Shades of Grey – viel heiße Luft um Nichts?!

Im Jahr 2014 soll es endlich soweit sein: Die von tausenden Frauen herbeigesehnte Verfilmung der „Shades of Grey“-Reihe soll auf die Leinwand gebracht werden. Diverse „selbstgemachte“ Trailer von Fans kursieren bereits auf „Youtube“ und bieten einen Vorgeschmack, wie die filmische Umsetzung der Bücher am Ende aussehen könnte. Bevor die kurz abgenommene Welle der Schlagzeilen wieder die Medien überflutet, wird es höchste Zeit, noch einmal die Bücher in Augenschein zu nehmen und ein Fazit zu ziehen.

Die Handlung der Erfolgstrilogie ist recht schnell erklärt und wohl inzwischen auch jedem zumin­dest halbwegs bekannt: Die 21-jährige Studentin Anastasia Steele lernt den Multimillionär Christian Grey kennen und verliebt sich sofort in den smarten Geschäftsmann. Mit einer schlimmen Kindheit und seiner dunklen Vorliebe für SM-Praktiken beladen stellt Mr. Grey nicht ge­rade den einfachsten Partner für die junge Ana dar, die sich so gar nicht seinem „Vertrag“ fügen und seine „Sub“ sein möchte. Dennoch versuchen es die beiden miteinander. Was dabei herauskommt, kann man in insgesamt drei Büchern über diese „Liebesgeschichte“ nachlesen.

Von der Neugier um den Wirbel, den diese Bücher in der halben Welt ausgelöst haben, getrieben, hat sich auch Face2Face-Mitarbeiterin Vanessa Betz die ersten beiden Bände besorgt und kann nur fassungslos den Kopf schütteln. Der Sprachstil der Autorin lässt einem die Haare zu Berge stehen: die Bücher bestehen aus einfachsten Sätzen, fantasielos aneinander gereiht, ohne dass man auch nur einen Hauch von Raffinesse im Umgang mit der Kunst der Worte feststellen kann. Auch das Vokabular von E.L. James beschränkt sich auf ein Minimum: So „zerbirst“ die Protagonistin bei fast jedem Orgasmus, der sie bereits beim Anblick von dem unmenschlich attraktiven Christian Grey übermannt, in „1000 Teile“ – dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass sich ihr Unterleib dabei ganz „köstlich“ zusammenzieht. Vielleicht liegt das an Greys unglaublich grauen Augen? Die werden selbstverständlich auch, damit man sie bloß nicht vergisst, vorsichtshalber auch auf gefühlt jeder fünften Seite beschrieben. Ansonsten kaut Ana liebend gern auf ihrer Unterlippe herum, wird rot oder starrt auf ihre Hände oder Beine. Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären:

Die Protagonistin wird als „unbeschreiblich schön“ beschrieben, ihr liegen sämtliche Männer der Erzählung, die selbstverständlich auch alle mit einem unglaublichen Aussehen ausgestattet sind, zu Füßen. Sie selbst hat natürlich von ihrer Schönheit keinen Schimmer und ist von E.L. James mit einem unterdurchschnittlichen Selbstbewusstsein und einer großen Portion Naivität ausgestattet worden. Mit 21 Jahren ist sie noch Jungfrau, ungeküsst und hat selbstverständlich auch dem Alkohol noch nicht ein einziges Mal zu viel gefröhnt. So kommt es, dass sie bereits nach zwei Bier völlig neben sich steht und der Retter Christian Grey wie aus dem Nichts herbei eilen muss, um sie zu retten.

Die Darstellung des männlichen Protagonisten ist ebenfalls total überzogen und Grey erfüllt sämtliche Klischees: Der gutaussehende Geschäftsmann, der mit 24 Jahren locker 100.000 Dollar die Stunde verdient, kommt daher wie ein Prinz auf dem weißen Pferd, um seine Ana, auf die er, der schwerreiche Junggeselle, nur gewartet hat, zu retten. Wäre da nicht seine Vorliebe für SM-Praktiken, die selbstverständlich auf seine schlimme Kindheit zurück zu führen sind. Auch in diesem Fall spart James nicht und greift voll in die psychologische Trickkiste für Anfänger: Wenn man schon ein Buch schreibt, indem der Hauptdarsteller ein Trauma hat, sollte man doch bitte ein bisschen gründlicher recherchieren, um den Leser nicht komplett für dumm zu verkaufen.

Und dennoch muss man gestehen: Trotz des unglaublich einfachen, sich ständig wiederholenden Sprachstils und der flachen Handlung ist es der Autorin gelungen, ihre Bücher mit enormen Verkaufszahlen auf die Bestenlisten zu bekommen. Es ist unumstritten: „Shades of Grey“ hat einen enormen Wirbel ausgelöst und ein bis dahin bestehendes Tabu gebrochen – Gott und die Welt spricht auf einmal über Fesselspielchen und Peitschen ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Und solange man weiß, dass man sich bei dieser Trilogie auf eine seichte Geschichte einstellen muss, kann das Buch bisweilen tatsächlich eine angenehme Unterhaltung sein.

Insgesamt kann man festhalten: Entweder man liebt die Bücher oder man hasst sie. Dies bestätigen auch die zahlreichen Kundenrezensionen, die über „Shades of Grey“ verfasst wurden.

Fraglich bleibt nun, ob es den Drehbuchautoren und Hauptdarstellern gelingt, aus den Büchern einen anspruchsvolleren Streifen zu zaubern, als es die schriftliche Vorlage hergibt. Immerhin sind die Produzenten Dana Brunetti und Michael DeLuca mit ihrem Film „The Social Network“ für den Oskar nominiert und auch die Auswahl der im Gespräch stehenden Hauptdarsteller, darunter unter anderem Emma Watson, Matt Bomer und Alexis Bledel, klingt vielversprechend – es bleibt spannend. Was allerdings bereits jetzt feststeht: Der Film wird sicher ein voller Verkaufserfolg – ob er jetzt anspruchsvoll umgesetzt ist oder nicht.

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr hier etwas über die Litarturdebatte über rassistische Begriffe in Kinderbüchern lesen.