Blogger-Koller – als Buchbloggerin auf der Buchmesse

Was für Autonarren die IAA, für Spielsüchtige die Gamescon und Technikliebhaber die IFA ist für Bibliophile die Buchmesse in Frankfurt. Dieses Jahr konnte die Frankfurter Buchmesse nicht nur ein Plus von zwei Prozent bei den Besuchern vermelden, sondern zum ersten Mal war auch ich dabei – als Buchbloggerin. Das schöne ist, dass ich so ein Fachticket bekommen habe und an jedem der Messetage hätte durch die Hallen schlendern können. Das Leben neben dem Blog hat es mir dann aber doch nur am Samstag möglich gemacht.

Ach auf der Buchmesse zu finden: Blogger für Flüchtlinge (Foto: Blogger für Flüchtlinge)

Ach auf der Buchmesse zu finden: Blogger für Flüchtlinge (Foto: Blogger für Flüchtlinge)

Irgendwo zwischen Fachbesucher der ersten Liga und buchtrunkenen Besuchern liegen wir, die Blogger. Mit einer Akkreditierung bei der Pressestelle der Messe, die mit einem gut geführten Blog kein Problem ist, gibt es die Fachkarte. Doch Reinzukommen ist die leichteste Übung. Dann ist Organisationstalent gefragt, denn ein bisschen was soll ja auch für den Blog abfallen. Viele führen Interviews, lassen sich mit Autoren fotografieren und suchen nach neuen Rezensionsexemplaren. Auch immer ein Thema auf der Buchmesse: Blogger für Flüchtlinge. Eine Aktion, bei der Blogger auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen, Geld sammeln und die Flüchtlingshilfe in den Fokus stellen.

Blogger trifft Autor: Unsere Kolumnistin mit Autorin Sonja Rüther (Foto: Obermann)

Blogger trifft Autor: Unsere Kolumnistin mit Autorin Sonja Rüther (Foto: Obermann)

Ich habe am Samstag erst mal das Bloggerfrühstück des dotbooks Verlags besucht. Der hatte mich im August zur Bloggerin des Monats ernannt, wodurch dann auch meine Fahrtkosten zur Buchmesse und wieder zurück erledigt waren. Beim Bloggerfrühstück selbst gab es dann nicht nur Verpflegung und die Möglichkeit gleich mehrere Autoren kennenzulernen, sondern auch gut gefüllte Tüten mit dem Verlagslogo. Damit war uns die Aufmerksamkeit schon einmal sicher. Schon blieben die ersten stehen und fragten verschmitzt, wie sie denn auch so einen Beutel bekommen könnten. Doch hier hieß es: Nur für geladene Gäste. Immerhin hat sich der Pressevorteil gelohnt, denn neben allerlei Kleinigkeiten vom Verlag und einem Smoothie von Skoobe mit Testzugang gab es auch ein Buch vom Aufbau-Verlag, der dieses Jahr beim Bloggerfrühstück mit dabei war.

Beutel für Blogger: lovelybooks hatte einen Berg für seine Mitglieder gerichtet (Foto: Obermann)

Beutel für Blogger: lovelybooks hatte einen Berg für seine Mitglieder gerichtet (Foto: Obermann)

Doch wer jetzt denkt, die Blogger griffen einfach nur ab, der hat sich noch nie mit der Arbeit um einen Blog auseinandergesetzt. Buchblogger beispielsweise lesen und rezensieren, sie machen also Werbung für die Bücher, oft auf mehreren Ebenen, weil sie in verschiedenen Netzwerken ihre Rezensionen zusätzlich einstellen, um untereinander besser in Kontakt zu bleiben. Eines dieser Netzwerke ist lovelybooks, bei dem ich am Samstag auf dem Bloggertreffen war. Ein ziemlich chaotisches Unterfangen. Eine richtige Bloggermeute quetschte sich vor dem Stand. Bald hatte sie nicht nur Schaulustige angelockt, sondern auch solche, die ahnten, dass es da noch etwas geben musste. Denn auch hier wurden Taschen mit Lesezeichen, Leseproben und Büchern ausgegeben. Nach einer halben Stunde war der Berg an Beuteln fort und ich bin mir ziemlich sicher, dass hier nicht nur lovelybooks-Mitglieder beschenkt wurden. Das ist dann für alle ärgerlich, die sich angemeldet hatten, aber leer ausgegangen sind.

