SoulMe – eine Dating-App auf der Suche nach dem Seelenverwandten

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass man seine wahre Liebe im echten Leben trifft und dass sich zum Beispiel aus einer Freundschaft mehr entwickeln kann, weil schon mal eine gemeinsame Basis vorhanden ist, auf der man aufbauen kann. Dating-Apps sind deshalb nichts für mich. Eigentlich. Das Konzept der Dating-App SoulMe – den Seelenverwandten statt einen schnellen Flirt finden – hat mich dann aber doch ein wenig neugierig gemacht.

Von Freundschaft zum Start-up

Die Freunde Florian, Johannes und Luca, die sich ursprünglich mal in einem Fitnessstudio kennengelernt haben, haben die App ins Leben gerufen. Inzwischen gehören noch zwei weitere Jungs zum Team von SoulMe. Die Idee, eine Dating-App zu entwickeln, entstand schlicht und ergreifend aus Eigenbedarf: „Wir hatten uns im Sommer 2016 getroffen, um „krampfhaft“ irgendeine – damals noch andere – Idee zu entwickeln, allerdings hatten wir es immer wieder über die oberflächliche Online-Dating-Schiene. Florian kam gerade aus einer langjährigen Beziehung und fand es im ersten Moment schwierig und ungewohnt, wieder Anschluss zu finden. Selbst mit seinen besten Kumpels konnte er nicht so richtig darüber reden, weil keiner wirklich verstanden hat, wie er sich dabei fühlt. So langsam kam also die Idee, ein Konzept zu entwickeln, das einem ermöglichen kann, Leute mit gleichen Interessensgruppen und/oder Charaktereigenschaften zu finden.“ Die Jungs haben dann noch verschiedene Dating-Apps getestet und festgestellt, dass sich ihrer Meinung nach das Meiste nur auf der Oberfläche abspielt. Deshalb wollten sie einen Umbruch im digitalen Kennenlernen starten. „Ab einem gewissen Zeitpunkt ist man auch in einem Alter, in dem eine tiefe, innige Beziehung das Ziel ist; das ist auf oberflächlichen Kontaktbörsen zwar auch machbar, jedoch sehr schwierig zu finden. Genau deshalb haben wir also auch SoulMe entwickelt, um eine tolle Alternative zu bieten“, sagen die Entwickler. Obwohl sie bei ihrem Start-up mit Patrick nur einen Programmierer im Team haben und die Wort- und Bildmarke erst kreieren mussten, hat es dennoch von der Idee bis zum Release der momentanen Version nur etwa sechs Monate gedauert. Florian, Johannes und Luca sehen ihre Dating-App allerdings vielmehr als generelle Kennenlern- und Freundes-App: „Wir wollen wirklich ALLEN Menschen ermöglichen, online Leute kennenzulernen, egal, ob Schüler, Student, Erwachsener mit Kind, verheiratete Person oder Senior.“

Was eine Dating-App so alles wissen will

Also gut, es kann nie schaden, neue Leute kennenzulernen und man weiß ja nie, ob sich nicht vielleicht doch mehr daraus ergibt. Gesagt, getan! Nach dem kostenlosen Download melde ich mich mit Benutzernamen, E-Mail und Passwort bei SoulMe an.

SoulMe – eine Dating-App auf der Suche nach dem Seelenverwandten

Originell: Jedes Mal ein neues Zitat beim Start von SoulMe (Foto: SoulMe/S. Holitzner)

Zuvor wurde ich auf dem Startbildschirm mit originellen Zitaten wie „Wer in der Zukunft blättern will, muss in der Vergangenheit lesen“ und „Ich komme eigentlich nie zu spät, die anderen haben es bloß immer so eilig“ begrüßt – eine lustige Idee, die das ganze Thema „Partnersuche“ gleich ein wenig auflockert! Mein Geburtsdatum, mein Geschlecht und meinen Wohnort will die App ebenfalls von mir wissen. Aus einer Liste kann ich meinen Berufsstand und meinen Beziehungsstatus auswählen, muss ich aber nicht. Ich habe kein Problem damit, „Studentin“ und „Single“ anzugeben. Ein Profilbild stelle ich jedoch erst mal nicht ein, da ich zuerst sehen möchte, wer so auf SoulMe unterwegs ist, bevor ich mich auch optisch zu erkennen gebe.

Mit Charaktereigenschaften einen Schritt näher zum Ziel

Nach den erforderlichen Angaben komme ich endlich zu den spannenden und vermutlich einzigartigen Optionen der App, nämlich zur sogenannten „Soulerstellung“. Dazu fordert mich SoulMe auf, aus Listen acht positive, vier ambivalente und vier negative Eigenschaften auszuwählen, die mich einzigartig machen.

SoulMe – eine Dating-App auf der Suche nach dem Seelenverwandten

Noch recht leicht: Die Auswahl der positiven Charaktereigenschaften (Foto: SoulMe/S. Holitzner)

Es fällt mir recht leicht, bei 31 positiven Eigenschaften, die zur Wahl stehen, acht, die zu mir passen, herauszupicken. Da kann ich mir dann so etwas wie „kreativ“, „romantisch“, „familiär“, „zuverlässig“, „gewissenhaft“ und „kommunikativ“ aussuchen. Zur Angabe von vier ambivalenten Eigenschaften aus insgesamt 22 möglichen kann ich mich auch noch entschließen. Dazu gehören dann Dinge wie „emotional“ und „sensibel“. Es fällt mir jedoch echt schwer, vier negative Eigenschaften von mir aus den 28 Vorgaben zu selektieren. Vieles davon sehe ich tatsächlich wirklich nicht bei mir. Ich hätte keine Schwierigkeit damit, so etwas wie „unpünktlich“ (ja, das bin ich leider wirklich manchmal, auch wenn daran zumindest bei 50% der öffentliche Nahverkehr schuld ist) anzugeben. Das fehlt jedoch komplett in der Auflistung. Stattdessen ringe ich mich notgedrungen dazu durch, „stur“ und „launisch“ in die engere Auswahl zu nehmen. Die Gründer von SoulMe haben mir im Vorfeld verraten, wieso man überhaupt Negatives von sich preisgeben muss: „Da wir einen Umbruch im digitalen Kennenlernen starten, sollen die User auf jeden Fall Charakter zeigen. Damit wollen wir uns von der Oberflächlichkeit verabschieden. Da wir nicht wollen, dass sich jeder nur von seiner besten Seite präsentiert – denn: nobody’s perfect –, haben wir uns das überlegt.“ Ich mache weiter: Nach den Charaktereigenschaften habe ich die Möglichkeit, mir drei Interessen aus 17 verfügbaren herauszusuchen, die zu mir passen. Ganz klar: „Musik“, „Fotografieren“ und „Reisen“. Das war jetzt nicht so schwer. Für die Charaktereigenschaften und Interessen haben die Gründer der App im Internet verschiedene Listen durchgesehen und aus über 1.600 möglichen eine Auswahl getroffen, mit der sich jeder grob beschreiben kann.

