Musik ist wie Atmen – Eloy de Jong im Interview

Eloy de Jong wurde 1973 in Den Haag in den Niederlanden geboren und war in den 1990er Jahren Mitglied der niederländisch-englischen Boygroup Caught in the Act, die sich 1998 trennte. Nachdem er in den letzten Jahren verschiedene Soloauftritte in Deutschland hatte, will er dieses Jahr wieder mit seinen zwei ehemaligen Bandkollegen Lee Collin Baxter und Bastiaan Ragas auf Tour gehen. Auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin haben Caught in the Act 2015 ihr Comeback gefeiert.

Unverwechselbares Lächeln: Eloy de Jong (Foto: Linda Zwerus Photography)

Unverwechselbares Lächeln: Eloy de Jong (Foto: Linda Zwerus Photography)

Face2Face: Wie kamst du zur Musik?

Eloy: Ich habe eigentlich immer Musik geliebt. Musik ist wie Atmen. Ich habe meine Karriere aber eigentlich mit Tanzen begonnen und war holländischer Jugend-meister im Standardtanz. Nach dem Tanzen habe ich auch die Liebe zum Singen entdeckt und dann bin ich in die Gruppe gekommen.

Face2Face: Welche Musik hörst du am liebsten?

Eloy: Ich war zum Beispiel vor einer Weile in Kanada beim Konzert von Fleetwood Mac. Das ist eine Gruppe aus den 1960er/1970er Jahren, aber die haben schöne Songs gemacht. Vor ein paar Jahren war ich auf einem Konzert von Nena in Deutschland. Außerdem liebe ich Tracy Chapman. Von den neueren Sachen höre ich zum Beispiel gerne Mika und Adele. Ich finde das Lied „What do you mean?“ von Justin Bieber auch gut.

Face2Face: Mit wem würdest du gerne mal ein Duett singen?

Eloy: Vielleicht in Deutschland mit Nena. Sie ist ein Kultstar von früher.

Face2Face: Was war dein schönstes musikalisches Erlebnis bisher?

Eloy: Es gibt viele, gerade wenn ich an die Caught in the Act-Zeit zurückdenke. Als unsere Songs zum ersten Mal im Radio gespielt wurden, war das so ein tolles Gefühl. Und dann als wir unseren ersten Hit hatten. Das war ganz wichtig für uns.

Face2Face: Wenn du an die Zeit mit Caught in the Act in den 1990ern zurückdenkst: Was war positiv und was war negativ?

Eloy: Was super toll war, war die Unterstützung von unseren Fans, der Erfolg und dass wir so viele Länder bereisen konnten. Was vielleicht nicht so gut war, war, dass wir niemals zu Hause sein und keine Privatsphäre haben konnten. Es war vielleicht auch schwierig, so berühmt zu sein, weil man natürlich ganz jung ist, wenn so etwas anfängt und sich das eigene Leben stark von dem anderer unterscheidet. Gleichzeitig bin ich aber auch superfroh, dass wir das erlebt haben. Wenn ich jetzt so zurückgucke, denke ich immer: „Wow, wir haben das zusammen geschafft.“ Das ist ein ganz tolles Gefühl.

Vorschau: Den zweiten Teil des Interviews mit Eloy de Jong lest ihr nächsten Samstag.

Caught in the Act – wieder vereint nach 17 Jahren

An Silvester 2015 ist für viele ein Traum in Erfüllung gegangen. Caught in the Act, eine der beliebtesten Boygroups der 1990er Jahre, feierten nach 17 Jahren ihr Comeback auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin und präsentierten einen ihrer größten Hits in Neuauflage: „Love is everywhere 2.0“. Allerdings traten Lee Collin Baxter, Eloy de Jong und Bastiaan Ragas nur zu dritt auf. Benjamin Boyce ist nicht mehr dabei, da er sich auf seine Soloprojekte konzentrieren möchte.

