30 Tage meditieren – ein Selbstversuch

Beginnen möchte ich mit einem Zitat des buddhistischen Mönches, Schriftstellers und Lyrikers Thich Nhat Hanh aus seinem Buch „Jeden Augenblick genießen“:

 

Während ich einatme, bin ich mir bewusst:
Ich atme ein.
Während ich ausatme, bin ich mir bewusst:
Ich atme aus.

Während ich einatme, spüre ich:
Mein Einatmen wird tiefer.
Während ich ausatme, spüre ich:
Mein Ausatmen wird länger.

Während ich einatme, beruhige ich mich.
Während ich ausatme, fühle ich mich erleichtert.

Während ich einatme, lächle ich.
Während ich ausatme, lasse ich los.

Während ich einatme, verweile ich
im gegenwärtigen Augenblick.
Während ich ausatme, fühle ich:
dies ist ein wundervoller Augenblick.

 

Die Effekte von regelmäßigem Meditieren

Sich ganz auf seinen Atem konzentrieren, tief- ein und ausatmen – dies soll Stress reduzieren und zum Beispiel vor einer Prüfungssituation beruhigen. Meditieren kann helfen langfristig besser mit Stress und schwierigen Emotionen umzugehen.  Der amerikanische Wissenschaftler und Autor Joe Dispenza geht in seinem Buch „Du bist das Placebo“ darauf ein, dass Meditation sogar die Hirnstruktur verändert, sodass Ängste überwunden werden können. Die Hirnforschung arbeitet seit Jahrzehnten daran, die Effekte der Meditation mittels Studien sowie Hirn-Scans auf den Grund zu gehen.

30 Tage meditieren - ein Selbstversuch

Meditieren: Ein Mittel zur Stressbewältigung? (Foto: T. Gartner)

Aber wenn wir auf die Wissenschaft warten, warten wir vermutlich lange. Deshalb habe ich einen Selbstversuch gestartet:  30 Tage lang habe ich mich am Meditieren versucht und möchte meine Erfahrungen nun mit euch teilen.

Woche 1

Für die erste Woche habe ich mir vorgenommen zweimal am Tag – jeweils morgens und abends – für fünf bis zehn Minuten die gängige Sitzmeditation (Zazen) aus dem Zen-Buddhismus auszuprobieren. Ich benutzte hierfür eine Meditationsapp mit integriertem Timer, die mittels Klanggeräuschen den Anfang und das Ende der Meditation signalisiert sowie jedes Sitzen einspeichert.

30 Tage meditieren - ein Selbstversuch

Die richtige Sitzhaltung: Bequem und stabil meditieren. (Foto: ©Raab, pixelio.de)

Zu Beginn jeder Meditation rollte ich meine Yoga-Matte aus und legte das Meditationskissen darauf. Wichtig ist, dass beim Sitzen eine bequeme, gerade sowie stabile Haltung eingenommen wird. Ich habe mir zusätzlich noch ein Räucherstäbchen oder eine Kerze angezündet. Das hat für mich den Effekt der Entspannung verstärkt und ist – gerade am Abend – sehr angenehm. In den ersten Minuten habe ich mich ganz auf meinen Atem konzentriert, also tief ein- und ausgeatmet und versucht, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Natürlich kamen nach den ersten Sekunden verschiedenste Gedanken auf. Entweder ich dachte an meine heutigen Tagesaufgaben (am Morgen) oder reflektierte kurz den Tag (am Abend). Hin und wieder kamen auch vergangene Ereignisse auf. Nicht nur Gedanken spielen beim Meditieren eine Rolle, sondern auch Emotionen. Wenn wir uns einmal nicht ablenken lassen, sei es durch unser Smartphone, den Fernseher oder auch Musik, kommt alles hoch, was wir sonst verdrängen. Deswegen kann es am Anfang der Meditation sehr überraschend sein, was da noch im Verborgenen schlummert.
Es ist wichtig, dass ihr die aufkommenden Gedanken und Gefühle nicht bewertet, sondern einfach nur beobachtet, was in euch vorgeht.