Per Knopfdruck zum passenden Soul

Für mein Profil muss ich mich dann nochmal für zwei positive Eigenschaften sowie eine ambivalente und eine negative Eigenschaft entscheiden, die dort auftauchen sollen. Auch, dass ich nur Männer angezeigt bekommen möchte, kann ich dort einstellen. Über einen Schieberegler kann ich jetzt bestimmen, zu wie viel Prozent meine Souls mit mir, also meinen gemachten Angaben zu Charakter und Hobbys, übereinstimmen sollen. Souls sind alle Nutzer, die sich bei der App angemeldet haben und zu einem potentiellen Freund werden können. „Unser Konzept war von Anfang an darauf ausgelegt, dass man mit der App Gleichgesinnte, Gleichdenkende und Gleichfühlende finden kann, echte Seelenverwandte, also SoulMates. Da wir allerdings unser eigenes „Wort“ kreieren und den Namen auch etwas abkürzen wollten, haben wir uns für „SoulMe“ entschieden. In der App erstellt jeder Nutzer später seinen individuellen Soul, weswegen wir auch hier das „SoulMe“ mit „text me“ oder „message me“ assoziieren wollen“, sagen die Gründer über die Auswahl des Namens für die App. Von der Grundidee bin ich begeistert. Mal gucken, wer mir jetzt so angezeigt wird, wenn ich auswähle, dass meine Souls zu 50% mit mir übereinstimmen sollen. Klar, es hat auch was, völlig unterschiedliche Eigenschaften und Interessen zu haben, aber für eine erste Kontaktaufnahme schadet es sicher nicht, wenn man doch bei manchen Sachen auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Der Algorithmus des automatisierten Matchings sucht mir nun alle Souls heraus, die mindestens die Hälfte aller eingegebenen Eigenschaften mit mir gemeinsam haben.

Finde deinen Prinzen (oder auch nicht)

Unter dem Menüpunkt „Generals“ kann ich danach festlegen, aus welchem Umkreis meine potentiellen Souls kommen sollen. Ich könnte das auch auf ganz Deutschland ausweiten, entschließe mich aber dazu, die Suche erst mal auf 50 Kilometer Umkreis zu beschränken. Nun werden mir nach und nach rund 40 Männer, manche mit Profilbild, manche ohne, präsentiert. Bei jedem sehe ich neben Alter und Wohnort auch die Entfernung zu meinem Wohnort, die drei Interessen und die insgesamt vier für das Profil ausgewählten Charaktereigenschaften. Mindestens 15 der Männer meiner Suchergebnisse sind über 40 und mindestens 15 weitere unter 20 Jahre alt. Blöd, dass ich so gar nicht nach Alter filtern kann.

SoulMe – eine Dating-App auf der Suche nach dem Seelenverwandten

Geplant für 2018: Anhand von vier Emojis sollen sich Nutzer gegenseitig bemerkbar machen können (Foto: SoulMe)

Das soll sich zum Glück im Frühjahr 2018 mit dem geplanten Update von SoulMe mit komplettem Redesign und neuen Features ändern. Dann sind zum Beispiel noch viele neue Eigenschaften und Interessen geplant, die das SoulMe-Team durch das für sie wichtige Feedback von Nutzern aufgegriffen hat. Auch wenn die Idee hinter SoulMe ist, Menschen mit ähnlichen Interessen und Charaktereigenschaften anzuschreiben, wandert der erste Blick trotzdem auf das Foto der einzelnen Nutzer. Das mag jetzt vielleicht oberflächlich klingen, aber ich möchte niemanden kontaktieren, der allein schon vom Foto her aussieht, als er sei einem Gruselkabinett entsprungen oder in einen Jungbrunnen gefallen. Auch alle ohne Profilbild fallen daher für mich raus. Von den wenigen verbleibenden Suchergebnissen schreibe ich einen 24-Jährigen und einen 26-Jährigen an, die beide wirklich sympathisch aussehen. Beide haben bei ihren Interessen ebenfalls „Reisen“ und „Fotografieren“ vermerkt. Das ist jetzt drei Wochen her. Noch heute warte ich auf ihre Antwort. Es ist, finde ich, ein Ding der Höflichkeit, wenigstens mal zu antworten, dass man kein Interesse hat oder vorher erst wissen möchte, wer sich optisch hinter einem Profil verbirgt. Aber selbst das war den werten Herren scheinbar zu viel. Auch sonst hat mich niemand von sich aus über die App kontaktiert.

Man muss es wirklich wollen

Das Konzept hinter SoulMe ist meiner Meinung nach wirklich durchdacht und gut gemacht. Doch das bringt mir leider alles nichts, wenn es an geeigneten Souls mangelt. Vielleicht probiere ich nochmal, die Suche deutschlandweit und ohne große Profilübereinstimmung auszuweiten. Vielleicht bin ich auch zu anspruchsvoll oder habe am falschen Ort gesucht. Ich habe jedoch wieder einmal festgestellt, dass ich Menschen einfach lieber im echten Leben kennenlerne und anspreche, als mich auf einen digitalen Kuppler zu verlassen. Der Versuch, eine App wie SoulMe auszuprobieren, schadet sicher nicht. Allerdings muss jeder selbst entscheiden, ob das der geeignete Weg ist, um nette Bekanntschaften zu machen oder den Partner fürs Leben zu finden.

Mit Dating-Apps zum Erfolg?

Mit Dating-Apps kann man ungezwungen Leute kennenlernen – da sind sich die beiden Studenten Katja (26) und Tobias (27) einig. Katja hat bereits Erfahrungen mit den Apps „Tinder“, „Once“ und „OkCupid“ gesammelt und durch letztere ihren derzeitigen Freund gefunden. Auch Tobias hat schon einige Dating-Apps ausprobiert; seiner großen Liebe ist er dadurch jedoch noch nicht begegnet.

Erstmals genutzt hat Katja eine Dating-App während eines Aufenthaltes in Rumänien, weil sie dort niemanden kannte und Kontakte gesucht hat. Tobias hingegen hat sich auf Empfehlung von Freunden, die auf diese Weise ihren Partner getroffen haben, bei verschiedenen Dating-Apps angemeldet. Als jahrelanger Single dachte er, dass dies seine Chance erhöhen würde, interessante Frauen kennenzulernen. Doch wie hilfreich sind Dating-Apps wirklich und wie unterschiedlich sind die Erfahrungen mit den digitalen Kupplern?

Katja: Viele haben ja Vorurteile, was Dating-Apps angeht, aber ich finde, dass es damit nicht „besser oder schlechter“ ist als jemanden in der „realen“ Welt kennenzulernen.

Mit Dating-Apps zum Erfolg?

Dating mal anders: Romantisches Date per Smartphone? (Foto: S. Holitzner)

Tobias: Ich fand „Lovoo“ ziemlich niveaulos. Alles andere war okay. Natürlich gab es auch da sehr seltsame Sachen: Fake-Accounts, Werbung, pornographische Inhalte und schlüpfrige Angebote. Aber dem ist man als Frau bestimmt noch mehr ausgesetzt.