Erfolge in den 1990ern

Die niederländisch-englische Boygroup war 1992 gegründet worden und wurde 1994 in Deutschland durch einen Gastauftritt in der Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannt. Mit Hits wie „Love is everywhere“, „Don´t walk away“ und „Baby come back“ waren Caught in the Act in den 1990er Jahren regelmäßig in den deutschen Charts vertreten. Insgesamt verkauften sie über 20 Millionen Platten, für die sie mehrfach Gold und Platin bekamen. Im August 1998 trennte sich die Gruppe.

Wieder vereint: Eloy de Jong, Lee Collin Baxter und Bastiaan Ragas (Foto: Michael Kremer)

Wieder vereint: Eloy de Jong, Lee Collin Baxter und Bastiaan Ragas (Foto: Michael Kremer)

Langes Warten auf eine Wiedervereinigung

Im April 2015 hatten sich alle vier Bandmitglieder in Amsterdam das erste Mal nach der Trennung wiedergesehen. Ein weiteres gemeinsames Treffen fand im August 2015 in Köln statt. Über eine Reunion der Boygroup wurde in dieser Zeit immer wieder spekuliert, bis sie schließlich Mitte Dezember 2015 endlich bekannt gegeben wurde. Lee Collin Baxter, der im letzten Jahr einige Solokonzerte in Deutschland gegeben hat, teilte zu seinen Plänen für 2016 mit: „My priority is Caught in the Act.“

Große Pläne für 2016

Der Auftritt von Caught in the Act auf der Silvesterparty in Berlin war erst der Anfang. Für dieses Jahr ist eine gemeinsame Tour unter dem Namen „The Hit Party 2016“ geplant. Auf der Tour will die Boygroup neben eigenen Hits auch erfolgreiche Songs von anderen Künstlern performen.

Mehr Infos gibt es auf der Facebookseite von Caught in the Act.

Vorschau: Nächsten Samstag berichtet Yasmin über die Grammys 2016.

Berlin Fashion Week Juli 2013

Berlin im Fashion-Fieber: Escada auf der letzten Berlin Fashion Week. (Foto: Wikipedia)

Berlin im Fashion-Fieber: Escada auf der letzten Berlin Fashion Week.
(Foto: Cornelia Schuhbauer/ www.fashionvictress.com)

Berlin im Ausnahmezustand! Von Dienstag, 2. bis Freitag, 5. Juli war es wieder so weit – Designer von Holy Ghost, Perret Schaad, Lala Berlin und viele mehr zeigten ihre kreativen Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2014 in der deutschen Hauptstadt. Face2Face zeigt euch die besten Highlights, schönsten Trends und wichtigsten News auf einen Blick.

Über 50 Designer tummelten sich in der ersten Juliwoche am Brandenburger Tor, um ihre neusten Kreationen zu präsentieren. Zwar fehlten diesmal große Zugmarken wie Boss und Escada, stattdessen waren besonders viele Jungdesigner vertreten, zum Beispiel Achtland, Vladimir Karaleev oder Michael Sonntag. Eindrucksvolle Fashionshows zeigten Lala Berlin, mit zarten Stoffen und Farben und einer einmaligen Location in den alten Opernwerkstätten, Schumacher und Guido Maria Kretschmer, die mit luxuriösen und eleganten Farben und Schnitten glänzten. Michalsky krönte den Abend mit der exklusiven StyleNite.

Nach den Fashionshows feierten Promis, Models und Designer die erfolgreichen Kollektionen unter freiem Himmel auf der Sonnenterasse, auf der Vogue-Party oder der „Place to B“-Party von BILD. Dabei waren auch internationale Stars wie Mischa Barton, Sylvie van der Vaart und Til Schweiger vertreten.

Vor dem Brandenburger Tor fanden wieder einmalige Fashion Shows und Partys statt: das Brandenburger Tor  bei Nacht. (Foto: Wikipedia)

Vor dem Brandenburger Tor fanden wieder einmalige Fashion Shows und Partys statt: das Brandenburger Tor bei Nacht.
(Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de)

Doch was sind nun die Trends des kommenden Sommers? Es wird auf jeden Fall ultra-feminin. Mit Wasserwelle im Haar, Retro-Lidstrich und farbenfrohen Pastelloutfits machen wir kommende Saison die Straßen unsicher. Trotzdem sind zeitlose Eleganz und stilistische Stärke immer noch stark präsent. Der Trend geht unter anderem auch stark in Richtung Nachhaltigkeit. „Green“ ist also nicht nur für unsere Lebensmittel, sondern auch in der Modeszene richtig angesagt. Woher kommen die Stoffe und aus was bestehen sie? Das beschäftigt die Macher aktuell.