Loslassen von Gedanken und Emotionen

Eine gute Methode sowohl mit Gedanken, als auch mit Emotionen umzugehen, ist das Loslassen. Wenn ein störender Gedanke aufgetaucht ist, versuchte ich ihm nicht zu folgen und mich auf diese „Gedankenkette“ erst gar nicht einzulassen, sprich: einfach weiter atmen. Das klingt einfacher als es ist. Oftmals, gerade am Anfang, bin ich automatisch den aufkommenden Gedanken gefolgt und habe mich dann selbst geärgert, dass ich komplett rausgekommen bin. Gedanken gehören genauso zum Meditieren dazu wie das Loslassen und die erneute Fokussierung auf den Atem. Ihr könnt aber auch eine Art „Meditationstagebuch“ führen, sodass ihr wichtige Gedanken im Nachgang immer noch verfolgen und bearbeiten könnt. Schließlich kann es passieren, dass Gedanken, die doch ganz nützlich sind, nach der Meditation in Vergessenheit geraten und mit Hilfe eines „Meditationstagebuchs“ kann dies vermieden werden.

Es ist mir auch nicht jeden Tag gelungen den genannten Zeitraum von fast zehn Minuten durchzuhalten. Manchmal war ich so abgelenkt von meinen Gedanken oder zu angespannt, dass ich mich einfach nicht durchgehend auf die Meditation konzentrieren konnte. Aber schon wenige Minuten haben ihren Effekt und sollten nicht unterschätzt werden.

Woche 2 und 3

Während der zweiten Woche nahm ich mir vor, noch etwas länger, nämlich 15 Minuten zu meditieren. Für mich war es fast schon entspannter, wenn ich wusste, dass ich mehr Zeit zum Meditieren habe. Denn an manchen Tagen konnte ich mich nicht so schnell auf die Meditation einlassen und brauchte allein dafür schon einige Minuten. Mir fiel es wesentlich leichter zu beginnen, als während der ersten Tage und gegen Ende der zweiten Woche gewann mein Selbstversuch schon etwas mehr an Routine.

Die dritte Woche brachte schon erste Veränderungen mit sich. Durch die Meditation wird das Mitgefühl für sich, andere Menschen und allgemein die ganze Welt verstärkt. Das nahm ich auch an mir wahr. Allgemein fühlte ich mich zu der Zeit sehr verbunden mit der Welt und spürte eine tiefe Dankbarkeit, die an nichts Spezielles gebunden war. Durch die Achtsamkeit verlängert sich der Tag gefühlt, da man nicht von einem Gedanken zum nächsten springt.

Woche 4

Das Mitgefühl verstärkte sich in der vierten Woche noch mehr. Manchmal konnte ich selbst nicht verstehen, wieso ich keinem Menschen lange böse sein konnte. Anscheinend entwickelte ich gewissermaßen Verständnis für manche Verhaltensweisen. Das soll nicht heißen, dass ich vorher nicht auch empathisch war, sondern, dass sich mit Hilfe des Meditierens eine andere Art der Empathie entwickelte, die noch tiefgreifender war.
Was mich jedoch am meisten überraschte an diesem „Experiment“ war etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Normalerweise plagen mich während der Periode starke Schmerzen und ich bin sehr erschöpft und wenig leistungsfähig. Doch dieses Mal nahm ich viel weniger Schmerzen wahr und fühlte mich allgemein entspannter, besser sowie wesentlich leistungsfähiger im Alltag. Und das Einzige, das ich in dieser Zeit an meinem Alltag verändert habe, war das regelmäßige Meditieren.

Fazit meines Selbstversuches

Was nehme ich aus diesen 30 Tagen meditieren mit? Mir ist klar geworden, dass ich erst am Anfang meiner Reise stehe. Denn wirklich dauerhafte Effekte erreicht man nicht nach 30 Tagen, sondern nach monatelanger, wenn nicht sogar jahrelanger Praxis. Mich überraschte am meisten das tiefe Mitgefühl. Das erleichtert mir das Zusammenleben und Kommunizieren mit Mitmenschen sehr.
Wenn ich morgens meditiere, dann bin ich den Tag über produktiver und fokussierter. Je nachdem welche Aufgaben ich gerade bearbeite, lasse ich mich hin und wieder gerne ablenken. Doch durch die achtsame Praxis am Morgen fällt mir der Fokus auf meine Aufgaben leichter. Am Abend hilft mir das Meditieren vom Tag zu entspannen, alle Gedanken und Emotionen loszulassen, und so besser ein- und durchschlafen zu können. Weiterhin hat sich meine Kreativität gesteigert, da mir während der Meditation Lösungen für Alltagsprobleme oder Ideen eingefallen sind.
Ich konnte auch eine gewisse Erfolgskurve beobachten, denn am Anfang meines Selbstversuches fiel es mir sehr schwer auch nur fünf Minuten wirklich fokussiert auf meinen Atem zu achten. Je öfter ich meditierte, desto länger „hielt ich durch.“