Katja: Wahrscheinlich. Das liegt aber bestimmt auch daran, dass es zum Beispiel bei „Tinder“ deutlich mehr Männer als Frauen gibt. Selbst ohne aktiv etwas zu tun, wurde ich von Männern angeschrieben.

Tobias: Bei „Tinder“ sind sicher mehr die Typen aktiv, die sich im realen Leben nicht trauen, Frauen anzusprechen und dann einen auf dicke Hose machen. Also gibt es da doch viele notgeile Typen, die nur ne schnelle Nummer schieben wollen und dementsprechend direkt oder versaut schreiben, oder?

Katja: Ich hatte eher das Gefühl, dass es zwei große „Gruppen“ gab: Die, die auf schnellen Sex aus waren, und ganz viele ganz Schüchterne. Also klar gab es auch Männer „dazwischen“, aber viele, die eben in eine dieser Gruppen passen. Ich denke aber, dass die Typen, die nur auf eine schnelle Nummer aus sind, Frauen auch in Bars auf diese Weise anflirten würden. Aber gab es keine Frau bei dir, die „schnell zur Sache“ kommen wollte?

Tobias: Ja, bei mir gab es auch Frauen, die schnell zur Sache kommen wollten. Eine schrieb mir, dass sie mit mir Sex will. Als ich dann meinte, dass ich nicht auf One-Night-Stands aus wäre, schrieb sie, dass man es ja auch zweimal treiben könne. Das war schon wieder so krass, dass es fast amüsant war.

Katja: Oha. Ich glaube, so direkt war da niemand bei mir. Es war dann doch noch ein bisschen mehr „durch die Blume“.

Tobias: Mein Eindruck ist, dass es nur wenige gibt, die eine Beziehung suchen und dies auch so formulieren.

Katja: Das finde ich aber auch schwierig, das von Anfang an so zu formulieren. Es ist immer noch „nur“ ein Weg, um Leute kennenzulernen, und nicht mehr. Mich hat es immer sehr unter Druck gesetzt, wenn ich nach kurzem Chatten die „Ansage“ bekommen habe, dass der andere eine Beziehung sucht.

Tobias: Stimmt, so Ansagen wie „Beziehung gesucht“ sind manchmal nicht einfach und setzen unter Druck. Aber man weiß dann, woran man ist und kann entsprechend damit umgehen. Und erzwingen kann man sowieso nichts.

Katja: Aber wenn du jemanden in einer Bar oder sonstwo kennenlernst, dann stellt sich die Frage nach einer Beziehung auch nicht nach drei Sätzen, oder? Ich glaube etwas „Ungewissheit“ gehört auch einfach dazu und da sind Dating-Apps für mich auch nicht anders als das reale Leben. Ich hatte einmal ein Date mit jemandem, der ziemlich „offen“ und wahrscheinlich auch ein bisschen verzweifelt eine Beziehung gesucht hat. Während des Dates habe ich richtig gemerkt, wie er manche Themen „abgeklopft“ hat, um zu schauen, ob es passt. War super unangenehm.

Tobias: Ich sage meinen Dating-App-Dates schon, dass ich nicht zum Spaß hier bin. Also ich bin nicht auf One-Night-Stands, Abenteuer, Affären oder so aus. Wenn wir uns sympathisch sind, können wir uns mal treffen. Und dann muss man sowieso mal sehen, ob es in eine freundschaftliche Richtung geht oder ob vielleicht mehr daraus wird. Es ist gar nicht so einfach, den guten Mittelweg zwischen „Ausfragen“ und lockerem Gespräch zu finden, weil einfach die Situation schon erzwungen ist.

Katja: Ja, das stimmt. Ich war aber auch jemand, der sich immer relativ schnell treffen wollte, weil ich nicht so hohe Erwartungen haben wollte.

Tobias: Ich kann vielfach von Frauen berichten, die irgendwann nicht mehr zurückschreiben oder kurz vor einem ersten Treffen grundlos absagen und nicht mehr reagieren. Finde das immer ein wenig charakterlos, weil man ja schreiben kann, dass man „kalte Füße“ bekommen hat, jemand anderes kennengelernt hat oder kein Interesse mehr besteht.

Katja: Das geht gar nicht! Ist mir aber auch mit Männern passiert.

Tobias: Ich glaube, manche suchen die Bestätigung und ihnen reicht, wenn man sich mit ihnen treffen will. Oder sie treffen lieber jemand anderes, weil sie parallel mit anderen schreiben. Für mich ist das erste Treffen auch immer ein Kennenlernen bzw. Beschnuppern, weil man sich eben noch nicht persönlich kennt. Erst danach, wenn man sich nochmal trifft, würde ich von einem Date reden.

Katja: Okay. Ich habe da nie wirklich einen Unterschied gemacht. Ich fand meinen Freund nach dem ersten Treffen noch nicht so cool. Ich habe ihn über „OkCupid“ kennengelernt. Er hat mich angeschrieben und er war mit Bild drin. Ich war bei dieser ganzen Online-Dating-Sache ziemlich unverkrampft und hatte einfach Lust, mich mit ihm zu treffen. Das war jetzt aber kein erstes Date, wo es gleich mega gefunkt hatte. Es war nett, aber mehr halt auch nicht. Und ich war zu dem Zeitpunkt auch eigentlich gar nicht so interessiert, aber er hat da nicht locker gelassen. Ich habe es die ersten Treffen nicht so ernst genommen und dann ist mir langsam gedämmert, dass ich ihn schon mag und daraus ist mehr geworden.

Tobias: Das hat sich ja dann gelohnt, dass er drangeblieben ist. Mit wie vielen Männern hast du dich vorher getroffen?

Katja: Mehr als zehn. Und du?

Tobias: Ich habe mich mit weniger als zehn Frauen getroffen. Vermutlich neige ich dazu, manchmal zu lange mit Frauen zu schreiben. Und dann entstehen beidseitig schon irgendwelche Erwartungen bzw. Hoffnungen. Wenn dann bei einem Treffen nicht so der Funke überspringt vom optischen Eindruck her oder weil man nicht so die Gesprächsthemen findet, ist die Enttäuschung irgendwo beidseitig schon vorhanden.

Katja: Ich glaube, dass es hilft, einfach nicht so krampfhaft nach irgendwas zu suchen. Habe ich auch eine Zeit gemacht und es ist ziemlich danebengegangen.