Durch die vielen unterschiedlichen und vielfältigen Designer, die in diesem Jahr auf der Berlin Fashion Week vertreten waren, wird die Modeszene einer immer breiteren Zielgruppen verfügbar gemacht und geht auf die vielen individuellen Bedürfnisse der Einzelnen ein. Die Menschen werden offener gegenüber unbekannten Designern und interessieren sich vor allem für die Geschichte ihres Designerstücks. Zwar hätten bestimmt viele Modeliebhaber gerne die neuen Kollektionen der großen Marken, wie Hugo Boss bewundert, dank deren fehlender Präsenz, hatten dafür jedoch die kleineren Labels ihren ganz großen Auftritt.

Vorschau: Nächste Woche gibt es ein Interview mit Natascha Witzleb vom Modelabel Miss.

Hoteltest, Teil 3: Mercure Hotel in Berlin Mitte, Deutschland

Manche verbringen ihren Urlaub gerne im Schnee bei klirrender Kälte, andere bevorzugen tropische Temperaturen, Strand und Meer – aber alle Urlauber haben eines gemeinsam: Sie wollen in ihrem Hotel gut aufgehoben sein. Unsere Face2Face-Hoteltester sind für euch auf der ganzen Welt unterwegs und informieren euch ausführlich, welche Hotels top und welche flop sind.  Heute: Das Mercure Hotel  in Berlin Mitte.

Äußeres Erscheinungsbild

Hoteltest, Teil 3: Mercure Hotel in Berlin Mitte, Deutschland

Berliner S-Bahn im Amazon: Die Seitenansicht des Mercure Hotels (Foto: Mercure Hotel Berlin Mitte)

Von außen kann das Hotel vor allem mit einem gigantischen Graffiti-Gemälde punkten, das sich über die gesamte freie Außenwand des Hotels hinzieht. Die Vorderansicht des Hotels gibt sich dagegen klassisch und seriös mit Drehtüreingang und Leuchtreklameanschrift.

Lage

Die Lage des Mercure Hotels Berlin Mitte ist der große Pluspunkt der Unterkunft. Zentral an der U-Bahn-Station Gleisdreieck gelegen, liegt es in Laufweite zu Brandenburger Tor und Potsdamer Platz. Trotz dieser zentralen Lage ist die direkte Umgebung des Hotels äußerst ruhig und die Nachtruhe bleibt ungestört von Diskotheken oder Straßenverkehr.

Zimmer

Das Mercure verfügt über insgesamt 120 Zimmer, hat also meistens auch für Spätbucher noch ein Zimmer frei. Es gibt sowohl klassische Doppelbettzimmer mit großem Bad, Minibar und Fernseher, als auch behindertengerechte Zimmer und Familienzimmer mit der Möglichkeit ein Kinderbett hinzu zu buchen. Ein Nachteil bei den Zimmern hin zum Hinterhof ist, dass die Fenster des nächsten Hauses auf gleicher Höhe in fünf Metern Entfernung liegen. Es können sich dadurch interessante Einblicke bei nichtgeschlossenen Vorhängen, sowohl in die Wohnungen im Nachbarhaus, als auch umgekehrt für die Nachbarn ergeben.

Service

Das Personal ist überaus freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit – von den Rezeptionisten, über die Kellner bis hin zu den Zimmermädchen! Außerdem gibt es ein reichhaltiges Flyer- und Stadtplanangebot neben der Rezeption.

