Mysterium Vorstellungsgespräch – eine Expertin klärt auf

Was ist euch bisher Komisches oder Unangenehmes bei einem Vorstellungsgespräch passiert? Vor welchen Fragen graut es euch so richtig? Das wollten wir von euch wissen.

Beantwortet jede Frage rund ums Thema Vorstellungsgespräch: Berufsberaterin Petra Scheid von der Agentur für Arbeit (Foto: privat)

Beantwortet jede Frage rund ums Thema Vorstellungsgespräch: Berufsberaterin Petra Scheid von der Agentur für Arbeit (Foto: Agentur für Arbeit)

Ihr habt uns fleißig eure Geschichten und Fragen geschickt und wir haben sie vertrauensvoll in die Hände von Petra Scheid, ihres Zeichens Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit, gegeben. Hier also nun die Antworten auf eure brenzligen Fragen und Anliegen rund ums Thema Vorstellungsgespräch und Bewerbung:

Thomas gestand uns ehrlich: Es macht mich fertig, dass bei den Absagen nie ein Grund genannt wird. Selbst auf Nachfragen bekommt man keine Auskunft. Kann man da irgendetwas machen?

Scheid weiß: Rechtlich hat man keine Möglichkeit den Grund zu erfahren, wenn der Arbeitsgeber ihn nicht nennt. Aber in der Regel geben die Unternehmen bei konkretem Nachfragen Auskunft, warum man eine Absage bekommen hat.

Sonja möchte wissen, wo sie Unterstützung in Sachen Vorstellungsgespräch bekommen kann: Gibt es Anlaufstellen, bei denen ich ein Vorstellungsgespräch üben oder meine Bewerbung sichten lassen kann, um Schwachstellen herauszufinden?

Scheid hat jede Menge Tipps parat: Bewerbungen sichten jederzeit die Vermittlungs- und Beratungsfachkräfte der Agenturen für Arbeit und Berufsinformationszentren (BiZ). Auf der Homepage der Agentur für Arbeit finden sich dazu viele Hilfestellungen. Es gibt auch private Anbieter, die in dem Fall beraten.

Bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch sollte man sich auf der einen Seite seiner eigenen Stärken, Fähigkeiten, Interessen aber auch Schwächen bewusst sein und zum anderen über das Berufsbild und den Betrieb, bei dem man sich bewirbt, informiert sein. Bei Ausbildungs- und Berufsmessen hat man oft die Möglichkeit im Rahmen eines Workshops Vorstellungsgespräche zu üben. In Schulen werden hierzu manchmal auch AGs angeboten. Im Prinzip sollte man vor einem Vorstellungsgespräch jede Gelegenheit nutzen laut zum Beispiel mit Eltern oder Freunden Fragen und Antworten aus Vorstellungsgesprächen zu formulieren. Auch hier finden sich Hilfestellungen auf der Homepage der Arbeitsagentur (www.planet-beruf.de, www.abi.de)

Natascha erzählt von einer schlechten Erfahrung: Bei meinem letzten Vorstellungsgespräch wurde alles – wirklich alles an meinem Lebenslauf bemängelt. Wie reagiere ich darauf am besten im Gespräch?

Scheid erklärt: Hier muss man eventuell unterscheiden, ob die Form oder der Inhalt des Lebenslaufes kritisiert werden. Am Besten im Gespräch ruhig bleiben und nachfragen, was man aus Sicht des Arbeitsgebers besser machen könnte.

Die erste Hürde ist geschafft: Endlich beim Vorstellungsgespräch! Doch auch hier gilt es Herausforderungen zu bestehen (© Konstantin Gastmann  / pixelio.de)

Die erste Hürde ist geschafft: Endlich beim Vorstellungsgespräch! Doch auch hier gilt es Herausforderungen zu bestehen (© Konstantin Gastmann / pixelio.de)

Axel berichtet: Bei zwei meiner vier Vorstellungsgespräche in der letzten Zeit ließ man mich über 30 Minuten warten. Das war wirklich nervig. Kann ich da als Bewerber irgendetwas tun?

Scheid meint: Freundlich nachfragen, wie lange ich eventuell noch warten muss. Manchmal verzögern sich die Vorgespräche oder dauern länger als geplant und es kommt zu Wartezeiten.

Constantin hat schlechte Erfahrungen in Bezug auf die Zuverlässigkeit eines potenziellen Arbeitsgebers gemacht: Bei einer meiner Bewerbungen warte ich schon seit drei Monaten auf eine Zu- oder Absage. Was ist in einer solchen Situation zu tun? Abwarten oder nachhaken? Gibt es irgendwelche Regelungen, nach denen sich der potenzielle Arbeitgeber nach einer gewissen Frist zurückmelden muss?

Scheid rät: Anrufen und nachfragen, bis wann man mit einer Antwort rechnen kann. Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, wonach der Arbeitsgeber sich nach einer bestimmten Frist melden muss. Das Nachfragen von Seiten des Bewerbers zeigt Interesse, fällt also mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv auf.

Jan erzählt: Ein Bekannter von mir ist gebürtiger Russe. Im Vorstellungsgespräch ist er auf die Frage, welche Sprache er zuhause spricht, nicht eingegangen. Obwohl er seine Eignungsprüfung sehr gut abgeschlossen hat, hat er die Stelle nicht bekommen. Weshalb spielen private Dinge eine so große Rolle bei der Auswahl von Bewerbern – schließlich geht es ja um die Leistung im Job? Und: Wie reagiert man bestmöglich auf Fragen, die einem zu privat sind?

Scheid antwortet: Wenn man sich hier gut vorbereiten will, kann man sich vorher auf der Seite der Antidiskriminierungsstelle des Bundes über verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch informieren. Manchmal fragen Arbeitsgeber private Dinge auch  einfach, um den Bewerber besser kennen zu lernen und sich ein umfassendes Gesamtbild von ihm zu machen.

Tipps zum Thema Vorstellungsgespräch findet ihr auch HIER. Wie ihr mittels Körpersprache im Vorstellungsgespräch punkten könnt, lest ihr HIER.

Erfolg bei der Jobsuche, Teil 4: Die richtige Körpersprache beim Vorstellungsgespräch

Die ersten Momente sind es, die ein Bewerbungsgespräch ausmachen. Der sagenumwobene „erste Eindruck“. Dabei braucht der Mensch gerade einmal 90 Sekunden um sich ein Bild seines Gegenübers zu machen. In dieser Zeitspanne nehmen wir – wie das Eisbergmodell von Sigmund Freud darstellt – ca. 80% der Eindrücke über non- und paraverbale Signale auf. Der aktivste Sinn hierbei ist das Auge. Daher ist es wichtig, die richtigen Signale zu senden. Im Folgenden werden Tipps für eine angemessene Körpersprache im Rahmen eines Vorstellungsgespräches gegeben.

Erfolg bei der Jobsuche, Teil 4: Die richtige Körpersprache beim Vorstellungsgespräch

Den richtigen Mittelweg finden: Auch bei der Begrüßung gilt, fester Händedruck, aber nicht zu (© Konstantin Gastmann / pixelio.de)

Ein freundliches Lächeln:

Es gilt darauf zu achten, von Innen heraus ein Lächeln zu erzielen. Man kann sich vor dem Gespräch selbst mental motivieren um statt eines unsicheren, ein authentisches Lächeln zu präsentieren. Die Augen sollten die Stimmung widerspiegeln: „Lacht“ das Auge nicht, wirkt der Jobanwärter nervös und das Mienenspiel aufgesetzt.

Die Hände auf den Tisch legen:

Wir interpretieren versteckte Hände stets als Gefahr und sie erwecken unser Misstrauen. Wenn der Gesprächspartner ein Getränk anbietet, solltest du es annehmen. Damit hast du einen guten Grund, die Hände oberhalb des Tisches zu haben. Auch hierzu ein Tipp: auf ausgefallene Wünsche verzichten. Lieber Wasser statt Kaffee mit einem Schuss Milch und zwei Stück Zucker trinken.

Haltung bewahren:

Natürlich ist es wichtig nicht steif dazusitzen, gleichzeitig sollte man aber darauf achten, nicht zu leger zu wirken. Am besten nimmt man hierfür eine gerade Haltung ein, sodass der Rücken die Lehne des Stuhls nur leicht berührt.

Große Gesten vermeiden:

Als Bewerber ist man stets Gast in einem fremden Arbeitsraum. Der Gesprächsleiter ist auch der Territorialherr. Es ist nicht erwünscht, dass man sich ausbreitet oder Erkundungstouren startet. Lieber sollte man etwas zurückhaltender sein. Ebenso verhält es sich auch mit den Gesten: Große Gesten wirken oft sehr besitzergreifend. Untermalen – nicht Luftschlösser bauen – heißt die Devise. Auch die Redeweise sollte nicht zu ausschweifend sein. Lange Monologe sind fehl am Platz.

Es ist wichtig, die eigene Körpersprache kennen zu lernen und aus sich selbst heraus Gesten entstehen zu lassen. Allerdings sollte man natürlich darauf achten, keine falschen Signale zu senden.

Vorschau: Nächste Woche beginnt die Serie „Asiatisches Essen“ .


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Erfolg bei der Jobsuche, Teil 1: Die schriftliche Bewerbung

Erfolg bei der Jobsuche, Teil 2: Das Vorstellungsgespräch

Erfolg bei der Jobsuche, Teil 3: Gut zu wissen