Tobias: Es gab sicher Phasen, in denen ich zu krampfhaft gesucht habe. Die Tatsache, dass ich nicht so die Erfahrungen mit Frauen habe, macht es auch nicht besser. Wenn man mit jemandem schreibt, weiß man halt auch gar nicht, wer am anderen Ende sitzt. Die Emotionen fehlen und das persönliche Kennenlernen ist das A und O. Auch die Optik spielt definitiv eine Rolle und lässt sich nur zum Teil durch Fotos beurteilen, was ja auch oberflächlich ist. Mir gefällt der Spruch: „Die Optik ist die Eintrittskarte und der Charakter die Dauerkarte.“ Aus dem Grund habe ich für mich nun auch gemerkt, dass diese Apps für mich nicht geeignet sind und mich mittlerweile überall abgemeldet. Allerdings hatte es für mich auch nicht nur Schlechtes. Ich habe darüber eine richtig gute Freundin kennengelernt. Da war aber schon beim Schreiben vor dem ersten Treffen klar, dass es rein freundschaftlich ist.

Ob Liebe oder Freundschaft – sowohl Katja als auch Tobias haben über verschiedene Dating-Apps jemanden kennengelernt. Jetzt wollen wir von euch wissen: Welche Erfahrungen habt ihr mit Dating-Apps gemacht?

Ausgeredet? A little more conversation!

Zu viel Alltag? Wie wär's mit " a little more ..." ( ©Rainer Sturm / pixelio.de)

Zu viel Alltag? Wie wär’s mit “ a little more …“ ( ©Rainer Sturm / pixelio.de)

Mal wieder ein langer Tag. Nach einer Portion Arbeit, einem Nachmittag voll Kindererziehung, der x-ten Fertigstellung desselben Puzzles, dem unendlichen Putzen von Babynasen, dem monotonen Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, dem Aufsammeln von über den Tag geleerten Joghurtbechern und einem Abendessen mit den Lieben sitzen mein Mann und ich auf dem Sofa. Der Fernseher berieselt uns, das Programm entscheidet der Wochentag. Wir sind müde, redefaul, gefangen im Alltag. Eine Situation, die jedes Paar irgendwann kennt, ob mit oder ohne Kind(er), Hund und Katz, Eltern, die abends anrufen und Kollegen, die sich nach 21 Uhr per Whats App melden. Plötzlich sind die zwei wieder zu zweit.

„A little less conversation, a little more action please“, brummte Elvis Presley einst ins Mikrophon, woraufhin dutzende kreischende Anhänger(innen) nur noch an die verheißungsvolle „Action“ dachten. Doch wie geht man und frau das eigentlich an? Einfach loslegen und hoffen, dass der andere mitmacht? Hinterher um Verzeihung bitten ist leichter, als vorher um Erlaubnis zu fragen? Wie wahnwitzig das bei guten alten Sex ist, wurde erst kürzlich wieder deutlich, als niemand anderes als das Jugendmagazin Bravo sich einer ziemlich negativen Kritik gegenüber sah, nachdem es Mädchen „Flirt-Tipps“ gegeben hatte, die so eindeutig daneben waren, dass ein Stur der Entrüstung durch das Internet rollte. Die Organisation Pinkstinks hat daraufhin mal genauer nachgeschaut und neben Brüste- und Penisgallerien doch glatt einen Beitrag über Oral-Sex gefunden, in dem den weiblichen Geschlechtspartnern geraten wird, sich „selbstlos“ von ihm oral befriedigen zu lassen, auch wenn sie es nicht will, und der männlichen Part bekommt an anderer Stelle allen Ernstes gesagt: „Frag sie im Zweifelsfall hinterher, ob es okay war“, wenn es darum geht, auf sie zu ejakulieren. Wer hier unten liegt, ist ja wohl klar und ich bedanke mich bei Doktor Sommer dafür, die nächste Generation so gegendert, wie nur möglich, zu beraten.

Ausgeredet? Bei der Kommunikation darf es immer "a little more" sein (© Hans-Joachim Bussing / pixelio.de)

Ausgeredet? Bei der Kommunikation darf es immer „a little more“ sein (© Hans-Joachim Bussing / pixelio.de)

Was ich beim Aufregen über das Frauenbild der Bravo-Redaktion aber auch merke: Es wird nicht geredet. Vor dem Sex nicht und dabei schon gar nicht. Und auch sonst nicht. Jedenfalls nicht über Sex. „Sowas kann man schlecht beim Spaziergang besprechen.“, schreibt Bravo und ich frage, warum nicht? Eine entspannte Atmosphäre ist doch ideal, um über Sex zu reden, über Stellungen und Aktionen, die der eine mag und der andere nicht, oder beide toll finden. Ich fasse es manchmal nicht, dass Sex immer noch derart sakralisiert  wird, dass nicht einmal die, die ihn miteinander haben, haben wollen oder hatten nicht darüber sprechen können. Gehört Geschlechtsverkehr nicht mehr zum Leben dazu? Sind nicht gerade Bücher wie 50 Shades of Grey und After Passion so ein Hit, weil es darum um Sex geht, noch dazu um „besonderen“, weil nicht unter die Kategorie Missionarsstellung verbuchbar? Liebe Leute: Sex gehört zum Leben, sonst würd es das nicht geben!

Im neu erschienenen Buch Think Love geht der Paartherapeut Ulrich Clement gerade diesem Problem an den Kragen, denn er hat darin 180 Fragen gesammelt, die Paare sich gegenseitig über ihren (gemeinsamen) Sex stellen können, um ihn und sich besser zu verstehen und vielleicht auch besser werden zu lassen. Treffend formuliert: „Sexualität ist Kommunikation auf körperlicher Ebene. Nur wer redet wird gehört.“ Weil hinter jeder Frage Platz zum selbst Reinschreiben ist, wird das Buch auch für die interessant, die eben nicht so leicht über Sex reden, sich aber trotzdem dazu auslassen wollen. Denn bevor wir verstummen können und uns der körperlichen Kommunikation hingeben, ist manchmal eben doch „a little more conversation“ nötig. Ohne Frage braucht das oft Überwindung, der Prüderie und Bravo sei Dank, aber wenn wir diese Hürde bei dem Menschen, mit dem wir Speichel, Schweiß und andere Körperflüssigleiten austauschen nicht fallen lassen können, ist es vielleicht nicht verkehrt, darüber mit demjenigen zu reden.

Wir zwei auf unserer Couch genießen manchmal die Berieslung des Fernsehers nach einem stressigen Tag, ziehen uns manchmal an unsere Rechner zurück, haben manchmal Sex. Aber geredet wird bei uns jeden Abend. Über alles. Denn Reden in einer Beziehung ist wie Geld in der freien Wirtschaft. Zahlungsmittel, Zaubermitteln, Zündstoff für das eine oder das andere.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna darüber, wie es ist, wenn die Zeit mal wieder rast.

 

Die Kunst des Liebens

Stellt euch vor, Liebe wäre eine Kunst, die man erlernen kann. Schenkt man Erich Fromm Glauben dann kann jeder – an dieser Stelle können diejenigen, die die Hoffnung an die Liebe endgültig aufgegeben haben einmal aufatmen – das Lieben erlernen. Eins sei aber gleich zu Beginn gesagt: Diese Kunst zu erlernen ist kein Zuckerschlecken. Ob es weniger talentierte Liebeskünstler gibt, darüber sind mir keine Informationen bekannt. Gehen wir also vom Idealfall aus: Jeder kann das lieben lernen. Liebe – das scheint ein Thema zu sein, mit dem sich jeder früher oder später rumärgern muss und sich zeitweise so sehr den Kopf darüber zerbricht, dass man nach stundenlanger Grübelei trotzdem nicht schlauer geworden ist. Dass die Liebe sich zur Abwechslung von ihrer unkomplizierten und harmoniebedürftigen Seite zeigt , ist eher eine Seltenheit, oder bin ich zu pessimistisch? Dabei ist das doch entgegen ihres Gemütes, oder nicht?

