ständig im Auge und gibt im Folgenden einen Überblick über den bisherigen Saisonverlauf der deutschen Youngstars. 

Leon Draisaitl. Der gebürtige Kölner war im vergangenen Sommer das Medienthema in der deutschen Eishockeyszene. Draisaitl wurde im NHL-Draft 2014 an dritter Stelle von den Edmonton Oilers gezogen. So früh, wie noch kein deutscher Spieler vor ihm. Dass Superlative wie Jahrhunderttalent nicht lange auf sich warten ließen, liegt nahe. In den USA trägt er, in Anlehnung an die kanadische Eishockey-Ikone Wayne Gretzky, den Spitznamen „The German Gretzky“. Klar, dass da der Hype um das „Ausnahmetalent“ entsprechend groß war. Der 1,88 Meter große und 108 Kilogramm schwere Centerspieler schaffte auch auf Anhieb den Sprung in den NHL-Kader, stürmte zwischenzeitlich sogar in der zweiten Sturmreihe. Doch der damals noch 18-Jährige hatte ein Problem: Mit den Oilers ist er in ein Team geraten, dass sich seit Jahren im Umbruch befindet und seit noch längerer Zeit kein Bein mehr auf die Erde brachte. Nach 37 NHL-Spielen beim damals schlechtesten Team der Liga, in denen ihm immerhin zwei Tore und sieben Vorlagen gelangen, hatten die Club-Verantwortlichen ein einsehen. „Ständig zu verlieren bringt einem jungen Spieler wie Leon in seiner Entwicklung nicht weiter. Er braucht Siege“, ließ die Oilers-Führung rund um General-Manager Craig MacTavish und Trainer Dallas Eakins verlauten. Die logische Konsequenz: Draisaitl wurde in die Western Hockey League, eine kanadische Juniorenliga, zurückgeschickt, um unter Erfolgserlebnissen weiter geschliffen zu werden. Die Kelowna Rockets, heißester Anwärter auf den Cup-Sieg, boten sich da regelrecht an. Und der NHL erfahrene Deutsche schlug voll ein. Mit neun Toren und 21 Vorlagen in 30 Partien für sein neues Team zeigte Draisaitl wie viel Potenzial in ihm steckt. „Ich lebe mich hier langsam ein und kann noch viel besser spielen“, ließ er verlauten. Es klang fast wie eine Drohung an die Konkurrenz. Doch so oder so. Leon Draisaitl wird noch eine große Karriere in der NHL vor sich haben. 

Tobias Rieder. Der Landshuter machte sich vor gut vier Jahren auf, um in Nordamerika seinen Traum vom NHL-Profi zu leben. Nach drei Jahren beim Juniorenteam der Kitchener Rangers in der Ontario Hockey League (OHL), ging es für ihn nach Portland in die zweitklassige AHL. Bei den Portland Pirates, dem Farmteam der Arizona Coyotes, zeigte Rieder sofort seine enormen  Torjägerqualitäten. Bereits in seinem ersten AHL-Spiel gelangen ihm zwei Treffer. Am Ende standen beachtenswerte 28 Tore für ihn zu Buche – und das bei einem Team, dass die Play-off-Runde verpasste. Als Zugabe gab es weitere Profi-Erfahrung bei der A-WM mit der deutschen Nationalmannschaft. Dort gefiel Rieder als bester deutscher Stürmer. Und nach neun Spielen (vier Tore, zwei Vorlagen) in der laufenden AHL-Saison, kam der Anruf aus Arizona –„Tobi pack deine Sachen, du spielst heute Abend in Washington gegen die Capitals“ sagte ihm sein AHL-Trainer Ray Edwards am Telefon. Gesagt getan. Da der Landshuter offenbar auf gelungene Prämieren zu stehen scheint, steuerte er bei seinem Debüt gleich mal seinen ersten NHL-Treffer hinzu. Aber das ist noch nicht alles. Rieder stellte am 01. Dezember des vergangenen Jahres einen Rookie-Rekord auf. Ihm ist es als ersten Liganeuling gelungen, zwei Unterzahltore binnen 58 Sekunden zu erzielen. Nach 48 Spielen stehen nun acht Tore und sechs Vorlagen auf der Habenseite Rieders. „Er ist ein cleverer Spieler, der mit Intelligenz und hohem Tempo agiert“, sagt nicht nur Coyotes-Trainer Dave Tippet dem Landshuter eine große Karriere voraus. 