Insgesamt waren die 30 Tage meditieren nur der Beginn meiner Meditationspraxis, die ich in den folgenden Monaten weiter ausbauen werde. Ich kann es nur jedem empfehlen, sich dieser simplen Entspannungsmethode hinzuwenden. Durch die Aufbereitung von belastenden Gedanken, Emotionen sowie Lebensmomenten kann Meditieren durchaus zur Stressbewältigung eingesetzt werden.
Als kleine, aber sehr wichtige Anmerkungen ist noch zu erwähnen, dass Menschen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden niemals ohne Absprache mit ihrem Therapeuten meditieren sollten. Denn, wie schon erwähnt, können verdrängte Emotionen hochkommen, die das Leiden kurzfristig verstärken können.

Fastenzeit weltweit

Derzeit ist für die Christen Fastenzeit: Im Zeitraum zwischen Aschermittwoch und Ostern verzichten sie auf Dinge, die ihnen sonst wichtig sind. Doch natürlich ist das Christentum nicht die einzige Religion, die ein Fastenritual hat. Wir haben uns umgeschaut und zeigen euch Fastenrituale aus anderen Glaubensrichtungen.

Fasten im Judentum: Nicht länger als 25 Stunden

Im Judentum gibt es verschiedene Fastenzeiten, die jedoch nie länger als 25 Stunden andauern, um die Gesundheit der Gläubigen nicht anzugreifen. Jom Kippur, der Tag der Sühne, ist der höchste Feiertag im Judentum, der traditionell im September oder Oktober begangen wird. Hier fasten die Juden den ganzen Tag. An den sieben Tage vor Pessach verzichten viele Juden auf gesäuerte Speisen. Am Abend vor Pessach essen und trinken viele Erstgeborene überhaupt nichts. Damit danken sie Gott dafür, dass sie nicht ebenso getötet wurden, wie vor mehr als 2.000 Jahren die Erstgeborenen in Ägypten. Das Esther-Fasten am Tag vor Purim erinnert daran, dass Esther in der persischen Hauptstadt Susa mit ihrem Hofstaat für die Juden fastete. Damit bat sie das Volk um Unterstützung vor dem König. Sie wollte ihn bitten, die Juden vor der Ermordung durch den Minister Haman zu retten. Weitere Fastentage sind Tischa beAw, der der Zerstörung der beiden Tempel in Jerusalem gedenkt, sowie das Gedalja-Fasten, ein Bußtag der an Gedalia ben Achikam erinnert, der nach der Zerstörung des ersten Tempels Stadthalter im Königtum Juda war.

Fasten im Islam: Fastenmonat Ramadan

Fasten gehört im Islam zu den sogenannten fünf Säulen, den Hauptpflichten eines Moslems. Die anderen Säulen sind das Glaubensbekenntnis (Shahada), fünfmaliges täglich zu vollziehendes Gebet (Salat), Abgabe an die Armen (Zakat) und eine Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch). Während des Fastenmonats Ramadan sind alle Muslime, sofern sie volljährig und körperlich fit sind, dazu angehalten, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Speisen und Getränke zu verzichten. Auch rauchen dürfen sie während dieser Zeit nicht. Zudem gibt es in dieser Zeit auch ein inneres Fasten, bei dem Muslime noch mehr als sonst darauf achten sollen, sich gut zu verhalten, also nicht Schlechtes zu reden oder etwas Verwerfliches zu tun. Neben dem Ramadan gibt es noch weitere Fastentage wie das Sühnefasten und einzelne Verzichtstage wie etwa Ashura, den zehnten Tag des ersten Monats im islamischen Kalender.

Fasten im Hinduismus: eigene Entscheidung oder politisches Symbol

Eine festgelegte Fastenzeit gibt es im Hinduismus nicht. Jedoch hat das Fasten auch hier eine große Bedeutung. Viele Hindus fasten, um ihre Seele zu reinigen, weil sie für etwas büßen wollen, um einen Segen zu erbitten oder um eine Gottheit zu ehren. Anhänger der Gottheit Shiva fasten beispielsweise an seinem Ehrentag Shivaratri. Wie lange, mit welchen Fastenritualen und auf welche Weise gefastet wird, entscheidet dabei jeder Gläubige für sich selber. Einige fasten regelmäßig, um eine Gottheit gnädig zu stimmen und Gurus beispielsweise leben über lange Zeit asketisch und verzichten auf viele Dinge.

Eine andere Art des Fastens, die im Hinduismus verbreitet ist, ist ein politisches Fasten. Vorbild vieler ist dabei Mahatma Gandhi. Durch den Verzicht auf Nahrung und die darüber erfolgte Medienberichterstattung soll auf Missstände wie Unterdrückung oder Ungerechtigkeiten hingewiesen werden.

Fastenzeit weltweit

Fasten bedeutet in vielen Religionen auch innere Einkehr zu finden (Foto: Möller)

Fasten im Buddhismus: Keine einheitlichen Fastenregeln

Buddhisten haben keine einheitlichen Fastenregeln. Viele Buddhisten beschränken sich aus praktischen Gründen auf kleine Portionen bei den Mahlzeiten, um sich besser auf ihre Meditation konzentrieren zu können. Diese funktioniert nämlich weder mit zu vollem noch mit zu leerem Magen gut. Daher essen viele Buddhisten besonders in Meditationszeiten immer gerade so viel, dass sie gesund bleiben, der Magen nicht knurrt und sie auf diese Weise entspannt meditieren können. Manche buddhistischen Nonnen und Mönche essen aus diesem Grund das ganze Jahr über nur bis zum Mittag etwas.

Konzentrier‘ dich! – Auf der Suche nach der einfachen Konzentration

Ich stelle fest, dass ich es nicht einmal schaffe, an diesem Text hier zu arbeiten, ohne von allen Seiten abgelenkt zu werden. Hier die Musik aus den Laptop-Boxen, da die rauschende Heizung… Zudem locken Facebook, Handy und Festnetztelefon. Moment, wollte ich nicht eben noch einen Tee aufsetzen?

Wenn man schon beim bloßen Schreiben am Computer nicht mehr monogam sein kann, wie sollte das dann, im größeren Kontext betrachtet, ausgerechnet im Alltag funktionieren? Liebesbeziehungen scheitern am Hang zur Polygamie, am Seitensprung nach links oder rechts, Klausuren werden aus mangelnder Konzentration heraus mit Flüchtigkeitsfehlern gespickt und überhaupt reicht uns, den von überall her Beschallten und Bestrahlten, ein einziger Fixpunkt schon lange nicht mehr aus. Um zur Ruhe zu kommen, benötigen wir Inselurlaube oder Bibliotheken – und selbst dort kann niemand garantieren, dass nicht zufällig ein Küstenwächter beziehungsweise ein röchelnd hustender Kommilitone unsere Aufmerksamkeit auf sich und vom wesentlichen fort zieht.

Konzentrier‘ dich! – Auf der Suche nach der einfachen Konzentration

Die Energien fließen lassen: Ich bin ganz bei mir. (Foto: T. Gartner)

Konzentration – der Begriff kommt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus con, was soviel heißt wie mit und centrum, zu Deutsch: Mitte. Folglich scheint mit Konzentration ein Zusammenfinden in der Mitte, optimalerweise in der eigenen, gemeint zu sein. Die besonnenen Kampfkünstler und fernöstlichen Yoga-Meister wussten schon, wovon sie da redeten: Im eigenen Körper angelangen, sein Zentrum finden, nichts als seinem Atmen lauschen und all‘ sowas. Im Selbstverteidigungskurs haben sie uns jedenfalls erzählt, der innere „Kern“ und damit der Schlüssel zur völligen Fokussierung befände sich irgendwo unterhalb des Bauchnabels. Falls hier meine mir bisweilen zu häufig abhanden kommende Konzentration gefangen gehalten wird, so will ich mich einer Darmspülung unterziehen und sehen, ob wenigstens auf diese Weise etwas mehr davon freigegeben würde.