Die Liebe: So viel schöne Mythen ranken sie um die Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber  / pixelio.de )

Die Liebe: So viel Mythen ranken sie um das Phänomen Liebe, doch sie bringt auch viel Kummer (Foto: Bluetenzauber / pixelio.de )

Sprechen wir von Liebe, gehen wir zumeist wie ganz selbstverständlich von romantischer Liebe zwischen zwei Menschen aus. Ich weiß, ich will nicht wieder ein altes Fass aufrollen. Doch ich muss diese kitschigen Liebes- und Disneyfilme tadeln. Sie tragen eine enorme Schuld an unserer endlosen Suche nach dem richtigen, vollkommenen Partner. Diesen Filmen ist es zu verdanken, dass wir in Sachen Liebe nicht ganz richtig ticken und einge von uns schon wiederholte Male an einem gebrochenen Herzen gelitten haben. Heutzutage sind einige dahinter gekommen, dass diese vorgegaukelten Liebesideale wenig mit der Realität zu tun haben. So viele Menschen, scheinen bei der Suche nach diesem Mr. oder Mrs. Perfect schier zu verzweifeln, an ihrer zwanghaften Suche zu zerbrechen und die Hoffnung fast aufgegeben zu haben, dass sich dort draußen dieser eine Mensch, dieses sagenumwobene Gegenstück zu uns, wie es so lächerlicherweise angepriesen wird, tummelt. Es gibt so viele unterschiedliche Formen der Liebe. Angefangen von der Liebe zu Freunden oder der Familie. Liebesformen die in ihrer Intensivität genauso Anerkennung verdienen. Doch immer scheint die romantische Liebe, den anderen Liebesformen die Show zu stehlen. Wir suchen, der eine weniger verbissen als der andere, nach der „wahren Liebe“, scheinen unser ganzes Leben darauf hinzuarbeiten und wissen doch nie genau, was wir darunter eigentlich verstehen und wo wir danach Ausschau halten müssen.

Wir wollen geliebt werden, gleichzeitig aber auch unseren eigenen Interessen nachgehen und uns selber verwirklichen. Doch passt das alles unter einen Hut? Ist Liebe etwas, das man findet und dann einfach nur nach Gebrauchsanleitung hegen und pflegen muss?  Muss die Liebe zwischen zwei Menschen, nur wie ein junger Welpe etwas Benehmen anerzogen bekommen und ist fortan ein treuer Begleiter, der nicht weiter Ärger macht und an dem man sich tagtäglich erfreut? Ich fürchte so ist es ganz und gar nicht. Und ich glaube, dies ist auch der Grund warum so viele Beziehungen scheitern. Wir machen es uns zu einfach und haben so unglaublich hohe Erwartungen. Erich Fromm scheint mit seiner Vermutung Recht zu behalten. Im Kern wissen nur ganz wenig Menschen, wie man wirklich liebt. Doch kann man uns das zum Vorwurf machen? Wo lernen wir zu lieben? Idealerweise sollte die Familie der erste Ort sein an dem wir uns geborgen und geliebt fühlen und auch lernen andere zu lieben. Das erste Verliebtheitsgefühl ist großartig – keine Frage. Doch wir sind enttäuscht, wenn dieses sich langsam aber sicher verflüchtigt und nur noch einer schönen, fernen Zeit gleicht, an die man sich gerne zurückerinnert. Und wir scheinen nicht zu verstehen, dass eine Beziehung, dass der Weg zu Liebe, mit ungeheuer viel Geduld und Arbeit verbunden ist. Ja, genau ihr habt richtig verstanden. Arbeit und Geduld!

Viele Menschen scheinen naiver Weise zu glauben, dass, wenn sie einmal den richtigen Partner gefunden haben, die Liebe auch beständig erhalten bleibt. Doch an der Liebe zu seinem Lebenspartner muss man tagäglich arbeiten, sich selbst als Person weiterentwickeln, sich im Gedulidgsein üben, dem anderen seinen Freiraum lassen.

Wirkliche Liebe ist ein Projekt, das viel Zeit Anspruch nimmt. Und das gilt für Freundschaften und romantische Zweier-Beziehungen gleichermaßen! Die Mühe und Arbeit sollte ihr aber nicht Scheuen. Denn wer weiß – vielleicht werdet ihr eines Tages zu herausragenden Liebeskünstlern!

Vorschau: Eva widmet sich nächstes Mal dem Thema der Gleichberechtigung in Partnerschaften

Andere Zeiten – Andere Ehe

Heiraten, Kinder kriegen, Familienleben.  So sah der Lebensentwurf viele Jahre lang aus. Doch die bedeutungsschwangeren Worte eines „Ja, ich will“ kommen mittlerweile immer weniger Paaren über die Lippen. Es stellt sich gar die Frage, ob wir überhaupt noch dazu bereit sind uns die Treue zu schwören – es muss ja nicht bis ans Lebensende sein.

Solidarisch: Ist die Ehe ein Auslaufmodell? (Foto: V.Wahlig)

Solidarisch: Ist die Ehe ein Auslaufmodell? (Foto: V.Wahlig)

Fest steht: Die Zahl der Eheschließungen geht zurück. Während 1988 noch 534903 Paare in den Hafen der Ehe einliefen, waren es 2013 nur noch 373 600, also rund 30% weniger. Ob es an dem zu schnellen Lauf der Zeit, zu hohen Ansprüchen an eine Partnerschaft oder an der Angst den letzten Schritt in einer Beziehung zu gehen liegt, lässt sich nicht ganz so einfach beantworten. Deutlich wird aber bei dem heutigen Lebensstil: Heiraten steht nicht mehr so weit oben auf der To-Do-List. Schnell wird das Verlangen laut zu heiraten ohne zu heiraten. Also ein Ja ohne einen Trauschein.

Diesen Wunsch hegen auch immer mehr junge Franzosen und Frankreich bietet seinen Verliebten seit 1999 die Möglichkeit Ja zu einer solidarischen Beziehung und Nein zur Ehe zusagen. Die Lösung heißt Ziviler Solidaritätspakt (PACS aus dem Französischen  für pacte civil de solidarité). PACS bietet die Chance eine zivilrechtliche Partnerschaft  mit Gütergemeinschaft, gemeinsamer steuerlicher Veranlagung und steuerlich günstigen Erbbestimmungen zu führen. Dabei ist er nicht abhängig von der sexuellen Orientierung Rund 95% der PACS werden von heterosexuellen Paaren eingegangen.