Die nächsten deutschen Nachwuchshoffnungen in der NHL werden in Teil 2 näher unter die Lupe genommen. 

Vorschau: Ski-WM in Falun. Folgt nach dem überschaubaren Abschneiden in Sotschi der Sprung zurück zu alter Stärke?

Die große DEL-Prognose

„Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“, lautet eine weit verbreitete Weisheit. Dies gilt auch für die Deutsche Eishockeyliga (DEL). Bei der heute beginnenden Saison lehnt sich Face2Face dennoch ganz weit aus dem Fenster und gibt eine Prognose für die kommende Spielzeit 2014/2015 ab.

 

Die Favoriten:  

Kölner Haie: Die Kölner Haie haben die letzten beiden Finalserien verloren. Das Team des ehemaligen Bundestrainers Uwe Krupp blieb aber von einem Umbruch verschont. Fluch oder Segen? Das Team ist eingespielt, wurde mit Mike Iggulden, Jamie Johnson, Evan Rankin und vor allem NHL-Rückkehrer Alexander Sulzer hochkarätig verstärkt.
30 +: Mit gleich elf Akteuren über 30 Jahren verfügen die Haie zwar über viel Erfahrung, die fehlende Spritzigkeit könnte aber zum Problem werden. Des Weiteren muss sich erst zeigen, ob die Kölner aus den beiden Finalniederlagen nun die nötige Motivation ziehen oder ob das Team einen Knacks abbekommen hat.
Fazit: Die Haie haben auf dem Papier den stärksten Kader. Das Saisonziel kann nur die Meisterschaft sein. 

Adler Mannheim: Der wichtigste Neuzugang der Adler war Trainer Geoff Ward. Der 52-Jährige war zuletzt sieben Jahre als Co-Trainer bei den Boston Bruins beschäftigt. In dieser Zeit schaffte er es mit den „Braunbären“ gleich zwei Mal ins Stanley-Cup-Finale. Ward möchte eine verschworene Einheit formen und fordert von jedem Spieler Führungsqualitäten. Mit den Neuzugängen Andrew Joudrey, Jamie Tardif und dem 40-jährigen Veteranen Glen Metropolit haben die Mannheimer an Charakter und Qualität gewonnen. Die Neu-Verteidiger Danny Richmond und Bobby Raymond sollen für die nötige Feuerkraft von der blauen Linie sorgen und somit das miserable Powerplay (letzte Saison waren die Adler die schlechteste Mannschaft in Überzahl) aufpolieren.
Nationalspieler: Durch die Tiefe im Kader kann es passieren, dass gestandene Nationalspieler wie Marcus Kink und Christoph Ullmann in die nominell vierte Reihe abrutschen. Werden sie sich fürs Team opfern und arbeiten oder sich beleidigt quer stellen?
Fazit: Schafft es Geoff Ward aus den Adlern eine Einheit zu formen, die ihre volles Potenzial abruft, sind die Mannheimer ein heißer Titelanwärter. 