Hoteltest, Teil 3: Mercure Hotel in Berlin Mitte, Deutschland

Gewohnte Innenansicht eines Hotelzimmers: Ein normales Standartzimmer im Mercure Hotel (Foto: Mercure Hotel Berlin Mitte)

Gastronomie

Das Frühstücksbuffet ist vielfältig: Obst, Gemüse, Wurst, Käse, verschiedene Marmeladen, einige Müslisorten, Rührei, Speck, Brötchen, Kuchen und vieles mehr. Es ist aber im normalen Preis nicht inbegriffen und kostet 16 Euro. Täglich hat die Hotelbar von 15:00 Uhr bis 1:00 Uhr nachts geöffnet.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Sauberkeit/Hygiene

Das gesamte Hotel ist sehr sauber: Im Frühstücksraum wird benutztes Geschirr direkt weggeräumt und die Zimmer werden bereits am Morgen gereinigt.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Das Hotel Mercure darf im Moment drei Sterne sein Eigen nennen, was aufgrund der Zimmer und Bewirtung angemessen erscheint.  Die Preise variieren sehr stark. Besonders zu erwähnen ist, dass es wegen der großen Zimmeranzahl immer wieder günstige Angebote gibt. Es ist also manchmal schon möglich ein Zimmer ab 60 Euro zu buchen.

Ergebnis

Alles in allem ist das Hotel als zufriedenstellend zu bewerten und ist besonders wegen seiner zentralen, ruhigen Lage als guter Ausgangspunkt für eine Berlinreise zu empfehlen. Als einzige Abzugspunkte sind die Nähe des Nachbarhauses, sowie der hohe Aufschlag für das Frühstücksbüfett zu bewerten. Deshalb wird das Mercure Hotel Berlin Mitte von der Face2Face-Reiseredaktion mit 8 von 10 Punkten bewertet.

Vorschau: Am Dienstag, 15. Januar interviewt Face2Face für euch Studenten, die sich weg von ihrer Alma Mater ins Ausland gewagt haben.

Sinn-liche Erlebnisse in Berlin, Teil 2: Der Raum der Stille

In dem letzten Teil dieser Serie ging es um die UnsichtBar, das Dunkelrestaurant,  in dem bewusst auf die visuelle Wahrnehmung verzichtet wird, um die Speisen, die Umwelt und sich selbst über die anderen vier Sinne intensiver zu erleben. Diesmal dreht sich alles um eine Erfahrung in vollkommener Stille.

Kein Alltag lässt sich absolut geräuschlos meistern, es sei denn man ist gehörlos. Zu jeder Zeit, an jedem Ort ist man umgeben von einer Geräuschkulisse, die in hektischen Großstädten wie Berlin sehr laut und aufwühlend sein kann. Besonders akustische Reize können eine innere Unruhe hervorrufen, wohingegen eine ruhige Umgebung einen Raum zur Erholung bietet.

In der Hauptstadt Deutschlands befindet sich ein Ort, an dem die Stille Herrscherin ist. Im Jahre 1994 wurde  „der Raum der Stille“ im nördlichen Torhaus des Brandenburger Tors eröffnet. Vorbild ist ein Meditationsraum, der von UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjöld 1954 im Gebäude der Vereinigten Nationen in New York eingerichtet wurde. Es ist ein kleiner Raum mitten im Herzen Berlins, der schallisoliert ist und somit das Eindringen von Lauten nicht zulässt. Er ist innerhalb der Öffnungszeiten für jeden zugänglich und ermöglicht es dem Besucher für eine Weile in sich zu gehen. Reden ist nicht erlaubt und ein Schild verweist darauf, sich möglichst geräuschlos zu bewegen.

Sinn-liche Erlebnisse in Berlin, Teil 2:  Der Raum der Stille

Raum der Stille: Im nördlichen Torbogen des Brandenburger Tores (Foto: pixelio/Tim Reinhart)

Auch visuelle Reize gibt es nicht viele. Die einzige Dekoration in dem circa 30 Quadratmeter großen Zimmer ist ein Webteppich, dessen Thema „Licht, das die Finsternis durchdringt“ ist. Da der Raum keiner Religion oder Weltanschauung gewidmet ist, werden auf jegliche politische oder religiöse Symbole verzichtet. Der Raum der Stille soll laut der Initiatoren „eine ständige Aufforderung zu Geschwisterlichkeit und Toleranz unter den Menschen, zwischen den Nationalitäten und Weltanschauungen, sowie eine ständige Mahnung gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit – ein kleiner Schritt hin zum Frieden“ sein.