Im Unterschied zur Ehe wird der PACS nicht vor dem Bürgermeister, sondern vor dem Amtsgericht geschlossen. Es reicht der Personalausweis um sich die gegenseitige Solidarität zu bekunden. Aber ist das romantisch, sich die Liebe zu schwören ganz so als ob man gerade mal seinen Wohnsitz ändern möchte? Das haben sich einige Bürgermeister auch gefragt und erlauben nun eine kleine Zeremonie für jedes Paar, das einen PACS schließt.  Aber was bedeutet diese Form der Partnerschaft? In erster Linie verpflichten sich die Paare zu gegenseitiger Hilfe mit Freiheiten für die individuelle Ausgestaltung. Aber sollten diese Pflichten nicht in jeder gesunden Beziehung selbstverständlich sein? Eigentlich ja schon, aber junge Franzosen bekunden ihre Entscheidung zum PACS mit dem Gefühl ihre Partnerschaft auf eine neue Ebene zu erheben. Man schwört sich Solidarität und nicht unbedingt Treue. Aber wozu braucht man eine Eintragung in ein Register, um Ja zueinander zu sagen? Naja, auch rechtlich hält diese Form der Solidarität so manchen Vorteil bereit. So dürfen unversicherte Partner gegebenenfalls die Sozialversicherung des Partners in Anspruch nehmen. Beim Mietrecht haben die Partner, die den Mietvertrag für die gemeinsame Wohnung nicht mit unterzeichnet haben, automatisch das Recht auf die Übernahme des Mietverhältnisses.Zudem wurde auch das Erbrecht dem von Ehepaaren angeglichen. Darüber hinaus ermöglicht der zivile Solidaritätspakt eine bessere Bewertung bei der Ausstellung einer Aufenthaltserlaubnis für einen ausländischen Partner.

Es scheint also, als ob dieser partnerschaftliche Pakt so einige Vorteile bietet. Soziale und rechtliche Vorteile gepaart mit einem „Ja, ich will (solidarisch sein)“.

Falls die Solidarität dann schwindet ist eine Loslösung vom Paktpartner einfacher als eine vielleicht mühevolle und teure Scheidung. Es genügt eine gemeinsame schriftliche Erklärung der beiden Partner beim Amtsgericht des Wohnortes. Entscheidet sich einer der beiden Partner dann doch zu einer Hochzeit, mit einem anderen Partner, löst sich der Pakt ganz von alleine auf. Aber auch wenn dies Art von Solidarität unromantisch klingt, bleibt eine Frage: Ob so ein Solidaritätspakt nach dem Vorbild Frankreichs auch in Deutschland angenommen werden würde?

40 days of dating – die Online-Soap

Eine Frau und ein Mann, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und in jahrelanger Freundschaft verbunden sind, wagen eines Tages ein Experiment. Sie daten sich 40 Tage lang und möchten mehr als nur eine Antwort auf die Frage finden, ob sie auch mehr sein könnten. Sie möchten sich weiterentwickeln und Gewohnheitsmuster brechen. Serienmäßig halten sie alle Geschehnisse auf einem Blog fest und stoßen dadurch auf eine große Fangemeinde. Von zwei Freunden, die einander halfen, sich selbst zu finden.

Das Interview Magazin betitelte sie als das „Liebespaar des Jahres” 2013 und laut einiger US-Illustrierten sind sie die neuen Stars der New Yorker Szene: Jessica Walsh (26) und Timothy Goodman (31). Bei den Namen scheint das Gehirn weder eine Verknüpfung zu letztlich erschienen Kinofilmen zu finden, noch sieht man vor seinem inneren Auge skandalöse Auftritte, die zu fragwürdiger Berühmtheit verhalfen. Und dennoch füllen sie ganze Zeitschriftenseiten und geben fleißig Interviews.

Ihr Zuhause ist das Internet und dort haben sie sich ihre eigene Seifenoper geschaffen. Auf ihrer grafisch mit Liebe zum Detail gestalteten Seite, widmen sie sich einem Projekt, dessen Urheber und Realisatoren sie selber sind. Das Experiment? 40 days of dating. Soll heißen, dass sie sich nach selbst auferlegten Regeln jeden Tag sehen – und zusätzlich dreimal die Woche zu einem richtigen Date verabreden.

Bereits seit mehreren Jahren verbindet die beiden Grafikdesigner eine enge Freundschaft. Kennengelernt haben sie sich über eine ihrer wenigen Gemeinsamkeiten: den Beruf. Walsh war damals als Art Director bei einem Magazin angestellt, welches einen Beitrag über Goodman abdrucken wollte. Zu diesen Zwecken kontaktierte sie ihn und fortan arbeiteten sie eng miteinander. Zunächst dachte die Mittzwanzigerin, der helle Rotschopf würde sie anbaggern. Doch schon bald war klar, dass er nicht mehr Interessen an ihr hatte als eine Freundschaft aufzubauen, denn sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Würde man sie in Farben darstellen, so wären sie absolut komplementär. Sie ist mit einer ausgiebig romantischen Ader versehen und sieht sich nach jedem Date bereits vor dem Traualtar, wohingegen ihn eher Ängste quälen, etwas zu verpassen, wenn er sich bindet, was der Grund dafür ist, dass er es meist gar nicht erst versucht.

Im Flugzeug auf dem Rückweg von einer gemeinsamen Reise zur Art Basel, einer Messe für zeitgenössische Kunst, sprudelte es plötzlich aus dem New Yorker raus: er habe schon länger geplant, ein Projekt zum Thema Dating anzugehen und nun sei ihm die finale Idee gekommen, wie dies umzusetzen sei. Walsh und er würden sich 40 Tage lang daten und ihre Erlebnisse, Emotionen und Erfahrungen protokollartig in einem Blog festhalten. Als „verrückt und wundervoll” bezeichnete Goodman den Einfall rückblickend in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ziel des Projektes sei es nie gewesen, dass es glücke und sie als Pärchen daraus hervorgehen, so die beiden. Vielmehr wollten sie an ihre alten Datingmuster anknüpfen und versuchen, diese zu brechen. „Jede Art von Kennenlernen ist ein Experiment”, so Walsh. Ihres hat nun eine andere Form angenommen, denn obwohl sie sich freundschaftlich bereits vertraut sind, möchten sie intimere Seiten aneinander kennenlernen. In kitschigen Liebesfilmen ist es schließlich häufig so, dass Frau urplötzlich mit ihrem besten Freunde endet, obwohl dieser doch bereits all die Jahre, in denen weitere Traum und Albtraummänner kamen, für sie da war. Somit verfolgt der Internetnutzer gespannt ihre tagebuchartigen Einträge, in denen sie vierzig Tage lang denselben Fragenkatalog beantworte. Je näher es auf das Ende zu geht, fragt er sich, ob sie sich denn nun wirklich kriegen.