Hamburg Freezers: Die „Kühlschränke“ haben mit David Wolf, der sein Glück beim NHL-Team Calgary Flames sucht, einen echten Typen und Punktesammler verloren. Den Verantwortlichen um Manager Stéphane Richer ist klar, dass sie den Hünen nicht ein zu eins ersetzen können. Als Ersatz wurde mit Marty Sertich und Kevin Clark hohe Qualität von der Liga-Konkurrenz eingekauft, durch wenige Veränderungen des letztjährigen Kaders weiterhin auf Kontinuität gesetzt.
Tandem: Mit Dimitrij Kotschnew und Sébastien Caron verfügen die Hamburger über zwei absolute Spitzentorhüter, die sich regelmäßig zwischen den Pfosten abwechseln. Doch können sich beide tatsächlich mit dieser Konstellation arrangieren, wenn es, im Gegensatz zur letzten Saison, mal nicht so gut bei den Freezern laufen sollte?
Fazit: Die Basis ist gelegt. Mit dem erfolgreichen Stamm aus der letzten Saison plus die beiden Top-Scorer Sertich und Clark verfügen die Hamburger über eine starke Mannschaft. Wenn sie endlich den „Halbfinal-Fluch“ in den Playoffs überwinden, ist sogar die Meisterschaft drin. 

Eisbären Berlin: Die Eisbären haben ihren Kader vom letztem Jahr, mit dem bereits in den Pre-Playoffs Schluss war, nicht groß verändert. Ein Nachteil? Nein! In der Mannschaft stecken genug Spieler, die bereits eine Vielzahl von Meisterschaften eingesammelt hat. Auch im Tor wurde der in die NHL abgewanderte Rob Zepp durch den finnischen Weltmeister-Torhüter Petri Vehanen mehr als ersetzt. Ein neuer, torgefährlicher Verteidiger fehlt allerdings noch.
Schleudersitz: Trainer Jeff Tomlinson ist nach der überschaubaren letzten Saison angezählt. Nur ein Erreichen des Playoff-Halbfinales dürfte den Ansprüchen der Verantwortlichen genügen.
Fazit: Die Berliner sind stark genug, um diese Saison die direkte Playoff-Qualifikation zu schaffen. Und dann ist solch einer erfahrenen Mannschaft alles zu zutrauen… 

EHC Red Bull München: Alles wieder auf Null. Nach einem Jahr unter Ex-Trainer Pierre Pagé, das unter dem No-Position-System gespielt wurde, fängt der Liga-Krösus wieder von vorne an. Gleich elf Neuzugänge haben die Münchner geholt und krempelten damit ihre Mannschaft abermals kräftig um. Prominentester Neuzugang dürfte wohl Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf sein. Der Torjäger erzielte aber in der vergangenen Saison mit nur 35 Punkten seine schlechteste Scorer-Bilanz. Wird der Ex-Iserlohner bei einem Top-Team wieder zu alter Stärke finden?
Meistertrainer: Mit Don Jackson haben sie einen Nachfolger für den ungeliebten Pagé gefunden, der gleich fünf Meistertitel in seiner Vita zu verzeichnen hat. Doch reicht das, um aus dem EHC ein ernsthafter Meisterschaftsanwärter zu machen?
Fazit: Don Jackson weiß, wie man ein Erfolgsteam formt. Gelingt ihm dies auch in München und spielt sich die Mannschaft rechtzeitig ein, können sie eine gute Rolle in den Playoffs spielen.

 

Der erweiterte Kreis: 

Grizzly Adams Wolfsburg: Die Grizzlys haben bereits zu Saisonbeginn zehn Ausländerlizenzen vergeben. Zusammen mit den zahlreichen deutschen Akteuren ergibt sich daraus ein äußerst tiefer Kader. Der Konkurrenzdruck steigt dementsprechend. Mit Felix Brückmann (ehemals Adler Mannheim) kam ein Torhüter nach Wolfsburg, der sich durch den Wechsel mehr Spielzeit erhoffte. Just zur Zeit der Vertragsunterschrift ging der Stern von Grizzly-Goalie Sebastian Vogl auf. Wird es wie in Hamburg eine Doppellösung geben?Scharfschütze: Mit dem US-Amerikaner Nick Schaus haben die Wolfsburger einen echten Scharfschützen verpflichtet. 49 Scorerpunkte konnte er in 50 Spielen in der norwegischen Liga erzielen. Doch kann er dies auch in der DEL wiederholen?
Fazit: Qualität ist durchaus vorhanden. Kommt es aufgrund des tiefen Kaders und der angespannten Situation im Tor nicht zu internen Reibereien, können die Grizzlys ein gewichtiges Wort mitreden. 