Quetschgefahr: Die vielen Blogger auf der Buchmesse (Foto: Obermann)

Quetschgefahr: Die vielen Blogger auf der Buchmesse (Foto: Obermann)

Viele Bloggertreffen fanden aber schon vor dem Öffnen der Messe für die privaten Besucher statt. Immerhin ist es dann noch nicht so voll und die Neugierde der Fachbesucher hält sich etwas in Grenzen. Mein restlicher Messetag war dann fast schon geprägt vom Verteilen meiner Blog-Visitenkarten für Pressekontakte und Gewinnspielvorbereitungen. Noch ein paar Rezensionsexemplare fanden den Weg in meine Tasche, dutzende Kataloge habe ich mitgenommen, mit gefühlten hundert Pressemenschen gesprochen. Schön war aber, immer wieder andere Blogger zu treffen. Die, die mit mir beim Bloggertreffen fast zerquetscht worden wären, die, die ich beim Vorbeigehen an ihren Taschen und Presseschildern erkannt habe. Eine Subkultur, die immer wichtiger wird. Immerhin beschäftigt die Diskussion, ob Blogger „nur“ Rezensenten oder „auch“ Kritiker sind immer wieder die Fachwelt. Karla Paul, die mit dem Blog Buchkolumne mittlerweile Eingang in Funk und TV gefunden hat, ist ein Paradebeispiel, dass Buchblogger durchaus Fachleute sind. Ein Status, den auch die Buchmesse uns durch die Fachbesuchertickets verleiht.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anne über das Reisen als Berufung.

Leipziger Buchmesse 2015 – ein Resümee

Leipziger Buchmesse 2015 (Foto: Frances Teuchert)

Großer Ansturm: An allen vier Messetagen auf der Leipziger Buchmesse 2015 (Foto: Teuchert)

 

Die Leipziger Messe gehört zu den zehn führenden deutschen Messegesellschaften und den Top 50 weltweit. Als einer der ältesten Messeplätze der Welt feiert sie 2015 das Jubiläum „850 Jahre Leipziger Messen“.

Zur Leipziger Buchmesse und Europas größten Lesefest „Leipzig liest“ strömten in diesem Jahr 251.000 Besucher (2014: 237.000), davon waren 186.000 Besucher (2014: 175.000) auf dem Leipziger Messegelände.

 

Dieses Jahr kamen 251.000 Besucher auf die Leipziger Buchmesse. (Foto: Frances Teuchert)

Besucherrekord: Dieses Jahr kamen 251.000 Besucher auf die Leipziger Buchmesse (Foto: Teuchert)

 

Von Donnerstag 12. März bis Sonntag 15. März wurden insgesamt über 3.200 Veranstaltungen an 410 verschiedenen Leseorten angeboten. „In Leipzig wird Literatur zum Gemeinschaftserlebnis“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse.

 

Leipzig liest (Foto: Frances Teuchert)

Europas größtes Lesefest: Leipzig liest (Foto: Teuchert)

 

Der Preis der Leipziger Buchmesse ging dieses Jahr an Jan Wagner, Philipp Ther und Mirjam Pressler.

„Dieser Preis ist ein Gedicht“ titelte eine Tageszeitung nach der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik an den Lyriker Jan Wagner für sein Werk „Regentonnenvariationen“.

Erstmals in der Geschichte des Preises der Leipziger Buchmesse wurde der Preis für einen Lyrikband vergeben. Der Preis in der Kategorie Sachbuch ging an Philipp Ther für sein Buch „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa“. Mit dem Preis in der Kategorie Übersetzung zeichnete die siebenköpfige Jury Mirjam Pressler für die Übersetzung von Amos Oz jüngstem Buch „Judas“ aus.

 

Israel - Deutschland

Israel – Deutschland Messeschwerpunkt: Israel – Deutschland 50 Jahre (Foto: Teuchert)

Der diesjährige Fokus der Buchmesse lag dabei auf dem Thema: „1965 bis 2015 – Deutschland – Israel“. Bereits seit 50 Jahren bestehen deutsch-israelische diplomatische Beziehungen. 40 Autoren beider Länder kamen bei 74 Veranstaltungen zu Wort. Die Leipziger Buchmesse wie auch die Stadt Leipzig unterstützten das vielfältige Programm. Der Botschafter des Staates Israel in Deutschland – Yakov Hadas-Handelsman, sagte: „Der kulturelle Austausch ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Beziehung zwischen Israel und Deutschland. Die Buchmesse hat dies bewiesen.“ Die israelische Literatur und somit auch die israelische Kultur konnte auf diese Weise den Menschen ein Stück weit näher gebracht werden.

 

 

Manga Comic Convention

Manga Comic Convention: 93.000 Besucher tauchten in die fantasievolle Welt der Manga, Comic, Anime und Cosplay ein (Foto: Teuchert)

 

Besonders erfreulich war es neben den 2.263 Ausstellern auch viele Jugendliche und Kinder auf der Buchmesse zu sehen. Hingegen aller Prognosen Bücher wären inzwischen out und die heutige Generation würde sich für Bücher nicht mehr interessieren. Insgesamt wurden 93.000 junge Besucher gezählt, 4.000 Besucher mehr als noch im Vorjahr.

In Halle 1 fand zum zweiten Mal die Manga-Comic-Convention statt. Sie präsentierte eine fantasievolle Welt zwischen Manga, Comic, Anime und Cosplay. Zeichner wie Chaco Abeno, Takeshi Obata oder Tatsuya Ihara und Mayu Sakai oder Vicki und Bob Scott lockten das Publikum ebenso wie Serban Cristescu und Miguel Díaz Vizoso in Scharen nach Leipzig. Erstmals öffnete auch ein eigener Gamesroom, wo Besucher an 15 Konsolen die neuesten Spiele testen konnten.

 

Manga Fans (Foto: Frances Teuchert)

Kreativ: Manga Fans auf der Buchmesse in Leipzig (Foto: Teuchert)

Dimitrios Charistes, CROSS CULT ℅ AMIGO GRAFIK GbR, aus Ludwigsburg: „Wir wollen Comics verstärkt in den Buchhandel bringen und sind deshalb auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Das Konzept funktioniert gut. Hinzu kommt, dass sich Comics mittlerweile als Mainstream in Deutschland etablieren. Mit Angeboten für die Altersgruppe von 4 bis 80 Jahren begleiten unsere Produkte die Kunden im besten Fall durch das gesamte Leben. Die thematische Bandbreite ist dabei sehr groß – reicht von historisch bis hin zu gesellschaftskritisch – und umfasst die Bereiche Science Fiction, Fantasy, Horror, Kids sowie Humor.

Starkes Interesse besteht bei den Lesern an einer E-Book-Flatrate, dies bestätigte auch Veronika von Bredow, PR-Managerin, skoobe, aus München: „Wir beobachten, dass das E-Book immer mehr seinen festen Platz bei den Lesefreunden gefunden hat und keinesfalls das gedruckte Buch verdrängt. Unsere Kunden lesen klassische und digitale Bücher. Das hat auch die Leipziger Buchmesse gezeigt. Die Besucher des Standes waren sehr interessiert an unserer E-Book-Flatrate. Vor allem die Funktionsweise und die Nutzungsbedingungen wurden nachgefragt.“

Die Buchbranche begegnet der Digitalisierung optimistisch und zuversichtlich. So wurden beispielsweise Gutscheine für den Kauf des E-Readers tolino shine oder tolino vision 2 an die Besucher verteilt.

Wer im nächsten Jahr zur Leipziger Buchmesse gehen möchte, kann vom 17. bis 20. März 2016 vorbeischauen.

Frankfurter Buchmesse 2013

Der Deutsche Buchpreis wird Ende Oktober verliehen – in jedem Jahr ist dies auch der Zeitraum, in dem die Frankfurter Buchmesse stattfindet. Für Erstbesucher ist dieses Event trotz intensiver Vorbereitung, was man denn unbedingt ansehen möchte, eine Wucht.

Unzählige Verlage stellen ihre Werke vor, es gibt Live-Talks mit Literaturkritikern und Autoren, Poetry Slams, Vorlesungen, Führungen … Die Planung? Wird bei diesem riesigen Angebot schnell über den Haufen geworfen. Bei dem vorherrschenden Überangebot bräuchte man mindestens drei Tage, um sich alles komplett mit der Aufmerksamkeit, die die Aussteller und Autoren verdient hätten, anzuschauen.

Die Messe ist nach Hallen aufgeteilt. Diese wiederum in Stockwerke. Aufgrund von Zeitmangel war es mir leider nicht möglich, jede Halle zu besuchen. In Halle 4.1 hatten viele unabhängige Verlage die Möglichkeit, die Werke ihrer Autoren auszustellen. Die meisten dieser Kleinverlage hatten sich auf bestimmte Themengebiete spezialisiert. So fanden sich zum Beispiel bei einem Verlag nur Bücher von weiblichen Autoren, die über Frauengeschichten schrieben. Andere Verlage wiederum boten Bildbände von außergewöhnlichen Tattoos an, auch zu sehen waren rein wissenschaftliche Verlage, die sich mit der deutschen Geschichte befassten.

Außerdem gab es wie im letzten Jahr einige Ausstellungsstücke aus dem Gutenberg-Museum aus Mainz zu bestaunen. Ein in mittelalterlicher Kluft gekleideter Herr erklärte die Funktion einer Buchpresse, außerdem hatte man die Möglichkeit, mit Farbrollen selbst etwas herzustellen.