Aller Anfang ist dabei schwer und das müssen sie am eigenen Leib erfahren. Scheint der erste Tag noch ganz normal, an dem sie sich einfach abends zum Essen verabreden, wie sie es schon so häufig vor dem Projekt gemacht haben, erlebt Goodman bereits am zweiten Tag eine Panikattacke. Seine Sorge: Walsh von nun an jeden einzelnen Tag zu sehen. Doch er fängt sich wieder und es geht bergauf, bis sie die Zweifel packen und sie aussteigen möchte. Irgendwann erkennt Tim, dass er mehr vom Leben möchte als kurzweilige Affären und Jessie, dass sie manchmal einfach ihren Kopf ausschalten muss. Ihre Realserie ist packend und abwechslungsreich, sodass dem eifrigen Leser einiges an Futter geboten wird.

Das Ende sei hier, für alle, die in den Bann verfallen wollen, noch nicht verraten. Mittlerweile hat auch Warner Bros bei den beiden angeklopft und sich die Filmrechte gesichert. Momentan sind sie fleißig dabei, die Realität in ein Drehbuch zu verwandeln. Doch wer weiß, vielleicht gibt es ja bald Staffel 2 im Internet zu finden. Das würde sie in New York wahrscheinlich in den Olymp befördern.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr an dieser Stelle mehr über ein Projekt der Alten Feuerwache – die erste Social Impact Bar Mannheims.

Polizei eingeschaltet: Streit zwischen Frankhauser und Stone geht weiter

Verstehen sich nicht: Model Samantha Stone (links) und Katzenberger-Schwester Jennifer Frankhauser (Foto Stone: Jürgen Wegner, Foto Frankhauser: privat)

Verstehen sich nicht: Model Samantha Stone (links) und Katzenberger-Schwester Jennifer Frankhauser (Foto Stone: Jürgen Wegner, Foto Frankhauser: privat)

Im Streit zwischen Katzenberger-Schwester Jennifer Frankhauser (21) und Model Samantha Stone (26) (wir berichteten) wird weiter mit harten Bandagen gekämpft. Nachdem Frankhauser am vergangenen Mittwoch auf ihrem Facebook-Profil den Screenshot einer angeblich von Stone versendeten Nachricht postete, wendete sich Stone an die Polizei: Die Nachricht habe sie nicht geschrieben. Es geht um die Worte „Das hast du davon du arrogantes Stück! Hab doch gesagt ich mach dich fertig. Mit mir sollte man sich nicht anlegen!“

Beziehen könnte sich diese Nachricht auf die öffentliche Auseinandersetzung der beiden jungen Frauen, in der es um den Freund von Stone geht. Nach Angaben des Models hat sie im Dezember eine Nachricht von Frankhauser erhalten, in der diese angab, ein Verhältnis mit Stones Freund zu haben. Screenshots, um ihre Aussagen zu beweisen, legte Stone der Redaktion vor. Allerdings seien diese laut Frankhauser gefälscht.

Frankhauser ist sich jedoch sicher, dass Stone mit den Vorwürfen das Ziel verfolgt, in die Schlagzeilen zu gelangen.

Was die beiden jungen Frauen selbst dazu zu sagen haben, teilten sie uns per Video-Botschaft und Textnachricht mit:

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

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Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.

Tipps für abwechslungsreiche Unternehmungen als Paar

von links: Benjamin J., Nina Darmstadt, Sabrina Kuhn, Deborah Willig und Jens Eisenhauer (Foto: privat)

von links: Benjamin J., Nina Darmstadt, Sabrina Kuhn, Frau Willig und Herr Eisenhauer (Foto: privat)

Ob man sich nun als Paar unter der Woche oder am Wochenende sieht oder gar zusammen wohnt – jeder freut sich auf die gemeinsamen Stunden. Oft wird vorher schon geplant, was zu zweit gemacht wird: Essen oder ins Kino gehen, einen gemütlichen Abend zu Hause verbringen oder über das Wochenende einen kurzen Ausflug machen. Allerdings kann dies auf die Dauer auch langweilig werden. Was man dagegen machen kann verraten bei Face2Face fünf junge Männer und Frauen:

Ungestörte Wanderungen in der Natur oder Konzertbesuche kann der duale Student Benjamin J. Paaren empfehlen. Vor allem sind Spaß und eine nicht all zu hohe Erwartung an die Treffen wichtig. Trostlose Aktivitäten gehören für den 22-Jährigen zu den No-Go’s, als Beispiel nennt er Schlagerpartys. Jedoch hat Benjamin für abwechslungsreiche und häufige Unternehmungen nicht viel Zeit – „Dank Arbeit und sonstigen Hobbys fallen diese Treffen eher kurz und auch nicht so unheimlich häufig aus.“ Die Seltenheit empfindet er keinesfalls negativ, denn für das Planen von vielfältigen Paarbeschäftigungen sieht er sich nicht als kreativ genug. Daher bevorzugt der 22-Jährige unregelmäßige Treffen, um den Prozess der Langeweile innerhalb der Beziehung zu verhindern. Auf die Frage hin, ob sich Langeweile vorbeugen lässt antwortet er wie folgt: „Meiner Ansicht nach ist es leider nur eine Frage der Zeit bis die Treffen nichts Besonderes mehr sind.“

Wandern, Klettern, Schwimmen, Radtouren oder Sportausflüge gehören für die 23-Jährige Nina Darmstadt zu den lustigen Unternehmungen. Außerdem geht sie gerne mit dem Partner Essen oder ins Kino und findet Wochenendtrips schön. Um Langeweile vorzubeugen genügen ihr bereits kleine Abweichungen von der alltäglichen Routine – wie zum Beispiel ein neues Restaurant ausprobieren oder anstelle eines Kinobesuchs einen Kurztrip zu machen. Ebenso können Spontanität oder ein selbstgemachtes Frühstück diese Wirkung erzielen. Jedoch ist für die gelernte Kauffrau im Einzelhandel und derzeitige Berufsoberstufenschülerin auch der persönliche Freiraum wichtig. Je nachdem wie die Interessen beider Partner sind, können auch gemeinsame Kurse und Aktivitäten für Abwechslung sorgen. Täglicher Unternehmungsdrang von seitens des Partners, Unlust, Lan-Partys, übertrieben lange Shoppingausflüge und Technoschuppen sind einige der vielen No-Go’s für die 23-Jährige. Darüber hinaus mag Nina es nicht, wenn sie alleine die Organisation und Entscheidungen für Aktivitäten tragen muss oder wenn der Partner diese ohne Rücksprache nach seinem Belieben beschließt. Dazu rät sie: „Achtet auf die Gefühle eures Partners. Zwingt niemanden zu etwas, dass er absolut nicht will und versucht nicht jeden Tag, jede Woche zwangsweise etwas zu unternehmen. Das klappt nicht und macht keinen Spaß.“

„Mein Partner und ich unternehmen ziemlich viel Abwechslungsreiches. Mal gehen wir zusammen auf den Fußballplatz unseres Heimvereins und schauen uns ein Spiel an, mal fahren wir spontan nach Frankfurt am Main in den Zoo.“, so die 24-Jährige Sabrina Kuhn. Meistens jedoch gehen sie spazieren oder machen Ausflüge mit dem Hund. Die Studentin hält es für möglich Langeweile vorzubeugen. Dies geht indem man offen für Neues ist und nicht alles voraus plant – Spontanität ist hier die Lösung. Ebenso wie Nina ist für sie der Freiraum wichtig. „Mein Partner geht zum Beispiel jeden Sonntagabend zu seinem Fußballstammtisch. Und ich habe meine Mädelsabende, das gehört dazu, damit man wieder Lust auf gemeinsame Zeit bekommt.“ Die eigenen Interessen dem Partner aufzuzwingen stellen für Sabrina ein Tabu dar. Vielmehr sollten gemeinsame Leidenschaften ausgeübt und das Mitspracherecht berücksichtigt werden.

