In Liebe verbunden – Hochzeitstraditionen auf einen Blick

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Wohl eine der bekanntesten Hochzeitstraditionen: Der Brautstraußwurf.
(Foto: hochzeitsfotograf / pixelio.de)

Es ist heiß in Ludwigshafen. Die Hitze flackert über dem Asphalt. Es geht kaum ein Wind. Wir haben August. Einen der beliebtesten Monate für Hochzeiten. Auch ich lerne diesen August in der Rolle einer Trauzeugin worauf es bei einer Hochzeit ankommt. Neben Blumengestecken, Probefrisuren und Hochzeitskleidern dürfen auch traditionelle Bräuche nicht fehlen. Sie können zwar von Region zu Region variieren, einige unter ihnen sind jedoch fester Bestandteil auf vielen deutschen Hochzeiten. Für euch habe ich mir einige dieser Bräuche mal genauer angeschaut.

„Scherben bringen Glück“

Einen Tag vor der Hochzeit – heutzutage auch schonmal ein paar Tage oder sogar Wochen zuvor – versammeln sich Familie, Freunde und Bekannte des Brautpaares und vertreiben bis in die Nacht hinein böse Geister und Dämonen: Der Polterabend dient als ein Ritual zum Schutz des Paares und gehört zu den ältesten Hochzeitsbräuchen schlechthin. Durch den Lärm beim Zerschmettern von altem Porzellan soll das Grauen vom Brautpaar ferngehalten werden. Doch auch Zweifeln oder gar Ängsten wird der Garaus gemacht. Das Zerbrechen von etwas Altem symbolisiert dabei einen neuen Lebensabschnitt, dem das zukünftige Ehepaar entgegensieht. Getreu dem alten Sprichwort: Scherben bringen Glück.
Ganz im Gegenteil zum Porzellan am Polterabend bringen die Scherben von Spiegeln und Glas kein Glück, stattdessen aber sieben Jahre Unglück über das Brautpaar. Überschüssige Energie also lieber an Tellern und Co. auslassen.
Wer sich jetzt fragt, wie das Chaos am Ende wieder beseitigt werden soll, der kann sich auch hier auf die Tradition berufen. Diese besagt, dass das Brautpaar durch gemeinsames Fegen am Ende des Abends den Herausforderungen entgegentritt, mit denen es sich auch in der Ehe konfrontiert sieht. Ihr als Gäste oder Organisatoren seid beim Aufräumen also fein raus – Glück gehabt!

„Something old, something new, something borrowed, something blue“

In Liebe verbunden - Hochzeitstraditionen auf einen Blick

Am Anfang meistens auch etwas gruselig: Etwas Neues wie das Brautkleid 
(Foto: Bedenkzeit Fotografie)

Der große Tag ist da und die Braut und ihr Outfit stehen im Vordergrund. Auf einen alten englischen Brauch stützend besteht die Brautgarderobe aus etwas Altem, etwas Neuem, etwas Geliehenem und etwas Blauem.
Dabei hat jeder Gegenstand, wie wir gleich sehen werden, seine ganz eigene Bedeutung.
Etwas Altes: Ihre Verbundenheit zur eigenen Familie und ihre Herkunft kann die Braut an ihrem besonderen Tag durch Familienschmuckstücke oder ein Kleid von vergangenen Hochzeiten zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig soll etwas Altes zur Dauerhaftigkeit der Ehe beitragen und das Paar in eine glückliche Beziehung führen.
Etwas Neues: Zu einer Hochzeit gehört bei vielen Bräuten auch der Besuch im Brautmodengeschäft. Etwas Neues wird somit durch das Brautkleid oder auch durch Schmuck symbolisiert und steht für den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt.
Etwas Geliehenes: Dem Glauben folgend, dass Glück übertragbar sei, liegt es nahe, sich am Tag der Hochzeit etwas von einer guten Freundin zu leihen, die ihr Glück in der Ehe bereits gefunden hat. Es vermittelt neben der Unterstützung der Braut durch die Freundin auch Geborgenheit und soll der frischen Ehe Glück bringen. Etwas Geliehenes können zum Beispiel Schuhe oder Schmuck der Freundin sein.
Etwas Blaues: Die Farbe Blau steht für Treue, Reinheit und Ehrlichkeit. Diese Werte sollen auch die Grundpfeiler einer Ehe bilden und werden oftmals durch ein blaues Strumpfband symbolisiert. Auch blaue Schleifen oder Knöpfe können diesen Zweck erfüllen.

Ein Regen aus Reis

Das Brautpaar verlässt das Standesamt oder die Kirche nach der Trauung und wird empfangen von einem Regen aus Reis, der keinesfalls negativ verstanden werden sollte. Stattdessen wurde Reis bereits im traditionellen Asien als ein Hauptnahrungsmittel gesehen und gleichzeitig als Symbol für Fruchtbarkeit und eine reiche Kinderschar betrachtet. Die besondere Bedeutung von Reis lässt sich einmal mehr dahingehend erkennen, weil in Asien zu besonderen Anlässen Speisen aus Reis angefertigt werden. So auch der Reiskuchen.
Da man mit Lebensmitteln jedoch sorgsam und auf keinen Fall verschwenderisch umgehen sollte, bieten sich alternativ auch Rosenblätter, Konfetti oder Seifenblasen an, um das Brautpaar nach der Eheschließung in Empfang zu nehmen und zu beglückwünschen. Besonders Seifenblasen können die Träume und Wünsche des Ehepaares, die in Erfüllung gehen, sollen symbolisieren und bieten somit eine schöne Alternative zu Reis.

Ein Wink des Schicksals

Im Laufe des Abends folgt meist eine ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende und in Deutschland bereits weit verbreitete Tradition: der Brautstraußwurf. Traditionell findet dieser am Ende der Feier gegen Mitternacht statt. Dabei versammelt sich eine Gruppe der noch unverheirateten Frauen vor der Braut, die ihren Hochzeitsstrauß über die Schulter in die Gruppe wirft. Wer den Strauß fängt wird laut der Tradition als Nächste vor den Traualtar treten. Das Fangen wird also als ein Wink des Schicksals gesehen und kann auch dazu dienen, dem Partner der Fängerin einen mehr oder weniger unauffälligen Hinweis zu geben, dass die Zeit allmählich reif für einen Antrag ist. Aus diesem Grund wird oftmals bereits vorab geklärt, wer den Strauß fangen wird.
Um dem Zufall nicht im Wege zu stehen, kann die Braut sich alternativ auch mit verbundenen Augen im Kreise drehen und somit die neue Braut bestimmen. Der Brautstraußwurf kann ebenfalls als der Beginn von etwas Neuem gedeutet werden.
Um der Braut eine Erinnerung an ihren besonderen Tag zu lassen, wird bei vielen Hochzeiten ein sogenannter Zweitstrauß angefertigt, der eigens zum Wurf gedacht ist. Dieser Strauß wird dann fester gebunden und mit besonders robusten Blumen, beispielsweise Rosen, bestückt, um zu verhindern, dass er durch den Wurf beschädigt wird.
Und wer sich nun fragt, ob es ein solches Ritual auch für Männer gibt, der kann erleichtert aufatmen. Um den nächsten Bräutigam zu bestimmen, wird statt einem Strauß das Strumpfband der Frau, der Schlips oder auch die Fliege des Mannes geworfen. Die nächste Hochzeit lässt sich somit relativ einfach bestimmen.

Der Schritt über die Schwelle

Der Abend neigt sich dem Ende zu, die Gäste verabschieden sich nach und nach und machen sich auf den Heimweg. Auch das frisch vermählte Ehepaar schließt die Feier und begibt sich in das Hotelzimmer. Die letzte Tradition am Hochzeitstag befolgend, trägt der frisch gebackene Bräutigam seine Vermählte über die Türschwelle und bewahrt sie somit vor bösen Geistern die unter der Türschwelle lauern. Was danach folgt, bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen…

Natürlich sind die hier aufgeführten Hochzeitsbräuche nur eine kleine Auswahl. Welche der Traditionen tatsächlich am Tag der Trauung in Gebrauch kommen, liegt allein in den Händen des Brautpaares und der Trauzeugen, die die Planung der Feier unterstützen. Bewährte und beliebte Bräuche sorgen so für ausgelassene Stimmung und natürlich ein unvergessliches Erlebnis für das Brautpaar.

Der Hochzeitswahnsinn

Es ist also soweit. Noch im letzten Jahr konntet ihr an gleicher Stelle lesen, wie furchtbar ich den Hochzeitstwahnsinnswettbewerb auf Facebook finde. Und jetzt? Ich habe geheiratet und tatsächlich erfolgreich vermieden, im Vorfeld Planungsstand, kritische Momente und Vorfreuden öffentlich zu machen. Doch schon am Tag nach dem großen Fest kursierten 30 Fotos im globalen Netz, ganz ohne mein Zutun. Irgendwo hört der Arm der Braut auf, vor allem, wenn sie keine Braut mehr ist. Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um Chaos und Ordnung und den ganz normalen Wahnsinn.

Der Hochzeitswahnsinn

Stilecht: Mit Kutsche zur Kirche (Foto: Bernatz)

Den Anfang macht ein goldener Tipp an alle Hochzeitsplanenden: macht so viel wie möglich selbst. Verteilt die Planung nicht, denn was am Anfang Arbeit nimmt, wird später purer Stress, wenn die Teile sich zusammenfügen, überlappen und durcheinander geraten. Wer die Fäden in der Hand hält weiß, wo Probleme auftreten und wie sie zu umgehen sind. Und Rat kann sich der Planer dann immer noch holen. Das sollte er auch. Bei Menschen, die Feiern schon öfters geplant haben, in Ratgebern, bei den Eltern, den Freunden und am Wichtigsten: dem Partner.

Und die zweite goldene Regel ist: Egal wie gut ein Fest geplant ist, es wird immer etwas schief gehen. Beispiele? Am Vorabend der Hochzeit mussten wir feststellen, dass der Raum doch kleiner war, als gedacht. Die komplette Tischordnung wurde innerhalb von zwanzig Minuten umgeschmissen, neu geordnet und mit Kompromissen versehen. Plötzlich fehlten zwanzig Tassen und Untertassen, die Tischdecken wurde in den letzten Tagen fertig genäht, die Kuchenliste wurde in der letzten Nacht verdoppelt und nach der Trauung konnten wir feststellen, dass zwei fest eingeplante Gäste schon mal gar nicht gekommen waren. Doch da hört der Spaß nicht auf.

Der Hochzeitswahnsinn

Unikate: die raffinierten Ringe für die Ehe (Foto: Obermann)

Zu unserer großen Überraschung war uns das Wetter gut gesinnt. Schon beim Standesamt blieb der angekündigte Regen aus, und am Samstag fand tatsächlich die Sonne den Weg zu uns. Doch dieses Wetter im Zwischenbereich führte dazu, dass es nicht warm genug war, um unseren Getränkevorrat wirklich zu verdünnen, und nicht kalt genug, um unser Büffet zu leeren. Aber lieber zu viel haben, als zu wenig. Und vor allem: locker bleiben. Der in letzter Minute aufgestellte Geschenktisch wurde so nahe an unser Gästebuch gestellt, dass viele das Buch für ein Geschenk hielten und die Einträge deswegen etwas mau ausgefallen waren. Locker bleiben solltet ihr auch bei den vielen Spielen und Aktionen. Bei dem Tanzwettbewerb zwischen Braut und Bräutigam, dem obligatorischen Er-oder-Sie-Quizz, dem gemeinsamen Baumstammzersägen, …

Im Großen und Ganzen lief aber alles gut. Der vergessene Brautstrauß erreichte die Kutsche, bevor wir an der Kirche waren, der Reifrock wurde dank fachkundiger Hilfe schnellstens wieder repariert. Unsere einmaligen Eheringe von der Goldschmiede Eckart passten wie angegossen, der Hochzeitslikör für die Gäste wurde mit Freude angenommen, die Fotografin wartete geduldig, bis der Vater des Bräutigams wieder aufgetaucht war und das französische Brautkleid nahm keinen Schaden. Die Einwegkameras landeten brav im bereitgestellten Karton. Der DJ  von Evergreen Entertainment und die Karaoke war im Übrigen eine grandiose Idee. Noch um vier Uhr grölten Bräutigam, Brautbruder, sein bester Freund und der Trauzeuge „Quit playing games with my heart“. Mit allem Chaos und aller Planung kamen wir auf eine wundervolle Hochzeit. Nur mein Mann muss sich noch an seinen neuen Nachnamen gewöhnen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um den Masochismus beim Rennradfahren.

Ja, ich altere

Es passiert mir immer öfter. Ich merke, dass ich alt werde. Nicht, weil ich Falten hätte, oder Rheuma, graue Haare. Erscheinungen, die ich zwar kenne, aber nicht unbedingt von mir persönlich. Auch der Ernst des Lebens hat mich noch nicht so wirklich eingeholt. Als Studentin bleiben manche Sorgen einfach fern. Mein Sohn hält mich eher jung, als dass er alt machte. Ohne Reue Zeichentrickfilme, Kinderbücher und mit Wasserfarben klatschen, Kinderlieder trällern und Seifenblasen machen. Nein, das klingt nicht nach alt.

Ja, ich altere

Wer hat den Größten? Digitale Kuchenschlachten machen nicht dick, dafür aber alt (Foto: Obermann)

Was mich erschrickt, eigentlich lächerlich, wenn ich bedenke, dass selbiger Schritt von mir für nächstes Jahr schon lange geplant ist, ist das Heiraten. Präzise: Wenn alte Schulfreunde, Leute von denen ich ewig nichts gehört habe, heiraten. Am Wochenende hatten wir besuch. Zwischen Partywok und „Megamind“ erzählt er uns, ohne mit der Wimper zu zucken, dass eine Bekannte kürzlich geheiratet hat und nun ein Kind erwartet. Das saß. Und es war nicht die erste unheimliche Begegnung in Weiß und Tüll. Schon vor einigen Jahren erfuhren wir, dass ein guter Freund beschlossen hatte, spontan zu heiraten. Wir jedenfalls wussten von nichts und glaubten der Computer wäre kaputt. Der zeigte nämlich ungetrübt beim Facebook-Status „verheiratet“ an. Einfach so, von einem Tag auf den anderen.
Facebook scheint überhaupt der große Hit zu sein, wenn es darum geht, vom Ringtausch zu prahlen. Die Fotos im Profil werden in sepiafarbene Hochzeitsbilder vom teuren Fotografen ersetzt, nach und nach, damit es auch alle erfahren und keiner sich den gestellten Liebesbilden entziehen kann, werden auch die übrigen Hochglanzabzüge digitalisiert und in einem oder mehreren Alben der Internetgemeinde vorgeführt. Ganz schlaue richten für Standesamt und Kirche verschiedene Ordner ein, die dann noch in professionell und selbst geschossen unterteilt werden wollen. Irgendwas wird da auf jeden Fall geschossen, womöglich ja der Twitter-Vogel. Denn Hochzeitswahnsinnige dieser Tage haben ja nicht nur Facebook, sondern mindestens noch Twitter, wenn nicht sogar schon Google+.

Selbige Rüschenliebhaber melden dann auch immer wieder, wie schön alles gewesen sei, die Torte, die Gäste, das Wetter und überhaupt. Hochzeitswettkampf 2.0. Endlich habe ich den ultimativen Grund für Facebook gefunden. Es geht nicht mehr darum, Frauen Noten für ihr Aussehen zu geben, sondern um ganze Vermählungen. Warum noch Einladungen verschicken, wenn alle Welt im Netz teilhaben kann an perfekt sitzenden Frisuren, makellosen Bildern und der Liebe, die durchs World Wide Web schwebt. Kommen bei euch da etwa leise Zweifel an der Perfektion?
Und dann gibt es noch die absoluten Facebook-mit-Hochzeit-überschwemm-Finalistinnen. Die kommen mit den Hochzeitsbildern nicht erst nach der Trauung. Nein, warum auch? Schon Monate vorher geben sie täglich Statusmeldungen ab, wie weit die Planung vorangeht. Eine alte Freundin hatte sogar eine eigene Hochzeits-Website eingerichtet mit Kennenlerngeschichte, Trauzeugenvorstellung, Menuplan. Und das, bevor der Termin offiziell angemeldet war. Jeden Mittag gab es denn Ich-heirate-Countdown mit zwei Zahlen, damit auch wirklich keinem entgehen konnte, wann sie und ihr Liebster sich vor Staat und Kirche das Ja-Wort geben wollten.

Ja, ich altere

Hier kommt die Braut: Das Online-Wettrennen um das schönste Brautkleid hat längst begonnen (Foto: Beutler)

Ja, ich bin auch eine Frau. Ja, ich will auch heiraten. Ja, ich freue mich auch darauf. Aber dem großen Rest der Welt wird das egal sein, warum muss ich ihn dann bis aufs Blut damit konfrontieren? Ich warte nur darauf, bis eine der Spezialistinnen Bilder der Geburt ihres ersten Kindes hochlädt. Oder gleich ein Video. Erklärt es mir, ich brenne darauf: Muss das sein? Ein Bild, dagegen sag ich nichts. Zwei, drei Meldungen, wenn der große Tag vor der Tür steht, meinetwegen. Wir wollen ja schließlich nur einmal heiraten und es ist toll, wunderbar, romantisch, was weiß ich. Aber irgendwie, irgendwo und irgendwann reicht es doch wirklich. Denn dann bekomme ich zumindest das Gefühl, dass alle Welt um mich herum heiratet. Der eine, die andere, die auch noch, die schon wieder oder immer noch, der jetzt auch.
Tja, und dann, dann fühle ich mich alt. Wenn Leute, mit denen ich im Sandkasten gesessen habe plötzlich einen anderen Nachnamen haben. Wenn Freundinnen und Freunde sich auf ewig binden. Wenn auf einmal überall so viele, wichtige Entscheidungen getroffen und Fragen mit „Ja“ beantwortet werden. Das ist der Ernst, ernster wird’s nicht, das macht uns alle auf einen Schlag erwachsen. Nicht nur erwachsen, auch vernünftig und nachdenklich, planend und berechnend. Und irgendwie eben auch alt. Daran kann ich schlecht was ändern und das ist noch viel schlimmer, denn für Falten gibt es Cremé, für Haare Tönung. Alt werden wir trotzdem, jeden Tag ein bisschen mehr. Woran merkt ihr, dass ihr alt werdet?

Vorschau: Nächste Woche berichtet Lea, wie es ist, wenn ihr einfach alles über den Kopf wächst.

Ein Mär(/d)chentraum

Ein Mär(/d)chentraum

Lecker: So eine Hochzeitstorte lässt nicht nur Frauen träumen. (Foto: Obermann)

Ein Mär(/d)chentraum. Eine mit roten und weißen Rosen geschmückte Kirche, in den Reihen erwartungsvolle Gäste, die Mütter mit Tränen in den Augen, die Väter versuchen so zu tun, als würden sie ihre nicht bemerken (ihre Tränen natürlich), aus dem Hintergrund ertönt leise eine Melodie, die alle zu Herzen rührt, sie blicken auf, zum Eingangsboden, wo ein wunderschönes Paar eintritt, er in schmuckem, maßgeschneidertem Anzug mit weißer Rose im Knopfloch, sie in einem bezaubernden Kleid aus weißem und cremefarbenem Stoff, einen Strauß aus eben diesen roten und weißen Rosen in der Hand, eine bestickte Schleppe hinter sich her ziehend, über den Mittelgang schwebend. Der Priester spricht, sie antworten und alles endet erst in einem atemberaubenden Kuss, der alle älteren Paare vor Neid erblassen und die jüngeren zu ähnlichem verleitet, dann die große Party, mit Tanz, Trara und Tequila (welcher andere Alkohol fängt noch mal mit T an?) Jaja.

Pustekuchen.

Humbug.

Wer heiratet heute schon noch? Das statistische Bundesamt raubt da jede Illusion. 2009 gab es beispielsweise 4,9 Eheschließungen je 1000 Einwohner. Von 1000 Menschen haben also etwa 10 gesagt, sie heiraten, sodass es 5 Hochzeiten gab. Donnerwetter. Bleiben 990, die entweder schon verheiratet sind, zu jung waren, Single, oder einfach nicht heiraten wollten. Zum Vergleich: 2000 gab es immerhin noch 5,5 Eheschließungen je 1000 Einwohner, 1987, als ich geboren wurde, 6,6. Im Jahr, als meine Eltern geboren wurden, 1959 sah es noch ganz anders aus. Damals waren es 9,5. Innerhalb von 50 Jahren ist die Zahl der Hochzeiten also um mehr als 50 % zurückgegangen. Mhhmmm. Wie kommt das?

Einerseits gibt es mit Sicherheit ein Umdenken, wir sind weniger traditionsbelastet, keiner wird hier gesteinigt, weil er in wilder Ehe lebt oder uneheliche Kinder hat. Scharlachrote Buchstaben und Ähnliches sind abgeschafft. Warum also überhaupt noch heiraten? Auch wenn das Klischee sagt, Frauen wollten heiraten, Männer nicht, gibt es hier und da Befürworter und Gegner. Warum sich von einem Mann abhängig machen, oder den Nachnamen ändern? Warum, wo die Scheidungsraten so kontinuierlich gestiegen ist, wie die Eheschließungen abgenommen haben? Ist es ohne nicht viel einfacher?

Was aber, wenn sich nach ein paar Jahren Beziehung der Wunsch einstellt, sich für immer einander zu versprechen. Sich einzugestehen, dass niemand gleich beim ersten Problem oder Streit davonlaufen will oder soll. Und dies aller Welt eben doch in einem Ritual zu beweisen?

Ein Mär(/d)chentraum

Verliebt: Doch reicht das zum Heiraten? (Foto: Obermann)

Ich will heiraten. Wobei mir die Standesamtliche dabei gar nicht so wichtig ist. Eine Unterschrift macht keine Beziehung klar. Allerdings macht sie vieles einfacher. Beide Eltern haben den gleichen Nachnamen wie die Kinder, es gibt Steuervergünstigungen, ganz zu schweigen von gewissen Rechten im Ernstfall. Und – Greys Anatomie in allen Ehren – ein Klebezettel reicht dafür wirklich nicht aus. Ich habe auch nie verstanden, was an einer schnellen Hochzeit in Vegas so romantisch sein soll. Ein betrunkener, schlechter Elvisimitator murmelt was von wegen Internet-Lizenz und das Hochzeitsbudget fällt keiner Party, sondern dem Glücksspiel zum Opfer. Nein, danke.

Da steh ich wirklich auf ein paar Blumen, einem Kleid und einer Kirche. Auch wenn ich auf Rot nicht so stehe und echt keine 10000€ ausgeben will. Das muss wirklich nicht sein. Aber mit Freunden und Familie dieses Versprechen zu feiern, das finde ich schon angemessen. Lustigerweise sieht das mein Verlobter etwas anders. Für ihn muss es die teure Festlichkeit mit maßgeschneidertem Anzug schon sein. Die kleine Version reicht ihm nicht aus.

So sind sie, die Bräutigame unserer Zeit. Berechnend. „Ich muss doch meine Familie versorgen können“, heißt es, und ich glaube die letzten 50 Jahre sind irgendwie spurlos an ihm vorbei gegangen. Zumindest die Zeit, die er davon mitbekommen hat, was etwas mehr als die Hälfte ist. Sind wir wirklich noch so kalkulierend? Heiraten nur, wenn‘s der Geldbeutel erlaubt? Liebe ist nur der kleinere Faktor?

Vielleicht werden sich manche Dinge nie ändern. Selbst wenn die Abschriften aus den Geburtenregistern schon bestellt sind (die werden für die Anmeldung der standesamtlichen Eheschließung benötigt), wird wieder der Taschenrechner gezückt und doch noch mal alles um ein Jahr verschoben. Wenigstens bleibt ein Tropfen Hoffnung. Die Liebe braucht keine Unterschrift und kein Ritual, um zu bestehen, und wenn zwei Menschen sich einander für die Ewigkeit versprechen wollen, macht ein Jahr mehr oder weniger ohnehin nichts aus.

Vorschau: Lea erzählt euch nächste Woche, warum manchmal alles andere so viel wichtiger erscheint, als Lernen, besonders wenn Klausuren in greifbarer Nähe sind. Dabei lüftet sie auch das Geheimnis, wer oder was ihr persönlicher Feind Nummer eins ist.