Doch da ich nach zwei Yogastunden das Handtuch beziehungsweise die Matte geworfen habe, werden wir wohl niemals erfahren, was dieser sogenannte Kern eigentlich davon hat, sich meine hochgeschätzte Konzentration einzuverleiben. Kürzlich überkam mich allerdings noch einmal der unbändige Drang, meinem Defizit final den Kampf anzusagen. Die Waffe hieß Meditation. Radikales Vor-sich-hinatmen, Daumen und Zeigefinger zusammengeführt, denn so hat auch der dicke Buddha schon lange vor mir seinen inneren Konzentrations-Schweinehund besiegt. Mir sind unterdessen jedoch abermals wirre Gedanken durch den Kopf geschossen, Schritte im Treppenflur haben mich verleitet und so scheiterte die Mission nach nicht einmal fünf Minuten mit im Schneidersitz eingeschlafenen Beinen.

Während ich diesen Text hier zu beenden versucht habe, sind übrigens zwei Tage verflogen und unzählige SMS ein-und ausgegangen. Es ist mir weder gelungen, mich zu konzentrieren noch einen einzigen Lösungsansatz zu formulieren, der jenseits von kaltem Entzug für alle an Multimedia-Sucht Erkrankten liegt.  Ich halte das Mantra meiner alten Yogalehrerin auf jeden Fall weiterhin griffbereit und zünde mir auf meiner Suche (nach ihrer Nummer) erst einmal ein paar Räucherstäbchen an.

Vorschau:  In der nächsten Woche geht Kolumnist Sascha dem Geheimnis des „Gedankenlesens“ auf den Grund.

Der große Mentalitätencheck, Teil 1: Thailand

Wie sieht es in einem fremden Land aus? Sind Impfungen notwendig, um dorthin zu reisen? Und: Was kann man dort unternehmen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich vor Antritt einer Reise nur allzu häufig stellt. Mit eine der interessantesten Fragen ist jedoch die nach dem Verhalten der Einheimischen, ihren Bräuchen und Sitten, ihrem Umgang mit Fremden – kurzum: die Frage nach ihrer Mentalität. Im großen Mentalitätencheck stellt euch die Face2Face-Reiseredaktion daher die Bevölkerung der verschiedensten Länder der Erde und ihre individuellen Mentalitäten vor. Heute: Thailand.

„Villa Germania – forever young“ – seit Ende Mai feuert diese Doku-Soap jeden Mittwochabend ein farbenprächtiges Klischee-Feuerwerk ab: Im Mittelpunkt stehen die deutschen Auswanderer Horst und Ingo. Die beiden Rentner vergnügen sich in den Rotlichtvierteln Pattayas als gäbe es kein Morgen mehr.

Wie das Beispiel der „Villa Germania“-Protagonisten zeigt, geraten neben dem unbestreitbar vorhandenen Sextourismus andere Wesenszüge Thailands oftmals völlig ins Hintertreffen. Dieser Artikel soll daher aufzeigen wie sehens- und liebenswert Thailands Bewohner abseits des Rotlichtmilieu sind.

Der große Mentalitätencheck, Teil 1: Thailand

Immer ein Lächeln auf den Lippen: Die Thailänder (Foto: T. Gartner)

Thailand – das Land des Lächelns. Keine Beschreibung könnte es treffender formulieren. Ob es der Kellner im Restaurant ist, der etwas aufdringliche Straßenverkäufer, der Hotelangestellte, der Zollbeamte – alle bringen sie ihrem Gegenüber das einladendste Lächeln entgegen. Gastfreundlichkeit und Höflichkeit werden in Thailand großgeschrieben. Als Deutscher kommt man sich tatsächlich vor als befände man sich in einem Paradies der Zwischenmenschlichkeit. Bestes Beispiel: Das Speisen im Restaurant. Keine launige, unfreundliche Bedienung, niemals langes Warten auf Essen oder Bezahlen, selbst die Getränke werden ohne Aufforderung und stets mit einem Lächeln nachgeschenkt.