Langeweile lässt sich in der Beziehung dadurch vorbeugen, wenn viele verschiedene Dinge gemacht werden, darin sind sich Deborah Willig und Jens Eisenhauer einig. Das einfache zu Hause hocken mögen sowohl die 22-Jährige Erzieherin als auch der 24-Jährige Elektroniker nicht. Das eher abenteuerlustige Paar geht gerne Billard spielen, in Freizeitparks oder gemeinsam in den Urlaub. Auch für Deborah und Jens ist es wichtig, dass sich jeder gleichermaßen in die Beziehung einbringt. Bei den Unternehmungen sollte man darauf achten, dass beide Spaß damit haben und es sich auch leisten können. Vor allem „verschiedene Sachen ausprobieren, die Interessen des anderen im Auge behalten und ein bisschen Geld in der Hinterhand haben, kann nicht schaden.“

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr über hilfreiche Tipps zum Restaurieren einer alten Bank nachlesen.

Ein Abend von vieren

Ein Abend von vieren

Geschafft – ein gelungener Abend fern der Couch (© Bady-markus / pixelio.de)

Es ist eine alte Geschichte. Jemand findet jemanden, mit dem er oder sie zusammensein will. Zieht zusammen, heiratet vielleicht sogar. Und schneller, als gefürchtet findet sich das traute Paar in der Routine wieder. Die gemeinsamen Abende werden nicht selten, aber sie vergrauen. Warum ausgehen, wenn die gemütliche Couch lockt? Warum essen gehen, wenn ein romantisches Mahl auch am heimischen Esstisch eingenommen werden kann? Warum tanzen gehen, wenn man sich immer noch in den Augen des anderen verlieren kann? Romantisch und verhängnisvoll.

Dann geht es los. Mal meckert er, mal meckert sie. Die Argumente sind fast immer die gleichen. „Nie gehen wir aus“, „Wir erleben nichts Neues mehr“, die gemeinsame Zeit wird zum Alltag und die Angst kommt, dass der andere vielleicht Langeweile in der Beziehung wiederfindet – oder gar der eine selbst.

Auch ich versuche immer mal wieder es zu schaffen, mit meinem Mann auszugehen. Kein leichtes Unterfangen. Mindestens drei von vier geplanten Abenden scheitern. Ich werde krank, er wird krank, unser Sohn wird krank. Er muss noch arbeiten, jemand kündigt sich plötzlich als Besuch an, wir finden keinen Babysitter. Hürden, die sich von Paar zu Paar unterscheiden und doch die gleichen Ergebnisse liefern. Der Abend fällt ins Wasser. Verschoben, verplant, verloren. Und die Angst wächst.

Ein Abend von vieren

Zusammensein – das eigentliche Ziel (©Jorma Bork / pixelio.de)

Ich bin dazu übergegangen, unseren gemeinsamen Kalender zu durchforsten, die Tage mit meiner Mutter abzusprechen, wann sie auf das Kind achten kann, die Möglichkeiten ausloten, was ich mit meinem Mann unternehmen kann. Eine Liste, die erstaunlich kurz ist und immer kürzer zu werden scheint. Wenn ich dann tatsächlich auf ein Datum gekommen bin, einen schönen Abend geplant habe und damit stolz zu meinem Mann komme, ist seine Reaktion oft verhaltener, als ich gehofft hatte. Ab und an eröffnet er mir auch, dass der sorgfältig ausgewählte Tag ihm so gar nicht passt. Frustrierend? Vielleicht, aber die Mühe wert.

Selbst wenn von vier geplanten Abenden, drei ins Wasser fallen, bleibt ein Abend, den wir nicht nur zusammen verbringen, sondern mit etwas nicht alltäglichem. Kino, Theater oder Essen, es zählt der Moment, an dem wir nicht zu Hause sitzen und das tun, was wir immer tun. Selbst wenn der Film schlecht ist, das Stück nur einem von uns gefällt und wir beim Essen ins Diskutieren kommen, das ist unsere Zeit. Es kann immer sein, das wir dabei noch etwas am anderen entdecken, was wir noch nicht kannten, was wir lange nicht gesehen hatten, was ihn uns näher bringt.

Eigentlich war unser Plan, alle zwei Wochen auszugehen. Wenn wir es einmal im Monat schaffen, ist das mittlerweile schon viel. Jeder Abend wird dabei zum Geschenk, schon allein wegen des Aufwandes, des Hintergrundes und der kostbaren Zeit. Und wenn alle Stricke reißen, können wir auch sehr gut einen gemütlichen Abend auf der Couch genießen und zu schätzen wissen. Vielleicht schaffen wir es nur einen von vier geplanten Abenden auch wirklich aus dem Haus, das heißt nicht, dass wir die anderen drei Abende nicht auch zu Hause gemeinsam verbringen können.

Ein Abend von vieren

Lust zu spielen? Zeit zu zwei daheim genießen (Foto: Sharifi)

Ob beim Fernsehen statt im Kino, beim Spieleabend statt im Theater, beim Puzzeln, Computerspielen oder was auch immer. Gemeinsame Zeit ist kostbar, egal wo wir sie miteinander verbringen. Wichtig ist dabei, dass wir uns dieser Zeit bewusst sind. Dass sie dennoch ein Ausbruch aus dem Alltag ist, oder zumindest ein Lichtblick im grauen Einerlei. Keine Beziehung kann immer auf der Höhe schweben, jede braucht ab und an etwas mehr als Alltag. Wo wir das finden, ist unsere Sache. Dass wir danach suchen, ist eigentlich unvermeidlich. Vielleicht müssen wir nur richtig hinschauen, um es zu entdecken, um auch im Alltag das Schöne wiederzufinden, das wir doch in einer Beziehung gesucht haben. Die Versuche, endlich mal wieder auszugehen, sind schon allein wichtig, weil es Versuche sind. Wenn sie gelingen, um so besser. Wenn nicht, können wir auch in anderen Momenten das finden, was wir uns an diesen Abenden erhofft haben. Auch einer von vier Abenden zählt und tut uns einfach gut. Also werde ich nicht aufhören, zu planen und zu versuchen.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Alexandra von der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren.