Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Rund 15% der etwa 82 kg Lebensmittel, die jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr in die Tonne wirft, sind Backwaren. Das hat 2012 eine Studie der Universität Stuttgart, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wurde, ergeben. Kein Wunder, denn Backwaren landen in der Regel nach acht oder neun Stunden in den Bäckereien im Müll und werden nur selten zu Tiernahrung verarbeitet. Und das obwohl sie noch genießbar sind. Seit April 2012 bekommen Backwaren vom Vortag im Laden „BrotPosten“ am Frauenlobplatz in Mainz dank Inhaber Abdelmajid Hamdaoui und seiner Frau eine zweite Chance. Wir haben mit ihm über seine Geschäftsidee gesprochen.

Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Gibt Backwaren vom Vortag eine zweite Chance: Abdelmajid Hamdaoui, Inhaber von „BrotPosten“ in Mainz (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Wie ist die Idee zur Gründung von BrotPosten entstanden?

Hamdaoui: Dieses Konzept habe ich 1988 in Heidelberg gesehen. Da war ein Bäcker, der hat jeden Morgen alle seine Retouren von fünf oder sechs Filialen in einer Filiale zwischen 6 und 9 Uhr morgens zum halben Preis oder für weniger verkauft. Ich bin studierter Wirtschaftsinformatiker. Irgendwann habe ich keine Lust mehr auf Büro- und Schreibtischarbeit gehabt und habe zu meiner Frau gesagt: Ich höre jetzt auf. Und sie: Was willst du machen? Ich: Eine Bäckerei, weil es so schön duftet. Mehr ist mir nicht eingefallen. Dann habe ich angefangen zu recherchieren. Es gab damals nur einen ähnlichen Laden in Deutschland, der war in Lehrte in Niedersachsen. Ich bin dorthin gefahren und habe mir das angeguckt. Und dann habe ich losgelegt.

Face2Face: Wieso heißt Ihr Geschäft „BrotPosten“?

Hamdaoui: Es ist ein „Brotrestposten“. „Restposten“ ist ein bisschen negativ aufgeladen, deshalb habe ich „Rest“ weggelassen und es blieb „BrotPosten, lecker und günstig“.

Face2Face: Wie kam es zu diesem Standort?

Hamdaoui: Ich wohne seit 2004 in Mainz. Als ich in Lehrte war, habe ich mich mit dem Inhaber und seiner Frau unterhalten und dann hieß es: Mindestens 20.000 Einwohner, die innerhalb von fünf bis zehn Minuten zu Fuß zu dir kommen könnten, Schulen und noch ein paar andere Geschäfte in der Nähe wären nicht schlecht. Manchmal meint es der Zufall sehr gut mit mir. Ich suchte also nach einem geeigneten Laden, als der Hausmeister gerade ein Zu Vermieten“-Schild an die Tür gehängt hat. Ich habe sofort angerufen.

Face2Face: Woher beziehen Sie die Backwaren?

Hamdaoui: Ich habe mehrere Bäckereien angefragt; einer hat mich ausgelacht und ein anderer sagte, dass er es sich überlegen will und seitdem habe ich ihn nicht mehr angesprochen. Die „Kaiser Biobäckerei“ hat dann sofort zugesagt, genauso wie die „Landbäckerei Mayer“, als sie gehört haben, dass „Kaiser“ mitmacht. Und seitdem funktioniert es einwandfrei. Sie verdienen kein Geld hier, aber sie wollen nicht, dass die Ware, die sie mit Liebe und der ganzen Professionalität gemacht haben, nach acht oder neun Stunden weggeworfen wird.

Face2Face: Das heißt die Bäckereien bekommen gar nichts dafür?

Hamdaoui: Es gibt eine Pauschale, die sie von mir bekommen. Ich bezahle sozusagen den Fahrer bzw. die Stunde, die er braucht, um mit den Backwaren hierher zu kommen.

Face2Face: Wird noch einmal eine Qualitätskontrolle von „BrotPosten“ durchgeführt, bevor die Backwaren in die Auslage kommen?

Hamdaoui: Jeden Morgen nehmen wir jedes Teil in die Hand. Was wir selbst nicht essen würden, kommt weg.

Face2Face: Wie viele Backwaren werden pro Tag in etwa geliefert?

Hamdaoui: Pro Tag 500 bis 600 Stück.

Face2Face: Wie viel wird am Tag ungefähr verkauft?

Hamdaoui: Zwischen 60 und 75% wird auch verkauft.

Eine zweite Chance für Brot und Brötchen

Immer noch genießbar: Brote vom Vortag bei „BrotPosten“ (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Was ist alles im Sortiment?

Hamdaoui: Alles, was ein Bäcker hat, außer belegte Brötchen. Eben alles, was übrig bleibt: Brötchen, alle Sorten Körnerbrötchen, alle Sorten Brot, Teilchen, Kirschkuchen. Was die Bäcker für die Saison backen, kommt auch alles hier rein.

Face2Face: Was kosten ein Brötchen und ein Brot durchschnittlich bei „BrotPosten“?

Hamdaoui: Ein Brot kostet zwischen 1 Euro und 1,50 Euro, je nachdem, wie groß es ist. Körnerbrötchen, Bagel, Brezeln und Croissants kosten 25 Cent. Weiße Brötchen, Kaiserbrötchen und Schrippen kosten 5 Cent und alle Teilchen und Baguettes kosten 60 Cent. Also kann sich hier jeder etwas leisten.

Face2Face: Wie viele Kunden kommen ungefähr pro Tag?

Hamdaoui: So im Durchschnitt 120 Kunden täglich. Samstags und freitags immer noch mehr. Unsere Kunden sind Ärzte, Anwälte, Apotheker, Abteilungsleiter, Rentner, Schüler und Studenten.

Face2Face: Und was wird am meisten von den Kunden gekauft?

Hamdaoui: Bei der Bioware von „Kaiser“ wird jeden Tag zugegriffen. Da bleibt kaum etwas übrig. Die Kunden mögen aber auch die Körnerbrötchen und die Süßteile von „Mayer“.

Face2Face: Was passiert mit den Backwaren, die nicht verkauft werden?

Hamdaoui: Jeden zweiten Tag, das heißt Dienstag, Donnerstag und Samstag, gibt es Foodsharing. Die Foodsharer holen sich dann ab, was übrig bleibt und das verteilen sie weiter. Und dann gibt es noch die Lebensmittelausgabe „Brotkorb“. Die verteilen einmal die Woche unter den Bedürftigen und nehmen auch einiges, was wir nicht ins Regal gestellt haben. Wir geben auch viel kostenlos ab, zum Beispiel, wenn Leute kommen, die ein paar Flüchtlinge mit Kindern kennen. Der „BrotPosten“ ist eben ein Geschäft, das nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herz geführt wird. Es ist schwierig in diesen Zeiten, aber es funktioniert. Und der Rest, der übrig bleibt, wird dann von vier oder fünf Bauern abwechselnd für die Tiere abgeholt.

Der „BrotPosten“ am Frauenlobplatz 1 in Mainz ist dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Neben dem „BrotPosten“ betreibt Abdelmajid Hamdaoui auch noch einen Unverpackt-Laden in der Kurfürstenstraße 49 in Mainz. Hier ist Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Ein Reste-Verwerte-Rezept: Bananen-Brot

Jeder kennt das: Lässt man Bananen zu lange liegen werden sie braun und sind kaum noch genießbar. Wegschmeißen möchte man das Obst natürlich ungern – doch zum Glück gibt es einige leckere Rezepte, damit man auch die überreifen Bananen noch verwenden kann. Ein Beispiel Bananen-Brot. Aufgrund des hohen Bananenanteils ist das Brot nicht nur ein Energielieferant, sondern zusätzlich noch lecker und man kann dadurch Lebensmittel-Verschwendung vermeiden. Für das klassische Bananen-Brot braucht ihr folgende Zutaten.

Zutaten:

  • 250g Mehl
  • 1TL Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 115g weiche Butter
  • 100g Zucker
  • 2 Eier
  • 500-550g reife Bananen

Und so geht’s:

1. Mehl, Backpulver und Salz in einer Schüssel vermengen und beiseite stellen.

2. Als nächstes die reifen Bananen schälen und zerkleinern. Dies funktioniert entweder mit einem Pürierstab oder mit einer Gabel, falls man lieber gröbere Stücke im Brot haben möchte.

3. In einem weiteren Gefäß Butter und Zucker gut verrühren bis eine cremige Masse entsteht. Nach und nach die beiden Eier dazugeben und wieder alles gut vermischen. Im nächsten Schritt die zerkleinerten Bananen dazugeben und abermals gut vermengen.

4. Nun die Mehlmischung in die Bananenmasse hineinsieben. Das Sieben ist wichtig, damit keine Klumpen entstehen.

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Optimale Reste-Verwertung: Das Bananen-Brot (Foto: A. Schwalb)

5. Parallel dazu den Backofen auf 175 Grad vorheizen. Den Teig in eine eingefettete Kastenform füllen und 60-70 Minuten backen.

Sobald sich ein leckerer, bananiger Duft in der Küche breit macht, ist das Bananen-Brot gelungen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Vorschau: Kommende Woche zeigen wir euch an dieser Stelle, wie ihr ganz leicht eine schöne Sommerfrisur zaubern könnt.

Do-it-yourself-Projekt: Brot backen

Wusstest du, dass es einen „World Bread Day“  gibt? Er wurde vom internationalen Verband der Bäcker und

Do-it-yourself-Projekt: Brot backen

Alle Zutaten beisammen: Mehl, Zucker, Wasser, Salz und Kerne (Foto: Denzinger)

Bäcker-Konditoren ins Leben gerufen. Googelt man danach, so sieht man, dass das Fest des Brotes von der Netzwelt entdeckt und von zahlreichen Bloggern gefeiert wird.

Einmal ein „Eigenbrödler“ sein – das klingt nicht unbedingt nach einem erstrebenswerten Ziel, wenn aber der Duft von frisch gebackenem Brot den Raum durchflutet und das wohlschmeckende Resultat aus dem Ofen kommt, ist die Freude groß.

Zutaten und Materialien:

  • 500g Dinkelmehl oder Vollkornmehl
  •  500ml Wasser, lauwarm
  • 1 Päckchen Hefe
  • 1 TL Zucker
  • 1 EL Salz
  • 10g Butter
  • 30g Kerne
  • Schüssel
  • Kastenform
  • Rührgerät/ Schneebesen

Zubereitung:

1) Das lauwarme Wasser in die Schüssel geben und mit Hefe, Zucker und Salz mischen. Danach Mehl und

nach Belieben Kerne hinzugeben. Besonders fein schmecken Sonnenblumenkerne im Brot.

Tipp: Wenn du das Brot nicht so schnell aufbrauchst, verwende besser nur einen 3/4 EL Salz, da es sonst am Ende salzig oder bitter schmecken kann.

2) Den Teig mit dem Rührgerät oder einem Schneebesen erst langsam, dann etwas schneller rühren, bis eine einheitliche, klebrige Masse entsteht.

3) Anschließend muss man das Brot „gehen lassen“. Diese Ruhezeit erstreckt sich über eine Stunde, die der Teig am besten bei Raumtemperatur verbringen sollte. Die Idealtemperatur liegt zwischen 15 – 25°C. Die Schüssel mit einem sauberen Handtuch abdecken.

4) Die Kastenform mit reichlich Butter einfetten und den Brotteig in die Form füllen. Wenn du es kernig magst, kannst du den Teig mit etwas Wasser begießen und nochmals Kerne auf das Brot streuen.

Do-it-yourself-Projekt: Brot backen

Frisch aus dem Ofen: Das fertige Brot in der Kastenform (Foto: Denzinger)

5) Im letzten Schritt kommt das Brot in den Ofen – dieser muss nicht vorgeheizt werden. Das werdende Brot in die unterste Schiene des Backofens schieben und dort eine Stunde bei 225°C backen.

Tipp: Für eine besonders knackige Kruste in den ersten zehn Minuten eine feuerfestes Gefäß mit Wasser dazu stellen. Um sicher zu gehen, dass das Brot fertig ist, kann man den sogenannten „Klopftest“ machen: einfach von unten auf die Form klopfen -wenn sich diese hohl anhört, ist das Brot fertig.

Der „World Bread Day“  findet übrigens am 16. Oktober statt und soll daran erinnern, wie viel Spaß es macht, selbst etwas zu erschaffen. Außerdem sollte man nie vergessen, dass in vielen Ländern das Leben durch Hungersnot, Unterernährung und Armut bestimmt ist.

Vorschau:  Nächste Woche gibt es von Gülcin ein Interview zum Thema Glücksspielsucht.