ERC Ingolstadt: Trainer Nicklas Sundblad? Weg! Die letztjährigen Leistungsträger? Auch fast alle Weg! Der Meister musste nach seinem Überraschungscoup einen Umbruch über sich ergehen lassen. Immerhin: Mit Petr Taticek wurde ein Mann von internationaler Klasse verpflichtet. Auch Neu-Trainer Larry Huras kann bereits große Erfolge in der Schweiz nachweisen.
Machtkämpfe: Bereits in der letzten Saison gab es erhebliche Ungereimtheiten hinter den Kulissen. Man hätte sich fast selbst zerfleischt. Die Erwartungen sind im Umfeld durch den Meisterschaftserfolg enorm gestiegen.
Fazit: Bleibt es hinter den Kulissen ruhig und die neu zusammengestellte Mannschaft findet schnell in den Rhythmus, ist eine direkte Playoff-Qualifikation ein Selbstläufer. 

Thomas Sabo Ice Tigers: Nürnberg begeisterte letzte Saison mit Offensiv-Eishockey. Dabei vernachlässigten sie allerdings zu oft ihre defensiven Aufgaben. 152 Gegentore sprechen hierbei eine deutliche Sprache. Mit Nationaltorwart Jochen Reimer, der aus München kam, sowie den beiden ausländischen Verteidigern Kyle Klubertanz und Derek Joslin soll die Gegentorflut gestoppt werden. Kann im Gegenzug die letztjährige Top-Reihe um Patrick Reimer, Steve Reinprecht und Yasin Ehliz wieder ihr Potenzial abrufen?
DEL-Erfahrung: Mit acht Verteidigern und gleich 14 Stürmern mit DEL-Erfahrung sind die Ice Tigers breit aufgestellt. Mit erst sieben vergebenen Ausländerlizenzen kann während der Saison auf Ausfälle reagiert werden.
Fazit: Können die Nürnberger ihr beeindruckendes Offensiv-Eishockey auch in dieser Saison durchziehen ohne dabei ihre Defensivaufgaben zu vernachlässigen, wird man sie nach der Hauptrunde vorne wiederfinden.

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Die Puckjagd ist wieder eröffnet: Die DEL startet in die Saison 2014/2015. Foto: Koehl

Krefeld Pinguine: Die Pinguine gehören zu der Kategorie von Mannschaften, die man mal gerne Unterschätzt. Doch die Krefelder können mit diesem Underdog-Image scheinbar gut leben. Fraglich ist nur, wie der letztjährige Vorrunden-Zweite den Abgang von Torjäger Kevin Clark (33 Tore) nach Hamburg verkraftet. Reichen die Neuzugänge Tyler Beechey, Colin Long und Norman Hauner dazu aus?
Schweden-Hammer: Der schwedische Neuzugang Robin Weihager war in der DEL2 wegen seiner formidablen Offensivkraft gefürchtet. Wird er diese auch eine Etage höher ausspielen können?
Fazit: Ein zweiter Tabellenplatz wie in der vergangenen Saison wird den Pinguinen in diesem Jahr nicht noch einmal gelingen. Das Playoff-Ticket wird aber souverän gelöst.

 

Außenseiter:

Augsburg Panther: Mit Chris Mason haben die Panther einen echten NHL-Veteran für die Torhüterposition verpflichtet. Hat er das Zeug, die Augsburger alleine in die Playoffs zu führen? Auf den Sturm darf sich der Traditionsverein nämlich nicht ausschließlich verlassen. Dieser markierte, trotz acht Ausländern, nur die zehntbeste Torausbeute.
Abwehr: Mit Daryl Boyle, Rob Brown und Michael Bakos sind den Panthern wichtige Säulen in der Verteidigung weggebrochen. Mit James Bettauer und Braden Lamb sind bis jetzt nur zwei Neue für den Defensivverbund gekommen. Trainer Larry Mitchell setzt auf deutsche Spieler, die bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber unzufrieden sind und damit spät auf den Markt kommen. Ein gefährliches Spiel.
Fazit: Im Sturm und im Tor sind die Augsburger gut aufgestellt. Die momentane Abwehr veranlasst einen aber nicht gerade zu Freudensprüngen. Die Playoffs sind nur sehr schwer zu erreichen. 