Obwohl der Lebensstandard der Thai auf uns Deutsche unterdurchschnittlich wirken mag – die Kellner im Restaurant erhalten oftmals keinen festen Arbeitslohn, sondern überleben nur mittels Trinkgeld – so erscheinen doch die wenigsten der Einheimischen unglücklich oder resigniert. Selbst Bettler scheint es kaum mehr zu geben als hierzulande.

Die Mentalität der Thai spiegelt sich auch in ihrer Religion – der wahrscheinlich tolerantesten Glaubensrichtung der Erde – wider. Über 90 % der Thailänder gehören der buddhistischen Glaubenslehre an. Tempel werden als Zeichen der Demut meistens barfuß betreten (Anm. d. Red.: Meist ist ein entsprechendes Hinweisschild vor dem Tempel positioniert), bei Frauen gelten weitere Regeln: Sie dürfen buddhistische Mönche und Priester nicht berühren oder ihnen etwas übergeben. Möchte eine Frau einem Mönch etwas reichen, so kann dieser es in einem Taschentuch oder seiner Robe, also durch eine indirekte Berührung, entgegennehmen, oder aber ein Mann reicht die Gabe weiter.

Der große Mentalitätencheck, Teil 1: Thailand

Kurios: Um nicht noch brauner zu werden, verdecken die Thai selbst in der prallen Sonne am Strand möglichst viel ihrer Haut (Foto: T. Gartner)

Eine weitere Kuriosität für uns Deutsche ist der Wunsch der thailändischen Frauen sich eine blasse Hautfarbe zu erhalten. Verzückte Ausrufe beim Blick unter die weiße Achsel einer Nicht-Thailänderin während einer Massage sind keine Seltenheit. Während sich die jungen Frauen hierzulande mehrmals pro Woche einen Solariumbesuch gönnen, wickeln sich die Thailänderinnen bei mindestens 30 Grad im Schatten in Tücher, tragen Hüte, Handschuhe und Sonnenbrillen, um ihre Haut vor den UV-Strahlen zu schützen. Angeblich machen in Thailand Produkte mit Bleicheffekt im Bereich der Gesichtspflege mehr als 60 Prozent des Umsatzes der Kosmetikindustrie aus.

Die Gelassenheit und Zuversicht der thailändischen Bevölkerung sollte auch von Touristen gewahrt werden: Aggressivität und Wutausbrüche werden – übrigens ebenso wie die Benutzung eines Messers (Anm. d. Red.: In Hotels gibt es selbstverständlich trotzdem Messer, in außerhalb liegenden Restaurants jedoch eher selten) – als Akt der Feindseligkeit empfunden.

Der große Mentalitätencheck, Teil 1: Thailand

Genießt Respekt und Hochachtung in Thailand: Der Buddhismus (Foto: T. Gartner)

Neben Buddha genießt das thailändische Königshaus höchste Verehrung und Hochachtung durch die Bevölkerung. Kritik – erst recht durch Ausländer – wird daher nicht gerne gesehen.

Das Englisch der thailändischen Bevölkerung ist für uns Deutsche meist schwer verständlich. Immer mal wieder gibt es aber auch Thai, die sich die deutsche Sprache auf eigene Faust beibringen – ein weiteres Zeichen ihrer Gastfreundlichkeit.

Schlussendlich noch eine kulturelle Geste, welche die Mentalität der Thai mehr als alles vorher Genannte widerspiegelt: Der Wai. Der Wai ist der thailändische Gruß und ein Zeichen des Respekts, den der Grüßende seinem Gegenüber entgegenbringt. Hierbei werden die Handflächen aneinandergelegt und der Kopf geneigt. Mit dem Wai geht meist das Wort „Sawad-di“ einher, was einen guten Wunsch, wie bei uns vergleichsweise „Guten Morgen“ oder „Guten Abend“, ausdrücken soll. Gibt ein Thai einem Touristen einen Wai, sollte dieser ihn als Zeichen des Respekts und der Höflichkeit erwidern.

In diesem Gruß, dem Wai, vereint sich die Mentalität der Thai: Gastfreundlichkeit, Höflichkeit und respektvolle Zurückhaltung.

Mehr über die thailändische Insel Koh Samui lest ihr HIER.

Vorschau: In zwei Wochen geht es direkt weiter mit dem nächsten Teil der Mentalitätencheck-Serie. Am Dienstag, 3. Juli erfahrt ihr mehr über Rumänien.