In Halle 4.0 präsentierten viele verschiedene Hersteller ihre E-Reader-Modelle. Die Prognose einer Besucherin am Stand von Sony war jedoch: „Ich glaube, diese E-Reader werden gebundene Bücher niemals komplett ablösen. Dieses Gefühl, ein neues Buch zum ersten Mal in die Hand zu nehmen, die Seiten durchzublättern und den Geruch von Abenteuern zu riechen, ist nicht zu vergleichen.“ Außerdem gab es in dieser Halle vor allem die Möglichkeit, den Verlagshandel voran zu treiben. Viele Anbieter stellten ihre Autorenprogramme vor.

Die beliebteste Halle war wohl Nummer 3.0. Hier stellten die meisten Großverlage ihre aktuell veröffentlichten Werke vor. Heyne, Carlsen, Fischer, Langenscheidt und viele mehr, vor allem Kinder- und Jugendbücher wurden hier gezeigt. Auch verschiedene Comic-Verlage präsentierten Neuausgaben.

Das Gastland der diesjährigen Buchmesse war Brasilien. In einigen Lesungen wurde über die aktuelle politische Situation in Brasilien gesprochen. Ein besonderes Highlight waren fast 30 aufgespannte Hängematten, auf denen die Besucher die Möglichkeit hatten, sich kurz zu entspannen und dabei brasilianische Volkslieder über Kopfhörer zu hören, die parallel auf einem Monitor übersetzt wurden.

Das Fazit am Ende des Messetages: schmerzende Füße, eine Tasche voller Give-Aways – und der Vorsatz, in nächster Zeit viel zu viele Bücher zu kaufen.

Vorschau: Nächste Woche erscheint eine Buchrezension zur Neuerscheinung „Der Klub der Ungeliebten“

Die Frankfurter Buchmesse

Eine 63-jährige Tradition, fünf Tage, über 7000 Aussteller, mehr als 3.200 Lesungen, Preisverleihungen und Autogrammstunden – auch dieses Jahr öffnete die Frankfurter Buchmesse wieder ihre Tore.

Von Donnerstag, 10. bis Sonntag, 14. Oktober stand die Buchmesse unter dem Motto „bevor es bei euch hell wird“, thematisch angeknüpft an das diesjährige Gastland Neuseeland. Die Face2Face-Mitarbeiterinnen Vanessa Betz und Nadine Schwalb waren für euch vor Ort, um heute ein paar der Highlights vorzustellen.

 

Die Frankfurter Buchmesse

Lächeln für das Pressefoto: Die glücklichen Platzierten Stefan Wirkus und Stephan Rürup und zwei Jurymitglieder präsentieren stolz den gewonnen Bembel. (Foto: Schwalb)

Beim Gang durch die Kinder- und Jugendbuchhalle erregte die Verleihung des diesjährigen deutschen Cartoonpreises unsere Aufmerksamkeit. Passend zum diesjährigen Motto „Du bist nicht allein“ wurden über 400 Cartoons von kreativen Köpfen eingeschickt. In der Kategorie der Aufsteiger, die bisher noch kein eigenes Buch herausgebracht haben, kürte die Jury Stefan Wirkus zum Sieger.

Innerhalb der Autoren, von denen bereits ein eigenes Buch erschienen ist, machte Peter Zimmer alias SOBE mit seinem Cartoon das Rennen. Leider war er nicht anwesend, um seinen Preis persönlich entgegen zu nehmen. Dafür amüsierte der drittplatzierte Cartoonist Stephan Rürup das Publikum mit seiner Dankesrede, in der er ausführlich und mit ironischem Unterton die zukünftige Benutzung seiner Preises schilderte. Er gewann einen Bembel, ein traditionelles, südhessisches Gefäß zum Ausschenken von Apfelwein.

Die Frankfurter Buchmesse

Auch für die kleinsten Besucher gibt es einiges zu sehen: „Herr Wolke“ stellt sein neues Kinderbuch anschaulich vor. (Foto: Schwalb)

Doch neben Cartoons für Erwachsene hat die Kinder- und Jugendbuchhalle auch für die kleinsten Besucher einiges zu bieten: Am Stand von Kinderbuchautor Rolf Barth haben sich mehrere Kinder versammelt und starren begeistert auf „Herr Wolke“, der leidenschaftlich und kindgerecht aus einem Abenteuerbuch der Reihe „Herr Wolke und sein Freund Alfons“ vorlas.

 Weiter ging es durch die beinahe unübersichtliche Vielfalt der Frankfurter Buchmesse in die Abteilung der Literatur- und Sachbücher, in der viele Neuerscheinungen wie Ken Follets „Winter der Welt“ oder Elisabeth Georges „Believing the Lie“ vorgestellt wurden.

Beim Warten auf den Beginn der Lesung von Gerhart Hauptmanns „Begegnung mit seiner Insel“ kommen wir mit den Autoren Alina Stoica und Alfred Wallon ins Gespräch und tauschen uns mit den langjährigen Besuchern der Buchmesse über unsere ersten Erfahrungen aus. Die beiden bestätigen unseren Eindruck, dass zwischen Ausstellern und Interessierten leider eine große Distanz herrscht. Es scheint so, als würden nur Personen mit geschäftlichen Anliegen umgehend betreut, während den „Normalbürger“ ein intensives Gespräch bei köstlichen Snacks hinter dem Ladentisch verwehrt bleibt. Man bekommt nur wenig Chancen, den Autor oder die Aussteller selbst kennen zu lernen, sondern verbleibt leider – mit der Theke als Trennwand – auf einer unpersönlichen und oft wenig herzlichen Ebene.

Die Lesung der Herausgeberin von Gerhart Hauptmanns Werk fiel leider ohne Stellungnahme aus.

Die Frankfurter Buchmesse

Sollte Autoren stutzig werden lassen: Die Aufforderung, Manuskripte am Stand abzugeben. Es könnte sich um einen „Abzockerverlag“ handeln. (Foto: Schwalb)

Im Gegenzug hatten wir dafür mehr Zeit, uns auf der Messe genauer umzusehen und stießen auf etwas weitaus Interessanteres: ominöse Schilder mit der Aufschrift „Autoren gesucht“ oder „Wir nehmen ihre Manuskripte gerne an“ brachten uns zum Stutzen. Über „Insiderinfos“ eines Autors, der anonym bleiben möchte, erfuhren wir, dass es sich hierbei oft um „Abzockerverlage“ handelt, die den Autoren große Mengen ihres Eigenkapitals abknöpfen, um den Druck ihres Werks zu ermöglichen. Der Verlag kümmert sich danach jedoch nicht um die Vermarktung oder den Verkauf des Buches, sondern spekuliert darauf, sich vom Autor später, für einen geringen Betrag, dessen Werke abkaufen zu lassen.

Unser Weg führt uns weiter durch die Hallen der Buchmesse und somit auch zum Stand des Gutenberg-Museums Mainz. Die herzliche Betreuung an diesem Stand konnte unsere Meinung zu der fehlenden Interaktion zwischen Besucher und Aussteller wieder etwas zerstreuen.

Dort hatte man halbstündlich die Möglichkeit, einem Druck mit einem rekonstruierten Nachbau der historischen Gutenberg-Presse, beizuwohnen.

Zudem konnte man mit Farbrollen, unter Anleitung der ausgesprochen freundlichen und kompetenten Mitarbeiterinnen, ein eigenes Kunstwerk kreieren.

Die Frankfurter Buchmesse

Zeigt Face2Face stolz ihr Kunstwerk: Christina Müller war selbst schon in Neuseeland und findet das Motto ist gut umgesetzt. (Foto: Schwalb)

Dort trafen wir auch die 27-jährige Christina Müller, die sich als langjährige Besucherin der Frankfurter Buchmesse bekannte. „I ch habe vier Monate in Neuseeland verbracht und bin der Meinung, wenn man einmal dort war, möchte man nie wieder weg. Die diesjährige Buchmesse mit dem Gastland Neuseeland ist für mich daher etwas ganz besonderes und ich finde das Thema Neuseeland lässt sich gut mit der Literatur und den vielseitigen Darbietungen vereinen.“

Trotz der aus der Größe der Veranstaltung resultierenden Unübersichtlichkeit und der oftmaligen Distanz zu den Ausstellern, ziehen wir ein positives Fazit aus der Frankfurter Buchmesse 2012. Auch die 65-jährig e Rentnerin Agnes Bormann kann dem nur zustimmen: „Die diesjährige Buchmesse hat mir sehr gut gefallen. Die letzten Jahre war ich immer als Buchhändlerin hier zugegen, was sich meistens als sehr stressig erwiesen hat. Dieses Jahr konnte ich endlich entspannt zu Lesungen und Interviews gehen oder einfach mal ein paar Minuten in einem Buch blättern.“

Den Abschluss der Messe bildete am Sonntag die symbolische Übergabe der Gastrolle an das Land Brasilien, welches sich nächstes Jahr mit seiner kulturellen Vielfalt auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren wird.

Vorschau: Nächste Woche erscheint hier ein Artikel über den Wahlkampf in den USA.

 

Preview: Oktober 2012

Die Tage werden kürzer und kälter – auf den Ideenreichtum der Face2Face-Redaktion hat das jedoch keinerlei Auswirkung. Dass der Herbst uns gar nichts kann, zeigt die Artikelvielfalt des Monats September: Unsere Sport-Redaktion befasste sich mit der Frage, ob Erfolg käuflich ist, in der Reiserubrik stand Kroatien zum Mentalitätencheck auf dem Prüfstand und die europäische Bankenaufsicht wurde von der Wirtschaft&Politik-Redaktion unter die Lupe genommen.

Außerdem prägten gleich zwei besondere Events den September bei Face2Face: Zum einen feierte das Online-Magazin sein zweijähriges Bestehen und beschenkte seine Leser fleißig (einige der Gewinnspiel laufen übrigens noch wenige Tage – also nutzt eure Chance!) und zum anderen richteten einige unserer Redakteure einen Seifenblasenflashmob in Mannheim aus, über den wir selbstverständlich aus erster Hand berichteten.

Auch im Oktober soll es wieder rund gehen: Nachdem die Kolumnen-Redaktion anlässlich des zweijährigen Jubiläums ein tolles Kolibri-Wandtattoo verlost hat, testet sie nun selbst die hübsche Wanddekoration und wird ihre Erfahrungen mit den Face2Face-Lesern teilen. Die Mode-Redaktion berichtet über Deutschlands It-Girl Nummer 1, Bonnie Strange, und Eva Helms, Teilnehmerin des Ironman auf Hawaii, steht der Sport-Redaktion im Interview Rede und Antwort.

Die Panorama-Redaktion wird die neue Datingplattform betterdate, bei der sich Frauen ihren Traummann zusammenstellen und diesen „einkaufen“ können, kritisch betrachten, in der Tier&Umwelt-Rubrik erwartet den Face2Face-Leser eine Auflistung der 100 am stärksten bedrohten Arten und in der Reiserubrik führt uns ein weiterer Teil der Mentalitätencheck-Serie nach Ägypten.

Die Tipps&Tricks-Redaktion liefert praktische Ratschläge zum Thema BaFög und als besonderes Highlight berichten zwei Mitarbeiterinnen der FilmKunstKultur-Redaktion exklusiv von der Frankfurter Buchmesse – nicht verpassen!

Gewinnspiele:

Noch bis heute Nacht, 23:59 Uhr könnt ihr mithilfe der Tipps&Tricks-Redaktion eine Kochbox mit 333 Rezepten gewinnen. Was ihr dafür tun müsst, lest ihr HIER.

Das Gewinnspiel der Sport-Rubrik anlässlich des zweijährigen Jubiläums wird außerdem um zwei Wochen verlängert. Wenn ihr also Interesse an einer von drei Eintrittskarten für die Heidelberger Schwimmbäder habt, dann schreibt bis einschließlich Mittwoch, 17. Oktober, 23:59Uhr eine E-Mail mit dem Betreff „Gewinnspiel Jubiläum“ an anja.rambacher@face2face-magazin.de – die Sport-Redaktion drückt allen Teilnehmern die Daumen!

 

„Wir können selbst die Veränderung sein, die wir auf der Welt sehen wollen“ – ein Interview mit Autor Christian Vagedes

Christian Vagedes ist Autor, Designer und Vorsitzender der Veganen Gesellschaft Deutschland e.V. Mit seinem Buch „veg:up – die veganisierung der welt“ liefert er Antworten auf Fragen wie warum Menschen bislang noch immer nichtvegane, konventionelle Produkte konsumieren, obwohl die negativen Folgen längst bekannt sind. Vagedes sprach mit Face2Face unter anderem über Fastfood, Lebensweisheiten und seinen Erfolg.

„Wir können selbst die Veränderung sein, die wir auf der Welt sehen wollen“ – ein Interview mit Autor Christian Vagedes

Christian Vagedes: Autor des Buches „veg:up – die verganiserung der welt“ (Foto: Jenowein)

Face2Face: Bereits einige Wochen nach dem Erscheinungstermin ihres Buches gab es Anfragen zur Übersetzung aus Polen und Amerika – wie erklären Sie sich diesen nachhaltigen Erfolg? War das für sie überraschend oder haben Sie das erahnen können?
Vagedes: Das Interesse am Thema vegan ist weltweit enorm und wird immer größer. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Lösungsmöglichkeiten die Veganisierung unserem Planeten bietet.

Face2Face: Ihr Buch besteht zu 100 Prozent aus veganen Materialien. Gab es bis zur endgültigen Fertigstellung Momente, in denen Sie glaubten, dass es so in der Praxis doch nicht umsetzbar sei?
Vagedes: Das hat mir schlaflose Nächte bereitet. Eine der größten Buchdruckereien meinte definitiv, dass es ganz vegan nicht gehen würde. Mit viel Recherchieren, Herumprobieren und Querdenken ging es dann letztendlich doch.

Face2Face: Sie schreiben in ihrem Buch, dass die Veganisierung der Menschheit die Lösung für all unsere Probleme ist. Wie erklären Sie demnach einem Teenager, der sich genüsslich von Fastfood ernährt, Ihre Lebenstheorie?
Vagedes: Ich sage nicht, dass die Veganisierung das Allheilmittel schlechthin sei, aber eine der wichtigsten Lösungsansätze für viele Herausforderungen. Man denke nur an die Welternährungsgerechtigkeit, den Regenwald, die Weltmeere, die Trinkwasserreserven, das Klima, die gequälten Tiere. Und die Teenager könnten auch veganes Fastfood genießen, ich beispielsweise esse es manchmal selbst gern.

Face2Face: Ihr Buch wird in mehreren Bestsellerlisten geführt. Wie kommt ein Designer dazu ein Buch zu schreiben, das sich mit einem globalen Thema befasst?
Vagedes: Irgendwann hat es „klick“ gemacht und ich dachte: das beste Design für die Welt besteht darin, etwas zu fördern, was wir wirklich beeinflussen können. Mit der Veganisierung haben wir etwas selbst in der Hand, mit dem wir heilend auf den Planeten einwirken können.

Face2Face: Viele junge aber auch ältere Menschen gehen zurzeit auf die Straße und protestieren. Wie stehen Sie zu den aktuellen Occupy-Bewegungen und den herrschenden Krisen? Gibt es für diese Probleme vielleicht auch einen veganen Lösungsansatz?
Vagedes: Wie ich hörte sehen viele Menschen in dieser Bewegung auch die Tierrechte und vegan als wichtig an. Die Welt ist gerade in einem Umbruch. Wir müssen alle lernen neu zu denken, aber dazu gehören alle Bereiche, die die Menschheit betreffen. Einseitige Schuldzuweisungen sollten gemeinsam erarbeiteten Lösungen weichen. Wir benötigen proaktives, lösungsorientiertes Denken. Protest ist wichtig, aber nur konkrete Lösungen bringen uns vorwärts.

Face2Face: Sie leben den „grünen Traum“. Halten Sie sich zu Hause Haustiere?
Vagedes: Ich besitze drei Katzen, die ich aus dem Tierheim geholt habe. Sie sind extrem verschmust.

Face2Face: Was haben Sie in naher Zukunft geplant? Schreiben Sie schon an einem zweiten Buch? Wenn ja, welche Thematik wird uns erwarten?
Vagedes: Ich habe sogar schon eines fertig, aber ich kann aus bestimmten Gründen noch nicht darüber sprechen.

Face2Face: Gibt es vielleicht etwas, das Sie unseren Lesern noch mit auf den Weg geben wollen, beispielsweise eine Lebensweisheit?
Vagedes: Wir können alles verändern und die beste Lebensweisheit kommt von Gandhi: Wir können selbst die Veränderung sein, die wir auf der Welt sehen wollen. Wichtig ist mir die Quintessenz von „veg:up – die vaganisierung der welt“: Wir sind geistig-kulturell noch im Evolutionsaufstieg, begriffen haben es alle vor uns. Das kann uns Hoffnung machen und unsere menschliche Kreativität, die von jedem einzelnen Menschen gefragt ist. Dazu brauchen wir Selbstvertrauen und Mut. Im Übrigen auch den Mut zu lieben.

Info: Das Buch „veg:up – die verganiserung der welt“ (287 Seiten) ist bereits im Sicht-Verlag erschienen.

Weitere Information zum Thema Veganisierung erhaltet ihr HIER.

Vorschau: Ist die Jugend von heute ausreichend aufgeklärt – oder sogar überaufgeklärt? Dieser Frage wird Tatjana nächste Woche auf den Grund gehen.

Mehr schlecht als recht – die Anarchistische Buchmesse Mannheim

Beim nachfolgenden Artikel handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion von Lisa und Franzsika. Viel Spaß beim Lesen!

Mehr schlecht als recht – die Anarchistische Buchmesse Mannheim

Übersichtlich: die Ausstellungstische der anarchistischen Buchmesse (Foto: Koepke)

Klingt irgendwie interessant, oder? Dachten wir auch und so machten wir uns auf den Weg um die Anarchie in Büchern zu erkunden. Gesagt getan: am Samstag, 9. April starteten wir unsere Expedition in Richtung Alte Feuerwache. Und es war tatsächlich eine Expedition, denn die Räumlichkeiten der Buchmesse im Jugendzentrum FORUM hielten sich gut versteckt. Zu guter Letzt waren wir doch noch in der Lage, eben jene zu entdecken und stürzten uns ins nicht vorhandene Getümmel. Es waren zwar einige Leute anwesend, als überlaufen könnte man die Messe jedoch keinesfalls bezeichnen.

Zu behaupten, das Spektrum der Besucher wäre weit gefächert – vollkommen daneben! Zwischen den alternativen Anarchisten wurden wir zweifellos als “Touristen” entlarvt und auch als solche bezeichnet. Die Atmosphäre des literarischen Events war somit für Außenstehende mehr als unangenehm, wobei sich auch der in der Szene beheimatete Besucher augenscheinlich lieber im Freien aufhielt. Mit dem Betreten der Ausstellungsräume kam sogleich ein Gefühl des Eingeengt-seins auf. Es gab mehrere Stände, die Werbung und Flyer ausgelegt hatten, außerdem T-shirts und Buttons, die vereinzelt angeboten wurden, ebenso wie eine Art Buffet mit belegten Brötchen.

Mehr schlecht als recht – die Anarchistische Buchmesse Mannheim

Wenig ansprechend: Die Auslagen auf der Buchmesse (Foto: Koepke)

Die Bücherauslagen glichen im Stil einem Flohmarkt und eine merkliche Begeisterung für die Buchmesse schien auch bei den Betreibern zu fehlen. Jegliche Erwartung als “Tourist” angesprochen oder eventuell begeistert zu werden war in unseren Augen unerwünscht. Eine große Auswahl, von der nicht anzunehmen war, dass es sie gäbe, von Büchern zu allen möglichen Themengebieten und Anarchie dazu addiert gab es zu bestaunen. Unser Fazit: Um diese Dinge mit Inbrunst zu lesen, muss man in der Szene mit den eigenen Ansichten unheimlich stark verankert sein – andernfalls kriegt man schon auf der ersten Seite die Krise. Ein Buch, das zumindest einen von uns, nämlich Lisa, tatsächlich ansprach, war eine Art Anleitung zum Produzieren von anarchistischer Kunst. Dummerweise ist eine Anleitung zur Anarchie unserer Meinung nach ein Widerspruch in sich. Die Idee dahinter ist wohl etwas komplexer, als man es als „Anarchietourist“ erfassen kann.

Es bleibt zu hoffen, dass – wenn diese Veranstaltung jährlich wiederholt werden sollte – sich die Betreffenden deutlich mehr ins Zeug legen, um die Besucher zu begeistern.

Vorschau: Nächste Woche erfreut uns Jean Claude mit dem vierten Teil seiner Café-Serie.

Erste anarchistische Buchmesse in Mannheim

„Die Buchmesse soll dazu beitragen, (auch in der Rhein-Neckar-Region) ein vielseitiges anarchistisches kulturelles Leben aufzubauen“, so die Zielsetzung der Organisatoren der ersten anarchistischen Buchmesse in Mannheim. Von Freitag, 8. April bis Sonntag, 10. April stehen jede Menge Konzerte, Autorenlesungen sowie Vorträge auf dem Programm. Zur Eröffnung am Freitag stellen die Bands „Guts Pie Earshot“ und „The Alicka Problem“ im Jugendzentrum „Friedrich Dürr“, Käthe-Kollwitz-Straße 2-4, ihr Können unter Beweis. Der Samstag startet mit der Lesung „Von Jakarta bis Johannesburg – Anarchismus weltweit“ mit Sebastian Kalicha im Jugendzentrum FORUM, Neckarpromenade 46. Es folgen zahlreiche weitere Lesungen und Vorträge, unter anderem zum Thema NS-Zeit. Ab 20 Uhr gibt es Livemusik mit „Berlinska Dróha“. Sonntags erwartet die Besucher wiederum im Jugendzentrum FORUM eine Reihe von Vorträgen, diesmal unter anderem zum Thema Anarchie und Sex. Um 14.30Uhr schließt die Messe mit einer Lesung von Guido R. Schmidt zu seinem Roman „Woher der Wind weht“.

 Das Programm zur Buchmesse findet ihr hier. Der Eintritt ist frei.

Unsere beiden Face2Face-Mitarbeiterinnen Lisa und Franziska waren für euch vor Ort. Ihren Bericht lest ihr hier.