Straubing Tigers: Die acht Verteidiger schafften in der vergangenen Saison insgesamt gerade einmal 13 Tore. Klar, dass darunter das Powerplay zwangsläufig leiden musste. Eine große Verbesserung war in der Vorbereitung nicht zu erkennen. Mit Blick auf die vergrößerten Angriffs- beziehungsweise Verteidigungszonen und der daraus größeren Bedeutung für das Powerplay, ist das kein gutes Zeichen für die Tigers.
Hoffnungsträger: Zu den unproduktiven Verteidigern gesellen sich auch noch schwächelnde Stürmer. Nur vier Angreifern ist es in der letzten Spielzeit gelungen zweistellig zu treffen. Neuer Hoffnungsträger ist nun Zweitliga-Top-Scorer Harrison Reed. Schafft es der neue Trainer Rob Wilson aus dem vorhandenen Spielermaterial eine funktionierende Einheit zu formen?
Fazit: Die Straubinger haben als einzige DEL-Mannschaft ihren Etat gekürzt. Eine Playoff-Teilnahme wäre eine große Überraschung. 

Iserlohn Roosters: Die Defensive war im vergangenen Jahr der Trumpf im Iserlohner Spiel. Die Systemumstellung des Trainerduos Jari Pasanen/Jamie Bartman schlug voll ein. Doch die Roosters haben einen Umbruch hinter sich. Elf neue sind gekommen, gleivhzeitig mit Michael Wolf der Anführer und Kapitän gegangen. Die Lücke, die er hinterlässt ist groß, sehr groß. Können die Roosters den Abgang auffangen?
Deutsch-Kanadier: Brooks Macek und Brent Raedeke waren zwei völlig unbekannte Deutsch-Kanadier, die in der vergangenen Saison aber voll einschlugen. Mit Dylan Wruck und Ryan Button haben die Roosters die nächsten No-Names aus der Sparte der Deutsch-Kanadier verpflichtet. Entwickelt sich bei diesen ebenfalls solch eine Erfolgstory?
Fazit: Der Weggang von Michael Wolf wird für die Roosters nicht aufzufangen sein. Dennoch bleiben sie ein aussichtsreicher Kandidat für einen Platz um Rang acht bis zehn. 

Düsseldorfer EG: DEG- Rückkehrer Travis Turnbull lockte seinen Freund Michael Davies nach Düsseldorf. Aber können die beiden einen Sturm wiederbeleben, der im Vorjahr nur 101 Tore in 52 Spielen produzierte?
Sieger-Gen: Turnbull, Jakub Ficenec, Tim Conboy und Rob Collins: Die Neuzugänge der DEG lesen sich vielversprechend. Vor allem die drei erstgenannten wurden in der vergangenen Saison mit dem ERC Ingolstadt Meister und bringen damit das Sieger-Gen nach Düsseldorf mit. Auch Rob Collins verspricht echte Qualität. Doch kann die Diva diese auch immer abrufen? An guten Tagen entscheidet Collins eine Partie im Alleingang, an schlechten schleicht er provozierend über das Eis.
Fazit: Die Neuzugänge lassen an eine bessere Zukunft für die DEG hoffen. Ob es aber gleich für die Playoffs oder Pre-Playoffs reichen wird, bleibt abzuwarten. So oder so: Den Düsseldorfer-Weg zu verfolgen wird auf jeden Fall spannend. 

Schwenninger Wild Wings: 190 Gegentore, die schlechteste Defensive der Liga. Die Zahlen lügen nicht. Die Wild Wings hielten sich mit Verstärkungen in der Defensive dennoch zurück. Nur Backup-Goalie Markus Janka und die beiden Verteidiger Rob Brown und Derek Dinger wurden verpflichtet. Wird nun alles besser?
Erwartungshaltung: Mit Kyle Greentree, Jonathan Matsumoto, MacGregor und Ashton Rome haben die Schwenniger neue Ausländer verpflichtet, die durchaus wissen, wo das Tor steht. Doch reicht das aus, um dem Sturm neue Flügel zu verleihen und den gestiegen Ansprüchen im Umfeld gerecht zu werden?
Fazit: Schwenningen wird in dieser Saison eine bessere Rolle spielen, als im Vorjahr. Für die Playoffs werden sie sich aber dennoch nicht qualifizieren.

 

Neue Regeln: 

In der DEL gelten ab dieser Saison die Regeländerungen des Eishockey-Weltverbandes: 

  • Größere Angriffszone: Die neutrale Angriffszone wird um etwas drei Meter verkleinert. Das hat zur logischen Folge, dass sich die Angriffsdrittel vergrößern. So ist die blaue Linie künftig 22,86 Meter statt bisher 21, 33 Meter von Ende der Eisfläche entfernt.
    Die Folge: Vor allem für das Powerplay wird das vergrößerte Angriffs- beziehungsweise Verteidigungsdrittel eine entscheidende Rolle spielen. Es werden mehr Schüsse auf das gegnerische Tor abgefeuert und dadurch zwangsläufig auch mehr Treffer fallen. So zumindest die graue Theorie.
  • Hybrid Icing: Künftig zieht ein Befreiungsschlag von jenseits der Mittellinie nicht mehr zwangsläufig einen Pfiff nach sich. Der Linienrichter entscheidet auf Höhe der beiden Bullypunkte in der Endzone, ob der verteidigende oder der attackierende Spieler zuerst am Puck sein wird. Ist dies der Angreifer, läuft die Partie weiter – ansonsten wird abgepfiffen.
    Die Folge: Durch die Regel soll ein längerer Spielfluss gewährleistet werden. Durch das beim Kampf um die Scheibe angeschlagene hohe Tempo, könnte es vermehrt zu (unsauberen) krachenden Checks kommen. Der Linienschiedsrichter muss bei seiner Entscheidung die Sicherheit der Spieler im Blick haben.

 

 

 

 

 

 

 

„Hockey is back“

Exakt 100 Tage nachdem die Eishockeyspieler der „National Hockey League“ (NHL) ausgesperrt wurden und es zum sogenannten „Lockout“ (wir berichteten) kam, ließen drei Worte alle Beteiligten aufatmen: „Hockey is back“- Eishockey ist zurück. Der monatelange Arbeitskampf in der besten Eishockey-Liga der Welt war Geschichte. Wichtige Details wurden geklärt, auch wenn keine der beiden Seiten, also weder die Klubbesitze, noch die Spielergewerkschaft NHLPA das bekommen hatte, was sie wollten.

Doch das war in diesem Moment nebensächlich. Für den Eishockeysport an sich ist der Beginn des Ligabetriebs von hoher Wichtigkeit. Zu sehr hätte das Image unter dem Streit eines neuen Vertrages zwischen Besitzer und Spielergewerkschaft gelitten, wäre es zu einer kompletten Spielabsage der NHL-Saison gekommen.

Doch dieser verspätete Beginn hat Folgen: Zwar wurde die Anzahl der Spieltage von ursprünglich 82 auf 48 gekürzt, doch 48 Spiele in lediglich 99 Tagen gleicht einem Mammutprogramm. Um den Vereinen größeren Reisestrapazen zu ersparen finden die Spiele nur innerhalb der Conferences (West und East) statt.

Der reguläre Spielbetrieb endet am 27. April, die Play-offs um den Stanley Cup beginnen drei Tage später. Allerletzter Play-off-Spieltag, vorausgesetzt es sollte zu einem siebten Finalspiel kommen, wäre der 21. Juni.

Der verspätete Beginn der Saison bedeutete auch gleichzeitig für die zahlreichen ausgesperrten NHL-Spieler, die sich während der Zeit des Lockouts in den europäischen Ligen tummelten, Koffer packen und nach Hause fahren. Auch den deutschen Importspielern, die den Lockout größtenteils bei ihren Heimatvereinen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verbrachten ging es da nicht anders. Klar, dass gerade die Fans, die über mehrere Wochen ein zuvor nie dagewesenes Niveau in der Liga bestaunen durften, das Verkünden des Saisonbeginns in Nordamerika mit einem weinenden Auge entgegennahmen. Doch die Freude, endlich wieder NHL-Eishockey sehen zu können überwiegt bei den betroffenen Spielern wie bei den Fans gleichermaßen.

Trotzdem gehen auch die Spieler, die in der DEL ihr Gastspiel gaben, nicht ganz ohne Wehmut. „Es war eine tolle Zeit. Die Fans in Deutschland sind super, da können sich die Amerikaner mal eine Scheibe abschneiden“, zitierte der deutsche Nationalspieler Marcel Goc (Florida Panthers), der während des Lockouts für die Adler Mannheim auf Torejagd ging, dem Eishockey-Fachmagazin „Eishockey News“ in den Block. Und auch für die Fans, die diese tolle Zeit miterleben durften, war es ein unvergessliches Vergnügen.

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Bericht über Thai-Robic und wichtige Tipps zum Workout.              

Dritter Lockout – Stars flüchten nach Europa

Seit einer Woche ist es amtlich: Der für den 11. Oktober geplante Saisonstart in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL findet an diesem Datum nicht statt. In Ringen um einen neuen Tarifvertrag zwischen der Spielergewerkschaft NHLPA und den Klubbesitzern ist die letzte Frist verstrichen und der alte Vertrag ausgelaufen. Dies hat zur Folge, dass alle Profis zum dritten Mal innerhalb von 18 Jahren von der Liga ausgesperrt werden (Lockout). Wann und wie es in der besten Eishockeyliga der Welt losgeht steht nach wie vor in den Sternen, da beide Seiten nicht von ihren Forderungen abrücken wollen.

Diese Nachricht hat in Europa zu einer regelrechten Invasion von NHL-Spielern geführt. So nahm der SC Bern mit dem 34-jährigen Verteidiger und Nationalspieler Mark Streit von den New York Islanders ein Eigengewächs auf.

Für großes Aufsehen sorgten die Vereinbarungen von Joe Thornton (San Jose Sharks) und Rick Nash (New York Rangers) mit dem HC Davos, die beide schon beim vergangenen Lockout 2004/05 für den Club spielten. Wie wertvoll die beiden Superstars sind, zeigten sie bereits beim ersten Saisonspiel. Beim 9:2-Sieg gegen die Rapperswil Lakers steuerte Nash im ersten Drittel einen Hattrick bei, Thornton glänzte mit vier Vorlagen.

Neben zahlreichen Verpflichtungen in Tschechien, Russland und Schweden von größtenteils einheimischen Importspielern, nutzte auch die Deutsche Eishockey Liga DEL die Gunst der Stunde und holte ein Teil ihrer „verlorenen Söhne“ zurück nach Deutschland.

So meldeten die Krefeld Pinguine als erstes einen spektakulären Transfer. Mit Christian Erhoff (Buffalo Sabres) kam nicht nur ein Krefelder Eigengewächs in die DEL, sondern ein waschechter Superstar noch dazu. Erhoff zählt in der NHL nicht nur zu den bestbezahltesten, sondern auch zu den besten Verteidigern der Liga.