Betreut wird das Ganze von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Förderkreises, die im Vorraum für Fragen oder Anregungen zuständig sind. Jeden Tag wird dieser Ort aus den verschiedensten individuellen Gründen aufgesucht. Manche Besucher suchen in ihm nur ein wenig Entspannung, andere geraten zufällig aus Neugierde in den Raum, wieder andere beten oder wollen sich in Ruhe über Dinge in Klaren werden. Ihre Eindrücke und Gedanken schreiben sie nach dem Aufenthalt oftmals in das Besucherbuch, das im Vorraum ausliegt, sodass zum 15-jährigen Jubiläum bereits 47 Bänder voll waren.

Eine Berlinerin schreibt: „Ich lebe seit über 30 Jahren in dieser Stadt (im Ostteil) und war über die Teilung und die Mauer sehr bedrückt, oft verzweifelt. Dass es nun diesen Raum der Stille, diesen Ort der Besinnung gibt, direkt im Brandenburger Tor, erfreut mich jedes Mal, wenn ich hier einkehre, und macht mich dankbar. Brennenden Auges stand ich oft und durfte das Tor nur aus der Ferne schauen. An dieser Stelle ist die Erinnerung und Dankbarkeit über den Fall der Grenze und meine persönliche Freiheit besonders stark.“

Tägliche Öffnungszeiten

März bis Oktober 11 bis 18 Uhr
November 11 bis 17 Uhr
Dezember/Januar 11 bis 16 Uhr
Februar 11 bis 17 Uhr

 

Vorschau: Nächste Woche folgt der dritte Teil von Konstantins Osteuropareise.

Die „FashionWeek“ Berlin / July 2011 – Teil IV

Samstagvormittag – Irene Luft
Auf den heutigen Tag freue ich mich ganz besonders, stehen doch gleich drei Runway-Shows an. Den Anfang macht die Münchnerin Irene Luft, deren Name vielleicht noch einige aus der vierten Germany‘s Next Topmodel-Staffel kennen. Damals entwarf sie für die Kandidatinnen eine 20-teilige Kollektion, mit welcher die Damen in Los Angeles ein Fotoshooting hatten. Freudig begebe ich mich also ins Fashionzelt am Brandenburger Tor.
Man merkt, dass Samstagmorgen ist und am Abend zuvor wohl einige feiern waren – so leer habe ich das Zelt in den Tagen noch nicht erlebt. Zu meiner großen Überraschung und Freude allerdings ändert sich dies sehr schnell, als Frau Lufts Show kurz vor Beginn steht. Der Runway ist wie immer gut gefüllt – wo auch immer die vielen Menschen jetzt herkamen.

Der neue Feminismus: Irene Luft (Foto: Beutler)

Der neue Feminismus: Irene Luft (Foto: Beutler)

Frau Lufts Kollektion ist zunächst stark inspiriert vom Colour-Blocking-Trend. Gelb mischt sich mit grün, rot und orange werden mutig kombiniert. Das alles in sehr formbedachten Outfits – klare Schnitte und Abgrenzungen zeichnen eine gewisse Stärke über die ausschließlich weiblichen Stücke. Auch, dass ein Großteil der Models Brillen tragen unterstreicht diese neofeministische Linie. Optisch interessant werden die Stücke durch Teils ausladende Attribute wie große Kragen, zu lange Ärmel, oder sehr dicke Gürtel. Dieses Zusammenspiel aus auffallenden Farben, ausdrucksbetonten Formen und den verspielten Blickfängen macht Lufts Kollektion in meinen Augen zu einem angehenden Trendsetter. Auch schön zu sehen, dass sie sich nicht auf einen Stoff fixiert, sondern von Satin, über Wolle bis hin zu Tüll alles zu kombinieren vermag. Frau Lufts Show verkörpert für mich in wenig den Geist, den die FashionWeek einschlagen sollte: Durch frischen Ideenreichtum und Kombinationsfähigkeit aus Altem und Neuen die Trends von morgen zu setzen. Und das scheint sie sehr gut verstanden zu haben.

Samstagmittag – Hien Le
Weiter geht es mit dem Berliner Designer Hien Le, der auf seiner Show eine fast ähnliche Linie fährt – alles nur noch viel puristischer hält. Puristisch in dem Sinne, dass seine Stücke ohne Schnörkel, ohne Pomp, ohne das verspielte Etwas auskommen. Sie sind sehr zurückgefahren, brillieren durch ganz klare Kanten und stoische Formen. Der zurückgefahrene Formenreichtum spiegelt sich auch in der Farbwahl wieder, die geradezu pastellartig daherkommt. Die einzige Farbe die in voller Qualität erstrahlt ist rot, was zu einigen Hinguckern führt. Die schönen Kombinationen aus einem Creme und jenem satten Rot – was sehr charakterbetonend wirkt -, beziehungsweise creme und pastellgelb sind immer gut durchdacht und schön anzusehen.

Puristisch: Hien Le (Foto: Beutler)

Puristisch: Hien Le (Foto: Beutler)

Erfreulich auch, dass diesmal viele Stücke für die Herren der Schöpfung dabei sind, bestehend oftmals aus einer kurzen Hose und einem aus reiner Seide gefertigten Hemd oder Tank Top. Zwar sind Herrn Les Stücke oftmals nicht körperbetont, sondern luftig – zeichnen jedoch durch die gewählten Farben, Stoffe und Schnitte immer eine gewisse Aussage, die zur jeweiligen Person zu passen scheint. Interessant ist, dass Hien Le oftmals halb-, oder ganzbedeckte Knopfreihen verwendet – eines der wenigen verspielten Details in seiner Linie.
Zusammenfassend ist es eine sehr tragbare, legere Kollektion, die sich wunderbar in die Philosophie der FashionWeek einreiht und Spaß macht, ihr auf dem Laufsteg zuzuschauen. Sollten auch die Einkäufer von Herrn Les Präsentation begeistert gewesen sein, so könnt ihr euch auf ausgefallene, frische Stücke im Kleidermarkt eures Vertrauens freuen!

Samstagnachmittag – Minx
Minx ist das Label der Modedesignerin Eva Lutz und meine letzte Show auf der diesjährigen Berliner FashionWeek. Die Eintrittskarte ist die bisher hochwertigste, die ich in der Hand hatte – gedruckt auf dickem Glanzkarton, mit reserviertem Sitzplatz. Es ist Nachmittag und der Rummel im Fashionzelt wird merklich größer – die Nachtschwärmer wachen auf und ziehen nach. Auch reiht sich wieder die deutsche B-Prominenz zwischen die geladenen Gäste. Ganz vorne natürlich mit dabei: Der männliche Teil der Germany‘s Next Topmodel-Jury. Fast schon komisch ist es mit anzusehen, wie Rolf ,Rolfe‘ Schneider samt Freund mit einem dicken Grinsen auf einer kleinen Vespa angebraust kommt und diese direkt an einem der Parksäulen am Tiergarten abschließt – von exklusivem Fahrservice keine Spur.

Minx: Sommerleicht ... (Foto: Beutler)

Minx: Sommerleicht ... (Foto: Beutler)

Pünktlich beginnt schlussendlich auch der Runway und ich bin gespannt, was ich zu sehen bekomme. Ein letztes Mal der spannende Moment, wenn Musik und Pausenlicht auf einen Schlag ausgehen, nur noch die Blitze der Kameras im dunklen Saal zu sehen und zu hören sind. Ein letztes Mal, wenn das erste Model den Catwalk betritt und mit ihm Spotlight für Spotlight angeht, als würde der Lichtsaum des Models den Laufsteg erleuchten. Ein letztes Mal das Einsetzen des wummernden Beats der Musik.
Vielleicht war es das Maß an zu sehr gesteigerter Vorfreude, weshalb ich ein wenig von Frau Lutz‘ Show enttäuscht bin – was jedoch ganz deutlich wird ist der fehlende rote Faden in ihrer Kollektion. An und für sich sind die Sachen sehr ansehnlich: Es gibt viele fallende Stoffe – sei es an Kleidern oder Oberteilen – eine ganze Bandbreite an Materialien, an Mustern, an Farben. Doch alles zusammen wirkt ein wenig undurchdacht. Mal sind Frau Lutz‘ Werke sehr weiblich – lange, luftige Sommerkleider in prachtvollen Unifarben – dann wieder sehr postfeministisch mit klaren Strukturen, enganliegende Formen, die Stärke der Frau betonend. Zwischendurch brillieren dann wieder Stücke, die sehr urban, sehr jung und dynamisch wirken. Es ist nicht ganz erkennbar, ob diese Bandbreite nun Absicht ist, oder nicht – der Brücken zwischen diesen unterschiedlichen Stilen fehlen jedoch.