Die Versicherungssumme des Stars beläuft sich nach Angaben der Pinguine auf 20 000 Euro pro Monat. Sie berechnet sich aus dem noch ausstehenden Gehalt Ehrhoffs in der NHL. Er wird in seinem noch bis Ende der Saison 2021 laufendem Vertrag 30 Millionen US-Dollar verdienen. Nicht nur der Aufsichtsrat der Pinguine will einen Teil finanzieren, Gelder sollen auch durch Sponsoren, Fanaktionen und Fanartikelaktionen aufgebracht werden.

Ein weiterer Transfercoup gelang den Adler Mannheim. Mit Marcel Goc (Florida Panthers) und Stanley Cup-Sieger Dennis Seidenberg (Boston Bruins) fanden zwei ehemalige Adler den Weg zurück. Für Goc, wie für Seidenberg war Mannheim eine naheliegende Option: Beide würden auf einen Bruder treffen (Nicolai Goc und Yannic Seidenberg), des Weiteren wurden beide in der Quadratestadt ausgebildet und kehren damit zu ihren Wurzeln zurück.

Der momentan vertragslose Stürmer Jochen Hecht ist ebenfalls eine Option in Mannheim. Hecht, der sich noch in Nordamerika für einen neuen Vertrag empfehlen möchte sieht sich zwar nicht unter Zeitdruck, doch für den gebürtigen Mannheimer steht die Kabinentür jederzeit offen.

Während weitere deutsche Legionäre in der DEL gehandelt werden, unter ihnen Alexander Sulzer (Buffalo Sabres) bei der Düsseldorfer EG und Thomas Greis (San José Sharks) für die Kölner Haie, sucht der aktuelle deutsche Meister Eisbären Berlin nach einem ausländischen NHL-Akteur – Ausgang offen.

Fest steht dafür die Transfersensation schlechthin: Zweitligist Crimmitschau sicherte sich die Dienste der beiden NHL-Stars Chris Stewart (St. Louis Blues) und Wayne Simmonds (Philadelphia Flyers). Eispiraten-Geschäftsführer Rene Rudorisch spricht gegenüber dem Fachblatt Eishockey NEWS stolz gar vom „Transfercoup des Jahrhunderts.“ Bereits am gestrigen Dienstag wurden die beiden 24-Jährigen, die zusammen auf 591 NHL-Spiele kommen, in Deutschland empfangen und sollen am Freitag im Derby gegen Weißwasser im Sahnpark zu sehen sein. Möglich machten die Verpflichtungen glückliche Zufälle und Sponsoren. Über die genauen Summen für Gehalt, Versicherung etc. schweigt man sich jedoch noch aus. Der Vertrag läuft vorerst über 30 Tage.

Währenddessen werden die beiden deutschen NHL-Spieler Marco Sturm (vereinslos) und Korbinian Holzer (Toronto Meapel Leafs) aus familiären und sportlichen Gründen in Nordamerika bleiben.

Neue Entwicklungen gibt es mittlerweile bei den Tarifverhandlungen. So berichtet der TV-Sender TSN auf seiner Internetseite, dass für den Montag ein Treffen in Toronto zwischen NHL und NHLPA angesetzt war, auf dem der Anteil der Einnahmen am Hockeybusiness noch einmal besprochen wurde. Allerdings handelte es sich dabei noch nicht um Verhandlungen. Beide Seiten sind aber optimistisch, dass die Verhandlungen für einen neuen Rahmentarifvertrag schon bald wieder aufgenommen werden können.

Gewinnspiel: Im Rahmen unseres zweijährigen Jubiläums verlosen wir drei Eintrittskarten für die Heidelberger Schwimmbäder. Wer teilnehmen möchte, schickt  bis einschließlich Mittwoch,17.10.2012 um 23:59 Uhr eine Email mit dem Betreff „Gewinnspiel Jubiläum“ an anja.rambacher@face2face-magazin.de. In der Mail sollten euer vollständiger Name, sowie eure Adresse enthalten sein, so dass wir euch schnellst- möglichst Bescheid sagen können. Die Gewinner werden Ende September benachrichtig.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr, ob Sebastian Vettel noch Chancen auf den WM-Titel hat.