... trifft auf kokett. (Foto: Beutler)

... trifft auf kokett. (Foto: Beutler)

Erkennbar ist das auch an der musikalischen Untermalung, die von eher rockigen Stücken bis hin zu Paul Kalkbrenners „Bengang“ eine große Bandbreite abdeckt.
Dennoch: Jedes Stück für sich genommen ist designtechnisch große Klasse. Das merkt man auch am Zuspruch der Zuschauer, die bei einigen Stücken in spontanen Applaus verfallen. Summa Summarum jedoch fehlte Frau Lutz die gerade Linie, die bei vielen anderen Designern auf der FashionWeek zu sehen war. Eine schöne Show jedoch allemal – betrübt verlasse ich das Fashionzelt der FashionWeek 2011 am Brandenburger Tor also nicht, im Gegenteil.

Samstagabend – Fazit
Da stehe ich nun also, hier, am Hauptbahnhof. Den „Trolli“ in der Hand, den Kopf voller Eindrücke. Was ist sie denn nun, die FashionWeek?
Laut und bunt ist sie. Eine kleine, eigene Welt für sich in der Zeit und Raum zu verschwimmen scheinen. Es hat den Anschein, als sei während dieser fünf Tage die ganze Hauptstadt in Aufruhr, würde alles noch jünger, noch wilder, noch dynamischer sein. Das hat wohl damit zu tun, dass viele Präsentationen – gerade die Designer – um Aufmerksamkeit in diesem Sammelsurium von Möglichkeiten kämpfen müssen. Der Markt ist hart umkämpft. Andererseits aber auch damit, dass alle wissen, dass die FashionWeek in Berlin noch auf Kinderbeinen steht, irgendwann aber mal mit den ganz großen mitzuspielen vermag.
Und bis dorthin ist sie auf einem guten Weg. Die gezeigte Mode war nicht so verrückt wie man sie von FashionWeeks aus anderen großen Städten kennt. Sie war verhältnismäßig eher puristisch. Das heißt nicht, dass sie langweilig war – es wurde einfach Mode für den Mann, bzw. die Frau gezeigt, Tragbares, wenn man so will. Ein wenig mehr Mut, der ein oder andere Skandal hätten ihr vielleicht gut getan. Noch ist das Abbild der FashionWeek wohl zu glattpoliert, sie polarisiert noch nicht.
Ich prophezeie ihr jedoch Großes – in Deutschland, speziell in Berlin, gibt es wahnsinnig viele talentierte, junge Designer, die – und das muss man auch mal sagen – wie wohl auf keiner anderen FashionWeek so ein Sprachrohr geboten bekamen wie diesmal in Berlin. Unzählige Nachwuchspreise wurden verlieren, viele der ausbildenden Hochschulen hatten eigene Runways – betrachtet man die FashionWeek also von diesem Standpunkt aus, steht ihr eine blühende Zukunft bevor. Noch ein Grund mehr, diese schillernde, schöne Welt im Januar wieder zu betreten. FashionWeek, du hast mich bald wieder, sei dir dessen sicher!

Fotos zu allen Fashionshows gibt es in meiner Galerie.

Vorschau: Nächste Woche gibt es an dieser Stelle ein Interview mit der Gewinnerin der aktuellen Staffel von Germany‘s Next Topmodel: Jana Beller! Seid gespannt!

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